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Full text of "Geschichtsquellen des Bisthums Münster."

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^ DIB 

GESCHICHTSQUELLEN 

DES 

BISTHÜMS MÜNSTER. 



HEEAüSGEaEBEN 

yoN 

FREUNDEN DER VATERLÄNDISCHEN GESCHICHTE. 



SECHSTER BAND: 

KERSSENBROCHS WIEDERTlDFEROESCHICHTE 

ZWEITE HÄLFTE. 



■ ^> HK <» ■ 



MÜNSTER. 

DRÜCK UND VERLAG DER THEISSING'SCHEN BUCHHANDLUNG. 



18 9 9. 



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HERMANNI A KERSSENBROCH 



ANABAPTI8TICI FUR0RI8 

HOMSTERIDH IlVCLITiH 
WESTPHALIIE METROPOLIH ETERTENTIS 

mSTOmCA NARRATIO. 



IM AUFTEAGE DES YEREINS FÜB VATER- 
LÄNDISCHE GESCHICHTE UND ALTEETÜMSKUNDE 

HEBAÜS6EGEBEN 
YON 

DR. H. DETMER 



ZWEITB HÄLFTS. 



» > X <» 



MÜNSTER 

DRUCK UND VERLAG DER THEMSmCTSCHEN BUCHHANDLUNG. 



18 9 9. 



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rUi.LlC LiDIlARY 

937419A 

y-^'v n. Lr-Nox and 

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Porro nbi senatns per hanc transactionem in omnes urbis 
paroeciales ecclesias ins designandi concionatores assecntns fn- 
isset, bis illnd legibns commnniri volnit, qnamm epigraphe 
haec est: 

^Snccinctnm mnnicipalinni legnm excerptnm earnm rernm, 
qnae ad senatns Monasteriensis anctoritatem pertinent^. 
Cnm onmis in timore Domini vivendi ratio ex verbo Dei 
proflnat, qnod per pios concionatores popnlo annnnciatnr, necesse 
itaqne est ad conservandam christianam rempnblicam, nt fideles 
et pii concionatores constitnantnr, qni (nt Panlns inqnit)' ido- 
nei sint, nt alios qnoqne doceant et recte sermonem veritatis 
dispensent. Homm antem tot snnt eligendi, qnot pro reipnblicae 
amplitndine snfßciant Singnlis itaqne parochiis dno praefici- 
entnr, qni modo seqnenti ordinabnntnr. 

Primnm singnlae paroeciae dnos vires pietate et doctrina 
praecellentes designabnnt, qnos ad concionandi mnnns ntiles esse 
indicaverint. Deinde ex toto paroecianomm nnmero qnatnor eli- 
gentnr, qni designatos istos ecclesiastas ad examinatores a se- 
natn, tribimis ac mechanicomm praefectis constitntos addncant. 
Hinc examinatores perdivini nnminis invocationem *delectos et«p. 350. 
ad se addnctos, nt scriptnra habet, diligenter probabnnt et, si 
ad ministerinm verbi idonei fnerint, ipsos ad popnlnm, a qno 



') Ein deutsches Original ist bis jetzt nicht nachweisbar. Nur dnrch 
Kerss. sind nns diese ^Grandzüge der eyangelischen KirchenTerfassung der 
Stadt Münster^ erhalten. Einen Abdruck derselben giebt CA. Cornelius: 
M. A. n. 8. 317 £f., eine Charakteristik derselben ebendas. 8. 147 £f. Mit 
Recht macht er aber M. G.-Q. II. EinL S. 53 Anm. darauf aufinerksam, 
dafs diese Bekanntmachung erst von dem neuen Rate erlassen wurde, dessen 
Wahl am 3. M&rz Kerss. chronologisch ungenau erst weiter unten berichtet. 

«) 2 Tim. 2, 2. 



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386 ^ Anno 1533 acta. 

electi snnt, redncent ibiqne in conspectn omniam paroecianonun 
ipsis officii sni admonitis ovicolas Christi fideliter committenty 
snbditos qnoque, qua benevolentia et benignitate erga ipsos af- 
fecti esse debeant, commemorabnnt. Tandem hanc conciona- 
tornm vocationem publica ad Denm facta deprecatione confir- 
mabnnt, qni hoc susceptnm ministerinm in aagmentnm gloriae 
snae et commonem omnimn salntem fortnnare dignetor. 

Concionatores itaque sie ordinati circa dispensationem yerbi 
et sacramentorum nee non in aliis ecclesiasticis functionibns 
certas formas ac ceremonias sacris literis conformes cnm senatns, 
tribnnorum ac mechanicomm praefectomm consensn et anctori- 
täte constituent constitutasqne inyiolate servabnnt. 

Praeterea cnm plnrimum reipublicae intersit, nt inyentns 
bene educetnr et quotidianis virtatam incrementis exercitata ad 
pnblicae societatis gnbernacola adolescat, senatns virnm probom, 
pinm et doctum scholae pnblicae praeficiet, qni cnm examina- 
toribns consilio commnnicato ea, qnae ad scholasticam discipli- 
nam necessaria et ntilia esse yidebnntnr, senatn anctore coa- 
stitnet ^ 

Ad haec dno a senatn pnblico stipendio conducti sacras 
literas et veteris et novi testamenti legent et interpretabnntnr, 
cni rei locus commodus designabitnr. In singulis paroeciis gazo- 
philacia erigentnr diaconique eligentnr, qni diebns dominicis 
collectas sub concione pecnnias aliasqne pensiones ratione trans- 
actionis inter principem et senatum initae' piis usibns desti- 
natas vera panpertate afflictis erogent. 

Senatus duos vires solertes, duos qnoque tribuni, et toti- 
dem mechanicomm magistri constituent, qni per totam urbem 
publicomm mendicomm euram gereutes accurate de eomm pa- 
tria, de parentibus et educatione, de yitae innocentia, de cor- 
•p. 351. poris imbe*cillitate, quibusque exercitiis sint occupati, inquirent, 
ut eleemosynis digni certis notis insigniti alantur, indigni vero 
ac ignoti ad suos relegentur. Nam impudentibus saepe mendicis 
male erogantur eleemosjnae. 

^) Von der Errichtung einer evangelischen Schale erzählt Kerss. 
gleich weiter unten. Darüber aber, dafs eine Schulordnung wirklich aus- 
gearbeitet wurde, fehlt jede Nachricht. 

«) Vgl. Bd. 1 S. 376 Artikel 7 des Vertrages. 



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Aimo 1533 acta. 387 

Praeter hos senatus, tribuni et mechanicomm praefeeti sex 
censores, vires graves atqne conspicua yirtute illnstres, designa- 
bnjit, qni controversias in matrimonüs passim ezortas diebus 
Satuini in loco commodo disentient ac diriment Qnae nisi 
matnre componantor, plnrimnm incommodi in rempnblicam im- 
portare solent. 

Porro quomodo qnisque se in sna fanctione geret, ex iosto 
plebiscitornm yolnmine cognoscetnr. Haec vero breviter anno- 
tata sunt, nt ea, qnae ad christianae reipnblicae formam perti- 
nent, coepisse yideamur. 

Cnm antem dispensatores verbi, qni popnlnm per doctri- 
nam Dei ad christianae vitae societatem pertrahent, in sna fanc- 
tione confirmati fnerint, dnbinm non erit, qnin mniti pertinaces 
et praefracti hondnes fntnri sint, qni yerbo Dei non parentes 
puram ac christianam vitam difBcillüne amplectentnr. Tales 
itaqne ad christianae vitae pnritatem conservandam instis legi- 
bus et gladii animadversione coercendi snnt. Qnare^ in blas- 
pbemos et manifeste delinqnentes legitimae poenae constitnentnr, 
qidbns in praefractomm terrorem et bonomm tntelam a senatn 
afficientnr. 

Principio omnes manifeste impii et in Denm blasphemi 
christiano anathemate ferientnr, qno in malitia sna obstinati et 
post secnndam ant tertiam admonitionem non resipiscentes per 
ministros verbi excommnnicabnntnr atqne ita a christianomm 
coetn pnblico segregabnntnr, nt, qni christiani esse velint, nihil 
commercii et consnetndinis cnm illis habeant. Si vero illnd non 
profnerit, sed in sna malitia pertinacins (qnod Dens avertat) 
perseveraverint pravoqne sno vivendi exemplo rempnblicam oflfen- 
derint, a senatn semel atqne itemm admonebnntnr; qnae ad- 
naonitio si fmctnm pepererit nnllnm, pro ratione facti dignas 
poenas Inant. *His antem flagitiis, qnae inre civili pnninntnr, *p. 852. 
nt latrociniis, fnrtis, proditionibns et similibns, novas leges et 
poenas constitnere non est operaeprecinm ; sed iis, qnae (pro 
dolor) dintnma consnetndine in magnam bonomm hominnm 
offensionem levia visa snnt neqne hactenns pnnita, leges et 
poenas irrogare necessarinm est, qnalia snnt vana et temeraria 
inramenta, execrationes, dirae imprecationes, blasphemiae in 

1* 



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388 Anno 1533 acta. 

Denm, dienun festorom per inntiles et Bon necessarios labores 
profanationes, verbi Dei andiendi pervicax neglectas, concionum 
sacranim per tibias ac tympana aliosye motns contarbatio, übe- 
romm ingratitndo, qui parentibus suis infamiam irrogant, adol- 
terimn, fomicatio, stnpram, lenocininm, ebrietas, inntilis et 
snmptaosa per loxum aleamve profasio, falsnin testimonimn, 
obtrectatio ac famae alterins denigratio, nsura. Haec flagitia 1^- 
timis poenis coercere ad conservationem reipnblicae oon solam 
utile, sed et necessarinm esse indicamiis. Beliqna, qnae hnc 
pertinent, ad integmm plebiscitomm scriptum codicem trans- 
feremns, qnae sacris literis iareqne civili confirmata et a senatn, 
tribnnis, mechanicomm magistris ac tota Monasteriensi republica 
comprobata tjpisqne excusa nniverso orbi, omniiun homimun 
iudicüs offeremns. Äd quam rem feliciter conficiendam prae- 
sidimn Dei optimi mazimi imploravimns^^ 



*) Die in Aussicht gestellte Eirchenordnung ist, wie es scheint, nicht 
mehr erhalten. Doch wnrde sie von Bothmann wirklich yerfafst (vgl. die 
von G. A. Cornelius: M. A. n. S. 150 Anm. aus dem im Stadtarchiv M. 
befindlichen Registnim der Gmtherren abgedruckte Notiz) und seitens der 
Stadt am 17. April dem Landgrafen znr Begatachtang übersandt. Im 
Schreiben (Orig. im St.-A. Marburg) meldet der Rat: ». . . dat wy . . . eyne 
ordennnge dorch unse predicanten myt bekantnisse erer lere hebn verfathen 
laten." Der Rat überschickt sie durch seinen Diener Franz von Werne und 
bittet den Landgrafen, sie durch seine R&te und Gelehrten durchsehen zu 
lassen, „to corrigeren, dar an und äff to setten, dem hilligen eyangeüo 
und godtlichen schrifften gemeefs.** Zur Sache vgl. auch C. A. Cornelius 
a. a. 0. II. S. 148 f. A. Corvin: Acta etc. Bl. B 1 meldet, die Marburger 
Theologen h&tten „in sachen, den tauff und abentmal belangen, keinen 
genügen gehabt und gcprechen gefunden'' und hätten die Schrift zur wei- 
teren Erklärung nach Münster zurückgesandt. Auf abennals unbefriedigende 
Antwort Rothmann^s hin habe dann der Landgraf Fabricius und Lening 
nach Münster geschickt. S. weiter unten. Erwähnt wird das Gutachten der 
Marburger Theologen und die von Rothmann, Roll und Staprade darauf 
erlassene Erklärung in den Dispntationsakten vom August 1533 (Ztschr. 20 
[1859] S. 155 u. 158 f. und H. Hamelmann: De paedobaptismo Bl. C5 
n. D 1). lieber die letzte Erklärung der Prädikanten erfahren wir aus dem 
„Bericht von der gottseligen anstellung . . . durch die Prediger zu SttaÜB- 
bürg." Vgl. P. Bahlmann: BibL 1534 Nr. 1. — Die „Tuchtordeninge'' 
findet sich in einem Originaldruck in der Königl. Paulinischen Bibliothek 
zu Münster (s. P. Bahlmann: BibL 1533 Nr. 2). Sie ist abgedruckt bei 



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Anno 1533 acta. 389 

Plebs et concionatores snperioribns concordiae pactis plus 
licentiae, quam nnqnam speraverant, consecuti eam perpetuo 
dnrataram confidentes plus solito insolescunt. Pontificem iam 
cum rasa sna cohorte debellatnm esse, tjrannidem papisticam 
comiisse, evangelicam vero libertatem a gravi seryitntis iago 
per Bothmannum ereptam sibiqne restitntam et concordiae legi- 
bus confirmatam, erromm iam caligines vera lace illostratas 
passim clamitant. Et cum Toto sibi omnia snccessisse pntent, 
in gratiam evangelii et papae contemptnm matna inter se con- 
Yivia agitant, epnlantar, commessantnr, potitant, sed nnnqnam 
sine Bothmanni, licentiae auctoris, praesentia, quem tanquam 
propitium aliquod numen omnibus suis convivüs adesse volunt \ 
quem suspiciunt, quem admirantur, *quem venerantur, quem^p. 8&3. 
nova Yoce superintendentem appellant ', quem primo mensae loco 
dignantor, a cuius ore omnes pendent, quo loquente tacent omnes, 
quo tacente verecundia est quenquam loqui, unde ipse in ma- 
gnam ernditionis et sapientiae opinionem apud imperitum vulgus 
se insinuat. Hinc adeo sibi placet, adeo fastu turget, ut prae 
se omnes doctos contemnat. Tandem quoque plebeio favori tri- 
buit, ut iam stabiles in urbe sedes promittere sibi audeat. Et 
cum nihil tandem ad suaviter vivcndum praeter thalami con- 
sortem deesse sibi eiistimaret, relictam loannis Vigerii 19. Pe- 



C. A. Cornelias a. a. 0. II. S. 320 ff. Von Bürgermeistern und Bat, Older- 
nnd Meisterleuten erlassen, „enthält sie doch für die meisten wichtigen Ver- 
gehen noch kein bestimmtes Strafinafs und überlfifst es späterer Anord- 
nung, die Befugnisse der Zachtherren abzugrenzen und die Art ihres Yer- 
fahrens zu bestimmen . . ." (s. C. A. Cornelius a. a. 0. II. S. 152). 

') Yergl. dazu die lebhafte Schilderung in dem niederdeutschen 
Schmähgedicht: „Der Mönsterschen Ketzer Bichtboeck" (s. P. Bahlmann: 
Bibl. 1535 Nr. 32). Ein Teil der hierauf bezüglichen Verse ist abgedruckt 
bei C. A. Cornelius: M. A. IL S. 170f. In A. Corvin's „Acta etc.* 
heifst es Bl. A 4^: «Doch hat sich der liebe Rothman imer wie das kotzlein 
schmücken und schön machen woUen, gab sich als ein Engel des Hechtes 
Tor dem gemeinen pöffel fein dar." 

*) Der Titel eines Superintendenten für Bothmann — Kerss. wieder- 
holt diese Bezeichnung sehr bald weiter unten noch einmal — kann akten- 
mäTsig nicht belegt werden. Yergl. übrigens die Bemerkungen von C. A» 
Cornelius: M. A. IL S. 149 Amn. 



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390 Anno 1533 acta. 

19. Febr. bmaril nxorem dncit, cni snperstite etiam marito evangelicnm 
spiritum et amorem infddisse dicitnrK 

Fnit antem loannes Vigerins syndicns civitatis , vir mire 
facundus, qui, cnm oblectationis et animi reficiendi causa cnm 
nxore et qnos illa ferebat (erat enim mnlier admodmn procax) 
in fündnm snbnrbannm stagnantibns aqois, fragrantibus herbis 
et pomiferis arboribns amoenissimnm se pedes recepisset et so- 
lito hilarior esset, ibi forte ex zelotypia, nt snspicio erat» subita 
apoplexia correptns omninm fere membrorom viribus destitutus 
est ac baiulorum opera in urbem rediit. übi vero membra efS- 
cacibus pharmacis refocülata stuporem primmn excussissent et 
aliquantum pristini vigoris recepissent, ex consilio quomndam 
mediconun thermas Embdenses cum coniuge adiit Venun uxor 
sui magis, quam mariti curam agebat; ideo relictmn solum 
aquis thermarom soffocatum postea reperit^ Haec itaque re- 



') Bei Job. Fabricius Bolandus: Motus Monast Bl. £5^ heilst es: 

,Non ego flagitLum loquar exitiale nefandae 

Coniugis, hei, quod ab hoc vir miser arte tulit; 

Goniugis arte tulit Stjgia sibi propter opertos 
Concabitns avidi crimen adulterii/ 
Tgl. auch Herrn. Hamelmann S. 1200. Dessen Quelle sind weiter die 
yOollectanea locorum communium ex lectionibns D. PhiL Melanchthonis, 
tum ex aliorum doctissimorum virorum relationibus excerpta" des Joh. 
Manlius (Budissinae 1565) S. 483 f., die aber den Namen des Yigerius 
nicht nennen. Dort wird nur ein „bonus homo, ibidem (seil. Monasterü) 
scriba senatus, paMa lipsensis, favens eTangelio'' angeführt. 

*) Job. Manlius a.a.O. berichtet, dafs die Frau ihren Gatten 
vergiftet habe. Es heifst dort: „Hie (sc. scriba senatus) habebat coniugem 
mirabilem, quae coepit insanire amore Rothmanni, quapropter et vinim 
▼eneno interemit; postea Rothmanus duxit eam .,," Schon L. v. Ranke: 
Deutsche GescK Bd. 8 Buch 6 Kap. 9 weist darauf hin, daTs in der „Po- 
stilla Melanchthoniana*' des Chr. Pezelius (excerpiert von G.Th. Strobel: 
Yon Melanchthon^B Verdiensten um die hl. Schrift [Altdorf u. Nürnberg 1773} 
S. 93, vollstftndig gedruckt im „Corpus Reformatorum" Bd. 24 [Braunschw. 
1856], s. unsere Stelle S. 410) sich eine noch h&rtere Version derselben 
Geschichte findet. Rothmann wird dort geradezu der Beihülfe am Gift- 
morde beschuldigt. Die Worte lauten: „. .. habebat (sc. scriba senatus) 
coniugem mirabilem, cuius amore Rothmannus coepit insanire, et confessus 
amorem adiuvit consilia mulieris, ut marito daret yenenum. 
Quo mortuo Rotman eam duxit ** 



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Anno 1533 acta. 391 

Tersa post pancos dies Inctnm deposuit et Sothmanno napsit. 
Ad qnas nuptias certatim ab evangeUcis accnrritnr, certatim 
mnneia mittontnr, certatim potatnr, matrimoniam cleri commen- 
datoT, pontifez interim nüseris modis absens verbomm scnticis 
flagellatur. Nnlla convivia nnllaqne symposia ab evangelicis 
constitnnntnr, in qnibns pontifici vibices non infligantnr. Habet 
nunc Bothmannns, qnod iam din yenando affectavit, habet fa- 
▼orem plebis, habet apnd snos anctoritatem, habet imperinm in 
sex parochialia templa et concionatores, habet clemm et senatum 
metuentem, habet nomen emditionis *et prndentiae, habet, unde^p. 354. 
moUiter et delicate vivat. Qnid plnribus opus est? Habet et 
nxorem, magnnm ad felicem eyangelicam vitam praesidinm et 
adinmentom. Acriter iam, imo strenue magis qnam commode 
sanm negotimn promovet. In onmibns fere concionibns pro 
evangelii snccessn, pro incolnmitate et salnte Lantgravii pre- 
catnr, cnins ope concordia ciTÜis sit revocata et verbnm Dei ab 
intemecione conservatnm. Senatos etiam urgente plebe, ut pro 
reddita pace gratiam aliquam referret, duos argenteos et deau- 
latos crateres satis capaces singularique artificum industria cae- 
latos et florenis aliquot fartos, duos quoque eximia nigredine ac 
generositate conspicuos equos phalerisque exomatos nomine civi- 
tatis 12. Februarii Lantgravio per duos ministros dono mittit^, 
quibus singulis sex florenos et amictum muneris loco retribuit. 
Interea plebs multorum profecto, ut vere dicitur, capitum 
belua, ubi adversus clemm verecundia recentis foederis retante 
nihil änderet, ne nihil ageret, cum suo magistratu dissidere 
coepit, quem non tam civibus, quam clero favere somniat cer- 
toque sibi persuadet. Proinde papisticum hunc senatum amo- 
Tendum, evangelicum vero substituendum esse per urbem mus- 
sitat eoque tandem rem perducit, ut comitia novi senatus creandi 
gratia ante tempus antiquitus receptum * habita sint. Die itaque 

') Das Begleitschreiben der Stadt bei Uebersendang der zwei schwär- 
len Hengste ist vielmehr erst vom 10. Mftrz datiert (Orig. im St-A. Mar- 
burg). Aach dem Hersog Ernst von Lüneburg wollte sich die Stadt dankbar 
eneigen durch Geschenkgebnng eines Hengstes. Yergl. den Brief JoK 
T. d. Wie«k's an den Hersog vom 2. Aprü, abgedr. bei CA. Cornelias: 
M. A. IL 8. d&Of. — <) Die Batswahl fiel vielmehr gerade aaf den da- 
mals noch üblichen Termin, aaf den ersten Montag der Fastenxeit 



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392 Anno 1533 acta. 

8. lOn. Lnnae post festnm Matthiae, qnae foit o. Martii, amotifl viris 
gravibus et anctoritate pollentibns, per Henricnm Mollenhecke % 
clanstrarinm, loannem thom Brincke, alntarinm, Lncam Grnter^ 
pileopaenm, Hnpertnm Baescher, fabmm ferrariom, Bemardnm 
Enipperdollingk, Henricnm Swedartho, Nicolanm Stripen, panni- 
cidam, Bemardnm Olandorp, sarclnatorem, Lndgemm tho Binge^ 
pictorem, Gerardnm Pmessen, coriarinm, snffi-agatores in con- 
clavi senatorio haec capita reipnblicae designantnr: Caspar Schro- 
derken, loannes Langermann, Hermannns Tylbeck, patricins, 
*p. 855. Caspar Indefelt, Petrns Freise, Petms Mensinck, loannes Daren- 
^trianns, sntornm praefectns, Antonius Onldenarm, Gerardos 
Kibbenbrock, mercator, Botgems Hnlshorst, institor, loannes 
Windemoller, institor, loannes Gmter alias Flascamp, bntyropola» 
Lnbbertns Lentinck, ichtjopola, Michael Nordinck, pellio, Gos- 
winus Ayerhagen, Gerardns Tnnneken, bntyropola, loannes Palck, 
faber ferrarins, Henricns Fridach, Henricns lonas, filins Antonii, 
loannes Ossenbeck, coriarins, loannes Basterdt, Christianns Wor- 
deman, bntjropola extraneus, qni intra annnm Wildeshnsia habi- 
tatnm hnc venerat, Eberardns Glandorp, sarcinator, atqne Hen- 
ricns Boede, anrifaber; ex qnomm nnmero postridie Hermannas 
Tjlbeck et Caspar ludefelt consnles de more creantnr. In hac 
noyi senatns electione omnes senatores snperioris anni sunt amoti 
praeter Tylbecken, Indefeldnm, Schroderkennm et Langerman- 
nnm^ Tribnni plebis Henricns Modersonne atqne Henricns 
Bedeker faere. 

Qnalis hie fderit senatns, mnltornm flagitiomm intempe- 
stiva indnlgentia, quam sera secnta est poenitentia, satis edocnit. 



') Mit sämtlichen folgenden Namen stimmt das im Stadtarchiv M. 
befindliche, ans dem 17. Jahrh. stammende Yerzeichms der Münsterschen 
Batsheiren nnd Eorgenotcn (abgedruckt bei C. A. Cornelius: M. A. IL 
8. 311) überein. Nur lautet hier für Pruefs der Vorname Johann, wäh- 
rend er bei Eerss. Gerhard heifst. 

') lieber die Zusanmiensetzung des neu gewählten Rates s. C. A. 
Cornelius: M. A. U. S. 141 f. Vgl. auch v. d. Wieck^s Schreiben an den 
hessischen Kanzler Johann Feigk vom 15. Novemb. 1&33, in dem es heifst 
(G. A. Cornelius a. a. 0. II. S. 363): „dan die rat wer fast aus den 
gUden und der gemeinheit in der verleddenen fasten gekoren nach alle 
ixen willen.* 



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Anno 1533 acta. 393 

Ante annos aliqnot viri cordati rempnblicam Monasteriensem 
gabernabant, qnales fnernnt ex patriciis Joannes de Tynnen, 
Eberwinos Stereninck, Eberwinus Droste, Henricus Droelshagen, 
Bertoldas Travehnan, Albertus Clevorn, ex plebeis loannes Bo- 
landt, Theodoricus Munsterman, Wilbrandns Plonies, Hermannus 
Heerde, loannes Herdinck, magister Theodoricus Grolle et pleri- 
que alii eximia canicie et multorum annorum experientia veno* 
randi, quorum temporibus tranquillitas erat in urbe. Quibus 
non osores cleri successissent sceptraque urbis tenuissent! His 
'Conniyentibus plebs primum clerum persequebatur et vilipen- 
debat, deinde suum ipsius magistratum. 

Sub hoc igitur magistratu plebs pristinae factioni addicta 
respirare coepit seque iam effecturam confidit, quod diu secum 
▼olvisset atque affectasset. Nulla enim fere dies praeteriit, in 
-qna non sit aliquid factis dignum a flagitiosis commissum. Pri- 
mum ergo 17. Martii in singulis templis paroecianorum suffira- n. mn. 
güs concionatores Bothmanni auctoritate interposita desig^nantur, *p. 856. 
homines venerei, lascivi, intemperantes, leves et yotifragi errones, 
^qui iugum regulae suae contumaciter excusserant, qui eruditio- 
nis et eloquentiae vice audacia et garrulitate poUebant, qui IIa- 
gitia quantumyis enormia sola fide expiata pro nihilo ducebant, 
qui evangelicam libertatem in licentiam et impunitatem verte- 
bant, qui denique nihil bonum, nihil pium censebant, quod a 
€uae doctrinae licentia abhorrebat. A sua doctrina pendentes 
«vangelicos et christianos fratres sororesque, templum vero do- 
minicum religionis ergo ingredientes pertinaces papistas et im- 
pios appellabant variisque calumniis contra transactionis leges 
eos passim proscindebant. In initio tarnen singulari quodam 
«anctimoniae et pietatis fuco multos ad se alliciunt allectosque 
in horrendes et ineluctabiles errores paulatim praecipitant \ 

Monasterienses cum pristinam minorum civitatum fidem 
«ibi suspectam esse putarent, eas novandi foederis gratia ad 



^) Schon die Zachtordnang Bl. B2^ (bei C. A. Cornelias a. a. 0. 
II. S. 327) aber spricht aus: ^wo leider oick alreide vernommen wert, dat 
hir nnde dar gesprenget nnde genichtich sy, wer men al hir tho Monster 
ghesinnet, dat Pawestdom dermaten gantz tho verwoesten . . ., dat her wed- 
denimme nicht gndes and ghebrneclikes vor tho nemen onde in de stede 
«ntorichten bedacht worde." 



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394 Anno 1533 acta. 

so. um. diem 20. Martii, quae fait feria qninta post dominicain Ocnli, 
convocant locnmqne conventni tabemam qnandam meiitoriam 
inter Monasterinm et Goesfeldiam designant, quam ab incerta 
appellationis origine thor Wort nnncnpant. Qno Monasterienses 
non tarn pisces, qnam diversi generis cames et vina secnm de- 
fernnt. Religio enim ipsis fuit avitae ecclesiae ezemplo diemm 
ac ciborom discrimen facere, cnm non libertatis evangelicae, sed 
angnsti, imo snperstitiosi et minus sibi confidentis animi iudi- 
cinm esse indicent certis diebns ab esn caminm sibi temperare. 
Malont itaqne praeceptoris sui calcaribns concitati lasciviae cam- 
pos peragrare, qnam orthodozomm patnim frenis inter septa 
continentiae coerceri. Huc nbi convenissent et Joannes Wjckins \ 
doctor ac syndicns, qni com Hermanne Tylbecke, consnle, aliis- 
qne a senatn viris legatione fnngebatnr, totins reipnbUcae Mona- 
steriensis nomine oppidomm legatos salntasset iisqne, qnod secnm 
agendi copiam fecerint» gratias egisset simnlqne omnia tranqnilla 
in angmentnm snamm remmpublicarum precatus foisset, sie 
orditnr': 

*p. 857. ^„Ita praesentis temporis et vitae cnrsns incertis pericnlis 

atqne eventis involvitur, ita hominum doli ac frandnlentae machi- 
nationes efflorescnnt, ita malignitates qnomndam effervescnnt^ 
nt praetextu amicitiae, favoris et benevolentiae civitates hmus 
dioecesis omnes snblatis libertatibns, immnnitatibns^ privilegüs, 
moribns antiquis atqne salntari proposito praepedito eversas esse 
cnpiant. His antem malis maiores nostri commnni inter civi- 
tates firmato foedere' occnrremnt. Qnod si tam sancte tamqne 
religiöse ab oppidis foederis consortibns, qnam ab repnblica 
Monasteriensi servatnm faisset, mnltis incommodis, molestiis et 
oppressionibns, qnibns oppidomm inra hactenus convnlsa sunt» 
iamdndnm via faisset praeclnsa. Cnm vero civitas Monasteri- 



') Dieser war nach 14tägiger Abwesenheit im Haag am 12. M&rs 
wieder nach Münster zurückgekehrt Vgl. das Schreiben y. d. Wieck^s vom 
28. M&rz an den Bat von Bremen, abgedruckt im ^Bremischen Jahrbuch* 
2. Serie Bd. I (Bremen 1885) S. 140 f. 

^) Diese Verhandlungen der Stftdte sind nur durch Kerss. bekannt» 
Zur Sache vgl. G. A. Cornelius: M. A. II. S. 176 if. 

') üeber frühere Bündnisse unter den Städten des Stiftes vgl. Bd. 1 
S. 294 Anm. 1. 



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Anno 1533 acta. • 395 

ensis foedns iUnd yiolatnin esse animadyerteret, praetermittere 
non potnit, quin de cnlpa rapti foederis alüsqae rebas eodem 
peitinentibüs cnm oppidis serio agat. Legati oppidoram scinnt 
nrbem Monasteriensem fidei et reUgionis causa rarias molestias 
et afiOictiones hoc anno pertnlisse. Et quanqnam senatns, tri- 
bnni, mechanicomm praefecti totaqne adeo respablica in bis 
angnstiis et afflictionibas consflinm, anxüinm opemqae ab op- 
pidis confoederatis flagitaret, nihil tarnen praesidii aut propn- 
gnationis impetrare potait. Ad externa itaqne electomm, prin- 
dpmn, comitnm et ciyitatmn praesidia confngiendum erat, qnomm 
pacifico interventn, maxime tarnen illnstris Hessonim principis 
anctoritate et snaso, cni a principibus, comitibas, nobilibns ac 
nrbibns christiani et Smalcaldici foederis transigendae pacan- 
daeqne rei negotinm serio datnm est, omnis controversia inter- 
eepta est et attestantibns monomentis pnblicis etiam a Coesfel- 
diensibns ac Warendorpensibns aliomm oppidomm nondne si- 
gnatis feliciter per Dei gratiam sopita est. Male antem habet 
consnles senatnmqne ac totam rempnblicam, quod in tarn pia, 
christiana et iusta causa consilio, ope omnique humano praesidio 
saepe implorato sint destituti. Neque hoc in excusationem ad- 
ferri potest^ quod in foedere, quo civitates mutuo sunt devinctae, 
papa, ecclesia, rex Bomanus ac princeps noster excipiantur \ vel 
quod satrapae ac praefecti principis foederi servando intercesse- 
rint, quasi Monasterienses "^re ex utraque parte non audita neque *p. 868, 
iure discussa deserendi sint aut oppida a yerecundia servandi 
foederis eo modo deterreri debuerint. Huiusmodi enim excep- 
tiones in causa religionis et fidei locum non habent, cum ea res 
secundum naturam suam ad generalis concilii decretum perti- 
neat. Itaque Monasterienses praesidii inopes contra vim atque 
iniuriam etiam in causa fidei et religionis usque ad concilii de- 
cisionem a reliquis oppidis defendendi erant. Quod autem op- 
pida se a Monasteriensi republica distrahi passa sint, sibi non 
parum incommodi hinc accidere posse. Se enim eo felicitatis 



') Das drückt der WorÜant des Bondesyertrages der Münsterschen 
St&dte vom 5. September 1447 deutlich ans. Vgl. J. Niesert: Ü.-S. m. 
8. 74. Dieser Vertrag wurde bei den spftteren Erneuerungen der Stftdte- 
bündnisse stets zu Grunde gelegt. 



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396 • Anno 1533 acta. 

nondnm devenisse, nt auzilio, defensione aut propngnatione in- 
terdnm non egeant. Senatus qnidem ac tota civitas Monasteri- 
ensis foederis religione mota semper oppidorom commodnm et 
emolnmentum libenter qnaesivit ac, nt eornm libertates, privi- 
legia, inra, immnnitates omniaqne, qnae ad pacem conservandam 
pertinere visa snnt, non solnm conservarentnr, yernm etiam saln- 
taribns incrementis angerentnr, singnlari stndio egit. Vemm 
cnm ab oppidis foederis fides violata, Monasterienses a benefici- 
omm obügatione inre solntos esse pactorum ratio saaderet. Nam 
qnemadmodnm commodA et laeta, ita qnoqne incommoda et tri- 
stia inter socios einsdem foederis commnnia esse debent. At 
cnm antiqnitns receptnm sit foedera et pacis pacta interdnm 
renovari ac pro temporis rernmqne ratione et contrahentinm 
arbitrio mntari posse, proinde ntrinqne expedire pntatnr, nt alia 
pactionnm ratio et forma pro praesentis temporis habitn ineatnr 
describatnrqne. Ideo oppida hnc snnt convocata, nt ea, qnae ad 
hanc rem conficiendam necessaria esse videbnntnr, inter se con- 
ferant et, si fides pactomm firma sit, sive ea mntentnr sive 
contractins explicatinsve pro temporis rernmqne ratione conci- 
piantnr. Senatns totaqne respnblica Monasteriensis dissimnlata 
snperiori violatione, ne tarnen simile qnicqnam in postemm de- 
signetnr, novo foederi sese committet et, si opns sit, oppidis 
praesidinm non negabit. Ita enim fiet, nt civitas Monasteriensis 
reliqnaqne oppida omnia foedere non solnto pro nna dioecesis 
parte sen statn habeatnr. Qnid homm factnri sint> secnm de- 
"p. 359. liberent et ^Monasterii propemodnm respondeant." 

Ad haec legati oppidomm: Sibi longa consnltatione opns 
non esse; se enim iampridem responsnm deliberatnm habnisse. 
Primnm itaqne respondent se pacta antiqnitns inter nrbes inita 
non mpisse, sed civitatis Monasteriensis cnlpa dissolnta esse, 
cnm contra pontificem, contra ecclesiam, contra imperatorinm 
edictnm et contra patriae principem, qni in tabnlis foederis si- 
gnatis sint excepti, nova mnlta inconsnlte invexerit. Mnlto magis 
igitnr oppidis qnerendi cansam de violato per Monasterienses 
foedere datam esse, sicnt et anno snperiori 30. Octobris respon- 
snm sit ^ Deinde se in praeindicinm principis aliommqne dioe- 



>) Vgl. das Schreiben der westlichen St&dte Bd. 1 S. 293 ff. 

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Anno 1533 acta. 397 

cesis ordinnm sen statanm sine eormn consensn et anctoritate, 
qnomm maxime interest, pristinnm foedns neqae mntatnros neque 
in qnalibet sni parte amplificatnros. 

Hoc oppidorom responsnm legati Monasteriensimn indigne 
tnlenmt, cum a sententia soae metropolis dissentire auderent. 
Sed nt sine contentione conventos ille dissolvatnr, obtmditar 
Ulis a legatis penitins secnm deliberandi pmdentiusqQe respon- 
dendi tempns^ 

Eine 21. Martii post longmn institinm et dintomam iuris- ai. h&r. 
dictionis intennissionem signator cnriae episcopalis, qai absentis 
indicis vicem explere consaevit, tribnnal controvertentibas itermn 
apemit cansasqne motibns civilibus interceptas et aUqnandin 
snspensas ins cniqne dictams resnmit. 

Warendorpenses etiam hac tempestate in religionis negotio 
dissentire manifeste incipiunt ', cnm Eberardns Steinmannns ' ac 
Hermannus Begewardns ^ eadem dominica Laetare, qnae fnit 23. 
Martii, contraria pene concionarentnr, nnde magna civium con- ss. M&n. 
tentio ezorta est. Steinmannns enim, antiqnae aedis sacellanns, 
antiqna, Begewardns vero, novi templi pastor, nova publice do- 
cuit. Nam ille panem a sacerdote rite ordinato ^consecratum«p. 860. 
verum corpus et sanguinem Christi esse et mauere, etiamsi in 
receptaculis lapideis triginta aut centum annos conclusum con- 



') YgL dazu B. Bökel and: Gesch. d. Stadt Coesfeld (Coesf. 1839) 
8. 93. y. d. Wieck schreibt bereits in dem schon oben S. 394 Anm. 1 er- 
wähnten Briefe Yom 23. Mars an den Rat von Bremen: «... und sin zo 
darnach auch de ander stedde des stichts Monster verscreven gewest, und 
da ist auch wedder mede verdragen und yereiniget." 

') Aufser den gleich anzuführenden Akten scheint Kerss. im Fol- 
genden auch eine uns jetzt unbekannte Warendorfer Chronik benutzt zu 
haben. Darauf weist seine Ausführlichkeit in der Schilderung hin, sowie 
seine genaue Datumsangabe, die in den Akten fehlt 

') Die richtige Namensform ist Steymann, wie er sich eigenhändig 
unterschreibt 

*) Sein Geständnis vom 3. Dezember 1534, erhalten im St-A. M., 
abgedruckt bei J. Niesert: U.-S. I. S. 25 ff., ber&hrt die Vorgänge in 
Warendorf nicht Er kam am 17. Februar 1534 nach Munster und war im 
Herbst desselben Jahres einer unter der Zahl der acht nach Coesfeld aus- 
gesandten wiedertäuferischen Apostel, die mit dem Tode bestraft wurden. 
8. weiter unten zum Jahre 1534. 



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398 Anno 1533 acta. 

servetnr, idemqne a sacerdotibüs pro ecclesia in altari quotidie 
offerri, ad haec auricnlarem confessionem homini ad salntis ne- 
gotium necessariam esse, seqne id ostensumm in sequenti con- 
cione dixit. Hie vero e diverse a Bothmanno edoctas, cum quo 
coUosionem et consnetadinem habnit (nt mnltae literae ntrinque 
missae testantnr'), de coena dominica sie docuit: Christiani coe- 
nam dominicam celebratnri seenndnm Christi institntom ac Pauli 
praeceptum illud facere debent. Et quicunque coenam illam 
dominicam ita usurpaverint, iUis fiet corpus et sanguis Christi 
in remissionem peccatorum. Si vero ita non usurpaverint^ manet, 
sicut et ante fuit» panis. „Neque ferendum est,^ inquit, ,,ut in 
lapideis aureisve receptaculis conclusus adoretur, cum solus Dens 
Sit adorandus. Praeterea cum Christus semel semetipsum in 
ara crucis pro peccatis hominum in se credentium Deo Patri 
obtulit, neque ullum aliud sacrificium apud Deum Patrem un- 
quam proderit'." 

Haec cum ad senatum referrentur, senatus utrumque con- 
«. April, cionatorem 8. AprUis concionum suarum rationem exacturus in 
curiam vocat^ Civilis enim concordiae dissolutionem futuram 
metuit, si pugnantem doctrinam intra sua moenia patiatur. 
Confessionem ergo fidei suae ab utroque ibi praesente scriptam 
exigit. Ad quae Steinmannus: fidem suam a concionibus suis 



'j Nicht mehr nachweisbar. — ') Vgl. die damit übereinstimmenden 
Berichte des Kaplans Steymann vom 5. Mai und des Archidiaconus Herrn, v. 
Dungelen vom 24. Mai an den Bischof; beide im Orig. im St.-A. M. Ersterer 
ist teilweise, letzterer vollständig abgedruckt bei J. Nieser t: U.-B. I^ 
8. 207 ff. Ganz deutlich zeigt sich in den Aeufserungen Regewarf s die An- 
lehnung an die von den Münsterschen Predikanten in ihrer „Epitome quo- 
rundam abusuum'' (s. Bd. 1 S. 180 ff.) niedergelegten Anschauungen. 

^) Wie auch Steymann in seinem Berichte angiebt, doch ohne Datum. 
Die ungedruckte Stelle lautet: „. . . hebbn sick burgermcister und raidt 
sampt gemeynheit i. f. g. Stadt Warendorp genanten pastor und mj ge- 
lyckmetych vor ennen upt raidthuyfs erforderen laten und uns voergehulden, 
wu se berichtet werden, dat wy dat wordt Godts ungelyck predicken und 
voemhemen, dar se und ere arme unwettende ingesetten verfuyrt und thom 
unchristlicken geloven kommen mochten, und uns ermaynth, wy em uth 
solchen erryngen redden wolden; dan nichdemyn dat eyn ider van uns 
syne predicatien des sacramentz halven eyns ideren bekantnysse und vor- 
nemens schrifftlick overgeven und entdecken willo . . .^ 



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Anno 1533 acta. 399 

non esse alienam, et qoae in concione pnblica dixerit, se, si opus 
8it> coram qnibnsconque doctis defensuram respondet *. At cnm 
senatas eins rei scriptum posceret ezemplum, se illud 10. Aprilis lo. Apru. 
datarnm pollicetar. Qao etiam die fidem ezsolvit^ Similiter 
Begewardns doctrinam snam se defensuram recepit et continao 
confessionem snae doctrinae scriptam senatui obtulit^ Senatos 
utriosqae scriptum altias ezaminat, sed cam favor ad Begewar- 
dnm inclinaret, confessionem Steimnanni ob^scnram esse, nee eam^p. 361. 
se intelligere simnlavit. Proinde 15. Aprilis eins ezplicandae i5. Apru. 
gratia ad curiam revocatur. Die se ventamm esse negat. Qnare 
octo yiri a senatn mittnntnr, qni ezplicationem ab illo extor- 
queant qnibusqne scriptnrae locis sna comprobaret. Et hoc se 
factaram negat; se enim senatns Warendorpensis imperio non 
snbiectom, se coram doctis snoqae magistratn, non coram lite- 
rarom imperitis, nee ab adrersarii doctrina pendentibns causam 
snam actnrum. Cum vero senatus nihil certi a Steinmanno con- 
sequi posset, legationem consilii capiendi causa ad concionatores 
Monasteriensium aliarumque urbium mittit. Qui cum Begewar- 
dum bene concionatum esse responderent, certatim eins doctri- 
nam cives amplectuntur, certatim in templis Germanicos psal- 
mos cantillant. lubetur itaque Steinmannus silere ^. Regewardus 
vero concionatorum iudicio fretus nee non favore senatorio et 
populari tutus maiori, quam hactenus, parrisia utitur nee quic- 
quam iam, quod a doctrina praeceptoris sui Bothmanni alienum 
Sit, docet. Erpo autem Hollandus^ civis, imo Senator Waren- 
dorpensis, prae reUquis Begewardi concionibus inflammatus in 
&nam D. Annae consecratum iuxta oppidum situm sua auctori- 
tate, qua pollere arbitratus est, irruit illudque ornamentis, campa- 



') In Steymann^s Bericht heifst es: „Dar up ich geantwort und ge- 
sacht, i. f. g. sy myn overste richter und landther, dem wyl ich mjt 
gnaden mjne bekenn jnge und predicken schryfftlicken tof erdigen lathen.** 

*) Stejinann's „confessio de sacramento corporis Christi,'' am 5. Mai 
dem Bischof eingesandt, befindet sich im Orig. im St.-A. M. 

') Begewardns „confessio*' ist nicht mehr nachweisbar. 

^) Daraufhin schickt er dem Bischof seinen oben angefahrten Bericht 

^) Er war später eines der Häupter der Wiedertäufer in Warendorf. 
Vgl. sein Bekenntnis vom 23. Oct. 1531 bei J. Niesert: U.-S. I. S. 61, 
nnd das Geständnis Gottfried Stralen's vom 22. Oct 1634 ebendas. S. &8. 



937419ÄSt^ 



400 Anno 1533 acta. 

nnlis, cera, Uno aliisque sacrificiis et oblationibns denndat et 
spoliat^. Princeps talem ecclesiasten, qni sacramentariomm doc- 
trina cives contaminaret, ibidem Don esse ferendnm patavit. 
Itaqne dominum Hermannnm Dangell, archidiaconnm Waren- 
dorpensem, per scripta * admonet^ ut, cnm sni sit mnneris, talem 
doctorem coerceat ant, si in ea doctrina perseverayerit, lemo- 
yeat; se operam snam non denegatnram sibi. In hac re ?ir iUe 
mnltnm, sed non satis feliciter laboravit^ cum Begewardus non 
solum illins oppidi plebecnlam, yemm etiam totom fere senatum 

*p. 862. *in snam sententiam pertrazerit. Tandem abi rempnblicam uni- 
yersam in pericnlum, imo in irreyocabile exitinm praecipitasset^ 
infirmiori asylo relicto Monasterinm se recipit'. 

Eyangelici Interim in nrbe Monasteriensi initae obliti con- 
cordiae ad ingeniam snum redeunt nee sibi ab assidna noyatione 
temperant*. Kam Hermannns Tylbeck, consnl, Joannes Kercke- 
rinck, patricins, Michael Nordinck, Magnus Striker cum«?1'ias- 

S4. xin. dam aliis eiusdem factionis hominibus 24. Martii ab archiyestali 
Transfluyiani coenobii yictum pro suis concionato..Jus efflag-i- 
tant. lUa post deliberationem octo dierum respondet: se in 
gratiam paroecianorom ipsos ad communem et frugalem quidem 
dominorum mensam ad festum Peutheo^st^s recepturam, ut ipsis 
interim aliunde prospiciatur."' 

27. Man. Ecclesiastes quoque Ludgerianus 27. Martii effiracto eucha- 

ristiae repositorio eam in conspectu multorum in tres partes 
dividit, quas oris flatu dissipans: „Hie," inquit, »Dens yester 
est!" Dici non potest^ quam bis yerbis simplicium animos offen- 
derit quamque ancipites in religionis negotio reddiderit. 

Beiholt etiam, iudex ciyitatis profauus, eodem die cum 
quorundam senatorum comitatu Franciscanis decretum senatum 
esse nunciat, uti yel mutato habitu coenobio sine ignominia 
sponte sua excedant vel seyeriorem sententiam magno suo malo 
expectent; senatum* enim ociosos et y alidos mendicos reipublicae 

ft) Ms.: senatus. 



') Aus Herrn, v. Dungelen's Bericht (s. J. Niesert: U.-B. I'. S. 207). 
— •) Nicht mehr nachweisbar. — ») Am 17. Febr. 1534. S. oben S. 397 
Anm. 4. — *) lieber die nun weiter folgenden Einzelheiten sind ältere 
Quellen nicht bekannt Wir wissen von ihnen nur durch Kerss. 



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Anno 1533 acta. 4Ü1 

prorsns inutiles intra siia moenia non latnram. Cum autem 
coenobia initio naacentis ecciesiae non ociosomm Epicnreomm 
popinae, non conscientiaram eigastnla^ sed lionesti ezercitii offi- 
cinae, pietatis et bonanun literamm sine yincnlis nllins roti 
scholae liberrimae faerint, nnde tM doeti ad ecclesianim gnber- 
nacnia, qnoties opus erat^ ex locnplete quasi penn depromeban- 
tnr, senatum quoque ad huius primaevae ecciesiae &ciem deletis 
abnsuum naevis omnia, ^quoad eins fieri queat, revocaturum *p. 863. 
scholamque publicam in boc loco erectnrum« Quid itaque borum 
facturi sint, post brevem deliberationem respondeani Guardia- 
nns^ post dies octo, quod spatium ad deliberandum datnm fu- 
erat, respondet: Se non novos neque inusitatos vivendi mores 
iam primum introduzisse; se vestigiis maiornm suorum insistere, 
^se iure locoque sine iniuria alterius acquisitis sibique per suc- 
ces;: a continuam traditis uti, se sine ullius civis incommodo 
in urbe agefe viasque publicas usurpare, se nullius opes mendi- 
cando minuiy^ ab eztemis se vitae praesidia quaerere, liberali- 
tate eomm civibus nihil detrahi. Ferat proinde senatus cle* 
menter, quod sibi non obsit, quod civili libertati non deroget 
Sinat monacbos sine invidia suo more vivere, suo babitu ince- 
dere, suo amictu vestiri, suis pa^Ietibus et tectis operiri; sit 
iUis sua domus tutum receptaculum, ezilio innocentia non mulc- 
tetnr. Structuram coenobii esse amplissimam, quae et monacbos 
et magnum discipulorum numerum capere possit. Huius usus 
sit ntrisque communis; boc munere, cum aliud non habeant, 
se reipublicae gratificari, cui etiam plura et maiora a se deberi 
intelligant 

Nova itaque schola senatus impensis bic erigitur, quam 
et novo nomine evangelicam, cui loannes Glandorpius* praefi- 



') Es war damals Joh. Frydagh. 

*) Er war ans Münster gebürtig. lieber ihn ygl. „Allgem. deutsche 
Biographie* Bd. 9 (Leipzig 1879) S. 208 ff. nnd die dort angeführte Lite- 
ratur. Die Quellen über sein Leben in Münster von Pfingsten 1&82 bis 
zum Februar 1534 finden sich sorgf&ltig zusammengestellt bei C. A. Cor- 
nelius: M. A. U. S. 834ffl — Die Zuchtordnung BL B4 spricht sich fol- 
gendermafsen über die Schule aus: »Dan dar bi . . , salstn oick de schole 
ordeninge wamemen, welke al hir mit ovinge drier spraken under 
den walgelerten M. Johan Glandorpe unde andren gelerten in hilliger unde 

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402 Anno 1533 acta. 

citur, veterem vero cleri primarii papisticam vocant. Nee oppi- 
dani nova persaasione indncti dubitant evangelicam, ut nomine 
excellentiorem, ita et illam alteram discipnloram mnltitadine 
brevi exnperatnram, cum tarnen lectomm numerus auditores 
fere aequaret et intra paucos menses corrueret, Uli vero nihil 
decresceret^ 

87. icärz. Eodem die, videlicet 27. Martii, Gerardus Eibbenbroick 

atque Bemardus Enipperdollinck cum factiosorum cohorte e 
templo ac coemiterio D. Lamberti omnia ferramenta ope fabro- 

*p. 364. rum diripiunt, unde ambitus *altissimae specu]ae ita praemu- 
nitur, ut vigiles in tutelam urbis excubantes * securiores redditi 
metu subiti casus eximantur. 

30. März. Ipsa die ludica, quae foit 30. Martii, in templo D. Lud- 

geri primam coenam dominicam suo ritu apparatam celebrant. 

8. April. 3. Aprilis Hermannus Tylbeck, consul, Ludgerus thom Brincke 
atque Bemardus Bothmannus, superintendens ^, magna civium 
comitante copia duos concionatores in templum Transfluviannm 
honorificentissime introducunt. Ibi tum Bothmannus de felici 
evangelii successu, de coena dominica deque duorum iam intro- 
ductorum corybantium laude prolixam ad populum concionem 
habuit. 
(SO. lOn.) Eodem die princeps ad minores civitates scribit^: Sibi 

relatum esse quosdam suorum oppidorum incolas se in templa 



andrer kunstriker schrift, tho gude int gemein, nicht allein dusser stat joget, 
dan einen ideren lefhebber der spraken, 1er, wettenheit unde aller dogede 
in den cloister thom Bmderen geheiten angerichtet unde angevangen is.^ 

^) Ueber diese evangelisdie Schule in Münster — die Absicht ihrer 
Einrichtung ist bereits oben S. 386 erwähnt — haben sich weitere Nach- 
richten nicht erhalten. Alle Angaben in der Bd. 1 S. 103 Anm. 1 ange- 
führten Literatur über das Münstersche Schulwesen gehen hier lediglich 
auf Eerss. zurück, der auch den bei J. König: Geschieht!. Nachrichten 
über d. Gjmn. zu Münster (Münster 1821) S. 144 f. mitgeteilten Worten 
M. BöchelTs zu Grunde liegt — Noch am 1. Febr. 1&34 unterschreibt 
sich Joh. Glandorp in einem Briefe an den Landgrafen Philipp von Hessen 
als »rector scholae.^ Siehe C. A. Cornelius: Die Münsterschen Huma- 
nisten (Münster 1851) 8. 77. 

*) Vgl. dazu Bd. 1 S. 67 die Beschreibung des St Lamberti-Turmes. 

') Vgl. zu dieser Bezeichnung oben S. 389 Anm. 2. 

^) Vielmehr am 30. März von Iburg aus. Konzept im St-A. M. 
Abgedruckt bei L. Keller: G. d. W. S. 299. 



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Anno 1533 acta. 403 

ingerere, suis cantionibus noyis et innsitatis antiqnas et usitatas 
ceremonias abrogare, novas snbstitnere, simplicem plebecnlam 
sedncere, rebellionem tarn adversns ecclesiasticnm quam civilem 
magistratom movere. Se igitar senatus in singuUs oppidis mo- 
nere, ut sednlo vigilent, ne talia intra moenia soa committantor 
et transgressores certis poenanun repagalis, ut tardiores ad ista 
designanda sint, coerceant. Se post inaugorationem, si qnid ab- 
nsunm dintomitate temporis irrepserit, emendatnmm. Idem 
scribit ad omnes satrapas et praefectos totius dioecesis^ 

Qüinto die Aprilis senatus per Qerardum Eibbenbrock ets^Apro, 
loannem Windemoller, senatores, priori in Bispinckhoflf* inter- 
dicit, ne quenquam confessionem auricularem facientem audiat. 
Eodem die factiosi in templum Transfluvianum impetum facientes 
tabulas altarium depictas diripiunt, statuas confringunt imagi- 
nesque divonun irrasis parietibus deturbant et confundunt. ^Ipsa^p. 365«. 
die Pahnarum, quae foit 6. Aprilis, in tribus parocMis simul, 6, Apriu 
sdUcet Aegidiana, Martiniana et Transfluviana, coenam domini- 
cam solenniter suo more faciunt et singalari quadam contu- 
maciter dissentiendi a catholicorum institutione libidine aocensi 
Paschalem diem celebrare videntur. Quam rem Bothmannus in 
paroecia Transfluviana praesens r^ebat, vel quod ea esset civium 
numero amplissima, vel ut consuUbus utrisque in ista parochia 
commorantibus, quos evangelico spiritu aestuare cognoverat, ap- 
plauderet vel concionatores novorum rituum adhuc ignaros iu- 
yaret et doceret. Ad haue coenam bona pars yirginum vestalium 
accedit^ quae secuturam nuptialem sperabant. lam de habitu 
mutando meditantur liberioremque vitam in animo agitant. Psal- 
mos a Lutero transformatos altematim cum populo in templo 
cantillant et maxime versum psalmi 124 ,,Laqueus contritus est, 
et nos liberatae sumus^ ^ per nares crepitant 



^) EbenfaUs von Ibnrg am 30. M&rz. Konzept im St.-A. M. Abge- 
druckt bei L. Keller a. a. 0. 

*) Es war der Dominikaner Heinrich Mumpert, der zugleich Dom- 
prediger war. Vgl. weiter unten zum October 1533. 

') Ernstliche Mafsregeln des Bischofs gegen Ausschreitungen der 
Jungfrauen im Ueberwasser-Kloster berichtet Kerss. aus den Akten erst 
zum October 1583. — *) Ps. 123, 7. 

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404 Anno 1533 acta. 

7. April. 7. Aprilis templnm D. Seiratio dedicatom deiedds statnis 

s. April, deletisqne inu^inibas diripinnt. 8. Aprilis senatos Franciscanis 
confessionibns concionibnsqne, fratribns rero Fontissalientis dis- 
tractione hostianun, qnas ex simila et tritici flore in nsnm 
«. April, coenae dominicae formant, interdicit. 9. Aprilis EnipperdoUinck 
qnomndam factiosomm colluvie stipatns snmmom templom trans- 
iens ad sacerdotem ibi sacrificantem edita voce: „Ta,^ inqnit^ 
„famelice sacerdos, nondum satis deomm devorasti?'' Qmbns 

14. April, yerbis omnium ora Tultnsqae in se convertit. 14. Aprilis Bei- 
holt cnm suis complicibns in templnm D. Lndgeri irraens omnia 

i& April, ferramenta anfert Seqnenti rero die 15. Aprilis altaria denu- 

^p. 366.dant) tabnias depictas comminnnnt, *stataas dissecant, imagines 
parietum snperillata calce contegont, omamenta depraedantnr 
atque omnia profanant. Ad hoc spectacnlnm cnm mnlti accnr- 
rerent et indignnm &cinns esse clamitarent a snis maioribus 
donata et divino cnltni destinata sie detnrbare, sie perdere, sie 
in praedam rertere, ipsos fnres et sacrilegos omni yerecnndia 
et pietate destitntos esse Tociferantes, inde magna yocnm con- 
tentio ingensqne seditio exorta est. Et nisi pacificomm homi- 
nnm interventn motns foisset compositns, ad arma ntrinqne non 

Je. April, sine certa dade ventnm ftiisset Postridie Belholt cnm snis 
gravi qnerimonia rem ad senatum defert sibi snisqne intolerar 
bilem ininriam a qnibnsdam civibns iUatam, macnlam sibi per- 
petnae ignominiae innstam qneritnr; se istam infamiam nnn- 
qnam benigne latnros, sed ipsos ad poenam et commeritum sup- 
plicium Yocaturos; se enim neque fures neque sacrilegos appel- 
lari posse, qni praecepto Dei satisfacturi idololatriam amovere 
et radicitns erellere Deique solius gloriam ab omni ininria yin- 
dicare conati sint. Sei vero carcerum terrore, qnos sibi paratos 
esse sentiebant^ adacti omnia recantabant et se subita iracundia, 
quam cohibere neqnivissent, ista intemperanter effudisse profi- 
tentur; se itaque sibi clementer ignosci postnlare. Hoc astu 
yiolatores templomm poenam bene conmieritam eraduni Senatus 
enim pauca ex officio, sed multa dissimulanter agit^ unde fac- 
tiosomm animi ad quaeyis perpetranda animantur. Quaevis enim 
in templis paroecialibns ex transactionis foedere sibi licere exi- 
stimant^ dum sibi a templo dominico temperent. 



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Anno 1533 acta. 405 

Postquam in transacidone snperiori per Lantgrayii oonsi- 
liarios fiEMHa articnliiB comprehendatnr, quo redditns qnondam 
per munificentiam civium in usus memoriamm, kalendanun *6t «p. 367. 
fraiemitatnm coUati ministris eoclesianun et panperibns asscri- 
bnntnr \ — unde senatna occasione snmpta ab omnibns coUegiis» 
qnibns paroeciae sint annexae, omamoita et literaa redditnnm 
aignatas ezigit cansam praetezens: cnm a cmbus sint ooUata, 
ne a clero inntiliter decoqnantor atqne abanmantür, ntqne ex 
literis deprebendat memoiiamm, kalendanun et fratemitatom 
fnndationeSy ne transactionis pacta sna n^ligentia aliqoa in 
parte eormant. Eodem tempore domnm decani Lndgeriani quasi 
parochi sedem oceupat. 

Prinoeps autem senatui scribit, ut ab bis factis sibi ad 
proxima dioecesana comitia ten^eret*. Senatus respondet se 



*) S. Bd. 1 8. 376 den Artikel 7 im Friedensrertreg. 

') Kens, beluuidelt hier die mannigfachen nea entstandenen Streitig- 
keiten iwiachen Biscliof nnd Stadt, besonden fiber Yeriiindemng der ka- 
tholischen Predigt im Dom nnd über die Ansliefemng der Kirchenklei- 
nodien, Rentenbziefe o. s. w^ nur knn nnd nngenflgend und nimmt keine 
Bficksicht aof die Zeitfolge der Ereignisse. Das in diesen Angelegenheiten 
anient eingetretene yermittelnde Eingreifen des Landgrafen, der am 8. Juli 
seinem Yiiekanxler G. Knsbicker den Auftrag erteilt, gemeinsam mit Jakob 
T. Taabenheim in Mnnster dahin in wirken, dals der Yertrag aufrecht er- 
balten werde nnd die Stadt in zeitlichen Dingen dem Bischof gehorche, 
«her auch den Bischof zn erinnern, »das er dem capittel nicht in Tiel 
glewbe, dan sie sein betriglich; item so er die stat an seiner band habe^ 
könne er aller wege des capittels mechtig sein** (Orig. im St.-A. Marburg), 
igt ebensowenig berührt, wie der Kern der Yerhandlungen des Landtages 
aof dem Laerbrok vom 4. Juni (s. weiter unten) und die Besprechungen 
«of der Zusanmienkunft in Altenberge am L Aug. (s. C. A. Cornelius: 
M. A. n. S. 351 iL). Es sei aber bemerkt, dafs, wihrend über die beiden 
Tagungen gleichseitiges Aktenmaterial im St.-A. IL sich Torfindet, dieses 
In Bezug auf die hessische Yermittlung in dieser Zeit nicht der Fall ist 
Abschriften aus den einschlägigen Aktenstücken sind erst in ganz neuer 
Zeit aus den Bestünden des St-A. Marburg für Münster «itnommen. — 
Zur Sache vgL €. A. Cornelius: M. A. IL S. 185 ff^ wo auch die haupt- 
aüchlichsten Quellen verzeichnet sind. — Die Lutmktion des Landgrafen 
für Johann t. Taubenheim und Georg Nusbicker zu Yerhandlungen in 
Münster ist vom 16. Juli datiert. Sie führt 7 Punkte an, in denen die 
Stadt den Friedensrertrag verletzt haben solle, ermahnt, den Yertrag za 
halten und fügt schlielslich hinzu: „Auch wurden die Monsterischen wenig 



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406 Anno 1533 acta. 

nihil agere, qnod a pactis transactionis sit alienmn. Princeps 
ista ad senatum non pertinere, sed potins ad se, qni sit ordi- 
narins, contendit. Oritnr itaqne de hac re nova ntrinqne con- 
troversia, et mnlta ntrinqne scripta mittnntnr^. Tandem prin- 
eeps sedatiorem se in bis rebus exbibet. CoUegiis tamen per 
«u ApriL scripta 29. Aprilis mandat, ne omamenta suorum templorum et 
monumenta reddituum consignata cuiquam tradant ^ Variis ergo 
consilüs multiplicique praetextu senatum ea saepe poscentem 
callide remorantur*, donec nrbe efferrentnr et senatum aliis 
xebus occupatum ea exigere taederet. 

Cum itaque omnia parata esse putarentur, ut episcopus 
plenam totius dioecesis administrationem consequeretur et Mona- 
sterienses, multarum remm novatores, iureiurando sibi quoque 
devinctos haberet, de ipsius introductionis inauguratione coep- 
tum est agi. Onmibus ergo ad baue rem pertinentibus compa- 



trostes van den evangelischen stenden gewarten, dieweil ire predicanten 
. änderst vam sacrament predigen und handien, dan die sächsischen.^ Die 
Stadt suchte sich in ihrer Antwort vom 20. Juli in jedem Punkte zu recht- 
fertigen, und schon am 23. Juli meldeten die hessischen Gesandten dem 
Bischof Franz, dafs sie jetzt nichts weiter thun könnten, als zu ihrem 
Herrn zurückkehren. — Die weittragenden Wünsche der Stadt dem Bischof 
gegenüher, die zumeist darauf gerichtet waren, die üherwiegende Macht 
des Domkapitels zu hrechen, erhellen am hesten aus der Werhung, die 
y. d. Wieck im Namen Münsters am 28« M&rz in Iburg dem Bischöfe vor- 
trug (in der Hauptsache gedr. bei C. A. Cornelius a. a. O. II. S. 173 f.). 

*) Von CA. Cornelius a. a. 0. nicht erwähnt, konmien noch fol- 
gende in Betracht, sämtlich im St.-A. M.: Münster an den Bischof am 
29. Mai, Original; der Bischof an Münster, datiert Horstmar am 1. Juni^ 
Konzept; Münster an den Bischof am 2. Juni, Original; der Bischof an 
Münster, datiert Horstmar am 6. Juni, Konzept Femer finden sich im 
6t.-A. Marburg in Kopieen noch folgende Schreiben : Der Bischof an Mün-^ 
ster aus Warendorf am 25. Mai; Münster an den Bischof am 26. Mai; der 
Bischof an Münster ans Rheine am 28. Mai. 

*) Kopie des bischöflichen Schreibens an das Martinistift im St.-A. 
M., Mscr. I, 73 fol. 208 ; Kopie eines erneuten Befehls des Bischofs an die 
KoUegien vom 25. Mai, ebendas. 

') In demselben Mscr. I, 73 des St.-A. M., einem Kopiar des Stiftes 
8t. Martini, findet sich fol. 208^ die Notiz: „Capitulo nostro ftait indictus 
dies quartns post dominicam Exaudi (25. Mai) ad praesentandum senatui 
literas reddituum; sed non comparemus.* 



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Anno 1533 acta. 407 

ratis ipsa dominica Inbilate, qnae fnit 4. Maii^, cum instrac- 4. Mai. 
tissimo eqnitatn Woltbeca egressns, quo pridie eins diei venerat, 
Monasterinm contendit. Clems primarins circa horam decimam 
ultra centnm ferocissimos eqnos in expeditionem edncens gratn- 
lationis cansa principi obviam procedit; et cnm scholaster no- 
mine capitnli *felicem illi adventum precatns fuisset, cnm snis*p. 868. 
in nrbem redit. Senatns antem coactis e civinm nnmero aliqnot 
eqnitrun tnrmis circa horam dnodecimam ad principem libemm 
conuneatrun fide pnblica eidem addictnms nrbe exit. Cnm iam 
yiginti circiter stadia ab nrbe abesset, in planicie terrae am- 
plissima, qnam Geistam appellant, nbi inxta viam pnblicam in 
aedicnla qnadam statnaria divornm simnlachra conservantnr, 
principem opperitnr atqne ibi in coUicnlo solenni inreinrando 
ab illo accepto regreditnr. Princeps antem snis ita in ordinem 
dispositis, nt ipse cnm fratribns snis aliisqne comitibns ac pri- 
mariis dioecesis medins clanderetnr, pedetentim snbseqnitnr. In- 
terea cives in diversis primnm coemiteriis armati coennt, me- 
cbanici tarnen pleriqne cnm snis signis militaribns Francisca- 
nomm aream occnpant. Inde ad campnm dominicnm omnes 
simnl conveninnt, nbi aciem non aliter, ac si in proelinm iam- 
iam exitnri essent, instmnnt, qnam minomm oppidomm cives 
aliqnot a senatn Monasteriensi vocati adangent. Deinde cnm 
principem nrbi vicinnm esse ex reditn senatns cognoscerent, per 
manipnlos in fomm potissimnm et singnlas nrbis plateas cnsto- 
diae cansa fnndnntnr, qnas etiam catenis ferreis transversim 
dnctis contra snbitnm eqnomm impetnm, si necessitas postnlas- 
set, conclndnnt ^ Magna tamen armatomm civinm pars ntmm- 
que latus plateae regiae (sie enim appellatnr, per qnam princeps 



') «De infaert m. g. hern van Munster is verstreckt in den sontag 
Jabilate. Aisdan werdt sin g. to einer uhr namitdage to Monster inkom- 
men.* So schreibt v. d. Wieck schon am 23. Mftrz an den Bat von Bremen 
(8. bremisches Jahrbuch** 2. Serie Bd. 1 [Bremen 1885] S. 142). Zur fol- 
genden Schilderung des feierlichen Einrittes des Bischofs in Münster vgl. 
auch den Bericht D. Lilie's S. 218 f. 

*) Bei D. Lilie a. a. 0. heifst es: „So vaken alse twintich eder 
dertich perde worden dorchgelaten, sint de keden achter den rutheren over 
de Straten togesclagen unde geslotten, hent de furste an den doem ge- 
komen.* 



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408 Anno 1533 acta. 

moenia snbit) densa acie ad campnm usque dominicum mnnit. 
Cleros qnoque totins orbis sni mnneris memor ad templmn do- 
minicum stolis albis amictns conflnit. In primo nrbis ingressa 
princeps longo föne, quem ante portam Lndgerianam eiecerat^ 
magnam facinerosomm tnrbam dncens mnltis bombardamm toni- 
trnis excipitnr \ Et cnm ad templnm D. Ludgeri protopraesTdis, 
cnins snccessor fntnrns erat, venisset, obloquia et calumnias 
eyangelicorum bona opera ridentium evitans non iam ipee de 
equo descendit neque a canonicis istius collegii de more exoeptos 
precationem et mnnus pro felici anspicio in urbem pertnlit, sed 
*p. 869. per snos *militaris ordinis ministros sine popnlari strepitn con- 
snetndini satisfecit. Ipse vero non interrapto eqnitatns ordine 
ad anlam snam contendit, cnmqne venisset snb fomicem, quo 
itnr ad campom dominicum, cuiusque firma et arcuata lapidunoi 
compages sacellum Michaeli Archangelo dedicatum in sublimi 
sustinet, ex equo descendens, quem archisatrapa dioecesis in 
Yisscherinck suo iure statim abduci iubebat, per gradus lapi- 
deos ad saceUum ascendit ibique iuxta altare ardentibus cereis 
pictisque tapetibus ac sericis pulvinaribus exomatum supplica- 
tione ad Deum facta munereque aureo oblato aulam suam sa- 
cello contiguam ingreditur ac superius indumentum exuit, quod, 
nisi pecunia redimatur, pastor istius sacelli iure suo sibi . vindi* 
care solet. Inde veste ad talos defluenti stolam candidam et 
petagium sacrum, cuius lacinias* aurea fibula in pectore copulat^ 
superinduit ac per eosdem gradus descendit, quem aliquot no- 
bilium aulicorum paria praecedunt et quatuor sacellani e numero 
Primarii cleri delecti bombycinis palliis super stolas amicti pone 
sequuntur. Clerus interea, cui duae cruces inauratae totidem- 
que faces ardentes praeferuntur, per ostium paradysiacum do- 
minico templo longo ordine ^essus principem cum suo comi- 
tatu descendentem excipit et non sine magno populi concurso, 

») Ms,: lasdnias. 



^) Die auf diesen und den folgenden Vorgang bezügliche SteUe in 
der Chronik des M. Böchell (s. M. G.-Q. m, 231 f.) ist kein selbstän- 
diger Zusatz zu Ken»., sondern nur eine unwesentlich erweiterte Wieder- 
gahe der Worte desselben. 



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Anno 1533 acta. 409 

quem tarnen satellites annis et lictores sdpiombos suis arcent, 
per idem ostinm redit in templnm ; et dum deros in area templi 
aliquot hymnos psallit, princeps in fronte altaris D. Paolo di- 
«ati oereis ardentibns, anro, argento, sericis polvillis reliqnüs- 
qne sanctonun martTrom condecorati proYolntns ad genna sap« 
plex ad Denm snas fondit preces. Fmitis hymnis et aoreo dono 
altaii illato cantor in landem D. Panli cannen protonat; Interim 
totos clerns peallens chonmi ingreditor. Princeps rero, cum ad 
ehornm venisset, petagio ibi exnto clerum primarimn ad capi- 
inlare conclare piaestitnnis insinrandnm snbseqaitnr. Interoa 
deros secondarios in choro roditom com silentio opperitor. Be 
sotem in capitolari conclavi peracta *redit atqoe in pede sommi *p. 870. 
jdtaris decano et sacellanis astantibos genoa sobmittens tertio 
Beom pro felici dioecesis admimstratione oblato et hie monere 
precator. Inde comitantibos üsdem ad sedile episcopale magni- 
üce stratom consoendit, singolis tarnen pro cniosque dignitate 
soas sedes in choro occupantibos. Oiganices indido praecen- 
ioris scipione sibi facto Organa in divinarom laodom piaeconia 
«olvit altemoque verso laudem Dei concinit, qoa finita a sar 
telluns^ fratribos, nobilibos, clientibos, beneflciariis, aolicis, 
«atellitibos magnaqoe ministrorom torba ezceptos per horologii 
eetiom com iisdem magnifice coenatoros ad soam aolam reducitor. 

Postera yero die, qoae Mt 5. Maü, inter octaram et no- s. lut 
nam longa aolicorom pompa praeeonte et sacellanis sequentibos 
sacrom aoditoros ad templom redit. Intersa totos senatos orbis 
in campom dominicom insiorandom praestitoros coit. Finito 
itaqne sacro princeps paradysiads ralvis egressos et solenni 
inreiorando accepto clerom primariom senatomque prandio ex- 
eipit. Die Martis, hoc est sexta Maii, peracta coena repotia seo e. mal 
flecondae mensae, omms generis tragemata magnifico apparato 
in coria civitatis instrocta sont, qoibos princeps com fratribos 
suis, proceribos dioecesis, aolicis, yirginibos matronisqoe nobi- 
lioribos se oblectavit bonamqoe noctis partem com tripodiis ab- 
sompsit. Hinc Monasterio digressos alia qooqoe dioecesis oppida 
imorata peragrat, et primom qoidem oppidorom ocddentaliom 
<dem dbi astringit, inde ad orientales civitates perrectoros. 

») Mi.: ac saceUanibiu. 



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410 Anno 1533 acta. 

Interea Warendorpenses S cum exemplo snae metropolis 
pleraqne in religione avita et ceremoniis priscis mutassent, sibi 
metnnnt, ne in hac inangnratione insolentiam istam snam prin- 
ceps mann vindicet, sicnt anno snperiori, nempe 1532, Herman- 
nns de Weda episcopns Paderbomensinm rebellionem coercuerat'; 
cnins rei recens exemplnm mnitorum civinm animis adhnc in- 
sederat. Proinde de nnmero armatomm eqnitnm intromittendo^ 
•p. 871. qnibnsque modis se adversns *vim principis, si forte opus esset^ 
mnnirent, Consultant; petitnm bombardas, pnlverem nitratnm 
aliaque eins generis Monasterinm mittnnt. Qnae nbi sibi nega- 
rentor, cum muniendi se fiducia metum omnem deponunt et re 
altius considerata nihil sibi hostile ab episcopo suo timendum 
esse existimant, maxime cum Monasterienses, quorum religionem 
tanquam simü sint imitati, legatos suos in comitatu episcopi 
habeant, quibus inconsultis princeps nihil sit acturus. Dominica 
». Hai. ergo Exaudi, quae fuit 25. Maii, Warendorpiam cum mediocri 
equitatu ingreditur et onmis rebellionis ac iniuriae quasi oblitus 
pacificum atque benignum se principem exhibet. Vindictam 
tarnen transgressionis in aliud tempus visus est differre. Waren- 
dorpenses vero benignitatem principis tempore inaugurationis 
experti ipsum vel omnium iniuriarum oblitum vel nihil contra 
se et evangelium andere existimant, maxime cum suam metro^ 
polim sibi evangelii nomine faventem habeant. Hac itaque im- 
1. Juni, pimitate sibi proposita prima lunii in templa irmunt, altaria 
demoliuntur, statuas securibus dissectas per mumm in Amisim 
praeterlabentem coniiciunt, imagines pictas rasis parietibus aut 
calce illitis expungunt, tabulas frangunt, omamenta diripiunt 
atque inter se partiuntur^ Huius furiosi spolii praecipuus aactor 



') Das Folgende geht wohl wieder auf eine verlorene Warendorfer 
Chronik zurück. Vgl. auch ohen S. 397 ff. — *) S. Bd. 1 S. 118. 

') Ueber diese Yorg&nge berichtet Joh. Wale, genannt Schiltmecker^ 
Richter zu Warendorf, am 27. Juni an Dietrich v. Menreldt, Drosten zu 
Wolbeck (Orig. im St-A. M.): „So hebn i. e. 1. weU gehört den velle- 
foldigen handel to Warendorpe myt kercken to schynden, beiden to howen, 
dat sacrament der dope und misse ganfs verworpen und noch myt eren 
lantlopigen predicanten in aller handelinge verhorden tegen dat geboth 
myns g. f. u. h. by uns gedaen, erer bogen ede und verplychtinge nycht 
gedencken, der meynunge, ok nu der orgelen aftobrecken, und in rade 



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Anno 1533 acta. 411 

erat Bernardns Weppelmannns aeditnns, qni etiam pastori rem 
divlnam ipso die Penthecostes * peractnro, nt seditiosis applau- 
deret, pallia sacra snbtraxerat et amaris saepe convitiis per la- 
sciviam catholicos proscindere andebat. 

Alenses et Becchemenses Warendorpensium fdrorem imi- 
tantnr atqne e suis templis calices anfemnt, sacramenti reposi- 
torinm et lampades frangimt, aeneis candelabris raptis snos pe- 
nates omant, vexilla dissecant et abiicinnt. 

Princeps vero hanc vim et templormn depraedationes aeger- 
rime ferens 6. lunii per literas haec tria oppida admonet *, nt e. Jnni. 
se ab omni novatione religionis et ceremoniamm abstineant om- 
niaqne e templis rapta reddant et restitnant, fracta reparent et 
concnssa restanrent; se sno tempore *in concitatae rapinae ca-*p. 372^ 
pita animadyersnmm. Post aliqnot antem hebdomadas hnins 
motns capita extra mnros hamm nrbinm praeter spem snam a 
satrapa Sassenbnrgico inssn principis capta temeritatis snae da- 
tnra poenas Yechtam abdncnntnr'. 



dencken tegen de, de myt eren handel nycht wyllen hebn to doende, wu 
se de uth der st&dt wyllen brengen. So is am na erstkomende sondage 
den Tormyddach to 9 uren dat gansse gemeyn, burger und inwonner up 
dat hues gedaget, nnd is ein bursprake, als dan wyllen se yellichte erer ge- 
weltlicher verhandelynge bovesten, bekrefftigen, to hope loven nnd sweren." 

') 1. Juni. — *) Das Schreiben des Bischofs an Warendorf, datiert 
ans Horstmar vom 6. Jnni, ist im Konzept im St.-A. M., das Konzept eines 
zweiten vom 28. Juni ebenda. Warendorfs Antwort vom 7. Juli (Orig. im 
St.-A. M.) igt abgedruckt bei J. Nies er t: Ü.-B. l\ S. 211 f. Vgl. weiter 
den Brief des Richters Joh. Wale an den Bischof vom 8. Juli (abgedr. bei 
L. Keller: 6. d. W. S. 300), in welchem dieser berichtet, der bischöfliche 
Befehl sei der ganzen Gemeinheit vorgelesen, aber der gröfscre Teil der 
Einwohner verharre im Ungehorsam. „Dan se nycht anders dan in erer 
nnwerer anrichtinge vullenherden und genslichen vorharren je lenck, je mer; 
dar ick myner personen nycht tegen doen kan edder ock tegen doen doer.** 
— Ueber Ahlen s. gleich weiter unten. Akten über Beckum sind nicht 
mehr nachweisbar; vgl. dazu aber D. Lilie S. 219. 

') Ueber diese Gefangennahme von Bürgern beklagt sich Warendorf 
auf dem Landtage zu Rheine am 6. October. Der Bischof rechtfertigt sein 
Vorgehen damit, dafs die Stadt einen Predikanten bei sich behalte, der 
ihn auf der Kanzel an seiner Ehre angetastet und geschmäht habe. „Item 
de predicanten lereden weder dat sacrament des altars und doepe." Doch 
wolle er auf Bitten des Kapitels und der Ititterschaft „de gefangen borger 



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412 Anno 1533 acta. 

Ubi vero ecclesiastae Monasterienses intelligerent suomm 
numernm captivitatibus atqne suppliciis minni, serio qnidem in 
initio lagent, non tarnen ideo segnios mnnitione ürbis et tatela 
senatns confiri schismaticam snam doctrinam propagare pergnnt, 
sed mntno alacrins certatim eidem insistnnt, quasi afflictione et 
persecntione more apostolomm ardentiores in evangelii negotio 
promovendo effecti esse videantor. ünde tantam sibi pietatis et 
emditionis opinionem non solnm in nrbe inter factiosos, venun 
etiam inter aliarnm nationnm popnlos fama angente omnia com- 
paraverunt, ut* mnlti isfeins evangelii amore illecti aliunde hnc 
confluerent eosdemque concionantes audirent Inter qnos non 
postremom locnm Joannes Bokelson, Leydanns ac sarcinator^, 
tennit, qni anno seqnenti mira qnadam sorte ad regiam digni- 
tatem in eadem nrbe evectns est. Hie cnm eximios conciona- 
tores Monasterii esse intelleidsset *, evangelico spiritn dnctns 
patriam ozoremque snam clancnlum deserens circa haec tempora 
Monasterinm venit ac Hermanni Bamers primum hospitio ad 
-26. Jou. 25. Inlii usos ' doctrinam non solnm pnblicam, sed et privatam 
concionatomm snggestione traditam didicit. Inde Osnabnrgam 
profectns, qnae didicerat, evomit; verum cum anabaptismum 
clam inter cires serere inciperet, nrbe profligatus est^ Berersus 

•) Ms,: et 



Tan Warendorp bes to uthdracht der togelachten gebrecken bedagen und sich 
mit ennen wyder holden ala billick und recht^ (St.-A. M., Landtags-Akten). 

*) Zu Gninde liegen hier and bei den folgenden Nachrichten über 
Johann ▼. Leiden die Antworten, die dieser selbst anf »etliche Intenroga- 
toria und Fragstucken** giebt, die ihm auf Veranlassung des Eurforsten 
Ton Köln vorgelegt worden sind. Die Aussagen finden sich abgedruckt, 
aber incorrect und mit manchen Auslassungen und Lesefehlem, bei J. Nie- 
se rt: Ü.-S. L 8. 174 ff., die Yerbesserungen dasu bei C. A. Cornelius: 
M. A. IL 8. 417 f. Die Aussagoi sind hier lum Teil ausffihrlicher ala 
diejenigen, die Johann in seinem Verhöre am 25. JuU 1585 lu Dülmen 
gab (bei C. A. Cornelius a. a. 0. S. 369 ff.). Ueber Eers8.'B Benutiung 
der Wiedert&ufer-Gestftndnisse vgl. die Einleitung. 

*) »He hefit gehört, dat dappere predicanten bynnen Munster seyn 
gewesen und dat erangelium am pesten gepredigt" (J. Niesert a. a. O. 
8. 175). — ') Diese Angaben sind beiden GestindniBsen gemeinsam. 

*) Diesen Aufenthalt in Osnabrück und sein Entweichen Ton da er- 
wähnt Johann nur in seinen Antworten bei J. Niesert a. a. 0. Im Yer- 



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Anno 1533 acta. 413 

itaqne in patriam cnm Joanne Matthissone, Gerardo tznm Eloister 
aliisqne qnibnsdam spiritnm anabaptisticnm crepantibus de pae- 
dobaptismo clancnlnm agit et argumenta^ qnibus ille expngnari 
qneat^ inqmixintar et conscribnntar. Qaae meditatio adeo Ley- 
dani ingeninm exacnit adeoqne obsedit, nt rel ex tempore snam 
doctrinam defensare änderet et nihil iam praeter anabaptismnm 
somniaret^. Qnomodo antem et qnando Monasterinm redierit, 
sno loco dicetnr*. 

Alenses *etiam circa haec tempora lascivire et insanire in* *p. 878^ 
cipinnt. Nam 2. Innii principi snpplicant^ nti et sibi exemplo a. Joni. 
snae metropolis concionatorem habere liceat, qni evangelinm ad 
gloriam Dei et animamm snanun salntem pure doceat. Bb- 
spondet princeps, nt se a religionis et ceremoniamm novatione 
contineanty ne in calamitatem inelnctabilem se praeeipitent*. 



hdre in Dolmen heiÜBt es nur: „Und also in Hennan Rammen hniss bis 
Jacobi a. 33 ther herberge gebleven, und doe weder heim getaegen/ 

') Nach seinen Bekenntnissen ist Johann nach Aller Heiligen (1. Nov.) 
1533 von Jan liatthjs gewonnen und getauft, darauf mit Gert thom Cloister 
znn&chst in Holland als Apostel ausgesendet worden. In seinem letzten 
Yerhfire Tom 20. Janl 1536 bekennt Johann (s. M. G.-Q. U. S. 399), dafs 
er Ton der MeinungsTerscbiedenheit zwischen Melchior Hofmann und Jan 
Matthjs in Betreff der Zeit der Einführung der Wiedertaufe nur von Hören- 
sagen gewnlst habe. 

*) Doch erwfthnt Eerss. Johann's definitive Bückkehr nach Kfinster 
am 13. Jan. 1534 weiterhin nicht an der richtigen Stelle, sondern zweimal 
nur ganz beiläufig, ein Yerfahren, das schon G. A. Cornelius (s. M. G.-Q. 
II. EinL S. 54 Anm. 61) rügte. — Auf die Herkunft und Jugend Johann's 
kommt Kerss. spftter ausführlicher zurück, und zwar bei dessen Erhebung zum 
König. Hier sei vorerst &uf die dort beigegebenen Anmerkungen verwiesen. 

') Der Brief des Magistrats an den Bischof mit der Einlage eines 
Schreibenfl der Bürgerschaft Ahlens an den Magistrat^ beide vom 2. Juni 
(Orig., resp. Kopie im St-A. M.), ist abgedruckt bei J. Niesert: Ü.-B. I*. 
8. 213 ff. Das Schreiben der Bürgerschaft Ahlens wünscht, der Bischof möge 
gestatten, dals in Ahlen „dat wort Godes recht und reyne durch gude, truwe 
und vernünftige predicanten geprediget, und wat ungotlich is afgedaen, 
und dat gotlich und recht is wederum verordent möge werden.^ Es ver- 
weist auch auf die Yorgftnge in Warendorf. Die Antwort des Bischofs ist 
nicht mehr nachweisbar. Doch kommt der Bischof auf dem Landtage zu 
Rheine am 6. October auch auf diesen Wunsch Ahlens zurück und Iftfst 
die Antwort erteilen (St-A. M., Landtags- Akten): „Als ze begert einen 
guden predicanten fhebben. will unse g. h. datsulve in bedenck nemen 
und sich dar up mith antwort lathen vememen." 



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414 Anno 1533 acta. 

Cnm princeps inaagoratione facta omnia sibi dioecesis op- 
pida iareinrando astrinxisset plennmque iam dominiam assecutus 
faisset, necessitate ita postulante dioecesana comitia in loco an- 
4. Juni, tiquitas ad publicam consnltatioiiem recepto 4. die lunii per- 
agenda indixit. Nomen antem loci est Laerbrock a Laercampio 
qnodam villico ibi vicino^. Hnc princeps reliqniqne dioecesis 
ordines conflnnnt. Monasterienses vero omninm sagittanorum 
praesidio mnniti adsnnt, quibns ad snbitam eruptionem re ita 
exigente uti consneveront. Hnc etiam cibos, vinnm et aliquot 
cerevisiae vasa convecta sunt. Ibi tum princeps ea, qnae ad 
conunnnem dioecesis utiütatem visa snnt pertinere, per oratorem 
snmn ordinibns in consnltationem proponit ^ qni, nt mnltitndi- 
nem consnltantinm in compendinm mittant, paucos vires eos- 
demqne graves, pmdentes et apprime nobiles delignnt, in quos 
omnem decidendi stataendiqne auctoritatem, quod pnblice utile 
sit, transfundunt^ qui de more cum principe, Monasteriensibus 
ac oppidorum legatis in urbem altius de re in comiüis propo- 
sita consulturi sese reciperent^. Verum nemo eorum praeter 



*) Vgl. dazu Longinus (Fr. Westhoff): Führer durch das Münster- 
land, herausgeg. von der „Geographischen Gesellschaft zur Erforschung des 
Münsterschen Tieflandbusens,'' Teil 1 (Münster 1893) S. 134. 

^) Nach den Landtags-Akten im St-A. M. handelte es sich hei dieser 
Tagung vornehmlich um die Gewährung der Willkonmienstetter für den 
Bischof, um Verhesserung der Münzordnung, um Festsetzung von Mafs- 
regeln gegen die üehergriffe dienstloser Landsknechte, um die definitive 
Regelung und Verteilung der Landessteuer zur Beihülfe für den Reichs- 
krieg gegen die Türken und endlich um Bestätigung des Friedensvertrages 
vom 14. Februar. 

') Auf diesem Landtage ist keiner der zur Verhandlung stehenden 
Gegenstände zum Abschlufs gebracht worden, denn unter der Führung 
Münsters bestanden die städtischen Verordneten darauf, vor einer binden- 
den BeschluTsfassung erst an die Ihrigen zurückberichten zu woUen. Als 
sie dann weiter forderten, dafs die Stände nach altem Brauch sich in die 
Stadt Münster begeben sollten, erhielten sie vom Bischof die Antwort: 
„S. f. g. were ock bericht, dath van oldes nicht aUwege gebrucklich ge- 
west, to Munster yn to ryden, sunder et weren to mermalen und tyden 
dar voirhen des lands zaken up den Laerbroick entlich beslotten . . .,'' und 
als die Städte dennoch bei ihrer Forderung behairten, liefs er erklären: 
„S. f. g. zy ock anderer merckliger vorgefallener unledde halven itzt nicht 

D, to Munster in to tehen eder s. f. g. rede to schicken.*' — Für 



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Anno 1533 acta. 415 

oppidonim legatos mnris se credere audet; terrent enim ipsos 
snperiora captivitatis Telgeticae exempla, si forte Monasteriensi- 
bns pro arbitrio sno omnia non snccederent. Post longam nitro 
citroqne consnltationem comessatnm snb dio considnnt, et cnm 
liquoris advecti vis ingenia qnomndam civinm excitasset atqne 
acnisset, tarn acnte coeptnm est de fide dispntari, nt lanionis 
eniasdam minister acrioribns argnmentis transfossns in coetu 
omninm expiraverit, et pluros alii graviter sanciati in nrbem re- 
vecti sunt. Singnlae qnoqne urbanae tribns eodem die convi- 
*Yantnr, ac Lndolphns Poeck, alntariomm tribnlis, Stoeldreiero, *p. 374. 
finae tribns praefecto, pollicem dexterae manns ferro praecidit 
«t cniusdam helciopaei in platea salaria commorantis pahnam 
transfixit. Hoc vero crimen pecnnia et aliqnot cerevisiae vasis 
expiatnm est. 

Inde cnm principi mnltiplicibns cnris et soUicitudinibns 
pro snbditis snis immerso referretnr Coesfeldienses qnoqne nova 
moliri, 8. Iimii ipsis in haec verba scribit^: Se pnblica fama8.(JaU). 
«ognovisse ipsos explosis nsitatis innsitatas ceremonias snscepisse 
et concionatores qnosdam sine legitimi magistratns anctoritate 
ad se vocasse, nnde nihil aUnd, qnam seditiosnm schisma, in- 
obedientia, dissidinm et cbristianae concordiae tnrbatio expec- 
tanda sit non solum adversns caesareae maiestatis edictnm et 
imperii placitnm, vemm etiam contra propriam suam fidem et 
insinrandnm. Concionatoribns igitur istis abactis antiqnas cere- 
monias et catholicos templornm ritns in nsn reservent. Si vero 
abnsns irrepserint, se eos ita commntatnmm, ne catholicae ec- 
clesiae nitori et dignitati qnicqnam decedat. 



Münster war es die Hauptsache, jede Geldbewilligung an den Bischof ab- 
h&ngig zu machen von dessen Nachgiebigkeit bei den Irrungen mit der 
Stadt — Die Akten über diesen Landtag werden ergänzt durch diejenigen 
der Yerhandlungen zwischen bischöflichen Bäten und Münsterschen Abge- 
sandten am 1. August zu Altenberge (abgedruckt bei G. A. Cornelius: 
M. A. II. S. 851 ff.), die teilweise die Vorgänge auf dem Laerbrok recapi- 
tuliren. Aber auch zu Altenberge kam es zu keinem AbschluTs. Zur Sache 
TgL C. A. Cornelius a. a. 0. S. 187 ff. 

^) Vielmehr am 8. Juli aus Horstmar. Konzept im St-A. M. Ueber 
Coesfelds bisherige Haltung s. Bd. 1 S. 292 ff. Vgl. auch B. Sökeland: 
Oesch. der SUdt Coesfeld (Coesfeld 1839) S. 90 ff. 



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416 Anno 1533 acta. 

9. Juli. Ad haec Coesfeldienses 9. Inlii respondent^: Se non spe- 

rare facta sna famae de se foris sparsae consentanea^ sed famam 
longe maiorem factis esse; etsi aliqnid a qnibnsdam schisma- 
tids clanculnm intra moenia sna coeptam fnerit, magistratom 
tarnen anctorem eins non esse. Neqne se aliennm concionatorem 
accivisse, quam qni iam tribns fere Instris concionandi apnd se 
munere sit fdnctns \ cni etiam serio praeceperint, ne qnam doc- 
trinam, nnde schisnia et dissidinm nascatnr, serat. Se qnoqne 
snos cires coercitnros, ne qnid, qnod christianae religioni, civili 
concordiae et receptis templomm eeremoniis ac ritibns adrer- 
setnr, amplectantnr. Si rero nlla novatio irrepserit, se eam pro- 
tinns repressnros neqne se datae fidei neqne praestiti inrisin- 
randi religionem nnqnam neglectnros ant violatnros. 
*p. 875. *Cnm antem fama de Goesfeldiensinm novatione iamdndnm 

sparsa non extennaretnr neqne sfleret, princeps ad eosdem 14. 

u. Juli. Inlii sie scribit^: Se sperasse Coesfeldienses snperioribns snis 
scriptis et pollicitis satisfactnros fnisse ac petitionem snam apnd 
ipsos pondns aUqnod habnisse. Yemm se nnnc manifeste com- 
periri poUicitam fidem ab ipsis violatam esse, cnm insnetas can- 
tiones vemacnlas in templo cantillent aliasqne novationes cere- 
moniamm introdncant. Se proinde ipsos itemm admonere, nt 
obedientiae memores concionatorem repndient. Si rero illnd cnm 
bona pace impetrari non possit, se in imperialis edicti ac pu- 
blicae pacis tntelam et patrocininm ad alia remedia necessario 
confngitnmm. 

Scribit etiam eodem tempore ad monachnm qnendam ter- 
minarinm ibidem^, qni in snspicionem novationis apnd prin- 
cipem addnctns faerat, nt se concionibns ad tempns abstineat^ 

15. Jnii. Monachns iUe per literas 15. Inlii emissas principi agit gratias 
qnam mazunas, qnod se molestissimo concionandi onere, qnod 
senatns sibi imposnerit, liberet^ 



') Orig. im St-A. M. — *) Es war der Tenninarins Johann t. Hanse. 
— ■) Aus Dftlmen. Konzept im St-A. M. — *) Konzept des Briefes vom 
14. Jnli ans Dülmen an Johann y. Hnnse im Si-A. M. — ^) Der Bischof 
fügt hinzn: „dar mede wyderonge nnd twispaldige meynnnge bj den nnsen 
van Goisfelt yerhoet und gade, christliche ejnicheit und fredde underholden 
blyve.« — •) Orig. im St-A. M. Abgedruckt bei J. Niesert: Ü.-B. I". 
S. 202. 



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Anno 1533 acta. 417 

Coesfeldienses ad superiores principis literas 1 7. Inlii re- i7. Jnu. 
spondent^: Sibi non constare alinm quam terminarinm tribus 
iam fere Instris concionandi officio fonctnm faisse. Paroühos 
antem snos anünarnm curam habentes avaritiae^ nomine apud 
plerosqne cives male audire, et singulis exploratissimum esse, 
qnibns artibns in conqnirendis pecnniis calüde ntantur. Et cum 
abande satis a maioribus snis decinds, redditibns, praediis, agris 
aliisqne bonis quam plnrimis, nnde conoimode yivant, sit pro- 
spectmn, ipsos tamen sacramenta yendere, infantes sine praesenti 
pecunia a sacro fönte arcere, tenoiores pecnniis destifcntos a ma- 
trimonio repellere et similem mercatoram circa sacramentmn 
corporis et sanguinis Christi exercere, anargjros extortis pigno- 
ribus coercere, iusta exeqniis impensa *non satis pinguia con-*p. 376» 
temptim remittere, pauperes ad exequias mortuis reddendas co- 
gere multosque alios abusus loculis servientes introducere; vir- 
gines Deo dicatas propolas esse et civiles negociationes in civium 
graye dispendium facere; cum ciyium munitionibus et yigiliis 
sine ullo suo incommodo defendantur, ipsas tributum tolerabüe 
ad instaurationem portarum et murorum negare^. Se proinde' 
principem rogare, ut hos cleri abusus reprimat*; se ciyili suo 
officio non defore. 

Princeps haec scripta clero Coesfeldiensi 18. lulii trans- is. Juu. 
mittit ipsumque admonet^, ut in sacramentis administrandis, uti 
christianos parochos decet, sese gerat, ne senatui et ciyibus Coes- 
feldianis iustam querendi occasionem «periat seque pluribus mo- 
lestils inyolyat. Quod si factum fuerit, se illud, quod ad mu- 
tuam cleri et ciyium concordiam faciat, breyi effecturum. 



Orig. im St-A. M. Abgedr. bei J. Niesert: Ü.-B. I\ S. 198fif. 
Kerss. giebt das Schreiben nur in kurzem Auszuge wieder. 

*) „durch ere giricheid, overfloit und anders.^ 

') Die im Briefe nun folgende Klage über die Nachlässigkeit und 
Unfähigkeit der Pastoren in der Amtsführung läfst Kerss. ganz fort. 

*) Auch bittet Coesfeld wiederholt, den Predikanten Job. y. Hunse 
beibehalten zu dürfen. 

^) Aus Dülmen. Konzept im St-A. M. Abgedr. bei J. Niesert: 
U.-B. I^ S. 204 f. Gleichzeitig schreibt der Bischof noch einmal an die 
Stadt (Konzept im St.-A. M., abgedr. bei J. Niesert a. a. 0. S. 203 f.), 
sie solle sich bis zu weiterem Bescheide aller Neuerungen enthalten; er 
wolle in Sachen der Religion Ordnung schaffen. 

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418 Anno 1533 acta. 

Circa idem tempns quataor cives Dalmanienses Bothmanni 
doctrina inflammati, qnem aliqnoties concionantem andiverant, 
dnos concionatores connivente magistratu sno Monasterio secum 
abdncont, qni eandem doctrinam, quam a Bothmanno, praecep- 
tore suo, didicerant, publice profiterentur et plurimos cives Dul- 
manicos suo evangelio lucrifacerent. Yernm vigilantissirnns prin- 
ceps ac subditomm saornm vems inspector in nocte Nativitatis 
8. Sept. Mariae, qnae foit 8. Septembris \ mediocri eqnitata stipatos 
Dolmaniam ingressns est ac inventos doctores seditiosos Bever- 
gemam abdnci iubet, nt motae seditiouis poenas bene comme- 
ritas Inant reliquosqne a simili facinore sno exemplo deterreant. 

Post haec Bothmannus, cum anabaptismum propagare cogi- 
taret, alios sibi mores a prioribus dissimiles induit, maiorem 
solito sanctimoniam et vitae innocentiam in publicum proditurus 
prae se fert, convivia, comessationes, puellarum basia aliaque 
omnia, quae levitatis suspicionem augere queant, respuit adeoque 
*p. 877. ""commutatus est, ut eundem esse non credas. lam in angelum 
lucis transformatus ^ non se hominem, sed numen aliquod sub 
humana forma circumferre fingit, incessu gravis et meditabun- 
dus, Yultu severus, stoicus, agelastus, sobrius et praeter morem 
temperans insignique pallore tinctus. üt autem bis moribus 
doctrina respondeat, ad misericordiae opera exercenda populum 
hortatur, temperanter vivendum esse in omnibus concionibus 
clamitat^; bonis quaesitis communiter utantur, mutuis sese offi- 



^) Das bestätigt die Urkunde des Bischofs vom 8. Sept. aus Dülmen 
(Kopie im St.-A. M. Mscr. I, 25 fol. 21), in der es heilst: „So wy gestern, 
Bundag, bjnnen unser stadt Dülmen dorch unse uthgezante dener einen 
anfanck gedaen unde deselven gefangen bess an uns hebn foeren laten, 
bekennen wj, . . . dat wy gemelter unser stadt Dülmen olde hergebrachte 
gerechticheit unde privilegia . . . bestediget unde nochmails hjrmedde be- 
crefftiget willen hebn.** 

*) Nach A. Corvinus: Acta etc. Bl. A4^ Vergl. oben S. 389, 
wo Eerss. schon ganz ähnlich berichtet hat. 

') Predigten Rothmann's sind uns leider nicht erhalten. Wir kennen 
nur wenige Auszüge aus einzelnen seiner Kanzelreden vom Jahre 1531 
(abgedr. bei J. Niesert: U.-B. I^ S. 165 ff.), auf die schon Bd. 1 S. 165 
hingewiesen wurde. Wohl sicher aber hat Rothmann in der ersten Hälfte 
des Jahres 1533 noch nicht in der Art gepredigt, wie Eerss. hier berichtet. 
Das hätten die gleichzeitigen Quellen gewifs nicht Terschwiegen. Die For- 



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Anno 1533 acta. 419 

ciis iuvent, familiariter inter se vivant, mntno amore se com- 
plectantnr, nemo se sapra alinm efferat, neminem enim alio esse 
snperiorem, cmn omnes sint fratres et sorores omnesqne ex aequo 
ad beatitadinem aeternam invitentur. Aliomm concionatorom 
doctrinam, etsi evangelium assidne crepant, evangellcam tarnen 
non esse, sed stnltam qnandam persuasionem, cum fructus bonos 
non operetur^ Papisticam quoque colluviem bonorum operum 
doctrinam humanamm constitutionum et ceremoniarum fece con- 
taminasse. Nullam igitur propemodum sanam doctrinam esse, 
totum mundum corruptum et in maligne positum, quare brevi 
futurum esse, ut horrenda et inevitabilis calamitas mundum in- 
vadat, quam nemo, nisi electi Dei et charactere foederis insi- 
gniti, evasuri sint; reliquos vero ad unum omnes funestis sup- 
pliciis interituros et crudeli intemecione a facie terrae stirpitus 
evellendos eumque finem mundi fore; sed iudicium postremum 
post annos mille subsecuturum. Oppressis itaque impiis in fine 
mundi electos Dei et charactere foederis insignitos sub Christo 
duce suo novam et felicem vitam annos mille in terra victuros 
(ApocaL 20) sine lege, sine magistratu, sine matrimoniis; liberos 
tamen sanctos sine ulla camis concupiscentia et foeda titillatione 
procreaturos ; omnia intra ipsos fore communia, nihil ipsis de- 
futurum, omnia piis sine labore et molestia affluenter nascitura; 
scripturas sacras tam novi quam yeteris testamenti ob singu- 
larem vitae piorum et foederis charactere signatorum sancti- 
moniam, qui sponte sua bene *victuri sunt, in usu non fore. •p. 378* 
Hoc autem impiorum excidium brevi futurum esse dictitat. 
Patrem enim coelestem etiam nunc angelos et ministros suos, 
quos coram videant, emisisse, qui totum mundum peragrantes 



demng der Gütergemeinschaft, die starke Yertretung der chüiastischen Idee 
mit ihren Ueberschwftnglichkeiten, die sich hier finden, treten bei Roth- 
mann erst in seinen späteren Schriften in den Yordergrund, nachdem die 
Anhänger des Jan Matthys in Münster die Herrschaft gewonnen hatten. 
YgL auch die Einleitung. 

') In den gleich weiter zu besprechenden Akten der Disputation 
vom 7. und 8. August findet sich folgender Ausspruch Bothmann's: „Eth 
were dat evangelion wall by voelen angefangen . . . Dat dat evangelion 
noch nicht recht wer, merkt men by den fruchten woll** (s. Zeitschr. 20 
[1859] S. 158; Tgl. auch Herm. Hamelmann: De paedobapt. Bl. C8v). 

3* 



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420 Anno 1533 acta. 

electos Dei passim dispersos foederis charactere signatnri sint, 
nt ab imminente afflictione eripiantur. Signatos vero ex qnatnor 
terrae angnlis in nnum aliqnem locam convocandos ibiqne Chri- 
stum, ipsomm ducem, gladium ultionis ad eradicandmn impios 
ipsis in manns snas traditnrum, qnem in charactere foederis 
non signatos stringant, nt eornm memoria a facie terrae dispe- 
reat et pii tranquille vivant. Huc scriptnras detorqnet cap. 7 
Apoc. et 9 Ezech. Inde, nt propins ad signum illnd foederis 
accedat: ,,Quicnnque," inqnit, „foederis nota consignari volunt, 
peccatis, diabolo, propriae carni ac toti mundo renunciabunt, 
semetipsos abnegabunt, mundana hominum commercia, cibi 
potusque immoderatum usum, scortationes, lusus, t^meraria iura- 
menta, blasphemias et maxime publicorum templorum ingressum 
vitabunt, ne vana doctrina et falso illo sacramentorum usu con- 
taminentur Deique iram post veram agnitionem in se provocent. 
Hinc digni sunt, qui charactere foederis notentur, hoc est, ut 
iam credentes et adulti spirituque sancto repleti aqua ab integro 
tingantur;** adultos igitur et soIos credentes esse baptizandos. 
His quoque admiscet: panem et yinum in coena dominica non 
fieri verum corpus et sanguinem lesu Christi; aliaque paulatim 
cum suis collegis docet, quae et ecclesiae et scripturae sacrae 
adversantur. 

Hac vitae sanctimonia, hac nova atque inusitata doctrina 
populum fraudis nescium in nae/seam* quasi ineitricabilem et 
labyrinthum allicit. Multi enim ßothmanni exemplum doctri- 
namque secuti, cum iam spiritu Dei satis se afQatos et com- 
munitos esse existimarent neque sibi quicquam ad beatam illam 
piorum vitam deesse putarent, signo foederis, hoc est baptismo, 
*p. 379. consignantur *et retinguntur certo sibi persuadentes paedobap- 
tismum nihil prodesse, neque se ab instanti calamitate tutos 
fore, nisi rebaptizentur et charactere foederis in frontibus suis 
ab integro signentur^ 

*) Ms,: nascam. 



*) Zunächst enthielten sich die Predikanten, wenn sie sich auch 
offen für Gegner der Kindertaufe erklärten, dennoch der Wiedertaufe. Wanu 
Buthinann unter dem Einflüsse besonders RolPs für die Lehre der Wassen- 
berger Predikanten gewonnen wurde, läfst sich aus den Quellen genauer 



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Anno 1533 acta. 421 

Henricns Bollius * vero, qni monasticam vitam, quam Har- 
lemiae in Hollandia professns fuerat^ abiecto habita aversatus 
et apostata factns Wassenburgae apnd Enram in terra Inliaca 
ooncionatorem egit, hinc Monasterii cnm Bothmanno anabaptis- 



nicht feststellen. Aus seinem von Kerss. früher (s. Bd. 1 S. 1^)0) ange- 
führten Briefe vom 6. Sept. 1532 an Herrn. Buschius geht hervor, dafs er 
damals noch aus voller Ueberzeugung Gegner der Anabaptisten gewesen ist. 
Aber schon als v. d. Wieck dauernd nach Münster übersiedelte (im März 
1533; s. oben S. 394), war Rothmann zu radikaleren Anschauungen über- 
gegangen. Vergl. das Schreiben v. d. Wieck's an den hessischen Kanzler 
Job. Feigk vom 15. Nov. 1533 (CA. Cornelius: M. A. II. S. 3()3), in 
dem es heifst: „Dan so froe als ich mit meinen bucheren gen Munster an- 
körnen, haben Bernhart Rothman und sein mitgesellcn die 
1er der widdertauffer angefangen und sich geschickt, als 
8olt Munster arx sein anabaptistarum.^ Ueber das Schwankende, 
Zaudernde und Unsichere bei Rothmann's Auftreten, dem v. d. Wiock in 
seinem Briefe vom 18. Nov. an den Landgrafen von Hessen den schärfsten 
Ausdruck giebt, vgl. CA. Cornelius a. a. 0. S. 143 ff., 171 ff., 207 ff. u. 
370. Ganz unglaubwürdig ist die Erzählung H. Dorp's (Bl. C 1^), nach der 
Johann von Leiden während seines ersten Aufenthalts in Münster im Som- 
mer 1533 gegen den Einspruch der Münsterschen Predikanten die Kinder- 
taufe verworfen haben soll, und nach der Rothmann daraufhin das Volk 
von der Kanzel aus Öffentlich ermahnte, ernstlich zu beten, „das sie unser 
Herr Gott bey seinem reinen und lautem wort erhalten wol und weren 
allen schwormereien und Rotten, sonderlich der Widerteuffer, die itzunder 
auch bey jnen heimlich einzuschlichen beginnen; den wo die Widerteuffer 
überbaut nemen, das kost nur laut und leut, beide geistlich und leiblich." 
— Die erste Weigerung eines Münsterschen Predikanten, nämlich Stap- 
rade's, an Kindern die Taufe zu vollziehen, berichtet Kerss., und zwar nur 
er allein, zum 7. September 1533. Die eigentliche Wiedertaufe begann in 
Münster erst im Januar des folgenden Jahres nach Ankunft der Anhänger 
des Jan Matthys. 

*) Die folgenden Angaben über Roll entnahm Kerss. aus H. Dorp 
Bl. C2. RoU tritt in Münster zuerst bei der Verteilung der Pfarren am 
10. Aug. 1532 auf (vgl. Bd. 1 S. 231 Anm. 2, wo schon erwähnt wurde, dafs 
Kerss. dieses wichtige Ereignis völlig überging). Ueber Roll, der damals 
mit Glandorp zusammen die Aegidiikirche erhielt, vgl. aufser C A. Cor- 
nelius: M. A. IL S. 163 f. u. 337 ff. besonders Ch. Sepp; Geschiedkun- 
dige nasporingen Bd. 1 (Leiden 1872) S. 71 f. u. Bd. 2 (1873) S. 1 ff., 
J. Habet s: De wederdoopers te Maastricht (Roermond 1877) bes. S. 101 ff. 
u. 227 und L. Keller in der „Allgemeinen deutschen Biographie" Bd. 29 
(Leipzig 1889) S. 75 f. 



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422 Anno 1533 acta. 

mnm docnit, nnde digressns apnd Traiectmn inferins^ propter 
anabaptismnm igni adiudicatns transgressionis snae poenas dedit, 
hie ea, qnae Bothmannns tectis atque obscnris verbis visns est 
dicere, sonantibns exprimit paedobaptismnm inter adiaphora nn- 
merans^, qui neqne bonus neque per se malns sit qniqne in- 
fantibus ad salntem conseqnendam neqne prosit neqne obsit, 
cnm nnsqnam in sacris literis praecipiatur. 

Accessit et alins qnidam novns concionator Hermannns 
Stopradins» Moersanns, qni Henricnm BoUinm, praeceptorem 
snnm, andacia, dicacitate et malitia sna longe superavit Hie in 
evangelicos et papistas pariter ita e snggesto detonnit, nt onmes 
nrbani propemodnm mures contremiscerent. Hie Bothmanno 
andacior et eonfidentior paedobaptismnm non solnm inter adia- 
phora nnmerat, sed ipsnm abominationem eoram Deo esse im- 
pndenter satis proclamat. Ideo dignns habitns est, eui cnm 
Bothmanno praecipnnm parochiale templnm D. Lamberto con- 
secratnm a factiosis contra senatos volnntatem committatnr \ 

*) Ms.: Strapadlus. 



*) Kerss. verwechselt hier, wie auch weiter unten, wo er den Tod 
des BoU noch einmal erwähnt, Traiectum inferius = Utrecht mit Traiectum 
superius = Mastricht. H. Dorp giebt richtig Mastricht an. Zur Sache 
vgl. C. A. Cornelius a. a. 0. S. 841 und J. Habets a. a. 0. 8. 227. 

') Die verschiedentlichen Quellen dafür, dafs Roll der eigentliche 
Urheber der religiösen Bewegung zu Munster im Jahre 1533 und das Haupt 
der Gegner der Kindertaufe gewesen sei, stellt C. A. Cornelius a. a. O. 
8. 339 zusammen. Dafs Roll die Kindertaufe zun&chst nur unter die adia- 
phora gerechnet habe, berichtet Kerss. allein. In den Akten der Dispu- 
tation vom 7. und 8. August 1533 heifst es in der einleitenden Rede des 
Syndikus t. d. Wieck (Zcitschr. 20 [1859] S. 156), Roll habe gepredigt» 
„dat die kinderdoepe ein gruwell vor Got sy.** Rothmann er- 
widert darauf: »Vort dat Henricus heft gesecht, de kinderdoepe sy unrecht 
und ein gruweU vor Gott, des sein alle gelyke gestendig ..." Der An- 
sicht Rollos und Rolhmann's schliefsen sich dann ausdrücklich an Kloprifs» 
Stralen, Staprade und Yinne (vgl. auch Herm. Hamelmann: De paedo- 
bapt. Bl. C G^ u. D !▼). Die gleich bei Kerss. folgende irrige Notiz, dafs 
Herm. Staprade zuerst in öffentlicher Predigt die Kindertaufe ein Greuel 
vor Gott genannt habe, ist wieder wörtlich aus H. Dorp entnommen. 

') Aus H. Dorp a. a. 0. entnonmaen. In den Akten der Disputa- 
tion finden sich noch folgende auf Staprade bezügliche SteUen: y. d. Wieck 
sagt, Staprade hätte gepredigt, „men wolde dalr mit upror maken, dat 



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Anno 1533 acta. 423 

Hae Bothmannistanun conciones omnes nrbis ordines, 
mazime vero senatorium conturbant et exterrent, qni per legatos 
primnm Bothmanniun rogat, nt sibi a controversia duornm sa- 
cramentomm, baptismi scilicet et coenae dominicae, doctrina 
temperet. Inde cnm legatomm precibus non acqniesceret, ipse 
cnm aliis qnibnsdam eiusdem farinae concionatoribns ad cariam 
graphiariam vocatnr, nbi itemm admonitus, ne factio*sam hanc*p. 380. 
doctrinam in ynlgas spargat; sed cnm ab ea se nondnm absti- 
neret, a senatn, tribnnis ac mechanicomm praesidibns in pleno 
senatas consessn acrioribns verbis obinrgatus est, qnod paedo- 
baptismnm rem mediam esse contra ecclesiae institntmn docnerit, 
qnae neqne infantibus ad salntem prosit neqne obsit. Bespondet: 
non se, sed snomm aliqnem ista docnisse; se antem effectnmm, 
ne idem in postemm andiatnr^ Yemm hinc digressns parom 
addictae fidei memor paedobaptismmn non solnm inter adiaphora 
recenset, sed coram Deo abominationem esse mnlto confidentins 
cum sno Stapradio docet. Idem reliqni ecclesiastae facinnt Quae 
nbi senatos snmmo cnm dolore animadverteret, ant tristem rui- 
nam ant ezimiam calamitatem ant insignem absqne exemplo 
reipnblicae mntationem fntnram metnens variis modis de coer- 
cenda Bothmanni andacia seditiosae plebis favore mnnita con- 



men die kinderdope hir holden wolde.** Rothmann entgegnet: „Wider, 
dftt Hennannus solde geprediget hebhen, men wolde dair mit nproir ma- 
ken . . ., gestehet he gantz nicht. So averst he mochte vennnert werden, 
in wat sermon eder waniier solches gescheidt, wolde he, was de warheit 
wer, als dan nicht verswigen . ..' (s. Zeitschr. a. a. 0. S. 156 u. 159 nnd 
Herrn. Hamelmann: De paedobaptismo a. a. 0.). 

') Die Unterhandlungen des Bats zu dieser Zeit mit Bothmann und 
den übrigen Führern der Gegner der Kindertaufe sind im Einzelnen sonst 
nicht überliefert. Kerss. berührt sie noch am ausführlichsten. In den 
Akten über die Disputation werden sie in der Einleitungsrede v. d. Wieck's 
nur kurz gestreift (s. Zeitschr. a. a. 0. S. 1&4 und Herm. Hamelmann: 
De paedobapt Bl. C4^ u. Co). Dafs übrigens die Predikanten ihre dem 
Rate gethane Zusage, die Predigten gegen die Kindertaufe und das Sakra- 
ment des Abendmahles zu unterlassen, nicht gehalten haben, beweist auch 
ein Brief des Bats von Münster an den Landgrafen von Hessen Yom 15. 
Not. (abgedr. bei C. A. Cornelius: M. A. II. S. 360), in dem es heifst: 
0. . . hebbe wir wedder solchs ze upt frnntlichste gebedden, und hebben 
nns gedachte predicanten nun nichts van allem des unsz 
darup togesacht gehalden.** 



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424 Anno 1533 acta. 

snltat. Qnam cnm sine horrenda vulgi seditione et sanguinis 
effnsione vi retnndere se non posse existimaret, incruentnm ita- 
qne bellum adversus illum suscipiendum esse decernit, ut argu- 
mentorum vi aut debellatus et pudefactus sileat, aut teils acrio- 
ribus e sacrarum literarum pharetra depromptis in senatu coram 
tribunis et mechanicorum praesidibus per viros bene exercitatos 
confossus seditiosae plebis desinat esse caput; quae ratio vin- 
cendi ut sit tutissima, ita quoque maxime reipublicae profutura. 
Proinde ab Hermanno Buschio*, militaris ordinis viro 
poetaque insigni, ac Joanne Holtmanno Ahusiano, seniore et 
scripturario Fontissalientis, et aliis quibusdam facundia, erudi- 
tione et pietate praecellentibus viris* adversus Eothmannum, 

7.u.8.Aug. quem superintendentem * appellabant, suosque satellites 7. et 8. 
Augusti in conclavi senatorio praesente senatu plebeioque magi- 
stratu acerrime pugnatum est. Adhibentur huic examini duo 
exceptores seu notarii sacramenti religione obstricti, qui utrinque 

♦ p 381. *dicta et disputata bona flde conscribant. Huius logomachiae 
tela utrinque emissa et contorta, quae apud me conservantur, 



*) Vgl. über Buschins H. J. Liessem: Hermann van dem Busche, 
sein Leben u. seine Schriften (Programme d. Kaiser- Wilhelm-Gymnasiums 
in Köln 1884 ff.). Von einer früheren persönlichen Bekanntschaft zwischen 
Bothmann und Buschius berichtet nur Herrn. Hamelmann S. 1188. 
Jedenfalls standen sie mit einander im Briefwechsel. S. das Bd. 1 S. 190 
von Kerss. angeführte Schreiben Rothmann's. Bei Herm. Hamelmann: 
De paedobapt. Bl. C 7 findet sich folgende Stelle aus der ersten Rede des 
Buschius: „Superiori quidem anno et similiter antea cum multis piis ga- 
visus sum . . ., quod audirem in patrio solo evangelium Christi et dopositis 
abusibus legitimam sacramentorum administrationem in ecclesiis rcceptam, 
et ministerium Bemhardi Rothmanni, hominis ingcniosi et facundi, 
de quo tunc temporis multum spei conceperam, gratulabar 
Monastcricnsibus.** 

*) Wie Kerss. den Verlauf der Disputation vollständig mit Still- 
schweigen übergeht, so hat er es auch nicht einmal für der Mühe wert 
gehalten, die Namen sämmtlicher Teilnehmer zu nennen. Aufser Buschius 
und Holtmann beteiligten sich an der Disputation noch der Fratcrhcrr 
Dieüich Bredevort, weiter der Augustinerpater Johann Brothanzt, Arnold 
Belholt, Johann Glandorp, Peter Wirtheim und Brictius tom Norde ; ihnen 
gegenüber standen neben Rothmann die Prodikanten Heinrich Roll, Johann 
Kloprifs, Gottfiried Stralen, Hermann Staprade und Dionjsius Vinne. 

») Vgl. oben S. 389 Anm. 2. 



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Anno 1533 acta. 425 

cum plurima sint, eorum descriptionem, ne fastidium legenti 
ingeram, pnidens omitto^ 

Senatus finita hac scriptnrarum coUatione Eothmannistas 



') Die Akten der Disputation sind im Originale nicht mehr nach- 
weisbar, doch ist in der Zcitschr. 20 (1851«) S. \b'6S. eine vom Kaufmann 
F. J. Offenberg in Münster aufgefundene alte Abschrift derselben in 
niederdeutscher Sprache (jetzt in der Bibliothek des Altertumsvereins zu 
Münster) durch B. Hölscher veröffentlicht worden. Weiter liegt eine 
lateinische Uebersetzung vor, die Her m. Harne 1 mann im Jahre 1572 
unter dem Titel; „De Paedobaptismo" erscheinen liefs (vergl. P. Bahl- 
mann: Bibl. J533 Nr. 3), und die wiederabgedruckt wurde von J. Wi- 
gand: De anabaptismo (Lipsiae 15ti2) S. 3()l ff. Sie fügt in Uebersetzung 
auch die späteren Entgegnungen Glandorp's und Wirtheim's gegen Roth- 
mann und aufscrdem einige Erklärungen H. Hamclmann's hinzu. Die ein- 
leitenden Verhandlungen bringt sie ausführlicher, als sie sich in der Ab- 
schrift in der Zeitschrift finden, aus der auch ein Blatt herausgerissen ist^ 
das die letzten Sätze der Rede Brcdevort^s, die ganze Rede Belholt's und 
die ersten Worte Glandorp's enthielt (Herm. Hamelmann Bl. El^ Zeile 
23 bis Bl. E3 Zeile 6). — Ein Mscr. im St.-A. M. (M. L. A. 518/19 n. 
fol. 27 flf.) giebt einen in hochdeutscher Sprache gleichzeitig geschriebenen 
Auszug aus dem Protokolle, der aber nur die gröfseren Reden des Buschius 
und Rothmann vom 7. Aug. und die ausführliche Entgegnung Rothmann's 
Tom 8. Aug., so weit sie sich gegen Buschius richtete, bietet. B. Hölscher 
hat in seiner Publikation in der Zeitschrift die hauptsächlichsten Varianten, 
Auslassungen und Zusätze dieses Manuscripts in den Noten kenntlich ge- 
macht — Von den Geschichtsschreibern der damaligen Zeit ist die Dispu- 
tation immer nur ganz kurz behandelt worden, am ausführlichsten noch 
▼on H. Dorp (Bl. OB), der sich aber ebenfalls auf die Akten beruft, die 
„ausweisen, wes ein jeder bey disser sach gethan hab." A. Corvin hat 
ICleichfalls die Akten gelosen und stellt (Acta etc. Bl. B i^) den Gegnern 
Bothmann's das Zeugnis aus, „das sie sich in diesem fal menlich, christ- 
lich und ehrlich Widder die Rottengeistor gesetzt haben, aber doch nichts 
mehr bei inen erlangt, denn darnach die unseren bey inen haben erlangen 
mögen." In der „Glaublichen Anzeige" des Dietrich von Hamburg 
findet sich die sonst nicht zu belegende Notiz (Bl. A !▼), dafs die „bere- 
dung öffentlich im druck aussgangen." Herm. Hamelmann ist in seinen 
sonstigen Werken noch zweimal auf die Disputation zurückgekommen (Opera 
8. 303 in seiner „Narratio de vita Hermanni Buschii" und S. 1200 £f. in 
seiner „Historia renati evangelii in urbe Monast."). — In ganz wenigen der 
sahlroichen späteren Abschriften des Ker8s.'schen Werkes habe ich die Ver- 
handlungen der Disputation in lateinischer Uebersetzung beigefügt gefun- 
den, die sich dem Sinne, nicht aber dem Wortlaute nach mit H. Hamel- 
mann^s Uebersetzung deckt. 



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426 Anno 153:J acta. 

firmioribns Buschii argnmentis debellatos et convictos esse sen* 
tiens per loannem a Wyck, doctorem et syndicum, dispntationem 
his verbis intercipit^: „Senatns hnius urbis ea, qnae ntrinqne 
in colloqnio addncta sunt, satis intellexit. Ne antem caesareae 
maiestatis constitntioni adversetnr neve qnenqnam intra sua 
moenia illi repngnare patiatnr neve foedera pacisqne leges inter 
principem et rempablicam Monasteriensem initas violare dicatnr^ 
edicit ac iubet, nt concionatores ab his et aliis duororn sacra- 
mentornm, baptistni scilicet ac coenae dominicae, articulis in. 
concionibus snis prorsns sibi temperent, paedobaptismnm ad 
institutum ecclesiae inyiolatmn servent neqne qnenqnam ab eo 
dehortentnr deterreantqne neqne qnamlibet in religionis negotio 
novationem introdncant, nisi prins alios erroris convincant et 
snam doctrinam accnratins verbo Dei conflnnent. Si vero ipsoa 
propositiones snas doctrinamqne snam sacramm literamm testi- 
moniis comprobasse et imperatoriam constitntionem aliaqne magi* 
stratnnm decreta pacisqne initae foedera non esse servanda osten- 
disse senatns deprehenderit, se ea, qnae christiannm deceant 
magistratnm, factnmm. Sed dnm ea nondnm sint discnssa et 
declarata, senatum in hac nrbe nnllam novationem admissnmm; 
et si hnic decreto vis a qnoqnam fiat ant qnoqno modo iUnd 
contemnatnr, ipsi concionatores experientnr senatum aegre la* 
tumm, neqne ipsos a poena immunes futuros.** 



') Das Folgende ist Ucbersetznng des Beschlusses des Rates, den der- 
selbe im Einverständnis mit den Older- und Meist«rleuten den Predikanten 
zu erkennen gab (s. Zeitschr. a. a. 0. S. 176 und Herm« Hamelmann 
a. a. 0. Bl. E 5^ u. E 6). Derselbe ist auch wiedergegeben in dem Schreiben 
des Rates von Münster vom 15. Nov. an den Landgrafen Philipp von Hessen 
(s. CA. Cornelius: M. A. II. 8. 360 f.). Doch wurde dieser Beschlufa 
nicht am Ende der Disputation verkündigt, sondern bereits am 7. August, 
als die weitere Besprechung auf den folgenden Tag verschoben wurde, an 
dem Rothmann erst seine Hauptrede zur Widerlegung seiner s&mmtlichen 
Gegner hielt Freilich wurde dieser BeschluTs dann am 8. August wieder- 
holt, nachdem Buschius sich f&r die Weiterführung des Gesprilches mit 
seiner Ermüdung entschuldigt und eine schriftliche Antwort versprochen 
hatte, und damit die Disputation, die keineswegs glücklich für die Anhänger 
der Kindertaufe auslief, endigte. Kerss. hat dieses aUes unerwähnt ge- 
lassen, trotzdem er es aus den Akten, die er besafs, h&tte wissen müssen. 
Zur Sache vgl. Herm. Hamelmann a.a.O. Bl. E5f. u. Q2fF. 



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Anno 1533 acta. 427 

Hoc modo colloqnimn et consessns doctormn dissolntns fiiit. 

*Ip8a die Lanrentii Martyris, quae fiiit 10. Augusti, cnin*p. 382^ 
quidam Hollandns anabaptismo addictns in templo Aegidiano ^^' ^'^' 
hora tertia pomeridiana concionaretur, Joannes Windemollerus 
Senator^ non tarn Lntheranismo, qnam anabaptismo infensns in 
concionatorem irrnit enmque e snggesto detraxit: „Quid tn," 
inquit, „verbero, ad populum hie verba facis, indignns, nt sug- 
gestnm conscendas, qni ante annos aliqnot scalas ignominiae 
ascendisti, qni ad palnm nnmellarinm ignominiae caasa religatns 
canterio candenti in altera mala per camificem signatns es, quasi 
yero istam notam, qnam in maxilla circnmfers, non noverimns, 
quasi probitas isto signo egeat? Tune honesta et pia doces, qui 
inter mastigias et verberones educatus ipse inhoneste et impie 
yixeris? Apage te cum ipsa tua doctrina, cum ipsa tua inusta 
cicatrice! Maculam istam tuam prius ablue, quam hunc locum 
probo viro dignum capias!** Anna vero, Milingii cuiusdam uxor, 
aliaeque complures mulierculae spiritu anabaptistico afflatae in- 
dignum facinus esse exclamant virum Dei e snggesto deturbare, 
concionantem impedire, salutarem doctrinam civibus invidere; 
eum sibi a vi non temperare, qui ab aliis illatam merito pro- 
pulsaret. Impium illud scelus exemplo carere, impunitum ergo 
non relinquendum, conniventem senatum amovendum aliumque 
substituendum, qui evangelicam libertatem non opprimat, sed 
singulari favore prosequatur, amet, promoveat atque augeat. 
Magnus his verbis muliercularum fit concursus, magna vocum 
confusio et tempestas adeo, ut tota templi structura tremeret. 
Interea ecclesiastes ille insolit^a intemperie conterritus evanuit. 
WindemoUems etiam garrulam feminarum turbam effugiens 
templo excessit ac sese subduxit. Motus autem ille femineus 
deficientibns antagonistis facile quievit. 

*Sed seditiosi senatum pecunia a principe corruptum nec»p. 383, 
evangelio favere passim per urbem dictitant; alium proinde esse 
eligendum. Quid multis? Ita paulatim in urbe anabaptismus 



^) Er ist wohl sicher derselbe, der in der Yersammlang der Gilden 
am 1. Jnli 1532 die Bürger zu einem Bunde gegen die Unterdrücker des 
Eyangelinms aufrief, und der dann in den dafür niedergesetzten Ausschufs 
der 36 M&nner gewählt wurde. Vgl. Bd. 1 S. 218 f. 



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428 Anno 1533 acta. 

invalescebat, ut loannis Langennanni, Petri Frisii aliorumqne 
7. Sept. civium infantibus 7. Sept^mbris in templum delatis Hermannus 
Stapradius Moersanus baptismum manifeste negaret ^ Quam rem 
senatus aegerrime tulit, neque enim illud futurum unquam spe- 
rasset, cum ex superiori certamine Bothmannistas infirmioribus 
argumentis inniti animadvertisset atque ideo seditiosam hanc et 
controversam duorum sacramentorum doctrinam spargi vetuisset. 
Quare ubi ecclesiastae superiori disputatione se victos esse non 
faterentur neque a sua doctrina in magistratus contemptum et 
ludibrium latum culmum discederent, sed haereticorum more 
multo praefractiores redderentur suaque pertinacius defenderent 
iisdemque multa nova paulatim affiingerent, senatus avitae ec- 
clesiae institutioni et doctrinae de paedobaptismo tutius sibi 
adhaerendum esse existimans Bothmannistis non solum omnibus 
concionibuSy verum etiam urbe plebei magistratus praesidio 
fretus * serio interdicit. Quo edicto concionatores praeter opinio- 
nem suam promulgato, cum plebeio se favore munitos esse pu- 
tarent, vehementer partim exacerbati, partim constemati^ sena- 
tum bis scriptis adoriuntur*: 
„Seditiosorum concionatorum scriptum senatui Monas teriensi 
17. sept 1 7. Septembris traditum. 

Gratia a Deo Patre, vera agnitio lesu Christi et illumi- 
natio Spiritus Sancti in omnem veritatem sit vobiscum. Amen! 
Quod superioribus hisce diebus interdictis vestris nos ab evan- 
gelica functione terruistis ac urbe vestra excederemus crudeliter 
praecepistis, minime sperassemus. ütut autem sit, rogamus, ut, 



') Nur durch Kerss. überliefert. 

*) Der Rat konnte das um so mehr, da das Gebot vom 7. und 8. 
August an die Predikanten auch im Namen der Oldcr- und Meisterleute 
ergangen war (vergl. Zeitschr. 20 [1859] S. 176 u. 194). Herm. Hamel- 
mann: De paedobapt Bl. E5^ erwähnt freilich die Mitwirkung der Older- 
und Meisterleute nicht. 

*) Es scheint, dafs Staprade für kurze Zeit aus Münster hat weichen 
müssen, denn die gleich von Kerss. mitgeteilte Eingabe der Predikanten 
an den Rat ist von ihm nicht unterzeichnet worden. Doch kann seine 
Abwesenheit nicht lange gedauert haben, weil die Vorrede zu der Schrift 
„Bekenntnisse von beiden Sacramenten," datiert aus Münster vom 22. Oct., 
auch seine Namensunterschrift trägt. — *) Nur durch Kerss. bekannt. 



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Anno 1533 acta. 42 J 

quae *tnnc viva voce respondere non licnit, ea nnnc a nobis*p. 384. 
descripta christianis pectoribns accipiatis; cnm satis compertum 
Sit vobis nostri mnneris esse, ut oviculas Ckristi nobis concre- 
ditas pascamns et ea solum proponamns, qnae Christus man- 
davit, neqne iis qnicqnam detrahamns neqne addamns, sed qnic- 
qnid ad normam Dei non dirigitur neqne illi consentit, repre- 
hendamns, reiiciamns et stirpitns eradicemns. Similiter vos non 
latet, quanta cnm molestia et labore in conspectn omnis popnli 
susceptnm hoc docendi mnnns administraverimns nee a qnoquam 
in hnnc usqne diem erroris convicti simus, vel qnod a veritate 
aliena docnerimns; quam etiam doctrinam nostram nltimi snp- 
plicii periculo, qnanqnam non sit necessarinm, nos defensnros 
esse recepimus et adhnc recipimns. Proinde vobis expendendnm 
relinqnimus, quid egeritis quibusve christianis legibus confisi 
nos ab ofBcio removeritis. Seimus, quid Paulus 1 Corinth. 14 
dicat: „Si,** inquit, „alii fuerit revelatum assidenti, prior ta- 
ceat^" Neminem vero novimus, nemoque prodit, cui meliora 
sint revelata. Nos tamen tacere voluistis. Si autem aliquis me- 
liora adferret, aequum esset nos tacere. Praeterea miramur, 
quid vos, penes quos profanarum quidem rerum iurisdictio est, 
de hac quoque re iudicandi auctoritatem vobis arrogetis. Si 
christiani esse vultis, qua fronte civilibus vestris interdictis ver- 
bum Dei impedire et remorari audctis? Scriptura ecclesiae iu- 
dicium tribuit, et cum ecclesiae christianorum sint et esse velint, 
si itaque vos aut alius quispiam adversus nos qnicqnam habu- 
isset, illud in ecclesia et congregatione fidelium nobis praesen- 
tibus propositum fuisset, et si veritatis clypeo non fuissemus 
communiti neque doctrinam nostram manifestis sacrarum Ute- 
rarum testimoniis defendissemus, merito iudicio et poenae subii- 
ceremur. Quam causam adversus nos habetis, qui doctrinam de 
baptizandis infantibus erroneam esse professi sumus? Contra 
agnitam veritatem nihil nobis agendum esse decrevimus; ferro 
tamen possumus, ut *illi hoc faciant, qui minus agnitionis con-»p 355^ 
secuti sunt et eam nondum sunt professi, ut imprudentibus ser- 
viatur, donec veritas magis patescat. Yosmetipsos iudicate! Cum 
paedobaptismum erroneum esse dixerimus neque vos neque alius 

') 1 Corinth. 14, 30. 

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430 Anno 1533 acta. 

qnispiam certis argumentis nos convicerit, qua ratione qnove 
christianae professionis officio addncti nos contra agnitam veri- 
tatem ea recantare vi cogitis, si vero illnd a nobis non fiat, con- 
cionandi officio nobis interdicitis? Dens! Haeccine iura ci- 
vilia ac imperatomm constitntiones praecipinnt, qnas syndicus 
vester magnifice tonat? Profecto, ins divinnm longo diversam 
inbet. Bogamns antem Denm, nt vos in ea agnitione conservet, 
ne qnid contra agnitam veritatem committatis, sicnt nos facere 
vnltis. Yemm hanc impietatem Dens in aetemum a nobis avertat! 
Qui imprndenter qnidem teste Paulo* peccat, delicti gratiam a 
Deo impetrare potest; qni vero prndenter (nt Sani 1. Beg. 15 
et Pharao Exod. 5*) delinqnnnt ac veritati resistnnt, in dies 
magis magisque excaecantnr ac indurantnr adeo, nt nnllins nn- 
qnam poenitentiae Ulis sit locns. Proinde itemm ex mntno 
christianae caritatis vincnlo vos rogamns et admonemns, nt hanc 
evangelü cansam accnratins cordatinsve intneamini et expendatis 
neqne adeo hnmanis opinionibns dncamini adeove eos, qni blas- 
phema ac impia verba ventosa garmlitate strepnnt, sectemini, 
nt lesn Christi veritas obscnretnr. Praeterea cnm in conclavi 
senatorio vobis praesentibns antagonistamm nostromm argn- 
mentis fnsins qnidem, qnam vobis tnnc temporis placnit, a nobis 
responsnm sit illiqne dintnmae sessionis pertaesi per scripta 
nobis respondere receperint et nnnc sex propemodnm hebdoma- 
das meditando absnmpserint, rogamns, nt, si qnid ab illis ad- 
versns nos nostramqne professionem addnctnm sit, confestim eins 
nobis copia fiat \ Ista enim respondendi mora et nobis et veri- 
tati pnblicaeqne paci plnrimnm obest. Precamnr insnper, nt 
hanc fidelem nostram admonitionem boni consnlatis neqne nos 
"p. 386. nisi veritate convictos in officio tnrbetis. *Si vero pertinaciter 
(qnod Omnipotens avertat) propositnm vestmm nrseritis, nihilo- 
minns tamen nostrae a Deo nobis commissae fnnctioni insistentes 

») Ms.: 4. 



^) Vgl. 1 Tim. 1, 13. — ') Die Entgegnungen, die Glandorp und 
Wirthelm am 31. Aug. thatB&chlich dem Bäte eingereicht hatten (s. Herrn. 
Hamelmann: De paedobapt BL G2fF.), und die Brictius tom Norde 
unterzeichnete (s. ebenda Bl. G 6^), waren also offenbar den Predikanten 
nicht eingehändigt worden. 



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Anno 1533 acta. 431 

coram Deo et toto mnndo veritatem etiam cum vitae omnium- 
que rerum dispendio profitebimur cogitantes interim Deo magis 
obediendmn esse, quam hominibas K Vobis ergo pensandam ob- 
trudimos, quam sit pericnlosnm incidere in iadicinm Domini. 
Omnia tarnen bona de vobis speramns, quos Omnipotens in sui 
agnitione ita illustret, nt respublica bene regator. Vestri evan- 
gelüqne lesn Christi ministri 

Bemhardns Bothmannns, Joannes Cloprisius, 
Godefridns Stralenins, Henricns Bollios» Dionisins Vinnins.^ 
Nee minori stndio et diligentia apnd tribnnos mechani- 
commque praesides per se et snae factionis satellites, quos tarnen 
gratia et anctoritate apud illos poliere arbitrati sunt, negotium 
snom peragnnt potentes, ne a pio officio cum ignominia et de- 
decore removeantor, qnod cum snmmo mnltitadinis applansu 
fideliter hactenns administraverint, neque nrbe quasi scelerosi 
et flagitiosi profligentur, qui de republica bene meriti sint, qui 
plurimos a papatus caecitate ad evangelicam lucem revocaverint, 
qui papistica tyrannide debellata regnum Christi pristino nitori 
restituerint; nihil se ezilio dignum commisisse, nullo flagitio 
oontaminatos esse, nisi flagitium sit verbum Dei pure docuisse. 
Atqui si hoc flagitium sit, se quidem flagitiosissimos esse et non 
solum ezilio, verum etiam ultimo supplicio dignissimos quique 
yarüs poenarum generibus afflicti continuo e republica tollantur; 
a qua tamen impietate Dens omnipotens magistratum praeservet. 
Hoc igitur a senatu impetretur, ut praedurum illud exilii de- 
cretnm mutetur et concionatores suo munere a Deo sibi com- 
misso sine motu fungantur, *ne, si suis officiis destituantur, ^ p. 387. 
haec ciyitas perpetua ignominiae labe inter evangelicas urbes 
notetur et Dei vindictam in se provocet. 

Tribuni autem et mechanicorum magistri, apud quos Both- 
mannns summa quidem gratia valuisset, si de paedobaptismo 
sententiam suam mutasset, his verbis permoti cum senatu de 
retinendo Bothmanno agunt. Placuit tandem senatui ipsum ea 
lege in officio suo retineri, ut in concionibus suis a controversis 
duorum sacramentorum articulis sibi prorsus temperet. Quae 
senatus sententia a tribunis Bothmanno significatur. 

') Acta Apost. 5, 29. 

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432 Anno 1533 acta. 

Interea literae a principe in urbem missae' ipso die Mi- 
29. bcpt. cliaelis, qnae fuit 29. Septembris, in singnlis paroeciis recitantur, 
qaibns inbetnr, nt dnornm sacramentornm, baptismi et encha- 
ristiae, nsns pristinns reservetnr; neque enim se ullam in bis 
contra ecclesiae doctrinam citra salutis dispendinm mntationem 
admittere posse. 

Hnc accedit senatns mandatom idem inbens. Maxima etiam 
pars civium bis assentitnr, si encharistiae participatio (sicnt 
Cbristns institnit) sub duabus speciebus sibi non negetur. Se- 
natns itaqne serio Bothmannnm de paedobaptismo et aliis arti- 
cnlis in controversiam positis prorsns silere ant nrbe excedere 
inbet. Utmm honun facturus sit, scripto sibi responderi po- 
stnlat. Ad qnae Bothmannns sie respondet^: 
3. oct. „Tribnni plebis ac mecbanicomm magistri ' mihi significa- 

vemnt me ab officio meo non esse amovendum, verum cum de 
paedobaptismo et sacramento corporis et sanguinis Christi con- 
flictationes sint exortae variisque modis ista sacramenta exagi- 
tentur, in gratiam communis pacis mihi in concionibus publicis 
ab istis duobus temperarem, donec doctorum virorum iudicio 
haec controversia componeretur. Quibus respondi: Cum haec 
publicae tranquillitatis causa a me fieri velint^, in concionibus 
•p. 38S. meis a controversa duorum sacramentornm doctrina *me absti- 
nebo, imo ne haue quidem» attingam, sed ea, qnae pacem con- 
cilient^, qnae senatum excusent, qnae plebem tumuituantem 
sedent, qua me decet fide docebo, donec ab admixta fece haec 
doctrina purgetur et maior veritatis agnitio a Deo hominum 

») Ms,: quidam. — ^) Ms,: conciliant. 



') Nicht mehr nachweisbar. Der seit dem 7. Juni n&chste erhaltene 
Brief des Bischofs an die Stadt ist erst vom 19. October datiert 

') Der deutsche Text der Rothmann'schen Erklärung ist nach einer 
Ahschrift in der Beilage zu einem Schreiben v. d. Wieck's an den hessi- 
schen Kanzler Joh. Feigk vom 15. Nov. 1533 abgedruckt bei C. A. Cor- 
nelius: M. A. n. S. 365. 

■) Zu der Erklärung heifst es : ». . . die ersamen hem baide older- 
Icut und mesterleute sampt etzlichen deputerden Ton den mesterleuten."* 

^J Die Erklärung fügt hinzu: „den ich dan auch schuldig und al- 
tzeit gerne deinen wil.** 



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Anno 1533 acta. 433 

mentibiis infiisa fderit. Datnm anno Domini 1533, die 3. 
Octobris*.« 

Bothmannns qnidem chirographo isto sno, qnid factorns 
sit^ satis dedarat Senatns tarnen de fide illins, qnam aliquoties 
Yiolayerat', dnbitare coepit. Ideo legatos saos Beynam mittit, 
qno princeps dioecesana comitia liabitnras sexto Octobris venerat, e. oct. 
qni in consessn procenmi miserandam nrbis et religionis faciem 
conunemorarent'. ürbem dissidiis et motibns intemis aestuare, 
magnam plebei ordinis partem in officio non posse contineri, 
sed magistratni obstrepere, doctrinam vetitam a Bothmanno in- 
Tectam eüam cmn yitae pericnlo tuen; omnia intestinis odiis 
flagrare, yeram religionem et eyangelicam doctrinam inter Schis- 
mata flnctnare, nihil itaqne intra moenia tntom esse, nihil 
praeter caedem, rapinam et reipnbUcae eversionem et vastitatem 
expectandnm. Haec omnia cnm non alinnde, quam ex mnltipUci 
religionis contentione oriantur, se proinde obnixe efflagitare, nt 
princeps snas partes agat, reipablicae cespitanti snccnrrat et 
hnic malo medeatnr, articnlos erroneos doctomm viromm prae- 
sidio adintos tollat et verae religioni yerboqne Dei consentientes 
snbstitaat; se eos, si sibi ntiles esse cognoverint, libenter am- 
plexnros. 

Ad qnae princeps^: In principio nascentis mali pharmaca 
admisissent neqne ita in gratiam foriosorum subditomm et bene 
monentinm Indibrinm saluberrima consilia ezcnssisseni Cogi- 
tassent cnm malis in pemiciem bonomm non esse conniyendnm; 
seditiosis non tam soayiter adblanditi Mssent. Licentiam enim 



') ÄYif diese Erkl&ruiig hin wurde Bothmann das Predigen wieder 
gestattet) doch da das Lambertikirchspiel ihn als aufrührerisch und seiner 
Obrigkeit ungehorsam entsetzt hatte, ihn auch keineswegs wieder zulassen 
woUte, lydammb hat man in nirgent dan an einen winckel der stat zu 
sanct Serrafs zu predigen gestaten mögen* (Randbemerkung zu der Beüage 
zum Schreiben y. d. Wieck's). — *) Vgl. oben S. 428. 

*) Die Instruktion der Abgeordneten Münsters zum Landtage in 
Bheine hat sich nicht erhalten. 

^) Akten über die Landtagsverhandlungen zu Rheine befinden sich 
im St.-A. M. Es hatte sich yomehmlich wieder um Steuerangelegenheiten 
gehandelt Zuletzt traten die StAdte in ihrer Gesamtheit und einzelne 
derselben, wie Ahlen und Warendozf^ mit ihren Klagen heryor. YgL zur 
Sache C. A. Cornelius: IL A. IL S. 198 f. 

4 



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434 Anno 1533 acta. 

"p. 389. et ineptam lenitatem snos saepe anctores ant prodidisse ant *m 
eximiam tandem cladem praecipitasse. Eo nnnc rem devenisse, 
nt nee lenitate sen blanditiis, nee asperitate sea cradelitate mn- 
tari qneat. Se tarnen ex officio neqne consilio neqne re clvitati 
defntumm, sed de fnturo remedio et refonnatione, quantnm fleri 
potest, altins cogitatnrum *. Interea nrbes ab omni in religionis 
negotio novatione sibi temperent rogat, qnod se facturos reci- 
pinnt. Hoc etiam se poscere a legatis Monasteriensinm, nt do- 
minum Henricnm Mumpertinm, theologiae doctorem ac priorem 
Bispinckhoviannm, ad concionandnm verbnm Dei in templo do- 
minico de more admittant^ Ad qnod legati se illnd in con- 
snltationem et decretnm senatns relatnros respondent; senatum 
brevi responsnrnm. 

Dissolutis istis comitiis cnm princeps de novatione mino- 

mm civitatum m'bil esset sollicitns, praeter spem tamen 8. Oc- 

tobris ipsi refertnr Coesfeldienses seditiosxun concionatorem ad- 

9. oct. misisse, qnare literis snis 9. Octobris emissis ^ ipsos ab institnto 

in hnnc modum deterrnit: Sibi pridie* relatum esse erronem 



^) „Als ock Stadt nnd stede gebedden,' läfst der Bischof antworten, 
„dath men ze baven dath Privilegium nicht besweren will, snnder dar z. 

f. g. tegen ere borger to forderen, zulx mit recht to verfordem, hefft unse 

g. h. antwort lathen geven, s. f. g. wille sich vermöge des privilegii holden, 
so vem sich ock de stede tegen s. f. g. als getruwe und gehorsame under- 
sathen luith des privilegii ertzeigen." »Wal to gelegener tyt,* hdfst 
es dann weiter, „in zacken der religion Ordnung maken, de errige 
prodicanten in der wedertauff und vam sacrament des altairs in z. f. g. 
stifft nicht dulden eder inlaten." 

') Schon am 5. April war seitens des Münsterschen Eates an Mum- 
pert die Weisung ergangen, Niemandem die Ohrenbeichte abzunehmen 
(vgl. oben S. 403). Als dann später der Bischof erfuhr, dafs der Bat dem 
Prior auch Station und Predigen im Dom verboten habe, richtete er aas 
Horstmar am 7. Juni die ernstliche Aufforderung an die Stadt, sich dem 
Vertrage vom 14. Febr. gem&fs zu halten (Konzept im St-A. M.). Der 
Bischof wiederholte hier auf dem Landtage also seinen Befehl. In den 
Akten findet sich darüber Nichts, aber die Thatsache vnrd bestätigt durch 
den gleich weiter unten auch von Eerss. angeführten Brief Münsters an 
den Bischof vom 15. October (J. Niesert: U.-B. I*. S. 216). 

') Aus Fürstenau. Konzept im St.-A. M. Zu früheren kirchlichen 
Bewegungen in Coesfeld vgl. oben S. 415 ff. — *) Ein Datum giebt das 
Schreiben nicht an. Es heifst nur: „Wy komen in erfaronge ..." 



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Anno 1533 acta. 435 

qnendam yagnm atque ignotnm nrbem CJoesfeldiensem snbiisse, 
in ea se aliqnot dies clancnlnm continnisse et tandem invocatum 
et sine legitimi magistratas eommqne, qnomm interfderit, per- 
missn in sacello Sancti Spiritns concionandi munns invasisse, 
erroneam et pemidosam doctrinam in plebem novitatis semper 
ayidam sparsisse, nnde schisma, dissidinm, seditio, inobedientia^ 
magistratns contemptns et christianornm ritnmn concordibns 
maionun snffiragiis antiqnitns ad haec nsqne tempora usitatorum^ 
distnrbatio et cormptela promanare soleat. Com itaqne hoc sibi 
tanqnam magistratni legitime minime ferendnm esse censeat, 
ne sna lenitas snbditis sit exitio, proinde se ipsos per fidem 
datam et insinrandnm sibi praestitnm admonere, nt continno 
istmn concionatorem remoyeant, repellant et nrbe profligent ne- 
que se ab antiqnis templomm ritibns ac ecclesiae catholicae 
ceremonüs distrahi sinant. Bescribnnt^ se in omnibns principi 
*obtemperaturos. »p. 890. 

Dnm haec agantnr, senatus legationem ad Lantgravinm 
evangelicos concionatores petitnm abl^at', qni adyersns Both- 

») fMt im Ms. 



^) Nicht mehr nachweislich. — *) Üeber die erfolglosen Versuche 
des Landgrafen Philipp im Jnli, zwischen dem Bischöfe und der Stadt 
Monster zu vermitteln, rergl. oben S. 405 Anm. 2. Von einer Gesandt- 
schaft der Stadt an den Landgrafen ist aktenm&fsig nichts überliefert. 
H. Dorp Bl. 04 berichtet: „Hernach anno 1533 nmb Martini ungefar 
hatt ... Philip, Lantgrare zu Hessen, auff des Bhats von M'ünster 
ansuchen und begeren zween prediger gehn Münster geschickt ...*' 
— Dem Bischof hatte der Landgraf am 8. Sept. seine Bereitwilligkeit an- 
gezeigt, abermals B&te zu senden (Orig. im 8t-A. M.}, und darauf aus 
Horgtmar am 12. Sept die Antwort erhalten (Orig. im St-A. Marburg), 
der Bischof habe bereits für den 6. October einen Landtag nach Rheine 
ausgeschrieben. Am 7. Oct. erwidert der Landgraf (Konzept ebendas.), dafs 
er den Bischof, wie er sich aUe Zeit erboten habe, «in zimblichen, pilligen, 
chrisUichen Sachen mit rhad, hilf und beistand keins wegs verlassen werde.' 
Eine hessische Gesandtschaft an den Bischof erfolgte aber doch sehr bald, 
und zwar, weil der Landgraf vernommen hatte, dafs Bischof Franz und 
seine Stände geneigt seien, die Temporalitftt des Stifts dem Kaiser zu 
übeigeben (vergl. die Instruktion für Alexander v. d. Thann an Bischof 
Franz vom 28. Oct, abgedr. bei L. Keller: G. d. W. S. 302, und weiter 
den ebenfalls dort S. 303 abgedruckten undatierten Brief des Landgrafen 

4* 



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436 Anno 1533 acta. 

mannnm totamqne anabaptisticam cohortem decertent Hie ita- 
qne in gratiam periclitantis reipublicae Theodoricnm Fabritinm', 
fsumndia et andacia insignem, et loannem Leningnm Melsinga- 
nnm', hominem quidem doctnm, sed meticolosnm minnsqne 
disertnm, qnos evangelio favere potissünnm cognoyerat, ad hanc 
provinciam administrandam hortatnr. Hi tantnm officii Lant- 
gravio denegare non andentes compositis rebus suis se Mona- 
sterinm itoros onnsqne sibi impositnm pro viribus suis snbitoros 
recipiunt Sed prinsqnam hi se itineri et pericnlo committerent, 
per aliquot hebdomadas intra parietes suos de rebus fdturis Con- 
sultant et adversus anabaptistica monstra sacris literis acriter 
sese armant. 

Transfluviani quoque coenobü vixgines ' novo eyangeliconun 
spiritu inflammatae Germanicos psalmos in templo interim pro- 
miscue cantillare, yota sua vivendique institutum contemnere, 
professionem suam pro nihilo habere, archiyestalis firena ezcu- 
tere, nulla ciborum discrimina facere, de habitu mutando mussi- 
tare deque liberiori yita somniare. Ida yero de Mervelt, archi- 
yestalis, cum perpaucis aliis hanc yirginum suarum lasciviam 
sibi displicere multis lachrimis et querelis testata est. Quae res 
cum ad principem perlata esset, in haec yerba ad totum yirgi- 
10. oot. neum coetum 10. Octobris scribit^: Se accepisse plerasque yir- 
gines Transfluviani monasterii mundana quadam levitate vano- 



an den Herzog Karl yon Geldern, nach welchem der Bischof das Gerücht 
f8r unwahr erklärt, nach dem ihm aber yon Seiten Borgnnds Antr&ge ge- 
macht worden seien, die er nicht geradezu von der Hand gewiesen habe). 

') Üeber Theodor Fabricios ygl. besonders G. A. Gornelins: Die 
Münsterischen Humanisten (Münster 1851) S. 31 fif. und Th. Yolbehr: 
Zur Gesch. d. Münsterischen Unruhen, in den ^^Mitteilungen aus dem ger- 
manischen Nationalmuseum'' Bd. 2 (Nürnberg 1889) S. 97 fL — Eine „Tita 
Theodori Fabricii ab ipso anno 1565 ad filios suos conscripta** hat Th. 
V. Hase in der |,Bibliotheca Bremensis*' Classis IV fasc. 1 (Bremae 1719) 
S. 65 ff. herausgegeben. So kurz sie auch auf die Münsterische Zeit ein- 
geht, bietet sie doch einige wichtige, spftter noch anzuführende Notizen. 

*) IHe QueUennachrichten über ihn, soweit sie seine Münsterlsche 
Th&tigkeit betreffen, steUt G. A. Gorneliu«: M. A. IL 8. 847 f. zusammen. 

*) YgL auch Eer88.'B früheren Bericht über das Kloster zu üeber- 
wasser Bd. 1 S. 280fL und oben S. 403. 

*) Aus Füzutenau. Konzept im St-A. M. 



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Anno 1533 acta. 437 

qne anuni pmiiim ita concitatas, nt contra snnm Yotnm snaeqne 
regnlae professionem ac contra inveteratam coenobü consnetadi- 
nem lebellionem moliantar. Se itaqne ipsas monere, nt originis 
et nobilitatis snae memores nihil committant, qnod levitatem 
sapiat ant progenie snaqnoqno modo indignnm existimetnr^ 

*Po8t haec 15. die Octobris senatns principi responsnm re- *p. 891. 
scribit, sicnt legati in comitiis Beynanis se faetnros receperant ': ^' ^^*' 
Nnllo modo contra transactionis pacta se illnd permissnnun, nt 
se inyito concionatores doctrina, vita et moribns eyangelio non 
conformes ad docendnm pnblice in civitate sna admittantnr. 
Cnm antem tempore transactionis concionandi mnnns in aede 
snmma sit ablatnm et terminario dominici templi interdictnm 
neqne eam consnetndinem revocandam esse transactionis monn- 
menta inbeant, sed hoc solnm yelint, nt capitnlmn dominicnm 
in sna religione non tnrbatnm vivat, donec Dens omnipotens 
aliter disposnerit'; — ex qnibns obscnmm non esse principem 
transactionis sententiam manifeste oppngnare. Se ergo rogare, 
ne adrersns transactionem praegrayentnr. 

Ad haec piinceps 19. Octobris^: Se transactionis pacta 19. oct. 
non yiolasse sibiqne ea seiranda esse non ignorasse, sed incon- 
snltam illam et illiberalem postnlationis snae abnegationem a 
senatn non ezpectasse, cnm templnm dominicnm snnm totinsqne 



') In demselben Briefe zeig^te der Bischof dem Kloster an, dafis er 
eine Abordnung zur üntersnchnng nnd Abstellung der Mifsbrftnche senden 
weirde. Dem Amtmann zn üeberwasser schrieb er am selben Tage (Konzept 
im 8t-A. M.), dafs dieser der Aebtissin und den Jungfrauen „yan eren 
gndem und upkomiften derselven gewontlige underholding und yerplegung, 
wo ran olders gebruiklich, yerschaffest und dar ynne, zo zulz ran dj ge- 
fordert werde, gyne aenderonge makesf 

*) Ygl. oben S. 434. Orig. im St-A. M. Gedruckt bei J. Niesert: 
Ü.-B. r. 8. 216 f. 

*) Ygl. Bd. 1 S. 375 den 2. Artikel des Friedensvertrages vom 14. 
Febr. (bei J. Hobbeling a. a. 0. S. 168). In diesem Briefe und in den 
folgenden vertritt die Stadt wieder ganz den Standpunkt, den sie wfthrend 
der Friedensunterhandlnngen eingenommen hatte, den sie aber nicht auf- 
recht zu halten im Stande gewesen war. S. besonders die bei C. A. Cor- 
nelius: M. A. I. 8. 210 abgedruckte Antwort Münsters vom 20. Juli auf 
die Werbung der hessischen B&te. — *) Aus Iburg. Konzept im St.-A. M. 
Abgedruckt bei J. Niesert: Ü.-B. P. S. 218 f. 



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438 Anno 1633 acta. 

dioecesis sit srunrnnm neqne tarnen paroeciale et transactio 
verbis manifestis huic omnes antiqnitns habitas ceremonias et 
consnetndines sine senatns ant civinm snomm impedimento, se- 
natni vero ins paroecialium templomm tantum tribnat. Proinde 
se itenun postulare, ne hnnc virnm in snmmo templo concio- 
nantem conturbent contorbarive sinant neqne adversns transac- 
tionem infirmis istis verbomm snomm rationibns qnicqnam mo- 
liantnr, ne sibi necessario ad alia remedia confagiendi occasio 
obtrudatnr. 

Eodem die Mnmpertio per literas^ significat, nt solins 
principis aactoritate confisns fdtnro die dominico, qnae Mt 26. 
Octobris, alüsqne diebns festis snbseqnentibns in templo snmmo 
conciones stationesqne antiqnitns obserratas habeat, neqne sibi 
alterins anctoritate opns esse. Mnmpertins qnidem principi paret, 
senatnm vero omnesqne evangelicos gravissime offendit. 
•p. 392. *Senatns 21. Octobris*: Qnanqnam in snperioribns snis 

21. oct. gcriptis legitimas cansas addnxerit, cnr sibi non sit ferendnm, 
nt qnidam monachns sen terminarins in snmmo templo ad con- 
cionandnm itemm admittatnr, qni cives catervatim a sna et 
eyangelica religione avocet, et qnanqnam transactionis pacta 
verbis manifestis declarent templnm snmmnm in snis ceremoniis 
et ritibns antiqnis sine senatns ant civinm impedimento perman- 
snmm, senatni vero ins paroecialinm templomm esse permissnm, 
inde tamen confici non posse templnm snmmnm post transacti- 
onem iam dictam concionibns ant stationibns alicnins monachi 
ac terminarii regendnm esse, cnm conciones, stationes aUaeqne 
similes ceremoniae ante transactionem antiqnatae cormerint. 
Qnaecnnqne proinde transactionis monnmenta signata non com- 
plectnntnr, ea propria anctoritate postea ex intervallo apponi 
non posse. In transactionis scriptnra absqne longis verbomm 
ambagibns simpliciter haec verba contineri: capitnlnm non tnr- 
batnm snae religioni et vitae permittendnm esse. Unde inferri 
non posse se monachnm alterins religionis, qni errores et Schis- 
mata spargat, qni seditionem inter cives ezcitet, ad concionan- 



^) Konzept im St.-A. M. Dieses Schreiben war abschriftlich dem 
an die Stadt beigelegt 

*) Orig. im St-A. M. Abgedr. bei J. Niesert: Ü.-B. IK S. 219ff. 



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Anno 1533 acta. 439 

dum admittere debere. Se proinde illnd, qnod dissidia, Schis- 
mata et seditiones pariat, in incommodmn soae reipnblicae non 
permissnnun. Cnm itaqne vi transactionis conciones monachi 
in smnmo templo merito non esse ferendas censeant, se legiti- 
mnm responsnm dedisse non dnbitare« 

Ad quae princeps 28. Octobris ^ : Se scripta senatns in sua 28. oct. 
anctoritate et existimatione, si quam habeant, relinquere. Cum 
autem concionatori mandaverit, ut verbum Dei pure populo an- 
nunciet, se sperare ipsum a nullo in officio suscepto turbatum 
iri, sed senatum superioribus suis scriptis pariturum. 

Eodem die 28. Octobris princeps ad senatum*: Se audi- 
tione non vana accepisse quosdam errones, vagos et incognitos 
ver*berones legitime non vocatos propria se anctoritate in urbem ♦ p. 393. 
suam ingessisse, erronea et seditiosa doctrina plebem commovisse, 
tandem damnatum et non tolerandum anabaptistarum sacramen- 
tariorumque dogma disseminasse et impietate sua totam fere 
urbem contaminasse \ Cum autem hi flagitiosi errones. in urbe 
adbuc detineantur et metuendum sit, ne non toxico isto incautam 
rudemque plebem circumyeniant, seducant et inficiant, proinde 
se caesarei edicti anctoritate fretum ipsum senatum monere, ne 
falsos istos doctores receptet, sed urbe eiiciat, ut caesaream 
atque imperialem indignationem poenamque effugiat. 

Haec principis scripta senatum a decreto suo non remo- 
rantur, quin priori Bispinckhoviano tutum commeatum et pu- 
blicam securitatem renunciaret. Quare princeps 30. Octobris so. Oct. 
sie ad senatum^: Sibi relatum esse, quod priori Bispinckhoviano 
ac dominici templi concionatori in sua ciyitate securitatem tu- 
tumque commeatum praeter expectationem et spem suam renun- 
ciaverit, quod suo iussu in templo dominico consuetas stationes 
ac conciones habuerit*. Se itaque poscere, ut interdictum re- 

*) Aus Füratenau. Konzept im St.-A. M, — *) Nach dem Konzept 
im St.-A. M. abgedruckt von L. Keller; G. d. W. S. 302 f. — ») KersB. 
übergeht hier die Worte: ^denselven doch durch juw mit tjdigen vorrade 
und insehen Torgekomen.^ — *) Aus Fürstenau. Konzept im St.-A. M. — 
'^) Der Bischof fugt hinzu: „Geven dem oik noch tor tyth gynen fuUen- 
komen gelowen. Wo dennoch durch juw tegen gemelten predicantcn us 
to yerhonynge und verkleinonge vorgerurter mathen gehandelt und yort- 
gefaren, dragen wy gyn unbillick befrembden und begeren derwegen . . .** 



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440 Anno 1533 acta. 

scindat neqne adversns snos ministros sibiqne addictos hnins- 
modi interdicta decernere in postemm praesnmat; alioqni ad 
alia remedia, nnde mnlta fortassis incommoda evenire qneant, 
sibi occasionem obtrndi, a quo tarnen in gratiam civitatis ab- 
borreat. Scribit qnoqne eodem die ad Mnmpertinm ^, nt ad nrbem 
mnnnsqne sibi conunissum sine nllins incommodi metn rever- 
tatnr; se non dnbitare senatum snis scriptis paritürum. 

Interea Fabritins et Melsingns, cnm intelligerent Mmn- 
pertimn virom doctnm et in theologico studio exercitatissimnm 
esse, sibi metnebant, ne non qnotidiannm doctrinae suae bestem 
baberent acerrimnm. Proinde bnnc in modnm senatni snppli- 
cant': Cum Mnmpertins monacbns, qni antebac in templo do- 
*p. 394. minico ^concionatns sit, impia docnerit et seditioni dissidioqne 
civili magnam occasionem dederit, emn non magis, qnam paedo- 
baptismi contemptores in nrbe ferendnm esse. Se itaqne rogare, 
nt monacbnm istnm intra moenia non ferat, ne pnram snam 
doctrinam impia persnasione evertat et Schismata factionesqne 
iUicitas inter cives serat. 

Cum senatns principi ad snperiora scripta nihil responderet 
neqne Mnmpertins ad mnnns snnm admitteretar, princeps morae 
97. Not. impatiens 27. Novembris sie ad senatum ': Quanquam antebac 
a senatu petiyerit, nt Mumpertium in aede dominica eyangelium 
tuto docere sinat, nunc yero se intelligere, quod huic scripto 
non solum non paruerit, rerum etiam publicam securitatem tan- 
quam commeatum renunciaverit urbeque interdixerit. Quo iure 
hoc agatur, se quibuslibet ac ipsi senatui meliere animi parte 



') Ein solcher Befehl des Bischofs vom 30. October an Mnmpert ist 
nicht mehr nachzuweisen, wohl aber hat sich das Konzept eines dahin 
lautenden Schreibens des Bischofs vom 30. Noy. im St.-A. M. erhalten. 
Es ist anzunehmen, dals Eerss. sich bei der Datierung geirrt hat. 

*) In gleichem Sinne schrieben sie am 3. Dezember an den Bischof 
(Orig. im St-A. M.; abgedruckt bei J. Niesert: U.-B. 1\ S.228f.). Ein 
Brief an den Bat hat sich nicht erhalten. Das Schreiben an den Bischof 
ist auch im Namen des Landgrafen abgesandt und war wohl die Folge des 
gleich Yon Kerss. angefOhrten abermaligen Befehls des Bischofs vom 27. 
Not. an die Stadt, Mumpert ungestört seines Amtes walten zu lassen. 

') Aus Iburg. Konzept im St.-A. M. Diesem Briefe schlofs sich 
dann der bischöfliche Befehl rom 30. November an Mumpert an. 



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Anno 1533 acta. 441 

ezpendendnm relinqnere. Itenun ergo 86 senatum monere, nt 
hunc, sicut antiqnitas fieri consnevit, concionari patiator. 

Senatus 3. Decembris respondet^: Se principis literas 28. s. Des. 
et 30. Octobris nee non 27. Novembris scriptas accepisse, legisse 
et intellezisse, ad qnas respondeat: Cum qoidam concionatores 
mnltas sibi molestias in nrbe sna exhibeant, se non sperasse 
principem insnper eas anctnrmn foisse. Qnod antem sibi invito 
terminarinm obtrndat, qni impiis snis concionibns ', nti iam bis 
fibctitatam sit, seditionem concitet, se nnllo modo latamm, cnm 
cansas certas habeat, enr istins monachi conciones inter snos 
non sint tolerandae. Se ergo omnia iuris praesidia adversns vim 
bis scriptis implorare. übi vero monacbns in nrbe dissidia con- 
citare non destitisset, se illi secnritatem pnblicam rennnciasse' 
ac nrbe interdizisse. Qnicqnid antem princeps adversns baec 
iure agere vel yelit vel qneat, se patienter ferro oportere. Non 
tamen se sperare, qnod cnm priqcipe in gratiam impii monachi 
in dissidinm et novam contentionem sit reditnms. Snam "^se^p. 895. 
causam coram quibusvis principibus^ defensumm. 

Interea Botbmannus chirographi et promissi sui oblitus 
ad ingenium suum redit; at cum senatus motu repressus palam 
anabaptisma seminare non änderet, occultis digressionibus, clan- 
destinis colloquüs ac suggestionibus ^ eo rem perduxit, ut ana- 



*) Orig. im St-A. M. Abgedr. bei J. Nies er t: U.-B. IK S. 227«: 
') „dorch sein heüloes predigen.* Die hessischen Prediger melden 
dem Bisehof, dafs Mnmpert „ungeschickt und unchristlich dinge rorge- 
nommen nnd gepredigt** habe. 

*) i^nicht unbillige'' heifst es im Schreiben, und dann weiter: «. . . dan 
wy ohne ock alse den die in unser stadt twyspaltonge und twidracht, ock 
nnfredde und rottonge werckede, nicht wetten tho schützen, to schermen 
und tho gednlden." — *) Im Orig.: „vor aller geborlicher overicheytt.* 

') So auch H. Dorp Bl. C2: „Denn die Widertenffer prediger 
leerten heimlich in den heusem ...** Er fügt hinzu: „Darzu so trieben 
sie dieselbige lere nicht denn in der nacht, wenn ander leute schlaffen 
waren, als dan lerten und tauiften sie . . .'^ Aber Rothmann setzte auch 
dffentüch anf der Kanzel sein Predigen fort In einer Klageschrift an den 
Bat heifst es (s. C. A. Cornelius: M. A. 11. S. 366), dafs „her Bemhart 
Rothman nach dem 3. tage Octobr. zu sanct Servafs, die leute zu behalten 
bei seiner meinung, widder die kindertaufif und sacramenten des lelbs und 
bluts Christi allerlei etgerliche und auirorissehe predigt gehabt '^ Es werden 



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442 Anno 1533 acta. 

baptistanun nnmeros nihilo segnius angeretor et snum n^otinm 
apnd imperitum ynlgos promoyeretnr, se Interim innocentem, 
probmn, pinm, religiosnm angelnmqne Incis fingens^ De bap- 
tismo enim et coena dominica articnlos qnosdam consnit, qnos 
Lantgrayio ac theologis Marpnrgensibns examinandos Offerte 
Cnm antem iadicio theologomm Bothmannnm errasse pronun- 
ciaretnr, errorem snnm agnoscere nolnit, sed pertinacins snos 
articnlos non solnm apud imperitam plebem defendit, yermn 
etiam emditionis persnasione seductns typis excnsos omninm 
hominnm ocnlis et indicio eos exponit', qaibns ita passim ho- 
minibns errorem snnm impressit, ita praesidio Satanae mnltamm 



dann einzelne seiner Sätze angeführt. — Lening nnd Fabricius berichten 
am 18. November dem Landgrafen, dafs Rothmann, der „in yerwerffdnge 
des kindertaofs verharret,^ „grofsen anhang der tanfverachter in der stat 
hat, also das man, so lange er darinne bleibt, nichts wohl kan ausrichten.' 
Aehnlich schreibt t. d. Wieck am id. Kovember an den Landgrafen und 
sagt dabei: „Es ist ein arm verdorben häuf, die an gedachten Bemhart 
hanget, und kenne da nimantz under, der so vil seiner schulden halben 
vermochte, das er zwe hundert gülden aufbrechte** (C. A. Corneliua 
a. a. 0. S. 369 u. 370). 

^) Das berichtet hier Eerss. nach A. Gorvinus: Acta etc. nun. 
schon zum dritten MaL S. oben S. 418. 

') Auch dieses und das Folgende nach A. Gorvinus a. a. 0. Bl. G*. 
Zur Sache s. oben S. 388 Anm. 

') Es ist die Schrift: ,3€ftentttiffe Qdtt l&«]|tett A$xvaxtunttn || 
l^oe)ie nxAt 0Mt^tm$tU || \xtx ^ttxitantiu tl^a || Munfttc. || ^atl^n tl \\ 
Wt mg htfitnt vaer ben menft^en, htn tuiH ük htktntun || nixtt msiun 
l^mulfti^en neittt. || 3m iatx Wi.1^.XK^Si.XX3. \xm mii || t^ ^at»m- 
fai0. \f* Die Vorrede ist vom 22. Oct. 1533 datiert und trägt die Unter- 
schrift von Bothmann, BoU, Eloprifs, Yinne, Staprade und Stralen (vergl. 
auch P. Bah Im an n: BibL 1533 Nr. 6). -- Eine kurze Gharakteristik dieser 
Bekenntnisse und in Auszügen einzelne Begriffsbestimmungen und Lehr- 
sätze derselben über die Taufe gab E. W. Bouterwek: Zur Literatur u. 
Gesch. d. Wiedertäufer in der „Zeitschr. d. Bergisohen Geschichtsvereins** 
Bd. 1 (Bonn 1863) S. 285 ff. (Sep.-Abdr. S. 6ff.). Als Gegenschrift erschien 
im März 1534 zu Strafsburg der den Bürgermeistern der Stadt Augsburg^ 
gewidmete ,Jßtv\äjt attg ber l^^fiHligen g^fd^rift non htt vz^t 0Ott||fe%eii 
an^ttttitg ttntk f^an%^ltnn% ^fjxipidßv || g^mesn ... II l^nrtl^ tkie l^xt- 
hi0er Üb l^sliJBen €nan%tlii }n J^tra^tttg Ut Atat nntx || hit^m |ti 
VäünfUt in Kleftfal. || erftlitg %t\^xüitn. f (vgl. P. Bahlmann: BibL 
1534 Kr. 1 nnd E. W. Bouterwek a. a. 0. S. 288, resp. S. 9). Euize Aus* 



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Anno 1533 acta. 443 

r^onnm popnlos fascinavit ac dementavit, nt patria, libem 
bonisqne omnibns relictis nndiqne hnc conflnerent. Hnc West- 
phali, hnc Saxones, hnc Hollandi, hnc Brabanti, hnc Q^ldri, 
hnc Phrisii, hnc Leodienses aliammqne nationnm gentes ntri- 
nsqne sexns magna et videndi et andiendi Bothmannnm avidi- 
tate coennt. 

Senatns hac Bothmanni inconstantia et levitate, qna fidem 
addictam tnrpiter violavit, vehementer offensns est neqne tamen 
carcere ant alia qnavis bene commerita poena ipsnm popnlari 
£&Tore septnm perseqni andet, ne mnltomm gladios in se pro- 
Yocet. Primnm itaqne conclnsis omnibns in nrbe templis^ ipsi 
concionibns interdicit, deinde 3. Novembris cnm tribnnis et me- 3. nov, 
chanicomm magistris, qnomodo sine magno motn nrbe qnoqne 
in perpetnnm exilinm cnm snis profligetnr, consnltat. Vemm 
cnm nox istam consnltationem intermpisset et nihil certi de 
pellendis concionatoribns eo die decretnm esset, ntile visnm est 
convocatis patriciis aliisqne opnlentioribns et honoratioribns nrbis 
civibns* seqnenti die panlo altins rem deliberandam esse, *ne*p. 396, 
nnins ordinis consilio agatnr, qnod ad omnes pariter pertinet, 
ne, si res male cederet, senatns anctoribns careret. Proinde 4. 
die Novembris reditnm est ad fomm, et cnm de concionatori- 4. Nov.. 
bns ageretnr, qnibns modis effrenata eomm protervia, perfidia, 
rebellio, impia de baptismo doctrina et qnaevis agendi libido 



zdge daraus hat Herrn. Harne 1 mann: Opera S. 1203 ff., der aufserdem 
in seiner Schrift: De paedobaptismo Bl. J6^ff. in Form einer Unterredung 
mit Rothmann sich gegen die Lehrsätze der Bekenntnisse wendet. — Yor 
dem Erscheinen der Bekenntnisse hatte Rothmann seine Bedenken gegen 
die Eindertaufe zur Begutachtung an Martin Bucer eingesandt. Dessen 
Antwort darauf liegt vor in der im Dezember 1533 zu Strafsburg erschie- 
nenen, V. d. Wieck gewidmeten Schrift (s. P. Bahlmann : Bibl. 1533 Nr. 7): 
„Quid de baptismate || infantium iuxta scrijjpturas Dei sentiendum . . . 
Epistola ad quendam hac in re || impulsum Martini Buceri. {j^ Ygl. C. A. 
Cornelius: M. A. 11. S. 208 f. 

^) »Ausgenomen zu Sanct Martin, da her Brictius predigte'' setzt 
H. Dorp Bl. C3^ hinzu. Für die folgenden Yorg&ngo (vgl. dazu C. A. 
Cornelius: M. A. 11. S. 202 iL) ist Eerss. zwar die ausführlichste Quelle, 
aber in Einzelheiten ungenau. 

^) Nach H. Dorp a. a. 0. „lest der new Rath den alten Bath zu- 
samen foddem, sich mit einander zu besprechen . . J* 



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444 Anno 1533 acta. 

commode coerceretar, nrbe eos eiiciendos esse ab omnibns fere 
clamitatnm est. Et ne senatns de patricionun alioromqne civinm 
ibi praesentinm fide qnicqaam ambigat, nomina sna profitentnr 
eaqne in tabnla conscribi patinntnr et anxUinm promittnnt et 
praesidinm qnidem armatnm, si opns sit^ poUicentnr. Praeterea 
ne concionatores qnerantur tutnm sibi efEhginm non patere, extra 
urbem enim in alterins inrisdictionem se incidere, de pericnlo 
ergo in pericnlnm praecipitari, extra Gharybdim in Syrtes con- 
iici, qnas sine clade ant saltem meta transire non qneant, ideo 
per snbitam legationem pnblicam secnritatem tutomqne com- 
meatnm dioecesin peragrandi cansa pro abigendis concionatori- 
«. Nov. bns a principe et capitnlo 5. Nov. petunt * et facile impetrant *. 
Imo princeps per literas 10. Novembris emissas omnibns prae- 
fectis, satrapis gogravüsqne totins dioecesis praecipit, ne qnis 
concionatores Monasterio pnlsos ab institnta profectione remo- 
retnr, iter praeclndat fngamqne impediat, et si opns sit, ne 
qnid morae praetexere qneant, cnrribns eqnisqne in avehendis 
liberis, nxoribns snppellectilibnsqne ipsis snccnrrant atqne opem 
ferant*. 



') Auch das „Bichtboeck*" (vgl. CA. Cornelius: M. A. IL S.200f.) 
Iftfst das Gesuch um Geleit fBr die Predikanten an erster SteUe yon „dem 
rade und frommen borgeren** ausgehen, denen Rothmann's Auftreten mils- 
fiel. Aber die Bürger «wolden nicht gesagt hebben, dat de Monsterschen 
de predicanten hedden np de fleesbanck gebracht; derhalven begerden se 
den Torg. predicanten ran sin f. g. gleide ...** Nach H. Dorp a. a. 0., 
der übrigens diese Yerhandlungen der Zeit nach ror die vom Rate ange- 
ordnete Schliefsung der Pfarrkirchen setzt, w&re zunftchst der Ausweisungs- 
befehl erlassen, und erst nachdem die Predikanten yorbrachten, ohne Geleit 
konnten sie dem Bischöfe nicht entgehen, „ob man sie denn aufif die fleisch- 
banck liebem wolt?^, hätte der Bat yom Bischöfe das Geleit erbeten. 

') Am 5. Noy. macht das Kapitel dem Bischof Mitteilung, „wu dat 
dussen yormyddach etzliche yan den olden raide der stadt Munster by uns 
gekomen unde angezeigt, dath borgermester, raide und de mere deiU der 
Stadt Munster in arbeide unde handelunge, her Bemdt Botman und de 
anderen predicanten, sjne mitgeseUen, der stadt Munster tho yerwysen." 
Das Kapitel bittet dabei den Bischof um Geleitsbriefe für die Predikanten 
(Orig. im St-A. M.). Am 10. Noy. stellt der Bischof die erbetenen Briefe 
aus, meldet aber dem Kapitel zugleieh, dals es ihm „ganfe beswerlich' 
gefaUen sei (Kopie im St-A. M.). 

*) Ein solches Schreiben an die Amtleute ist nicht mehr nachweisbar. 



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Anno 1533 acta. 445 

Inde ad 5* diem Novembris, nti convenerat, senatas, tri- 5. nov. 
bnni mechanicommque praefecti, patricii honoratioresqne cives 
ad forum revertnntar, nt pulsis concionatoribns nrbem anabap- 
tistica lue liberent et pristina pace fruantur. Neque huc tantum 
senatum defensuri, verum etiam adversarii fama rei permoti con- 
fluunt Cumque ibi superioris diei de peUendis concionatoribus 
decretum iteiaretur, continuo a quodam Alensi primum, deinde 
a prondscua turba non solum concionatores anabaptisticos et eo 
dogmate infectos, sed et omnes, quomm consilio et ope in urbem 
admissi fuissent aut nllum illis officium unquam praestitissent, 
urbe pellenMos esse clamitatum est^ Qnae verba cum Her-*p. 397. 
mannus Tyllebechius, alter consulum, multarum rerum novarum 
auctor, de se dici intelligeret: „Haeccine,^ inquit, „cives, futura 
putatis? hanccine consuli vestro gratiam pro singulari in vos 
fide et sollicita administratione reddituri estis? Alius huic modo 
quaerendus est cuneus, vestra ista in bonos et innozios gras- 
sandi libido reprimenda est.^ Hac consulis voce Albertus We- 
demhave, Bemardus Enipperdollinck, Hermannus Krampe, Hu- 
pertus Buesscher faber aüique plures anabaptistico spiritu aestu- 
antes adversus senatoriam multitudinem adeo inflammantur et 
condtantur, ut ab ea secessionem facientes sicas ac pugiones 
stringerent, quasi iamiam impetum in eam facturi essent. Neque 
verbis senatorios acriter obiurgare desistunt. ,,Vos impii,^ in- 
quiunt, „vestrum propositum vobis hodie non succedet neque 



*) Dieser Baf ging ofiFenbar von Seiten der katholisclien Partei aus^ 
die sich aUmählich merUich gestftrkt hatte (vgL den Brief des Bates yon 
Münster an den Landgrafen vom 15. Not. bei C. A. Cornelias: M. A. 
n. S. 3G1). „Da hab ich erfam," berichtet v. d. Wieck am gleichen Tage 
dem hessischen Kansler Joh. Feigk (C. A« Cornelias a. a. 0. S. 363 f.), 
j^das das pabsthamb worde widder angehen and das evangelion ander- 
gehen ... Dan in solcher aafroer etzliche das pabsthamb widder weiten 
aofrichten, so die meinten dnrch den widdertaaffeschen handel das meer 
sa haben.** Eine wiedert&uferische Parteischrift, die |,Bekentones des glo- 
bens and lebens der gemein Criste za Monster,^ geschrieben gleich nach 
dem Beginne der Belagerang, abgedrackt M. 6.-Q. 11, 446 fiL, berichtet, 
es h&tten sich „die gotzlofsen papisten den gadendach vor Martine (6. Nov.) 
ano 33 in ir were and waffen za häuf geworffen and wolden mit gewalt, 
man solt die predicanten hinaas liffem, io in di nas and om abschneidea 
und zwischen zwen hande af hangen* (S. 462), 



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446 Anno 1533 acta. 

nos, sicnt decreyistis, tracidabitis neqne nrbe profligabitis. Sunt 
enim nobis et vires et arma!*' Sabitns ntrinqne fit discursus, 
utrinqne adfemntnr arma, ntrinqne reditnr ad fomm. Cleri 
qnoqne primarii ministri nee non aliqnot ex clero seenndario 
annati in praesidinin srenatorinm accnmmt; ntrinqne sese mn- 
ninnt^ Senatorii cnriam, Bothmannistae yero infinniores qni- 
dem, sed adyenamm robore freti mnrnm coemiterii Lambertini 
pro tntela et defensacnlo oecnpant; ntrinqne noctnmae vigiüae 
disponnntnr, ntrinqne sibi metnnnt, ntrinqne in diem seqnentem 
armati consistnnt. Senatns advenamm vires potissimnm metnens 
Inctnosnm motnm et cmentam mnltomm civinm stragem in- 
Stare animadvertit, nisi se matnre interponat et animos ntrin- 
qne ezasperatos mitiget. Qnare in crepnscnlo matntino sezti 

«6. Not. diei Novembris de pace recnperanda per vires graves ex senatn 
et plebe designatos, qni gratia ntrinqne mnltnm valebant, agitnr. 
Atqne ibi WjcMns ntrasqne partes acriter admonet: Cogitent 
se nnins nrbis esse cives, nnins corporis membra, iisdem moe- 
nibns conclndi, eodem sacramento et inre teneri. Qnam sit te- 

^p. 398. merarinm eos, qni iisdem ^plebiscitis constringnntnr, snb prae- 
textn evangelii et religionis indnere arma, qnam maiornm mori- 
bns dissimile, qnam natnrae adversnm vicinitatis et amicitiae 
veneratione neglecta, afSnitatis cognatione excnssa et arctissimo 
sanguinis vincnlo dissointo in mntnnm exitinm conspirare, san- 
gnine cognato silices plateamm pollnere, in viscera sna innere 
et parricidio manns snas contaminare tnrpiter. Pmdentins itaqne 
secnm expendant, qnid natnra, qnid recta ratio, qnid coningnm 
et liberomm salns, qnid patriae incolnmitas, qnid cbristiana 
religio, imo qnid Dens ipse concordiae anctor dictet et inbeat. 
Eis verbis armomm et irae fervor panlatim flaccescit, ac ama- 
l)ilis concordiae stndinm ita animos omninm tandem snbit, nt 
nihil praeter pacem ntrinqne affectarent. Et cnm Bothmannistae 
neqne nrbe cedere vellent neqne snos concionatores profligandos 
-esse paterei^tnr, senatorii vero nnllo modo ipsos ad concionan- 
dnm admittendos esse contenderent (Theodoricnm enim Fabricinm 



^) »Und ist da bevom an den yergangen mitwochen 5. noyembr 
•einer blutrergiefsnng nit ferne gewest^ schreibt y. d. Wieck in seinem Brief 
▼om 15. Nov. an Job. Feigk. 



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Anno 1533 acta. 447 

et loannem Leningnm, eximios yerbi Dei praecones, a Lantgravio 
in gratiam nrbis emissos iam adesse \ qiti evangelicam yeritatem 
in urbe doctnri sint), his itaqne legibns pax restitoitnr, nt sena- 
torii Bothmannistas in nrbe ferrent neqne tarnen ad docendnm 
adndtterent ', praeterea nt cniqne libemm sit eam fidem am- 
plecti, qnam sibi ad salntem profatnram pntaverit. His itaqae 
actis digrediantor armisqne positis veterem gratiam utrinqne 
simnlant. 

Bothmannns vero adempto sibi ex saperiori pacis pacto 
publice concionandi mnnere privatim et clancnlmn, primmn 
qtddem noctomo ^, inde ancto snormn nnmero confidentins dinmo 



') Yielmehr langten die hessischen Prediger erst am 8. November 
in Münster an. Vgl. v. d. Wieck's Brief an Joh. Feigk vom 15. Not. nnd 
die Beilage dazu bei C. A. Cornelins: M. A. II. S. 364 n. 366. 

'J Die Darstellung Eerss.'s entspricht den Thatsachen nicht Die 
Yon C. A. Cornelins: M. A. 11. S. 358 fif. mitgeteilten Briefe bezeugen 
mehlfach, dals das Ausweisungsdekret des Rates gegen alle Predikanten, 
mit Ausnahme gegen Bothmann, aufrecht erhalten und zugestanden wurde. 
Es scheint auch, dafs die Predikanten sich wirklich für einige Zeit aus 
Munster entfernten. Am 18. Noyember konnte y. d. Wieck an Joh. Feigk 
melden (C. A. Cornelius a. a. 0. S. 373): „De andern wichen yast. Sint 
gistem, wy ich yerstae, dry yerrist." Nach einem Brief des Yiglius y. 
Zwichem an Erasmus yon Rotterdam yom 12. August 1534 soll sich Roll 
gegen Weihnachten 1533 in Holland und Friesland aufgehalten haben 
(s. C. P. Hoynck yan Papendrecht: Analecta Belglca Tom. 1 pars 1 
[Hagae Com. 1743] p. 106). Die filteren schriftstellerischen Quellen wider- 
sprechen einander. W&hrend H. Dorp Bl. C3^ behauptet, die Predikanten 
„begerten nicht eins zu weichen, sondern blieben und enthielten sich heim- 
lich bej den, die irer lere anhengig waren, ** sagt Dietrich yon Ham- 
burg: Glaublich anzeyg Bl. A 1^: „So aber je kein weg des fridens solchen 
Rotmeisteren anzunemen, hat maus irer ftmpter entsetzt und mit zu wegen 
brachten Bisschofflichen gleid und genugsam zergelt zu der stad aus ab- 
gefertigt, welchs sie also angenomen, bey den iren sich etlich Monat in- 
gehalten und folgends ynn gemelten jar auf s. Stephans tag (26. Dez.) sich 
wider herftir gethan.^ 

•) Ygl. oben 8. 441. Auch P. Plateanus sagt in seiner „Epi- 
stola . . . quae de anabaptistis et de ciyitate Monasteriensi multa comme- 
morat^ yom 25. M&rz 1534 (abgedruckt bei J. Cochlaeus: XXI articuli 
anabaptistarum confutati [Lipsiae, K Faber 1534] Bl. C4): „Conyentus 
secretos et plemmque noctnmos agunt, ad quos nemo nisi initiatus ad- 
mittitnr.^ 



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448 Anno 1533 acta. 

tempore in qnibnsdam civinm aedibos anabaptisma docere non 
destitii Tempns concionis cbirobombardae sonitn nnnciatror. 
Ad has conciones soll anabaptistico spiritu afflati admittontor. 
Docet antem^: 



^) Im Folgenden giebt Kens, in falscher chronologischer Einordnung 
einen Auszug aus den Geständnissen Jakobs von Osnabrück vom 28. Febr. 
1&34. Die Geständnisse sind abgedruckt bei J. Nies er t: Ü.-S. L S. 154 fif., 
die hier besonders in Betracht konunenden Stellen S. 160 £L, und in den 
M. G.-Q. U. S. 220 ff., wo S. 417 auch Verbesserungen Eum Kiesert^schen 
Abdruck gegeben werden. — üeber Jakob von Osnabrück Tgl. J. Uabets: 
De Wederdoopers te Maastricht (Boermond 1877) S. 210 ff: und E. Bem- 
bert: Die Wiedertäufer im Herzogtum Jülich (Inaug.-Diss. Münster 1893) 
S. 25ffL Er stammte aus Osnabrück. 8. bei J. Niesert a. a. 0. S. 154: 
„Er ist geboren zu Osnabrug von yader und müder, geheifsen Gerhard 
Schmidts und Catharina.^ Damit ist die Ansicht J. Habets, der auch noch 
E. Bembert beipflichtete, widerlegt, als stamme er aus dem JüUchschen. 
Im Februar 1534 wurde er aus Münster entsandt, um im Jülichschen von 
den Wundem zu Münster Eunde zu geben, wurde aber alsbald in Neufs 
gefangen (s. den Brief der Bäte des Herzogs von Cleve an den Bischof 
Franz vom 4. März in den M. G.-Q. 11. S. 225 f.). — Dem Verhöre mit 
Jakob von Osnabrück wurden u. a. die sogen. „Münsterschen Artikel** zu 
Ghrmde gelegt, in denen wir zweifeUos einige Glaubenssätze und Lebens- 
gebote vor uns haben, zu deren Annahme und Befolgung sich Jeder ver- 
pflichten mulste, der dem Bunde der Taufgesinnten zugezählt sein wollte. 
„Item wer diese vurgesc. artickel neit annemen und versagen wilt,** heifst 
es im Verhör (J. Niesert a. a. 0. S. 164), „den lassen sy neit zu der 
thauff^ halden inen auch für gheinen chiist^ Diese Münsterschen Artikel 
sind uns sonst noch bekannt durch die Schrift: „XXI Artickel der Wid- 
derteuffer zu Münster, durch Doctor Johan Co oleum widerlegt... 
MJD.XXXnn*' (vgl P. Bahlmann: Bibl. 1534 Nr. 2 u. 3), und neuer- 
dings habe ich in der Ztschr. 51 (1893) 8. 115 f. eine gut beglaubigte Form 
derselben veröffentlicht aus einem Manuscript des St.-A. M., in dem sie 
sich unter der üeberschrift: „Der wedderdoeper eidt** und „Eyn ander eidt 
der wedderdoeper** finden, üeber das Verhältnis dieser dem Sinne nach 
fibereinstimmenden Ueberlieferungen zu einander vergl. ebendas. Ich be- 
merke noch, dafs einzelne der Artikel in lateinischer Üebersetzung wieder- 
gegeben sind bei Gonr. Heresbach: Historia factionis excidiique Mona- 
steriensis, zuletzt herausgeg. von E. W. Bouterwek (Elberfeld 1866), und 
bei P. Plateanns: Epistola, quae de anabaptistis ... (Lipsiae 1534). — 
Während Jakob von Osnabrück in seinem Verhöre drei dieser Artikel Qn 
allen Fassungen Nr. 7, 8 u. 9) für unwahr erklärt, giebt er die Bichtig- 
keit der anderen ausdrücklich zu. — Eerss. kannte die Artikel aus den 
Geständnissen Jakob's, die ihm vorlagen, aber er bietet sie nicht alle» 



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Anno 1533 acta. 449 

1. Paedobaptismnm coiam Deo abominationem esse^ 

2. Sacramenta, missas, vesperas, vigilias, chrisma, oleum, 
*frondeSy aqoam, herbas, salem, candelas ac reliqna omnia eins^p. 
generis, qnae cbaracteribns a sacerdotibns signantnr, a diabolo 

et anticbristo, hoc est pontifice Bomano, qoaestos gratia ezcogi- 
tata esse*. 

3. Templa impionun christianis esse vitanda^ 

4. Encharistiae sacramentam, qnod snpra capnt sacerdotis 
ostentatnr, magnnm esse Balaam^. 

5. Gnm impiis et gentibns nihil commercii habendnm^. 

6. Diem Satnmi divina anctoritate institntiun, non antem 
diem SoHs hxunano arbitrio dedicatom esse celebrandmn^ 

7. Impios esse papistas et Lntheranos, qni commessantnr, 
crapnlantnr, scortantnr Deiqne yerbo adversantnr ''. (Non antem 



sondern nur 13 in ganz wüllcürlicher Aaswahl, setzt bald einzelne Zosatz- 
erkl&ningen des Jakob hinzu und stellt dann auch wieder als Artikel hin, 
was sich in den Geständnissen deutlich als Antwort JakoVs auf Zwischen- 
fragen des Verhörenden erkennen läfst. In den folgenden Noten ist das 
kenntlich gemacht. Dort bedeutet J. (Jakob von Osnabrück) den Abdruck 
bei J. Niesert, E. (Eid) den Abdruck in der Zeitschr., C. den Abdruck bei 
J. Cochlaeus. — Die Artikel sind, wie gesagt, von Eerss. chronologisch an 
verkehrter Stelle verwertet. Geltung gewannen sie in Münster erst nach 
dem siegreichen Eindringen der MelcMoriten (vergl. das Bekenntnis des 
KlopriTs bei J. Niesert: U.-S. L 8. 111 und die Aussagen Johann's r. 
Leiden bei J. Niesert a.a.O. S. 176 und M. G.-Q. II, 371). Wenn Eerss. 
schon f&r diese Zeit (Nov. 1533) durch Bothmann das Gebot, sich der 
Kirchen zu enthalten, predigen läfst, so macht schon C. A. Cornelius 
(s. M. G.-Q. Einl. S. 54 Anm.) mit Becht darauf aufmerksam, wie er sich 
damit in Widerspruch setzt zu seinem eigenen Bericht weiter unten, nach 
dem Bothmann noch im Januar 1534 wiederholt in den Kirchen predigte. 

') Dieser Satz (vgl. dazu oben 8. 422) ist in den Artikeln nicht 
enthalten. — ^ J* 2, E. 2, C. 2, doch setzt Kerss. hier die Antwort hinzu, 
die Jakob auf den ihm vorgehaltenen ersten und zweiten Artikel giebt 

») J. 1, E. 1, C. 1. — *) J. 8, E. 3, C. 3. — ») J. 6, E. 6, C. 6. 

^ Fehlt bei J., E. und C. Doch sagt Jakob aus (bei J. Niesert 
a. a. 0. S. 164): i^Item sie en fyren weder sondach noch hillige dage. 
Gefragt, waromb, antwort: der paist have dye eingesatzf 

^ Ist Jakob's Antwort auf eine Zwischenfrage im Yerhßr bei Art 6. 
— Während der Disputation über die Kindertanfe (s. oben S. 424 ff.) gab 
Bothmann zu, «mit droifiiisse^ gesagt zu haben: „men spoir leder ^ein 
undeneheidt tho hantes tuschen denen Papisten und Evangelischen, de men 

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450 Anno 1533 acta. 

8olmn catholicos, yernm etiam Lntlieranos, snos parentes ac anc- 
tores, convitiis proseqnnntnr atqne ab iis dissentinnt retinctL 
Scribit enim Bothmannns anno 33. postridie Penihecostes ad 
Hermannnm Begewardnm, pastorem Warendorpensem, in epistola 
qnadam^ inhaec verba: „Miram, qnantmn Lntherani n^otiam 
moliantnr in nos, sed non timemus, quin Dominns rem bene 
fortnnabit.") 

8. Gentes vero esse simplices et frandis expertes cives ac 
agricolas, qui sacerdotnm figznentis crednnt*. 

9. Intra annos mille et qnadringentos nnllum in orbe fd- 
isse yenun christiannm, neqne post tempora Christi nllnm Msse 
sacerdotem, neqne apostolos ipsos sacerdotes fnisse, sed mini- 
stros Dei, qni verbnm snnm annnnciavemnt; Christum vero 
ultimum fuisse sacerdotem^ 

10. Gentium magistratui non esse obediendum^ 

11. Gentes ante tempus a Deo praefinitum non esse do- 
cendas^ Mundum enim propter peccatum luctuosam prius af- 
jQictionem passurum impiosque in ore gladii casuros, inde relictos 
superstites ad regnum Dei concionibus esse vocandos. 

12. Christum humanam naturam a Maria non assumpsisse^. 

13. Coniugia christianomm revocanda esse, cum ante ite- 
*p. 400. ratum *baptismum coniugia non faerint^ 

14. Christianos esse, qui primum in Christum credunt, 
deinde in nomine eins baptizati sunt^ 

15. üxores maritos suos dominos appellabunt^ 

16. Neqne famuli neque famulae fideles cum gentibus mar- 
trimonia contrahent neque iisdem inservient, sed solis fldelibus ^\ 



Lntterisch nomet, dan die Papisten sin gerne in den korken und hören 
misse, und de Lntterschen gerne up den beirbenken . . .* 8. Zeitscbr. 20 
(1859) 8. 158 nnd Herrn. Hamelmann: De paedobapt BL Dl. 

') Nicht mehr nachweisbar. -- *) Ist die Fortsetinng der Antwort 
Jakob's anf die Zwischenfrago bei Artikel 6. — ') Ist Antwort JakoVs aof 
eine Zwischenfrage bei Artikel 3 nnd 8chlnfs deijenigen bei Artikel 6. — 
^) J. 8, E. 8, C. 8. Jakob erklärt diesen Artikel ffir unwahr. — *) J. 11, 
E. 11, C. 11. Im folgenden Satz f&gt Eerss. die n&here Erklftrang JakoVs 
TO diesem Artikel hinzn. — •) J. 10, B. 10, C. 10. — *) J. 12, E. 12, C. 12. 
— ") Ist JakoVs Antwort anf eine Zwischenfrage bei Artikel 16. — 
•) J. U, E. 13, C. 13. — »•) J. 16, E. 14^ C. 14. 



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Anno 1533 acta. 451 

17. Nemo christianonun com impiis in indicio contendet^ 

18. Nemo christdanornm nsnram nllam exercere debet, 
proinde neqne pensiones exigit neqne solvet. Omnia enim apo- 
stolorom ezemplo fore commnnia* 

19. Quilibet christianonun carsnm snnm a se coeptnm 
absolvat et perficiat neqne respiciat retro, ne ostinm sibi prae- 
dndatnr; hoc est, inqnit, si pater, mater, frater, soror ant 
nllus de cognatione hanc doctrinam et characterem foederis non 
snsceperit, vemm christiannm non movebit, sed ipse in sna fide 
perseverabit '. 

Hanc doctiinam obaerati, inopes atqne otinm sectantes 
qnibnsqne religio fnit honestnm laborem attingere, remm com- 
mnnione^ et nsnrae libertate aUedd primom amplectnntnr. 
Deinde opnlentiores qnoqne personata et efQcta Bothmannistarmn 
gravitate ac sanctimonia commoti bona sna in commune defe- 
ront, pensionom literas detractis signis ant discerpnnt ant in 
ignem coniicinnt ant debitoribns cnm toto debito remittnni 
Qnod non solnm vires, yemm etiam mnlieres alioqni ad rem 
attentiores fecisse in confesso est. Nam Brandeschenia, Enipper- 
dollingi coningis mater, valde opnlenta ita spiritn Dei agitata 
est) nt literas redditnnm signatas debitoribns cnm nsnris per- 
ceptis restitneret. 

Eis clandestinis concionibns et articnlis in ynlgns sparsis 
effectnm est, nt anabaptistamm nnmems civinm advenammqne 
concnrsu incrementnm non mediocre snmeret, imo bonomm nn- 
memm propemodnm ezaeqnaret, maxime cnm mnlti boni cives 



») J. 19, E. 18, fehlt bei C. — •) J. 20, E. 19, C. 18. 

") J. 21, £. 20, fehlt bei C. — Eerss. l&fst also die bei J. Kiesert 
nnter Nr. 4, 5, 7, 9, 13, 16, 17 n. 18 verzeichneten Artikel fort. Doch 
ist IQ bemerken, dafs Nr. 13 daselbet kein eigentlicher Artikel, sondern 
wieder nnr eine Antwort JakoVs anf die Zwischenfirage ist, wie man rieh 
verhalte, ^so sach were, der man rieh wedertenffen Ueri;, nnd die franwen 
neit?** Jakob antwortet, er wisse darüber Nichts. Tgl. dazn aber den von 
Ooehlaens als Nr. 20 angeführten Artikel, der bestimmt, dafs in dem 
Falle die Ehe getrennt werden müsse. 

*) Anspielungen an die Lehre von d» Qütergemeinschaft finden rieh 
in den bisherigen Schriften Bothmann's nnd der Mfinsterschen Predikanten 
zum erstenmal thatsftchlich in dem „Bekenntnis.* Tgl. Bl. H3. 

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452 Anno 1533 acta. 

calamitosam nrbis faciem aversantes emigrarent spontanenmqne 
exilinm eligerent. Inter qnos etiam faerant, quornm somnolentia, 
*p. 401. consilio et ope Schismata in hanc rempublicam primmn *irrep- 
serunt et admissa sunt. Quorum quidam inter proceres adhuc 
supersunt, qui olim cum promiscua plebe psalmos Oermanicos 
in templis cantillabant, conciones seditiosorum magno studio 
sectabantur. Hi nunc eximia pietate praediti conspiciuntur. Qui 
preces aspemabantur, horum nunc genua et labia precum multi- 
tudine callo obducta videas; qui aquam consecratam omniaque 
cbaracteribus signata tanquam pestem et magnum aliquod ma- 
lum aversabantur et fugiebant, nunc nisi centum se quotidie 
crucibus signent, nisi se aqua lustrali quotidie tingant, nisi 
salem consecratum quotidie degustent, diem sequentem se non 
victuros ezistimant. 

Adversus hunc Bothmannum eiusque factionem Fabricius ^ 
acriter pugnat ac non solum in religione seu fide nutantes ab 
anabaptismo deterret, verum etiam iUud sectantes revocat, lapsos 
erigit, infectos sanat ac sacrarum literarum antidoto solus cor- 
roborat. Leningus enim, huius commilito, qui eandem militiam 
cum Fabricio susceperat» yaria discrimina vitae subeunda sibi 
esse conspiciens ad suos redire cogitat, confessor mori malens 
quam martyr*. 



*) H. Dorp Bl. 04: „Theodericns aber thet grofsen fleifs mit pre- 
digen und yermanen widder aUe Widertenffer.'' Thm war die Lambert!- 
Idrche emger&mnt worden, in der er t&gUch predigte (s. den Bericht der 
hessischen Prediger an den Landgrafen vom 15. Nov. bei C. A. Cornelias: 
M. A. n. S. 359). Der Bat von Münster meldet dem Landgrafen an dem- 
selben Tage (0. A. Cornelius a. a. 0. S. 362), dafs ,dorch Theoderid 
Fabritii denst am werde das volck to geloven, leifte, eindracht und ge- 
horfzam angerichtet werde . . .*' 

*) Eerss. schöpft hier ans H. D orp a. a. 0. Von Predigten Lening's 
hören wir zwar in keiner Quelle, doch nahm er Teil an der Ausarbeitong' 
der gleich auch von Eerss. erw&hnten neuen Eirchenordnung. Schon in 
ihrem ersten Schreiben vom 15. Nov. begehrten die beiden Prediger vom 
Landgrafen, er möge sie höchstens nur noch acht Tage in Munster be- 
lassen. „Dan wo es in unsere kove stunde, wulten wir langst umbkeret 
sein.* Am 17. Nov. wünscht der Bat von Münster, dafs Fabricius noch bis 
Weihnachten bleibe; wenn die Eirchenordnung fertig sei und mehr Predi- 
kanten da wftren, wolle man Lening zurückschicken (s. C. A. Cornelias: 



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Anno 1533 acta. 453 

Hinc senatns, ne omnia sine certo ordine in templis agan- 
tnr, de refonnatione ritnnm ceremoniarnmqne fabricanda com 
Fabricio agit. Hle yero cnm se hnic oneri inparem esse ingenne 
&teretnT imbecillitatemqne ingenii sni qnereretur, ad rem igitnr 
istam matnrins ac pradentius conficiendam addnntar illi non 
solom WycldnSy Brixins, Wirthemins, Glandoipius, Belholtns ac 
Langennannns, yenun etiam per legatos Joannes Westermannns, 
theologiae doctor, qni Lippensi snggesto praefaerat, accersit^r^ 
Qni com venisset Monasterium, 23. Novembris ante meridiem ss. noy. 
in templo Transflnviano, a prandio vero Aegidiano concionatns 
est snamqne facnndiam ac Wittenbergicam theologiam manifeste 
ostentavit. 

Cmn libelli a Bothmanno conscripti \ qnibus plnrimos in 
snnm errorem pertrazit, tjpis ezcnsi passim conspicerentur^ 



M. A. n. S. dö9 u. 368). Zuletzt nachweisbar ist Lening in Münster am 
3. Dezember (s. sein und des Fabricius Schreiben von diesem Datum an 
Bischof Franz bei J. Niesert: U.-B. I^ S. 223 f.). Doch war er nach 
einem Briefe des Landgrafen an die Stadt Münster vom 23. Dez. (Kopie 
im St.-A. M.) an diesem Tage bereits nach Hessen zurückgekehrt. 

^) Kerss. hat hier offenbar schon die spätere Revision der Kirchen- 
Ordnung im Auge, von der er weiter unten redet. Keine der älteren Quellen 
erwähnt, dafs zum Entwurf der Ordnung Andere neben Lening und Fa- 
bricius hinzugezogen wurden. Der Entwarf war schon am 18. November 
fertiggesteUt. An diesem Tage nämlich begründen die hessischen Prediger 
ihre abermalige Bitte an den Landgrafen, sie „des irsten dages widder 
heim fordern*' zu wollen, mit den Worten: „dan wir nun der stat Munster 
ein mittelmessige kirchenordnunge gestellet.*' Westermann war damals 
noch gar nicht in Münster. Y. d. Wieck schreibt am 18. Novemb. an Job. 
Feigk (s. O.A. Cornelius: M. A. 11. S. 373): „Auch, lieber her, wert dr. 
doctor van der Lippe, nun berichtet die andern abziehen, alhie yor künf- 
tigen sontag (23. Nov.) komen.'' An diesem Tage läfst Kerss. ihn richtig 
zum erstenmal in Münster predigen. — H. Hamelmann's Nachricht 
(8. 1206), Westermann sei erst nach Lening's Abreise in Münster einge- 
troffen, ist schon nach den oben angegebenen Daten falsch. Darauf machte 
bereits CA« Oo melius a. a. 0. S. 347 f. aufinerksam. In dem eben an- 
gezogenen Briefe an Joh. Feigk vom 18. Novemb. schreibt v. d. Wieck aus- 
drncklick : „Aber so bald wir den doctor van der Lippe haben, wil wy . . . 
dan mit dem ersten Leningum affertigen.'' — Ueber Westermann vgl. die 
neueste Monographie von E. Knodt (Gotha 1895). 

*) Die oben S. 442 erwähnten „Bekenntnisse.*' 



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454 Anno 1533 acta. 

süspitio orta est, ipsnm domi snae typographiam clancnlnm ha- 
•p. 402.1)ere^. Ideoqne *27. Novembris dno consnles, duo iudicii asses- 

57. HoY. sores et dno aedQes ministris aliquot stipati aedes Bothmanni 

ingredinntnr ; qni com ab nxore domi esse negaretor alterqne 
consnlnm ipsmn domi esse constanter afflrmaret, ille manifestum 
mendacium proceres indigne laturos pertimescens e latibulo pro- 
dit suique copiam facit. Interrogatus, an typographiam domi 
babeat, ille negat. Ministri iussi eam inquirunt, reperiunt, re- 
pertam auferunt secumque in curiam grapbiariam asportant. 

Fabricius interea cum loanne Westermanno aliisque doctis 
viris superius nominatis noyam in religione reformationem, quae 

58. Nov. cum Augustana confessione consentiat, fabricat, quam 28. No- 

vembris duo consnles, Joannes Wyckius sjndicus, Joannes Langer- 
mannus Senator et Amoldus Belholtus iudex monachorum quo- 
rundam bene doctorum iudicio et censurae offerunt. Inter quos 
erat D. Joannes Holtmannus ', coenobita Fontissalientis, vir exi- 
miae pietatis et eruditionis, quem tam anabaptistae quam con- 
fessionistae nomine eruditionis suspiciebant. Hi cum multa 
contra catholicae ecclesiae instituta et ritus per eam mutari in- 
telligerenty censuram exhibitae formae in episcopum transferunt; 
ad se enim istarum rerum iudicium minime pertinere arbitrati 
sunt. Vero Fabricius episcopi iudicium et censuram excutiens 
satis sibi esse putavit, si eos saltem, inter quos haec religionis 
reformatio vigeret, auctores esset babiturus. 

Postquam princeps noster Lantgravium concionatores Mona- 

(17.) NoY. sterium misisse intellexisset, 18. Novembris ad eundem in haec 

verba scribit': Se accepisse, quod in civitatem Monasteriensem 

^) Die „Bekenntnisse^ sind ohne Angabe des Drnckortes erschienen. 
H. Harne Imann 8. 1203 l&Ist sie „ex Botmanni, Glophrisii, Jnlii (sc. 
Fhrisii) et Leidcnsis oMcina** hervorgegangen sein. Genauere Untersuchun- 
gen über den Buchdruck zu Münster in damaliger Zeit fehlen noch. Wert- 
volle Beitr&ge dazu und Ergänzungen zu J. Nieser t: Beiträge zur Buch- 
druckergesch. Münsters (Coesfeld 1828—84) liefert J. B. Nordhoff: Alt- 
münsterische Drucke (in der Zeitschr. 34^ [1876] S. 1491!.) und ders. in 
seinen ^Denkwürdigkeiten aus dem Münsterischen Humanismus" (Münster 
1874) S. 183 ff. — Das Folgende ist nur von Eerss. üherliefert 

*) Er hatte auch an der Disputation über die Eindertaufe teilge- 
nommen. Vgl. oben 8. 424. — «) Viehnehr am 17. Nov. aus Bevergem. 
Orig, im St-A. Marburg. Abgedr. bei J. Nies er t: Ü.-B. I^ 8. 230 f. 

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Anno 1533 acta. 455 

quosdam concionatores certum in religionis negotdo ordinem et 
formam componendi gratia transmiserit. Com antem in comi- 
tüs snperioribns dioecesanis Bejnae habitis se aliqmd certi pe- 
tentibns ordinibns in cansa religionis descripturmn receperit, 
cni ad oecxunenici concilii decisionem snbditi pareant, sibi igitor 
panun placere, qnod concionatores isti snas partes sibi praeri- 
piant et snam reformationem, quam meditetnr, antevertant et 
eyertant^ Se proinde rogare, ut per scripta ipsis *vetet, ne se*p. 408. 
Ms rebus intromittere praesnmant. 

Ad haec Lantgravius 27. Novembris ^: Se qnidem senatns S7. kot. 
Monasteriensis precibns commotnm concionatores eo misisse, non 

^) Der Bischof fügt noch hinzu, wie er fürchte, dafs aus dieser Sonder- 
ordnung wieder nur neuer Zwiespalt und neue Irrungen entstehen würden. 

») Orig. im St-A. M. Ahgedr. bei J. Niesert: U.-B. I^ S. 232 f. 
Eer88.'8 Wiedergabe ist hier ungenau und unvollständig. Der Landgraf giebt 
als Zweck der Absendung seiner Prediger an, „die munsterischen predicanten 
ihres irthumbs zu unterrichten und abzuweissen, auch den rath und die 
gemein zu erynnem, sich dem aufgerichten vertrage gemefs zu halten. ** 
(Ygl. dazu auch den Brief des Landgrafen an den Bischof vom 24. Dez. bei 
C. A. Cornelius: M. A. n. S. 375 f.) Er fahrt dann fort: „Das aber unsere 
prediger selten sondere Ordnung auMchten, glauben wir nit; wol mugen sie 
zu widderlegung und dempfung der irthumb des wiedertaufs und sacraments 
denen von Munster einer christlichen Ordnung anzeige und untherricht ge- 
geben haben.*' Schliefslich zeigt er dem Bischof an, dafs er auf Bitten des 
Bates Bothmann zu sich gefordert und einem seiner Prediger (Fabricius) noch 
eine Zelt lang in Münster zu bleiben gestattet habe, ,,der inen das wort 
Gottes lanther und rheine verkünde, bis das sie andere tugliche predicanten 
haben und bekhommen können.*' — üebereinstinunend hatten am 17. Nov. 
der Rat von Munster, am 18. Nov. v. d. Wieck sowie Lening und Fabricius 
dringend gebeten, der Landgraf möge Bothmann zu sich bescheiden (s. 0. 
A. Cornelius: M. A. IL S. 367 ff.). Die hessischen Prediger ftufserten 
sich auch, sie h&tten erfahren, „das er etwas rumgeitzig und selbs mit 
e. f. g. sich zu besprechen begierig sei.** Dafs Bothmann wirklich nach 
Hessen kommen woUe, zeigt der Landgraf dem Bischof in einem Briefe 
vom 27. Dez. an, in dem er zugleich für ihn um freies Geleit bittet (Orig. 
im 8t-A. M.). Und noch am 12. Jan. 1634 schreibt Bothmann selbst dem 
Landgrafen (Orig. im St-A. Marburg): ,So wil ick nu an unsen genedighen 
heran des geleides halven doen werven, und so balde ick darmede versor- 
geth und de allmechtige Godt alsdan minen wech ferdighen woert, zo wil 
iek bi e. f. g. erschinen. Dan was ick e. f. g. thom pris Godes kan tho 
willen sin, bin ick altit genegeth. Dat kent Godt . • .** Als dann aber am 
27. Januar die hessischen B&te den Bischof noch einmal ermahnten, für 



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456 Anno 1533 acta. 

antem reformationis praescribendae cansa. Sed cum eins urbis 
concionatores anabaptisticmn scMsma introdncerent, qno popn- 
lum misere seducerent, se ergo in commodiim civitatis totinsqne 
populi dnos concionatores eo misisse, qni verbnm Dei pnre do- 
ceant ac plebem ab anabaptistica lue sacrae scriptnrae remedio 
liberent atqne antidoto adversns eam praemnniant. Se illo bene- 
ficio malam gratiam non promemisse opinari. 

Scriptum Theodorici Fabricii ac loannis Leningi Melsin- 
gani parochi, concionatorum a Lantgravio in urbem missorum, 

». KoY. ad principem nostrum 29. Novembris missum in haue senten- 
tiam': Se a Lantgravio, suo principe, ante hebdomadas tres erroris 
cuiusdam reprimendi, pacis vero et evangelicae tranquiUitatis 
componendae christianaeque reformationis circa ceremonias et 
ritus ecclesiasticos contexendae gratia in urbem Monasteriensem 
ablegatos esse, quae omnia, uti sperent, praesidio divino feliciter 
peregerint. lam vero se intelligere episcopum quosdam cives Dul- 
manicos^ evangelü causa apprehendisse, quorum vicem mazime 
doleant. Se ergo rogare^ ut relaxentur, ne, quod salutis gratia 
pie receperint*, quasi impium ipsis obiiciatur et imputetur. 
3. Dez. Ad haec princeps 3. Decembris^: Cum sibi Lantgravius 

de ipsorum adventu neque praenunciaverit neque praescripserit 
quicquam neque ab eodem mandatum componendae reformationis 
habeant ullum, se scripta superiora in sua existimatione relin- 
quere. Quemadmodum igitur Lantgravius reformationis alienae 
in suam ditionem praeter consensum suum illatae foret im- 

''p. 404.patiens, ita se quoque refor'^mationem a peregrinis sibi ignotis 
consutam inter suos non laturum. Serie proinde se admonere 
illos, uti sibi in civitate Monasteriensi aliisque locis suae iuris- 



Bothmann das freie Geleit auszustellen, hatte dieser bereits am 23. Jan. 
das weiter unten von Eerss. mitgeteilte Edikt erlassen, welches die Ver- 
haftung und Auslieferung aller Wiedert&ufer, als deren Haupt an erster 
Stelle Bothmann namhaft gemacht wurde, aufs strengste anbefahl. 

Orig. im St.-A M. Abgedr. bei J. Niesert: U.-B. IK S. 221 f. 
— *) Im Brief: „etliche predicanten ynd burger. '^ Zur Sache vergl. oben 
8. 418. — ') Und zwar, wie es im Schreiben heiTst, auch im Namen des 
Landgrafen. — *) „... angesehen, das sie durch liebe und eyfer zu gott- 
lichem wort und aus keinem mutwilligem frevell, wie wir berichteti dar zu 
seynt komen ..." — *) Aus Fürstenau. Konzept im St-A. M. 



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Anno 1533 acta. 457 

dictioni snbiectis a novae reformationis contextn temperent; 
neque enim id se aequo animo latnrum. Porro cum Dnlmani- 
ensibns captis se etiam a concionatoribns non admonitmn, quid 
aequitatis ratio postulaverit, acturum. 

Princeps ad onmes dioecesis urbes tricesimo Novembris so. Nov. 
scribit^: Se componendae refonnationis studio, uti in Beynanis 
superioribus comitiis conyenerit^ occupatum esse^; se ergo 
poscere, ut ab omni novatione in religionis negotio sibi tem- 
perent, donec id, quod a se scriptum sit, publicetur. 

Sed cum Warendorpenses^ post comitia Beynana multa 
innovassent, acrius eos per literas ^ obiurgat, quod ad praescrip- 
tum superiorum comitiorum non yixerint, quod obedientiae ob- 
liti seditiosos concionatores in suam rempublicam admiserint et 
quod ceremonias priscas mutaverint. Ad quae 2. Decembris re- >. ^^ 
spondent^, quod seditiosum concionatorem abegerinf^; eum vero, 
quem habeant, se Monasteriensium consilio et hortatu^ susce- 
pisse, qui a seditione animum habeat prorsus alienum, qui evan- 
gelium fideliter doceat, qui sacramenta non impugnet, sed in- 
fantes quoscunque oblatos baptizet et neminem a communione 
corporis et sanguinis Christi repellat. Precari itaque se, ut 
princeps falsis istis delatoribus aures suas occludat et se semper 
ad iustam defensionem admittat. Nihil enim se unquam com- 
missurum, quo obedientia^ quam principi debeant, violetnr. 

Et cum omnes urbes se principi parituras rescriberent^ 
solus senatus Monasteriensis in haec verba 3. Decembris re- 



*) Aus Iborg. Konzept im St.-A. M. — •) Vgl. oben S. 434. — 
') Im Briefe heifst es genau: „. . . dat wj to alsulcker guder, christliger 
ordenunge nnde refonnation ym steiden vlitigen arbeide, werden ock dar 
anne gejn mojge edder unkost mjden, deselve zo bolde jmmer mogelich 
an den dach werde gebracht nnde publicert.** — ^) Vgl. zn früheren Yer- 
handlnngen mit Warendorf oben S. 410 f. — ^) Vom 27. Nov. aus Ibnrg^ 
Konzept im St-A. M. Gedruckt bei L. Keller: G. d. W. S. 303 f. — ' 
•) Orig. im St-A. M. Abgedruckt bei J. Niesert: Ü.-B. I*. S. 209 f. — 
*) Im Schreiben: ,dat wi uns in vortyden uth boTel i. f. g. ejnes predi- 
eanten deger und aU entslagen hebn, de hier ock sedder der ersten uth- 
flucht nicht wedder bynnen ist gewest . . .** — ") »am jungest geholden 
lantdage.** — *) Stftdtische Schreiben aufser den von Kerss. angeführten 
▼on Warendorf und Münster sind nicht mehr nachweisbar. 



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458 Anno 1533 acta. 

3. Dez. spondet^: Cum transactio in cansa religionis inter se et prin- 
cipem Sit inita^ se ergo adversns eam noUam a principe ordi- 
nationem ant reformationem admissnmm. Se enim in religionis 
negotio christianam dispositionem conscripsisse, pnblicasse atqae 
*p. 405. nnanimi *omnium ordinnm totinsqne reipublicae consensn ap- 
probasse et accepisse, qna ^ gloriam Dei, christianam concordiam, 
pacem atqne civinm salntem qnaesierint. 

Quanqnam princeps creberrimis snis monitis nihil apnd 
senatum efficeret, sed senatns praefractior in recipiendo Mom- 

18. Dez. pertio redderetnr, tamen eins causam 12. Decembris postremo 
sie egit': Sibi certo constare Mumpertinm, quem concionatorem 
summi templi constituerit, verbum Dei pure et sine seditionis 
ac schismatis concitandi studio fideliter docuisse. Sibi ergo 
mirum videri, cur senatus eidem urbe interdixerit. Se itaque 
senatum iterum monere, ut hunc intra moenia officio suo fon- 
gentem ferat. Si vero illud cum bona pace impetrari non possit, 
se eam rem tempori committere oportere. Schedula: Se antehac 
a- senatu postulasse, ut seditiosum concionatorem Bemardum 
Bothmannum cum coUegis suis urbe profiiget, ut paz et tran- 
quiUitas quaeratur conserveturque. Sed cum hoc ad effectum 
nondum sit perductum, iterum se idem flagitare. 

so. NoY. Fabricius invito principe suam reformationem 30. Noyem- 

bris in templo D. Lamberti publicavit populoque commendavit 
ac divinam ultionem transgressoribus conmiinatus est. Haec 



») Orig. im St.-A. M. Abgedr. bei J. Nies er t: Ü.-B. P. 8. 225 ff. 
Kens, bietet nur einen ganz kurzen Auszug. 

*) Dieser Satz bezieht sich im Schreiben der Stadt nicht auf die in 
Münster aufgerichtete Eirchenordnung, sondern auf die von Eerss. fortge- 
lassene Bitte des Rates, der Bischof möge, falls er „vor ander buten unser 
Stadt, so im Tordrage nicht begreppen, ordnen und reformeren woUe ,, ,^*^ 
was „dorch ingefoerte superstition hoich van noeden,' . . . ^»solchs na dem 
rechten richtessnoer gotlichs words voemhemen . . .** 

') In einem Schreiben an den Rat aus Ffirstenau, das er gleichzeitig 
den Olderleuten u. s. w. mitteilt (Kopie in der Bibliothek des Altertums- 
▼ereins, Mscr. 101). Ueber frühere Y^handlungen Mumpert^s wegen s. oben 
S. 434 ff. Bezugnehmend auf den Brief Münsters vom 3. Dez. erwidert der 
Bischof jetzt: „Wj ... hedden uns yn der waerheit alsulcker spitziger, 
ungegrunter unde wytlopiger verantwerunge unde vomements aller gestalt 
na jn gynen wech Termodef 



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Anno 1533 acta. 459 

refonnatio omninm fere applansu approbator ^. Sed Bothmannu? 
facta concione, cni cnm quibnsdam snae farinae interfuerat, a 
convitiandi libidine sibi non temperans Fabriciom intolerandis 
convitiis et probris in templo ac coemiterio publice insectatnr. 
Neque Fabricio profoit, qnod diceret se omnia senatns inssu 
facere^ Et nisi Bothmannns sese e globo popnli accnrrentis 
snbdnxisset, a circnmfnsa mnltitndine bene pnlsatns foisset. 
Fabricins boc motu minime constematns postridie, 1. nempe 
*Decembri8, iterum concionatnms maiori animo snggestnm con-»p. 4D6w 
scendit totamque propemodnm horam se superiori die indignis *• ^^^ 
modis a Bothmanno ezceptom qneritnr ; neque istam effirenatam 



^) H. Dorp Bl. C4^: »... die dem gantzcn Rhat, denEltisten und 
hantwercks lenten*' (d. h. den Older- und Meisterleuten), „darzu der gemein 
gefaUen hait, ist auch under inen samptlich angenomen und bestettigt 
worden, wie wol dem Bothman gar nichts gefaUen hait.** Die Kirchen- 
Ordnung des Fabricius ist bis jetzt noch nicht aufgefunden worden. 

') Zun&chst hatte der Bat gleich nach Ankunft der hessischen Pre- 
diger (8. NoY.) dieselben gebeten, „nit yil gesprech oder disputation mit 
den verorleibten predicanten zu halten, darmit des widerteils sterckunge 
weiter emporunge yermitten und ein erbar rat an dem, so er verhandelt, 
auch sampt alterleut und meisterleut beschlossen, nit verhindert wurde.** 
Dennoch liefsen sich Lening und Fabricius auf Unterhandlungen mit Both- 
mann ein und meldeten dem Landgrafen am 15. Nov. (s. C. A. Cornelius: 
M. A. n. S. 359): ,. . . wir haben uff dato disses brives Bemhardum Bot- 
man ein halben tag bei uns gehabt, auch zu gast, und mit im in aUen 
artickeln des glaubens uns verglichen, dan aUein das er den kindertauf 
der Schrift gemefze nit kan erkennen.^ üeber die unvorsichtige AeuTserung 
des Fabricius darüber am 16. Nov. in der Lambertikirche und über die 
dadurch entstandenen Unruhen -unterrichtet uns der Brief v. d. Wieck's vom 
18. Nov. an Johann Feigk (bei G. A. Cornelius a. a. 0. S. 870 ff.; vgL 
zur Sache auch ebendas. S. 205 f.). Sonst bieten die QueUen, ndt Aus- 
nahme einiger gelegentlicher Notizen Eer8s.^s weiter unten, über Fabricius^ 
Predigten keine Einzelheiten. In seiner freilich erst 1565 abgefafsten 
Selbstbiographie berührt Fabricius seinen ersten Aufenthalt in Münster 
nur kurz. Es heifst dort (s. «Bibliotheca Bremensis** Classis 4 fasc. 1 
[Bremae 1720] pg. 77) : „Ibi quatuor fere menses in nuudmis afflictionibus 
mansL Singulis enim diebus ego minus eloquens coram tumultuante po- 
pulo interdnm bis, interdum saepius concionem habere, frequenter cum 
haeresiarchis illis conferre, illorum incredibiles tumultus, insidias, detrac- 
tationes, praestigias et caedes ferre, rarius prae timore vestes exuere, num- 
quam vero quiete comedere aut dormire coactus sum.** 



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460 Anno 1533 acta. 

animi lascivientis libidinem in libera dvitate ferendam, nisi 
evangelium contiimeliae vindictam vetaret, nisi ezemplo Chrifiti 
mansaetndine ac lenitate omnia essent snperanda. Ex hac te- 
meritate et andacia facüe agnosci, qnis sit in Bothmanno ani- 
mus, quo spiritn agitetnr, nnde iUius doctrina dependeat, cnins 
snggestione et impnlsn feratnr. 8e popnlo altios expendendnm 
relinqaere, qnalis sit illins doctrina, qnales sint discipnli, nempe 
convitiis dediti, inobedientes, praefracti, rebelies, seditiosi et a 
moribns pietateqne sni praeceptoris non abhorrentes, cnins facta 
non aliter qnam simii effingant. His similibnsqne verbis acer- 
rime in Bothmannistas iiivehitnr. 

Petms Wirthemins, cnm Eothmannistis acriter adversare- 
tnr, senatns permissn ad parochiae Lndgerianae administrationem 

•6. Des. 6. Decembris recipitnr, qni tarnen snggestione Bothmanni per 
retinctos 11. lannarii anni seqnentis e snggesto detnrbatnr^ 

s. Dez. Ipsa die Conceptionis Deiparae Virginis *, qnae foit 8. De- 

cembris, loannes Schrodems Wemensis, Henrici Walrayii fabri 
ferrarii inxta Lilienbecam plateam Horsthanam commorantis mi- 
nister, qni per aliqnot annos malleator fnerat fermmqne incn- 
dibns impositnm pnlsare et in varias formas dncere didicerat^ 
repentino follinm spiritn afflatns candentinmqne carbonnm In- 
mine illnstratns in coemiterio Lambertino ad stnporem et mi- 
racnlnm nsqne concionatns est, totaqne concio nihil alind fnit^ 
qnam invectiva in senatnm et Fabricium, qnam ita temperavit^ 
nt maUeos et saxa propemodnm moverit. Magna qnoqne con- 
fidentia, ne dicam stnltitia, se contra Fabricinm pericnlo capitis 
dispntatnrum promittit. Sed qnid de fide et religione dissereret, 
qni perpetno apnd inendem malleorom sonnm andiverat, qni 
^p. 407. non *in schola theologomm, sed officina fabromm stndnerat, 
qni non in coUegio et consessn doctornm, sed potomm sese fre- 
qnenter exercnerat? Mnlto melins cnm Pjthagora ex sono mal- 
leornm mnsices inventore contendissei 



^) Aus H. Dorp Bl. Dl entnommen, dem aber das Datom des 
6. Dezember fehlt 

') Das Folgende ist nur durch Eerss. bekannt. Es scheint, dafs ihm 
für die n&chste Zeit jetzt nicht mehr nachweisbare tagebuchartige Notizen 
vorgelegen haben, ähnlich denen, die uns für die Zeit vom 29. Jan. bia 
27. Febr. 1&34 im 8t-A. M. erhalten geblieben sind. YgL weiter unten« 



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AnBO 1533 acta. 461 

Senatas hunc ftirorem et contmneliam ad diem 15. De- 
oembris dissimulavit Snperiorem vero Bothmanni temeritatem, 
qua post pnblicam concionem Fabricinm exagitaverat, neque 
captivitate neque alia eximia poena, qnae seditiosis merito irro- 
gatuT, sed exilio Tindicare volens securitatem püblicam defen- 
fflonemqne nrbis 11. Decembris iUi renimciat. Accenso haecu. Dez. 
sibi renuncianti in senatns contemptom et Indibrinm honorarimn 
mnnns donat magna cum fidncia respondens: neque quenquam 
se formidare neque cuiusquam defensione magnopere se egere, 
si Dei suonunque praesidio muniatur; se auxilio coelesti pro- 
tectum ezilii inane nomen non timere, se nuUis hominum minis, 
quantumvis atrocibus, a vocatione sua et evangelii propagatione 
deterreri; Deo enim magis obediendum esse, quam hominibus 
invidis exilium iubentibus et verbo Dei populum spoliantibus. 
Haec cum Bothmannistis nunciarentur, ad doctorem suum, quem 
constematum edicto senatus esse putabant, consolandi gratia 
agminatim aceummt iubentes, ut forti sit animo; patrem coe- 
lestem christianorum constantiam probaturum, suis in extremis 
etiam angustiis grata consolatione adfuturum, consilia impiorum 
dissipaturum, pios omnibus calamitatibus erepturum; intrepide 
itaque et viriliter suo officio fongatur; se ad extremum yitae 
balitum contra omnem impiorum vim tutelam et defensionem 
polliceri. His fretus promissis die Solis post Conceptionis Mariae 
festum, quae fdit 14. Decembris, Enipperdollingo alüsque huius u. Des. 
factionis sateUitibus stipatus ad templum Servatianum concio- 
natums contendit. Sed cum templum clausum deprehenderet, a 
vi efi&ingendi sibi fores temperans in coemiterio sub tilia per- 
brevem concionem babuit, qua finita sine motu digrediuntur. 

"^Eodem die Fabricius in templo Lambertino coenam do-*p. 408. 
minicam eyangelicomm ritu celebravit, cuius Septem participes 
fuerunt, scilicet ipse Fabricius, Joannes Westermannus, Brixius, 
Wirihemius, Glandorpius, Langeimannus et Belholtus, qui ea 
de causa variis convitiis a Bothmannistis excepti sunt. 

Die 15. Decembris senatus novellum illum concionatorem 15. Des» 
ex fabro ferrario subito fEUstom, qui 8. Decembris licentius quam 
pmdentius in se et Fabricium debacchatus fuerat, cum se iterum 
ad ooncionandum efferret^ per lictores apprehendi et in carcerem 



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462 Anno 1533 acta. 

t6. Des. publicum dnci labet. Postera vero die, 16. Decembris, hora po- 
meridiana secnnda tota malleatonun multitado senatum captivi 
nomine coactmn adoritor suique tribnlis liberationem serio po- 
stülat. Variae ibi ntrinque babitae sunt contentiones. Senatos 
ipsum capitali poena tanquam factiosum, seditiosnm et magi- 
stratus sui convitiatorem merito pnniendnm esse contendit; mal- 
leatores e diverso ab omni ipsum &ctione, seditione ac convi- 
tiandi crimine alienum esse censent, qui spiritu Dei agitatos 
bona docuerit et mala reprehenderit. Ad quae senatus : Distincta 
et non promiscua in republica esse officia; pacem publicam din- 
tumam esse non posse, si officia, quae discreta esse debent, con- 
fundantur et misceantur, si dlier in alterius provinciam et mes- 
sem temere irruat. Neminem vero suae yocationis limites sine 
motu et tranquillitatis clade unquam ezcessisse. Quemlibet ita- 
^ue intra metas sui muneris esse coercendum. Captivum ad 
cudendum ferrum, non concionandum vocatum; ipsum tarnen 
totam urbem insueta sua concione concitasse, populum adversum 
magistratum suum commovisse, Fabricium a Lantgravio in gra- 
tiam urbis missum publica magistratus auctoritate munitum et 
verbum Dei peregrina fece non contaminatum sedulo docentem 
contempsisse, non intellecta damnasse et reiecisse, sua somnia 
substituisse, populo insolita suggessisse, scMsmata introduzisse. 
*p. 409. Proinde "^ezempla punitae seditionis et rebellionis interdum esse 
statuenda, ut reliqui in pace vivant. 

Ad haec malleatores: CaptiYum natura malitiosum non 
esse, cum virtutis et pietatis amore percitus yitia manifeste re- 
prehenderit et veritatis propagandae studio pia et eyangelio con- 
formia ad ravim usque docuerit neque arma adversus magistra- 
tum populo suppeditaverit, sed pacem quaesierit neque Fabricii 
doctrinam, sed mores quosdam indecentes sugillaverit neque 
quenquam praeter meritum offenderit neque furto neque pro- 
ditione neque rapina neque latrocinio neque ullo alio enormi 
flagitio se contaminayerit aut quicquam morte dignum commi- 
«erit, nisi bene agere et salutaribus monitis civium salutem 
quaerere flagitii nomen mereatur. Atqui non ita rerum nomina 
cum moribus huius temporis mutata esse, neque tam angustam 
christianorum libertatem unquam fiiisse, quin etiam sine magi- 



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Anno 1533 acta. 463 

stratns facultate et permissa bene agere semper licnerit. In- 
sontem itaqae fabmm pristinae libertati restitnat et de extremo 
illins sapplicio frastra cogitare desinat. 8e enim tribulem snnm 
innoziiun non deserturos. Eis verbis senatus propositnm flac- 
cescity fabronun yero torba acrins instai Senatos trepidat et 
inumbrante iam vespera rem in seqnentem diem proferendam 
esse censet; noctem consilimn utile datoiam. Multitndo re- 
spondet: Satis sibi deliberatnm esse, neminem ininria afficien* 
dam, innocentis sangninem non esse fmidendnm, ne diyinae vin- 
dictae magnitndinem in se provocet; misemm ergo hominem 
paedore carceris liberandnm. Senatns de seditionis poena, quam 
captivüs dedisset, nisi malleatores intercessissent, prorsns de- 
sperat; quare ipsnm postridie liberatnm iri promittit. Ibi tum 
tota mnltitndo: ipsnm non postridie, non cras, non seqnenti die, 
sed snbito iamiam effractis etiam carceris repagnlis eripiendnm 
esse clamitat, nisi senatus iussu relaxetur. Hac incondita voci- 
feratione fabrorum senatus in conclavi senatorio territus suae 
saluti terrebat; quare, quod seqnenti die erat futurum, illud et 
nunc sine magno incommodo fieri posse existimans per lictores 
"^et ministros publicos carcerem aperiri iubet. Cautione itaque *p. 410. 
de non ulciscenda captivitate praestita liberatur. A malleatorum 
multitudine ezceptus in cauponam abducitur, atque ibi per totam 
noctem adeo se mutuo stanneis urgent culuUis, ut plerique 
omnem maerorem captiyi causa conceptum una cum bordeaceo 
liquore evomerent. 

Die 21. Decembns Botbmannum senatorii edicti obUtum si. nea. 
multi anabaptistarum a septima ad octavam in templo Senratiano 
in avüs iuxta pomerium sito concionantem audivere. Multi quo- 
que eyangelicorum in templo Lambertino coenae dominicae Fa- 
bricio administrante participes fuere. Catholici vero schismatum 
multitudine constemati silent ac lugent. 



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464 Anno 1534 acta. 



Annns 1584/ 

Joannes Westermannns doctor sno officio in refonnatione 
^imT contezenda fonctos 28. Decembris * Lippiacos penates revisit. 
i^jan. Ipsa die Circnmcisionis Domini Henricus Bollios' Both- 

mannista in templo Aegidiano concionator, qnod cnm senatos 
rescisceret, eo ministros misit, qoi finita concione ablatis ab 
aeditno clavibns templnm condnderent, ne cniqnam istins fac- 
tionis ibidem concionandi facultas relinqueretnr. Brizins vero 
concionatnros cnm Martinianom snggestom conscenderet, a 
Bothmannistis detnrbatnr. Petras qnoqne Wirthemios aqnibns- 
dam civibns instinctn Bothmanni templo Lndgeriano repnisns 



YeigL Bd. 1 S. 841 Anm. — *) Herrn. Hamelmann 8. 1209 
bringt Westermannns Fortgang von Münster mit Boll's Bnisraf „in die 
Innocentum' (28. Dez.) in Verbindung. Er läfst mit Westermann sogleich 
auch Glandorp, Fabricius und Brictias entfliehen. Die betreiSende Stelle 
ist, was den BuTsrof angeht, eine fast wörtliche üebersetznng der Schil- 
denmg bei H. Dorp BL D2, der aber dabei des Abzuges der Prediger 
nicht gedenkt. Die chronologische Einordnung ist durchaus inig. Der 
Bulsruf begann erst im Febr. 1584 (s. weiter unten). Zur Zeit desselben 
war Westermann bereits wieder in Lippstadt. Am 9. Febr. lehnte er von 
dort aus einen von Soest an ihn ergangenen Ruf zum Eoadjutor des Super- 
intendenten ab (vergl. Fr. Jostes: Daniel von Soest [Paderborn 1888] 
S. 388 und E. Enodt: Joh. Westermann [Gotha 1895] S. 84 f.). Fabricius 
verlaust Mfinster erst am 27. Februar. Wann Brictius und Glandorp eatr 
flohen, ist mit Sicherheit nicht mehr festzustellen. Am 1. Febr. schreiben 
sie noch gemeinsam mit Wirtheim von Münster aus an den Landgrafen 
von Hessen (G. A. Cornelius: Die Münsterischen Humanisten [Münster 
1851] S. 77). — Wirtheim entweicht zugleich mit Fabricius am 27. Febr. 
Er wird von den Bischöflichen gefangen nach Telgte geführt (s. H. Dorp 
BL D4^). Der Landgraf tritt vermittelnd ein, und diesem schreibt der 
Bischof am 9. März (Orig. im St-A. Marburg), da(s er »von stunt gemelten 
Wirthemium aus haiftung ane entgeltnus kommen lassen," auch seinem 
Amtmann Befehl gegeben habe, „Brictii und Glandorpii weiber mit irer 
habe und guter ziehen zu lassen.** Was ihn zur Anhaltung veranlAÜBt habe, 
woUe er dem Landgrafen bei einer demn&chstigen Zusammenkunft mitteilen. 

') Wir sind nicht unterrichtet, wann Boll und die übrigen am 6. 
Nov. verbannten Predikanten nach Münster zurückgekehrt sind, üeber 
den Widerspruch in den Qnellenangaben vgL oben S. 447. 



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Anno 1534 acta. 465 

ad concionandnm non admittitur^; inde, nt vitetnr motas, per 
senatum templnm est clansnm. Solxun antem Fabricixun anctori- 
tate et farore ezünio inter evangelicos poUentem aliosqne omnes 
beneficio lingoae obscnrantem Bothmannistae inviti tolerant. 
OmnibTts concionatoribns contemptis solns Mc est in precio, 
Omnibus reiectis solus Mc ad docendum admittitur; omnibus 
alüs templis conclusis solum Lambertinum huic patescit, unde 
tantam sibi eruditionis opinionem apud plerosque comparavit^ 
ut nemo visus sit scire, quod ipse ignoravit. Hinc sibi non 
parum placere *fastuque turgere coepit, quem tarnen magna *p. 411. 
verborum morumque lenitate ita temperavit, ut inter suae farinae 
homines nemo humilior, nemo mitior nemoque mansuetior visus sit. 

Hie 4. lanuarii finita concione, quam a sexta ad septimam 4. Jan. 
matutinam habuit, in Bothmanni doctrinam publice invectus est. 
Et cum Bothmannus suam doctrinam contra quoslibet periculo 
etiam capitis publica disputatione se defensurum populo passim 
persuaderet, evangelicos autem subterfugere neque in conspectum 
suum prodire andere diceret, Fabricius quoque se adrersus onmes 
Bothmannistas atque Cerberum ipsum suis impensis coram in- 
corruptis aequisque iudicibus quibuscunque disputaturum offert l 
Senatas cognita contendentium voluntate parique disputandi fer- 
Yore finem tumultuandi iam fore arbitratus est. Suam itaque 
auctoritatem interponens quosdam doctos et pios vires ab evan- 



^) Am 11. Janaar, wie es Eerss. oben S. 460 nach H. Dorp schon 
einmal berichtet hat. 

*) Akten [über Yerhandlnngen znr Vorbereitung einer Disputation 
gegen Ende des Jahres 1533 sind nicht mehr nachweisbar. Unter den 
filteren Quellen berichtet uns nur H. Dorp Bl. D !▼ u. D 2 von dem Plan 
zu einer solchen. Aus ihm hat sowohl Kerss. wie auch H. Hamelmann 
S. 1208 f. geschöpft, aber jeder von ihnen chronologisch ungenau. Als zum 
Wortstreit gegen die Bothmannisten gezwungen fuhrt H. Dorp neben Fa- 
bricius, Brictius, Wirtheim und Glandorp auch noch Westermann an, und 
er sagt ausdrücklich, dafs die Herausforderung geschah nach Annahme der 
neuen Kirchenordnung (30. Not. 1533) und noch bevor Wirtheim am 11. 
Jan. 1534 von der Kanzel zu St. Ludgeri vertrieben wurde. Vorausgesetzt, 
dafs das nur von Kerss. überlieferte Datum des 28. Dez. 1533 als Zeit des 
Fortgangs Westermann's aus Münster das richtige ist, so fielen die Vor- 
berdtongen zu der Disputation, da Westermann zu den herausgeforderten 
evangelischen Predigern gehörte, zwischen den 30. Nov. und den 28. Dez. 

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466 Anno 1534 acta. 

gelicis principibns^ designandos hnic dispntationi adhibendos 
esse consnlit, qnibus victoris iudicium committatur, quam rem 
civitatis snmptibas sibi cnrae fore promittit; qnae omnia ntrin- 
qne placnerunt. Verum cnm senatns de certo die, quo conten- 
dendtim sit, ageret, Eothmannns cnm snis snbterfngere, trepi- 
dare et tergiversari coepit dicens, etiamsi adversarios snos mani- 
festis scriptoranun veteris et novi testamenti argnmentis snpera^ 
yerit, qnod fhtnmm certo sciat, adeo tarnen mnndom a veritatis 
tramite deflexisse, nt veritatem etiam agnitam agnoscere nolit'; 
alios pontificiis institntis seductos, alios Lntheranicis delira- 
mentis fascinatos aliommqne haereticomm ac schismaticornm 
placitis dementatos adeo pertinaces sniqne propositi tenaces esse, 
nt nnllis rationibns et scriptnrae testimoniis se flecti patiantnr; 
adeo sibi omnes infestos esse, cnm veritatem in Incem proferat, 
nt nnllnm indicem pro se pronnnciatnmm sciat; tntins itaqne 
se snam cansam non hominnm indicio, qnod qnaestn et favore 
transversnm rapitnr, sed snpremo indici decidendam commis- 
snmm. Dispntatio ergo, qnam senatns et pleriqne alii ezpecta- 
bant, Eothmannistamm metn intercidit*. 
*p. 412. ""Qnaedam mnliercnlae^ non tam andaces qnam temerariae 

eodem 4. die lannarii hora tertia pomeridiana consnles ipsos, 
qni de more qnibnsvis sni copiam in foro fecerant, satis confi- 
denter adennt per oratricem snam postnlantes, nt Fabricins, 
homo ignotns, alienigena, Westpbalicae lingnae ignams, pere- 
grino idiomate sibüans, temerarins, fatnns maloqne spiritn agi- 
tatns, ab officio sno moveatnr, Eothmannns vero, vir pmdens, 

*) H. Dorp fügt hinzu: »und stedten.** 

') Aehnlich H. Dorp: «... das sie wol wisten, wie sie auch sagten, 
das inen niemand zufallen wurde. ^ Er fügt dann hinzu: „wie das eim 
erbam Badt und der gantzen Stad bewust ist, und beweist sich zwar selbs 
aus beider teil schrifften, die das mal uberantwort wurden und noch für- 
banden sein.'' 

') Von einer nochmaligen nach dem 10. Februar 1534 gegen die 
Wiedertäufer beabsichtigten Disputation einiger „gelerter heren unde Stu- 
denten . . ., under welckeren gewest her Herman Kothe, Yortides cappellain 
gewest to Sunte Lamberde, ein frommer, gelerter christe,^ berichtet D. 
Lili e S. 220 f. Doch ist sonst darüber Nichts überliefert Zu Heim. Kothe 
Tgl. die Anmerkung F. Bunge's in seiner Ausgabe des D. Lilie a. a. 0. 

*) Das Folgende ist nur durch Eerss. bekannt. 



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Anno 1534 acta. 467 

patrio sennone disertns, pins ac omninm disciplinamm genere 
instractus, snbstitQatar; se eam gratiam precibus ad Deum fasis 
pensatnras. Ad haec consnles: Ne Ms negotiis se praeter femi- 
neum decns misceant, ad mnliebrem sexiun haec non pertinere; 
Fabridum non nisi dispntatione yictom removendnin, neque 
BothmanDum nisi yictorem redpiendum esse; rerecnndlae igitor 
et feminei pudoris memores penates snos revisant et familiae 
saae prospiciant; sibi cnrae fore, ne respublica negligatur. Quo 
response mnliercnlae exacerbatae: „Yos,^ inqniunt, „non estis 
consnles, qni, qnod utile est reipublicae, non consulitis; vos non 
estis patres patriae, qui patriam negligitis; imo vos deteriores 
estis homicidis, qui non solum corpora, verum etiam animas 
cibo suo defraudatis ac verbi Dei fame et inedia crudeliter occi- 
ditis.^ Haec similiaque verba effondentes recedunt. 

Die autem quinta lanuarii eaedem mulierculae adscitis sex s. Juu 
yestalibus Transfluvianis, quas saturitas et rerum copia effirenas 
et profdgas fecerat quaeque cum habitu omnem pudorem ezu- 
erantS totum^ senatorium ordinem in curia coactum adoriuntur 
eumque de recipiendo Bothmanno in templum Lambertinum 
multis verbis inquietant. Sed earum postulatio benigne non est 
ezaudita, quare digressum senatorii ordinis benignioris responsi 
causa opperiuntor. Verum cum consnles soluto consilio sece- 
derent neque de recipiendo Bothmanno senatus sententiam a 
mulierculis rogati mutarent, illae pudore protinus verso in fu- 
rorem variis convitiis ipsos per plateas insectantur infandasque 
contumelias in ipsos totumque senatorium ordinem tantis cla- 
moribus evomunt, ut multi passim ex aedibus suis ad specta- 
culum *istud inusitatnm accurrerent, ferociam impudentiamque^p. 413* 
feminarum admirarentur, maxime earum, quae per annos aliquot 
conclusae psalmos Davidicos cantillare, cum Deo coUoqui et man- 
suetiorem vitam agere didicerant. Et cum qoidam mitioribus 
verbis eas ab intemperantia linguae coercere niterentur, illae, 
quibus frons iam perierat, acrius femineo more incalescentes 

•) Ms,: totmnqne. 



') Den Austritt von Nonnen ans dem Ueberwasserkloster zeigt die 
Aebtissin dem Bisehof in einem weiter unten anch von Kerss. mitgeteilten 
Scfazeiben vom 10. Januar an« 



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468 Anno 1534 acta. 

„Yos,^ inqoinnt, „prins fnistis evangelici nostriqne negotii stre- 
nni promotores, nunc mntata sententia transformati itemm in 
papistas Hassiacnm Demn administrante Fabricio derorastis, 
yerbnm Dei oppressistis neqne passi estis illud ynlgari. Brevi 
TOS istins impietatis poenitebit, brevi poenas restris factis dignas 
estis daturi. Becedite in malam crncexn nnnqnam yivi reditnri ! 
Ha, ha, ha, ba, tos papistae! Ha, ba, ha, ba, yos deivori!^ Nnllos 
est fere modus convitiandi; qnicqnid snggerit faror, expnnnt. 
Patientins tarnen banc yerbomm ininriam consnles pertulissent, 
nisi insnper excrementa yaccamm, porcornm et equonun passim 
in plateis reperta in ipsos coniecissent. Sic impxme consnles 
totnmqne senatum ludificabantur. 

Warendorpenses interea obedientiae, quam superioribns 
suis scriptis^ promiserant principi, immemores accito conciona- 
tore seditioso omnia magis magisque exemplo suae metropolis 
innoyant. Atque bic concionator maiorem partem non solum 
ciyium, yemm etiam paganorum circumfusorum ad se allicit et 
ita sua doctrina afficit, ut contemptis suis parocbis infantes buc 
baptizandos deferrent neque matrimonia legitima esse censerent, 
quae concionator Warendorpicus non iungeret *. Princeps itaque 
inusitato boc agricolarum concursu offensus in baec yerba 7. 

(17.) Jan. lanuarii scribit': Se aliquoties Warendorpenses familiariter ad- 
monuisse, ut ab onmi religionis noyatione sibi temperarent et 
catbolicae ecclesiae ritus exoscularentur moribusque maiorum 
suorum tutius insisterent. Sed nunc se experiri ipsos praeter 
spem ab obedientia in rebellionem prolabi. Ne igitur ipsis ali- 

*p. 414. <l^d *deterius contingat, concionatorem aut abigant aut inobe- 
dientiae nomine secum paciscantur iubet^ 



*) Yergl. oben S. 457 den Brief Warendorfs an den Bischof vom 
2. Dez. 1538. — *) Dafs das von Banem ans dem Amte Sassenberg geschah, 
klagt der Hofineister Friedrich v. Twist dem Bischof in einem Schieiben 
vom 9. Jan, (Oiig. im St-A. M., gedr. bei L. Keller: G. d. W. S. 804). 

') Yielmehr am 17. Januar ans Ibnrg. Konzept im St-A. M. 

^) Im Schreiben: „. . . uns aen vertoch vor alsnlcke jnwe selffwillige, 
verbodden nnd f^eventlige handelonge nnd ungehorsam böte und affdracht 
to doin . . . np dat wy in ander wege tegen jnw to trachten nicht geor- 
saket werden.* Der Richter Joh. Wale ist dann mit einigen Warendoifer 
Bürgern in Sassenberg gewesen, nm durch Yermittinng Johannas t. Bfiren 



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Anno 1534 acta. 469 

Coesfeldienfles etiam adversns fidem saam principi addic- 
tam^ concionatores novos itemm admittnni Qnare princeps 13« 
lannarii ad ipsos in haec yerba scribit': Se ante menses aliqnot is. Jan. 
serio postnlasse, nt concionatores novos non solnm non adndt- 
tant, vemm etiam eos nrbe pellani Se tarnen nunc tandem re 
ipsa comperiri ipsos admonitionem snam contenmere et snperiori 
noYationi magis magisqae non sine magno et magistratos et 
plebis malo indies insistere. Se itaqne itemm inbere, nt snpe- 
Tioribns scriptis pareant, ignotos et seditiosos concionatores nrbe 
eiiciant. Si vero illad ab ipsis impetrari non possit, eam se in- 
obedientiam pro merito yindicatanun. Inde, cmn minns pare- 
rent, circa 20. diem lannarii mandat princeps snis praefectis, nt ao. J«n. 
ciyes eins nrbis, qni capita seditiosae doctrinae fnerant, dili- 
genter observent e^ si mnros egressi fnerint^ capiant captosqne 
tanqnam seditiosos in carcerem abdncant'. 



imd des Hohneisteis Friedrich t. Twist die Gnade des Bischofs anzurufen. 
Beide berichten darauf am 21. Jan. den Warendorfer Abgesandten (Kopie 
im St.-A. M.), dafs sie ^hj s. f. g. dar up nycht Tel gnediges bescheides 
eriangen konen. Doch nychtzdeweyniger so yem de van Warendorp ge- 
neigt und gemejnt, sick erer ungehorsamer, uproiischer myshandelong 
halTen in gnade und Ungnade s. f. g. to ergeren, doch myt dem bescheyde, 
dat de unschuldigen der wegen aen faer unde schaden, avers de rechtschul- 
digen to geborliger straffe staen zollen, alsdan mag s. f. g. myt ennen 
handeis erlyden; wo avers des nycht, wyll s. f. g. de sake der tyt bevallen 
syn laten.*' 

') Ygl. oben S. 434 f. — *) Aus Beyergem. Konzept im 8t-A. IL 
') Ein dahin gehender Befehl des Bischofs scheint nicht erhalten zu 
sein, doch bezieht sich darauf ein Schreiben des Joest t. Yoerden und 
Berthold t. Bueren zu Ahaus an den Bischof vom 24. Januar (Orig. im 
St-A. M.), in dem es weiter heifst: „. . . Wanner e. f. g. de van Goesfelde 
to straven gedechte und e. f. g. de stadt mydt listicheide gelich de van 
Dülmen in to nemen weren geneiget, wolde wy darynne alle knnschup 
mydt mugeliger flyth und arbeidt nith sparen und uns dar anne beflytigen. 
Wante, g. f. u. h., es ist tho besorgen, zo der angezeigeden eyner ange- 
tastet und hantfest gemacket, werden sich de ander bynnen der stadt ent- 
holden«^ Der Bischof antwortet darauf am 25. Jan. aus Iburg (Konzept 
im St.-A. M.}: ». .. dat wy deshalven also eyn guit gefallen hebben; be- 
geren ock, dat gy juw upt heymligeste dar umme beflitigen willen, unde 
20 gj unser edder unser negstgesettener amptlude heimlich bihulp dar to 
bedenreden, gy uns dat weten laten.*^ — Ueber die Yerhftltnisse in Coes- 
feld, wo sich der Rat doch gegen die Predikanten wehrte, sind wir etwas 



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470 Anno 1Ö34 acta. 

Senatos inde Monasteriensis de componendis civinm moti- 
8. Jan. bns et suis partibns confirmandis soUicitns 8. lannarii coli Et 
cnm de pellendis concionatoribus iterom ageretor, Henricns 
Bedekems, pellio et tribnnns plebis, quem in Telgetica captivi- 
tate peram cellarii ^ qoingentis florenis mimitam expngnasse cap- 
tivamqne secum abdnxisse fama fnit ', in senatnm et maxime in 



genauer tmtemchtet dorch das im St-A. M. befindliche, bisher nngedrackte 
Bekenntnis des damals gefangen genommenen Coesfelder Bürgers Labbert 
Wydonw's, das der Amtmann Dietrich Cloet am 14. Febr. dem Bischöfe 
einschickte. Er gesteht, „wn he selff derde, nemptlich myt Berndt Wi- 
ch artz and eynen gnant dat Tedderken eynen predicanten genompt 
her Her man Bispinck yan Munster gehalt durch ansjanen und beger 
des werdes in der halven manen Einrieb Eopperslegers, Joist 
Stothues, Egbert Schonlake und anderer, de ... den dren yorg. tergelt 
gedaen und umb den yorg. predicanten t'halen na Munster geferdiget, wel- 
ckem predicanten yorg. Wydouw, zo en de raidt dar nicht gestaden 
en wolde, wedderumb uth Coisfelde gebracht. Dar na is eyn ander pre- 
dicante selfiis in Coisfelde nngeeischet gekomen, den de yorg. verdt in der 
halyen manen ersten an sick genomen und eyn nacht geherberget^ und de 
ander nacht Toni es Veit hu es, de derde nacht eyner genant de han- 
schenmecker und aldo denselyigen predicanten in zeligen Berndt Schulten 
huis gebracht, dar he noch itzige dage wonhafiFtich.^ Nachdem er dann 
«als raetgeyers und capiteyns, den predicanten to underholden,* die Coes- 
felder Burger Lambert Baisers und dessen Bruder, Peter Swerinck^ 
Berndt Yelthues, Thonies Yelthues, Johann Bockholt und 
Laurentius Snyder namhaft gemacht hat, bekennt er schliefslich, „dat 
he yan dem sacramente nicht en holde mer, dan yan eynen anderen stuck 
broitz, wanner dat wordt und de geloye daer nicht by en synt; glofft oick 
nicht, dat dat sacrament in sylyer eder golde beslotten will syn. Oick 
gelofFt he nicht, dat de hilligen macht hebn eder konen yor eynen men- 
schen bidden; und gelofft oick nicht, dat dat hillige olie dem menschen 
to der salicheith batlich sy; he en werde dan better underrichtet" — 
Gleichzeitig mit der Uebersendung dieses Geständnisses konnte D. Cloet 
dem Bischof melden: „wu de predicant, de dar lange gepredicket heSt, 
oick uth Coesfelt yerloepen sy.** 

') Melchior y. Bueren. — ^ Eerss. erwfthnt das sehr bald weiter 
unten noch einmal. Best&tigt wird das Gerücht durch die yon mir in der 
Zdtschr. 51 (1893) S. 97 ff. yeröfPentlichten tagebuchartigen Notizen. Nur 
heilst es dort yon Bedeker, „das er myt des marschalcks (Gerh. Monien) 
tischen befameth*' gewesen sei. Die Unbeliebtheit Melchior's y. Bueren 
nnd AdolTs y. Bodelschwingk bei der Einwohnerschaft Münsters hat Eerss. 
viederholt berichtet 8. Bd. 1 S. 848 u. 345. 



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Anno 1534 acta. 471 

Wjckinm, syndicnm civitatis, debacchatus est, quod is esset 
rnttltaroin seditionmn rermnqne novamm anctor. Ad quem 
doctor: „Abi," inqnit, „bone vir, domnm et custodi peram!" 
Eine inter ipsos rehemens logomacbia exoritnr et qnasi annicnli 
baedi sibi mntuo insultant. Sed consnles istam contentionem 
intercipiant. Inde sedatias de civili utilitate Consultant atqne 
qnosdam concionatores praeter Bothmannnm plebis favore tntom 
repognantibas etiam qnibnsvis orbe exigendos esse decemnnt, 
et si illnd snccesserit, Bothmannum qnoqne ipsnm, omninm 
seditiosomm coriphaemn, facilias posse pelli existimant. 

•Eothmannistae vero ", ntpote Cloprisins, Eollius, Stralenius ♦ p. 415. 
atqne Moersanns^, nihil sibi tale metnentes hoc sednlo agunt 
monendo, hortando, rogando, persnadendo, obinrgando, nt snae 
üactionis satellites et matronas divites dementent et eo inducant, 
nt Tel omnia vendant et precinm in conunnne conferant vel ad 
concionatomm sedes deferant. Neminem enim foederis et aeternae 
salntis participem esse posse affirmant, qui non toti mnndo re- 
nnnciantes pntris corporis omamenta abiiciant vel in panpemm 
confratmm et snstentationem concionatomm erogent. „Vae, vae," 
inqninnt^ „Monasterio snperbienti! Yae, vae vobis, qni aurum, 
argentnm, gemmas et Candida raraqne capitis pepla ornatns 
gratia geritis! Maledicti estis, qni plnris corporis, quam animae 
omamentnm facitis! Exuite itaqne veterem hominem cnm onmi- 
bns concnpiscentiis snis et indnite novam armatnram!" Eis con- 
cionibns melle et aceto contemperatis effectnm est, nt non solum 
inferioris sortis homines, vemm etiam honoratiores commoveren- 
tur. Nam Christiani Wordemanni, viri senatorii nxor, a Eoth- 
manno 11. lannarii rebaptizata est, qnam redenntem domnm ii. Jan. 



*) Inzwischen war am 5. Januar durch die Abgesandten des Jan 
Matthys, durch Bartelemeos Boekebinder und Willem de Cniper die Wieder- 
taufe in Münster eingeführt worden. Die Predikanten hatten sich taufen 
lassen und übernahmen selbst, nachdem die Holl&nder bereits am 7. Jan. 
weiter gezogen waren, das Amt als T&ufer. Zur Sache s. die von G. A. 
Cornelius: M. A. U. S. 232 angeführten Quellen. Dieser entscheidende 
Wendepunkt in der Geschichte Münsters ist von Eerss. vollständig unbe- 
rührt gelassen, obgleich er die haupts&chlichsten der einschlägigen QueUen 
kannte und sie im weiteren Verlauf seiner DarsteUung mehrfach verwertet 
hat Ygl. dazu die Einleitung. — *) Staprade. 



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472 Anno 1534 acta. 

maritns re per fsonnlam cognita ita in nova fide confirmavit^ 
nt Tix repere, nednm incedere posset. Atqne eodem die 7 yir- 
gines Aegidiani coenobii et aliquot Transfluviani plnrimiqne alii 
magni nominis cives a Bothmanno retinguntnr. Qnaedam etiam 
matronae annulos snos, cingnla bnllis argenteis et flbnlis anreis 
decorata aliaqne omamenta ad aedes Bothmanni defemnt, sed a 
maritis fostibns minisqne coactae ea reposcnnt. Qnaedam sese 
snbdncentes aedes aliomm concionatomm snbennt, yina bibnnt 
clancnlnmqne docentnr persnadentes interim maritis se negotüs 
ad rem domesticam angendam pertinentibns foris occnpatas fd- 
isse. Qnod cnm a qnibnsdam proderetnr, mariti non solnm ipsas 
domnm reversas pngnis et fastibns excipinnt, vemm etiam con- 
cionatoribns, nisi a consnetudine snarnm nxomm sibi temperent, 
dira minantnr. 
♦p. 416. *Ida vero de Mervelt, Transflnviani coenobii archivestalis, 

snas yirgines praeter generis sni verecnndiam atqne professionis 
suae institntnm a levibns hominibns sednci principi bis verbis 
10. Jan. 10. lannarii qneritnr*: Se qnidem cnm maiore virginnm parte* 
Dei praesidio inxta regnlae snae institntnm yixisse neqne nllam 
ant religionis ant ceremoniarnm novationem, nt snperiori prin- 
cipis Scripte satisfieret, bactenns admisisse; vernm nnnc qnas- 
dam praeter omnem snam expectationem sni institnti et pro- 
fessionis oblitas babitnm commntasse, coenobio excessisse, se- 
ditiosofnm in nrbe conciones andiyisse, apnd profanes cives sese 
continere neqne ad obedientiam revocari se pati, nisi sibi ^redi 
concionesqne andire et pro sno arbitratn redire permittatnr. 
Cnm antem baec votis monasticis et snae professioni episcopali- 
qne obedientiae plane adversentnr, se ^'^oe^ermittere* non posse, 
quin ista principi magno qnidem dolore animi significet. Se 
enim non libenter de yirginibus suis qneri, si salro bonore et 
professione sna praetermittere liceret snisque viribus omnia in 
pristinum statnm commode restitnere posset. Verum cnm istis 

») Ma,: pennittere. 



') Orig. im St.-A. M. Abgedr. bei J. Niesert: U.-B. P. S. 234 f. 
*) Im Schreiben: „. .. bebbe wy uns unser personen halven, oick 
noch etzliche jnnfferen myt uns ...*' 



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Anno 1534 acta. 473 

maus neque possit neqtie audeat sine principis anctoritate me- 
deri, se proinde snppliciter petere, nt sna ope et consilio sibi 
snccnrrat et scriptis suis significet, quid cum istis, qnae exces- 
semnt et in postermn ezire in animo habent, agendnm esse con- 
snlat, ne qnid forte a se agatnr, qao princeps offendatnr. 

Ad haec princeps 16. lannarii rescribit^, ne eas virgines, (is.) Jan. 
qnae contnmaciter regnlae snae ingnm excnssemnt, in coetnm 
aliamm recipiat', ne earmn exemplo et impnnitate' aliae qno- 
qne similem rebellionem et professionis snae praeraricationem 
moliantnr ant maioris seditionis inter obedientes sint anctores. 
Ad haec archivestalis 28. lannarii^: Se neque precibas neqne (m.) Jan. 
obtestationibns neqne lachrimis neque minis a coenobii egressu 
yirgines potuisse coercere et remorari. Et cum maior earum 
pars habitum iam mutaverit, si prin'^cipis consilium sequatur*p. 417. 
ac rebelles penitus excludat neque eas recipiat, ant recentis 
motus causam aut, si pudicitiae forte naufragium facerent, non 
solum consanguineorum, sed quorumlibet^ acerrima ad versus se 
obloquia concitaret. Quae omnia altius principi expendenda re- 
linquai 

Ad quae princeps 26. lanuarii respondet*, ut rebellium w. jmu 
yirginum parentibus et agnatis ad se accitis rem omnem explicet, 
quod si illi eas ab errore yago ad saniorem mentem et profes- 
sionis suae Yota rerocare non possint, eas illorum tutelae et 
potestati restituat, ut illas secum ad penates suos abducant, ne 
pristinum coenobii decus yioletur. 

Senatus inde Monasteriensis superiori suo decreto satis- 



') Yielmohr am 18. Januar auB Ibnrg. Konzept im St.-'A. M. 

*) „hea 00 lange gj des nnse wyder beyell vernommen.*' 

^ Dieser Satz ist eigene Znthat Kerss.'s. Im Schreiben des Bischofs 
heifst es weiter: „. . . nnd juw mit anderen juveren gehorsamen jnnfferen 
Inth nnsen Torigen schrifften yn gnder eynicheit nnd fredde bjnnen cloisters 
entholden.* 

^) Vielmehr am 24. Januar. Orig. im St.-A. M. Abgedrackt bei 
J. Niesert: U.-B. P. S. 250 IL Im Eingange des Schreibens rechtfertigt 
sich die Aebtissin darüber, daüs sie die ersten Spuren der im Kloster ein- 
gerissenen Unordnung dem Bischöfe nicht gleich angezeigt habe. 

') „by eren firunden und magen inlendisch und uthlendisch.* 

^ Aus Iburg. Konzept im St.-A. M. 



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474 Anno 1534 acta. 

fitctnms Eloprisium, Stndenium ac Yinninm ^ per ministros snos 
15. Jan. 15. lantiarii nrbe ednci labet. Magna vero retinctonun mnlti- 
tndo tanti faciens senatum, qnanti senatns principem, eosdem per 
aliam portam quasi cnm triumpho in senatns perpetnam igno- 
miniam in nrbem redncit*. Qnae res per saevissimos motns 
reipnblicae interitum praesagiebat. Nihil enim illi pericnlosins 
est, quam legitimo imperio non parere, qnod fenestram privatae 
anctoritati, qnae omnis mall in repnblica mater est, patefacit. 
Haec nbi princeps facta esse accepit, labentis reipnblicae 
yicem dolnit^ quam cnm neqne salntaribns snis monitis neqne 
familiaribns scriptis neqne arestis inrisqne actionibns ab impiis 
coeptis retrabere posset^ ne quid, qnod ad snomm salntem et 
incolnmitatem pertineat, omisisse yideatnr, edicto pnblico per 
». Jan. totam dioecesin 23. lannarü promnlgato oppidanos ab impia sna 
factione deterrere et ad sanam mentem revocare volnit. Edicti 
sententia haec est': 

„Nos Franciscns, Dei gratia episcopns Monasteriensis et 

Osnabnrgensis, ecclesiae Mindensis administrator etc., notnm fa- 

cimns, qnod indnbitanter comperimnr damnatam, vetitam sedi- 

*p. 4ia tiosamqne *factionem atqne anabaptisticam doctrinam per qnos- 



') Sie hatten am 5. Januar zugleich mit Bothmann, Roll, Staprade 
nnd mehreren Anderen durch die Abgesandten des Jan Matthjs die Wieder- 
taufe empfangen (vergl. Knipperdolling's Bekenntnis vom 20. Jan. 1536 
[M. G.-Q. n, 403]), und ihnen war, wie Vinne im October 1534 gesteht (M. 
G.-Q. n, 272), neben Rothmann und Roll das Amt als T&ufer zugefallen. 
^ Eine nochmalige Ausweisung der Predikanten am 15. Januar er- 
wähnt von den Schriftsteilem nur Eerss. Bestätigt wird sein Bericht durch 
den einleitenden Passus des oben teilwdse wiedergegebenen Briefes der 
Aebtissin von üeberwasser an den Bischof Tom 24. Jan., in dem es heifst, 
der ungehorsam der Jungfern sei dem Bischof deshalb nicht sofort ange- 
zeigt, „dan wy hoppeden steidesTon dagen tho dagen, dewyle den pre- 
dicanten de stadt Munster verbodden werth, de handel szolde 
sych hebben vermyndert, gestellet und in sych solvest gedeleth.** — Der 
WorÜaut bei Eerss. klingt hier an den bei H. Dorp an, der da, wo er 
Ten der Ausweisung der Predikanten im Sommer 1533 erz&hlt, sagt (BL 
C 2^) : „Denn als man sie zu einem thor hinaus triebe, fürt sie . . . der 
Teuffei zum andern thor wider erein.** 

') Dieses Edikt hat sich bis jetzt noch nicht wieder auffinden lassen. 
Es ist nur durch Eerss. bekannt 



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Anno 1534 acta. 475- 

dam impostores et legitime non vocatos concionatores, BemardnnL 
Bothmannxun, Henricnm BoUinm, loannem Eloprisium, Her- 
mannnm Strapadinm, Dionisinm Vinnimn, GodeMdnm Strale- 
ninm et eorom satellites sparsam et in civitate nostra Mona- 
steiiensi cum alüs mnltis pericnlosis et mali exempli novatio- 
nibns coepisse radicesqne egisse. Qnod smnmo animi dolore 
accepimns; unde, si hoc malum impnne grassari permiserimus, 
non solxun nobis caesareae maiestatis et totins imperii indigna- 
tionem, yemm etiam dioecesi nostrae et subditis perpetuank 
discordiam et irrecuperabilem iactnram, sed pemiciem potius 
cnmnlabimns. Itaque, nt snbditi nostri ab ista doctrina sedi- 
tionem spirante deterreantnr et in cbristianae concordiae amabili 
yincnlo contineantnr, ad consnles, senatum, tribnnos et mechani- 
comm praefectos civitatis nostrae Monasteriensis saepius et serio 
qnidem scripsimns familiariter orantes, nt seditiosam banc doc- 
trinam et pemiciosum errorem nrbe profligent neque nllo modo* 
intra moenia patiantnr attestantibns mnltis scriptis. Nibilo- 
minns tamen boc damnatam scbisma latins qnotidie per nrbem 
serpere et dilatari comperimnr. üt antem bnic malo salataribus 
remediis ac poenis, sicnt principem decet, occnrramns, igitnr bis 
scriptis concionatoribns snpra dictis ac omnibus singulisqne civi- 
tatis nostrae civibns ac incolis, qni concionatores istos defen- 
dnnt, tnentnr, receptant, femnt ac tolerant manifeste vel clan- 
culnm, qnivey ne tales concionatores propter impietatem et in- 
obedientiam a magistratn apprehendantnr meritisqne suppliciis 
afficiantur, intercedant, secnritatem, libertatem, defensionem 
pnblicam tntumqne commeatnm rennnciamns ac adimimns. Prae- 
dpimns itaqne omnibus et singnlis nostris satrapis, praefectis, 
indicibns, ministris ac subditis, ut iam dictos inobedientes re- 
belles, factiosos et seditiosos cum omnibus suis bonis, ubicxm- 
que fuerint et deprebendi possint, arrestent et intercipiant, per- 
sonas istas capiant, captas magistratui tradant, *ut iuxta caesa- *p. 419. 
reum edictum ac imperii recessus legitimis poenis subiiciantur, 
ne nos nostrique subditi imperii indignationem cumulemus. Haec 
serio praecipimus et volumus, ut nostri praefecti et subditi, si 
poenam et indignationem evitare velint, baec lldeliter exequantur. 
In testimonium nostrae voluntatis Signum nostrum subiecto 

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476 Anno 1534 acta. 

spatio impressimns. Datnm 1534, die Yeneris post festam Fa- 
biani et Sebastiani Martjram.^ 

Hoc principis edictnm qnam oppidanos moverity seqnentis 
temporis res gestae satis edocent. Nam ipso die Conversionis 
^. Jan. D. Pauli, 25. lantiarii, Bothmannus ab octara ad decünam in 
templo Servatiano concionem habnit, in qua, cnm non solnm 
retinctos snaeqne factionis homines, yenim etiam evangelicos 
atqne catholicos praeter opinionem snam conspiceret, epilogo 
concionis colophonis vice addidit: margaritas porcis non esse 
proiiciendas, sed electis snoqne catalogo ' inscriptis. Neque post 
illnd tempns publice, sed privatim in aedibus qnonmdam civium 
concionatns estl Crescente aatem anabaptistamm numero' ita, 
nt nna domas eos non caperet, in singolis parochiis coepenmt 
esse domns, in qnibus Bothmannistae vel concionem andirent 
yel certis temporibus retingerentnr, qnae nnllis patebant nisi 
yel retinctis yel iis, qui certo indicio pyloro fidem fecerant se 
retingi yelle. Habebant enim certa signa tam yocalia qnam 
mnta, quibns se mntno in magna etiam hominnm collnvie agno- 
scebant; qnae si prodita fderant, alia prioribus snbstitnebantar ^ 



') Dafs Rothmaim alle seine Anh&nger schrifüich anfzeichnete, be- 
richtet auch Bischof Franz in seinem Schreiben an Philipp von Hessen 
vom 21. Jan. 1534 ans Lieshom (Orig. im St.-A. Marburg; gedr. M. G.-Q. 
n, 217 f., wo jedoch irrtümlich der 20. Jan. als Datum gegeben ist). 

*) So berichtet auch H.Gresbeck (M. G.-Q. II, 12): „Dieser pape 
(Rothmann) hadde die dope mit den ersten in der stadt heimlicken ge- 
halden und plag ock heimlick in sein huis tho predeken und hadde so Yoele 
Yolckcs heimlicken gedoept von maus, frawen und megden." Eloprifs sagt 
aus (J. Nies er t: U.-S. I. S. 123): „Item sie deufften in Bemhardus huse.*' 

') Schon am 13. Jan. hat sich nach einer Randbemerkung in einem 
Verhöre Johann's v. Leiden die Zahl der Wiedergetauften auf 1400 be- 
laufen. Siehe M. G.-Q. II, 417. 

*) Ueber die Begrüfsungsformen der Wiedertäufer unter einander 
gesteht Regeward (J. Niesert: Ü.-S. I. S. 26): „Dan wan eyner dem 
anderen beyegende, sprack de ejne: „Gods frede sy myt jw;** de ander: 
„Amen!*' Hebn syck oicknamals yor den munt plegen f küssen.** Aehnlich 
lautet der Bericht H. Gresbeck's, der aber diese Art der BegrüTsung 
auf die Begegnung der Männer unter einander beschränkt. Als Erkennungs- 
zeichen der wiedergetauften Frauen führt er deren besondere Eopftraeht 
an (M. G.-Q. n, 12 f.). — Ueber andere wiedertäuferische Zeichen bekennt 
Eloprifs (J. Niesert a.a.O. S. 111), es „wurde in der stat Munster ein 



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Anno 1534 acta. 477 

Eine circa horam septünam respertinam diei 28. lannarii ss. Jan. 
retincti nescio quo spirita agitati sürsum deorsxunqne per nrbem 
catenis platearmn omnibns conclnsis armati cnrsitant noctnmas- 
qne Yigflias disponnnt Nostri^ rero extrema sibi metnentes, 
qnid in animo habeant ignari aedes snas egredi non andent, 
qnas tarnen intus ita muniunt, ne facilis sit irruptio. Suspi- 
camur enim non levibus argumentis ducti in nostrum exitium 
arma ista parari'; quae tarnen Dens omnipo*tens a cervicibus »p. 420i 



zeichen gegeyen, doranf etliche bnechstaben stunden, nemlich: d.w. w. f.: 
das wort wart fleisch . . .'^ Im Yerlanfe des YerhSrs erkl&rt er weiter 
(a. a. 0. 8. 124): »Und das ist ein lepgen doechs gewesen, daroff ein stucke 
silyers genehet gewesen mit diesen bnchstaben: d. w. w. f. . . «, nnd sulch 
seichen f orten sie an iren helsen zu erkentnifs irer sect nnd glosen.^ Vgl. 
dazn H. Gresbeck (M. G.-Q. 11, 27 f.), der auch von dem Wechseln der 
Zeichen spricht. — Ueber die Zeremonien bei der Wiedertaufe s. die Aus- 
sagen Kloprifs' a. a. 0. 8. 113 f. und Yinne's M. G.-Q. II, 273 Nr. 11. 

') Hier also giebt sich Eerss. als Augenzeugen zu erkennen. Von 
hier an bis zum 27. Februar ist seine Darstellung der Erinnerung an 
eigene Erlebnisse entnommen. Aber Eerss. schrieb erst über 30 Jahre nach 
den erz&hlten Ereignissen (vgl. die Einleitung); und so wertvoll auch seine 
oft ins Einzelne gehenden und auf eigener Anschauung beruhenden Berichte 
sind, so halten sie sich doch nicht frei von manchen Ungenauigkeiten nnd 
Unrichtigkeiten. — Als eine wichtige, gleichzeitige Quelle kommen für 
diese Zeit die tagebnchartigen Notizen in Betracht^ die ich in der Ztschr. 
51 (1893) 8. 97 ff. veröffentlicht habe. 

*) Den eigentlichen Grund der Zusammenrottung des Yolkes erfahren 
wir ans dem „Tagebuch" a. a. 0. 8. 98. Man hatte gehört, dafs der Bischof 
die gesammte Ritterschaft zu sich nach Wolbeck entboten hatte, und man 
war berichtet worden, ,,dat de borgermestere und etliche van sick myt den 
heren van capittell und den erf&nannen verbunden und des eyns geworden 
weren, dat se vor der Horster porten wolden laten stroe foren und dat 
ansticken; de wyle de borgere dar na leipen, wolden se unsen g. h. eyne 
porten oppen und de borgere so verraden.** — In der That hatte der Bi- 
sehof von Ibuig aus am 26. Dezember 1533 der Ritterschaft seiner 8tifter 
Mfinster und Osnabrfick befohlen, sich zum Kriegsdienste bereit zu halten, 
und auch den Amtleuten entsprechende Weisung erteilt (s. L. Keller: 
G. d. W. 8. 241). Ffir den 8. Jan« 1534 hatte er eine landst&ndische Be- 
ratung nach Rheine anberaumt (Yerschreibung der 8t&dte dazu aus Bever- 
gem vom 26. Dez. 1533 im St-A. M., Landtags-Akten 1532—1537). Aber 
wir wissen Nichts über die Yerhandlungen daselbst, und weiteren ernsten 
Vorbereitungen des Bischofs gegen Münster begegnen wir erst im Februar 
(8. weiter unten). 



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478 Anno 1534 acta. 

M. Jan. nostris clementer arertit. Hi sie armati in diem seqnentem 
clausis interim portis civitatis consistont. Dmn antem haec 
agontnr, dno viri peregrino et innsitato habitn amicti adsunt^ 
qni circa diem 13. lannarii Monasterinm renerant et apnd Knip- 
perdoUingnm diversabantur ac Enocb et Helias vnlgo esse exis- 
timabantnr^, qnormn alter, Joannes Bockelson Leydanns, postea 
sceptra nrbis invasit, alter vero, loannes Matthisson, in initio 
obsidionis circa festam Paschae ante portam Lndgerianam ab 
bostibns occisns foit, cuins relictam nxorem Leydanus dnxit^ 
Hi singularem sanctitatem simnlantes in aedibns Enipperdollingi 
cnm Bothmanno, BoUio, Eloprisio, Strapadio, Yinnio ac Stralenio 
de rebns praesentibns Consultant snggerentes interim armatis, 
-quid fieri velint. Et cnm inter se dissentirent aliis nrbem fece 
impiomm pnrgandam esse yolentibns, aliis vero diem dominicae 
nltionis nondnm adesse asserentibns, proinde impiomm caedem 
prorogandam esse et in diem Domini differendam. Yemm cnm 
sibi certo persnaderent dnos istos prophetas esse et coelitns 
^emissos qnibnsqne inconsnltis nihil sibi agendnm sit, decretnm 
illorom expectant. Hi vero post mnlta snspiria et meditationes 
nondnm tempns esse pnrgandi aream respondent; plnres prins 
Domino Incrifaciendos et iam Incrificatos coelesti doctrina, non 
4inidem in impiomm templis idololatna foetentibns, sed priratis 



^) Ygl. dazu das Bekenntnis JakoVs von Osnabrück bei J. ^Tiesert: 
Ü.-S. I. S. 156. 

*) Den 13. Jan. als Tag der Ankunft Johann's v. Leiden in Münster 
entnimmt Eerss. richtig den Bekenntnissen Johann's (J. Niesert: U.-S. L 
S. 176 und M. G.-Q. II, 371). Doch war sein Begleiter nicht Jan Matthjs, 
sondern Gert tom Geister, was Kerss. derselben QneUe hätte entnehmen 
können. — Jan Matthys traf erst nach dem grofsen Aufrühre vom 9. Febr. 
in der Stadt ein (vgl. Knipperdolling's letztes Geständnis M. G.-Q. II, 410). 
— Zu Johann t. Leiden s. oben S. 412 f. Anm. ~ Für das Folgende ist 
ans den sonstigen QueUen kein Beleg beizubringen, auch wenn wir Gert 
tom Cloister an die SteUe des Jan Matthys setzen. Ob und in wie weit 
Bothmann und die übrigen Predikanten den Abgesandten des Matthys 
Widerstand entgegensteUten, wissen wir nicht. Nur Eerss. hat oben be- 
richtet, dafs Bothmann noch am 25. Jan. zu St. Servatii predigte, obgleich 
die Kirchen in den Artikeln, die Johann t. Leiden überbrachte, verboten 
waren. Yergl. oben S. 449 Artikel 3 und Johann's Bekenntnisse bei J. 
I^iesert a. a. 0. S. 176 und M. G.-Q. n, 371. 



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Anno 1534 acta. 479 

christianomm aedibns confirmandos esse; nondnm itaqne im- 
piomm sangnine manns snas contaminent, ne et ipsi Patrem 
coelestem sibi offensnm reddant; diem Domini propemodum ad- 
fatnnim expectent, qui pnigatnrus sit aream snam ab omni 
impietate. Eis vocibns tanqnam a nnminibns qnibnsdam pro- 
fectis acqniescnnt. Qoare circa boram qnartam 29. lannarii sd. Jan. 
armati digredinntor penatesqne snos repetnnt, atqae ita motns 
ille qnievit. 

Ex bis senatus propositnm sunm de pellendis conciona- 
toribns anabaptisticis saeronun motnnm causam esse animad- 
vertit, 'cnm iUi praesidio suorum freti pelli non velint. Ut »p. 421. 
igitnr se snosqne cives qnotidiano caedis metn liberet, cni ün- 
pliciti tenebantnr, die 30. lannarii convocatis tribnnis et me- so. Jan. 
cbaniconun magistris non iam de exigendis nrbe Botbmannistis, 
sed de pace intra moenia qnoqno modo retinenda Consultant. 
Post diutinam'autem nitro citroque babitam consultationem pla- 
cuit tandem \ ut omni sollicita suspicione sublata nemo civium 
seu incolarum sibi quicquam adversi a suo concive metuat neque 
alius alium laedat bonisve exuat, sed fandliariter et pacifice 
mutuo vivant, nemo aUum convitiis aut amarulentis verbis la- 
cessat, nemo alium in sua flde turbet; fides sit libera et pro 
cuiuscunque conscientiae instinctu arbitraria, donec Dens reli- 
gionis et fidei unitatem per Spiritum suum sanctum clementer 
laigiatur. Praeterea violantes boc edictum publicae pacis gratia 
datum legitimis poenis afficiendos esse decemitur. Cum boc 
edictum per totam urbem a lictoribus iubente senatu publica- 
retur, Botbmannistae erigunt cristas atque in sinn gaudent se 
eo rem perduxisse, ut constemato iam senatu impune omnia 
agant. Hactenus ignorati ac in aedibns passim delitescentes nunc 
prodeunt capitaque attollunt et certo sibi persuadent coelestis 
Patris nutu evenire baec omnia. 

Princeps interea concilium Woltbecae 2. Februarii pera- «. Febr. 
gendum indicit^ in quo convocatis statibus dioecesis de religionis 
causa aliisque rebus necessariis et ad utilitatem patriae perti- 



^) Die Uebereiiiklinft ist wörÜich angenommen in dem ^Tagebnch^ 
A. a. O. S. 99, 



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480 Anno 1534 acta. 

nentibns matnro consilio agant^. Huc Monasterienses miserunt^ 
Casparom ludefeldiun, consulem, loannem Wyckiimi, sjndicnm 
seditiosTim, Henricnm Bedekeram, quem in Telgetica ezpeditione 
peram Melchioris de Boren quingentis anreis bene munitam ex- 
pngnasse fernnt^, et Tilannm quendam bombardaram praefec- 
tnm^, iacnlandi peritissünnm, cyclopem oblongom et proceritate 
terribilem, cni altenim claudere ocolnm iacnlatonun more non 
fait necesse (monocnlus enim erat), qni famam egregii consnlis 
et omninm indicio boni viri Eberwini Drosthenii snggestione 
^p. 422. Enipperdollingi lacerare conatns faerat, sed ad palinodiam *ad- 
actns in publico indicio omnia recantavit; hoc nomine inter bo- 
nos male andivit^ Hos cnm princeps legatos reipnblicae Mona- 
steriensis adesse intelligeret, ad colloquinm snnm eos non ad- 
misit, sed a se tanqnam indignos repnlit. Per consiliarios antem 
snos consnli, quem bonnm virnm esse accepit, nnnciat se in 
isto concilio non de rebns levibus, sed publicis serüsqne et ad 
incolnmitatem patriae salntemqne animamm pertinentibas actn- 
rmn fidsse, qnibns seditiosos et infames istos, quos secnm ad- 
dnxerit, interesse non velit. Nihil itaqne in hoc conventu actum 
est^ Princeps enim infamium seditiosorumque praesentia pluri- 
mum offensus subito recessit, ne sibi a vicinis Monasteriensibus 
aliquid mali eveniat. 

Bothmannus liberius iam nomini suo satisfacturus a con- 
citando motu sibi non temperat. Nam flammas a vestalibus 

») fehlt im Ms. 



^) Akten über diesen Landtag sind nicht aufzufinden. Nach dem 
«Tagebuch*' fand er am 5. Februar statt — *) S. oben S. 470. 

') Wohl identisch mit dem Yon H. Gresbeck S. 166 unter den 
Mnnsterschen wiedert&uferischen Bürgern angeführten „Meister Tue Bussen- 
schütte.** Sonst ist über ihn nichts bekannt. 

*) Das „Tagebuch** nennt von den zum Landtag Abgeordneten nur 
Bedeker. Es fügt hinzu, dafs man nur seinetwillen, „de myt des marschalcks 
taschen befameth,** am 31. Januar freies Geleit for die Gesandten erbat» 
das der Bischof auch bewilligte, dabei aber bemerkend, er könne sich nicht 
„genoigsam entsynnen, wat orsake de van Munster dar to bewegen mochte, 
szo doch van oldingh nue gewontlick, upn gemeynen lantdage geleidz to 
gesynnen.** 

') Nach dem „Tagebuch** a. a. 0. w8re auf diesem Landtage nur 
über die Türkeni^teuer verhandelt und darüber eine Einigung erzielt worden. 



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Anno 1534 acta. 481 

qmbnsdam Transfluviams conceptas exnscitandas esse existimat, 
ne iam insitas evangelü sni ferror langaescat. Ideo assnmptis 
qmbnsdam collegis snis coenobinm 6. Febrnarii ingreditnr con- e. Febr. 
cionemqae de matrimonii lande habet et vlrginitatis ergastnla, 
qnibns ea contra natnram conclnditnr, miris orationis arietibns 
effiringit virginesqne ad propagationem generis hnmani, a qna 
non magnopere abhorrebant^ excitare visns est. Inde, nt ex 
stnltis prorsns insanas faceret, persnadet Ulis tnrrim cnm tota 
coenobii stmctnra nniversisqne habitatoribns lllins hora dno- 
decüna noctis seqnentis diel minam datnram \ Hanc rem non 
solnm a qnibnsdam prophetis in nrbe praesentibns ', vemm etiam 
a Patre sibi divinitas revelatam esse. Qno oracnlo non tam 
constemantnr yirgines quam laetantnr, qnamm spiritns libidine 
flagrans a monastica vita abhorrebat; iam enim commodam oc- 
casionem excntiendi ingnm sibi oblatam esse arbitrabantnr. 
Qnare snb seqnentis diei anroram omnia fere bona effemnt; qnae 7. Febr. 



*) Von dieser Prophezeiung des Einsturzes des Klosters zn üeber- 
wasser berichtet speziell noch das „Bichtboeck'' und weiter der Brief des 
P. Plateanus. Im «Bichtboeck** (Mscr. VII, 1603 im St-A. M.) heilst es 
Bl. 51^: „De jnfferen tho Averwater hebben van ehm versthain, 

Dat ehr kloister soll up en secker tiedt vergain; 

Dat soll geschein binnen 8 offt 14 dagen. 

Dat wehren averst nnd blieben alle lagen. 

Wat ehm des nachtes heft gedrömet, 

Dat heft er sich des dages för ein prophetie gerömef 
BL 54: 

„Sin propheteren heft he den jufferen tho Averwather darum gedain, 
Dat de jufferen solden uth ehren orden und kloister gain.'' 
P. Plateanus Bl. C4^ schreibt: „Coenobium ... Bemardus Botman arch- 
anabaptista sabbato quodam cum suis prophetis ingressus certiores facit 
virgiues, eadem nocte, quae esset futura inter sabbatum et dominicum 
diem, locum illum divinitus subvertendum ...; fugerent itaquc, si quae 
essent, quae se salvas vellenf — Vgl. auch Eer8s.^s Jugendgedicht S. 20, 
bei D. Ger des: Scrin. antiq. 11^ S. 392 f. 

^j Auch nach H. Gresbeck S. 13 predigten die Propheten und 
Predikanten „durch die gantze stat her und haben die iunfferen in den 
cloisters wies gemacht, die cloisters wolden versincken, dat sie sick solden 
Uten doepen.** Ebenso Iftfst Joh. Fabricius Bolandus: Motus Monast 
Bl. G 4^ Rothmann nicht nur den Einsturz des Ueberwasaer-, sondern auch 
den des A^düklosters verkündigen. 

7 



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482 Anno 1534 acta. 

cnm nnsquam tntiori cnstodia conservari putarent, quam apnd 
Bothmannum, vimm Del, ad aedes itaque illius magnam eorom 
partem defernnt^ Neque ipsae sese coenobio, sed partim Both- 
manni, partim aliomm civium aedibus crediderunt. Ida yero 
"p. 423. ""de Mervelt, archirestalis, Lndgera de Linteloen ac Sophia de 
Langen aetate et iudicio reliqnis excellenüores omnia ista a Both- 
manno in snnm quaestnm conficta esse sentiunt ideoqne obtesta- 
tionibus et lachrimis mnltis abitnrientes retinere conantnr, sed 
fnistra. Sic enim per Bothmannnm dementantur, sie fascinantor, 
nt praeter generis sni decus virgineumque pndorem cQjitempto 
Yoto mutatoque habitu instar amentium per plateas decorrerent 
nee moneri paterentnr. Proinde hae tres Domino Deo sese com- 
mittnnt et locnm habitnmque voti sni in quemlibet fati eventmn 
paratae non desemnt \ Cnm haec fabnla in vnlgas spargeretnr, 



*) Joh. Fabricius Bolandns a. a. 0.: 

„Pars non usque adeo timido fngit agmine raptis 

Nocte bonis portans haec, Rothmanne, tibi, 
Seu fuit haec sexus miseri formido, per astns 

Seu de composito res ea gesta fuit. 
Non ingrata qnidem pravae sunt munera sectae 

Talia nympharum, quas ut et illa cupit, 
Nee dubimn, quin bis meritas persolvere grates 
Formosis staduit pro pietate satis.^ 
^) Die Namen der standhaften Jungfern fiberliefert nur Eerss. — 
Das „Bichtboeck^ a. a. 0. BL 54 sagt: 

„Da he ebne sine falsche prophetio heft gegeven 
Da sint se oick nich länger in ehren stait und Idoister gebleyen. 
Se hebben nah ehres gotloisen propheten willen gedain, 
Se blieven nich alle in ehren orden stain. 
Etliche sindt uth ehren Idoister und ueth der stadt gedreven 
Und sint nochtans in ehren orden und state gebleven. 
Yelle waren yan fleschlicker begerte dull 
Und waren derhalyen des uprorischen handeis yull. 
Se weren yan groiter unkuischeit sehr yerbaset, 
Darum hebben se uth ehren kloister nah unkuischen kerls geraset.*' 
P. Plateanus a. a. 0.: „Trepidatum est anxie inter payidas puellas. lu- 
niores onmes sarcinulas colligere et fuga eyadere tarn propinquum interitum 
properant. Yetulae quaedam et primores yirgines yanitate spreta insanomm 
prophetarum perstitemnt in coenobio . . . Permansit monasterium perma- 
netque in hodiemum usque diem. Yirgines yero, quae difi^erant, ab ana- 



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Anno 1534 acta. 483 

dici non potest, qnanta hominnm multitado per totam noctem 
insomnis minam Ulam opperiator^ At ubi tempus minae 
oraculo prophetico designatum iam instaret, nihil praeter njcti- 
coracis snpra nrbem Yolantis vocem audiyere. Hoc ergo vati- 
ciniom falsnm fidsse hodiema etiam dies declarat. Ne autem 
Bothmannns existimationis snae naufragiom falsa ista praedic- 
tione faceret, exemplo lonae se tnetnr', qui mandato divino 
Ninivitis eversionem praedizerat, quae non eyenit; neque tarnen 
ideo ipsnm prophetam falsnm pntandnm esse, cnm talia prophe- 
taram oracnla conditionem semper includant, scilicet nisi ege- 
nnt poenitentiam. Yirginibns qnidem exitinm inevitabile im- 
pendisse ; sed cnm serio poenitnerint, Denm Patrem hoc malnm 
clementer avertisse. 

übi rero Bollins falso hoc oracnlo Bothmanni anctoritatem 
apnd mnltos leyari intelligeret, in morem corybantinm enthnsi- 
asmo correptns fnriose per plateas discnrsans horrendis yocifera- 
tionibns ac insanis boatibns impios ac charactere foederis non 
signatos ad poenitentiam yocat^. Diem enim Domini instare 
clamitat. Qno astn et noya remm facie superioris Bothmanni 
oracnli obliyionem indncit plnrimosqne ab anabaptismo alieniores 
redditos reyocai Hone antem fnrorem toxico retinctis immitti 
fama fdit; illnd enim Bothmannns parentnm snomm artibns 



baptUtis hospitio exceptae re vera sunt subversae. Pleraeque enim rebapti- 
zatae sanf — Zu den ausgetretenen Nonnen gehörte auch die Tochter 
Johannas y. d. Recke, üeber den vergeblichen Versuch, sie zur Umkehr 
zu bewegen, ygl. weiter unten. 

*) EL Grosbeck a. a. 0.: „.,. die luide sint gan stain und hebben 
die cloisters und kercken angesehn und weren der in wachten und wolden 
dat grote mirackel und wunder ansehen ..." P. Plateanus a. a. 0. hat 
die Nachricht: „Senatus et ezcubias disposuit, ne firaude aliqua igne in- 
iecto furiosi oraculum suum verum facerent." 

*) Jon. cap. 3. — ■) Auch nach H. Dorp Bl. D2 ist Roll der An- 
fänger des BufsrufiB. Aber bei ihm wird der Ruf in Zusammenhang ge- 
bracht mit dem unbeständigen Verhalten der Fredikanten, die zuerst eine 
Disputation mit ihren Gegnern provoziert, sich dann aber wieder zurück- 
gezogen hatten (vgL oben S. 465 f.). — Schon G. A. Cornelius: M. A. ü. 
S. 340 macht jedoch darauf aufmerksam, daüs die Wiedertäuferbekenntnisse 
von einem Bufsruf RoU^s Nichts wissen. Derselbe wird auch in keiner 
der sonstigen Quellen erwähnt. 



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484 Anno 1534 acta. 

edoctos^ in lignea lagena a se baptizatis miscuisse dicebatorl 
*p. 424. *£x eadem Bothmanni Is^ena cnin Georgii Montani sarcinatons 
8. Febr. filia bibisset, simili fnrore percita 8. Febroarii circa horam se- 
cnndam pomeridianam in aedibns Bernardi Swerthemii sab for- 
nice in magno hominnm ntrinsqne sezns coeta mira dicacitate 
concionatur, de qua saperios in capite de ostentis dictum est^ 
Eodem die Enipperdollingns ac Joannes Bokelson, propheta 
Leydanus, circa horam tertiam a meridie omnes propemodmn 
vicos nrbis percnrrentes snperioris yitae emendationem luctifico 
et terribili clamore postnlant. Nihil enim praeter poenitentiam! 
poenitentiam! poenitentiam! denndatis capitibns ocnlisque in 
coelnm defixis clamitant^. Quidam vero nostmm luctifici ein- 
latus tristisqne vocis, qnae Hjerosoljmitannm praedixemnt ex- 
cidinm, memores hnins qnoqne reipublicae minam lachrimantes 
praesaginnt. Et cnm quidam inusitatam corjbantium insaniam 



') Vgl. Bd. 1 S. 160. Schon in seinem Jngendgedichte sagt Kens. 
(S. 8, bei D* Gerd es: Scrin. «ntiq. 11«. S. 382): 

„Prayns uterque parens, sed foedis ille parentem 
Canninibus solus snperavit gnatus ntnimque.^ 
*) Dieses Gerücht erwähnt auch Joh. Fabricins Bolandus: 
Motus Monast Bl. G 2: 

,Fama fuit potos, mistis qnos fecerit herbis, 

Hnnc ipsum populis contriboisse snis 
Omnibus et tantum semel infadisse fororem, 
Horrida iam peterent praeter ut arma nihil. ** 
Es bot Anlafs, Johann v. Leiden in den Verhören mehrfach danach aus- 
zufragen. In seiner Antwort auf die ihm auf Veranlassung des Erzbischofs 
Yon Köln vorgelegten Fragen sagt er aus (J. Niesert: U.-S. I. 8. 185): 
,yltem wette nicht van Bemharts teverie oder vergibt, hebben ock in keine 
vlaschen gerocken oder dar uth gedruncken.^ Aehnlich ftufsert er sich am 
25. Juli 1535 (s. M. G.-Q. H, 375), und am 20. Jan. 1536 (s. ebd. S. 401) 
gesteht er: »Von Bemardus Rotmans yerbotten knnsten und tzauberei have 
er nihe gehört, dan das sulchs sein fiant sechte." 

*) Vgl. Bd. 1 S. 124, wo sich Eerss. deutlich als Augenzeuge zu erkennen 
giebt. — ^) In Johannas y. Leiden Bekenntnis Yom 25. Juli 1535 (M. G.-Q. 
II, 371) heifst es, es sei „Enipperdollingh in doller gestalt (dat dan enge- 
verlieh XTTTT dage geduirt) roepende geworden i,betert u, betert u!" und 
80 vort tot Johannen van Leiden geloepen, die oich so roepende geworden, 
und dat aUet uit bedrongh oers harten und beswerongh oers gemoetz.*^ 
Knipperdolling'fl BuÜBruf ist auch im GestSndnis JakoVs von Osnabrück 
erw&hnt (s. J. Niesert: U.-S. L S. 155). 



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Anno 1534 acta. 485 

passün per plateas deriderent, „Yae, vae, vae Yobis,^ inqniant, 
„yae, vae Yobis, qni nos divino spiritn agitatos deridetis, qni 
salutaris poenitentiae vocem non admittitis, qni foedns nostnuoa 
contenmitis; agite poenitentlam, resipiscite, ne nltionem Patris 
coelestis in vos provocetis!^ Inde cnm ad fomm reverterentnr, 
ibi in totins popnli conspectn ex omnibns fere angnlis nrbis rei 
novitate coacti in mntnos amplezns mntnaqne oscnla promnnt. 
Cnm antem faror desaeyiret et pristina mentis integritas pan- 
latim Ulis rediret, Oeorgins Montanns, sarcinator, cnins filia 
panlo ante concionata fuerat, noYo fnrore afilatns abiectp capitis 
tegmine palmisqne in coelnm snblevatis continuo accnrrit. „Sn- 
spicite, viri fratres, snspicite capitaque vestra nnnc attollite," 
clamat, „Denm gloriosnm in nnbibns coeli comscantem rexillnm- 
qne yictoriae dextra ferientem yideo! Vae vobis impiis, qni in 
malo pertinaces estis! Besipiscite, resipiscite! Patrem coelestem 
cnm mnltis angelomm millibns dira vobis minitantem in snblimi 
conspicio. Vae, vae Yobis impiis! Agite poenitentiam, agite poeni- 
tentiam! Dies ille Domini magnns et teriibilis adest. Besipi- 
sdte, *resipiscite! Aeternae damnationis poena et cmciatns nnllo *p. 425, 
tempore finiendns vos manet, qni Christnm ex Maria hnmanam 
camem assnmpsisse creditis^. Besipiscite, resipiscite! Dens 
iamiam pnrgatnms est aream snam et paleas inextingnibili igne 
exnret. Agite poenitentiam, et si divinam nltionem vitare Yelitis, 
characterem foederis nostri snmite!^ Qnibns gestibns haec alia- 
qne mnlta proclamaverit, dici vix potest; nnnc enim saxis in- 
snltat seseqne saltn qnasi yolatnms effert et palmis elatis plan- 
dit, nnnc capnt freqnenti rotatn concntit, nnnc ocnlos ad coelnm 
attoUit, nnnc deprimit, nnnc Inget, nnnc hnmi in forma crncis 
procnmbit et in caeno sese Yolntat; nt pancis dicam, singnlis 
Yocibns habitn corporis sni inservit. Cnm antem nos, qnotqnot 
aderamns invennm more, insnetis Yociferationibns obstnpefacti 
coelnm diligentins intneremnr, nihil eomm, qnae retincti vide- 
rant, nee aliam qnam nsitatam coeü faciem animadvertimns. 
Itaqne ad Yolnptatem corybantes isti a circnmfasa inYentnte in 



*) Dieser Glaube war bei den Wiedertftnfem verworfen. Vergl. die 
^Mmuterscfaen Artikel* (bei Eerss. oben S. 450 Nr. 12, im Qestftndnis 
JakoVs von Osnabrück, bei J. Cochlaens und im „Eide** a. a. 0. Nr. 10). 



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486 Anno 1534 acta. 

foro delnsi sünnl sese cnm EnipperdoUingo ad aedes snas snb- 
dncnnt. Ibi Enipperdollingns novo, sed mitiori quam prins fd- 
Toris genere exagitatns in angnlo aedinm snarnm foribns paten- 
tibns ad parietem conversns cnm Patre coelesti nobis yidentibns 
et andientibns se loqni simnlat et plnrima ad popnlarem intelli- 
gentiam non accommodata nee insta serie cohaerentia, sed more 
fnriosornm abrnpta nunc manifeste loqnitnr, nnnc clancnlnm 
mnssitat. Tandem defatigatns in intimas domns snae latebras 
spnmivomo ore se recipiens isti spectacnlo finem imponit. 

Qnidam etiam homo obesns statnraqne oblongns, in Scotia 
natns, hnc forte fortnna delatns, qni, cnm panper esset, vicatim 
sibi yictnm qnaerebat, hie snbornatns et pecnnia a flagitiosis 
condnctns est, nt noctnmo tempore per plateas poenitentiam 
clamitaret. Cnm esset caecns, ne caeno plateamm sese pollneret, 
altes pedibns perones aptat; hinc qnasi anabaptistico Oestro 
*p. 426. afflatns cnrsitat, poenitentiam clamitat *coelnmqne admirandam 
et terribilem faciem ostentare vociferatnr atqne ita mnltos ad 
noctnmnm spectacnlnm provocat eademqne freqnenter iterat. 
Tandem cnm ad plateam regiam devenisset coelnmqne iamiam 
casnmm edita voce ingeminaret, ipse ibi in magnnm moUis Inti 
cnmnlnm prolapsns snbito obticnit neqne post illnd tempns ad 
similem fabnlam peragendam nllis pollicitis qnantnmyis eximiis 
indnci potnit. 

lodocns qnoqne Calenbnrgns eodem spiritn agitatns conci- 
tato eqno insidens snrsnm deorsnmqne per vicos fertnr et coelnm 
mitnmm nnnciat ac admiranda se videre mnltasqne mjriades 
angelomm se prospicere clamitat. Hinc mnlier qnaedam non 
absimili fnrore concitata per omnes nrbis yicos cnrsitans tantis 
clamoribns ad resipiscentiam omnes invitat, nt prorsns rance- 
sceret nee Yocem nllam amplins edere posset. Ne tamen spiritns 
snggestioni desit, nolam ovinm a tergo cyngnio annectit, qnae 
tremnlo cnrsn agitata sine intermissione sonat atqne ita homi- 
nnm ora passim in se convertit et, qnod voce negatnr, nntibas 
et signis perficit. Praeterea mnlier qnaedam de Tymmermanns- 
sche^ poenitentiam et resipiscentiam per yicos clamitat; r^em 

^) Ana dem Gestftndnis JakoVs von Osnabrück (J. Niesert: U.-S. 
L S. li)b)y wo es dünn weiter heiÜBt: «Defsglichen sy von vielen andern, 
80 den geist gehadt, also wie vorg. ufsgemffen umb penitens zn tfaon." 



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Anno 1534 acta. 487 

enim Sjonis iamiam coelitns descensnmm Hyerosolymamqne 
instanraturnm. 

Hoc novo insaniendi astn plurimi cives territi primnm in 
dabitationem saae religionis sunt addncti ambignaeqne fidei esse 
coepenmt, quos Bothmannns sna blandiloqnentia aggreditnr et 
iam nutantes facile prostravit inque snam sententiam pertraxit 
atqne ita snomm numeram anxit, nt iam non clancnlum, sed 
palam excussis et effractis omninm magistratnum frenis repa- 
gnlisqne ad imperinm nrbis contenderent. Nono enim Februarii 9. Febr. 
circa horam octavam ante meridiem^ ultra quingenti infestis 
armis instructi forum curiamque vicinam, in qua omnis generis 
armorum copia fuerat, occupant, ut vel nobis occisis vel pulsis 
soli urbe potirentur. übi vero haec sanguinaria retinctorum 
consilia nobis proderentur, quidam senatorii ordinis *continuo »p. 427. 



*) Dasselbe Datum und dieselbe Tageszeit für die Zusaminenrottung 
des Volkes vor dem Rathause bietet das „Tagebuch^ a. a. 0. S. 101 und 
giebt als Grund des Aufruhrs an, „dat dar den morgen eyn man van Dorp- 
munde were yn de stadt gekommen, de den borgeren tydonge gebracht, 
wu dat dar jm felde 3000 knechte versammelt weren und wolden in de 
Stadt.** — Am 3. Febr. hatte der Bischof aus Wolbeck den AmÜeuten den 
Befehl erteilt, alle der Wiedertäuferei Verdächtigen zu verhaften, und am 
gleichen Tage gebot er der Bitterschaft, die Amtleute dabei zu unterstützen. 
Am 8. Februar ordnete er an, dafs die Amtleute schriftliche Verzeichnisse 
der Wiedertäufer aufsetzen und ihm zuschicken sollten (s. L. Keller: 
G. d. W. S. 306). — lieber die Unruhen des 9. bis 11. Febr. fliefsen die 
QneUen reichlicher. Neben dem „Tagebuch*' ist besonders Bothmannns 
Darstellung in der lyBeschlufsrede** seiner Schrift „Eyne Bestitution*' (s. P. 
Bahlmann: Bibl. 1534 Nr. 5) zu beachten, von wiedertäuferischer Seite 
dann weiter das letzte Kapitel des von G. A. Gornelius (M. G.-Q. II, 
445 ff.) unter dem Titel „Münsterische Apologie^ veröffentlichten „Beken- 
tones des globens und lebens der gemein Christe zu Monster'' (s. P. Bahl- 
mann ebd. 1534 Nr. 4). Unter den Geschichtsschreibern kommt neben 
H. Dorp, L. Hortensius, 0. Hcresbach und Joh. Fabricius Bolandns be- 
sonders H. Gresbeck in Betracht, und einzelne Notizen liefern die Wieder- 
tftuferbekenntnisse, die Münstersche Bischofschronik (M. G.-Q. I, 330), das 
^ichtboeck** und ein Brief des Drosten Evert v. d. Becke zu Hamm an 
Herzog Johann von Cleve (M. G.-Q. II, 218 ff). — Zu Ker8s.'s Darstellung 
hier vgl. auch die in seinem Jugendgedicht S. 22 ff. (bei D. Ger des a.a.O. 
S. 394 ff.). Er hat hier manche Züge aus dem Gedichte herüber genonmien 
nnd die Nachrichten über seine eigenen Erlebnisse besonders durch Zu- 
thaten ans Joh. Fabricius Bolandus vermehrt. 



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488 Anno 1534 acta. 

per lictores cives Don retinctos tarn evangelicos quam caiholicos ^ 
pariter ad coemiterium Transfluviantim, quod Alpha praeterluit, 
convocant. Praerepto enim a retinctis foro commodior urbis 
locus nostris non fnit vel ad repellendam viin Tel ad tuendum 
sese. Nostri itaque subito tanta copia armati coufluuut, ut fo- 
rensem illam turbam et numero et armatorum potentia facile 
superarent *. Quidam tarnen illorum, qui aedes suas propter re- 
tinctorum yicinitatem armati non auderent egredi, arma sua per 
famulas praelongis vestibus tecta ad coemiterium deferri man- 
dant, quarum quaedam ab ezploratoribus proditae et interceptae 
ad carcerem sub pal«w numellaritiw* noctivagis nebulonibus 
paratum ita armatae cum intolerabilibus conyitiis deducuntur. 
Inter quas fuit Assola, omatissimi et doctissimi viri loannis 
Weslingi, medicinarum doctoris expertissimi, hospitis mei fa- 
mula, quae, cum in forum ab anabaptistis protracta et multis 
conyitiis exagitata fuisset, tandem quorundam intercessione, qui- 
bus inserviverat, haec sola, sed spoliata armis carcerem effugit. 
Cxmi vero forenses retincti se impares Transfluyianis viri- 
bus esse per ezploratores acciperent, improvisam et inopinatam 
irruptionem metuentes primum sacellum Michaeli sacrum, tur- 
rim Lambertinam, curiam et omnes foro propinquas aedes tor- 
mentis et missilibus implent; ipsum etiam forum scamnis, se- 
dilibus e templo Lambertino raptis, vasis, tabulis, lapidibus et 
ruderibus subito undique convectis et comportatis ita muniunt 
et per modica extructae munitionis intervalla crebris bombardis 
ita distinguunt, ut instructissimi exercitus impressionem non 
formidarent. Claves quoque omnium portarum urbis clausae 
prioribus mutatis custodibus suae factioni custodiendas commit- 

») Mb,: sub palo nomeUario. 



^) „Als de godüosen dat yomommen hebben,*' sagt Rothmann in der 
„RestitatioiL* (Ansgabe Yon A«Enaake S. 108), „hebben se sick mit mön- 
niken unde papen np Ayerwaters kerckhoff nnde de amliggenden Straten 
Yorsammelet.^ — *) Anch Botfamann IftTst „de godtlozen wal yeer mael so 
starck na den fleissche, als de Christen*' sein („Restitution'^ a. a. 0. S. 109). 
Job. Fabricius Bolandus Bl. G5^ sagt: „Haec (sc. fera secta) aliis 
triplo minor esf 



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Anno 1534 acta. 489 

tnnt, ne peregrino robore in nrbem admisso nostri se firment ^ 
Ex bis Omnibus nostri facile animadvertunt, quid retincti moli- 
antnr qüidre in animo babeant. Proinde ut snarmn qnoqne 
re*nun rationem ineant snaeqne saluti consnlant, ne inopinantes«p. 428. 
opprimantnry omnibns ad coemiterinm plateis sen accessibus 
contra bostilem irmptionem bombardas maiores opponnnt, tnrres 
templi dominici et eam, quae inxta pomerinm a noctnmis larvis 
sen spectris nomen habet ^ ad arcendnm retinctomm impetnm 
armatis civibus firmant, pontes ligneos, ne facilis ad coemiterinm 
occidnamqne nrbis partem sit aditns, rescindnnt praeter arctum 
ponticnlnm, quo ex campo dominico et orientali urbis parte de- 
clivi yia per tnrricnlam a specnlo nomen habentem in coemi- 
terinm Transflnvianum descenditnr^. Hanc tarnen tnrricnlam 
ponticulnmqne validis praesidiis et sclopetariis cbirobombardis- 
qne mnninnt. Sed cnm non satis sibi esse pntarent domestico 
pollere robore, nisi etiam externis viribus et consiliis (si forte 
opus sit) se firment, ideo singulari diligentia desudatum est, 
nt clayes alicuius portae urbis sine magna clade consequantur. 
Quas cnm ab exploratoribus loannem Paleum ^ yirum senatorium, 
ac Com-adum Covordicum, qui retinctomm causam fovere dice- 
bantnr, detinere nunciaretur, missis itaque aliquot armatis non 
solum hos duos, apud quos claves Marianae portae deprehendunt, 
yerum etiam Yinnium ac Stralenium, concionatores anabaptisti- 
cos, aliosque eins farinae homines capiunt turrique Transfluviani 
templi firmioribns ntrinque yalvis munitae includunt^ Mirantur 



') Im „Tagebnch** a. a. 0. S. 101: „Und mjdler tydt leipen de bor- 
^re na den porten und kedden posten, dat de togeslotten worden . . ." 

*) Gemeint ist der Buddentarm. S. Bd. 1 S. 25. 

') H. Gresbeck S. 15 berichtet, dafs alle Brücken abgebrochen 
wurden. Die Erhaltung der Brücke beim Spiegelturm erwähnt er nicht 
YgL dazu Joh« Fabricius Bolandus a.a.O. 

*) Vwschrieben für Paleum. 

*) Im „Tagebuch^ S. 102 heifst es: „. . . sjnt se (de frommen bor- 
gere) gegaen na unser Leven Yrouwen porten, dar se Johann Palcken 
raithman myt synen sonne uper porten gefunden by dren haeckbussen, de 
se gefuUet und na Unser Leven Yrouwen kerckhoff gestalt heddn. Dar se 
^ock pryranden by gefänden, so hebn se denselven Palcke myt synen sonne 
unde de drey haeckbussen gebracht to Overwater upn kerckhoff und van 
•en genommen de slottell to Unser Leven Yrouwen porten.** Als Gefangene 



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490 Anno 1534 acta. 

antem omnes boni anabaptismnm etiam in senatum irrepsisse, 
iamqne plnres senatom ordinis viri a nostris in anabaptistici 
favoris suspicionem non falso rapiantnr, qui tarnen se candidos 
et innocentes esse fingebant. Baptis itaqne clavibns et Palco 
Covordicoqne, earum custodibns, in carcerem coniectis portae Ma- 
rianae et ludefeldanae yalida praesidia continno, ne qnid mora 
obsit, imponnnt. Aliamm vero portarum omninm ins nostris 
praereptnm in retinctomm fnerat arbitrio. 

Hnnc motum et grave nrbis discrimen quidam civimn pri- 
mates senatum suspectum habentes principi per literas subito 
"p. 429. sig*nificant* consilium auxiliumque contra retinctos poscentes; 
se enim impetu in ipsos facto omnibus molestüs nunc tandem 
finem imposituros et rempublicam a perpetuo motu semel erep- 
turos. Princeps ubi haec intellexisset, se laboranti civitati bo- 
nisque civibus, qui coercendae seditionis semper auctores fuerint, 
neque consilio neque auxilio etiam supra yires suas defuturum 
rescribit. Ne autem propositum suum multis patescat, quod 
gerendae rei plurimum saepe obesse solet, literas ad Herman- 
num Tylbechium, praecipuura et superiorem ex patriciis con- 
sulem, quem factiosum non esse existimat, in haec verba mittit^: 
Cum civile dissidium et intestinam seditionem in urbe Mona- 
steriensi a retinctis concitatam esse intelligat ita, ut ciyes sint 
in armis totaque civitas effero exardescat motu et horrenda san- 



nennt das „Tagebnch' dann S. 103 neben Palck, Yinne und Stnden noch 
Johan Eonnynck, Hinrick, den doetgreyer (to Overwater) und Johan Ernst 
Steynbicker. 

*) Die Briefe sind nicht mehr nachweisbar. Das „Tagebuch" l&fst 
S. 102 aufser an den Bischof auch an „etliche amptlude um hulpe und 
troist geschicket* werden. E. v. d. Recke schreibt dem Herzog von Cleve 
(M. 6.-Q. II, 219), dafs ein dringendes Hülfsgesuch an Theod. y. Merveldt, 
Drosten zu Wolbeck, abgegangen sei. 

*) Von diesem Briefe, der verloren zu sein scheint, erfahren wir 
sonst nur noch aus dem „Bichtboeck," wo es Bl. 9 heifst: 

„Usser gnedige först und herr hadde Tilbek enen breef gesandt, 

Des de verrader Tilbek f5r de gemeinheit nich was bekiuidt 

De vörste hadde em doen wetten und schrieffen, 

Siene gnade woll de stadt Monster bj ehren rechte laten blieven; 

He solde siner gnaden de porten apen halden. 

Sin gnade wolde by denen frommen luden syn haest unde balde." 



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Anno 1534 acta. 491 

gninis efFdsio sit metuenda, nisi retinctomm vis, qui priores* 
arma snmpserxmt ciyllemqne concordiam aliquoties dissolverunt, 
coerceatur, se proinde petere, ut sibi cum mediocri equitatu 
yenienti citra ullam urbani privilegli derogationis snspicionem 
porta aperiatnr; se civitatis inra et reipnblicae Monasteriensis 
libertatem in minimo non yiolatnrum, incrementis potius anc- 
tnram, se paciflcos et insontes cives contra rebellinm insnltam 
defensnmm factiosommqne conatns repressumm, se nrbem ab 
inmdnente clade, ne totam secnm dioecesin in exitinm praeci- 
pitet, liberatomm. Consnl has principis literas in omnium ci- 
yinm totinsqne reipnblicae pemiciem supprimit neque de more 
senatni, tribnnis et mechanicomm praesidibns eas ezaminandas 
ofTert, qnod sangninem cognatnm non esse fnndendnm consnlat 
yel potins qnod sibi snisqne, id est retinctis, interitnm metnat. 
Ideo cnm retinctis pamm, nostris vero mnltam praesidii snper- 
esse animadverteret, onmes snos conatns omnesqne ingenii vires 
intendit, nt caninam, discordem, simnlatam et civibns exitialem 
concordiam introdncat. 

Betincti cnm viribns snis diffiderent, ad armomm copiam 
confnginnt, qnibns se in terrorem Transflnvianomm, qnantnm 
*possnnt, firmant. Proinde aliqnot armatos et biinges eqnos ma- *p. 4d0u 
iores bombardas adferendi cansa ad armamentarinm apnd portam 
Aegidianam sitnm emittnnt atqne tres stationarios milites inxta 
coemiterinm Aegidiannm in eo loco, qno per vicnlnm ^ ad cam- 
pnm dominicnm itnr, cnstodiae dinmae gratia collocant. Quae 
res cnm nostris proderetnr, protinns qninqnaginta vi repetitnm 
bombardas armant, qnos a coemiterio per longas ambages Bis- 
pinckhovianae immnnitatis hostibns obviam mittnnt. Interea 
Joannes Weslingns medicns et Wintercampins, acerrimi anabap- 
tismi hostes, qnos ego globis ferreis corio obdnctns in nsnm 
eomm armatns seqnebar, compendinm qnaerentes a coemiterio 
Transflnviano per campnm dominicnm vicnlnmqne snpra dictnm 
ad Aegidianam plateam properant, nt snis sese coninngant. Qni 
com praeter spem et impmdentes in stationarios inciderent, in 
ipso pavore animos snmnnt (neqne enim retrocedere andebant), 
verbis acrioribns non aliter stationarios compellant, ac si exer* 

') Die Pferdegasse. 

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492 Anno 1534 acta. 

citnm sequentem habeant. Uli snbito adventa et clamore nostro 
territi sese in fiigam coniiciunt snisque in foro hostem adesse 
rennnciant, horrorem armatonun praedicant et mnlta vero acer- 
biora, quae metos snggessit, afSngont continnoque armatos in 
praesidinm snormn mittendos esse clamitant. Dnm haec agnntor, 
qninqnaginta a nostris emissi per ponticnlnm lapidenm^ pro- 
gressi, nbi et pnblica est forica et stabnlarii apnd domum Cap- 
penbergensium eqnos snos aqnantnr, adsnnt ac prope Aegidia- 
nnm coemiteriom hostibns dnas bombardas habentibns occur- 
nint, qni a nostris hostilem impressionem sentientes per yicnlnm 
transyersnm ibi vicinnm ad forum fagitant ac trepidationem con- 
duplicant In eo motu eqnns nnam bombardam trahens ibi forte 
traiectas procnboit, alteram vero nostri cnstodibns abactis eri- 
pinnt retortoqne eqno avehnni Betincti yero cateryatim sine 
certa tarnen acie foro effosi nostros eminas missilibns frostra 
"p. 481. proseqnuntur. *Ego antem adhuc pner tali crabronnm snsnrro 
ac tormentomm bombis non assuetas, sed anabaptistarmn minis 
territus in coemiterio Aegidiano post craneomm repositorinm 
me snbdnxi ibiqne delitni et motu posito meticulosus iterum 
prorepsi ac ad nostros reversus ipsos una cum bombarda inco- 
lumes ad coemiterium redüsse comperi. 

Inde de rebus praesentibus a nostris accurate consultatum 
est. Omnium quidem votis irruptio in forensem turbam placuit, 
ut Omnibus controversiis finis tandem imponatur, ne novus motus 
in posterum sit metuendus; sed qua ratione commodissime et 
sine clade magna id fieri queat, dubitatum est aliis, ut aperto 
Harte undique in forenses iam constematos motu Impetus fiat, 
consulentibus, aliis yero suadentibus, ut ex omnibus plateis ad 
forum vergentibus vineae agantur ac per maiores bombardas 
munitionibus forensibus deturbatis hostibusque depulsis expu- 
gnatio tentetur. Sed cum utrumque multo sanguine et vulne- 
ribus Visum esset constaturum, quibusdam placuit, ut yineis 
actis ex omnibus quidem plateis quanto fieri possit apparatu 
bellico simulata impressione, sed frequentibus iaculis impetantur 
^tque assiduo labore ita defatigentur, ut nuUum ipsis respirandi 

') Es ist die Aabrncke am Bispinghof. Vgl. dazn A. Tibas: Die 
JStadt Münster (Münster 1882) S. 193 ff. 



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Anno 1534 acta. 493 

tempns relinqnatnr. Dum antem sie pngnae sint intenti, recens 
exercitns permptis nobllium canonicomm et civinm arcnatis 
aedibns transrerso impeta praeter spem et expectationem in 
formn irroat; eam fore yictoriam minns sangninolentam. Hoc 
consilinm pleriqne visi snnt approbare, Yemm cum ad eam rem 
conficiendam maiore exercita opus esse putarent, loannem Wech- 
leram et Hjeronimnm Busschium et alios quosdam cives snb 
noctem in pagos circnmfosos paganos in praesidinm excitatnm 
ablegant, qni Theodorici a Mervelt, satrapae Woltbecensinm, 
anctoritate freti ministrisque illius stipati pagatim crepitantia 
in cnrribns aera concutinnt agricolasqne in anxilimn vocant^ 
Cnm antem nox instaret, yigiliae noctomae ntrinqne disponuntnr, 
*ntrinqae sjmbola vocalia dantnr, nostris „Christas,^ retinctis«p. 432, 
»Pater. ^ Neque nostris symbola mnta desnnt. Straminea enim 
serta in armis gestant, quae etiam tanquam innocentiae signa 
ex omnibns irretinctorom aedibns snspendi inbentor, ne in fa- 
tora irmptione per errorem forte in aedes innocentis ciyis im- 
petns fiat^ Inde retincti calnnmiandi occasione snmpta nos 
vero Deo neglecto spem et fidnciam nostram in stramineos deos 
collocare, hos invocare, ab Ms anxiünm expectare passim per 
plateas plenis bnccis rociferantnr. 

ütrinqne sie in armis Alpha interlnente, hi in orientali, 
illi yero in occidna parte nrbis in diem seqnentem fremebnndi 
consistnnt. Interea Transflnviani per noctem sibi mntno animos 



') Aus Joh. Fabricins Bolandus: MotosMonast, wo es BL 66^ 
heiTst: ,yMitteri8 in pagos, Hieronyme Bnsce, propinqnos, 

Et tibi Vuechleras fidus ab urbe comes. 
Illico per varios in equis cnxrentibus agros 

Ciyibus hei cassam sollicitatis opem. 
Namqne quater centum noctu ratione colonos 
Cogitis ingenti rauca per aera citi.^ 
*) Ebenso berichtet Eerss. schon in seinem Jngendgedicht. Kloprifs 
bekennt (J. Kiesert: U.-S. I. S. 129): „Do sie zn Achterwater waren, do 
hetten die alten Christen in Munster sich mit stroe gezeichnet^ „Als de 
Christen," sagt Bothmann („Restitution^ a. a. 0. S. 109), „sick tho der 
slacht gerostet hedden, hebben se yan strö eine Idze gemacket, syck und 
Öhre hüser darmede Yortekent, der meininge, wat also nicht getekent en 
were, wolden se dan ummebrengen nnde plünderen/ Vgl. auch H. 6res- 
beck 8. 17. 



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494 Anno 1534 acta. 

:angent et ad acriter pngnand«m* se invicem inflammant. Has- 
sicns ille quoqne ecclesiastes Fabricius ipsos circnit ac forti- 
tndinis constantiaeqne exemplis propositum confirmat; sed pre- 
catur, ut, qnantum fieri queat, a cognato et civili sangnine sibi 
temperent et post ademptam yictoriam papistas, omnis seditio- 
nis et nrbani motus anctores, nunqnam in pristinom dignitatis 
sive auctoritatis locnm restitni patiantnr. 

At ex adyerso Bemhardns Bothmannos, Joannes Bokelson 
Lejdanns atqne loannes Matthisson \ prophetae forenses, retinctos 
animant yictoriam in suis manibns esse persoadentes ; Patrem 
enim coelestem suos foederis signo notatos contra omnem im- 
piomm insnltmn defensurom. Plnrünae quoqne anabaptistarum 
feminae Patrem precaturae domum pistomm in foro piscario in- 
grediuntur atqne ibi totam noctem nunc tacite Yerbisque non 
intellectis intra se murmurant, nunc elatis Yocibus Patrem in- 
Yocant; nullaque fit Filii * mentio. Nunc pro christianis suis 
fratribus forum occupantibus precantur, ut vires animosque ad- 
yersus bestes et yerbi sui oppressores suggerat, nunc pro impiis, 
id est nobis, ut aliam mentem clementer largiatur. Quaedam 
etiam Oestro percitae ab aUis discurrentes saxis platea*rum in- 
^p. 433. sultant, manus iactant creberrimeque plodunt, capita concutiunt, 
coelum intuentur et Patrem cum omni coelesti militia et innu- 
merabili angelorum multitudine in nubibus coeli consistere iam- 
iamque descensum in terram moliri horrendis yocibus clamitant 
Inde ad coetum suum reyersae psalmos a Luthero in yemaculam 
linguam transfusos cantillant. Neque huic sexui aberant yiri 

*) Ms»: pugnandam. 



') Wie schon oben S. 478, erwähnt Kens, anch hier das Eingreifen 
-des Jan Matthjs an ganz nnrichtiger SteUe. Das Gestftndnis Enipper- 
4olling's vom 21. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 410) Iftfst keinen Zweifel dar- 
über, dafs Jan Matthys erst nach dem Anfruhr Yom 9. bis 1 1. Februar in 
Münster ankam. Die Nachricht yon demselben erhielt er auf der Reise 
nach Münster zu Deventer, wo er hörte, „irer brueder wer ein grofs deil 
«rslagen.* „Derhalb,'' heilst es weiter, ,,hait Johan Mathis den knecht vur- 
hin zu Munster gesant und ist zu Deventer hieven. Darnach haven sie 
den diener wider ghen Deventer gesant und Johan Mathis lassen holen 
^ampt siner huisfrawen.' 



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Anno 1534 acta. 495 

eadem insania correpti et a mxdieribQs forte dementatL Annati 
vero in foro psalmos sine intermissione cannnt. His studiis 
totam noctem ntrinqne transigunt. Ezorta vero Ince matatina 
Enipperdollingos effrenatis fariis itemm agitatns cum per omnes lo. Febr. 
Ticos urbis instar amentis ac furiosi vitae saperioris poeniten- 
tiam clamans percurrisset ^, tandem circa horam septimam eadem 
poenitentiae voce etiam Transflavianos aasos est incessere \ „ Agite 
poenitentiam," clamat, „vos impii, agite poenitentiam, resipiscite, 
resipiscite! Ira enim Dei capitibns vestris impendet. Pater, 
Pater! Eradicatio, eradicatio!" Puisset a Casparo ludefeldo, 
fratre yeterino, transfossus, nisi qnidam intervenientes ipsnm 
eripnissent et captnm in tnrrim coniecissent, nbi miro boatu 
cum reliqnis ecclesiastis et retinctis viginti qninqne ibi con- 
clnsis se ad ravim usqne ezercuit ^. Deinde circa horam octavam 
innnmerabilis pene paganormn mnltitudo suo more armata adest 



*) Vgl. dazu das „Tagebuch" a. a. 0. S. 102, nach dem Knipper- 
dolling „vell unstuers royt ropen gedreyen: „0 vader, o vader, o vader! 
Bettert juw, bettert juw! Doet böte, doet böte!** Und darneist geropen: 
„Bidde, bidde, bidde!" Hefift dat gerne jne volck myt erer wer tor erden 
gefallen mjt entdeckeden hoYeden und gebedet und dan wedder upgestaen. 
Hefft deselve Berndt EnjpperdoUjnck sunder underlaet allet wu vorge- 
schrcTen wedder angeropen . . ." 

*) Botbmann giebt dafür den Grund an. Er sagt („Restitution" a.a.O. 
8. 108) : „Item Godt gaff sinen dener dem propheten getüchnisse, wert sake, 
dat de Christen den godlotze dat hövet böden, solden se de flucht annemen; 
dar na worth der Christen ein gedreven, dem se am mesten doch yiandt 
waren, mit namen Bernd EnypperdöUing, de muste sunder weher tho den 
godtlozen intreden, en bothe und penitentie verkündigen, offte Godt wolde se 
straffen. So ifs et gescheen, und den hebben se ock gevencklick angeholden." 

') Die Gefangennahme Knipperdolling's ist sonst noch erwähnt im 
„Tagebuch" a. a. 0. S. 104, in der Münsterschen Bischofschronik (M. G.-Q. 
n, 330) und bei H. Gresbeck S. 15. Dieser l&fst mit Enipp. zugleich 
„noch vif of secs ander burgers, die wiederdoeper weren," gefangen ge- 
nommen werden. Ygl. auch oben S. 489. Man habe sie «gesät in unser 
lieven Frawen kerchtomen. EnipperdoUingk lagh in dem tom und riep 
glich wie die ossen plegen tho ropen. Und riepen: „0 Yader, o Yader, gie^ 
gief, straef die gotlosen!" Zu dem lesten, so haben sie mehr reutter up 
der Straten reiden gehoirt Do schwiegen sie stil in dem tom und riepen 
nicht mehr und meinden, mein g. h. von Monster wer selber in die stat 
gekhomen." 



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496 Anno 1534 acta. 

nostrumqne exercitnm non pamm anget. Addidit et nostris ani- 
mos satrapae Woltbecani nobilimnqae canonicormn cum eqniti- 
bns et mricolis noctumns adventos \ et maxime cnin principem 
ipsnm cum instructo equitatu adfuturum intelligerent. Nobiles 
ibi canonici * atque satrapa continuo praesidium et operam suam 
adversus rebelles consulibus offerunt. Ad quae Hermannus Tyl- 
bechius gratiis actis respondet: Se in civitate sua peregrino 
auxilio ad pacem conciüandam non egere; eam rem per se sine 
sanguine et acerbiore motu conficere posse. Uli tamen catastro- 
phen fabulae expectare maluerunt. 

Setincti vero desperantes praesidium rebus suis diffidere 
incipiunt. Itaque Eippenbrochium atque Suedarthonem^ l^a- 
tionis obeundae causa ad nostros mittunt, qui publica fide a 
♦p. 4M. nostris ad *colloquium admissi primum suos vehementer pur- 
ganty quod arma non in suos concives, sed exercitii gratia sump- 
serint, ut, si quando opus foret, ea in bestes externes expeditius 
converterent. Se quoque in proximos pagos frumenti causa expe- 



*) Nach dem „Tagebuch" a. a. 0. S. 103 traf der Drost Dietrich 
y. Merreldt um Mitternacht vor Münster ein. Es berichtet weiter, dafs 
der Bürgermeister Judefeld zun&chst gegen den EinlaTs der Ankömmlinge 
protestierte. Er verlangte Zusage, dafs der Bischof die Stadt bei ihren 
alten Privilegien belasse, den Friedensvertrag vom Februar 1533 aufrecht 
erhalte und sich nur gegen die Wiedertäufer wende. Erst als das zuge- 
standen war, liefs man den Drosten in die Stadt. — H. Gresbeck S. 15 
giebt die Zahl der Einziehenden auf „twe oft drj dusent huren und ein 
deil reutters tho perde" an. Nach ihm, sowie nach Bothmann: Bestitution 
a. a. 0. S. 104 wurde das Liebfrauen- und das Jüdefelder Thor offen ge- 
halten. Vgl. auch den Brief Evert^s v. d. Becke an den Herzog von Cleve 
(M. G.-Q. n, 219). 

*) Das „Tagebuch'' a.a.O. macht von ihnen den Domscholaster Botger 
Schmising und den Domkellner Melchior v. Bueren namhaft Letzterer ist 
auch in der Münsterschen Bischofschronik (M. G.-Q. I, 330) erwilhnt. 

') Die Namen der Unterhändler sind nur von Kerss. überliefert. 
Nach dem „Tagebuch*' a. a. 0. fanden zweimal Friedensunterhandlungen 
Statt, zuerst am Abend des 9. Febr., wobei die Wiedertäufer ihren Gegnern 
vorstellten^ wenn sie wirklich auf die Hülfe des Bischofs und der Amtleute 
rechneten, „dat se dat wall bedechten; dat wolde en und eren kinderen 
so wall overkommen, alse den, de upn marckede weren.** Da diese Ver- 
handlungen zunächst scheiterten, wurden am folgenden Tage neue ange- 
knüpft, die am IL Februar zum Ziele führten. 



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Anno 1534 acta. 497 

ditionem interdtun factnros fnisse, cum obsidionem sibi ab epi- 
scopo metuant; eam vero a Transflnvianis armatis in detrimentum 
nrbis impeditam esse. Ipsos secessionem et partes fecisse, ipsos 
pacem et Mem snspectam habnisse; se quidem priores arma 
indnisse, sed meminerint, nti priores se hostes declaraverint. 
Sed utnt sit, cum intelligant ipsos episcopum contra snos con- 
eives praeter meritnm et officinm vocasse atqne in nrbem cnm 
equitatu suo bostili intromissuros, se illis altins banc rem ex- 
pendendam obtrudere; et quid inde secuturum sit, penitius intra 
se cogitent, si hostis intra muros recipiatur, quae sit futura rei- 
publicae facies, si duro servitutis iugo ac tyrannide civium com- 
moda opprimantur, quae libertas, quod ins, quod Privilegium 
superesse possit. Hoc quoque secum aestiment atque incorrupto 
animi iudicio ponderent libertate semel amissa nuUam unquam 
spem eins recuperandae reliquam fore. Se quidem iugulis suis, 
quos secum ferant, omnia pendere posse, sed ipsi hoc agant, in 
hoc laborent, ne maiorum suorum vestigiis sint indigni neve ab 
illorum virtute et pietate degenerent neque proditione hac, dum 
sibi incommodare conentur, suos liberos, suos nepotes totamque 
posteritatem futurae reipublicae in perpetuam servitutem prae- 
cipitent. Si opes divitiasque caducas liberis suis relicturi sint, 
saltem hereditatem et possessionem inaestimabilem neque auro 
neque gemmis conferendam, libertatem nempe, sine invidia, cum 
possint, reünquant. Secum animo volvant müvinam pacem 
muri ranaeque non solum fuisse exitialem, verum etiam impe- 
rium paludis transtulisse ^. Cognoscant pacem synceram et uti- 
lem non esse, quae sanguinis et servitutis mercede comparatur. 
Proinde concordiam, quae minoris constet, se suosque, quorum 
legatione fungantur, ex animo suadere. 

Haec ubi dtrissent et a nostris digressi fuisssent, nostri 
super hac re Consultant aliis hoc, aliis vero illud consulentibus. 
*Hermannus Tylbechius* consul: Sibi non videri, inquit, iniqua, »p. 435. 



^) Vgl. die Fabel „Do muribus et ranis" in „ Aesopi TPhrygis et vita 
ex Mazimo Planude desurnpta et fabellae iucundissimae." Salingiaci. loan- 
nes Soter excudebat. 1538. 

«) Das entscheidende Eingreifen Tilbeck's erwähnt kurz H. Gres- 
beck S. 16, ausführlicher und im Sinne, in dem es auch Kerss. schildert, 

8 



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498 Anno 1534 acta. 

qnae a forensibns legatis sint proposita. Nam principe in nrbern 
adndsso ipsnm omnia sno arbitrio non sine gravi civitatis in- 
conunodo et libertatis interitn (qno iam din aflfectaverit) actu- 
mm. Quid futurum existiment, si eum intra moenia recipiant, 
qui cives indignis modis afflixerit, eorum bona aresto interce- 
perit, ipsos captivitatibus terruerit, iudiciis peregrinis contra 
privilegia urbis involverit, commeatum intercluserit atque ex- 
trema adversus rempublicam nostram, ut a verbo Dei secessio- 
nem faceret, susceperit? Neque se hoc consulere et approbare, 
ut civilem sanguinem mutuo fundant et alter in alterum hosti- 
liter irruat, pater filium et fllius patrem, fratres reliquique et 
consanguinitate et afßnitate iuncti vulneribus mutuis se confi- 
ciant. Sibi proinde utilius videri et cum pietate christiana con- 
gruere, ut sine extemo et potentiori quidem sequestro dissidium 
hoc componatur et concordia, quacunque ratione fleri queat, con- 
cilietur. Quae sententia quidem consulis multis displicuitj cum 
per eam ad alios motus futuros relinquatur materia et mutua 
suspicione perpetuoque motu urbs implicita teneatur. Tamen 
cum ex animo visus est ista dicere et Caspar ludefeldus, alter 
consulum, ea quasi bene et salubriter dicta approbaret, nemo 
tantae auctoritatis consulibus ausus fuit contradicere. Eesponsum 
est igitur legatis : Transfluvianos a christiana concordia, si bonis 
conditionibus iniri queat, non abhorrere. Deliguntur itaque 
utrinque sequestri, quibus tota res decidenda committitur. Datis 
igitur et acceptis utrinque obsidibus* captivisque utrinque re- 
laxatis onmis controversia ita tollitur, ut negotium fidei utrinque 



der Brief Evert's v. d. Recke an den Herzog von Cleve (M. G.-Q. II, 219). 
Tilbeck's Verhalten ist immer schwankend gewesen. Vgl. oben S. 490 f. 
An einer späteren Stelle (S. 31) sagt H. Gresbeck, Tilbeck hätte »dem 
bischop von Monster geholpen, dat de raetters und bueren weren in die 
stat gekhomen, and viel do up dat leste dem bischop af und hielde do 
mit den wiederdoepers." 

^) Die Namen der Geiseln überliefert uns nur das „Tagebuch^ a.a.O. 
8. 104 f.; Die Partei der Wiedertäufer will „vam kerckhore vor giselers 
kejsen de erberen und ersamen heren Wilbrant Ploniefs, borgermester, 
Hermenn Herden, kemner, Johan Eerckerinck upn Bispinckhave und Evert 
Ocken. Dar to hebn de upn kerckhove weren gekoren vor giselere ClaelB 
Stripe, Glaefs Snyder, Bemdt Pickert und Evert Gestemer.*' 



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Anno 1534 acta. 499 

relinquatiir liberum et arbitrarimn; credat quisquam, quid et 
quantom velit, modo manns contineat; neminem enim in sna 
fide et possessione tnrbandnm, in reliqois magistratui paren- 
dnm esse*. 

His ita actis nobiles canonici et Woltbecanns satrapa cnm 
lachrimis et gemitibns nrbe excednnt ^ testantnrqne palam hanc 
concordiam pemiciosae discordiae, hanc pacem horrendi belli et 
*eversionis totius patriae seminarium fore. Pagani vero faturae »p. 436, 
calamitatis non praescü, cum se cervisia a senatu data refecis- 
sent, mores suas dorn! in maerore relictas quasi post longam 
militiam cnm gaadio revisnnt. Inde ntrinqne omnes repetentes 
penates saos digredinntnr bombardasqne in exitinm miitnnm 
paratas et instmctas in vacnas anras exonerant, nnde tota nrbs 
terribili quasi tonitru concnssa contremiscit. Princeps quoque 
ipse, qni iam non procnl ab nrbe cum eqnitatn suo aberat, de 
concordia inita certior factns lachrimas effadit et indignabnndus 
equo reflexo recessit*. 

Betinctis e foro digressis magna feminarum mnltitudo mn- 
nitiones a viris snis destitntas ingressa admirabili rabie et in- 
nsitata mania exagitatur*. Non potestmaior Baccharum, Thya- 



^) Der Vertrag, der in den meisten Quellen kurz und ohne Datums- 
angabe erwähnt wird, kam nach dem „Tagebuch'' a.a.O. am 11. Februar 
zu Stande. Im Wortlaute schliefst er sich genau an das üebereinkommen 
Tom 30. Januar an (s. oben S. 479). 

*) Der Abzug des Drosten mit seinem Heere und den Bauern fand 
nach dem „Tagebuch' und nach dem Briefe Evert's v. d. Recke a. a. 0. 
bereits vor Abschlufs des Vertrages Statt. Es ist auch wahrscheinlich, dafs 
dieser Abzug als Vorbedingung für weitere Friedensunterhandlungen ge- 
fordert wurde. Vgl. auch C. Heresbach: Historia (Ausgabe von E. W. 
Bouterwek [Elberfeld 1866] S. 14.) Er fugt hinzu: „Non deerant, qui 
affiimarent episcopalis cohortis praefectum evangelico zelo permotum ultro 
retrocessisse,'' ein Gerücht, für das in den sonstigen Quellen kein Anhalt 
zu finden ist. — •) Vgl. dazu den Bericht H. Gresbeck's S. 16 f. und 
C. Heresbach's a.a.O. 

*) Im Folgenden wiederholt Eerss. zum Teil die schon oben S. 494 
gegebene Schilderung von dem Gebahren der Frauen. Vergl. dazu auch 
Joh. Fabricins Bolandus: Motus Monast Bl. G8^ Bei Bothmann: 
Bestitntion a. a. 0. S. 109 heifst es über das Verhalten der wiedert&ufe- 
xischen Masse gleich nach dem getroffenen Üebereinkommen vom 11. Febr.: 

8* 



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500 Anno 1534 acta. 

dam, Maenadnm, Mimallonidnni, Aedonidnm Tryateridnmqne in 
ipsis Bacchi sacrificiis insania ab ethnicis effingi, quam hamm 
feminamm. Nihil est aspectu terribilius, nihil sordidins, nihil 
stnltius nihüqne ridicnlum magis. Ita sunt dementatae, ita lym- 
phatae, ita phrenesi concitatae, ut ipsas poeticas fnrias prope- 
modum exuperent. Quaedam enim passis capillis, quaedam so- 
lutis et laxis vestibus, quaedam fluentibus peplis per forum satis 
inverecunde cursitant, quaedam saltibus insanis quasi volaturae 
et iuvante furore sese eflferunt; quaedam supina facie in terram 
corruunt brachiisque explicatis crucis formam exprimunt ; quae- 
dam resupino vultu coelum intuentur manibusque extensis Pa- 
trem invocant; quaedam stantes palmas complicatas crebris plau- 
sibus ad sydera toUunt; quaedam iacentes in moUi luto sese 
voiutant, quaedam in genua provolutae vociferantur, quaedam 
scintillantibus oculis fremunt, quaedam plenis labris spumant, 
quaedam concussis capitibus dentibus frementibus minas, quae- 
dam pectora plangentes luctum prae se ferunt; quaedam lachri- 
mantur, quaedam rident. At nos illarum insaniam et furorem 
non tam risimus, quam luximus. üt autem diversis corporum 
motibus, ita quoque diversis clamoribus sese fatigant. Onmes 
quidem Patrem, sed nuUa Filium invocat; hae exitium nobis 
*p. 437. precantur a Patre, iUae vero salutem, *hae nobis cladem, illae 
autem elementiam et misericordiam, hae caecitatem, illae illu- 
strationem nobis Optant, ut foederis signo notemur et sub eodem 
duce militemus. Hae Patrem cum multis angelorum millibus 
se videre et virgam apprehensam in impiorum perniciem quas- 
sare, illae Patrem eoelitus descendere causamque suam iudica- 
turum clamant. Hae Patrem invocant, ut se sanctamque suam 
civitatera, novam scilicet Hyerosolymara, clementer tueatur; illae 
sanguinem pluere falso somniant et pepla sanguineis guttis nobis 
conspersa* ostentant diras increpationes adiungentes. „Vos,*' 



„Do Christon sprunfron von fröudcn, wo se alltiid godacn hadden; er an- 
gcsichto worden vorstalt in golt varve, eck de stone up den marckte. Eth 
prophotcrde allcnt, wat dar was, ock de kinder van scven jaren. Wy achten, 
dat grottor froude up erden kortes nicht gescliein en sy. De godtlosen 
spreken, se rasen, se sint vull wins." 

^) Ueber den Blutregen vergl. auch die Bekenntnisse Jakob's von 
Osnabrück bei J. Niesert: ü.-S. I. S. 165 und Joh. Fabricius Bo- 



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Anno 1534 acta. 501 

inqmnnt, „ünpii, cnr in impietate vestra dintius sordescitis? 
Nnnc tempns est poenitentiae ! Securis arborum radicibns ad- 
mota est. Sesipisclte, resipiscite! Nondum Patrem yobis in- 
fensnm excidimnqne et intemecionem extremam minari agno- 
scitis?" Se qnoqne videre affinnant ingentem caerulei et sub- 
nigri coloris ignem* coelitns delabi totamque nrbem operire 
tamqne spissum esse, nt yisnm non transmittat; per ipsnm tarnen 
solem tanta claritate snos radios transmittere, nt omniom ho- 
minnm ora in foro stantinm deanrata esse existimarentnr, et 
snpra ignem virnm albo eqno insidentem gladinmqne in inter- 
itnm impiomm, impoenitentinm et verbnm Dei aspernantinm 
quatientem *. Sed hornm omninm nemo nostmm qnicqnam vidit. 
Adeo diabolns eomm ocnlos praestrinxit et fascinavit, nt se vi- 
dere arbitrarentnr, qnae non videmnt, andire, qnae non audie- 
mnt, et intelligere, qnae non intellexemnt. Domns est inxta 
fomm, qnae deanratnm gallnm ventomm indicem in snmmo 
cnlmine ferebat. Hie modico flatn interdnm conversns solis ra- 
dios exceptos tanto fnlgore in ocnlos spectantinm reverberavlt 



landus: Motns Monast Bl. 68n. Hl. — P. Flateanus erz&hlt Bl. G5: 
„Testes quoque consucrant lineas sanguineisque gladiis pinxerant; iis in 
concionem tanquam coelo demissis prodituri fuerant pseudoproplietae ad 
terrorem mentiendamque plebi. Id quoque re prolata a fcmina, quae cum 
ceteris vestes confecerat, discussnm est.^ 

^) Dieses und das Folgende fast wörtlich aus dem Bekenntnisse 
JakoVs von Osnabrück (a.a.O. S. 155 f.), wo hinzugefugt ist: „und solichs 
ist zwei mall gescheen.** Von feurigen Wolken „um und över de stad, dat 
de Christen up den marckte gemeindet hedden, de domhüscr unde umher 
de hüser in der stadt hedden gebrandt'' spricht auch Bothmann: Resti- 
tution a.a.O. S. 109. Yergl. dazu Joh. Fabricius Bolandus a.a.O. 
Bl. H7^. Von der Auslegung des Feuers als eines solchen, in dem die 
Gegner der Wiedertäufer umkommen sollten, berichtet J. Eloprifs (Ge- 
ständnis bei J. Niesert a. a. 0. S. 129) und H. Gresbeck S. 16 f. 

*) Bothmann führt in der „Bestitution^ a. a. 0. S. 108 noch andere 
Gesichte an: „Eth worth gesehen ein man mit einer gülden krönen, de 
hadde ein swerdt in der rechten handt und ein roide in der anderen. Noch 
worth gesehen ejns maus beide in der lucht, dat hadde beide bände vul 
blödes, dat eth daruth dröp. Ttem noch worth ein wyt perdt in der lucht 
gesehen, dar sick thom latesten ein ruyter up sadt^ Von allen den Wun- 
derzeichen hat das „Tagebuch'' Nichts. Eerss. hat einzelne derselben bereits 
in das 9. Kapitel seiner Einleitung aufgenommen. Ygl. Bd. 1 S. 123 f. 



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502 Anno 1534 acta. 

aciemque ocnlomm ita hebetavit et praestrimdt, ut pepla Can- 
dida sanguineis macnlis conspersa putarentor. Hnnc etiam de- 
anrati galli splendorem eximinm subita repercussione radiomm 
Solarium factum intuentes coeli portas aperiri existimant Proinde 
ad repentinam hanc radiorum coruscationem continuo simul 
omnes pari impetu insultant^ horrendisque clamoribus coelum 
implent pariterque complicatis manibus et in altum extensis sine 

♦p. 438. intermissione vociferan*tur: „0 Pater, o Pater, o Eex inclyte 
Syonis, parce tuo populo!" Atque hie femineus clamor et in- 
condita vociferatio ita paulatim augetur, ita intenditur, ita mul- 
tiplicatur, ut mille porcorum simul gnmnientium voces te audire 
putes. Tandem quidam civium fasciuum et illusionem istam 
sentiens gallum deauratum tormento deturbavit et deiecit; inde 
omnis motus subito quievit et feminae pudore confusae sese 
subducunt. 

Inde Tylbechius consul cum tota famiUa a Eothmanno 
retingitur K 

Canina hac pace interpositis vadibus facta et femineo hoc 
terribili motu plerique boni et opulentiores cives territi ac con- 
stemati urbe excedunt. Goncordiam enim initam non fore diu- 

12. Febr. turnam animadvertunt. Supellectilia quoque 12. Pebruarii * 



^) Eine ähnliche Erzählung von der Anbetung eines in der Sonne 
leuchtenden Wetterhahnes, weil man meinte, „der Vader sette up dem huis," 
findet sich bei H. Gresbeck S. 2öf. Auch er verlegt das Ereignis in die 
Zeit „ehr dat belech von Monster is gekhomen/ VgL auch D. Lilie S. 222. 

') „Yort da na'' (nämlich nach dem friedlichen Abkommen) „de erste 
nacht leiten sich voelle mannen und frouwen und zunderlinx de borgemester 
Tielbecke mit aUe sinen huisgesinde doepen^ schreibt auch Evert v. d. Recke 
an den Herzog von Qeve (M. G.-Q. 11, 220). Tilbeck selbst steUt freilich 
in einem gleich weiter unten von Eerss. angeführten Brief an den Bischof 
in Abrede, dafs er getauft worden sei. 

") Das „Tagebuch' S. 105 läfst die Massenflncht der Gegner der 
Wiedertäufer ausdrücklich bereits am 11. Febr. beginnen, bevor noch die 
friedliche üebereinkunft getroffen war. Es hätte sich, führt es an, das 
Gerücht verbreitet, „wu dat de rait myt olderluden und mesterluden ge- 
sloeten und ock derwegen to raide weren, we slck nicht wolde laten doepen, 
de solde tor stunt den aventh de Stadt rumen, oft men solde en doitslaen. 
Des fruchten halven ys densolven dach velle volcks uth der stadt gewe- 
cken . . .' j,ünd als nu de raidt angemercket,' fährt das „Tagebuch' fort, 



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Anno 1534 acta. 503 

plenis plaustris praeter annonam et arma evehunt. Nam cnm 
obsidionem sibi metnerent, arctissima ea custodia intra moenia 
coercent adeo, nt ne similaginenm qnidem panem efferri pati- 
antur*. Cum enim Hercules Hervordianus, mens contuberaalis 
et in re literaria commilito, frequentibus Ms civium motibus 
detemtus abituriret, maxime cum in superiori motu quidam 
literarum Studiosus per tempora capitis telo transactus occu- 
buerit nee ad parentes redierit^, sibi proinde metuens ad suos 
redire festinat. Et cum sarcinulae librorum suorum duos exigui 
ponderis panes triticeos addidisset, quibus famem, si forte in 
itinere opus esset, sedaret, progredimur ad portam Horsthanam. 
Ibi continuo custodes armati nos apprehendunt et scrutantur, re- 
pertis autem panibus ab egressu nos arcent, donec eos in urbem 
retulerimus. At nos in conspectu frementium custodum ventri- 
bus nostris eos committere maluimus. Ubi vero panes absump- 
sissemus, rogamus, liceatne nunc egredi. „Itote," inquiunt, „vos 
verberones in malam crucem nunquam redituri!" Ego cum 
commilitonem in viam deduxissem, per portam Mauritianam in 
urbem revertor; per eandem enim, qua exivimus, redire non 
putabam mihi utile fore. Non tamen tam fuerunt custodes por- 
tarum oculati, quin a feminis sub pelliceis vestibus supra lineas 



»dat malck so seeren uth toich, hebben se eynen rccefs geslotten ..." — 
Auch nach Bothmann: Restitution a. a. 0. S. 109 beginnt die Auswan- 
derang am 11. Februar und dauert fort bis zum '21, Febr. — H. Dorp 
BL Ü 3^ setzt die Zeit unbestimmt „umb die Fastnacht** an und bringt die 
Flucht der „Reichen*' in Zusammenhang mit dem grofsen Zuzug aus den 
benachbarten Orten nach Münster hin. 

^) So auch das „Tagebuch*' a. a. 0.: „. . . men hefft eynen jderen 
dat syne volgen lathen, uth gescheiden wat sick an privande droech moste 
men in der stadt laten, und solix hefft men den borgeren gegunt befs to 
dem sondage Invocayit** (22. Febr.). — TJebereinstimmend schreibt auch 
P. Plateanus a. a. 0. Bl. C !▼: „. .. plurimi ciyium sponte exulatum 
abierunt. His primum res suas exportare permissum, nisi si quid escu- 
lentum aut poculentum esset. Horum enim adeo nihQ efferri sunt passi, 
nt mnlieribus quibusdam, quae agmen infantium partim ferebant in ulnis, 
partim ad manus trahebant, vascula cervisiae plena . . . adimerent ipsorum- 
que e manibus infantium panes triticeos . . . raperent** 

*) „Auch schössen sie,** berichtet H. Dorp Bl. D2^, „einen jungen 
▼on Borgstenforde auff dem Speicher hofe zu tode.** 



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504 Anno 1534 acta. 

subuculas snillarum caminm succidias» contectas efferentibus 
•p. 439.fallerentur. *Hanc tarnen frandem Snndermannus pellio, cmn 
nna earum supra modnm intumesceret, indecenti contactu pri- 
mus deprehendit. Hinc diverbii loco satis inhoneste et scurri- 
liter feminas lardnm snpra cnnnos gestare per totam nibem 
fama sparsit; unde circumspectiores redditi omnia supellectilia 
sive in arcnlis sive vasis conclusa, nisi a dominis subito expli- 
centur, intra ipsas portas vi excutinnt, lectos funibns constrictos 
evolvunt gladüsqne scrutantur. Haec omnia non legitimi magi- 
stratüs, sed prophetarum Eothmanni, Knipperdollingi et Kibben- 
brochii auctoritate peraguntur, ex qnibus, qnanta religione sn- 
perioris concordiae foedera a retinctis conserventnr, videre licet. 
Lantgravins cnm inter episcopum et nrbem iterum contro- 
versiam exortam esse acciperet, legatos suos ad principem no- 
strum mittit, qui eam quoqne, nt snperiorem, interciperent in- 
terceptamque componerent ^. Quibus princeps respondet, cmn 

o) Msr. succidnas. 



^) Von einer Gesandtschaft des Landgrafen an den Bischof zur Frio- 
densYcrmittlung um diese Zeit fehlt in den Akten jede Spur. Sie ist auch 
nicht wahrscheinlich. Die letzte hessische Gesandtschaft an den Bischof^ 
Yon der wir wissen, war die des Alexander v. d. Thann im Octoher 1033 
(vgl. oben S. 435 Anm. 2). Es folgte dann der auch yon Eerss. (s. oben 
S. 454 ff.) mitgeteilte Briefwechsel des Bischofs und des Landgrafen im 
November über die Absendung der hessischen Prediger nach Münster. 
Weiter haben wir ein Beglaubigungsschreiben des Bischofs vom 2. Dez. 
für Johann v. Buercn als Gesandten nach Kassel. Die Antwort auf dessen 
Werbung liegt uns in dem Briefe des Landgrafen vom 24. Dezember vor 
(abgedr. bei C. A. Cornelius: M. A. IL S. 375 ff.), in dem derselbe dem 
Bischöfe Rat und Hülfe verspricht, im Falle die Münsterer ihren Landes- 
hcrm in weltlichen Dingen beschweren und im Ungehorsam verharren 
würden. Aber er fügt hinzu: „So aber e. 1. sie der religion halben an- 
greiffen wolt, kont ich e. 1. nit helffen." Am Schlufs des Briefes heifst es: 
„Dameben ist auch mein freuntlich bit, e. 1. wolle dissen fastelawent (15.— 17. 
Febr. 1534) bei mir zu Cassel konmien; wil ich mich mit e. 1. allerlei e. L 
und mich betreffen underreden. Und e. 1. wolle ye nit ufsen bleiben . . .* 
Nachdem der Bischof dann bereits am 21. Jan. 1534 dem Landgrafen das 
üeberhandnehmen der Wiedertäufer in Münster angezeigt und um Bat und 
Beistand gebeten hatte (s. M. G.-Q. II, 217 f.), lehnt er zunächst am 5., 
dann am 13. Febr. die geplante Zusammenkunft in Kassel ab. Am 26. Febr. 



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Anno 1534 acta. 505 

Monasterienses solennia pacis foedera sibi snisqne non ita com- 
moda per Läntgravinm icta temere excasserint, nnlla alia pacta 
ipsos in posterum seryatnros. 

Eberwinus Droste^ cum Joanne filio suo nee non Her- 
mannus Schenckinck, iudex urbis, 12. Februarii principi pro la. Fei»r. 
vero referunt Hermannnm Tylbecliium, consulem, cum tota sna 
familia rebaptizatnm esse, atqne maiorem civium partem in ean- 
dem haeresin certatim incidisse, innocentes vero salutis suae 
discrimina effugientes cum coniugibus liberisque suis urbe ex- 
cessisse et passim in oppidis pagisque vel inter sanguine sibi 
iunctos vel ignotos magno cum rerum suarum dispendio consi- 
dere miseramque vitam agere; ipsos enim vel mortem oppetere 
vel extremam paupertatem perpeti malle, quam anabaptismo se 
contaminare et aetemae salutis naufragium facere. Se igitur 
pro illis in communi hac calamitate consilium, consolationem, 
praesidium auxiliumque a principe suppliciter implorare, ne diu- 
tumum sit hoc exiliuin, sed priori libertati clementer restitu- 
antur. Ad quae princeps: Sibi istam civium calamitatem et 
anabaptistarum contumaciam ex animo displicere et nunc pri- 
mum se intelligere, cur consules se sequestrem non admiserint, 
cur suam opem et consilium oblatum excusserint, *cur portis*p. 440. 
fere propinquum se excluserint concordiamque simulatam et dis- 
cordem conciliaverint; se autem extremis suis viribus per gra- 
tiam Dei effecturum, ut boni cives se sibi curae esse intelligant 
et experiantur. Ne autem princeps sine consiUo cleri primarii 



meldet er, dafs er sich „mit der eyll ... in rustunge und kegenwher** habe 
stellen müssen; dennoch hoffe er am 10. März in Arolsen den Landgrafen 
zu treffen. Doch schon am 1. März berichtet er wieder, dafs er nicht 
kommen könne, da die Wiedertäufer in Münster Zuzug erwarteten, den er 
verhindern möchte. Nochmals meldet er sich am 5. März zu einer persön- 
lichen Zusammenkunft mit dem Landgrafen auf den 11. März in Böke im 
Paderbom'schen an. (Sämtliche Akt^n im Original im St.-A. Marburg.) 
Die Zusanmienkunft fand Statt (vgl. das Hülfsgesuch des Bischofs hei Köln 
[St-A. M. M. L. A. 518/19 III. fol. 253]), und weiter ist noch im März 
eine hessische Gesandtschaft an den Bischof nachweisbar. Der Gesandte 
Johann Nordeck kehrt am 21. März nach Kassel zurück und berichtet be- 
sonders über das Schicksal Joh. v. d. Wieck's (s. weiter unten). 
^) Das Folgende ist nur von Eerss. überliefert. 



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506 Anno 1534 acta. 

in publica hac causa et miseranda remm facie quicquam aggre- 
diatur, proinde haec omnia siM serio deliberanda per literas 
proponit, nt secnm, quid in hac re opus sit facto, Consultant. 
Eodemque die dioecesis praefectis satrapisque omnibus per scripta 
edicit \ ut eos, qui anabaptisma aversati Monasterio excesserunt 
atque in pagis oppidisque passim per dioecesin fusi sese conti- 
neant, tueantur ac defendant tutumque ipsis commeatum suo 
nomine largiantur, sed anabaptistas comprehendant carceribus- 
que constringant meritisque suppliciis et poenis subiiciant. 

Eodem die virgines quaedam nobües, sed vestales coenobii 
Aegidiani nee non Transfluviani pMlosophicae ac monasticae 
vitae pertaesae habitum votumque sui ordinis excutientes * con- 
iugii capistrum subolis praetextu affectare videbantur non in- 
telligentes, quantis molestiis, miseriis et calamitatibus ea vita 
infestetur. Parentes autem earum arcuatis curribus more no- 
bilium huc advecti ad se eas blandis verbis revocare et ab hac 
impia vivendi ratione subducere moliuntur. Ularum vero quae- 
dam „Eedite," inquiunt, „domum neque nostri causa solliciti 
estote. Vos non estis parentes nostri, qui neglecto parentum 
officio in hunc locum mortis nos coniecistis, qui nos perpetuis 
flammis urendas tradidistis. Nos vitam honestam nobis et Deo 
acceptam eligimus. Eedite ita cum bona pace domum*!" Quae- 
dam etiam avehendae a parentum curribus a quibusdam sub- 
omatis retinctis vi rapiuntur, quibus vim gratam fuisse ferunt 
Quaedam pudicitia adhuc integra parentum fletibus conmiotae 
salutaribus admonitionibus acquiescunt ideoque anabaptisticae, 
hoc est monstrosae libidini subtrahuntur. Multae quoque alio- 
rum coenobiorum virgines hac grata occasione fruuntur*. 

&) Ms.: in hac grata occasione fruuntur. 



*) Nicht mehr nachweisbar. Ein Befehl des Bischofs an die Amt- 
leute, aUe der Wiedert&uferei Verdächtigen zu verhaften, war bereits am 
3. Febr. aus Wolbeck ergangen. Vgl. oben S. 487 Anm. 

*) Das ist zuerst, wie Eerss. selbst berichtete, bereits früher ge- 
schehen. Vgl. oben S. 472 ff., wo auch der Brief, in dem der Bischof am 
26. Januar der Aebtissin befiehlt, den Eltern und Verwandten der abtrün- 
nigen Jungfern Mitteilung von dem Geschehenen zu machen. 

') Vgl. dazu die Anmerk. zu dem Berichte, den Eerss. bald weiter 
unten über die Familie Johann's t. d. Recke giebt. 



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Anno 1534 acta. 507 

Interim Monasteilenses, ne ferientur, munitiones Schone- 
fletae, arcis nohiliiun canonicomm in ripa Amasis extractae 
atque a Melchiore de Boren cellario habitatae, 15. Pebruarii is. Febr. 
*noctnma impressione tentare decreverant omniaqne ad rem »p. 441.. 
conficiendam fortim apparantnr \ Qnae res cum ipsis proderetnr, 
adversus fatnram vim bombardis pulvereqne tormentario ab epi- 
scopo subito petitis sese firmawt*. Sed mutato forte consiüo 
aliaye causa intercedente expeditionem animo conceptam non 
suscipiunt. Profuerunt tarnen huic arci non parum beUorum 
minae ; ita enim tumultuario labore munitur, ut mediocrem im- 
pressionem sine magno incommodo sufferre possit. 

Hermannus TylbecMus et Caspar ludefeldus, consules, cum 
se furoris anabaptistici apud principem suspectos esse redditos 
sentirent, purgandi se causa haec ad principem 16. Pebruarii le. Febr. 
scribunt*: Sibi anabaptisma in urbe Monasteriensi coeptum 
aliosque mali exempli motus semper displicuisse seque adversus 
ea consiliis suis et ingenii viribus, quantum potuerint, pugnasse. 
Anabaptisma tamen contra suum mandatum, consensum et vo- 
luntatem primum irrepsisse, inde contra omnia huius anni con- 
silia et propositum, cum illud citra sanguinis effusionem repri- 
mere animus faerit, praevaluisse. Se proinde tanquam innoxios 
ab omnis flagitii suspicione purgatos esse principemque rogare, 
ne quicquam mali de se suspicaretur; se enim nullius motus et 
schismatis esse auctores, sed repressores potius; ac, si opus sit, 
se ad pleniorem excusationem admittat neque benevolum et pri- 
stinum benignitatis animum a se alienet, sed, quid sibi speran- 
dum sit, clementer respondeat. 

Schedula Tilbechii literis superioribus inclusa: „Quod vul- 
garis fama me cum tota familia retinctum esse spargit^ a veri- 
täte alienissimum est. übicunque autem princeps velit, me 
coram Deo, toto mundo atque Omnibus hominibus ab isto cri- 
mine purgabo. Ne ergo animum priorem a me deflectas, precor." 

•) 3fo.; firmat. 



*) Der beabsichtigte üeberfall ist nur von Kerss. überliefert. 
*) Nicht mehr nachweislich. — ■) Vgl. oben S. 502. 



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508 Anno 1534 acta. 

17. Febr. Ad haec princeps 17. Petrnarii*: „Vestram excusationem, 

Yos neque anabaptismi, qni niinc in nrbe inyalnit, neqne nUins 
mali exempli motns auctores fnisse, accepimns et intelleximas, 
nnde non minimum animi dolorem accepimus. Nee dnbitamus, 

*p. 442. si ab initio seditiosos repressissetis * neque ipsis nimium indul- 
sissetis, tardiores illos ad haec designanda fiiisse neqne nos neqne 
vos ipsos tantis niolestiis involveretis. Sed utut slt, scripta 
vestra et pnrgationem vestram penitins ad animum revocabimus 
mentemqne nostram suo tempore latins declarabimns.^ 

so. Febr. Ad haec consnles 20. Febmarii *: Cum se de anabaptismo 

et aliis mali exempli motibus in urbe Monasteriensi conceptis 
et concitatis superioribus scriptis apud principem excusaverint> 
sperasse se benignum responsum consecuturos fuisse, cum ve- 
rissimum sit se bis semper restitisse multisque laboribus et vi- 
giliis contendisse, ne scelerata ista factio in Monasteriensem rem- 
publicam irreperet, sed se in hunc usque diem operam illam 
fmstra insumpsisse. Si igitur praeter meritum innoxiis nulli- 
usque criminis consciis pericula sibi sint metuenda, se rogare, 
ut liberam securitatem per omnes principis regiones conuneandi 
consequantup, ne forte a satrapis praefectisque impetantur et 
obruantur. Quid autem horum facturus sit, benigne respondeat. 
Dum haec aguntur, Eothmannus, ne feriaretur, prophe- 
tarum monitu et Enipperdollingi impulsu ad suae factionis ho- 
mines, qui passim in civitatibus propinquis, Osnaburgae, Zuzati, 
Hammonae, Wesaliae, Coesfeldiae, Warendorpiae, Alenae, Dul- 
maniae, Schopingae atque aliis locis metu supplicii latitaverant, 
quos ipse non aliter atque dux aliquis militiae suae inauctoratos 
milites noverat, scribit^: A Deo Patre prophetas duos ad se 
Mouasterium missos, qui insigni pietate et vitae sanctimonia 



') Nicht mehr nachweislich. — ') Nicht mehr nachweislich. 

^) Kerss. verbindet hier den Bericht H. Dorp's Bl. D 3 mit dem 
des Lambert Hortensius: Tumult, anabapt. (Ausgabe von Amsterdam 
1636 S. 16). S. die Einleitung. — Von den Schreiben selbst, deren Inhalt 
Kerss. mehr mit Anlehnung an L. Hortensius als an H. Dorp wiedergiebt, 
scheint keines erhalten zu sein. Unter den beschickten Städten werden 
Ahlen und Schöppingen nur von Kerss. genannt. — Um dieselbe Zeit, Mitte 
Februar, fand die Aussendung Jakob^s von Osnabrück in die Jülichschen 
Lande statt. QueUen und Literatur darüber s. oben S. 448 Anm. 



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Anno 1534 acta. 509 

sint fllnstres yerbnmqne Dei pnre et sine nlla hnmanae fecis 
admixtione incredibili quadam facnndia atque snavitate doceant. 
Si proinde salnti suae consulere velint, cum uxoribus liberis- 
que relictis opibus terrenis ad se veniant, novam suam Hyero- 
solimam et Syona *templnnique Salomonis verum ac aeterni Dei^p. 443^ 
CTÜtum explosa omni idolomania in eo secnm instanrent. Ipsos 
praeter coelestem thesaurmn satis opnm habitnros. Haec ubi 
fama urbes et pagos passim pervagaretnr, tanta nndiqne homi- 
num copia novitate nominis et rerum inflammata accurrit, ut 
egressomm civium iacturam non solum pensaret, sed et superaret. 
Hnc igitur viri cum uxoribus liberisque, huc viduae, huc 
virgines, huc mulieres relictis domi maritis suis, huc mariti 
absque coniugibus advolant; huc nobiles atque ignobiles com- 
meant, huc milites et pagani coeunt, huc ex Hollandia et Frisia, 
ex Brabantia circumfusisque provinciis, oppidis pagisque quam 
plurimis confluunt. Huc Henricus Krechtingus, Schopingensis 
gogravius, cum uxore liberisque contendit' magnam istius op- 
pidi multitudinem civium secum adducens. Qui cum aliquot 
plaustris bene onustis in itinere, cum unum abesset miliare ab 
urbe, prope tabernam meritoriam a saliceto denominatam a Jo- 
anne Sendano, Nortwoldiensi gogravio, 14. Februarii interceptus u. Febr. 
temeritatis suae dedisset poenas, nisi fllius suus in ipsa impres- 
sione capientium manus elapsus centum retinctos in praesidium 
ex urbe subito accersivisset patremque carceris custodibus gra- 



*) Diese Nachrichten über Heinrich Krcchting bietet nur Kerss. 
Uebrigens war Heinrich Krechting schon in Schöppingcn mit Johann v. 
Leiden persönlich bekannt geworden. Johann sagt aus, „. . . wie er dan 
ock to Schoppingen in der nacht gedrungen, so Henrich Krechtingen magt 
kranck gewesen, de solde he dopen, und solde gesunt werden** (M. G.-Q, 
II, 417 f.). — Heinrich Krechting wurde später Kanzler des Königs. Sein 
Bruder Bernhard giebt im Verhöre vom 25. Juli 1535 an (M. G.-Q. 11, 381), 
er sei, seiner Meinung nach, entkommen. So sagt auch H. Gresbeck 
S. 36: „Derselve cantzler hadde dat leven beholden." Am 7. Mai 1536 
werden vom Bischof Franz den nachgelassenen Kindern Heinrich's die kon- 
fiszierten Güter u. 8. w. ihres Vaters aus Gnaden wieder überlassen, mit 
Ausnahme des Wohnhauses in Schoppingen und dessen, was vom Bischöfe 
aus dem Nachlasse bereits an Andere vergeben worden war (Urkunde bei 
J. Niesert: U.-S. I. S. 231 ff.). — lieber das weitere Schicksal Heinrich 
Krechting's s. S. 512 ff. Anm. 



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510 Anno 1534 acta. 

viter ea nocte vulneratis ipsoque Joanne Sendano faga sibi con- 
STilente e vinculis eripuisset. Hie cum in nrbem venisset, no- 
stras aedes praecipno foco commodioribusqne cnbicnlis raptis 
sibi facit plus quam communes. Huc Hermannus Begewart, 
17. Febr. pastor Waroudorpiensis, 17. Februarii multos secum adducit*; 
huc dominus Bernardus Krechtingus *, Gilthusianorum parochus, 
magna cum paroecianorum copia, huc Petrus Sweringus Coes- 
feldianus* cum uxore, pecuniis (fuit enim dives) et eiusdem 
oppidi civibus non paucis, huc Weraerus Scheiffort nobiKs*, 



*) lieber seine bisherige Wirksamkeit in Warendorf vgl. oben S. 397 ff. 
Als Tag seiner Ankunft in Münster erwähnt er selbst in seinem Geständ- 
nisse (J. Niesert: U.-S. I. S. 26) den 17. Febr. 1534. Er giebt weiter 
an, „dat Hynricus Maren eyn halff jar bynnen Warendorp uth begerten 
des raedts gewest, dar sulvest umtrent dertich gedopt, darna 
schrifft gekregen, dat he myt sampt den gedopten bjnnen 
Munster komen solde." Auf ernstliches Ansprechen dieser Getauften 
hin sei er, Regewart, dann auch nach Münster gezogen. 

*) Bernhard Krechting, Heinrich's Bruder, war vielmehr schon im 
Jahre 1533 in Münster. In seinem Bekenntnisse vom 25. Juli 1535 (M. 
G.-Q. n, 379 f.) sagt er aus, er sei Hausgeistlicher beim Grafen von Bent- 
heim gewesen, habe dann in der Grafschaft ein Pfarramt (zu Gildehaus) 
erlangt, das er aber habe aufgeben müssen, „so sine predicait roincm g. h. 
van Gelre niet en gefeil.** Vor der Verfolgung habe er zu Münster Sicher- 
heit gesucht und sich da „einfoldigh und nae dem wort Gaetz holden wellen 
und also III verdel iairs dair binnen gegangen und sich geins predichens 
wellen onderwinden. Dairna is ein disputation des wederdoeps 
halven aldair enstanden** (Aug. 1533), ^^und asdoe is hj voir einen 
predicant verordent, dat hy doe annemen und niet weigeren moeste." 

') Vergl. über ihn das oben S. 470 Anm. angeführte Bekenntnis 
des Coesfelder Bürgers Lubbert Wydouw vom 14. Februar. 

*) Auch hier ist Eerss. chronologisch ungenau. Werner Scheiffert 
von Merode nämlich ist nach einem Briefe der Clevischen Eriegsräte vom 
16. Mai 1534 an den Herzog Johann (M. G.-Q. II, 233 f.) erst an Christi 
Himmelfahrt (14. Mai) „in die stat Munster gelauffen und hat zwei perde 
tmd darzu sin kleider, die in guter achtung, hinder sich gelassen.** „Es 
hat,** fügt der Brief dann hinzu, „des iederman, der ine gekant, ein grofs 
verwunderen.** Scheiffert ist am 5. Dez. 1534 wieder aus Münster ent- 
flohen, wurde aber gefangen genommen. Sein Bekenntnis vom 11. Dez., 
das Eerss. weiter unten benutzt, erwähnt Zeit und Art seines üeberlaofs 
nach Münster nicht. Ueber ihn vgl. auch J. Habets: De Wedcrdoopeis 
te Maastricht (Roermond 1877) S. 228 ff. 



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Anno 1534 acta. 511 

huc loanms*^ de Becke Dremstenfurdici nxor deserto marito adest 
neque satis sibi esse pntavit dnas filias suas, Transfinviani coe- 
nobii vestales, hac impietate imbni, nisi et tertiam natu mini- 
mam, quanquam Conrado de "^Doerloe desponsatam, imo seipsam*p. 444. 
perdendam adduceret^ 

Circa haec eadem tempora Joannes Matthisson propheta 
in omnem effasas libidinem retinctos utriusque sexns in aedes 
Knipperdollingi satis amplas noctumo tempore clam convocat^. 

») Ma.: Joannes. 



') Die übrigen Quellen sprechen nur von einer Tochter Johann's 
V. d. Becke, die Nonne im üeherwasserkloster gewesen sei. Am ausführ- 
lichsten berichtet P. Plateanus a. a. 0. Bl. C4^ u. C5: „Erat autem 
inter eas quaedam Dorothea nomine, nobili et vetere familia orta. Ad hanc 
domnm reducendam pater lohan von der Beck, cum eas turbas audisset, 
uxorem misit et alteram filiam virginem. Quibus etiam ipsis mens a pseudo- 
prophetis excantata est, et rebaptizatae manserunt Monasterii. Senex tan- 
dem frustra diu expectatas sequitur multisque precibus et blandimentis 
coDoquio earum vix impetrato ita infit nxor: „lohan von der Beck, si bapti- 
zari vis, ad nos accede; sin aliter es animatus, tu mens maritus non es.^ 
Et filiae „Nee noster,*" inquiunt, „es pater.^ Itaque infelix a suis spretus 
et reiectus animo confusus multumque lachrymans solus domum rediit** — 
üeber die Taufe gesteht Knipperdolling am 21. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 
409): „Die van der Becke was irstlich in Botmans huifs, und dar wart ir 
und iren doechtem das wort vurgehalten. Die eine dochter fiel irst uf ire 
knee und entfingh die dof, dar nach die ander, und zum lesten die moder. 
Enipperdollinck nam sie darnach VIII oder IX dage in sin huifs.** — Nach 
D. Lilie S. 224 ist die Mutter „mit eren dochter en in Munster ge- 
komen und wolde erhe dochter, de se to Overwater im cloister hadde, heime- 
soken; dan se is binnen Munster mit den dochteren gebleven unde leten 
sick tosamende dopen . . .^ — Am 3. Juli 1535 stellten Johann v. d. Becke 
zu Steinfurt der Aeltere, Johann v. d. Becke der Jüngere, Gert v. d. Becke 
und Dietrich v. Galen dem Bischöfe einen Bevers aus, worin sie sich mit 
6000 Gulden für die begnadigte Mutter und die begnadigten Schwestern 
Dorothea, Anna und Margaretha v. d. Becke verbürgten (Konzept im St.-A. 
M.). Doch fiel Anna v. d. Becke schon sehr bald wieder dem Anabaptismus 
zu (vgl. L. Keller in der „Westdeutschen Ztschr.** Jahrg. 1 [Trier 1882] 
S. 457). — üeber die Hinneigung Johann's v. d. Becke zum evangelischen 
Glauben s. Herrn. Hamelmann S. 1309 f. Vgl. auch C. u. 0. v. d. Becke: 
Gesch. der Herren v. d. Becke (Breslau 1878) S. 160 ff. 

*) In keiner Quelle, selbst nicht in den Schriften der heftigsten 
Geg:ner der Wiedert&ofer, findet sich für die im Folgenden von Kerss. er- 



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512 Anno 1534 acta. 

Qao cum convenissent, ibi propheta stans snb aeneis candelabris 
in media domo a trabe dependentibus, qnibus tres cerei ardentes 
superimpositi fuerunt, circumfusam in orbem mnltitudinem docet 
et mnltorum circnmstantium tectos ignes prophetico sno spiritu 
emscitat et inardescere fecit. Inde cap. 1. Geneseos subinngit. 
übi vero haec verba recitasset: „Crescite et multiplicamini et 
replete terram^," cereos ardentes extinguit. Qnae tunc pernoctem 
istam flagitia promiscne sine verecnndia et pndore sint com- 
missa, propheta in sinu pnellae satis inverecunde depreliensns 
declaravit. Hanc rem ignenm baptisma appellabant. Neque haec 
falsa esse credideris. Nam cum ignei baptismatis passim per 
nrbem fieret mentio nee tarnen quisquam, quid esset, intelli- 
geret, mulier quaedam a Weslingo, hospite meo, unius siliginis 
precio illud explorandi causa conducta est. Quae cognito re- 
tinctorum symbolo pylorum fefellit et clam se in istas aedes 
ingessit omniaque vidit nobisque narravit. 

Joannes Wyckius, syndicus urbis, quem plerique multorum 
motuum et urbanae potissimum rebellionis adversus principem 
et clerum auctorem esse affirmabant, proceres ac opulentiores 
eicessisse, homines vero leves et inutiles successisse ipsis con- 
spiciens de hac republica actum esse animadvertit neque eam 
seditiosis consiliis perditam pristinae dignitati se restituere posse 
putavit. Ideo se quoque subduxit^. Verum cum omnibus a 



wähnte Feuertaufe des Jan Matthys irg^end ein Anhalt. Das Gerücht von 
solchen Zusammenkünften und dem Treiben dabei mag verbreitet gewesen 
sein, ebenso wie man von der Verabreichung von Zaubertränken durch 
Rothmann redete (s. oben S. 484). Schon C. A. Cornelius (M. G.-Q. 
Einl. S. 51) tadelte scharf die Leichtgläubigkeit und Kritiklosigkeit, mit 
der Kerss. hier auf die blofse Aussago einer gedungenen alten Frau hin 
den Inhalt des Gerüchtes als Wahrheit hinstellt. 

*) Genes. 1, 28. — *) Wann v. d. Wieck Münster verliefs, ist aus 
den Quellen nicht zu ersehen. Am 20. Februar aber wufste der Rat von 
Münster, dafs sein Syndikus gefangen von Bevergem nach Iburg geführt 
worden sei. Ueber die letzten Schicksale v. d. Wieck's sind nur kurze Nach- 
richten erhalten. Nach H. Dorp, der aber die Flucht falsch nach dem 
27. Febr. ansetzt, ist er ^erbermlich um sein leben bracht" worden (s. Bl. 
D4^; vgl. auch Bl. E 1). Ebenso kurz berichtet Dietrich von Hamb*urg 
Bl. A2 und A. Corvinus: Acta etc. Bl. A4:V. Ausführlicher sind Kerss. 
und Herrn. Hamelmann S. 1207 f. Doch kennen wir ihre Quellen nicht 



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Anno 1534 acta. 513 

principe circumqnaque per dioecesin praefectis, satrapis ac go- 
graviis diligens viarum observatio serio demandata esset, ne 
Wyckins elaberetur, captns itaque primura Bevergemam, iride 
Iburgnm, tandem Vastenovam deductus Eberardi Moringi, ibidem 
satrapae, fideli cnstodiae committitur. Senatus syndicura suum 
captum accipiens pro *eius liberatione apud principem sTippli-*p. 445, 
eibus scriptis 20. Februarii emissis instat, cum anäbaptismo, 20. Pebr. 



mehr, die sich einander ergänzen. Weiter haben wir in der Biographie 
V. d. Wieck's durch Th. v, Hase beachtenswerte Nachrichten („Bibliotheca 
Bremensis" Classis 2 fasc. 1 [Bremae 1718] S. 164 ff.), die auf die Erzäh- 
lung eines bei der Gefangennahme des Syndikus Beteiligten zurückgehen. 
Es ist der Bericht eines Bremer Bürgers Hermann Kreffting. Alle folgenden 
Notizen und den Text der Relation Kreffting's verdanke ich der Güte des 
Herrn Archivar Dr. W. v. Bippen in Bremen. Herm. Kreffting, geb. 1528, 
gest. IG07, war der Erste seines Geschlechtes, der sich in Bremen nieder- 
liefs, wo sein Sohn Heinrich, gest. KUl, als Bürgermeister und Staats- 
mann eine hochangesehene Stellung einnahm. Die Denkwürdigkeiten seiner 
Familie, die er etwa 1590 für seine Kinder aufzeichnete, beruhen durch- 
weg auf mündlichen Erzählungen seines Vaters Heinrich (nicht, wie Th. 
V. Hase sagt, Engelbert, denn dieser war der Grofsvater Hermann's), des 
Gografen von Sandwell. Zur Gografschaft Sandwell vgl. A. Tibus: Grün- 
dungsgosch. (Münster 1885) S. 808. — Das Manuscript Herm. Kreffting's 
ist im Original, wie es scheint, verloren, doch sind in Bremen zwei Ab- 
schriften aus dem Ende des vorigen oder Anfang dieses Jahrhunderts, die 
beide nach dem Original gemacht zu sein scheinen, oder nach einer von 
dem Enkel des Verfassers gefertigten Kopie des Originals. Die hierher- 
gehörige Stelle lautet: „Underdefs droog sick de fall to, dat de Bremer 
syndicus doctor Wyk genand dorch dat stifft Münster reisede; de quam in 
ener harberge mit den Münsterschen wigelbischopp to disputeren und quemen 
also hart an einander, dat doctor Wyk gefangen und up dat hus to Horst- 
mar gebracht wurd. Aldo brochte de wigelbischopp eine klage so hoch 
by dem bischopp und domcapittel an, dat se an mynen vader en mandat 
schickeden, dat he den doctor als einen ketter scheide laten verbrennen, 
worjogen he an den bischup was gereden und darjegen geprotestert, eck 
synen denst opgeseeht, worto he den orsake hadde, dat en generalmandat 
an alle amtlüdo was gesand, dat se alle, so Lutherischer lehre anhängig, 
golden gefenklich intehn und na dem hus Bevergeerden senden. Mittler- 
wyle letcn d^ dompapen den doctor Wyk den kopp by nachte affschlahen 
und wart in dem walle up dem huse Horsthmar begraven." — Th. v. Hase 
hält sich genau an diesen Bericht, irrt sich aber, wie in der Angabe des 
Namens des Gografen, so auch in der Bestimmung der Zeit, die er irr- 
tümlich in den November 1533 ansetzte. — Herrn. Hamelmann, der die 

9 



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514 Aimo 1534 acta. 

qui vires et incrementum (pro dolor) in civitate sumpserit, ad- 
dictus non fuerit K Princeps Wyckium non ut anabaptismo ad- 
dictum, sed ut seditiosum captum esse respondet*. Male enim 
principem habebat Wyckiiiin clero catholicisqne omnibus in- 
fensTim seditiosis suis consiliis senatum urbis contra se semper 
animasse. Tanto enim odio in clerum flagrabat, ut etiam falsa 
persuasione seductus adversus ipsum et episcopum multa con- 
suleret, quae tarnen in civium et senatus tandem perniciem 
praeter spem et opinionem suam redundabant. Ipse sua elo- 
quentia et iuris scientia confisus usitatis et veteribus abolitis 
inusitata et nova reduxit ac non solum in senatu, verum etiam 
in plebe aemulationem movit, partes fecit, factiones dissidiaque 
concitavit. Ipse suo exemplo docüit mercenariam illam iuris- 
prudentiam in curiam admissam nihil nisi conspirationes, sedi- 



Gefangennahme v. d. Wieck's in die Nähe des Schlosses Verden versetzt, 
berichtet auch von dem besonderen Anteil einiger Domherren an der Ver- 
urteilung und Tötung des Syndikus. Seinen Tod aber erlitt v. d. Wieck in 
Fürstenau. Vgl, weiter unten. — Der Gögraf Heinrich Kreflfting entfloh 
nach Münster, ward dort der Wiedertäuferei anhängig und entkam nach 
Ueberwältigung der Stadt zunächst nach Oldenburg und dann nach Goedens 
in Ostfriesland, wo er nach der Angabe des Ereffting'schen Stammbaumes 
1580 gestorben ist. Nach weiterer gütiger Mitteilung des Herrn W. v. 
Bippen identifizierte die Familien tradition Kreffting mit Krechting, wie 
sie auch den Namen des Geschlechtes von einem Schlofs Krechting bei 
Wesel ableitet. Schon Herr v. Bippen sprach die Vermutung aus, dafs 
Heinrich Krechting, der Münstersche Wiedertäufer, seinen Namen später 
in Kreffting abgewandelt habe. Die Vermutung wird unterstützt durch die 
Nachrichten, die L. Keller in der „Westdeutschen Zeitschrift" Jahrg. 1 
(Trier 1882) S. 433 fif. über die weiteren Schicksale Heinrich Krechting's 
veröffentlichte, der nach seinem Entkommen aus Münster sich zunächst nach 
Lingen wandte und sich dann im Oldenburgischen „zum Führer der 
ganzen münsterischen Richtung des Täufertums aufwarf und in den nord- 
westdeutschen Gegenden Jahre hindurch der Mittelpunkt der Parteibestre- 
bungen gewesen ist.*' 

') Orig. des Briefes im St-A. M. Abgedr. bei J. Niesert: Ü.-B. 
I^ 6. 236. Es heifst dort: „. . . dewyle dan desolve unse sindicus des han- 
deis der wedderdoepe, so sick lejder in unse stadt erhaven, to gyner tidt 
anhengich, dan steitz dar entegen gewest . .." Der Brief giebt auch Be- 
vergern und Iburg als Orte der Gefangenschaft v. d. Wieck's an. 

*) Irgend eine schriftliche Aeufserung des Bischofs über sein Vor- 
gehen gegen v. d. Wieck liegt nicht mehr vor. 



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Anno 1534 acta. 51ö 

tiones et inimicitias inter subditos parere. Hie docuit levem 
ob causam et de lana saepe caprina contendendiim esse, et opn- 
lentiam ex sudore et visceribus civinm parandam. Expedit ergo 
reipublicae nnllnm mercenarinm patronmn, qui servilem illam 
et mercenariam inrispradentiam exerceat eamque prostitnat et 
in quaestn habeat, in curiam admittendom esse. lUe enim in- 
satiabili avaritia excaecatns divina et hnmana pariter Incri gratia 
miscet, onmia indicia et leges in sua libidine habet, iustitiam 
polluit et malis exemplis etiam inter posteros evertit; ille in 
consilimn adhibitns non aliter lites, quam miles bellum suadet, 
nam lites pendere diu vindemia magna est Ita enim callidis 
verbomm anfractibus, ita versutis ambagibus vivos omnes ad 
suam molam deducit, ut ne lympha quidem alienis supersit. 
Hoc genus aucupum quidvis praeter quietem civibus precatur, 
civem adversus civem venali interdum lingua incitat, interdum 
scriptis suis omni calumniarum lascivia refertis irritat suisque 
persuasionibus vaferrimis in mutuam pemiciem armat, unde 
magnarum saepe calamitatum homines isti mercenarii in repu- 
blica sunt auctores. Chilo enim eam rempublicam *optimam*p. 446, 
esse pronunciavit, quae maxime leges, minime autem rhetores 
audiat^ Arcendi igitur sunt tales homines non solum a curia 
et consiliis, verum etiam a civitatibus et rebuspublicis. Nam 
quemadmodum ubi multi sunt medici, ibi multi morbi gras- 
santur, ita quoque ubi multi sunt iurisperiti lucri gratia sacro- 
sanctam iurisprudentiam turpiter prostituentes, ibi multas lites 
esse credibile est. 

Post dies aliquot cum Moringus temporis fallendi causa 
in alveolo cum captivo luderet, nuncius cum Uteris et cami- 
fice celeriter a principe missus «intervenit. Moringus lectis literis, 
unde doctorem decollandum esse intelligit, subito expalluit. Cum 
vero doctor, ecquid ita istis literis exterreatur, sciscitaretur, sa- 
trapa ingemuit neque verbum ullum proloqui potuit. Doctor 
instat causamque palloris ipse quoque perculsus sibique male 
metuens inquirit. Ibi Moringus: „Domine doctor," inquit, „de 
tua vita agitur; princeps misso spiculatore te protinus obtrun- 
candum esse iubet," simulque literas ipsi legendas exhibet. Qui- 



*) Plntarch: ConTivinm Septem sapientum. 151, F. 

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516 Anno 1534 acta. 

büs lectis protinns terrore attonitns et stnpefactns nnllnm mem- 
brorum movit. Inde nbi cor excnsso primo pavore iternm pal- 
pitare coepisset et membris pristina vis reddita faisset, in la- 
chrimas ernmpens gravibns snspiriis et qnerimoniis vitam, elo- 
quentiam et fastum sunm deploravit, culpavit et dauinavit ac, 
quanquam priocipem clernmqne oflfenderit, se tarnen non clam 
occidendum, sed pnblico iudicio sistendum et condemnandum 
esse proclamat. Quod enim senatum contra principem et clernm 
animaverit, qnod Sraalcaldicum foedus suscipiendum esse consu- 
Inerit aliaqne multa snaserit, evangelicam libertatem postulasse, 
qnam adversus satanicam cohortem cum vitae etiam discrimine 
propugnandam cum syndicatu susceperit. Moringus sermonem 
interrumpens, ne in se culpam necis transferat, precatur; se 
enim ad mandati episcopalis executionem iurisiurandi religione 
astringi, se principis scriptis obsequi oportere. Ad quae Wyckius: 
Satrapam Deo potius quam homini impia iubenti obtemperaturum; 
cogitet se rationem huius furtivae et calamitosae caedis cum 
^p. 447. suo episcopo non homini, sed Deo, iusto *iudici, redditurum. 
Frustra autem haec verba efiFundit, frustra imparatus verborum 
multitudine paratos remoratnr. Adest enim mandatum principis 
non teraere iubentis, adest carnifex ad stringendum gladium in- 
structus, adest parochus, conscientiae tristis consolator. Solus 
Wyckius imparatus subterfugia necis quaeritat, parochum aver- 
satur et contemnit, sibi vim fieri queritur. Ubi vero queri- 
monias et lamenta nihil sibi prodesse nullamque spem evadendi 
superesse videt, necessitati parendum esse iudicat. Committens 
itaque Deo animam spreto sacerdote flexis genibus manibusque 
complicatis erectam cervicem carnifici incidendam praebet. Ca- 
daver autem in vallo sepelitur \ • 



') Auch die Zeit, wann v. d. Wicck in Fürstenau ums Leben kam, 
steht nicht fest. Aber schon am 21. März schreibt Joh. Nord eck dem 
Landgrafen Philipp in einem Bericht yber seine Sendung an den Bischof 
Franz (Orig. im St.-A. Marburg), er sei heute nach Kassel zurückgekehrt. 
Dr. Wieck's wegen habe er die Antwort empfangen, „das s. f. g. das be- 
scheen anpringen bey eigener botschaft wolt beantworten." Er fährt fort : 
„Und zeige e. f. g. dabencben an, das ich von meinem g. Junckern von 
Bevem so vil vermerckt, das zu besorgen, doctor Wieck sei nit 
noch im leben.** Die Bestätigung dafür, dafs v. d. Wieck heimlich, und 



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Anno 1534 acta. 517 

Caspar vero Indefeldus, consnl, etsi principem negligentia 
regendi offensnm sibi habeat, liberius tarnen nrbe et anabap- 
tistis, quos serio aversabatnr, relictis Hammonam concessit^ 
At Hermannns Tylbechins mentem snam non Celans diutius, sed 
eam ex nmbra in solem prodncens totum se anabaptismo dedit 
atque in urbe manet. 



zwar in Fürstenau, hingerichtet wurde, giebt uns ein Brief des Herzogs 
Ernst von Braunschweig-Lüneburg an den Kurfürsten Johann Friedrich von 
Sachsen vom 11. Mai, in dorn es heifst (M. G.-Q. II, 232): „Es ist der 
frura doctor Vick vam bischopf böslich erwürget wurden. Dan wie woel 
man aigentlich weis, daes er einen zu der Fastcnaw haimlig had laessen 
daes haubd absiahen, so had er doch mainem bruder und mir gescribben, 
das er aus drubsal gestorben und zieh alsso crgrcmt habbe'* (vergl. dazu 
den Bericht Herm. Hamelmann's S. 1208). „Man sagget hier,'' schreibt 
der Herzog weiter, „und ist nichtig, das mans van den Scharfrichtern ge- 
beert, das er nichtz gebeten, doen ursach im zuvor melden, vorummche 
man in gedechte zu doten. Darauf sael man im geantwort habben, er sich 
da mit nicht bekümmer; heddo er den doet nicht wordient, man wurden 
in nicht doten. Und ist warlig hoch erbarmlig, daes der frum, crliche 
mähen . . . alfso iemmerlig unvorclagt und alfso in geheim seins lebens 
beraubt. Ich zweivelle nicht, der almechtige Got wirtz rechen und dem 
bischopf seins vorhabbens zu schänden machen." — Herm. Hamelmann 
a. a. 0. beschliefst seinen Bericht über v. d. Wicck's Ende mit den Worten: 
„Fama quoque referebat, episcopum illius facti valde poenituisse et semper 
conquestum fuisse id dumherorum Monasteriensium instinctu factum." — 
Der Eindruck des Verfahrens des Bischofs gegen v. d. Wicck hat lange 
nachgewirkt. Vgl. den Brief des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen 
vom 20. Sept. 1534 an den Bischof Franz (bei L. Keller: G. d. W. S. 321), 
in welchem dem Bischöfe jede fernere Hülfe versagt wird, faUs er keinen 
Unterschied mache zwischen den Anhängern der VTicdertaufe und denen 
des Evangeliums, „wie sich dann solchs aus der bescheenen handlung, die 
sich mit doctor Wicken seliger zugetragen, wol erzaigt hat." — Auch gegen 
die einstigen Begleiter v. d. Wieck^s auf dem Schmalkaldischen Bundestag 
za Höxter (s. Bd. 1 S. 30;»), gegen Schroderken und Ummegrove, richtete 
sich die Verfolgung des Bischofs. In dem oben cltierten Gesandtschafts- 
bericht meldet Joh. Nordeck weiter: „Und warlich, ufif des cappittels an- 
geben wirdt einem der abgewichenen burger Caspar Schrorick" (so statt 
Schroderken) „genant hart nachgestelt umb deswillen, das er mit doctor 
Wieck uff tage zu Hozer bei e. f. g. gewesen." Aus einem Briefe Joh. 
ümmegrove's an den Bischof vom 5. Mai 1534 (Orig. im St.-A. M.) ersehen 
wir, dals Ummegrove das freie Geleit aufgekündigt war. 

') Durch Vermittlung der Kurfürsten von Köln und von Sachsen 
erlangte er sp&ter die Gnade des Bischofs wieder. S. weiter unten. 



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518 Aimo 1534 acta. 

Qnidam factiosornm in omnem effusi libidinem tanta in- 
temperantia bacchanalia celebrant, ut non solnm hellnando, po- 
tando et craptdando sese fatigarent, vernm etiam varios ludos 
et spectacula in contemptnm et Indibriom catholicomm publice 
exhiberent*. Quendam enim verberonem ementito morbo ge- 
mentem in lectum curnii impositnm collocant, ad coins pedes 
alius quidam scnrra sacerdotis veste stolaqne personatus sedere 
fingitur altera aspergillum, altera vero manu librum sustinens 
et vitreis perspiciUis nares constringens multa inepta obscura 
voce legit. Hunc currum sex flagriones more equorum copulati 
per omnes urbis vicos trahunt, quorum duo Franciscanonun, 
duo Teutonicorum dominorum et reliqui duo Toannitarum amictn 
vestiti fuerunt. Aurigam vero personatum episcopum faciunt. 
Hupertus quoque Buesscheras, procerus quidam faber ferrarius, 
nigri monachi amictu vestitus aratro iungitur adhibitis quibus- 

•p. 448. dam, qui *per ludum iocumque flagris et scuticis bipedem istum 
caballum per omnes plateas impellerent. Caspar Borchardi, na- 
sutus quidam nebulo, cuius mater ante annos aliquot, cum in 
palo numellario ignominiae causa se aliquamdiu spectandam ex- 
hibuisset, urbe profligata fuerat, Hiltropiae in pago urbi vicino 
fasci virgarum incumbens a suae farinae satellitio psalmos bo- 
ante in publica processione crucibus vexillisque praegestatis et 
Omnibus campanis pulsatis circum coemiterium portatur, quasi 
reliquias Sanctorum arculae inclusas summa cum veneratione 
circumgestassent. Taceo hie reliqua nugarum genera a triver- 
beronibus passim exhibita, quae, ne simplices o£fendantur, silentio 
praeterire quam publicare praestat. 

21. Febr. Hiuc Heuricus BoUius 21. Februarii a retinctis cum plena 

auctoritate conscribendi milites, cum obsidionem sibi metuerent, 
in Hollandiam emittitur. Qui non procul a Traiecto captus pe- 
cuniis emunctus anabaptista esse deprehenditur. Itaque igni 
adiudicatus poenas transfugii ab ecclesia catholica pendit^. 



^) Das Folgende ist nur von Kens, berichtet 

') Vgl. oben S. 421 f., wo auch die Literatur über RoU angegeben 
wurde. RoU begab sich znnftchst nach Wesel. lieber seine Wirksamkeit 
dort geben die Bekenntnisse der Weseler Wiedert&ofer vom Jahre 1&35 
(abgedruckt von K. W. Bon t erweck in der «Zeitschr. d. Bergischen Ge- 



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Anno 1534 acta, 519 

Princeps propins ad nrbem accedens cum instrnctissüno 
eqxdtatn altius de rebns futuris et obsidione cum dioecesis pro- 
ceribus actnrns 23. Febmarii * Telgetnm ingreditnr et snperioris 23. Pebr. 
memor captivitatis excubias tarn dinmas qnam noctnrnas dili- 
gentiores agit, ne a Monasteriensibus circumveniatur. 

Eodem etiam die * comitia novi senatns creandi gratia ha- 
bita sniit, in quibus Henricus Eedeker, tribunus plebis, popnlum 
admonmt, cnm hactenns senatns ex instinctn camis sit designa- 
tns, nnnc snggestione Spiritus enndem esse eligendnm \ Primnm 
ergo snf&^atores decem de more in curia tributim deliguntur*: 
ex tribn Martiniana Hermannus Boemer et Andreas Werdenus, 
coriarius, ex tribn Lambertina Conradus Cruse et Henricus Loe- 
man, alutarius, ex tribn Ludgeriana Bemardus Boentrnppe *ac* p 449. 
Joannes Lepper, ex tribn Aegidiana Albertus Geisthovell et Jo- 
annes Bedeker, ex tribn Mariana Antonius Grotevader, ex lude- 
feldana Hermannus Foecke. Hi conclave senatorium ingressi 
24 homines non solum abiectissimos, verum etiam sceleratissi- 
mos et vix dignos, quibus vel portarum vel carcerum urbis vel 
pristini senatns equorum canumve custodia committeretur, ad 
gnbemacula civitatis suscipienda eligunt, qui occasu urbis magi- 
stratum suum finire cupiebant *. Hi postridie, nempe 24. Fe- 24. Pebr. 
brnarii, diversa inter se officia distribuunt hoc modo: Consules 
constituuntur Bemardus KnipperdoUingus, Gerhardus Kippen- 
broich, pannicidae; aediles Joannes Daventriacus, Christianus 



Schichtsvereins" Bd. 1 [Bonn 1863] S. 360 ff., Separatabdr. S. 81 fif.) einige 
Aufschlüsse. Zuletzt war er in Maestricht thatig. Ygl. dazu J. Habets 
a. a. 0. S. 104 ff., 133 f., 152 u. 227. ffier ist er am Anfang Sept. 1534 
verbrannt, nicht zu Utrecht, wie Kerss. fälschlich angiebt. Die Quellen 
dafür bei C. A. Cornelius: M. A. II. S. 341. 

') Auf den Abend dieses Tages hatte der Bischof am 17. Febr. von 
Iburg aus die Bitterschaft gerüstet nach Wolbeck entboten (Konzept des 
Befehls im St.-A. M.). Der Bischof selbst verblieb zunächst noch in Telgte. 

— *) E« war der zur Ratswahl übliche Tag, der erste Montag in den Fasten. 

— ') Das berichtet Eerss. nach Joh. Fabricius Bolandus: Motus 
Monast. EL H8. — *) üeber die Form bei der Batswahl und über die 
Ratsämter s. Bd. 1 S. 105 ff — ^) H. Gresbeck S. 18 sagt: „Und alle die 
iene, die sie do in den rait setten, dat weren al mit einanderen wedor- 
doepers, dat sie wolden einerlei luede sein." 



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520 Anno 1534 acta. 

Woerdeman, butyropolae; praetoris nrbani assessores Christianus 
Kerckerinck, patricius, Henricns Pantes ^ faber ahenarins ; oeno- 
prostatae (vini praefecti) Joannes Palck, faber ferrarius, Henricns 
Eodde, aurifaber; qnaestores sen grntae praefecti Conradus Crnse, 
Nicolaas Snider; cervisiae praesides Joannes Ossenbeck, Ber- 
nardns Boentrnppe, lanio; xenodochii praesides Joannes Kceninck, 
•p. 450. Gerardns Eeyninck; *leprosornm praesides Lucas Gruter, Gerar- 
dus Pruesse, coriarius; Antonianae domns praesides Stephanns 
Kopperschleger, oenopola, Hanso ab Borstel alias Mankenns, 
aurifaber; lateritii operis praefecti Nicolaus Stripe iunior, pan- 
nicida, Engelbertus Edinck; eleemosynae praefecti Bernardus 
Picker, Albertus Geisthovell, pistor; assessores vrigravii Bernar- 
dus Olieschleger, Henricns Potligen, sutor. 

Sub hoc magistratu superiori sceleratiore nihil supellectilis 
nihilque pecuniae cflferre, sed quaelibet flagitia quantumvis enor- 
mia impune committere licuit. Nam catervatim, quasi scelera 
inter se partiantur, incredibili amentia et nocendi studio fla- 
grantes 24. Februarii per urbem grassantur. Hi Nitzinganas 
vestales terrent *, illi fratres Fontissalientis adoriuntur, hi Geor- 



') Im Mscr. vcrscliricbcn für Henricus Xantus, den Kerss. später 
als einen der zwölf Aeltesten, dann als einen der Ilüstjueister und weiter 
als einen der Herzöge des Königs aufführte. Die Namcnsforra Pantes ist 
in einzelne spätere Handschriften übergegangen, wälirend andere die rich- 
tige Form haben. In der von C. A. Cornelius: M. A. II. S. 3()8fif. ver- 
öffentlichten, aus dem 17. Jahrhundort stammenden Zusanmienst eilung der 
Münsterschen Ratsherren und Korgenoten, deren angeführte Namen sich 
sonst auch hier ganz mit den von Kerss. gebotenen decken, ist S 312 
neben Kerstien Kerckerinck Henr. Sanctus als Richtlierr angegeben. 

*) Viele Einzelheiten dazu bietet die Niesingschronik (M. G.-Q. 
II, 430 ff.). Aus ihr geht hervor, dafs Beunruhigungen der Nonnen boreits 
am 21. und 22. Febr. stattgefunden hatten. Am 24 Febr. wurde ihnen 
die Wahl gestellt, entweder das Kloster zu räumen, oder sich taufen zu 
lassen. Am 25. Februar begann die Plünderung. Die Chronik zählt eine 
Reihe der Kostbarkeiten auf, die geraubt wurden. Sie berichtet auch, wie 
es durch List gelang, die Wegnahme der Rentbriefe und des wertvollsten 
Kelches zu verhindern. Sehr lebhaft ist dann die Austreibung der Schwe- 
stern am 27. und 28. Februar geschildert, die alle ohne Ausnahme aus 
Münster weichen mufsten, da sie das Ansinnen, sich taufen zu lassen, 
standhaft zurückwiesen. Die Chronik führt schliefslich die Namen der 55 
ausgewiesenen Schwestern an. 



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Anno 1534 acta. 521 

gianos invadunt, Uli in loannitas reliqnaqne nrbis coenobia et 
sacras aedes impetnm faciont, vestes, pecnnias, snpellectilia et 
quaecunque sibi usui futura existimabant diripiunt Neque a 
templis sibi temperant; argentum, aurom, pallia sacra, calices 
omamentaqne omnia in Dei cnltom et ministeriam dedicata an- 
ferunt finntqne impurissimorum verberonum, scortornm et mi- 
litmn vestitns et stipendia. Nihilqne a rapina et depraedatione 
tutum Mt. Imagines ex snperioribus motibus reliquas confrin- 
gunt aut rasis parietibus deturpant. Sacellum D. Antonio iuita 
portam Manritianam *concecratum ereptis bonis mobilibus de-*p. 45L 
molinntnr. Sed nnlla vis etsi saepe tentata sacello D. Lndgeri 
nocere potuit^ 

Inde eodem die' circa horam quartam vespertinam Ber- 
nardns Mnmme verberonum agmen secnm dncens aeditunm 



') Als Datam der allgemeinen Plünderung giebt H. Dorp Bl. D4 
den 25. Februar an. Er sagt nur kurz: „Des Mitwochs fallen sie in alle 
klöster und kirchen, plündern die und nemen daraus gold, sylber, gelt, 
kleinot, Zierat und was sie sonst finden." Einzelheiten sind, abgesehen 
von den schon erwähnten aus dem Niesingskloster, nur noch von der Ver- 
wüstung des Domes und von der Zerstörung der Mauritzkirche überliefert. 
S. gleich weiter unten. Auch das «Tagebuch** a. a. 0. S. lO^i begnügt sich 
mit den kurzen Worten, es wären nach dem Dome »vort alle ander kercken 
und kloestere spoliert" worden. Die gleich näher zu besprochende «Ord- 
nung der WiederteufTer zu Münster" führt Bl. A2 (Neudruck in der 
Ztschr. 17 [1856] S. 242) unter den ausgeraubten Klöstern auch das üeber- 
wasser- und Aegidiikloster an. — Vgl. auch D. Lilie S. 228 f. 

*) Dasselbe Datum für die Verwüstung des Domes bietet das «Tage- 
buch** a. a. O. S. 106: «Und dessolvigen dags** (24. Febr.) «ummetrent IIII 
uren synt de borgere mjt erer wher tsamen gekomen upn domhoflf und 
hebn den kostercn ton dorne de slotteil genommen und dar yn gegaen und 
de clenodjen, alse kclcke, monstrantien, selvcren und golden geszmyde mjt 
gülden kästen dar uth spolierth und alles up dat raithuyfs gebracht.** 
H. Dorp Bl. D4 hat bei seiner kurzen Erwähnung der Domplünderung 
das Datum des 26. Februar. H. Gresbeck S. 18 führt kein bestimmtes 
Datum an. Aber er sagt : «Die wiederdoepers . . . hebben den custers die 
sluettel genommen und hebben den doem umbher tho geschloten und haben 
alle kisten und schape entwo geschlagen und hebben so twe ofte dry 
dage in doem gelegen und hebben darin gesungen und gesprungen 
und alle die hilligen entwe geschlagen und hebben die verbrant und so 
dagh und nacht in dem doem gelegen und haben gedruncken.*' Die Aus- 
plünderung seiner Domkirche am 26. Febr. meldet der Bischof am 27. aut 



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522 Anno 1534 acta. 

dominici templi adortns claves vi ab illo eztorsit. Ibi primnm 
in sacelli^m D. Yirginis aliaque ex ordine irrunnt eaqne despo- 
liant, frangnnt et corrumpnnt. Inde templnm dominicnm omni- 
bns omamentis ereptis denndant, adyta profanant, altaria aliqnot 
direptis mappis, quibus obtegebantur, diripinnt. Horologinm\ 
opus artificiosissimmn, malleis secnribnsqne pnlsant, singalari 
vero odio et furore baptisterium reliqniarumque repositoria com- 
minnnnt. Conclave capitniare ingressi fenestras et sedilia in- 
signibus dominorom magna arte elaborata dissecant. Imagines 
D. Virginis ac loannis Baptistae a Francone monacho artificio- 
sissime in tabnlis daabus depictas in nsum foricamm perforant 
easqne snpra fossam interiorem nrbis inxta ludaeornm coemi- 
terinm pro excubias agentibus coUocant. Sybillamm effigies ad- 
miranda arte expressas et circnm chomm forinsecns per certa 
intervalla dispositas emunt. Imagines patrio marmori incisas 



Telgte dem Erzbischofo von Eöln und dem Herzog von Cleve (Konzept im 
St.-A. M.). Die Yerwüstang wird eben mehrere Tage angehalten haben. 
In der Proposition auf dem Landtage zu Hiltrup vom 17. März läfst der 
Bischof den Ständen sagen (St.-A. M., Landtagsakten 1532—37), der Dom 
sei ^. . . also verwoestet, datter nu mer nicht als ein lovclich gotzhus und 
overste kercke dusscs lantz, dan ein ungestalt, verdorven gcbouw antoschen. 
Dergeliken all kercken, gotzhuser und cloister in ger. stadt erbärmlich 
spoliert und versturt, zo dat nu gantz und gar Götz wort und sacramente 
nedergelacht und dat wesen dar bynnen mcr einen vehischen, dan mensch- 
ligen loven und wesen to vergliken." Yergl. zur Sache auch L. Keller: 
G. d. W. S. 195 ff. 

^) In der folgenden Beschreibung der Yemichtung einzelner Kunst- 
werke des Domes (vgl. über dieselben das 5. Kapitel der Ker8s.'schen Ein- 
leitung [Bd. 1 S. 28 ff.] und die dort in den Anmerkungen angeführte Lite- 
ratur) giebt Kerss. einen Auszug aus dem 1535 erschienenen, von ihm. 
weiter unten noch mehrfach benutzten Flugblatt: „1^3t €^rbnnng btr 
Wßitttxttnfi^tv in Fäünfttv, || 3Um maa fttl^ bafelb» nebenan uerloffen 
l^tt, II uonn ber jfßtt an, aEa bie Ätatt || beUgert ifl tnorben. ||" (Neu- 
druck in der Zeitschr. 17 [1856] S. 240 ff.) Die in der „Ordnung" gebo- 
tenen Nachrichten gehen, wie ich in der Ztschr. 51 (1893) S. 107 ff. weiter 
ausführte, auf den Bericht des Hermann Ramert zurück, eines gewesenen 
Anh&ngers der Wiedertaufe, der am 19. Juni 1534 Münster heimlich ver- 
liefs, um die durch Hille Feicken beabsichtigte Ermordung des BischoÜB sn 
verhüten, und sie sind zum grofsen Teil in die Münstersche BischoÜBchronik. 
übernommen worden (M. G.-Q. I, 332 ff.). 



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Anno 1534 acta. 523 

raraque arte elaboratas capitibns, brachiis crnribusque confractis 
mntilant, ligneas vero secnribus dissectas in ignem ibi extmctnm 
coniicinnt. Simulachra Patrum, Prophetarum, Apostolorum ali- 
orumque Sanctornm colnmnis parietibnsye passim afßxa scalis 
vectibusque admotis deturbant^, ossa Sanctornm et sacrosanctnm 
Domini corpus pedibns concnlcant. Organa ereptis tibiis distur- 
bant, fenestras pictas frangunt et maxime Erici episcopi donnm 
praestantissimnm atqne amplissimnm ^ Libros intns hnmano ex- 
cremento illitos in nnnm acervum cremandos congerunt; biblio- 
thecam doctissimi viri et poetae gravissimi Bodolphi Langii Incn- 
brationibns et monnmentis antographis nondnm editis anctam 
lacerant atque discerpnnt •. Magnam illam crucem argenteis 
laminis detractis in cinerem vertnnt; sarcophagis episcoporum 
nobiliumqne canonicomm* direptis et translatis, fractis nobili- 
tatis *insignibus propugnacula muninnt. His impiis studiis »p. 452^ 
totam noctem sine nllins magistratns metn consnmunt. 

Interea princeps, cum pertinaciae finem Monasterienses non 
facerent neque alia ratione ad obedientiam pristinam eos revo- 
care posset, omnia, quae ad iustam militiam et obsidionem 



') Eine Ausnahme wurde aber mit den Bildnissen David's und Salo- 
mon's gemacht Vgl. M. Roch ell's Zusätze (M. G.-Q. III. 232). 

*) Gemeint ist das Geschenk Bischofs Erich I., Herzogs von Sachsen- 
Lauenburg. Ygl. dazu die Fortsetzung der Chronik des Amd Bevergem 
(IL G.-Q. I, SOG) und die Münstersche Bischofschronik (ebendas. S. 325 u. 
344). Vgl. auch Bd. 1 S. 38. 

") Die systematische Yemichtung der Bücher wird sehr bald, wie 
Kerss. weiter unten erzählt, fortgesetzt. Der Hauptteil der wertvollen 
Dombibliothek war schon am 7. Sept. 1527 infolge einer Feuersbrunst zu 
Grunde gegangen. Vgl. Bd. 1 S. 41 u. 157. Damals war also die Bücher- 
sammlung Rudolfs y. Langen gerettet worden. Die „Ordnung^ spricht 
iweimal Yon der Bücherverbrennung. Sie erwähnt zunächst, dafs die „ly- 
berey' im Eapitelshause „gar verderbt"* worden sei, „und alle Bücher, die 
daranff waren, verprennet, und die auff dem Chor waren, die nit verprennet 
waren, dieselbigen alle zerschnitten und zerrissen.*' Gleich weiter heilst es: 
„Yornen in dem Paradeifs in der Kisten waren newe bücher, 
die man pflag fayl ze haben,... sind alle von inen ver- 
prennef 

*) Die „Ordnung^ fuhrt „inn Sonderheit seliger herr Diettrichs Scha- 
denB thumbtechants mitt seinem aygen stayu** an. 



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.524 Anno 1534 acta. 

necessaria visa sunt, comparat^ Primum itaque nobilem loan- 
nem a Buren baronem, Gerardmn Morrien, dioecesis hipparchum, 
Hermannum a Mengersen, Paderbomensis dioecesis vicarinm seu 
legatum, ac loannem a Eaesfelt totins militiae primarios prae- 
fectos designatl Fredericus vero ab Eller, Henricus a Schone- 
becke, Gerardus de Eecke, Joannes de Korthe, Joannes a Senden 
ac Joannes de Dincklage, eqnestri disciplina exercitatissimi, eqni- 
tatns dnces creantur*; pedestris autem exercitus praecipni ac 
supremi duces fiunt Wilkinus Stedingus*, vir militaris ordinis, 
et Gerardus Munster cognomento Smoker, qui postea ad oppidanos 
defecit^ viri armorum scientia clari, quibus singulis conscribendi 



*) üeber frühere kriegerische Vorbereitungen des Bischofs gegen 
Münster vgl. oben S. 477 Anm. 2 u. S. 487 Anm. 

*} Kopie der Urkunde vom 23. Febr., durch die die Genannten mit 
Bewilligung des Landtages ^vor kryges reede und overste veltheren ver- 
ordent" werden, im St.-A. M. Sie sichert Johann v. Büren und Hermann 
V. Mengersen monatlich ir>0 Goldgulden, sowie 8 Emden er Gulden „up ein 
jder perdf* zu. Nach der Rechnungsablage des Münsterschen Pfennig- 
meisters Job. Hageböeke (mitgeteilt von Fr. Kellerhoff in der Zeitschr. 
24 [18(54] S. 297 ff.) erhielten (S. 334) Gerhard Morrien und Johann v. 
Raesfeld für acht Monate Feldherrndienstes im Ganzen je 1300 Goldgulden, 
sowie monatlich für je ein Pferd 8 Emdencr Gulden. 

^) Durch Urkunde vom 3. März (Kopie im St.-A. M.) erhielten Bern- 
hard V. Wcsterholt, Dietrich v. d. Recke und andere Ungenannte die oberste 
Leitung der Reiterei. Bestallungsdekrete für die sechs von Kerss. Genannten 
habe ich im St.-A. M. nicht gefunden. Sie werden jedoch öfter in den 
Akten als Rittmeister genannt, und in der eben erwähnten Rechnungsablage 
des Johann Hageböeke (a. a. 0. S. 329 ff.) sind sie als Rittmeister bei den 
einzelnen später errichteten Blockhäusern aufgeführt. S. auch weiter unten. 

*) ^m 18. Febr. schon beurkundet Bischof Franz (Kopie im St.-A. 
M.), „. . . dat wy . . . Wilcken Stedinck vor unsen oversten hoepman ange- 
nomen hebben und annemen, in behoff noittrofft, walfart und beschermunge 
imser stiffte, lande und undersathen ein venljn guder lantzknechte dre 
maent lanck ncistfolgen antonemen.^ Am 2. März meldet der Bischof dem 
Landgrafen von Hessen (Orig. im St.-A. Marburg), dafs er Wilken Stedinck zur 
Anwerbung von Knechten nach Meifsen und Thüringen abgefertigt habe. — 
Eine abermalige Bestallungsurkunde für W. Stedinck als obersten Hauptmann 
der Knechte gegen Münster ist vom 1 5. März datiert (Kopie im St-A. M.), 

^J Schon am 16. Mai schreiben die clevischen Kriegsräte an den 
Herzog Johann (M. G.-Q. II, 234), sie hätten vom Bischof von Münster 
erfahren, dafs der Hauptmann Gerhard Smocker „in einem scharmutsel 



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Anno 1534 acta. 525 

eqaites peditesqne cnra datur. Hi itaqne collectis aliquot milli- 
bns armatomm reliqna militiae ofßcia habita fortitudinis et ex- 
perientiae militaris ratione distribnnnt. Pentacosiarchae hi sunt : 
Joannes Corytzerus Eeynanns, Peregrinus Iselmudianns, Andreas 
Lubbecanns, Egbertns Deverenns, Theodoricus Grollanus, Eberar- 
dus Ovelakerus, Hermannus Sittardus, Laurentius Horsthanus, 
Theodoricus Tylanus, Albertus a Beltzich Suerhusius, Augustinus 
Daventriacus, Georgius Schimmellius, Joannes Hakenus, Godo- 
fridus Traiectensis, Beraardus Kettellius, Georgius Kylanus, 
Nicolaus Utermarckanus, ludocus Mudeus, Georgius WulfFrams- 
torpius, Michael EflFurdianus ac Lippoldus Wulfframstorpius \ 



in die stat komen. Of nn solichs mit sinem willen gcschcen, oder das 
er gefangen sy worden, künde s. f. g. nit eigentlich wissen." Den Tod 
Smocker's in Münster berichtet Kerss. weiter unten. S. dort. 

') Im St.-A. M. findet sich M. L. A. 518/19 U. fol. 2*J0f. unter dem 
Titel: »Myns gnedigen hern van Munster angenommen hoeplude im stifffc 
van Munster im jar xvcxxxiiii" ein Verzeichnis mit folgenden Xamen: 
Wilcken Stedinck als einen oeverst hoepman over de ander alle (Annahme 
38. Februar), Johan Kuritzer (20. Febr.), Pelgrim van Iselmude mit 500 
knechten (14. März), Augustin van Deventer mit 5U0 knechten (21. März), 
Boynck van Oldershem mit einen walbesattcn fenlin (23. März), Wolter 
van Deventer als hoepman, Lentz van der Horst und Arndt van Utert mit 
einen fenlin knecht (26. März), Gerdt und Mispelboem van Triebt mit etz- 
ligen lantzknechten tototrecken (4. April), item de Sniokcr, Jurien van 
Kyll und Claes ütherdeminck als hoeplude mith twen guden walbedeckten 
venlin knechten (10. April), Egbert van Devem und Berndt Kettel als 
hoeplude mith ses oder seven hundert knechten (11. April), Joist van 
Mueden knechte antonemen (13. Mai), Dirick van Grolle mit einem venlin 
knechten (17. Mai), Andrefs van Lubbeke mith etligen knechten (17. Mai), 
Evert van Suerhuefs up deselve tydt mith ein venlin (17. Mai), Johann 
Hake mith einem hopen knechten (26. April), Dirick van Tyll mit ein fenlin 
(11. April), Herman van Sittert mit dusent knechten (27. Juni). — Von 
den Namen dieses Verzeichnisses fehlen bei Kerss. die des Boynck van 
Oldershem, Wolter van Deventer und die des Gerdt und Mispelboem van 
Triebt. Die Annahmeurkunden für die beiden Ersteren zu Hauptleuten 
befinden sich im St.-A. M. Statt des im Verzeichnis genannten Arndt van 
Ütert hat Kerss. Godofridus Traiectensis. Nur von Kerss. werden genannt 
Albertus a Beltzich, Georgius Schimmellius, Georgius Wulfframstorpius, 
Lippoldus WulfEram&torpius und Michael Effurdianus, von denen die drei 
Ersten aktenmäfsig als Hauptleute nachzuweisen sind (vergl. M. G.-Q. 11, 
239 f., 377 u. 382). — Auf die Zeit der Annahme der Hauptleute hat 
Kerss., wie ersichtlich, keine Rücksicht genommen. 



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526 Anno 1534 acta. 

Totus exercitus tarn eqnestris quam pedestris tres menses in- 
anctoratur, quibns exactis omnes dnces et militiae praefecti prin- 
cipi operam suam, si poscat, ad finem sascepti belli sine sti- 
pendii augmento addicnnt \ Stipendia singnlis ratione officiomm 
militarium decreta. Eqniti in singulos menses octo, pediti vero 
"p. 453. gregario qnatuor *Embdenses floreni loco stipendii decernuntur. 
Qnilibct florenns 25 solidis Monasteriensis monetae aestimabitur. 
Continebat autem mensis militaris 28 dies K Singulis pentacosi- 
archis quinque gregarii militis stipendia et unum pro puero 
decernuntur, legato sive vicario duo stipendia et pro puero unum, 
signifero quatuor et pro puero unum Stipendium, aciei supremo 
instructori quatuor et unum pro puero, substitutis ab eo sin- 
gnlis duo, praetori militari totidem quot pentacosiarchae stipen- 
dia, tribus praetoris ministris singnlis duo, quaesitori totidem 
stipendia quot sunt in exercitu signiferi et pro tympanista suo 
unum, sex lictoribus quaesitoris ministris singnlis duo, praefecto 
vigilum totidem quot pentacosiarchae, praefecto commeatus duo 
et pro puero unum, pentacosiarchae duobus satellitibus singnlis 
duo stipendia, militaris ordinis viro armis bene instructo duo 
stipendia sine puero, reliquis quibuscunque splendida et gravi 



') Diese Bestimmnng geht für das Fufsvolk hervor aus der Bestal- 
lung Wilken Stedinck^s vom 15. März, wo es genauer heiTst: „Des sollen 
sie uns verpflichtet sein, dair wir jrer lenger hednrfiPten nach uTsganck 
disser vorgeschriehener dreier monaten, uns zu dienen voir eingen fursten, 
herm und stetten voir die voirgeschrieben veer Emhder gülden und uns 
nit hoher zu stegeren ader zu dringen.^ Doch hedang sich der Bischof 
auch aus, dafs, wenn er vor Ablauf der drei Monate der Hauptleute und 
Knechte nicht weiter hedurfte, er Macht und Gewalt hahen solle, „vorge- 
melte hevelhehber und knechte gentzlich ader zom teile zu verleuhen nach 
unserm gefallen, auch inen de besoldunge zu geben nit weiter, dan nach 
verlauff der zeit und sie uns gedienet sollen verpflichtet sein.** Nach Er- 
oberung der Stadt soll ,,der knechte roonat nach alter gewonheit aus und 
widerumb angaen.** Werden Knechte vom Feinde verwundet, oder werden 
sie krank, so soll ihr Dienst ^vortgaen, so lange uns der hauffe dienet, 
willen ihne auch der artzen, bjfs sie der entfangener kranckheit und wun- 
den, so sie jn unserm dienst und vor den viant erlangt haben, genefsen, 
zu &idden stellen." 

*) Die Angaben werden bestätigt durch die Bestallungen für Wilken 
Stedinck vom 18. Febr. und 15. M&rz, für B. v. Westerholt und D. t. d. 
Becke vom 3. M&rz. 



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Anno 1534 acta. 527 

armatnra indntis sex floreni sine pnero, ecclesiastae duo stipendia, 
satellitibus, dnctoribus, fistnlatoribus, tympanistis, tonsoribus et 
scribis singolis duo stipendia decernnntur *. Haec autem sti- 
pendia tertia Martii procedere incipient. 

Pacta militaria*: „1. Milites praestito militari sacramento, 
qnandocanqne necessitas postulaverit et ad quemcunque locum 
eyocati fuerint, adversus bestes principis fortiter sine ulla tergi- 
yersatione dimicabunt, principis sabditorumqne incommoda pro- 
pnlsabnnt, commoda vero, qnantam bnmana indnstria et armis 
possint, propngnabont. 

2. Omnes militaris disciplinae articnlos consuetos, nt instos 
et probos milites decet, servabnnt. 

*3. Civitates, arces, tormenta, pulverem nitratum, globos »p. 454. 
et qoaecunque ad tormenta pertinent ab hostibus direpta prin- 
ceps sibi vindicabit*. 



') Ein Papier im St.-A. M. (M. L. A. 518/19 III. fol. 41) ^Besoldung 
der hohen ampteren*' hat folgende Angahen, mit denen die Eerss.'s üher- 
einstimmen: „Item einem iglichen heuptman 5 solde und einen jongen, 
= 6 solde: item einem jeden lutenant 2 solde and einen jongen, = 3 
solde; item einem itzlichen fenrichen 4 solde und einen jongen, = 5 solde; 
item einem jeden yeltweihel 4 solde und einen jungen, =: 5 solde; item 
den weihelln sambt anderen nidderen ampteren, auch pfeiffer und trumme- 
sleger 2 solde; item dem schulteiTs eins hcuptmans besoldung, 6 solde; 
item dem schulteiTs 3 diener, einem jeden 2 solde; item dem profossen, 
somannich fenlin^ somannich soldt; item dem profossen sese diener, einem 
jeden 2, auch einen trommcnsleger 1 solde; item dem Wachtmeister eins 
heuptmans besoldunge; item dem profandtmeister 2 solde und einen jungen, 
= 3 solde; item einem jeden heuptman 2 drabanten, 2 solde; item einem 
edelman, der gemst ist, 2 soldt und keinen jongen; item einem anderen 
g^ten gesellen, der wol gerast und des werd ist, 6 Embder gülden und 
keinen jongen.'' Ein anderes Papier ebendas. fol. 42 verzeichnet für einen 
^veltscheer, schrjTer und farer,** je 2 solde. 

*) Eriegsartikel in der Form, wie sie Eerss. hier auffuhrt, habe ich 
nicht auffinden können. Im St.-A. M. befindet sich ein Artikelbrief mit 
39 Artikeln, „eÜigen lantsknechten am sundage Letare (15. März) vorge- 
halden,^ dessen Bestinmmngen sich aber nur auf die allgemeine militäri- 
sche Disziplin beziehen. Einzelne der Yon Kerss. angeführten Sätze sind 
aber enthalten in den Vereinbarungen, die der Bestallungsurkunde für 
Wilken Stedinck vom 15. März beigefügt wurden. Nicht zu belegen ver- 
mag ich Artikel 4, 5 (soweit er das Bathans angeht) und 6 — 9. 

'} In der Bestallang heifst es: „Sollen wy auch alsdan genielsen 



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528 Anno 1534 acta. 

4. Principem peculiari oppugnationis stipendio militibns 
non obligari, si diripiendam nrbem ipsis permiserit. 

5. Curiam civitatis neque a ducibus exercitus neque mili- 
tibns diripiendam nee nllo modo violandam, sed principi in- 
tactam servandam esse. Beliqnae qnoqne praedae dimidium sibi 
princeps paciscitnr. 

6. Nobiles canonicos et reliquos ex cleri ordine nee non 
cives, qni nrbe excessernnt, ad emendnm sna bona, quae in nrbe 
reliqnernnt, extraneis qnibnsvis praeferendos esse. 

7. Nihil domornm parietibns ant solo infixum a militibns 
post captam nrbem esse refigendum. 

8. Capta per gratiam Dei nrbe milites omninm portamm et 
mnnitionnm ins in principem ant ab ipso constitntos transferent. 

9. Post recnperatam per Dei providentiam nrbem milites 
intra octo dies dato per tympannm signo eam deserent, interea 
praedam divident atque distrahent. Qnicquid antem princeps 
stipendii militibns debnerit, Uberaliter et principaliter solvet. 

10. Praefecti militiae reliqniqne milites capita seditionis 
in expngnata nrbe correpta et deprehensa (qnornm nomina ac- 
cnrate exprimentur) non interficiant, sed, qnantnm fieri qneat, 
iis parcent et capta ad principem mnnera non contemnenda ab 
eo expectaturi adducent^" 



von allen gewin und gewerbe, so von nnsem viant genommen wirdt halbe 
renberei" (vgl. dazu den Schlufs des 5. Artikels bei Kerss.), „ausgescheiden 
den rondems fufs(?), der sali den knechten allein zukommen, uns vorbe- 
halten stetten, schlofseren, grob geschutz, kraut, loit und aUes, was zur 
artilarei gehorich; alle victalien, so yn eroberten stetten und slofseren ge- 
funden, die nit zu verwüsten und zu verbringen, sonder uns dieselbe vic- 
talien umb einen zimblichcn pfennig folgen zu laessen, auch fursten, hcm 
bischoven, prelaten, eddelleuthen und aUe bevelhebbere der lantsknecht, 
sampt allen dinckzaell und brantschatz, welcke uns allein zukomen sollen.*' 
') Nach der Urkunde hat sich der Bischof während der Belagerung 
„die leibstraiff und dem kriegsvolck das gereide gut vorbehalten, beholtlich 
doch, das sie unseren gesetthen oberisten den ziehenden pfennynck alles 
gewerks und gewyns kennen soUen, wie das nach alten kriegsgebrauch ein 
gewonheit yst." Die Hauptleute und gemeinen Knechte soUen die ^ungre- 
horsame und moitwillige personen** dem Bischöfe „überantworten, und der- 
selben barschafft soll allein den knechten voir preifsguit zukomen; aber 
die andere gehorsame soUen sie in keinem wege beledigen, sonder fridlich 
gewheren laasen.' 



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Anno 1534 acta. 529 

Hlnc ad reprünendum horrendum illnd schisma arcliie- 
piscopns Coloniensis, dox Clivensis, comes Lippiacus et Benthe- 
micns, Daventria, Campia, Bilveldia reliquiqne vicini principes, 
comites et civitates circnmfasae varia tormentorum genera, sed 
immensis episcopi ünpensis in praesidium militiae mittunt, hae 
globos ferreos, illae aeneos ant nitrmn, Maria lectrix Brabantiae 
quadringenta vasa, dnx Clivonun duodecim, Ericns dux Bruns- 
wicensium triginta pnlveris nitrati centenarios *. Inter tormenta 
antem nndiqne advecta longissimnm et acerrimum fuit, quod 
SwoUani a serpente denominatum transmiserant. Quae vero 
*iüssu Lantgravii advecta sunt, ipso nomine fuerunt horrenda, ♦p.5455. 
cnm altemm a cacodaemone, altermn a matre ipsius nomen 
circumferret *. Harpagones, palae, secnres et scalae tanta copia 



') Von den gesamten Verhandlungen des Bischofes zu dieser Zeit 
mit den Nachbarfürsten sagt Eerss. kein Wort. Vgl. dazu die Einleitung. 
Erst viel weiter unten bei Gelegenheit des zweiten Tages zu Neufs im 
Juni berührt er, aber ganz zusammenhanglos, die Beziehungen zu Eöbi 
und Cleve. Hierüber, sowie über die Annäherung Hessens an den Bischof, 
über die Besiegung des hessischen Einflusses durch Köln und Cleve auf 
dem Tage zu Orsoj am 26. März vgl. die aktenmäfsigen Ausführungen von 
L. Keller: G. d. W. S. 245 ff. und von demselben in der „Histor. Ztschr.", 
hrsg. von H. v. Sybel, Bd. 47 (1882) S. 429 ff. — Auch die Unterstützungen, 
die der Bischof von Seiten der benachbarten Fürsten an Geld erhielt, hat 
Kerss. ganz unerwähnt gelassen. Ein reiches Material darüber liegt in den 
Staatsarchiven zu Münster und Marburg vor. Ich habe die Absicht, ge- 
nauere Mitteilungen darüber demnächst erscheinen zu lassen. — Bei der 
nur lückenhaft gegebenen Aufzählung des dem Bischof zugesandten Ge- 
schützes nimmt Kerss. keine Bücksicht auf die Zeit der Entlehnung. Quit- 
tungen für gelieferte Geschütze sind an Cleve am 9. März, für Graf Simon 
zur Lippe am 23. März, für die Begentin Maria von Burgund am 9. April, 
für Deventer, Kampen und Zwolle am 2. Mai, für die Stadt Bielefeld erst 
am 22. Mai ausgestellt. 

') „Dat hessische Geschuit, de duwell und sin mar genompt,^ ist 
mehrfach in der «Reckenschop und nawisinge der uthgiffte, so ick, Hinricus 
Fljncterinck(?), in tidt der belegeronge Munster ... an betzoldunge der 
bossenfuesters, attolerien und anders utgegeven" (St.-A. M. M. L. A. 518/19 
m.) erwähnt In der Münsterschen Bischofschronik (M. G.-Q. I, 331 f.) 
heilst ed: „Und de landtgreve von Hessen sande . . . twe mechtige, grote 
buflsen, de hete men den duvell und sine moder, mit krude und lode, overst 
de kosteden aver YU^ gülden to halen und wedderumb to bringen." 

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530 Anno 1534 acta. 

fabricantur, ut etiam aliqnot plaustra repleant. Caednntur vi- 
mina in nsnm vinearum, arma longo situ obdncta confricatione 
nitescnnt, enses machaeraeque in cotibns splendescnnt, lanceae, 
hastae atque loricae rnbigine diutuma liberantur, equi eior- 
nantnr, domantnr et ad bella humanosqne usus assnefinnt nihil- 
que, qnod ad obsidionem pertinet, negligitur. 

Ablegantur etiam ab episcopo viri aliqnot adversns nrbes 
et emporia, qui ad hoc bellnm necessaria acqnirant et coemant. 
Joannes Henssenbroick centnm viginti dno nitrati pulveris vasa 
in Brabantia emit\ Joannes Heerde centum et quinqnaginta 
Amstelredamo advehit*, Hermannus Tegeder quadraginta, Mel- 
chior Bodegen triginta sex adducit; alii Coloniam, alii Trevi- 
romm Augustam, alii Francofordiam, alii Novesium, alii Keysers- 
werdam emptnm pulverem tormentarinm mittuntnr. Fredericus 
Wetter centum octoginta novem centenarios nitri Erphurdia ad- 
fert' multique alii ex diversis civitatibus tam nitri quam sul- 
phuris magnam adducunt copiam. Eriguntur quoque Iburgi ac 
Osnaburgae pulveris nitrati tundendi et conficiendi gratia molae 
et offlcinae aliquot. Conradus Prange, Amsburgicus iudex, et 
Joannes Swerthen aliquot millia centenariorum ferri in terrae 
montanae ferrariis officinis in globos fundi procurant. Egbertus 
Eaerbuck cum ministrorum turba rüdes lapidum massas ex lapi- 
cidinis erutas in globos tormentarios transformant. Coloniensis, 
Clivensis, Lantgravius, Benthemicus, Osnaburga aÄaeque circum- 
quaque urbes machinarum bellicarum praefectos mittunt. Deü- 
guntur* etiam viri, qui multa miUia clavorum ferreorum, aliquot 

«) Ms,: delinguntur. 



^) Am 28. M&rz meldet Joh. Herssebrock dem Bischöfe (Oiig. im 
St-A. M.), dafs er am 26. in Antwerpen angelangt sei und sich weiter 
nach Brüssel begeben werde. 28 „tonnen kndes^ habe er bereits aufge- 
bracht. „Item," heifst es in den von J. Niesert: Ü.-S. I. S. 93 ff. ver- 
öffentlichten Notizen über das bei der Belagerung gebrauchte Geschütz, 
„hefft Hersenbroick van Antwerpen 51 fad, sint oyerslagen up 116 centener, 
11 pf." — ») Bei J. Niesert a. a. 0. S. 99 belauft sich „dat kruith, dat 
Herde bracht hefft,"" auf 68 Centner und 30 Pfimd. 

•) Verschreibung für 81 Centner Salpeter an Friedr. Wetter vom 
14. April, den Gentner zu 11 Goldgulden, im St.-A. M. 



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Anno 1534 acta. 531 

centenos fem et plumbi centenarios, innumerabüem chyrobom- 
bardarom, sclopetomm, falconetomm multitndinem et nonnullos 
mortarios, aliquot nuUia lanceamm et hastamm, omnis generis 
fanes, stramina, fennm, havenam, equornm pabula, syndonem 
tenuissimam in nsnm signomm militarinm et corium, unde culei 
et sacculi fiant, *in quibus pulvis nitratus deferatur, coemant. »p. 456. 
Multorum quoque fabrorum tarn ferrariorum quam lignariorum 
opera datis arris conducitur. Quantis impensis haec omnia com- 
parata sint, cogitatione facilius, quam numero comprehendi et 
exprimi potest. 

Inde cum retincti certum futurae obsidionis periculum 
expectarent, 25. Pebruarii^ quingenti armati retincti ex urbe in 25. Febr. 
D. Mauritii insigne canonicorum collegium hostiliter irruunt et, 
ut bostibus latebras adimerent, quod aliquamdiu secum agita- 
verant, nunc peragunt. Primum aedes canonicorum, qui fuga 
sibi consuluerant, diripiunt atque ereptis bonis omnibus denu- 
dant, frumentum, lectos, spondas, picta stragula atque ligna 
curribus ad hoc paratis devehunt, supellectilia, cames bubulas* 
snillasque succidias^, panes reliquaque omnia ibi reperta capa- 
cibus saccis imposita mulieres puerique in urbem transportant, 
aedificia ita denudata flammis impositis exurunt. Hinc avecto 
plnmbo templi tectum resciudunt, turri aäriae subiectis lignis 

•) M8,: bubalas. — '>) Ms,: succiduas. 



') Dasselbe Datum giebt die Niesingschronik (M. G.-Q. ü, 433) und 
das „Tagebuch** a.a.O. S. 107. H. Dorp Bl. D4 giebt den Dienstag, 
also den 24., an und fügt hinzu, der Ueberfall sei geschehen „aufs befelch 
der Burgermejster.'' KnipperdoUing bestreitet in seinem Bekenntnis vom 
21. Jan. 1536 jede Mitbeteiligung an der That (M. G.-Q. II, 407). Bei 
H. Gresbeck (M. G.-Q. II, 18) und D. Lilie S. 225 fehlt ein genaues 
Datum, doch setzt Gresbeck den Ausfall nach der Ratswahl vom 23. Febr., 
die Bischofschronik (M. G.-Q. I, 331) erst nach der Vertreibung der Bürger 
(27. Febr.). Kurz ist die Zerstörung von St Mauritz noch öfter in den 
Akten erwähnt, so in dem Schreiben des Bischofs an Köln und Cleve vom 
27. Februar aus Telgte (Konzept im Si-A. M.), in der Instruktion zum 
Kreistag zu Köln am 25. October (M. G.-Q. II, 283) und im Briefe des 
Bischofs an Papst Paul III. yom Ende 1534 (J. Niesert:'!U.-S. I. S. 84). 
Herm. Hamelmann S. 1215 läfst die Zerstörung Jussu prophetae mi- 
noris Johannis a Leiden'' geschehen sein. 

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532 Anno 1534 acta. 

et straminibns ignem iniicinnt, qni cnm a basi ad cacnmen 
nsqne lignornm compagines dissolvisset, ipsa ingenti fragore 
liqnefactis campanis in templnm roinam dedit, unde ligna spa- 
riqne plumbo denudati flammas concipinnt testndinesqne pon- 
deribns ruptae concidnnt. Nihil ibi praeter lapidum compagines 
templi tnrrisque indissolutnm relinqnitnr. Ubi panlo ante in- 
signes canonicomm stmctnrae conspiciebantnr, ibi nnnc capnae 
sen camini saltem extant. Omnia quoqne extra eam nrbis partem 
sepimenta rescindnnt, exumnt nnamqne campi snperficiem snb- 
latis impedimentis explicant. Eis ita actis quasi re bene et 
fortiter gesta exultantes revertnntur in nrbem. 

Eodem die circa horam tertiam pomeridianam loannes 
Matthisson ^ Harlemicus propheta in aedibns cuinsdam civis re- 
tincti iuxta fomm piscarinm suis bombardae sonitu convocatis 
concionatur. Pinita hac concione toti multitudini proponit : Cum 
cbristiana haec respublica Patre divinitus sie dispensante feli- 
citer coepta inter tot sectas, scMsmata et opiniones sine conten- 
tionibus et assiduis seditionibus diu salva consistere non possit, 
Patrem itaque velle, ut nova haec Hyerosolima cum sanctuario 



') Die Nachrichten, die uns über Jan Matthys erhalten geblieben, 
sind nur sehr dürftig (vgl. C. A. Cornelius in der „AUgem. deutschen 
Biographie" Bd. 20 [Leipzig 1884] S. BOG ff.). Am meisten Ausbeute, aber 
doch immer nur eine kleine, bieten die Wiedertäufergeständnisse, aus denen 
hervorgeht, dafs sein Einflufs während der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit 
in Münster mafsgebend gewesen ist. Er war, sagt H. Gresbeck S. 40, 
„ein groet langh man und hadde einen groten schwarten hart und was ein 
Hellender." Erst nach den Unruhen vom 9. bis 11. Februar traf er in 
Münster ein (s. oben S. 494 Anm.). Das „Tagebuch" a. a. 0. S. 106 über- 
liefert uns seine Beteiligung bei der Ratswahl am 24. Febr. „Des dinx- 
dags na dem sondage Invocavit, als men do borgermestere keisen wolde,*' 
heifst es da, „. . . ys de prophete up dat raithuyfs myt eynen geschrey ge- 
kommen und under dat gemeyne volck geropen, dat men der overicheit 
solde horsam syn und solde nicht fruchten pauwest, keyser, forsten, bis- 
schoppe noch jenigen forsten dusser werldt, und de sick nicht wolden 
laten doepen in den bloide Christi, solde men tor Stadt uth 
yagen." Dafs es sich aber für Jan Matthys, wie Eerss. angiebt, nicht 
nur um ein Verjagen, sondern um Tötung der Gegner der Wiedertaufe 
handelte, gesteht Enipperdolling am 21. Jan. 1536 (s. gleich weiter unten; 
Ygl. auch Joh. Fabricius Bolandus El. Jd^, dem Herm. Hamel- 
mann S. 1216 folgt). 



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Anno 1534 acta. 533 

a foeditate pnrgetnr. *Sibi ergo utile yideri, nt papistis, Lnthe- «p. 457. 
ranis, sacram^ntariis omnibnsqne a sna doctrina dissentientibns 
occisis nnmn corpas imaque respnblica constitnatnr eaqne novis 
ritibus et christianis legibus flrmetur et stabiliatur, ut novo foe- 
deri initiati pacifice Patri serviant. Non enim a fece aUarum 
sectamm et impiorum contagione alio modo se immunes posse 
conservare, nisi impii occidantur. Bern istam non esse difficilem, 
cum civitatem munitam et omnium rerum copiam abundantem 
habeant et suorum numerus in urbe sit maior, ita ut neque 
externa neque interna pericula magnopere sint metuenda. 

Haec prophetae sententia sine longa deliberatione omnibus 
fere placuit ; et sequenti die omnes nos trucidassent, nisi Knip- m. Febr. 
perdoUingus ^ exitialem nobis sententiam mutasset dixissetque 
plus quam barbarum esse sanguinem eorum fundere, a quibus 
nondum sint laesi; alioqui ipsos in vindictam innocentis effusi 
sanguinis omnium nationum principes et populos provocaturos. 
Suasit proinde impios postridie, nisi statim rebaptizati eandem 
secum religionem profiteantur, urbe pellendos esse; ita enim 
posse fieri, ut area Domini et domus Patris novaque Hyeroso- 
linoia ab impietate purgetur. Haue sententiam ipse etiam pro- 
pheta et omnes, quotquot aderant, unanimiter recipiunt. 

üt autem edicto caesareo^ iurisque sanctionibus satisfiat, 
acriter in retinctos passim per dioecesin latitantes animadver- 
titur. Nam circa haec tempora quinque Woltbecanae mulieres 
cum viro uno aquis suflFocantur, Bevergemae vero quatuor fe- 



*) Zugleich mit Enipperdolling ist anch Johann v. Leiden der Ab- 
sicht Jan Matthys' entgegen gewesen. „Es have sich,^ so bekennt Enipper- 
dolling am 21. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 407 f.), „dar noch ein ander ramoir 
ander innen erhaven, und das haif sinen anhaf der mafsen genommen. 
Johan yan Leien und Knipperdollinck lagen in Enipperdollinghs huiss up 
dem gewant disch, und Johan Mathis ginck in dem huiss uf nider, und 
im quaem ein geher an, das sin hoeft wol noch so groefs wart, als tut; 
und fingh an zu roiffen: „Morde, slagh doit!** Do wurden Johan van Leien 
und der EnipperdoUinck erschrocken und Johan van Leien sprach: „Ach 
Her Got, das doch munniche und pfaffen gewamet werden!^ EnipperdoUingk 
avers Uef uf das raithufs und rief: „Yader, gif genade! Yader, gif genade!^ 

*) Ein solches, das unbedingten Gehorsam forderte, war noch am 
20. Februar durchs ganze Reich ergangen (Eopie im St.-A. M.). 



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634 Anno 1534 acta. 

nünae aqnis et dno viri igni adiudicantnr. Mnlti qnoqne agri- 
colae a Bothmannistis clam in webe retincti ad merita snpplicia 
vocantnr. Coesfeldiensium aliornmqne oppidorum boDa et ciyes 
ob concionatorum admissionem et religionis novationem hosti- 
liter intercipiuntnr, donec iis abactis redissent cum principe in 
gratiam et 26. Pebrnarii delicti gratiam impetrassent'. Eorum 
vero civium bona, qni relictis omnibus Monasterinm ingressi 
faerant, a principe confiscantnr ^. Et nisi singnlari pmdentia 
et yigilantia principis pagi et oppida fuissent pnrgata exemplis- 
qne acrioribns delinquentium conservata, tota propemodnm dioe- 
cesis anabaptistamm errore distnrbata periisset. 
*p. 458. *Die sequenti, quae fuit 27. Febrnarii et Veneris post do- 

87. Febr. minicam Invocavit, coelnm post gallicininin matutinum rubescit 
ac sol in ipso exori^n pallet. Saturnns etiam in Cancro retro- 
cedens lunae aspectu oflFensus pluviam nivemqne miscet, quae 
resolutis nubibus mixtim coelitus decidunt. Corus et Aquilo 
Aeolio patefacto antro aöris Imperium sibi vindicant et supre- 
morum planetarum quadratura rarior frigus . excitat. Consurgifc 
itaque tristis et miseranda aäris tempestas imbribus, nivibus» 
ventis et frigoribus mixta. Exoritur dies ipsis etiam brutis for- 
midanda^ Agri enim et itinera concretis vaporibns ac coelesti- 



^) Coesfeld hatte zanächst durch einen Boten und dann, da keine 
Antwort eintraf, am 24. Febr. den Bischof schriftlich gebeten, der Stadt 
wieder freien Handelsverkehr zu gestatten, „so de predicante na i. f. g. be- 
yelle van den unsen verlaten und uith der stadt verweszen.^ Der Bischof 
erfüllte die Bitte durch ein Schreiben aus Telgte vom 26. Febr. (abgedr. 
bei J. Nies er t: Ü.-B. T. S. 205 f.). Am 6. März legt der Rat von Coes- 
feld beim Bischof Fürbitte ein für den gefangenen Bürger Lubbert Dethmer, 
am 9. März Dietrich Cloeth für Lubbert Wydouw (Original im St.-A. M.; 
vgl. oben S. 469 Anm. 2). 

*) Coesfeld betreffend liegt ein Schreiben des Bischofs aus Wolbeck 
vom 9. April vor (abgedr. bei J. Nies er t: U.-S. I. S. 73 f.), in dem er 
die Stadt auffordert, zu gestatten, dafs sein Rentmeister von Horstmar im 
Verein mit städtischen Verordneten die verwirkten Güter aller nach Münster 
entwichenen und der Wiedertaufe zugefallenen Bürger inventarisiere und 
mit Beschlag belege. 

') Alle Augenzeugen, die uns von der Austreibung am 27. Februar 
berichten, heben das schlechte Wetter besonders hervor. Die Yerjagnng^ 
sei geschehen, sagt das „Tagebuch'' a. a. 0. S. 107, „yn eynen elendigen^ 



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Anno 1534 acta. 535 

bns imbribus passim flnitant. Tnnc retincti rnptis pacis foe- 
deribns 9. Pebruarii pactis \ nt pridie erant edocti, folgentibns 
armis forum occnpant. Quae res in clansa urbe, cnm nnsqnam 
effaginm pateret, ita nos terruit, nt de vita iam desperaremns. 
Dum antem se ita adversns nos armant et militaribns ordinibns 
constitnendis occnpantnr, loannes Matthisson propheta per totam 
nrbem cursitans mnltis clamoribns sese fatigat*. „Agite," in- 
qnit, „poenitentiam ! Eesipiscite, resipiscite, vos impii! Nonne, 
qnid crimina vestra memerint, videtis? Nonne elementa vobis 
infensa ccmitis? NoDne remm naturam flagitiis yestris commo- 
tam consideratis? Nonne supplicium vobis a Patre paratum ei- 
timescitis? Nonne manifesta Patris laesi signa animadvertitis? 
Ultionem diyinam capitibus vestris impendere non agnoscitis? 
stupida, vecors impiorum turba, resipisce, resipisce, ut foe- 
deris nostri charactere signeris, ne a populo Dei excludaris!" 
Vates ille anhelo cursn fessns et vociferando defatigatus redit 
ad curiam, ibi in medium armatorum agmen admissus corruit 



Yulen wedder yan regen und sehne." „Unde," bemerkt die Niesingschronik 
(M. G.-Q. II, 434), ^et was so bedroillick wedder und sniedo so zeer, dat 
wy nouwe konden over wech komen.** H. Gresbeck, der gerade an diesem 
Tage nach Münster kam, berichtet (S. 19): „Is ein bister wedder gewest 
von regnen und sehnigen und von groten wint Man sol up denselben fri- 
dagh nit einen hunt uth der stat geiagt hebben, so bister weder was it 
np denselben fndagh/ Vgl. auch Joh. Fabricius Bolandus Bl. J2^ff. 

') Vielmehr vom 11. Februar. Vgl. oben S. 499 Anm. 1. 

*) Eine ganz ähnliche Schilderung wie die nun folgende des Trei- 
bens am 27. Februar gab Eerss. bereits in seinem Jugendgedicht S. 27 ff. 
(bei D. Gerd es a.a.O. S. 399 ff.). Auch da ist es Jan Matthys, der 
durchaus in den Vordergrund tritt. Erwähnt wird Matthys sonst nur noch 
von Joh. Fabricius Bolandus a. a. 0. H. Gresbeck nennt keine 
Kamen. Nach ihm beginnen die Rufe um 7 Uhr Morgens. „Do hebben 
sie . . . in der stat gelopen, die Straten up und neder, und hebben geropen: 
„Ueruth gy gotlosen, Got wil einmail up wacken und wil iw straffen !" So 
liepen sie doir die stat mit oerer gewehr, mit bussen, spiesen und helle- 
barden . . ." Das „Tagebuch" a. a. 0., das mitten im Bericht vom 27. Febr. 
abbricht, läfst KnipperdoUing handelnd auftreten:. „Ummetrent VIII uren 
vor myddage hefft Bemdt Knipperdollinck eyn geschrey gemaket, dat men 
tor stunt alle porten open solde und dar uth yagen papen und alle de 
gotlozen, und dat se noch golt eder sylver und sus nichtz solden mede 



nemen." 



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536 Anno 1534 acta. 

in terram Patremque invocat, totaqne multitudo imitata pro- 
phetam provolnta genibus supplex Patrem precatur vatisque 
mandatnm opperitnr. Inde tanqnam ex profnndo somno exiliens 
„Haec," inquit, „Patris est volnntas, hoc mandatnm, haec ius- 
sio, nt impii, nisi retingi relint, illico nrbe pellantnr, qui nc- 
stris semper piis conatibns obsistnnt. Urbs haec sancta pur- 
getnr! Popnlus enim Dei commercio impiorum contaminatnr. 
Pellite itaqne fllios Esan! Debetnr enim hie locns, haec sancta 
•p. 459. civitas, haec domns, haec hereditas *filiis lacob et veris Israe- 
litisM^ 

His vocibns pariter omnes inflammantnr armaqne capes- 
snnt et a foro in omnes plateas nrbis profasi prophecae oracnlo 
parent ac instar fnriosomm debacchantnr, tnmnltnaitur, gras- 
santnr vociferantnrqne : „Apage te hinc, impie, nun^nam redi- 
ture% effnge, inimice et hostis Patris! Eecede, omnis boni per- 
tnrbator! Seceme teabonis! Pnrganda est Patris area^, lolium 
stirpitus eradicandum est, ne segetem bonam opprimat. Nostra 
est haec hereditas a Fatre nobis donata. Fngite ftaqne, fngite 
simnl omnes et dintnrno nos metn liberate!" Et cnm qnidam 
snbito terrore percnlsi, qnid agendnm sit, sciscitsrentnr, ut in 
nrbe maneant, „Ad fornm,** inqninnt, „recedite, ntretingamini." 
Eothmannns enim in cnria eos opperitnr et adveatantes retin- 
git *. Si qni vero in aedibns ad tollendnm liberos snos aut alind 
qnidpiam in faga et exilio necessarinm snbsisterent, tnnc pnl- 
satae sonnere fores atqne cardinibns eiectae corrnimt*. Moram 

•) Ms.: reditnrae. 



') S. dazu die Schilderung bei Joh. Fabricius Bolandus BV J3. 

') „Got Wille de -Stade reinigen," so hatte laut dem Bekenntnis des 
Dionysius Vinne (M. G.-Q. II, 274) der Prophet von Gott verkündigt, „and 
wy sick nicht wolde bekercn und allen Gots willen wolden doin, de soEen 
sick uthmaken, wente Got wille se straiffen.^ 

") „Datselve doepen duerte bei drei dage langh,*' sagt H. Gresbeck 
S. 19. Er beschreibt dann, wie auf dem Markte drei oder mehr Predi- 
kanten standen und die Taufe vollzogen. Die Namen der am Freitag 
Wiedergetauften wurden in den Häusern der Bürgermeister aufgezeichnet. 

*) „De borgere hehn vor malckz doeren geweltlicher wize geslagen,*^ 
meldet das „Tagebuch^ und ähnlich H. Gresbeck, sie „schloegen die 
dürren up." 



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Anno 1534 acta. 537 

qnoqne in vicis trahentinm crebroqae respectantinm tergora 
armis pulsant. Sennm scipionibus innitentium lentos gressus 
acrioribns verbis, interdum verberibus castigant. Ingredi non 
Talentes bigis evectos in nivem evolrant. Quidam ab anabap- 
tismo prorsns abhorrentes aäris intemperie territi, qnidam morbis 
detenti, qnidam senio fracti, qnidam bona tnendi gratia intra 
dies pancos meliora sperantes remanent, qni tarnen inviti postea 
retingnntnr. Qnanta faerit tyrannis qnantaqne immanitas, inde 
facile liqnere arbitror, qnod in tanta aäris pertnrbatione sine 
discrimine innnmerabilem mnltitndinem tam yiromm qnam mn- 
liernm, tam virginnm qnam pneromm, tam ecclesiasticornm 
qnam profanomm, tam invennm qnam sennm exegerint. Quot- 
qnot ab impia eomm secta abhorrebant, honore et dignitate exi- 
mios, divites et excellentes ntrinsqne sexns cives, patriis et avitis 
sedibns, omnibns bonis, imo restibns, pecnniis atqne viatico in 
ipsis portis miseris modis per vim emunctos et spoliatos crnde- 
liter expnlemnt^. Matres raptis e cnnabnlis infantibus nudis 
efifnginnt mnltisqne lachrimis penates desemnt. Adamati pnsi- 
ones patmm manibus ntrinque adhaerentes per nivem plaviam- 
qne nndis plantis trahuntnr et *flentes ad arcendnm frigas ma-*p. 460. 
trem voeant; alii non aeqnis passibns pone seqnuntur. Neqne 
gravidis recentibnsque pnerperis langoida et effoeta membra vix 
trahentibns pepercernnt adeo, nt aliae (qnod dictn horrendnm 
est) extra moenia in nive pepererint *, aliae infantes recens editos 



^) Den schon früher aus der Stadt Entwichenen war erlaubt worden, 
ihre Habseligkeiten mitzunehmen mit Ausnahme Ton Lebensmitteln (vgl. 
oben S. 502 f.). Jetzt aber mufsten die Flüchtigen ^laten stain al dat iene, 
wat sie hedden, huis und hof, wief und kint und moesten so iemerlick von 
dat oer trecken und laten dat so stain'* (H. Gresbeck a. a. 0.). Aehn- 
lieh H. Dorp Bl. D4^ P. Plateanus a. a. 0. schreibt am 25. MiLrz: 
„. . . eos, qui suae sectae non erant, prius in hostilem modum spoliatos ad 
unum omnes exegerunt nihil eis suarum rerum relinquentes, nisi si quam 
vestem non omnino bonam fnissent induti, adeo ut coraUia et hoc genug 
amuleta infantibus pueris detraxerint . . . Intra horam plerique urbe exce- 
dere sunt jussi. Spiritum enim testificari gentes et impios neci dedendos.*^ 
Vgl. auch D. Lilie S. 223. 

^) Sie haben, so läCst der Bischof auf dem Landtage zu Hiltrup am 
17. März Yortragen (St.-A. M., Landtagsakten), „krancke, szwanger und 
gebrecklige personen, maus und frouwen, de ock in zulcken uthiagen in 



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538 Anno 1534 acta. 

perizoniis stragulisve involutos in nive, plnvia, frigore ventoqne 
solatio humano destitntae in sinn gestaverint tarn de vespertino 
hospitio qnam, nnde viverent, incertae, com praeter nndnm in- 
fantem ne teruncium qnidem habuerint. Quantus tunc faerit 
in urbe clamor, quantns armorum fragor, quantus pulsatarum 
aedium sonitus, quantus puerorum et feminarum fletus, quantus 
eiulatus, quantus ploratus quantaque querimonia anabaptistis ri- 
dentibus, neque voce neque scriptis a me exprimi potest. prae- 
clara Westphalicarum urbium metropolis, utinam miserrimae 
huius afflictionis et exilii causam agnosceres; sine dubio fastum 
luxumque aversareris neque tanto studio tranquiUitatis pertaesa 
in tui ipsius pemiciem novorum motuum yeterum oblita occa- 
siones quaereres! 

Omnibus portis urgentibus et instantibus a tergo retinctis 
gregatim eflfundimur atque in mille vias mundi per nivem plu- 
viamque spargimur, ventos et frigora patimur. Fabricius, qui 
multos concionibus suis ab anabaptismo retraxerat, manus infen- 
sorum sibi retinctorum mutatis vestibus vix vivus elapsus est \ 



äoita noith gekommen und verstorven, ellendichlich verdreven." Auch bei 
H. Dorp a. a. 0. geschieht die Vertreibung „on alle schewe einige alters, 
ja auch schwanger frawen, deren etliche, ehe sie recht zum thor hinaus 
kamen, schaden an jrer frucht erlieden haben." 

*) Fabricius giebt in seiner Selbstbiographie („Bibliotheca Brcmensis'* 
Classis 4 fasc. 1 pSremae 1720] S. 78) folgenden Bericht: „Tandem cum 
optimi qulque ex ea civitate bis malis fracti aut nitro fugissent aut vi 
eiecti essent egoque contra hos furioses homines penc solus remansissem, 
me aut ad necem aut ad fidei meae negationem quaesierunt ac me in- 
ventum satis inhumaniter tractarunt. Verum cum me infractum vidissent, 
vitae meae parcentes ex urbe plane miserum dimittunt . . . Ego ... in 
Hassiam redii." Ausfahrlichere Nachricht finde ich nur bei P. Plateanns 
a. a. 0. £r erzählt: „Quidam e schola nostra illuc Hebraica docturus erat 
missus. Eum raptum in forum circumstetit concio furiosorum iubens pro- 
phetas Spiritus de eo sententiam edere. Responderunt frustillatim disse- 
candum, proditum enim Satanae. Effectumque habuisset cruentum oracu- 
lum, nisi quorundam beneficio ... supplicio fnisset subtractus ac fugere 
permissns. Alteri, quem ante aliquot menses eodem miserat princeps noster, 
ut evangelii veritatem contra istos assereret^" (das kann nur auf Fabricius 
gehen) „idem supplicium sanguinarius hie Spiritus decemit. Sed in cister- 
nam quandam a mulieribus demissus biduum et hominum cmdelitatem et 
mendacem hunc spiritum latuit tandemque faga elapsus salutem repperit.'' 



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Anno 1534 acta. 539 

Qxii obsidionem non fore dintnmam sibi persuadens Warendorpiae 
se aliquamdiu continuit. Hie etiam nobis itineri iam accinctis 
mnltisque aliis consuluit, ne longius Monasterio abiremus; de- 
ditionem enim eins brevi faturam *. Sed vicit ccmsilinm domini 
nostri Weslingi uxorem snam cum familia nostra per literas ad 
se Hervordiam vocantis. Senatus hunc Pabricium sibi a prin- 
cipe clementer permitti per literas efflagitat, si enm, quem nnnc 
habeat, concionatorem, etsi sacramenta legitime dispenset, non 
patiatur*. Princeps vero rescribrt*, nt senatus promissae me- 
mor sit fidei. 

Eodem tempore dominus Hermannus Dungellius *, praepo- 
situs Mauritianus ac Moguntinensis, Monasteriensis Xantensis- 
que ecclesiarum canonicus, vir et pietate et annorum numero 
vene*randus suo currui cum quatuor ministris insidens impetrato »p. 461. 
a consulibus tuto commeatu emigrare contendit. Huic in media 
fere urbe apud creopolion loannes Matthisson propheta occurrit 
hastaeque aciem, qua armatus erat, in pectus Dungellii coUocat. 
„Non hinc," inquit, „veterane impostor, impune abibis; aut enim 
animam aut pecuniam, quam habes, evomes nobisque relinques.^ 
übi rero iUe publicam fidem imploraret sibique emigrandi tu- 
tum commeatum a consulibus datum dictitaret, propheta cum 
sua ibi cohorte se nihil promisisse neque se consulum commea- 



') Dafs übrigens Viele innerhalb und aufserhalb Münsters derselben 
Meinung waren, bezeugt H. Gresbeck S. 21. H. Dorp Bl. £ 1 führt als 
Grund dafür, dafs Manche in der Stadt blieben, an, dafs von selten des 
Bischofs „des unschuldigen nicht weniger verschont ward, denn des schul- 
digen, sondern beider teils gef englich angenomen und mit dem schwerd 
gestrafft wurden, wie wol sie nicht Widderteuffer waren.** 

*) Yergl. das Schreiben der Stadt Warendorf an den Bischof vom 
22. März (bei J. Niesert: U.-B. V. S. 237 f.). Die Stadt bittet, falls sie 
ihren Predikanten nicht behalten dürfe, möge ihr der Bischof seinen Kaplan 
Johann (v. Sjburg) schicken, und wenn auch das nicht thunlich sei, „wei- 
den wy dannoch i. f. g. gebedden hebben genedichliker umme Godes wyllen, 
uns den solven predicanten, de uth Munster gedrungen, den . . . Her Phi- 
lippus Lantgrevo to Hessen bjnnen Munster gelent hadde, welker doch 
hir is gewest und van uns begert, dat wort Godes tho pre- 
deken, dat i. f. g. wolden vergunnen, den solven antonemen, so veer 
mogelick.'' — *) Nicht mehr nachweisbar. 

*) Das Folgende ist nur von Kerss. überliefert 



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640 Anno 1534 acta. 

tmn magnopere cnrare respondet simulque in virom mein prope 
consternatum irnrnnt, annnlis digitis detractis omnibnsqne pe- 
cuniis et ornamentis enm spoliant spoliatnmqne dimittunt. Qle 
post aliquot dies literis* in urbem per lodocum Boemekenum, 
ministrum snnm, missis de yi sibi illata et bonis contra fidem 
pnblicam sibi ereptis annnlos maxime signatorios reposcit et 
nisi reddantnr, se istam iniuriam etvim imperii principibus et 
bene constitntis rebnspnblicis bonisqne yiris onmibns cum queri- 
monia explicatnrum. Sed nihil nisi verba ignominiosa vixque 
scurris digna reportat. 

Et cum quaedam matrona, uxor Godofridi Weraeken^ 
quae in platea Aegidiana publice diversorio rosa insignito prae- 
erat, nimia pinguedine praepedita neque ingredi neque currus 
copiam habere posset, in urbe mansit. Ad quam retingendam 
mittitur Bothmannus, qui mulierculae isti multa de foederis 
signo, sine quo nemo salvus fieri queat, concionatur et, ut illa 
se retingi et charactere christianorum insigniri patiatur, instat. 
nia se baptizatam esse clamat neque aliud baptisma, quam quo 
maiores sui sint abluti, optare. Ille: baptisma illud ad salutem, 
nisi secundum accedat, nihil prodesse. Illa: tantum sibi pro- 
desse, quantum maioribus suis; sinat se saltem suo more vivere. 
,,8i,^ inquit Bothmannus, „tanta pertinacia spiritui Dei resistere 
non desinis, e consortio piorum morte tollenda es, ne tua im- 
pietate iram Patris in nos accersas et nos tui sceleris participes 
*p. 462. facias.'' Illa vero mortis mentione *intellecta expavescit. „Si 
igitur,^ inquit, „vis me rebaptizare, rebaptiza me in nomine 
centum diabolorum; nam in nomine Dei sum semel baptizata.^ 
nie autem eam suo more retingit. 

Hanc civium calamitosam fugam divinitus contigisse Both- 
mannus Omnibus persuadere laborat. Hac enim Deum Patrem 
suos ab hostili motu, cui impliciti tenebantur, eripuisse, imo 

«) Ms.: literas. 



') Das folgende Beispiel berichtet nur Eerss. H. Gresbeck S. 20 
sagt im Allgemeinen: „So haben die predicanten ein deil luede in den 
hneseren gedoept von olde mans nnd frawen, die nicht up dat marckede 
gain künden, nnd die ock nicht up dat marcket gain wolden, und hebben 
sie so ein deil gedoept mit guden werte . . .** 



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Anno 1534 acta. 541 

ipsos ab intemecione singulari beneficio suo vindicasse. Quibns^ 
argnmentis multos passim per literas snas ad hanc sectam et 
nrbem invitat. Scribit enim ad Henricum Schlachtschapinm et 
alios snae farinae concionatores in haec verba^: 

„Bernardus, lesa Christi in ecclesia sua, quae est Mona- 
sterii, minister, Henrico Schlachtschapio, suo fratri. Gratia Do- 
mini in fortitndine Spiritus tecum et cum omnibus fidelibus! 
Tänta et tarn magna sunt Dei mirabilia, mi frater, quod sl 
haberem linguas centum, non possem tamen exprimere, quare 
etiam scribere non possum. Dominus magnifice operatus est 
nobiscum. Liberavit nos Dominus de manibus inimicorum no- 
strorum et non modo liberavit nos, sed etiam eiecit hostes no- 
stros. Turmatim enim efiluunt terrore percussi nescio quo. 
Dominus testificatus est nobis per prophetas suos fore, ut in 
bac civitate congregentur sancti* Dei. Ideo iusserunt, ut scri- 
berem tibi, ut iubeas fratres omnes huc propenire et, quae ha- 
bent in promptu, ut pecuniam, aurum et argentum, secum ferant^ 
reliqua permittant sororibus, ut ipsae disponant et sequantur. 
Yos diligenter videte, ut spiritum Dei sequamini et nihil ex 
came statuatis. Frater iste plura coram vobis exponet. Valete 
in Domino!" 

His ita per yim exactis ^, cum iam soll urbis imperio poti- 
rentur, religiosorum habitationes inter advenas distribuunt. Coes- 
feldianis domus Georgianorum, Leodiensibus fratrum Fontissa- 



*) Nur durch Kerss. überliefert. Ueber Slachtscaef, der der ihm ge- 
wordenen Anffordernng, nach Münster zu kommen, sehr bald Folge leistet 
(vergl. H. Gresbeck S. 25 ff.), s. besonders C. A. Cornelius: M. A. 11. 
S. 848 ff., J. Habets: De wederdoeper to Maastricht (Rocrmond 1878) 
8. 216 ff. und E. Rembert: Die Wiedertäufer im Herzogtum Jülich (Münster 
1893) S. 13ff. 

*) ^Die predicanten,^ so bekennt Jakob von Osnabrück (s. J. Niesert: 
U.-S. I. 8. 157), „haven ime in synen mundt gelacht, . . . allein bynnen 
Munster solte frid und Sicherheit sein ; das sie die stat des Hern und nuwe 
Hierusalem, da solle de Herr die syne erhalten, und alle genuch haven.^ 
Ygl. auch das Gest&ndnis des Joh. Eloprifs bei J. Niesert a.a.O. S. 115. 

') Der Bischof schreibt am 1. März aus Telgte an den Landgrafen 
(Orig. im 8t.-A. Marburg), „das alle andere einwoner bei etlich tausent» 
80 irer conspiration und lere nicht haben gewertich sein wollen,"* verjagt 
worden seien. 



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542 Anno 1534 acta. 

lientis, Frisiis Nitzinganarnm virginum, Gilthnsianis Minoritarum 
monachornm, Warendorpensibus loannitamm aedes inhabitandae 
assignantnr ^ lulius vero Frisius episcopns in nrbe creatns, qni 
solns baptizandi munere fangeretor, Binganarnm virginam tecta 
^p. 463. colit. Coenobium antem a valle *rosarnm appellatum fit carcer 
feminarum maritis snis non parentinm^ 

Hinc primam aedes nobilinm canonicornm, qnid in Ulis 
Sit relictum, explorant et quidam cives in eas habitatum demi- 
grant®. KnipperdoUingus vero, Kibbenbrochus, Nicolaus Snider, 



") Schon Jakob von Osnabrück hatte auf seiner Mission verkündigi; 
(s. J. Kiesert a.a.O.): »Die Christen haven bynnen Munster hujser und 
bedden bestelt auf alle Christen, so ankhomen, zo underhalden, euch essen, 
drincken, gelt, kleider innen mitgheven. Dan die predicanten haven ge- 
sacht, dat die stat so fol volcks suld khomen, das man hujser uft dem 
doemhoeffe, im doem und kyrchen für die Christen bouwen, und zoletzt, 
so sich das volck vorgadert, soulden in der beiden und goÜosen huyser 
und gueder underhalden werden.** — Ueber die Verteilung der Klöster 
unter den Zugewanderten liegt uns aufser dem Berichte Kerss. noch der 
des U. Gresbeck S. 165 vor. Er erwähnt auch das üeberwasser- und 
Aegidükloster und führt an, dafs in jedem derselben „dry ofte vehr iunf- 
feren, die in der stat weren gebleven," lagen. Das erstere verwahrte „ein 
mansmensch von Coistfelt,** das letztere „der schulte, der thovoem plach 
tho sein in dat cloister; der hadde vehr frowen." In Bezug auf die Zu- 
weisung der Georgs-Eommende an die Coesfelder, der Johanniter-Eommende 
an die Warendorfer und des Niesingsklosters an die Friesen stimmen die 
Angaben Eerss.'s und Gresbeck^s überein. Im Minoritenkloster aber läfst 
Gresbeck aufser den Bürgern von Gildehaus noch die von Schöppingen 
„und ander fromet volck,** im Fraterhaus „allerlei frembt volck und lans- 
knecht** wohnen, und er fügt hinzu : „So hcbben sie ouck umbher besoicht 
die anderen iunfferen cloisters, die suster hueser und beginen huse und 
ander vergardingk mit dat frembt volck . . ,** 

') Diese Angabe, die Eerss. weiter unten noch einmal wiederholt, 
wird bestätigt durch H. Gresbeck S. 65. An einer andern Stelle (S. 43) 
jagt Gresbeck, dafs das Bosenthalkloster das Gefängnis gewesen sei über- 
haupt für alle, „die noch ungeloevich weren von den wiederdoepers und 
wolden nicht von der dope holden, und die iene, die in der stat weren 
gebleven und hedden sick nicht laten doepen, und alle die iene, die noch 
gelt, silver ofte golt hedden beholden und hedden wat bei seiden gehuit 
von kost ofte von kom.** 

^) Hier und teilweise auch in den folgenden Schilderungen, die die 
jchon oben S. 520 ff. beigebrachten Nachrichten über die von den Wieder- 
täufern angerichteten Verwüstungen nicht ohne manche Wiederholungen 



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Anno 1534 acta. 543 

Gerardns Koeninck^ et alii complures snb fomicibus commo- 
rantes perfractis muris dominornm habitationes sibi commnnes 
faciont. In horto autem Melchioris a Bnren cellarii, nbi postea 
regia fuerat, bombardas aliasque belli machinas fundnnt*; pul- 
verem vero tormentarium in templo veteri D. Pauli mola tru- 
satili erecta tundunt^; in aliis pluribus locis urbis ex aqua per 
terram e celli& passim eflfossam colata et praesidio ignis elixata 
nitrum conficiunt*. Omnia quoque cleri secundarii civiumque 
egressorum tecta subeuntes abditissima quaeque scrutantur; fa- 
muli famulaeque dominis suis pulsis in iisdem domibus, quibus 
servierant, nunc dominantur dominorumque suorum bonis pro 
arbitrio quasi suis fruuntur. Quicquid ex superioribus motibus 
in templis integrum relictum fuerat, disperditur. Libros ex 



erg&nzen, schöpft Kerss. wieder aus den Angaben des Herrn. Ramert, die 
Quelle für die Münstersche Bischofschronik geworden sind und die in dem 
Flugblatt „Die Ordnung** eine Ueberarbeitung und teilweise Erweiterung 
gefunden haben. Manche der von Kerss. gegebenen Notizen finde ich nur 
in der Chronik, andere wieder nur in der „Ordnung." Ich mache das in 
den folgenden Noten kenntlich und ziehe zur Ergänzung auch noch das 
Manuscript im St.-A. M. (M. L. A. 518/19 fol. 327» ff.) heran, aus dem ich 
das oben oft citierte „Tagebuch** habe abdrucken lassen. Ygl. meine Be- 
merkungen in der Ztschr. 51 (1893) S. 107 ff. 

') Der Druck der „Ordnung*' giebt die Namen oft sehr entstellt 
wieder, so heifst es hier: „und seind dise capithenier Eiebenbrot, Bern- 
hart Enopperdelingk, Claus Schneyder und Bernhart Remmingk." 
Als Letzten unter ihnen oennt die Bischofschronik einen Gert Beminck 
(Bawinck), und im Manuscript des St.-A. M. heifst er Gert Reyninck. 

') „Ordnung*' und Chronik, doch nur die Chronik hat die Notiz, 
dafs sp&ter in dem Hofe des Melchior v. Bueren die Wohnung Johannas 
V. Leiden gewesen sei (s. darüber weiter unten). Die „Ordnung" fügt hinzu: 
„darinnen haben sie aylff stuck gegossen, darunder seind vier schlangen, 
ein gröfs, ein klein stuck, ein halbe schlangen, das ander steinschlangen 
tmd falkanetlen." Sie giebt dann (wie ähnlich auch das Manuscript im 
St-A. M.) noch an, dafs in demselben Hofe auch noch die meisten Fenster, 
Bilder, Wappen und Geräte vernichtet wurden. 

») Nur in der Cllronik erwähnt. Vgl. auch D. Lilie S. 231. 

*) H. Gresbeck S. 47 berichtet: „Sie hebben dagh und nacht 
pnlver gemacket in der stat und hebben twe oliemollen gehat, dair hebben 
de kmit ofte polver up gemacket. Und hedden in den olden doem ein 
stempelmolle gemacket, dair sie ock pulver up gemacket hebben, dat sie 
al dat belech krudes genoich hedden.'' 



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544 Anno 1534 acta. 

onmibns templis in campom dominicnm congestos ctun literis 
consignatis exnrunt, libros vero rationum et acta iudicialium 
causarum discerpunt ac per vicos disiiciunt ^ Vitreas fenestras, 
in quibus ant insignia maionim aut imagines Patrum Sancto- 
rumque reperiunt, baculis, fastibus et fundis confringnnt. Nullas 
enim Christi crucifixi, Mariae Virginis, Apostolornm aut Mar- 
tyrum imagines, qnas non perdant, femnt^; at diabolorum, lu- 
daeorum impiorumqne tyrannorum icones nuUa retinctorum ma- 
nus violavit. Ossa Sanctorum dissolutis reconditoriis et anro, 
argento margaritisve, quibus exomata fuerant, raptis per vicos 
strata indignis modis proterunf*. Idolum deiparae Virginis bi- 
frons et deauratis quasi radiis circumdatum in medio templi 
Transfluviani ex testudine suspensum deturbant*; Organum in- 
*p. 464. signe et no*vum excindunt*, sedilia, altaria et pulpita omnia 
templorum urbis comminuunt. Coenobia virginum Transfluvia- 
narum et Aegidianarum depraedantur". In monasterio Georgia- 
norum in quadam cista ex tabulis roboreis non dolatis instar 
sarcophagi composita duo eucharistiae repositoria deaurata, Yulgo 
moDstrantias, quatuor calices, argenteum thuribulum, Septem 
cochlearia et aliquot scyphos argenteos, pateram omnis generis 
argenteorum numismatum et arculam auro signato refertam de- 
prehendunt*^. In curia tarn publica quam graphiaria discussis 
seris magnum illud civitatis Signum Paulini capitis insculptam 
effigiem habens collidunt; secreta curiae et per multos annos 
abdita eruuntur, monumenta privilegiorum, plebiscitorum con- 



*) Zur Vernichtung der Dombibliothek vgl. oben S. 523. Die syste- 
matische Verbrennung der Bücher am 15. März erzählt Kerss. weiter unten 
nach H. Dorp. Dort s. das Nähere. 

«) Vergl. dazu oben S. 522 f. A. Corvinus schreibt 1536 an G. 
Spalatin (s. P. Bahlmann: Bibl. 1536 Nr. 4; im Originaldruck Bl. Bl^): 
,,Imaginibus adeo infensi fuerc, ut etiam pictarum in parietibus ac fene- 
stris facies, oculos ac ora misere fedarint^' 

•) Nur in der „Ordnung." Ganz ähnlich im Manuscript. Vgl. auch 
das Bekenntnis des Dionysius Yinne (M. G.-Q. IT, 274). 

*) Das überliefert Kerss. allein. — *) Nur in der „Ordnung." 

') Nur in der „Ordnung." Aehnlich im Manuscript 

') Nur durch Kerss. überliefert. 



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Anno 1534 acta. 545 

stitutionumque municipalium lacerant et discerpunt^ Episco- 
porum vetemm imagines ornatus et memoriae causa citriae af- 
fixas deiiciunt ; omnia simulachra et effigies Dei piorumque ho- 
minnm perdnnt et obliterant, ne quicquam eorum pubescentis 
iuventutis memoriae insideat *. Principis insignia episcopali aula 
dimota in caeno conculcant, fistnlas, cytharas, testudines, bar- 
^yt^9 lyi^s reliquaque mnsices instrumenta chordis fidibasque 
obdncta, canoris cantns tarn fignrativi quam plani libellos, fri- 
tiUos, alveolos, Chartas onmiaqae, quibus temporis taedimoi pel- 
litur, passim in aedibns reperta dissecant, ne aliis stndiis, quam 
munitionibus flrmandis sint occupati et intenti®. 

Haec plus quam cjclopica et contra omnem humanitatem 
inunanitas et belluina retinctorum feritas, qua usi sunt in ex- 
pellendis civibus, principem, quem tunc Telgeti videram, ad 
obsidendam urbem maturare cogit. Exercitus itaque pedestres 
turmasque equitum et agricolarum turbas passim in oppidis 
pagisque remotioribus coUocatas evocat et paulatim urbem pro- 
pius admovit. Praemissis ergo locorum exploratoribus nee non 
castrametatoribus, qui loca castris apta desig^'narent, die 28., *p. 465. 
quae fuit ultima Februarii*, circa vesperam ex propinquioribus ^».Febr. 



*) Chronik und „Ordnung," doch sind nach der ersteren nur »et- 
liche privilegia," nach der letzteren „die bücher und privilegia 
alle verprent." In dem Manuscripte ist die Vernichtung des Stadt- 
siegels nicht besonders erw&hnt. Es heilst dort nur: „Item wat men up 
den raiihuse und der schriverie in yenigen slotten konde vinden van segelen 
und breven, alle gebranth." 

*) Nur in der „Ordnung/ Doch heilst es dort: „und die gemalten 
wiU man aufswischen/ Ebenso in dem Manuscripte. 

*) Nur in der „Ordnung/ doqh ist dort, ebenso im Manuscripte, 
nicht von der Vernichtung der Musikinstrumente u. s. w. die Bede, sondern 
es heilst im Anschlufs an die Zerstörung des bischöflichen Wappens : „Auch 
so ward auff s. g. sali aller hämisch und waffen und was raysig war darge- 
pracht; da mocht ein yeder auff gehen und nemen, was ihme dienstlich war." 

^) Die Anstalten zu einer regelrechten Belagerung waren wirklich 
im Laufe des Februar getroffen. Siehe oben S. 477 Anm. 2 u. S. 523 ff. 
Wie wenig wirksam aber bei dem Mangel an Eriegsleuten, Eriegsgeräten 
und an Geld die Mafsregeln waren, geht schon daraus hervor, dafs der 
Bischof mehrfach den AmÜeuten seinen Befehl wiederholen mufste, den 
Zuzug Ton Knechten nach Munster schärfer zu überwachen. Vergl. die 

11 



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546 Anno 1534 acta. 

circnmquaque oppidis agricolae armati excitantur, qui praevectis 
in aliqnot cnrribns palis, secnribns harpagonibusqne primas ca- 
strornm mnnitiones tnmoltuario Labore fodiant. Hi ergo ad- 
innctis duotoribas ex militibns qnibusdam, qui ipsos ndlitaria 
tyrocinia et qnae potissimom in hac expeditione opus erant, edo- 
cerent, erectis signis militaribus obsidionis principia capessunt. 
Hos in media nocte dimotis stationibus castrorum assuetis mi- 
lites sequuntur et munitiones subito labore ab agricolis in nocte 
illa excitatas oecupant. Castra itaque peditum Septem locantur ^: 



bischöflichen Schreiben vom 24. Febr. und 8. März bei L. Keller: G.d W. 
S. 308 u. 310 f. Yerhandlangen des Landtages zur Begegnung der Gefahr 
fanden erst am 17. März Statt. Wirksame Hülfe von benachbarten Fürsten 
traf erst nach dem Tage von Orsoy (26. März) ein. Vgl. dazu und zu der 
bedenklichen Lage des Bischofs die Ausführungen bei L. Keller a. a. 0. 
S. 243 ff. — Das Datum des 28. Februar für den Beginn der Belagerung 
entnimmt Kerss. der Angabe H. Dorp's Bl D4^. Der Bischof selbst 
schreibt gegen Ende des Jahres 1534 dem Papste Paul m. (s. J. Niesert: 
U.-S. I. S. 84) : „ürbem circiter Calendas Martias anno 1534 obsidere coe- 
pimus.** Auf den zur Erinnerung an den endlichen Fall Münsters geprägten 
Siegesmünzen ist als Tag des Anfangs der Belagerung der 1. März ange- 
geben, lieber die Notiz D. Lilie's, dafs die Stadt bereits am 22. Febr. 
„berandf sei, vgl. F. Bunge in seiner Ausgabe S. 225. Ungenau ist auch 
die Angabe in der Flugschrift: „Der gantze handel und geschieht** (s. P. 
B ahlmann: Bibl. 1536 Nr. 8) Bl. A l^: „Der bischoff ... hat die stat mit 
hilff und bejstand des Ertzbischoff zu Cöln, des Hertzog zu 
Cleve und Jülich, fort etlicher anderer ffirsten mit heeres krafft 
zu fufs und zu rofs umbgeben und belegert im an fang des Mertzen.** 
^) Bei der folgenden Aufführung der Lager vor der Stadt verfährt 
Kerss. wieder ohne Beachtung der Chronologie. Ueber die Zeit der An- 
nahme der einzelnen Hauptleute s. oben S. 525 Anm. 1. Die Bischofs- 
chronik S. 331 spricht zunächst von fünf Lagern, dem vor St. Mauritz, dem 
bei der Enkingmühle, dem Olevischen vor dem Kreuzthor, dem Geldrischen 
vor dem Jüdefelderthor und dem Oberländischen vor dem Aegidiithor. ^Dar 
korth na quam,** fährt sie fort, „ein ander hupen knechte, de worden ge- 
legert iegen dat Fraterhuifs und hete dat nie leger.*' Die Chronik nennt 
also das Lager vor dem Ludgerithor nicht. D. Lilie erwähnt S. 226 f., 
der Bischof sei „mit einem geweidigen veltlegger tom Dickhuse** (Haus 
Diekburg in der Landgemeinde St Mauritz) gekonmien und habe „dar ock 
mit der tidt geschuts genoich lathen voren unde worden vor Munster seven 
geweidige legger van landesknechten geslagen.** Er nennt nur das Mauritz-, 
Geldrische, Meissensche, Oberländische und Clevische Lager. In einem 
Schreiben des Bischofs vom 4. April aus Wolbeck (Konzept im St-A« M.), 



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Anno 1534 acta. 547 

primnm inter exusti Mauritiani coUegii mdera et favillas, cui 
Wilkinns Stedingus, etsi totins quoque peditatus dui primarins 
faerit, pecnliariter praefait; secnndum ante portam Ladgerianam 
in agro avenario, cains Joannes Corytzerns Seynanns moderator 
fait; tertinm ad portam Aegidianam in loco hnmiliori et sabn- 
loso inxta viam pablicam, qnod a Misnensibus militibns Mis- 
nense appellatnm fnit, cui Albertus Beltzius praefuit. Qui cum 
expeditionem prünam ad urbem facerent, praedio domini Gerardi 
de Plett^nberch in paroecia Sendenhorsthana sito sine causa, sed 
eingulari nocendi libidine in clerum accensi flammas iniecerunt 
illuclque penitus exusserunt. Hi quoque tantum audaciae sibi 
arroganter tribuebant, ut, cum urbem eminus intuerentur, non 
opus esse ad eum viculum expugnandum tantis viribus, machinis 
et apparatu bellico clamitarent, minori enim se illum negotio 
et citius subacturo^% quam panes tepido iure perfusos. Quartum 
inde amne interluente ad portam Marianam haud ita procul a 
Telta, amplissimo et fecundissimo prato, quod Hermanni Sittardi 
ducis imperio paruit; quintum ad portam ludefeldanam iuxta 
porcorum aquarium, quod et Geldriacum a militibns et Qeldriaco 
duce primario Egberte Devereno denominatur; sextum ad portam 
Crucis Clivense appellatur, cuius sceptra Laurentius Horsthanus 
tenuit; septimum trans amnem ad molam Enickinganam ^ Swer- 
husius rexit. Septem proinde peditum stationes et castra *circum »p. 466. 
urbem disponuntur validisque militum praesidiis firmantur. Hinc 
matutino tempore diei primae Martii magistri stipendiariorum i. Msrz. 
equitum pedestres exercitus subsequuntur et in locis propinqui- 
oribus urbis, extra iactum tamen urbanorum telorum stabulan- 
tur, quorum Fredericus ab Eller cum suis ad septentrionem in 
Evinckhovio castra collocat, Henricus a Schonebecke ad occasum 
in Eokelenburgo, Gerardus de Becke ad aquilonem in Hakelen- 

•) Ms,: subacturum. 



in dem er den Amtleuten befiehlt, Proviant in die Lager zu schaffen, werden 
Lager ^to Enekenckhove, vor de Jodefelt porten, vor Sunte Ilien porten, 
to Snnte Mauritius, tom Koldenhove'' angeführt. 

') Zur Enkingmühle vor dem Keubrückenthor, da, wo seit 1884 das 
städtische Schlachthans sich befindet, s. A. Tibus: Die Stadt M. S. 24. 

11* 



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548 Anno 1534 acta. 

bnrgo, loannes de Koerte ad orientem in Woesta, loannes a Senden 
ad meridiem inxta aedes Eberardi Bischopingi prope Geistham, 
loannes vero de Dincklage ad earoaastmm in Lnkenbeka ac 
Eoldenhovio^ Ita antem eqaites peditesqne castrametantnr, ita 
sunt vicini, nt mutua sibi anxilia necessitate postulante adferre 
queant. Quaelibet castra aggeribns, fossis, tormentis aliisque 
rebns necessariis accnratius pedetentim commnninnt; yigiliae et 
excnbiae tarn diumae qnam noctnrnae habentur. Trinm qaoque 
dioecesinm snamm beneficiarios clientes, qnos vasallos vocant, 
armis eqnisque bene instmctos ad primam diem Martii Telgetum 
atque Woltbecam princeps convocat, ut stipendiariis sese con- 
inngant eorumque turmas, si forte opns sit, suo robore angeant *. 
Hinc praeter crebras exactiones et tributa, quibns dioecesis in 
praesidium belli atteritnr, qnaeqne nnnc clero, nnnc nobilitati, 
nunc civibus exulantibus, nunc ruricolis, nunc praediis, nunc 
pecudibus, nunc aratris pendenda imponuntur, in principio Martii 
ornamenta quoque e templis per totam dioecesim sublata sunt ', 
quae tarnen pecunia aestimata a paroecianis redimuntur. Unde 
multi motus passim sunt concitati, maxime in urbibus. Nam 
cum Boeckholdiani omamentorum in Dei honorem a piis maiori- 
bus suis dedicatorum aestimationem aegrius ferrent, contentio 
gravis est exorta, in qua Georgius a Deipenbrock ac iudex eins 



') Die Reiterfahrer sind dieselben, die Eerss. schon ohen S. 524 angab. 

*) Die Ritterschaft wnrde zum 2. März nach Wolheck, die Münster- 
schen Erhmänner wurden nach Telgte aufgeboten (Konzept im St-A. M.). 

') Mit Bezugnahme auf die Ausplünderung des Münsterschen Domes 
erging im Einverständnis mit der Landschaft schon am 27. Februar ein 
bischöflicher Befehl an die Amtleute (gedr. bei L. Keller: G. d. W. S. 309). 
Es heifst darin zunächst nur, er wolle die „kercken klenodia to eynes yderen 
besten ein tjtlanck in getruwe verwarunge" nehmen „befs tor tyth dyt 
unchristlich uprorisch vornement des gemeynen mans . . . gestillet." Schon 
gegen die Ablieferung leimte man sich an vielen Orten auf. Ygl. aufser 
dem Berichte des Drosten Job. Valcke aus Vechta vom 15. März (bei J. 
Nieser t: U.-S. I. S. 22) die Schreiben des Amtmanns Wilhelm v. Ellen 
zu Assen vom 16. März und des Amtmanns Job. v. Büren zu Werne vom 
4. April (Orig. im St.-A. M.). Gröfser wurde die Erregung, als bald darauf 
das Ansinnen gesteUt wurde, man solle die abgelieferten Kleinodien mit 
Geld wieder einlösen. 



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Anno 1534 acta. 549 

oppidi partes princlpis iubentis defendentes a civibns interceden- 
tibus propemodum fuissent occisi*. 

Ubi Knipperdollingus ac Kibbenbrochus urbem obsidione 
episcopali undiqne cinctam esse animadverterent^ omnes oppi- 
danos subito *armatorum discursu nonniliil consternatos convo-*p. 467. 
cant coDYOcatosque Enipperdollingas sie compellat^: „Cnm dos 
non leyiam neque impiormn papistamin et pseudoevangelicornm 
iudicium, sed vester omnium incorruptus assensus non sine pe- 
culiari Patris coelestis snggestione ad hoc honoris et dignitatis 
fastigiom etiam invitos evexerit, fratres christianissimi et vera 
Abrahami posteritas, divinae qnidem ordinationi relnctati fois- 
semns, si a Patre mnnus nobis suornm cansa impositam, etsi 
difficile et ingeniorum nostrorum viribus impar, aversati fuisse- 
mus. Maluimus igitur caecorum papistarum et pseudoevangeli- 
corum, quos iam urbe exegimus, quibuslibet conviciis pro libi- 
dine sua proscindi, quam dispositioni divinae et maiorum no- 
strorum moribus adversari. Libenter itaque vestro tarnen noniine, 
quicquid est oneris, nostris humeris imponi passi sumus. Cum 
hoc enim magistratu ea suscepisse videmur, sine quibus ille 
recte geri non potest. Non potest autem recte geri, nisi soUi- 
cita cura et diligentia pro subditis, ne quid incommodi capiant, 
vigiletur; quod officium cum ad nos quoque pertinere cognovi- 
mus, huc vos convocavimus, maxime in hoc metu publice, ut 
inopinatam quorundam trepidationem, si quam forte ex subita 
obsidione hostium impiorum conceperunt, mutua omnium prae- 



*) Die Unruhen in Bocholt fanden erst im August statt Wir sind 
n&her darüher unterrichtet durch ein Schreihen der Stadt an die bischöf- 
lichen Räte Tom 11. August (Orig. im 8t.-A. M.). Der Rat erklärt sich 
darin für unschuldig und sagt, der Aufruhr sei durch einige Weiher aus 
Mifsverständnis yeranlafst, da man gemeint habe, die Kleinodien sollten 
mit Gewalt genommen werden. Der Brief bestätigt, dafs der Drost und 
der Richter Joh. Isynck in Lebensgefahr gewesen seien; doch hat der Rat 
„myt groten, swaren arbeit ... die uprorige haesticheit onser bürgeren 
gcstnjrt, dat dair awer nyeraant geroert off gequesset ys worden.'^ Die 
Kleinodien soUten, wenn es notig sei, geliefert werden. 

*) Vgl. auch Ker8s.'s Jugendgedicht S. 34f. (bei D. Ger des a.a.O. 
S. 573). Aehnlich läfst Joh. Fabricius Bolandus Bl. L5 Rothmann 
Tor dem ersten Sturme um Pfingsten zu dem Volke reden. 



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550 Anno 1534 acta. 

sentia et verborom solatio levemus, deinde cum hoc negotium 
ad nos pertineat, nt rei gerendae modmn commnni etiam con- 
silio ineamus ac üs, quas Pater dedit, viribus ac annis adversus 
hostes nostros utamur. Quod autem ad metum attinet, quis 
vestrum erit, qui formidabit, quis metuet, cum nullus metus 
Sit in urbe? Eum enim cum flagitiosorum colluvie ferrum in 
nos assidue acuente urbe fugavimus, domesticam caedem clan- 
culum nobis machinautes profligavimus, simultatem exterminavi- 
mus, insidias expulimus, periculum eiecimus; domesticus hostis 
excessit, unius sumus religionis, unius fidei ac tales, quales nos 
esse oportet. Nullum igitur intra parietem bestem extimescimus, 
omnia iam in urbe sunt salva, integra, pacata. Quid igitur 
metuimus? hostemne mercenarium, impium militem, raptorem, 
contra Patrem suosque electos ac charactere foederis insigüitos 
arma sumentem, quem foris grassantem, idola colentem, luxn 
diffluentem, scoria sectantem, omnium vitiorum genere conta- 
^p. 468. minatum prospicimus? At ille metus foris est; inter illum *et 
nos munitiones sunt. Murus enim satis firmus, vallum praeceps 
et agger praeruptus, fossae aquarum multitudine profundissimae 
aliaque propugnacula, imo arma nostra omnem metum a nobis 
arcent, nisi nostra culpa et ignavia iterum admittatur. Ad haec 
nihil, quod ad defensionem pertinet^ desideratur. Sunt nobis 
omnis generis arma quam plurima; tanta nobis est bombar- 
darum multitudo, ut non solum propugnacula, castella et ag- 
geres circum urbem per modica etiam intervalla, verum etiam 
singuli vici et plateae tormentis muniri possint; sunt globi tor- 
mentarii; superest plumbum in tectis templorum turriumque, 
unde fundi queunt. Pulvis nitratus in aliquot etiam annos nobis 
suppetit, nee nobis sulphur nitrumque deest. Immensas opes 
auri argentique impius iussu Patris exactus nobis reliquit. Urbs 
tota frumenti copia omnique commeatu abundat. Haec omnia 
Pater nobis sine discrimine ullo dedit, haec quasi in sinum 
nostrum absque sudore nostro efTudit. Sola fortitudo et con- 
stantia nostra requiritur; dabit cetera Dens! Meditemini enim, 
cuius negotium agatur cuiusve gloria quaeratur! Cogitate, quis 
Sit dux noster, quis signifer, qui milites, quae causa belli! e di- 
yerso, quis sit dux hostium, quis signifer, qui milites, quae 



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Anno 1534 acta. 551 

causa armornm! Opponite Patrem coelestem pontifici ant La- 
thero, opponite Christum obeso episcopo, opponite charactere 
foederis signatos et viros fortes turbae rasae et eflfeminatae, op- 
ponite verbum Dei, quod nos defendimus, humanis inventis et 
constitutionibus ! Utrius exercitum maioribus pollere viribus 
existimatis? Hie pudor, iUic petulantia; hie vera fides, illic vana 
opinio et fraus; hie pietas, illic scelus; hie constantia, illic furor; 
hie honestas et continentia, illic turpitudo et libido; hie aequitas, 
pietas reliquaeque virtutes, illic iniquitas, impietas omnisque 
vitioram proluvies eflfervescit; hie mens sana, illic amentia et 
turbata conscientia! Expendite itaque altius, a quo duce nos 
pendeamus, quis nos adversus ista flagitia armaverit, quis de- 
fensionem suscipere iusserit. Nonne, si arma nostra flaccescerent, 
Pater coelestis tam in nos propter inobedientiam quam illos 
propter scelera et pertinaciam suam innumeris et inmiedicabili- 
bus morborum generibus bellum susciperet? Estne igitur satius, 
sine metu et formidine divinae iussioni parere, quam nos in 
eandem *cum impiis calamitatem praecipitare? Nostris utitur»p. 469. 
armis Pater, ea regit, ea in viscera impiorum disponit. Quem 
ergo timemus? Pugnent pro episcopo omnes papistae et pseudo- 
evangelici, dum pro nobis pugnat solus Dens! Glorientur hostes 
in humano praesidio, dum nobis divinum suppetit! Invocent 
inane Bomani imperii nomen, dum Pater coelestis suo auxilio 
nos non destituit! Episcopusne hos belli sumptus immenses diu 
sustinebit suisve opibus nostra moenia expugnabit, qui ipse inops 
et egenus, qui in initio belli multa aureomm millia aliunde 
mutuatur, qui arces huius dioecesis fere omnes hypothecariis 
creditoribus obligavit, qui aurum argentumque e templis in ex- 
tremum praesidium belli gerendi rapuit? Pro illone principes 
et populi suis impensis induent arma? in illiusne gratiam facul- 
tates suas nihil recepturi profundent? milesne mercenarins suis 
stipendiis militabit, qui non religionis, sed pecuniae gratia nos 
persequitur? Nonne igitur aerario exhausto dioecesique ad ex- 
tremam inopiam redacta urbem aut deseret et motis castris dif- 
fluet aut Signa sequetur? Si vero humanis viribus sit certan- 
dum, pro nobis bella parant Frisii, armant se Leodienses, ferrum 
acuunt Brabanti, sunt in procinctu Hollandi, vigilant pro nobis 



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552 Anno 1534 acta. 

fratres per Universum mundum dissipati, vigilant, quotquot Pa- 
tris agnitione in ultimis etiam angulis terrae sunt illustrati, 
quotquot charactere foederis sunt insigniti. fortunatam rem- 
publicam nostram, quae sub duce coelesti militare armaque cir- 
cumferre digna est habita, quae pro Dei nomine affligitur! in- 
felices hostes, qui suis flagitiis Patrem irritant, populum Dei 
prosequuntur verbumque illius irrident! Quis unquam, quaeso, 
contra Deum feliciter pugnavit? Nonne paucissimae piomm 
manus validissimos impiorum exercitus saepe fuderunt? Nos 
cum meliora signa sequamur, imitemur Apostolos, Prophetas et 
sanctos Patres Israelis, quos nullius unquam tyranni quantumvis 
ferocissimi minae terruerunt, qui in medio afflictionum astu yic- 
tores extiterunt et magnifice triumpharunt! Non nisi per discri- 
mina exemplo populi Israhelitici ad sedes quietas pervenitur; 
sine metu et confidenter quidem prius certandum est. Nemo 
enim ante pugnam coronatur. Excussa igitur omni formidine 
instruite adversus inimicos Dei, adversus hostes nostros anna 
•p. 470. vestra! *Bes enim hoc postulat, necessitas exigit, Pater iubet 
atque deposcit. Hoc sacrarium Patris sanctissimum, lianc sedem 
Dei purissimam, hanc Israelis haereditatem nunquam interituram, 
firmissimas has munitiones, haec tecta nostra non ruitura vigiUis 
noctumis diurnisque defendite, protegite et conservate, vim ho- 
stilemque impressionem propulsate, gladios impios a iugulis ve- 
stris arcete, liberos, uxores et vosmetipsos a perpetua servitutis 
miseria vindicate! Haec si feceritis, salutem, immortalem glo- 
riam aetemumque decus vobis cumulabitis. Nos, quamdiu san- 
guis in venis calet, quamdiu humeri anna gestare, quamdiu la- 
certi spicula torquere, gladios hastasque vibrare queunt, pro 
vobis extrema pati non detrectabimus, dummodo nostris vigiliis 
nostrisque laboribus omne incommodum a vobis vestrisque con- 
iugibus et liberis amoveamus. Ea, imo maiora, quam magistratus 
noster poscit, Deo duce agemus, quem vos venerari, precari atque 
implorare decet, ut suum populum ad gloriam nominis sui ab 
omni incommodo conservet et incolumem tueatur. Nunc autem, 
quod reliquum est, fratres christianissimi, defensionis a vobis 
ineatur ratio, designentur viri militari disciplina praecellentes, 
quorum apud nos non est exiguus numerus, qui miliüam nos 



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Anno 1534 acta. 553 

Qoceant, nobis praesint, nostri sint dnces, centuriones, princi- 
pales, ne imparatos nos hostis inveniat. Quid horam factnri 
sitis, accnratias consulite!'' 

Haec consnlis oratio quantmn audaciae qnantnmqne animi 
pavore propemodum constematis tribnerit, alacris et laeta praeter 
morem omniTun acclamatio satis demonstravit Hinc, uti Inssi 
sunt a consnle, dnces, signiferos, centnriones aliosqne militiae 
praefectos, qni sibi in praesenti necessitate praesint, sedata con- 
snltatione elignnt ^ Hi antem, ut vigiliae noctnmae diumaeqne 
per vices commode peragantnr, totam multitndinem primum in 
centurias, deinde in manipulos distribnnnt, qnibns etiam sena- 
torii ordinis viri ab excnbiis non immunes, ut omnis proditionis 
suspicio amoveatur, suis vicibus vigilaturi admiscentur '. Nemo 
est in urbe, cui non sit sua fanctio; singulis suus locus in 
publica urbis oppugnatione defendendus, quem aut vivi aut mor- 
tui teneant, severissime committitur; hostem enim validiorem 
in una aliqua parte urbis impressionem callide moliri, ut oppi- 
danis in se provocatis *munitiones aliqua in parte defensoribus*p. 471. 
nudatas superent. Quidam recentibus boum pellibus umisque 
coriaceis instructi ad incendium aut suflfocandum aut restin- 
guendum ab igniferis forte hostium iaculis tectis illatum deli- 
guntur. Magna quoque armatorum virorum multitudo consti- 
tuitur, quae infirmiori urbis parti et laborantibus defensoribus, 
sicubi opus sit, celeriter succurrat. Quibusdam pulverem nitra- 
tum subministrandi negotium datur. Pueros iaculandi artificio 



Der EiDsetznng' von Hauptleuten gleich zu Beginn der Belagerung 
widerspricht der Bericht H. Gresheck's S. 64f. Er erzahlt, wie die 
Wiedertäufer zun&chst keine Pfeifen und Trorameln haben wollten, und 
fugt dann hinzu: „und hcdden ock nicht mit den irsten hoptluedc." Erst 
als die Propheten und Predikanten nach Zurateziehung des alten Testa- 
mentes Pfeifen und Trommeln zuliefscn, wurden „hopt und befelchluede^ 
ernannt — *) Die Beteiligung der Ratsmitglieder an der Wacht berichtet 
auch H. Gresbeck S. 2Lf. Auch wurden nach ihm vom Rate sechs 
„weldemeisters** verordnet, die mufsten „mit den irsten alle nacht die wacke 
yerwaren, und hedden alle nacht ein beer panne mit fuer up dem marckedo 
stain/ Streng geregelt blieb die Beaufsichtigung der Wachen auch sp&ter. 
S- weiter unten die Verpflichtungen der zwölf Aeltesten. Vgl. auch die 
Schilderung H. Gresheck's S. 160 f. für die Zeit des Königtums Johann's 
▼. Jjeiden. 



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554 Anno 1534 acta. 

ita exercent, ut in propugnaculis tntandis viris ipsis non cede- 
rent; feminis in aggeribus calcis et picis coquendae labor com- 
mittitar, qnaedam etiam ex lino et stnpa coronis sertisque texen- 
dis occupantnr, qnibns flagranti pici immersis hostes scandentes 
arceant. Clandestinae mnnitiones et occulta defensacnla admi- 
randi ingenii beneficio intra aggeres eriguntur; cunicnlos mea- 
tnsqne snbterraneos tormentis muninnt, casas vigilnm passim 
extmant. Qnicomqne etiam in hostium perniciem aliquid nori 
excogitat^, non minimam industriae landem sibi comparat. Sic 
Joannes Uldanus tanta arte et indnstria inter portas Servatia- 
nam et Ludgerianam propngnacnlnm erigit, nt etiam in hodier- 
nnm diem Uldani castellum dicatnr anctorisqne sni nomine cele- 
bretur *. Plnrimnm laboris in urbe intus et foris munienda cen- 
turiatim insumitur; ideoque tumultuaria opera urbs quidem prius 
munita intra dies paucos munitissima est eflfecta'. Ante portas 
singulas ingentes terreas moles summa cum alacritate congerunt, 
quibus pro fundamentis sarcophagos episcoporum, canonicorum, 
nobilium, sacerdotum matronarumque et levigatorum lapidum 
pavimenta e templis eruta subiiciunt easque lignis passim raptis 
nullo dominorum discrimine habito intus fulciunt*. Et ne hostes 
arbitrentur rem sibi esse cum effeminatis aut pavore attonitis, 
crebras excursiones faciunt parvisque proeliis cum militibus saepe 
6. März, contendunt^ Nam 6. Martii porta Horsthana armati exeunt 



*) Von solchen Erfindungen zum Ericgsgebranch giebt H. Gresbeck 
S. 57 f. einige Beispiele. 

*) Die heutige Engelschanze. Siehe über dieselbe A. Tibus: Die 
Stadt Münster S. 133. Vgl. auch oben S. 20. 

') Das beste Zeugnis dafür, wie stark selbst nach der langen Be- 
lagerung und endlichen Einnahme der Stadt noch ihre Befestigungen waren, 
giebt ein Brief des Justinian von Holtzhusen, Bürgermeisters von Frank- 
furt a.M., der am 1. Juli 1535 seinen kurzen Bericht an den Frankfurter 
Bat über die Eroberung Münsters mit den Worten schliefst: „Es solte nicht 
schaden, das e. f. w. meister Gaspem den baumeister alher senten, der stat 
befestigung tzu besehen. D erglichen nit vil gefunden werden 
mit solicher weher, als diefse stat ist" (M. G.-Q. 11,367). Vgl. 
auch H. Gresbeck S. 177, 

*) Ganz ähnlich heifst es auch bei D. Lilie S. 228. Vergl. auch 
H. Gresbeck S. 162. 

') Eine Datierung der ersten Ausf&Ue der Belagerer findet sich nur 



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Anno 1534 acta. 555 

dnasqüe molas exnrnnt et milites in se provocant, qnorum non 
paucos mactant. Die etiam 13. Martii duobns Indefeldanis prae- is. mh«. 
diis in ipso meridie faces iniicinnt et milites aliquot sternnnt. 
Verum in hac conflictatiuncula triginta et quinque oppidani de- 
siderantur. Hac tarnen clade non consternati sunt, sed auda- 
ciores *redditi 14. Martii circa horam decimam antemeridianam *?. 472. 
quingenti oppidani audacius quam prudentius erumpentes Potter- ^*' ^**"' 
husium cum lateritiis casulis concremant. Sed hi ab hostibus 
agminatim undique ingruentibus propemodum fuissent intercepti, 
nisi per viam obsidentibus incognitam incolumes ad urbem eva- 
sissent. Inter elabendum hostium tympanistam capiunt secum- 
que abducunt, cuius caput a cervice praecisum cum tympano e 
summo Bischopinganae portae culmine in terrorem hostiimi su- 
spensum est. 

Dum haec aguntur ^ Eberwinus Droste, Theodoricus Mun- 
sterman, Wilbrandus Plonies, Hermannus Schenckinck ac Her- 
mannus Heerde, viri avitae fidei et probitatis, cum essent civium 
proceres, concives suos ab anabaptistis urbe pulsos diversis in 
locis exulantes per scripta Telgetum, ubi et princeps erat, con- 
vocant ibique de rebus suis ad libertatem civilem privilegiaque 
urbis pertinentibus Consultant et praesentibus dominis de capi- 
tulo 9. Martii principem bis verbis adoriuntur: Cum sine dubio 9. mä«.. 
principi innotuerit, quam miserabiliter, crudeliter et contra omnem 
humanitatem cives Monasteriensis urbis cum uxoribus et liberis 
onmibus suis bonis per vim exuti et spoliati patriis sedibus 
sint eiecti et, ne se foedissima haeresi contaminarent principem- 



bei Kerss. Ergänzt wird sein Bericht durch den H. Grcsheck's S. 50 fit., 
der hei dieser Gelegenheit den Wiedertäufern das Zeugnis ausstellt, sie 
wären „sehr könne mit schutgefcrt tho holden, w^ie dat sie dem kreigh 
hedden gefolgt twcntigh iair langk, und al dat sie dcden, dat deden sie 
mit kloickheit und mit hehendigheit und mit nuchterem sinne. Wante die 
Propheten, predicanten und obersten in der stat, die hebben so scharpelich 
Terboden, dat niemantz so koen en wer in der stat, der sich sol vol drin- 
cken, up dat sie al hei iren sinnen solden hliven . . .; und wan sie uth 
taegen, dat deden sie mit weifsheit und mit hehendigkheit." Auch D. Lilie 
8. 230 bringt die Ausfälle aus Münster mit der häufigen Trunkenheit der 
Landsknechte vor der Stadt in Zusammenhang, „want se van hinnen in 
aller soberheit leveden." 

') Das Folgende ist nur durch Eerss. üherliefert 



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556 Anno 1534 acta. 

qne simili pertinacia et rebellione offenderent, omnes fortnnas 
snas deseruerint, se itaque principem obsecrare, nt miseria civili 
aliqno modo tangatnr et inelnctabilem exnlum calamitatem cle- 
menter secnm expendat, yim ininstam, qnae exemplo prope- 
modum careat, pnniat, rebellionem vindicet, haeresim cum snis 
anctoribos extingnat et funditns deleat, cives a Inctnoso exilio 
ad penates snos et bona sibi adempta redncat. Se eam gratiam 
qnibnsYis ofGciis, etiam cnm vitae discrimine promeritnros. 

Princeps per Themmonem ab Hoerde, anlae hipparchomy 
clvibns respondet: Deliberatum et constitutum sibi iamdndam 
esse pestilentem, pemiciosam et impiam in nrbe grassantem hae- 
resim etiam cum vitae et omnium bonorum suorum iactura re- 
primere, neque aliorum principum, amicorum atque sanguine 
iunctorum praesidia sibi defatura. Sed cum domini de capitulo 
et equester dioecesis Monasteriensis ordo in retundendis istis 
»p. 473. violentis erroribus et rebelli*bus ad obedientiam revocandis auxi- 
lium sibi addixerint, si idem exules cives facturi sint, se ipsos 
per Dei gratiam ad suos penates et bona reducturum. 

Ad haec post brevem deliberationem cives respondent: Se 
in recuperanda urbe et seditiosis monstris domandis pro facul- 
tatum et virium modo principi serio affuturos nee solum se opum 
suarum, verum etiam vitae dispendium, si res poscat, in gratiam 
principis facturos. Haec civium responsio et benevolentia vehe- 
menter principi placuit. Et cum civitatis munitiones nuUis aeque 
atque civibus sint exploratae et cognitae, petit, ne suis consili- 
ariis ac militiae praefectis suo consilio deesse graventur, ut in- 
telligant, quibus in locis urbs sit infirmior et expugnatu facilior. 
Quod se libenter facturos recipiunt. 

Inde cum senatores plerique in urbe militari disciplinae 
darent operam neque sese causis forensibus et civUibus multum 
implicarent, eorum auctoritas paulatim in urbe vilescit. Joannes 
autem Matthisson propheta tam sacra quam profana sibi arro- 
gabat ideoque eximiae apud populum auctoritatis et existima- 
tionis esse coepit plurisque fit quam ullus consulum. Nihil 
«nim neque domi neque foris agitur ipso non consulto^. Hie 



') Auch U. Grcsbeck S. 23 sagt zu dieser Zeit: „Johan Matthias 
was mit den irsteu der OTerste prophet. Johan von Leiden en was do 



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Anno 1534 acta. 557 

concionatnr: Patrem yelle, nt omninm egressomm clvinm bona 
inter christianos, non tarnen pro cniosqne volnntate et arbitrio^ 
sed necessitate sint communia*. Elegit itaqne viros, qni cnni- 
bus eorum bona, qnos exegerant, in singulis paroeciis ad certas 
qnasdam domns a propheta designatas in commanem nsnm bona 

nicht der overst prophet Mehr Johan Matthias sachte, dat ome geopcn- 
baret wer, dat Johan von Leiden noch solt hoch verhevet werden in der 
werlt und eolde noch ein groet prophet werden." 

') Hier schlierst sich Kerss. wieder eng an Hermann Ramert^s Be- 
richt an, der uns in der „Ordnung" vorliegt. Doch ist dort nicht nur von 
den Gütern der Ausgewanderten allein die Rede, sondern es helTst: „Man 
hat auch verordnet in etlichen kirchen oder kirchspyl zwen, die mit wägen 
unihgefaren seind und aus aller hurgor heuser klein oder groTs, 
arm oder reich geholet was sy haben gefunden von kleydem ..." Die 
Gütergemeinschaft konnte erst allmählich durchgeführt werden. Sie setzte 
zunächst bei dem Besitztum der vertriebenen Bürger ein. Besonders H. 
Gresbeck S. 32ff. erzählt von dem Widerstände, der ihr entgegenge- 
bracht wurde. „Und heft dat upbrengen geduert bei twe monat lanck," sagt 
er, „dat sie so grewelicken gepredeket und gestraft hebben, dat niemantz 
nicht beholden en d erste." Es wurde schliefslich eine Frist zur Ablieferung 
gegeben. „Na dieser tiet en is geine gnade mehr; die gnaden doer wil 
tho gain. Wer do noch wat hadde, der heft it al upgebracht, und lieten 
sick aveireden." — Fast in allen Quellen erscheint, wie auch bei Kerss., 
Jan Matthys als der eigentliche Urheber der gewaltsamen Mafsregel in 
Münster. Auch Knipperdolling bekennt am 25. Juli 1535 (M. G.-Q. II, 377), 
„dat Johan Mathis und Johan van Leien die irste gewesen sin, die dat volck 
dair toe gereist und dat to werck gebraght hebben, dat alle dingen gemeint 
sin solden ..." (vgl. auch seine Aussagen bei J. Niesert: U.-S. I. S. 187 
und M. G.-Q. II, 410). Johann v. Leiden stellt für später Johann Dusent^ 
schuer als besonders dabei beteiligt hin (s. Johannas Geständnisse bei J. 
Niesert a. a. 0. S. 178 und M. G.-Q. II, 372). — Ueber die schliefs- 
liche Durchführung der Gütergemeinschaft in Münster schreibt Rothmann 
in seiner im October 1534 erschienenen „Restitution" S. 71: „. . . by uns 
. . . ys de gemeinschap weder van Godt gerestituert, wo eth dan van an- 
fange gewesen ys unde den hilligen Gades wall ansteit, als darvan ge- 
schreven steit Act. ii und iiii. Wy hoppen ock, dat de gemeinschap 
by uns yo so krefftich und herlick sy und mit reinen herten 
durch Gades genaden geholden werde, als ye tho vören 
mach gescheit sin. Want wy nicht alleine unse güder int 
gemein unde de bände der Dyaconen gemein gemaket hebben, 
unde dar van nodtdröfftichlick leven, mer ock eines herten 
unde modes prissen wy Godt durch Christum und sint ge- 
neyget mit allerley deinst malck anderen vor tho kommen...*^ 



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508 Anno 1534 acta. 

fide convehant. Hi prophetae edicto parentes vestes, lectos, stra- 
gnla, pictos tapetes, spondas, framentum, arma, ahena, ollas, 
lances stanneas, carchesia, pocula cniusqne generis, linnm«!!- 
nenmque pannum et qnicqnid supellectilis deprehendnnt, aufernnt 
tarn pauperum quam divitom parietes denndantes, slgnatas vero 
redditanm literas signis detractis dissecant, apochas, chirographa, 
rationum libros et diversorum contractuum tabulas magno eiu- 
lantium incommodo exurunt, aurea vero argenteaque mulierum 
omamenta, annulos et pecuniam ad curiam graphiariam defe- 
*p. 474. runt ^ Hinc eodem propheta iubente in tertium usque *diem 
fit deprecatio, ut Pater divino suo nutu septem viros deligat, 
qui bonls istis convectis praesint et singulis christianis fratribus 
pro necessitate fideliter ea dispensent. Die vero tertio divino 
oraculo hos sibi proditos esse prociamat': Leddanum villicum, 
Albertum Heytterum, qui Hermanni Foeckii filiam uxorem du- 
xerat, Bernardum Havickhorstium villicum, Hermannum Alber- 
tingum a clave cognominatum ', Hermannum Eeyningum, loan- 
nem Caterberchum Montanum alias thor Heyden, politorem ar- 
morum*, et Hermannum Bridorpium, quos a ministerio, quo 
fungebantur, diaconos appellavit. Hi a propheta nominati ad 
lulium Frisium episcopum ac alios concionatores deducti per* 
manus impositionem in officio^ suo confirmantur. Herum munos 
erat, cum omnia essent communia, egressorum ciyium supellec- 
tilia atque etiam domus indigentibus suis confratribus mini- 
strare. Quicunque enim yestibus aliisque rebus ad alimentum 
pertinentibus opus habet aut suae humilioris habitationis per- 
taesus splendidiorem afifectat^ apud diaconos fit voti compos^ 



^) Eerss. berichtet das Zusammenbringen des Geldes und Schmuckes 
auf das Rathaus gleich weiter unten noch einmal. S. dort. 

') Ebenso die „Ordnung,*' in deren Druck aher die Namen wieder 
stark entstellt sind. Ygl. auch die Bischofschronik (M. G.-Q. I, 334). Von 
7 Diakonen sprechen auch Herm. Begewart und Joh. Kloprifs in ihren 
Bekenntnissen (hei J. Niesert: U.-S. I. 8. 33 u. 126). Nach H. Gres- 
heck S. 34 sind „in ein ieder kerspel drei diaken gesät, die dat gemeine 
guit solden irerwaren von fruchten of von kom und von fleisch, von allerlei 
ettenkost, die in der stat was.^ Werner Scheitert erwähnt in seineu Aas- 
sagen acht Diakone (M. G.-Q. U, 293). 

') In dem Slottel. — *) Swertfeger. — ") »Das gemain gut," sagt 



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Anno 1534 acta. 559 

Post haec qnidam indigenae, cum viderent hominem pere- 
grinnm advenam ignotnmqne tantum sibi anctoritatis arrogare, 
nt tarn sacra quam profana pro suo arbitratn in nrbe admini- 
straret, inter se mlnime ferendam esse mussitant. Inter qnos 
Hupertns Enesscherus *, faber ferrarius: „Haeccine, fratres, amen- 
tia insignis est,^ exclamat, „qnod homo mendax, stolidus et 
amens se prophetam appellare non erubescat, qnod ipse indoctus 
alios docere praesumat, quod consuetndinis huias patriae expers 
politicam administrationem temere invadat, quod ipse ignotus 
notis se praeferat? Nos stultissimi snmas, qui illnm, quem to- 
ties oracola fallunt, prophetam esse credimns! Existimet himc 
prophetam esse, qnicunque velit; ego vero illum xs^ovva vel ca- 
cantem prophetam esse iadico!^ Moltaque alia, qnae ira sug- 
gessit, evomit^ Qni autem aderant, vitae snae metnentes ad 
haec omnia Bnesscheri dicta ne verbum qnidem mutire andent, 
sed altias intra se suos qnestus smnmo cum dolore taciti pre- 
mnnt. Haec res per delatores quosdam prophetae proditur, qni 
protinns per lictores hnnc comprehendi et constringi iubet, con- 
Yocatqne totam *multitndinem armatam ad campum dominicum. *p. 475. 
Quo cxmi non solum plebei, verum etiam consules ac senatores 
convenissent ignari, quid sibi populi convocatio vellet, ibi tum 
propheta protracto Huperto in mediam concionem: „Fratres chii- 
stianissimi,^ inquit, „Hupertus ille faber malo genio misere 



die „Ordnung, ** „wöllichs bey einander bracht ist, darzu seind durch den 
befelch Gottes geordiniert, auszutaylen, was ein jeder bedarff/' Aehnüch 
anch die Bekenntnisse Herrn. Regewart's und Joh. Eloprifs' a. a. 0. Dio- 
nysius Yinne sagt aus (M. G.-Q. II, 274): „Tho den huser sin diacken 
yerorderet, de ein ideren na siner gelegenheit de huse na noittmft indoin/^ 
EinzeUieiten geben die weiter unten von Kerss. mitgeteilten Verfügungen 
der zwölf Aeltesten. 

^) Dieselbe Begebenheit, aber im Einzelnen mit mannigfachen Ab- 
weichungen, berichten H. Dorp Bl. £2, H. Gresbeck S. 28 fit. und Lam- 
bert Hortensius 8. 19. Herrn. Hamelmann 8. 1222 verbindet die 
Erz&hlung des Dorp mit der des Hortensius. Dorp nennt den Schmied 
Hubert Truteling, während Gresbeck und Hortensius keinen Zunamen an- 
geben. Eerss. erzählte oben 8. 518, wie der Schmied Hupert Ruescher wäh- 
rend der Fastnacht den Bischof verhöhnte. 

') Nach H. Gresbeck geschah die Schmähung der Propheten und 
Fredikanten auf der Wache. 



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560 Anno 1534 acta. 

sednctns eo dementiae et impietatis devenit, ut prophetam a 
Patre vobis in consolationem et salutem missum contemnere 
ipsumqne nefandis, amaris [scarrilibnsque dicteriis publice in- 
cessere andeat; nnde liqnet ipsum esse impinm et pnblicae pacis 
pertarbatorem.^ In ipsam itaqne violati foederis exempla esse 
statnenda docet, ne imias flagitinm in totnm popnlnin trans- 
fiindatnr; nnins enim ob colpam maltos saepe pnnitos esse. 
„Quare," inquit, „extingnendus et eradicandus hie est e nmnero 
piormn atque ex Israel toUendns. Scriptum est enim: tempus 
est, ut iudicium a domo Dei incipiat^^ Hermannus autem Tyl- 
beck et Henricus Sedeker, quorum Mc anno superiori tribunus 
plebis, ille vero consul fuerat, intercedunt neque concivem unius 
arbitrio occidendum esse volunt, cum iure non sit permissum, 
ut unus et accusatoris et iudicis partes sustineat; publice ita- 
que illum iudicio sistendum et more maiorum condemnandum 
esse contendunt. Propheta vero bis verbis impatiens contra- 
dictionis in furorem propemodum versus iussit protinus Tyl- 
bechium et Bedekerum constringi et in carcerem abduci^ Ha- 
bebat enim lictores aliosque satellites non paucos, quibus nemo 
resistere audebat. Continuo, dum haec agerentur, alter ille pro- 
pheta loannes Bokelson Leydanus e media plebe exaltans vocem 
suam proclamat : Hupertum illum hominem impium et flagitio- 
sum nuUam apud Patrem gratiam et delicti sui remissionem 
impetraturum. „Morte," inquit, „morietur nee diem unum ultra 
victurus est. Ea mihi a Patre potestas coelitus donata est, ut 
meo gladio, quem haec dextra vibrat, omnis ille cadat, qui se 
divinae huic iussioni opposuerit!^ Simulque ensem non sine 



') 1 Petr. 4, 17. Die Ausführungen, die Kerss. hier Jan Matthys 
in den Mund legt, gleichen ganz denen, die sich bei L. Horten sius 
finden, der auch auf diese BihelsteUe anspielen läTst. 

*) Ein offener Widerstand gegen das Vorgehen des Jan Matthys 
läfst sich sonst nur noch aus dem Berichte H. Gresbeck's 8. 30 ent- 
nehmen: Die Propheten und Predikanten „hehben mehr gesocht, die noch 
in Sunden solden sein,"* und liefsen zugleich mit Heinrich Redeker den 
früheren Burgermeister Gerh. Eibbenbroick und den Borger Heinr. Mollen- 
hecke gefangen setzen. In Bezug auf Horm. Tilheck sagt H. Gresbeck 
ausdrücklich: „Mehr hei wort nicht geliet na dem tome.^ 



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Anno 1534 acta. 561 

magno circumstantium horrore concntit *. Nemo igitur ad versus 
hos viros Dei mutire aut hiscere ausns fuit. Mox loannis Mat- 
thisson his Leydani verbis in eaede perpetranda *obstinatior et*p. 476. 
obfirmatior redditns Hupertnm ante pedes snos procmnbentem 
pronamque in terra iacentem valida bipenne, quanta vi potnit, 
transigit. Sed cum non snbito, nt ipse sperabat, expiraret, rapta 
ab astante chyrobombarda eundem insuper traiicit* Mortno 
igitur Huperto prima in populo Dei victima totam ibi multi- 
tudinem admonet, ne quis eorum simili se flagitio et enormi 
peccato contaminet. Hinc in laudem Dei decantato hymno di- 
grediuntur. Tylbechius autem et Bedekerus, qui Buesscheri 
patrocinium moliebantur, gratiam a propbeta, cum proceres urbis 
habiti sunt, facile impetrant ideoque carcere liberantur'. 

Haec ubi feliciter cessissent et omnibus cruento isto spec- 
taculo terror incussus fuisset, idem ille Matthisson mortis sup- 
plicio proposito omnibus utriusque sexus hominibus per totam 
urbem severissime edicit, ut aurum argentumque tam signatum 
quam non signatum et omnia muliebria omamenta in curiam 
grapbiariam deferant, cum inter veros cbristianos nullus pecuniae 
usus esse debeat*. Plerique Huperti exemplo territi mortem sibi 



') Die Einmischnng Johann's v. Leiden ist sonst nnr noch von H. 
Gresbeck 8. 28 überliefert. „Do hat Johan v. Leiden genommen ein 
hellebart und stach denselben burger twe mail up dat lief und konde seiner 
nicht doer stecken. ** 

') Vergl. die ähnliche Schilderung bei H. Dorp, nach dem aber, 
ebenso wie nach H. Gresbeck, die Verwundung noch nicht gleich tödtlich 
war. Lebend wurde der Schmied fortgetragen und starb erst nach einigen 
Tagen. Beide fugen hinzu, es sei ihm prophezeit worden, er solle am Leben 
bleiben. Ja, H. Dorp bringt sogar mit dem Fehlschlagen dieser Prophe- 
zeiung den Entschlufs Jan Matthys' in Verbindung, sich in den Kampf 
mit den Bischöflichen zu wagen. L. Hortensius hat nur die kurze 
Notiz: „palo alligati caput ipse (sc. Matthys) tormento manuario traiecit^ 
Vergl. auch A. Corvinus: Acta etc. Bl. AS^ und desselben Brief an G. 
Spalatin Bl. A4^. 

•) Die Art und Weise, wie den Gefangenen Gnade zu Teil ward, 
schildert ausführlich H. Gresbeck S. 30. 

*) Vergl. dazu oben S. 557 f. Kerss. verbindet hier den Bericht H. 
Dorp's Bl. El^ mit dem in der „Ordnung.^ In letzterer heifst es: „Dann 
ire articel klerlich aussweysen, das kein gelt under den Christen ganckbar 

12 



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562 Anno 1534 acta. 

metuentes edicto parent et annnlos, bullas, torqneos, fibulas 
thoracum, nodnlos manicarum pecuniamque omnem conferunt*. 
Mnlti etiam snas opes in terram defodientes aat antiqaamm 
aedium muris committentes suarum rerum cnstodes ipsi esse 
malnnt (nihil interim sibi esse simolantes), quam in istam con- 
iicere arcam, cuius clavis copiam habere non possint* Huius 
ita collati thesanri cnstodes Conradns Cruse, Gerardus Eeyninck, 
Magnus Koehnss et Lucas Gruter per prophetam constitunntnr, 
qnibus negotium datum est, ut christianos fratres infidelibus cre- 
ditoribus obnoxios aere alieno liberent debitaque eorum exolvant*. 



sein soll.** Auch H. Gresbeck S. 48 führt an: „Sie sachten, sie weren 
Christen; ein Christ en solde gein gelt hebben, et wer al unrein den Chri- 
sten, und der eine Christ en sol mit dem andern nit koep schlagen, sie 
solden tho hope bueten tegen einander . . / 

') In der „Ordnung'': „Alles gelt und silber haben sie auff einen 
häuften bracht auf die schreiberey, was ein jeder hett, es wer, was ehs wolt, 
knöpff ab dem mentlen, ring ab den kragen, ehs wer den sach, das einer 
etwas verborgens het." 

') Vergl. die schon oben S. 557 Anm. 1 angeführte Schilderung H. 
Gresbeck' s. Kerss. scheut sich doch, die Worte H. Dorp's a.a.O. zu 
wiederholen: „Auch künden sie nichts verborgen behalten, wenn sie gleich 
etwas hingesteckt hatten. Denn es waren zwey mediin da, vom Teufifel 
besessen, die verrieten, was man verborgen hatte.'' 

*) Die Namen der Hüter des Schatzes, die Kerss. weiter unten bei 
Gelegenheit der Verordnungen der Aeltesten noch einmal nennt, stimmen 
mit denen in der „Ordnung" überein, nur ist als letzter dort Cuntze 
Günther gedruckt. Gleich darauf heifst es : „. . . ob jemandt were von den 
Christen, der den Haiden schuldig were, das sollen die XII in Israel be- 
zalen ; wan das geforderet wird, so seind vier gesetzt, die alle müntz, gelt, 
Silber und gold mit den Haiden handlen.** — Dafs der Schatz zunächst auf 
dem Rathause war, bekennen Joh. Kloprifs (J. Niesert: U.-S. I. S. 126), 
Job. Beckmann (ebendas. S. 36) und Beruh. Erechting am 20. Januar 
1536 (M. G.-Q. II, 407). Letzterer fügt hinzu: „Aher do sie vemaemen, 
das man die stat stormen wolt, saghen sie vur gut an, das das gelt an 
diverse plaetzen gestalt wurt, wie geschach. Doch nach dem stürm si es 
wider uf das raithus zusamen kommen, als er meint; weiTs es doch nit 
eigentlich." Vgl. dazu auch die Aussage Beruh. Focke's vom October 1534 
(M. G.-Q. n, 412): „. . . des silvers ock des goldes sy ein gantz deel tsamen 
gesmolten. It ligge avers in Lambert Smithuses hues vor Sunt Michel, 
und Kibenbroick plege darup tgaen.** Magnus Kohues als einer der Be- 
wahrer dos Schatzes wird von Herm. Regewart genannt (J. Niesert 
a. a. 0. S. 30). 



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Anno 1534 acta. 563 

Hinc nbi proplieta animadvertit multos in urbe mansisse, 
qni non ex animo, sed aut simnlate aat invlte ant metn mortis 
adacti ant bonorum suorum cnstodiendorum gratia commoti, a 
qnibus divelli non poterant, brevi meliora sperantes anabaptisma 
suscepissent, omnes utrinsque sexus homines ad campum do- 
minicum iterum convocari iubet*. Quo cum rei novitatp allecti 
convenissent, ibi propheta longa oratione in falsos fratres et si- 
mulatos christianos, quos secum adhuc in urbe haberent, inve- 
Mtur; *eos inter veros christianos minime ferendos esse. Iubet»p. 477. 
itaque hos, qui post diem 26. Februarii retincti fuerunt, ab aliis 
in templum Lambertinum secedere Patrisque gratiam implorare, 
si forte peccatum ipsis remittatur, cum non sponte sua, sed in- 
viti foederis charactere sint insigniti et Patrem fucata sanctitate 
simulataque religione offenderint ac filios Dei sua impietate con- 
taminaverint. Si vero Pater ipsos in gratiam non receperit neque 
admissum scelus, quo Spiritum Sanctum fallere voluerint, cle- 
menter remiserit, ipsos gladio piorum casuros. Magna miserorum 
hominum multitudo tam virorum quam mulierum recenti clade 
Buesscheri territa et constemata paret et ad templum D. Lam- 
berto consecratum secedit ibique conclusa gemit, suspiria ducit, 
plorat suamque sortem et calamitatem extrema sibi metuens 
deflet. Ita in templo per aliquot horas gemitibus ac lachrimis 
se conficiunt, ut vix humanam prae maerore et mortis metu 
formam referrent. Tandem cum propheta armatis stipatus mi- 
nistris templi claustra laxaret, ibi tunc omnes simul provoluti 
genibus complicatis manibus et confusis singultibus ipsum pre- 
cantur, ut, cum ipse sit vir Dei, sanctus propheta Patrique di- 
lectus, pro se suas ad Patrem fundat preces, ut delicti gratiam 
impetrent. Ipse igitur flexis genibus pro captivo populo se 
Patrem precari fingit, post modicum temporis subito exiliens 



') Vgl. zum Folgenden den Bericht H. Gresbeck's S. 23ff., der 
im Einzelnen von Ecrss.'s Schilderung abweicht. Bei ihm tritt neben Jan 
Matthjs besonders Johann v. Leiden handelnd hervor; er nennt auch 
Slachtscaef, Kloprifs und Krechting. Die Zahl der am 27. Febr. getauften, 
jetzt in die Lambertikirche eingeschlossenen Männer giebt er auf „bei die 
drei hondert" an, die Zahl der Frauen, die erst am anderen Tage zur Bufse 
in den Dom verwiesen wurden, auf „bei die twe dusent." 

12* 



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564 Anno 1534 acta. 

snas preces exanditas iisque Patrem graviter prias ofifensum iam 
placatnm esse affirmat; sibi coelitus inspiratnm esse ipsos vic- 
tnros. Inde hymno in laadem Dei decantato ex ergastnlo illo, 
ne itemm peccent, in pace dimittnntnr atqne ita in consortium 
alionun christianonun fratram quasi iam purgati recipiuntnr. 

15. Hiin. Circa dominicam Laetare, qnae fnit 15. Martii, idem ille 

Matthisson praecipit, ne qnis in urbe cuinslibet generis anctores 
sen libros praeter vetns et novnm testamentum habeat, contrectet 
sen legat; hos enim solos ad salutis negotium sufficere, reliquos 
yero omnes ad campum dominicum illico perferant. Quo cum 
incredibilis librorum multitudo perlata fuisset, qui etiam ultra 
viginti miUibus florenorum valebant, in ignem ibi excitatum 

•p. 478. coniecti *in faviUam rediguntur, et sie incomparabilem illum 
urbis thesaurum ac multorum annorum lucubrationes flamma 
subita absumit*; quod eo consilio factum esse non dubito, ut 
sanctorum Patrum explicationes, quae adversus suam doctrinam 
faciunt, ex animis subditorum paulatim revellantur ac a se sola 
scripturarum interpretatio dependeat et petatur. Eo enim modo 
commodissime fieri posse existimat, ut suam doctrinam erroneam 
plebi imprimat et impressam falsis interpretamentis suis con- 
firmet. 



') Nach der Vernichtung der Dombibliothek (s. oben S. 523) wurde 
nun also auch die systematische Zerstörung der im Privatbesitz befind- 
lichen Bücher angeordnet. Eerss.'s Bericht hält sich genau an den dea 
H. Dorp Bl. E !▼. H. Gresbeck S.46f. und die meisten anderen Quellen 
sprechen auch von der Verbrennung der Büchersammlungen der übrigen 
Kirchen und Klöster und von derjenigen der Bentenbriefe und anderer 
Urkunden (vgl. oben S. 543 f.). D. Lilie S. 229 fuhrt ähnlich wie Kerss. 
an: „.,, wolden anders neue boker bi den eren wetten, dan de biblien 
unde erer predicanten, insunderheit Bothmans boker; want se vormeten 
sick, dat se in de hillicheit weren getreden unde neuer 
boker boderveden.'' Als Grund für die Vernichtung der Briefe und 
Urkunden gesteht Johann v. Leiden am 25. Juli 1535 (M. G.-Q. II, 374) : 
„...so alle ding gemein sin, gein eigendomb wesen und 
niemantz mcher erbeiden, sonder sich allein up Got ver- 
laetcn solde." Vgl. auch das Bekenntnis KnipperdoUing's ebd. S. 378 
und Krechting's bei J. Nies er t: Ü.-8. I. S. 194. — Acht Tage lang hat 
nach U. Gresbeck das Verbrennen auf dem Domplatze und vor dem Rat- 
haus gedauert. 



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Anno 1534 acta. 565 

Miles in initio obsldionis intra castra commeatns pennria 
Uborare coepit, nam parum rerum necessariarum adveMtur. 
Neqne enim peregrini mercatores neqne agricolae circumfasi hnc 
commeant, qni non solnm bonis, yemm etiam cati snae timentes 
militem raptorem, depraedatorem et tmcnlentlorem fama sibi 
fingebant. Qnod nbi princeps intelligeret, erectis inxta castra 
in terrorem flagitiosornm crucibns, rotis aliisqne malitiae repa- 
gulis militibns imperat, nt ab omni ininria, maleficio et rapina 
sibi temperent, nt sine metu et periculo mercatores cnm mer- 
cibus et oneribns in castra commeare ac necessaria tolerabili 
pretio distrahere possint; ita fore, nt omninm rerum copia ca- 
stris suppetat. Simulque populos et urbes extemas per literaa 
15. Martii emissas proposita publica fide et vendendi emendique i5. Mara. 
übertäte huc invitat, ut tute humanis usibus necessaria advehant 
castrisque laborantibus commeatibus subveniant^ Mox intra 
dies paucos annonam carissimam inopinata vilitas consecuta est. 

Die Martis post Laetare, quae fuit 17. Martii, cum prin- 17. mk». 
€eps Hiltropiae in pago non procul ab urbe obsessa dioecesana 
comitia haberet consultaretque cum snis de obsldionis impensis 
aliisque rebus afflictis *, exules cives per D. Eotgerum Smisin- 
gum, scbolasterem templi maioris Monasteriensis, hominem et 



*) Im St-A. M. ist das Konzept eines Briefes des Bischofs aus Telgte 
Tom 20. März erhalten, in dem er die St&dte Osnabrück, Bielefeld, lipp- 
Stadt, Hamm, Dortmund, Unna, Geseke, Soest, sowie den Statthalter des 
Stiftes Paderborn und den Kölnischen Landdrosten auffordert, Zufuhr Yon 
Proviant ins Feldlager zu veranlassen. — Schon am 6. MSfz hatte der 
Herzog von Cleve dem Bischof geschrieben (Orig. ebendas.), er könne die 
gewünschten 200—300 Malter Hafer nicht liefern. Haferank&ufe wolle er 
in seinem Gebiete gestatten. 

') Auf dem Landtage wurden, da die gefährdete Lage „nicht erlyden 
irill vell vertochs und gemeine hykumpft der lantschap steits to verscreven, 
by een to forderen und to raitsclagene,^ von Seiten des Domkapitels Sander 
Morrien und Botger Schmising, von Seiten der Ritterschaft Arnold v. Raes- 
feld und Bemhart y. Westerholt, von Seiten der Städte Wilhrand Ploenies 
imd Johann v. Graes verordnet, denen „ze gantze vuUenkomen macht und 
gewalt gegeven . . . hehhen . . . mit . . . u. g. h. rade und guitheduncken 
gelt und ander noittrofft . . . up der lantschap affdracht und schaden up 
to brengen . . .'^ (Landtags-Akten im St-A. M.). 



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566 Anno 1534 acta. 

eruditione et pietate insignem, a principe petivernnt: Cum 9. 
Martii* civibus clementer addixerit se ipsos ad snos penates et 
bona nondnm per retinctos absumpta et dissipata rednctamm, 
ut post urbem recnperatam antiqna privilegia, libertates inraqne 
*p. 479. prisca antiqnitus habita episcoponimqne •sibi mutno sncceden- 
tinm beneficiis donata civitati non adimantnr, et cnm malti 
partim senio partim aegritodine longa fracti ac debilitati nrbe 
excedere non potnerint nee ex animo, sed coacti anabaptismo 
sint implicati, ne in ipsos, cnm sint insontes, ins gladii capta 
nrbe exerceatnr. Princeps respondet : Cnm iniqnnm sit, nt inno- 
centes nocentinm poena afficiantnr, se itaqne privilegia nrbis 
in minimo non violatnmm, sed in gratiam eomm, qni relictis 
patriis penatibns et omnibns bonis snis, ne se monstroso scMs- 
mate poUnerent, crndele exilinm elegernnt snaqne arma ant se- 
cnti sunt ant praesidiis et impensis snis confirmamnt, novis 
potins incrementis ea auctnmm. Neqne se capta nrbe in in- 
sontes cives, qni certas ob cansas nrbe excedere non potnemnt, 
saevitumm, sed cnm illis, nt dementem decet principem, ac- 
tnmm. Inde bonns etiam princeps, nt civibus gratificaretur, 
quibus ex animo favet, edicto publice * praecepit, ne quis extra- 
neorum post captam urbem bona civium a militibus direpta 
coemat, aüoqui ea novae proscriptioni fore subiecta. Verum 
huic edicto in tanto tumultu minime paritum est. 

Circa haec tempora varii motus ab anabaptistis in Hol- 
landia, Frisia, Brabantia, aliis circumfluis regionibus terra mari- 
qne conectati sunt \ Magna enim anabaptistarum copia utriusque 



*) In Telgte. S. oben S. 555 f. Auch die hier folgenden Unter- 
handlungen sind nur durch Kerss. bekannt. 

') Nicht mehr nachweisbar. Vgl. dazu oben 8. 528 den sechsten 
der von Kerss. angeführten Eriegsartikel. 

■) Vgl. zum Folgenden L. Hortensius S. 18 und C. Hereshach 
S. 19. Zur Sache s. C. A. Cornelius: Die niederländischen WiedertÄufer 
während der Belagerung Münsters (in den Ahhandlungen der histor. Klasse 
der Kgl. Bayerischen Akad. Bd. 11 Abteilung 2 [München 1869] S. .M ff.), 
K. W. Bouterwek: Zur Literatur u. s. w. S. 326 ff. resp. S. 47 ff., und 
L. Keller: G. d.W. S. 162 f. — Kerss. erw&hnte schon oben S. 508 f. die 
Briefe Rothmann's an die benachbarten kleinen Städte. Vgl. weiter auch S. 541 
sein Schreiben an H. Slachtscaef. Am 21. Febr. war H. Roll nach Holland 



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Anno 1534 acta. 567 

sexus circa 18. diem Martii in Hollandia, qnae Monasterinm i8. März, 
contendebat, subito emergit, sed Georgias Schenck eam inter- 
ceptam aquis snbmergit et suffocat. Scribit etiam Peregrinns 
Iselmudanns ^, qni, etsi pentacosiarchae officio fungeretur, ab 
episcopo tarnen exploratnm est ablegatns: Qninque naves ana- 
baptistis fetas ex HoUandia appnlisse, sed eas 22. Martii Vol- 22. mä«. 
lenhoae, priasqnam parerent, interceptas esse; et viginti nnam 
in mari adhuc superesse, sedecimque millia retinctorum * 24. m. Mära. 
Martii coenobium haud ita procul ab oppido Zwollano a Monte 
appellatum violenta manu occupatura, ubi per prophetam quen- 
dam excepti ad novam illam Hyerosolimorum urbem, scilicet 
Monasterium, inde deducendi sint. Scribit quoque 24. Martii 
*dux luliacus principi nostro': Sibi pro certo nunciatum esse*p. 480. 
multos retinctos in dioecesi Traiectensi circa VoUenhoam et 
Hasseletum coenobium S. loannis Campum denominatum inva- 
sisse numerumque eorum supra modum in dies augeri, et tan- 
dem ipsos Monasterium ab obsidione liberaturos; sibi proinde 
prospiciat^. Hos autem motus omnes Georgius Schenck Über 
baro de Teutenburgh ac Caroli Quinti imperatoris Transissula- 
narum et inferiorum suarum regionum praefectus sunmia pru- 
dentia ac fortitudine compescuit retinctosque legitimis poenis 



gesandt, um for die Sache der Münsterschen Wiedertäufer zu werben (vgl. 
oben S. 518). Die Aussendung Jakob's von Osnabrück berührt Kerss. nicht, 
obgleich er dessen Bekenntnisse mehrfach benutzt bat, ebensowenig den 
undatierten, mit dem Namen „Emanuel" unterzeichneten Aufruf (zuletzt in 
hochdeutscher üebersetzung abgedruckt bei L. Keller a. a. 0. S. 148), 
der auf Betreiben Johannas v. Leiden und seiner Mithelfer zu den sogleich 
von Kerss. angeführten grofsen Täuferansammlungen zum Zuge nach Mün- 
ster aufforderte 

') Aus Vollenhove am '22. März. Nach der Kopie im St.-A. M. ab- 
gedruckt bei L. Keller a. a. 0. S. 311. 

*) Im Schreiben heifst es: „und by ene wesen als men seicht by 
viff dusent starck." 

^ AusCleve. Orig. im St.-A. M. Regest bei L. Keller a.a.O. S.311. 

*) Auf diese Ansammlung der T&ufer bezieht sich auch der Brief 
des Amtmanns Gisbert v. Baix an die Stadt ZwoUe vom 20. März, mit der 
Beilage abgedruckt M. G.-Q. II, 226 f. Darin ist von 14— IGOOO Täufern 
die Rede. Vergl. auch das Schreiben der Städte Deventer, Kampen und 
ZwoUe vom 25. März an Bischof Franz bei L. Keller a.a.O. S. 312. 



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568 Anno 1534 acta. 

affecit et varia clade ant aqua ant igni afflixit. Yicini qaoqne 
principes ita circxunqaaqne vias obsessas peculiari foedere et 
pacto tenebant, nt ad liberandam ab obsidione nrbem nnlla mi- 
litum aut quommlibet homintiin conventicida coalescere sinerent, 
sed dissiparent, profligarent et funderent*. 

8. Aprfl. Inde die Parascenes, qnae fait 3. Aprilis, qua christiani 

amarae passionis Domini nostri lesa Christi fructnm potissimnm 
meditanttir neque qnicqnam ioci laetitiaeqae admittnnt, sed toti 
circa salatiferam passionem et mortem Domini sunt occnpati ideo- 
qne nee campanarmn pnlsnm femnt, — anabaptistae vero contra 
laetnm hnnc diem agnnt, faces et taedas e templis raptas portis 
civitatis exemnt omnesqne campanas nrbis simnl agitant et pnl- 
sant • non aliter, ac si dominicae resurrectionis diem deridentes 
interim catholicomm morem celebrent. Literas qnoqne foederis 
per Lantgravii legatos inter episcopum et civitatem conciliati 
signatas candae annosae eqnae alligant ac in principnm nobili- 
nmque omniam, qnorum signa appensa fnerant, insignem contu- 
meliam ex nrbe in castra Manritiana abignnt ', cum tamen non 
episcopus, sed Monasterienses foedera turpiter violaverint. 

6. April. Inde circa festum Paschae* Matthisson propheta miro enthu- 

siasmo afflatus tantam mortis securitatem animo concepit, ut 



') Vgl. die Verordnung Herzog Johanns von Cleve an seine Amt- 
leute vom S.April (abgedruckt bei L. Keller a.a.O. S. 314 f.), die nach 
einer Vereinbarung mit dem Erzbischof von Köln erlassen war. 

*) Das Glockenläuten am Karfreitage erwähnt auch H. Dorp 61. E 3. 

') In der Werbung der Münstorischen Bäte auf dem Kreistage zu 
Koblenz (14. Dez. 1534) heifst es (Kopie im St.-A. M.), sie hätten „die 
versiegelten vertrege, so sie mit meinem g. h. uffgericht, zerrissen und zu 
i. f. g. verhonung einen stroem pilt angehengt, dasselbig ulT ein pferdt 
gebunden und ufs der stadt gejagt.'' Aehnlich lauten die Worte in der 
Instruktion für den Tag zu Worms im April 1535. Auf eine derartige 
Verhöhnung dos Bischofs kommt Kerss. weiter unten noch einmal zurück, 
ohne dabei aber den Friedensvertrag vom 14. Februar 1533 zu erwähnen. 
Vgl. auch D. Lilie S. 232, 

*) Das Datum des Todestages des J. Matthys entnimmt Kerss. dem 
Geständnisse Johannas v. Leiden (J. Niesert: Ü.-S. I. S. 178), wo es auch 
„umbtrent Paschen*' heifst. In den Aussagen Johannas M. G.-Q. 11, 371 
ist genau der Ostertag angegeben. Sonst schliefst sich Kerss. an den Be> 
rieht H. Dorp's El. £2^ an, der aber ebensowenig wie H. Gresbeck 
8. 38 ff. und L. Hortensius S. 24 ein Datum bringt. Die völlig will- 



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Anno 1534 acta. 569 

sibi aliisqne per nrbem persuaderet: se Patris monitu cum pan- 
eis militibus omnes hostes abactnmm nrbemque ab obsidione 
Kberatnrum. Kapta itaqne bipenne certa victoriae fiducia fretus 
portam Ludgerianam ^ *ciim commilitonibas non ita mnltis an-^p. 481. 
dacins quam prndentins et maiori qnidem animo, quam si in- 
gentem exercitum seqnentem haberet, egreditar hostemqae la- 
cessere et se discrimini exponere andet. Nee desnnt interea 
spectatores, qtti de vietoria dnbitantes temeritatem hominis ad- 
mirarentnr atqne rei eventnm in aggere soUiciti expeetarent. 
Hostes vero catervatim exciti novum istum Samsonem cum ex- 
peditione sna urbana nndiqne invadmit atque ita armis cingunt, 
nt elabi vix possent. Ille ergo frnstra bipennem snam movet, 
fimstra se in fagam eoniicere nititur, frustra snos partim iam 
in fngam aversos partim oecisos in praesidimn vocat, frustra 
Patris monita appellat. Misnensis enim euiusdam militis hasta 
transaetus stemitur *. Et cum eum esse ab equitatu cognoscere- 
tur, qui dominum Hermannum Dungellium, virum avitae pie- 
tatis et venerandae seneetutis, contra ins gentium et promissam 
fidem in urbe spoliaverat ', ab ingruentibus undique hostibus 
ita discerpitur ae laniatur, ut omnes corporis compagines fre- 
quentibus gladiorum ictibus dissolutae a se mutuo divellerentor 
ac intestina largo cum sanguine efQuerent. Genitalia quoque 
eins reseeta a quibusdam andacissimis tenebrionibus in sequente 
noete propylaeo versatili Äegidianae portae affiguntur^. Sic 



kürliche zeitliche Einordnung des Ereignisses bei Joh. Fabricius 6o- 
landus 61. T !▼ hat schon Herrn. Hamelmann 8. 1223 bemerkt, lieber 
eine Johann Matthys am Tage vorher gewordene Offenbarung erzählt H. 
Gresbeck a. a. 0. Nach ihm hatte Johann 10 — 20 Bogleiter. L. Hortensius 
giebt deren Zahl auf 30 an und berichtet, dafs Matthjs kurz vorher einen 
siegreichen Ausfall ins Geldrische Lager gemacht habe. 

Dafs Jan Matthys vor dem Ludgerithor getödtet wurde, konnte 
Kerss. nur den Bekenntnissen Johannas v. Leiden (J. Niesert a.a.O.) oder 
Enipperdolling's (M. G.-Q. II, 404) entnehmen. 

*) Aus H. Dorp a. a. 0. — ») S oben S. 539 f. 

*) Nur von Kerss. erzählt. Vgl. dazu den Bericht H. Gresbeck' s 
a. a. 0., in dem es heifst: „Johan Matthias woert mit einer spiesen doer- 
stecken, und do hewen imo die lansknecht den kop af und heuwen in 
do in hondert stucker und schmeten sick darmede. Dat 
hoevet satten sie up einen tuenstacken in der luchf 



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570 Anno 1534 acta. 

yates cum sno vaticinio et qnos secnm ednxerat exceptis paucis^ 
qni faga evaserant, extinctus est*. 

Huic successit Joannes Bokelson Leydanns, qni maiori astu 
rem omnem peregit prndentinsqne negotia sna conficere visns 
est. Hie, cnm plebs Matthissonem ab hostibns miseris modis 
peremptnm et discerptum lugeret et de pietate viri illins snb- 
dnbitaret, qnem Dens ita in pericnlo destitnerit et interfici 
passns fnerit *, consolatur popnlnm et admonet, ut rairari desinat 
illnm eo genere mortis snblatum; insto enim illnd Patris in- 
dicio factum esse. Patrem qnidem inssisse, nt cnm pancomm 
mann omninm hostium agmina abigeret et admirabili victoria 
potiretnr, qnod certo qnidem factnrum fuisset, si eam potentiam 
soli Deo, non suis viribus tribnisset, si solius Dei landem et 
gloriam quaesivisset, si exemplo Indith popnlnm ad ieinnium 
et deprecationem extimnlasset ; nbi vero omnia ista neglexerit et 
arrogantia concitatns swi» gloriam inanem stnlte venatns fnerit 
*p. 482. neqne, a qno victoria ista penderet, agno*verit, ipsnm a Deo 
pnnitnm esse^ Sibi hoc mortis genns ante octidnnm per Spi- 
ritnm a Patre esse proditnm affirmat*. Cnm enim in aedibns 
KnipperdoUingi in thomm dormitnrus sese componeret legemqne 

») Ms,: si. 



') Fast wortlich nach H. Dorp a. a. 0. 

*) Das Volk sagte, berichtet H. Dorp a. a. 0.: „So Gott diesen hei- 
ligen man gestraffet hat, ists gewis, das er uns auch straffen wil, denn es 
stehet geschrieben: das gericht Gottes hebt am haus Gottes an." 

') Während H. Dorp Bl. E3 nur ganz kurz sagt, dafs Johann das 
Volk tröstete, legen H. Gresbeck S. 40 und L. Hortensius S. 24f. 
ihm auch Trostesworte in den Mund, die aber in keiner Weise einen Tadel 
gegen Jan Matthjs enthalten. „Sein tiet was gekhomen \*^ so läfst H. Gres- 
beck Johann reden, „Got en heft dat nicht sonder orsacke gedain, dat hei 
so sterven solde, dat gy nicht tho sehr an innen solden geloeven, dat gj 
in boven Got solden holden ..." 

*) Dieses und das Folgende nach den Geständnissen Johannas bei 
J. Niesert a. a. 0. S. 177 f. Vgl. auch Johann's Aussagen M. G.-Q. IT, 
371 u. 401. — Auch bei L. Hortensius sagt Johann v. Leiden, er habe 
den Tod des Matthys lange vorher gewufst. „Neque vero licuit hominem 
fati sui, in quod inevitabili necessitate rapiebatur, praemonere. Sic illi 
enim visum est, qui bona et mala e dolus suis pro suo arbitratu mortali- 
bus dispensat." Vergl. auch H. Dorp a. a. 0. 



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Anno 1534 acta. 571 

Domini ante somnnm sedulo meditaretnr ^, Matthissonem armati. 
militis hasta ita transfossnm, nt viscera eins in terram effan- 
derentnr, per visum sibi apparuisse; quo cruento spectaculo cum 
snpra, quam dici potest, terreretur, virum armatum respondisse: 
„Ne metuas, vir Dei, neque ulla re terrearis, sed tnae vocationi 
et proposito insiste! Non enim de tua, sed Matthissonis vita 
pecnliari Dei iudicio agitur, cuius demortni uxorem dncas.** 
Hac voce magna admiratione se affectnm, cnm legitima sibi esset 
nxor, qnam Leydae reliqnisset. Haec se omnia Knipperdollingo 
retnlisse, ut, cum fierent, testem rerum gestarum haberet. Haec 
cum in coetu populi dixisset, Knipperdollingus subito prosiliens 
Vera esse omnia profitetur, et quomodo sibi mortem Matthissonis 
praedixerit. Sed quod in gratiam prophetae mentitus sit, paulo 
ante supplicium suum Knipperdollingus tormentis adductus fa- 
tetur *. Hinc totus populus non solum illum prophetam, sed et 
amicum et virum Dei vocat et nefas esse credit tanto viro non 
consulto quicquam in hac sancta republica auspicari. Excellen- 
tiorem ergo atque augustiorem hunc esse Matthissone sibi per- 
suadet; ab eins ore iam pendent omnes, hunc solum post Pa- 
trem suspiciunt, colunt et venerantur. 

Knipperdollingus etiam 9. Aprilis prophetico spiritu agi- 9. Aprü^ 
tatus sublimia humilianda et humilia extollenda esse proclamat, 
unde turrium pyramides in templa deiiciendas templaque omnia 
urbis solo aequanda esse praecipit; Patrem sibi hoc per Spiritum 
suggessisse, et nisi ista fiant, ipsum graviter offendi ^. Ad haue 



') Im Geständnis bei J. Nies er t heifst es nur: ^Item als er in 
EnipperdoUink hufs gesetten viii tage vor Johan Matiessen dode . . .^ 
M. G.-Q. II, 371 heifst es, Johann safs „in KnipperdoUinghs schrifcamier 
und schrof umbtrent Palmen und kregh dair selfs ein vision ..." 

*) Eerss. spielt hier auf die Stelle aus dem Bekenntnis Knipper- 
doUing's vom 20. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 404) ungenau an. KnipperdoUing 
giebt zi^ar ausdrücklich zu, „das im der konningk gesacht, wie er ein vision 
hat gehabt und gesehen, das Johan Mathis erstochen wurt." Doch fügt 
er dann gleich hinzu: „Aber der koningk en het im nit vurhin gesacht, 
das er Johan Mathis frouw haven solt ..." 

') Fast wörtlich nach H. Dorp Bl. E3, der das Gebot Knipper- 
doUing's zeitlich auf „ein tag vier odder fünff nach Ostern" ansetzt. Aehn- 
lich ist die Erzählung bei Joh. Fabricius Bolandus Bl. L2. Enipper- 



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572 Anno 1534 acta. 

rem conficiendam, nt vaticinio satisfiat, Eberardus Kribbe, Theo- 
doricus Trutlinck ac loannes Schemme, fabri lignarii reliquis 
praestantiores, accersnntur>. Hi itaque ligneas pyramides circa 
basim propemodum resectas atque refixas cochleis firmioribns 
snppositis in temploram tecta et testudines praecipitant et nno 
casu mnltornm annomm labores demolinntnr. Hie lapsamm 
tnrrium horrendus, snbitus et pulvernlentns fragor etiam milites 
"p. 483. in *castris remotioribus degentes non solum terniit, vernm etiam 
in snmmam admirationem adduxit, qua ratione, qua indnstria 
qnibnsve machinis (de cochleis nihil suspicantes) tantas ligno- 
rum moles et plumbea tectomm pondera nno impetu inconvnlsa 
deiecerint. Pyramidem vero Martinianae turris cum cochlearum 
circumductu ab occasu elevatam in templum praecipitare cona- 
rentur, erratum forte est; nam intra basim lapideam ab altera 
parte retenta minime corruit, sed inclinata et ad solis exortum 
spectans sine lapsu ruinam minatur. Gumque ita oblique et ad 
orientem solem supra templum inclinata ad aliquot dies penderet, 



dolling selbst sagt am 21. Jan. 1536 aus (M. 6.-Q. 11, 408): „Er hab nit 
geraden, das man die kirchen umbrissen solt. Dan er hab mit darzn ge- 
holfen. Dan die Babilonische hoer moest nmbgesturtz sin nnd 6ot allein 
in dem levendigen tempel und hertzen der menschen geert werden . . .^ 
Eine eingehende Beschreibung der im Laufe der Zeit vollführten Abtragung 
der Spitzen und Kappen der meisten Kirchen gicbt H. Gresbeck S. 158 ff. 
Ergänzende Notizen bieten die Wiedert&uferbekenntnisse. So gesteht Herm. 
Regewart am 3. Dez. 1534 (J. Niesert: Ü.-S. I. S. 32); „Se hebben den 
docm schir verdelget, der meynonge, de andern kercken vort to verdcrven, 
hebben ock uth Overwaters kercken velle erden gefort, dergeliken uth S. 
Servaes kerckhove, also dat de kercke derhalven umgefaUen.** Aehnlich 
sagt Joh. Beckmann aus (ebendas. S. 37), und Joh. Kloprifs bekennt am 
29. Jan. 1535 (ebendas. S. 117): „Die kirchen binnen Munster sein gantz 
verwuest und etlige decher derselben gleichs den thumen afgebrochen; 
desgleichen auch etliche stucke bljes afgenommen und damit die hutten 
in den weiden gedeckt" 

*) Diese Namen und die folgenden Einzelheiten überliefert nur Kerss. 
Dietrich Trutlinck war derselbe, der im Mai 1525 zur Hülfe gerufen wurde, 
um den Nonnen des Niesingsklosters ihre Webstühle zu nehmen (s. oben 
S. 131). — Beim Niederreifsen der Turmspitzen war nach H. Gresbeck 
ein Holländer thätig, „und sein name was Frantz, und was ein eventuirlick 
geck," nach D. Lilie S. 228 „ein vorlopen converse . . . uth dem carthuefs 
to Wedderen, de darbinnen gelopen unde ock de wedderdope angenomen.* 



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Anno 1534 acta. 573 

Trutlingns sibi coelitus a Patre rationem demoliendae turris per 
soninium inspiratam esse mnltitndini persaadet, a qua ad opus 
conficiendum vehementer incitatur. Proinde cum turris esset 
Gupro levissimo tecta, pedibus et genibus chalybeia calcaria, 
manibus vero acutissimos utrisque stimulos, ut se a lapsu prae- 
servaret, atque collo longum funem aptat, quo infra crucem et ' 
globulum cacumini affixo pyramis tracta concideret. Ubi autem 
ita instructus per acclivem et Phaetonteum repere coepisset tra- 
mitem et vix ad medium pervenisset, pyramis suo pondere a 
basi soluta magno cum fragore in templi tectum et testudinem 
corruens Trutlingum maiora suis viribus aflfectantem et a Patre 
suo deceptum oppressit, cuius calcaria et Stimuli chalybei praeter 
ossa came destituta post recuperatam urbem dimotis impedi- 
mentis in templo reperta sunt. Deiectis pyramidibus turrium 
bases lapideas tormentis muniunt, unde non parvam saepe cla- 
dem castris inferunt. Habent enim peritissimos iaculatores adeo, 
nt quemcunque extra vineas modicum quiescentem prospexerint, 
subito transigant^ Sic saepe alea ludentes cum astantibus 
spectatoribus bombarclarum sphaerulis non sine insigni strage 
aut membrorum iactura dissipantur. Satins itaque fuerat mili- 
tibus extra vineas et castrorum munitiones non quiescere neque 
in uno loco consistere, sed continuo motu huc illucque ferri. 

Circa haec eadem tempora Joannes Bokelson, propheta et 
vir Dei, Knipperdollingi vaticinii auctoritate fretus eidem gla- 
dium in terrorem maleficorum tradit ipsumque nova voce ensi- 
gerum in concione popnli pronunciavit. Cum enim omnia ex- 
celsa humilianda sint atque ipse hactenus consul et caput urbis 
fuerit, Patrem *nunc velle, ut abiectissimi camificis munere fun- »p. 484. 
gatur. Ille vero officium sibi oblatum non aversatur, sed libenter 
suscipere visus est* quatuorque stipatores loannem Schultum, 



Aehnlich lauten die Worte D. Lilie's S. 229 (vgl. auch S. 227): 
„Dar sint van binnen so höhende schütten gewest, de van den wellen, 
tomen, blockhuseren, homen konden scheten al, wat se ogeden, unde ne- 
mandes binnen schottes mochte stain bliven, anders wordt he geschotten.'' 

^ Bis hierher genau nach ü. Dorp Bl. £3. Auch Joh. Fabricius 
Bolandus Bl. L2v (und ihm folgend Herrn. Hamelmann S. 1224) 
bringt die Ernennung KnipperdoUing's zum Scharfrichter zeitlich mit dessen 
Gebot der Eirchenzerstörung zusanmien. Er stellt den Vorgang so dar, 



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574 Anno 1534 acta. 

Nicolaum Smalcaldianum, Oeorginm Avenhovelinm ac loannem 
Snrennm in tutelam novi magistratus assciscit*. 

Cum autem propheta tantae esset inter saos auctoritatis, 
facilem ad regnum parandum viam, qnod tacite iam diu aflfec- 
taverat, sibi patere putabat*. Itaque omnia maiorum instituta, 



als sei Johann v. Leiden durch das selbständige Auftreten EnipperdoUing^s 
erzürnt gewesen und als habe er deshalb seinen Nebenbuhler demütigen 
wollen. In den Quellen kommt sonst Knipperdolling als Vollstrecker der 
Gerichtsbarkeit zuerst in den Verordnungen der zwölf Aeltesten vor, die 
Kerss. gleich weiter unten mitteilt. Joh. Kloprifs bekennt am 29. 
Januar 1535 (s. J. Niesert: U.-S. I. S. 133, vergl. auch S. 113), als er 
in seinem Verhöre auch Auskunft über Mollenhecke's Aufstand (Juli 1534) 
giebt: „. . . so wurden die 40 vur die eldsten gestalt und zum selbigen 
maill sy KnipperdoUingk burgermeister gewesen und des Burgermeister- 
ambtz entsatzt und zum budell oder scharpfrichter geordent 
wurden, welches er gehorsamlich angenommen.'' Doch ist za 
bemerken, dafs mit der Einsetzung der Aeltesten zugleich die Aemter der 
Bürgermeister, des Rates, der Older- und Meisterleute abgeschafft worden 
waren (s. weiter unten). 

') Die Namen der vier Diener Enipperdolling's giebt nur Kerss. 
Weiter unten bei Gelegenheit der Verordnungen der Aeltesten wiederholt 
€r sie nicht. 

*) Auch H. Dorp Bl. E3v, Joh. Fabricius Bolandus Bl. N5 
■und L. Hortensius S. 26 bringen die Einsetzung der zwölf Aeltesten mit 
der Absicht Johann's v. Leiden zusammen, demnächst ein Königreich aufzu- 
richten. H. Gresbeck S. 35 erwähnt dabei Johann nicht speziell, er spricht 
nur ganz allgemein von den Propheten und Predikanten. In der Bischofs- 
chronik (M. G.-Q. I, 334) tritt Johann Dusentschuer als Verkündiger in 
den Vordergrund. — Die Angabe der Zeit der Einsetzung bei H. Dorp 
(nach Pfingsten, 24. Mai) ist irrig. L. Hortensius giebt als Datum „circa 
Id. Maii." Sehr bald weiter unten teilt Kerss. eine Schrift in Uebersetzung 
mit, die von der Stadt aus ins Lager der Gegner geschleudert war, um 
die Bischöflichen von der guten Sache der Wiedertäufer zu überzeugen. 
Die Schrift trägt das Datum des 8. April und die Unterschrift: „Senior es 
totaque communitas et consociatio Christi Monasterii con- 
gregata." Ist das Datum im Manuscript richtig wiedergegeben (ein Orig. 
der Schrift ist nicht nachweisbar), so wäre anzunehmen, dafs das Kollegium 
der zwölf Aeltesten schon zu Lebzeiten des Jan Matthys eingesetzt worden 
«ei, oder unmittelbar nach dessen Tode (5. April). Dafür aber findet sich 
in keiner Quelle irgend ein Anhalt. Es wäre wohl kaum verschwiegen. 
Sollte vielleicht ein Versehen des Schreibers des Manuscripts vorliegen und 
statt des 8. April der 8. Mai zu lesen sein? Im St.-A. M. befindet sich. 



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Anno 1534 acta. 575 

leges moresqne mutatnms novamque reipublicae formam intro- 
dnctnrus nudus in caligine noctis omnes nrbis vicos percnrrit* 
ac incondita voce clamitat: „Viri Israelitae, qui sancta Soly- 
momm moenia incolitis, timete Patrem coelestem et vitae sn- 
perioris agit« poenitentiam ! Eesipiscite, resipiscite! Eex ille 
inclytns Syonis cum multis angelorum millibus est in procinctu 
et expeditionem tnba terribili praecinente in terram parat. Eesi- 
piscite ergo, resipiscite!** His ubi nocturnis clamoribns ac hor- 
rendis vocibns totam nrbem deterrnisset et se ipsum defatigasset, 
ad hospitem suum Knipperdollingum simili interdum furore agi- 
tatum redit et continuo beneficio sermonis se destitutum esse 
fingit. Cumque a pavidis ciremnstantibus, qnid sibi mali acci- 
disset, sollicite qnaereretur, mutnm se esse nutibus qnibusdam 
significavit; sciscitantibus cansam sibi a Patre os clausuni lin- 
guamque constrictam neque sibi fas esse ante tertium diem quic- 
quam proloqüi scripsit. Sed tertio die frequentem populi con- 
cionem convocari iubet, quem diem tota multitudo novitatis 
avida magno desiderio expectat. Die constituto in concionem 
populi prodit sibique a Patre revelatum esse proclamat in novo 
populo Israelitico novam reipublicae formam fore; novum ergo 
magistratum novasque leges divina ordinatione introducendas 
esse. Magistratum superiorem ab hominibus constitutum esse*, 
nunc vero Patris instinctu et expresso mandato eundem esse 
designandum. Simulque duodecim vires sibi potissimum pecu- 
liari favore addictos delegit, inter quos etiam senatores fuerunt, 
ne eorum plane a se favorem alienaret, quos plebs suspiciebat 



das Original eines Briefes vom 20. Mai (abgedr. M. G.-Q. II, 239 f.) an zwei 
bischöfliche Hauptieute, das unseres Wissens zum ersten Mal die Unter- 
schrift trägt: „De oldesten und gantze gemeine Christi binnen 
Munster.** 

*) Dieses und das Folgende lehnt sich oft wörtlich an den Bericht 
des L. Horten sius an. Die übrigen Quellen wissen Nichts von dem Bufs- 
ruf Johann's. Nur H. Dorp erwähnt noch dessen dreitägiges Träumen und 
Stummsein. — *) Im Geständnisse des Dionysius Vinne (M. G.-Q. II, 275) 
heifst es: „Der prophete heft uth Gots bevel verkündiget, dewile de 
overicheit desser tit van minschen ingesat weren und Got 
alle dinck vomiggen wolde, so heft dersulvige prophete ... 12 gotfruchtige 
Personen vorgestalt, welche dat swert der gerechticheit füren solden. 



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576 Anno 1534 acta. 

et in honore habebat, neve causam tumultuandi concitaret. Hos 
duodecim tribnnm Israeliticarnm seniores appellavit, penes qnos 
omninm rernm tarn pnblicarom quam privatamm, tarn sacraram 
"p. 485. quam politicaram iudiciam, *imo ins gladii snmmaqne imperii 
potestas esse debebat. Snnt antem hi : Hermannus Tjlbech, pa- 
tricius, Gerlacus a Wollen, nobilis, Henricus Xantns, Henricna 
Boede, aurifaber, Joannes Ossenbeck, Lambertns Mapertinck, Jo- 
annes Eschman Warendorpensis, Lambertns Bilderbeck, civis 
Coesfeldianns, Petrus Sjmonson Frisius, Lambertns Leodins, 
Bernardns thor Moer et Antonius Guldenarm '. 

Cum hi designati fuissent, Bemardus Bothmannus' apud 
populum de nova hac reipublicae forma concionatus est, quae a 
Deo instituta Jsraelitici populi Deo adamati imaginem referret. 
Atque hie eorum nomina publice recitavit. Facta concione pro- 
pheta hos ordine in conspectum omnis populi producit singuüs- 
que per ordinem gladium strictum conceptis his verbis in manus 
tradit : „ Accipe ins gladii tibi a Deo Patre per me commissum 



^) Die Namen der sämtlichen Aeltesten überliefert nor Kerss. Er 
verdankt sie wohl derselben jetzt verlorenen Quelle, aus der er nns gleich 
die Verordnungen der Aeltesten mitteilt. Der Druck der „Ordnung** nennt 
nur 8 Namen, unter denen wir, so verderbt sie sind, 7 als auch von Kerss., 
und zwar an der 1. bis 6. und an der 8. SteUe aufgeführt, wiedererkennen 
können. Eigentümlich ist der „Ordnung' der Name Johann Pülhck. Nach 
Aufzählung der 8 Namen heilst es dann: „Noch ein Friess, noch zwen 
seind aus dem ländt zu Mertrich.*' Die „Ordnung' bezeichnet also nur II 
Aelteste. Abweichend von den Namen der „Ordnung' sind einzebie in dem 
Manuscript des „Tagebuchs' (abgedruckt in der Zeitschr. 51 [1893] S. 111 
Anm.). Auch das Manuscript nennt nur 9 Namen, die fast unverändert in 
die Münst ersehe Bischofschronik (M. 6.-Q. I, 334) übernommen worden 
sind, nur heifst in ihr Lambert Mackenlinck derjenige, der im Manuscript als 
Albert Mabertyn, in der „Ordnung' als Lamprecht Malbertin und bei Eerss. als 
Lambertns Mapertinck bezeichnet ist. Das Manuscript fährt nach Nennung 
der 9 Namen fort; „Noch eyn fremdt Freysze, noch twe van Luke.' Der 
Friese wäre nach Kerss. Petrus Symonson, die beiden von Luke (Lüttich) 
wären Lambertns Leodius und Antonius Guldenarm. — H. D orp Bl. E 3^ 
nennt 7 Namen, die sich auch bei Kerss. finden, darunter auch Lambert 
V. Lueck und Peter Symensen. 

^) Das Folgende ganz wie der Bericht in der „Ordnung.' YgL auch 
Job. Fabricius Bolandus Bl. N3^ n. N4, aus dem Kerss. das Auf- 
treten H. Tilbeck's entnimmt. 



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Anno 1534 acta. 577 

eoqne ad mandatnm Del scinde!^ Hinc totus populns propheta 
iubente snpplices ad Patrem pro guberaandi populum Israe- 
liticmn prudentia preces fnndit. Hennannns antem TUbechias 
spiritn humilitatis exagitatus lachrimatnr et: „0 mi Pater, ** ex- 
clamat, ,,indigniis ego snm tanto munere. Ta itaque miiii pra- 
dentiam viresqae regendi suggere!^ His ita actis tota multitndo 
propheta praecinente Oloria in excelsis decantat. Senatos in 
partes iam distractus prophetico spiritni novaeqne reipnblicae 
formae non repngnat libenterqne se magistrata abdicari patitur. 
Totnm ergo imperinm et memm et mixtum, ins vitae necisque 
sine invidia senatas seniores sibi vendicant, leges novas veteri- 
büs abrogatis condnnt, edicta pro sna libidine, propheta tarnen 
consnlto, pnblicant et omnia pro sno arbitrio agnnt^. Hanc 
gladii et scindendi licentiam non s^^ter sibi nsnrpant, ut 
postea dicetnr. 



Dnodecim seniomm edietnm publicnm 



2 



„Oratia et pax snper omnes, qni timent Denm et volnn- 
tati eins obseqnnntnr, et pax snper nniversnm Israelem, popnlnm 
Dei! Amen! Gnm in hac sancta commnnitate Monasteriensi nos 
omnes, qnomm cordibns lex et volnntas altissimi digito Dei in- 
scripta est, eam cogitatione, verbis et operibns merito adimple- 
remns adeo, nt nnnc dehinc opns non sit legem domini Dei 



*) In der „Ordnung" heifst es ansdrücklich : „Aller Radt, Oberkeit, 
Kichter, Richtstette seind alle ab, die von alter her gewonlich waren, und 
der ist ein newe Oberkeit . . . empfangen und wider eingesetzt . . ,^ Auch 
£L Gresbeck S. 35 f. berichtet: „So hebben sie die bnrgermeisters und 
den raet, den sie gesät hedden, af gesät und alle gielde und older luede, 
dat die gein overicheit mehr seiden sein. Dan die twelf eldesten und der 
raet, et was ein dinck.'' 

*) Die folgenden Verordnungen haben sich noch nicht wieder auf- 
finden lassen. Sie sind nur durch Kerss. bekannt, der sie gewifs nach 
ihrem alten Drucke übersetzte. Der Druck ist in der „Ordnung" zweimal 
erwähnt An der eben citierten Stelle folgt unmittelbar auf die Worte 
„und wider eingesetzt": „gleich wie man das in jhenem druck findet, darin 
man auch klar hat, warüber sie straffen sollen." und bei dem Berichte 
über die Ernennung Enipperdolling's zum Schwertträger heifst es: „Was 
zu straffen ist^ findt man in ihren bücheren, welliches hie nitt nöttig ist 
anzuzejgen." 



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578 Anno 1534 acta. 

nostri scriptam nobis ob ocnlos ponere et praefigorare, nihilo- 
minus tarnen, cum Dens onmipotens populo sno novom magi- 
•p. 486. Stratum clementer tribuerit, ut *impoenitentes nihil excusationis 
flagitiis suis praetexere queant et imbecillioribus ac negligenti- 
bus, qui forte inter nos sunt, serviatur, itaque nos seniores 
populi ea, quae scriptura multis verbis passim ad nostram doc- 
trinam tradit, ut homo infelix in omni opere bono perficiatur, 
in praesidium novae politiae quasi in tabella breviter compre- 
hendemus atque singulis, ut, quid sibi agendum quidve fugien- 
dum Sit, cognoscant, ob oculos ponemus. lustis non est lex 
posita, sed iniustis et inobedientibus ^ Sic etiam magistratus, 
qui gladium gerit, in terrorem malorum et defensionem bonorum 
a Deo constituitur. Legibus ergo et motu earum soluti esse 
Yolentes Deum ante oculos habeant et omnia mandata eins ser- 
vent, sicut infra ex scriptura sacra breviter annotatum est. Hi 
apud Deum, apud magistratum, ministrum eins, et onmes pios 
laudem, gloriam et honorem consequentur et tandem vitam aeter- 
nam sibi lucrabuntur. Dens, pater domini nostri lesu Christi, 
donet nobis cum omnibus credentibus huiusmodi animum et 
spiritum. Amen ! 

Non in sermone regnum Dei est, sed in virtute seu factis ^. 
Non omnes, qui dicunt: „Domine, Domine,*' intrabunt in regnum 
coelorum, sed qui faciunt voluntatem Patris mei, qui in coelis 
est ®. Haec est voluntas Dei, sanctiflcatio nostra, ut unusquisque 
sciat vas suum possidere in sanctitate et honore, non cum af- 
fectu concupiscentiae, quemadmodum et gentes, quae non no- 
verunt Deum \ DiUgamus neque verbo neque lingua, sed factis 
et veritate^ Cum ergo regnum Dei in eo consistit, ut factis 
et ex tota mente voluntatem illius impleamus et tunc simus 
veri filii Dei, fratres et cohaeredes Christi lesu, si, quod iussit, 
factis impresserimus, e diverso regnum diaboli in bis consistit, 
quando peccata committimus et voluntatem illius facimus, quod 
procul a nobis absit! Si autem filü Dei facti sumus et in Chri- 
stum baptizati, omne residuum malum de medio nostri eradi- 
candum est, cui rei magistratus maxime post Deum ancillatur. 



*) 1 Tim. 1, 9. — «) 1 Cor. 4, 20. — ») Matthäus 7, 21. — 
*) 1 Thessal. 4, 3 ff. — ») 1 Joh. 3, 18. 



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Anno 1534 acta. 579 

sicnt scriptum est Born. 13: Omnis anima supereminentibns 
potestatibns snbdita sit. Non enim est potestas nisi a Deo ; qnae 
yero snnt potestates, a Deo ordinatae sunt. Itaque quisquis re- 
fiiistit potestati, Dei Ordination! resistit; qui autem restiterint, 
sibi ipsis iudicium accipient. Nam principes *non terrori sunt*p. 487. 
bene agentibus, sed male. Vis autem non timere potestatem, 
quod bonum est, facito et feres laudem ab illo. Quod si feceris 
id, quod malum est, time tibi! Non enim frustra gladium gestat; 
nam Dei minister est, ultor ad iram ei, qui, quod malum est, 
fecerit. Quapropter oportet nos esse subditos non solum propter 
iram, verum etiam propter conscientiam *. In gladio morientur 
omnes peccatores populi mei, qui dicunt: non accedet neque 
praeoccupabit propter nos malum**' 

Sequuntur aliquot peccata in scriptura comprehensa, quorum 
nomine inobedientes et non resipiscentes gladio punientur': 

„1. Principio, qui maledixerit Deo nomenque sanctum vel 
verbum illius blasphemaverit. Levit. 24*: Quicunque maledixerit 
Deo, portabit poenam peccati sui. Et qui blasphemaverit nomen 
Domini, morte interficiatur. Exo. 20*: Non sumes nomen Do- 
mini tui in vanum, quoniam non insontem faciet Dominus eum, 
qui nomen suum sumpserit frustra. 

2. Nemo maledicet magistratui. Exo. 22«: ludicibus non 
maledices et principem in populo tuo non blasphemabis. 1 Petri 
3'. Act. 23». De inobedientia Deut. 17»: Vir ille, qui egerit 
procaciter nolueritque audire sacerdotem, qui stat coram domino 
Deo tuo, ut tibi ministret, aut iudicem, moriatur vir ille, et 
eliminabis malum de Israel; et omnes de populo audire debent, 
ut timeant et amplius procaciter non agant. 

3. Qui maledixerit parentibus suis neque illis paret, sed 
pertinaciter se adversus illos erigit. Exo. 20*^: Honora patrem 
tuum et matrem tuam, ut prolongentur dies tui super terram, 
quam dominus Dens tuus dat tibi! Exo. 21^*: Qui maledixerit 



*) Rom. 13, 1—5. — ') Arnos 9, 10. — ») Nur durch Kerss. be- 
kannt. — *) 15, 16. — ») 7. — 6) 28. — ') Vgl. l Petr. 3, 9. — ») 5. — 
«) 12, 13. — '•) 12. — ") 17. 

13* 



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580 Anno 1534 acta. 

patri sno et matri snae, morte interficiatnr. Dent. 5 \ Ephes. 6 K 
Dent. 21®: Si habnerit homo filinin protervnm et rebellem, qni 
noluerit andire vocem patris sni et matris suae, lapidabunt eom 
omnes viri civitatis suae, ut moriatur. — De mariti imperio et 
nxoris in matrimonio obedientia Eph. 5*: Viri, diligite uxores 
vestras! Uxores, propriis viris subditae sitis veluti Domino etc. 
Item uior virum timeat. 
*p. 488. *4. De familiae erga patremfamilias obedientia et patris- 
femilias erga familiam suam officio Eph. 6*: Servi, obedite iis, 
qni domini sunt iuxta camem, in timore et tremore cum aim- 
plicitate cordis vestri tanquam Christo, non ad oculum servi- 
entes velut hominibus placere studentes, sed tanquam servi 
Christi facientes, quae vult Dens, ex animo, cum benevolentia, 
servientes Domino et non hominibus, illud scientes: quod unus- 
quisque fecerit boni, hoc reportabit a Deo, sive servus fuerit 
sive liber. Et vos, domini, eadem facite erga illos remittentes 
minas, scientes, quod et vester ipsorum Dominus est in coelis 
nee personae est respectus apud illum. 

5. De adulterio Exod. 20*: Non adulterabis. Levit. 20': 
Qui fomicatus fuerit cum uxore proximi sui, morte interficiatnr, 
tam adulter quam adultera. Matt. 5®: Quicunque aspexerit 
uxorem alterius ad concupiscendam eam, iam adulterium cum 
ea commisit in corde suo. 

6. De fornicatione et immunditia omnis generis Exo. 22^. 
Deut. 22^®: Si invenerit vir puellam apprehendensque eam etc. 
Similiter de impudicis et masculorum constupratoribus ac qui 
se sororibus suis aut aliquibus sanguine sibi coniunctis et scrip- 
tura vetitis miscuerint Levit. 20*^ et similiter 18** scriptum 
est. Qui iacuerit cum muliere menstruum habente etc. Et qui- 
cunque turpitudinem scriptura prohibitam exercuerit, abomina- 
tionem committit, morte morietur. Item 1 Cor. 6*^ Galat. 5^*, 
Eph. 4**, 5**, 1 Thess. 4". Fomicatio et omnis immunditia 
ne nominetur in vobis, sicut sanctos Dei decet. 

7. De avaritia et rapina 1 Timot. 6**: Avaritia est radix 
omnis mali. 



') 16. — ») 2 u. 3. - »J 18 ff. — *) 22 ff. — ß) 5ff. — •) 14. - 
') 10. — «) 28. — ») 16. — '•) 28. — ") lOff. — ") 6 ff. — ") 13flf. — 
^*) 19. - '«) 19. — ^«) 3. — ") 3. — ") 10. 



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Anno 1534 acta. 581 

8. De ftirto Eio. 20 ^: Non fiiraberis. Deut. 5«, ICorint. 6». 
Item Dent. 27^: Maledictns, qni transfert terram prozimi sni. 

9. De fraudibns et imposturis 1 Thess. 4*: Ne qnis op- 
primat et fraudet in negotio fratrem sunm, propterea quod nltor 
est Dens de omnibns bis. 

10. De mendaciis et obtrectationibus Sap. 1 •: Os, quod 
mentitur, occidit animam. Psalm. 21^: Timidis et incredniis et 
execratis et homicidis et scortatoribns et veneficis et idololatris 
et omnibns mendacibns, pars iUomm erit In stagno ardenti igne 
et snlphnre, qnod est mors secnnda. Jacob. 4®: Nolite detra- 

here vobis *invicem, fratres! 1 Petri 2^ Matth. 7*^ »p. 489. 

11. De tnrpiloqnio et verbis otiosis Matth. 12": De omni 
verbo otioso, qnod locnti fnerint homines, redditnri sunt ratio- 
nem in die indicii. Item Eph. 4^': Omnis sermo spnrcns ex 
ore vestro ne procedat. 

12. De Gontentionibns, seditionibns, ira et aemnlatione 
Galat. 5**: Manifesta sunt opera camis, qnae sunt haec: inimi- 
citiae, lis, aemnlationes, irae, concertationes etc. ; qni talia agnnt, 
regni Dei haeredes non emnt. Matt. 5**: Qnisqnis irascitnr 
fratri sno temere, obnoxins erit indicio. 1 loan. 4^*: Qnicnnqne 
odit fratrem snnm, homicida est. 

13. De calnmniis, obmnrmnrationibns et factionibns in 
popnlo Dei Levit. 19*®: Non erit criminator nee snsnrro in po- 
pnlo. 1 Cor. 10^': Non mnrmnretis, sicnt et quidam illomm 
mnrmnravemnt. 

Gonclnsio : Qnicnnqne bis peccatis et similibns saintari et 
sanae lesn Christi doctrinae contrariis se contaminaverit, nisi 
yeram egerit poenitentiam, legi snbiicietnr et excommnnicatione 
gladioqne a magistratn ordinario a Deo constitnto de popnlo Dei 
eradicabitnr. Apocal. 22'®: Beati, qni servant mandata illins, 
nt Sit potestas illomm in ligno yitae et per portas intrent in 
civitatem; foris autem canes et venefici et impndici et homi- 
cidae et idolis senrientes et omnis, qni amat et facit mendacinm.'^ 



1) 15. -_ «) 19. _ 8j 10. __ 4) 17^ _ 5) 6. — •) 11. — ') Viel- 
mehr Apocal. 21, 8. — ') 11. — ») 1. — ") 12. — ") 36. — ") 29. — 
") 20 f. — ") 22. — ") Viehnehr 3, 15; vgl. dazu 4, 20. — ") 16. — 
") 10. - ") Uf. 



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582 Anno 1534 acta. 

Ordinatio politici regiminis in civitate Monasteiiensi 
a 12 senioribns recens introducta*. 

„Seniores commnnitatis Christi in sancta civitate Mona- 
steriensi per gratiam altissimi et omnipotentis Dei vocati et con- 
stitnti haec officia et hos sabsequentes articnlos a singnlis Israe- 
litis ac domns Dei inhabitatoribns fideliter et inviolate servari 
volunt: 

1. Qnicqnid sacra scriptnra ant praecipit ant vetat, hoic 
poenae metn singnli Israhelitae parebnnt. 

2.* Unnsquisqne vocationi suae sednlo insistet Demnque 
ac magistratxim ab eo constitntnm timebit. Nam non fmstra 
gerit gladinm, com scelemm sit nltor. 
*p. 490. *3. Qoilibet seniomm anios ministri opera ad inssa sna 
exeqnenda ntetar. 

4. Qninqne seniomm tarn noctnrnis qnam dinmis excnbiis 
praeemnt easqne praesentes inspicient, ne quid negligentia vi- 
gilum pericnli reipublicae importet. 

5. Unns insnper seniomm singnlis noctibns cnm qnibus- 
dam ministiis amiatis vigiles onmes in aggeribns, mnris et 
portis eicnbantes diligenter contemplabitnr, nt in officio conti- 
neantnr et Dens cnm illis vigilei 

6. Singnlis diebns a septima ad nonam antemeridianam ^ 
et a secnnda ad qnartam pomeridianam horam sex seniores in 
foro locoqne ad id destinato considentes omnes controversias 
snis decretis diriment^ 

7. Qnicqnid seniores commnni consilio in hac nova Is- 
rahelis repnbUca ntile esse decreverint, Joannes Leydanns pro- 
pheta tanqnam fidelis minister altissimi et sacrosancti magi- 
stratns commnnitati Christi totiqne Israelitico coetni annnnciabit 
et proponet. 

') Ein Teil dieser Yerordnimgen der Aeltesten ist auch in das Fing- 
blatt »Die Ordnung** übergegangen. Die Namen sind wie immer in dem 
Drucke derselben sehr entsteUt. Wo sich nennenswerte Abweichungen oder 
Zus&tze fanden, habe ich sie vermerkt. Die Verordnungen fehlen sowohl 
im Manuscript des j^Tagebuchs** wie auch in der Münsterschen Bischofs- 
chronik. — *) Fehlt in der „Ordnung." — «) Die »Ordnung": „Alle tag 
Tor siben uren zwischen zehen Tormittag." — ^) Ygl. zu diesem und dem 
folgenden Artikel den Bericht H. Gresbeck's S. 36. 



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Anno 1534 acta. 583 

8. Ne inter sinceros minimeqae fucatos Israhelitas qnic- 
qnam manifest! flagitii cum verbo Dei pngnantis toleretur ntqne 
transgressor sen flagitiosns in manifesto crimine deprehensns 
meritis snppliciis plectatnr, Bernardns Enipperdollingns ensifer 
enndem ratione commissi delicti pnniet. Si vero in manifesto 
crimine non deprehendatnr, cansa ad seniores per Enipperdol- 
lingum referetnr, quorum decreto parebitur, nt omne malnm ex 
Israel eradicetnr. EnipperdoUingus antem in sni mnneris tnte- 
lam et defensionem qoataor stipatoribus mnnitns in pnblicnm 
prodibit '. 

9. Ut in cibis administrandis legitimus servetur ordo, 
praefecti eins rei officii sni memores einsdem generis fercnla 
(uti hactenns fleri consnevit) singulis diebus fratribns sorori- 
bnsqne in disiunctis et disseparatis mensis modeste et cum omni 
yerecundia sedentibns apponent. Neqne illi qnicqnam pro sno 
arbitratn praeter id, qnod apponitnr, exigent. (Habebant antem 
ant« singnlas portas singnlas aedes, in quibns illi, qni mnni- 
tionibns firmandis dabant operam, sno tempore cibabantnr, in 
qnomm numero tam feminae quam mares faerant, qni mensae 
cnm süentio accnmbentes nno aliqno inter edendnm in veteri 
testamento legente cibnm capiebant.)' 

*10. Excnbias interea dinmas agentes aliis digressis cibnm *p. 491. 
capient, ne vigiliae necessariae negligantnr. 

11.^ Nemo praeter Christiannm Eerckringnm ac Herman- 
nnm Bedekemm, praefectos piscationis, illommqne ministros 
piscabit, qni etiam pisces pro necessitate aegrotantibns et prae- 
gnantibns non negabnnt. 



') Yergl. dazn oben S. 574, wo Eerss. auch die Namen der vier 
Diener nannte. 

*) Dieser Satz ist in der „Ordnung** von den Yerf&gangen der Ael- 
testen getrennt nnd ist unter die sonstigen Berichte über die Verhältnisse 
in Münster eingereiht Hinzugefügt ist noch: „Was man in fürsetzet, 
müssen sj essen und trincken sonder murren. Wer ein löifel will haben, 
der mufs in mit im pringen. Wölcher mer brots sehne jdt, dan er isst, 
der wirt berufft für die Eltesten.'' Vgl. auch Joh. Fabricius Bolandus 
Bl. N 4^ und L. H o r t e n s i u s S. 20 f. Ueber die gemeinsamen Mahlzeiten 
8. auch H. Gresbeck S. d4f. 

») Fehlt in der „Ordnung". 



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584 Anno 1534 acta. 

12. Penes Bernardnm Boentruppen ac Gerardnm Pmessen 
mactandl creopoliiqne cnrandi ins erit, ne recentes cames sno 
tempore desint. 

13. Hermannns Tornate, loannes Bedeker et Henricns Dnm- 
cnster cnm sex suis ministris in nsnm Israelitarum calceos snent. 

14. loannes Palck, Henricus Pothofif, Henricas Stolte, Con- 
radns Potthoff, Hermannns Beminck ac Amoldns Boidtlandt^, 
fabri ferrarii, nnlli soam operam negabnnt. MoUenhecke yero 
ac Steinkamp soli magistratni in endende ferramento servient. 

15. loannes Coesfeldins cum suis ministris claves ferreos 
endet *. 

16. Bemardus tor Moer, Bemardus Glandorp, Henricus 
Edelbloit et loannes Northoflf* sarcinatorum emnt praefecti da- 
buntque operam, ne novae ac inusitatae vestium formae fiant. 

17. Gonscissas et dissectas vestes nemo gestabit^ 

18. Secreta seniorum consilia atque decreta illorum publica 
privataque Henricus Erechtingk tanquam tabellio et a secretis 
diligenter annotabit. 

19. Ne quid, quod ad bombardas et tormenta eorumque 
nsnm necessarium requiritur, desit, Henricus MoUenhecke et 
Bernardus Pannicida curam habebunt. 

20. Ut vinum aliaque annosa potus genera in nsnm aegro- 
tantium et dolore animi laborantium conserventur, Stephanus 
Eupperschleger eins rei exactam rationem suscipiet. 

21. üt auro et argento tarn signato quam non signato 
verus et legitimus usus tribuatur, Magnus Eoehus, Gonradus 
Eruese, Gerardus Beyninck et Lucas Gruter singulari studio 
curabunt, ne quid inutiliter expendatur, sed seniorum consilio 
in utilitatem publicam convertatur*. 

22. Andreas Goriarius et Hermannus Bibbert coriorum et 
pellium praeparationi ac illius, quidquid ad sutoriam pertinet, 

''p. 492. praefecti emnt *in hac sancta civitate. 



') Der Name Arnold Boidtlandt fehlt in der „Ordnung^. 

*) In der „Ordnung"; „Günters knecht genandt Gastel soll mit 
seinen hülffen nach aller gestalt nögel machen." 

•/ Die „Ordnung" nennt fiir diesen Johann VlenthoflF. 

*) Auf die Ordnung, die Kleider hetreffend, kommt Eerss. weiter 
unten noch einmal zurück. — ^) Vgl. dazu ohen S. 562. 



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Anno 1534 acta. 585 

23. Eberardas Folien ac loannes Erechtingk veterinarii 
erant et eqnoram pnblicis usibns destinatorum cnram agent, ne 
sine commodo pabula absnmantnr^. 

24. Pnblicis mnnitionibns bnins sanctae nrbis confirman- 
dis ant de integro erigendis Gerardns Eibbenbroich, Christianns 
Wordeman, loannes Daventriacns ac loannes üldanns' dabnnt 
operam. Nihil tarnen senioribns non consnltis extraent. 

25. loannes Erechtingk raparnm semina, qnaecnnque in 
urbe deprehenderit, ad molam oleariam Meynershagii convehet 
olemnqne inde expressnm in usus necessarios fideliter consenrabit. 

26.* Aromatibns et placentis in nnam domnm comportatis 
Bemardns Menneken praeerit iisqne recte distribaendis dabit 
operam. 

27. Qnoties cerevisia et panis necessarius faerit, seniores per 
Dei gratiam dabnnt operam, ne qnid respublica incommodi capiat. 

28. Qnoties ad reparationem aggerum terra opns fnerit, 
Theodoricns Schloschen in eins rei nsum bigas ant qnadrigas 
procurabit et cnpmm, plnmbnm, stannnm a deiectis tnrribus 
raptnm in singnlos et distinctos acervos convehere inbebit. 

29. Si peregrinns et a nostra religione alienns, sive frater 
sive einsdem patriae concivis sive familiaris fnerit, qni sese ad 
hanc civitatem nostram sanctam contnlerit, iUe Enipperdollingo 
ensigero ad examinandnm committetnr, nt ille cnm eo coUoqnia 
misceat; qnod nnlli alii praeterqnam senioribns committitnr. 

80. Baptizatns christianns cnm advena et peregrino ethnico 
nnllnm coUoqninm ant sermonem habebit neqne cibnm cnm illo 
snmet, ne nlla collnsionis snspicio snboriatnr. 

31. Nemo qnacnnqne etiam arte inobedientiae poena pro- 
posita piscabitnr. 

32. Nemo citra consensnm et arbitrinm seniomm snb poena 
capitis Signa militiae mntabit neqne se pro arbitrio sno de ma- 
nipnlo nno in alinm dedet 



^} Die „Ordnung** sagt unklar: „Der pferd grofs und klein sollen 
Olbert Fellen und Johann Krechting aoffsehen haben in der Meimerschlagen 
feldmülen.** Vgl. dazu gleich unten Artikel 25. 

■) lieber die Uldansschanze vgl. oben 8. 554. Die „Ordnung" hat 
statt Johann üldan den Nunen Johann Eürchenrinck. 

') Dieser und s&müiche folgenden Artikel fehlen in der „Ordnung"« 



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586 Anno 1534 acta. 

33. Si qnis Deo sie dispensante ab hostibns transfossns 
ant alia quavis ratione obdormierit in Domino, bona illins re- 
licta, ut snnt arma, vestes etc., nemo sna anctoritate capiet^ 
sed ad Bemardnm Enipperdollingom ensigemm deferentnr, qni 
^p. 493. senioribns ea offeret, *nt illomm anctoritate veris haerediba» 
adindieentnr.** 

Inde retincti qnaedam scripta in nrbe et publice et pri- 
vatim composita ant lapidibns alligata eiicinnt aut telis affixa 
in castra spargnnt^ nt militibns persnadeant se non priores 
bellum intnlisse, sed sibi sine iusta denunciatione iUatum; se 
aut deprecaturos aut legitima defensione repnlsuros verbumqne 
Dei, qnod apud se vigeat, defensaros. Et haec eo astn atque 
consilio agnnt, ut militem ab obsidione tam sanctae civitatis 
removeant et ab oppressione tam piorum virorum deterreant. 
Quäle fait illud, quod sequitur*: 

,,Omnibus populis, cuiuscunque sint aetatis, Monasterium, 
christianam civitatem altissimi Dei, obsidione prementibus. 

Gratiam et misericordiam et pacem a Deo Patre per lesum 
Christum, unicum nostrum et totius mundi servatorem, omnibus 
piis, benevolis et christianae veritatis amatoribus precamur! 
Audite, populi, et percipite, iuvenes senesque, qui in circuitu 
urbis nostrae castra tenetis ! Cum nos non solum pacem, verum 
etiam fratemum amorem in Christo cum quibusdam hominibus 
ex animo habere desideremus, quibus rationibus coram piis viris 
(taceo coram Deo) defendetis, quod contra scriptas pacis leges 
et consignatas non indicta belli causa obsidione violenta a vobis 
premimur atque occidimnr? Sed iustos iuvabit Dens. Quod 
vero vobis literas nostras mittimus, hac de causa fieri cogno- 
Seite! Speramus inter vos multos adhuc pios fore Deum ac 
creatorem suum amantes, qui mortem oppetere malint, quam 



') So schreibt Konr. Hesse am 5. Juni ans dem Lager vor Münster 
an die landgr&flichen R&te zn Kassel (M. G.-Q. II, 250) : „Ich senden nch 
auch hei ein bucheigen; das woUet lessen. Die von Munster haben ir 
etlich eins leger gesanf Die übersandte Schrift liegt dem Originalbrief 
im 6t.-A. Marburg nicht mehr beL — *) Nur durch Kerss. bekannt 



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Anno 1534 acta. 587 

non indicto bello contra fas, contra Demn atqne amabflem yeri- 
tatem pecnniae gratia snscipere bellnm, qni mendaciis addncti 
nobis infensi sunt existimantes, si nos armis perseqnantnr, se 
gratnm Deo obsequinm praestitnros. üt antem singnU yestrom 
intelligant accnratinsqne secmn expendant, qnid agant et contra 
qaos arma induant, fidei et yitae nostrae rationem breyiter ex- 
plicabimns. Fides et fidncia nostra est in nnnm verum et vivurn 
Demn, creatorem coeli et terrae, sicnt scriptnra sancta illud 
latins explicat, qnpd perlongnm esset Mc perseqni. Scimns etiam 
et credimns: aeternum Deum timentes se et in via sna ambu- 
lantes amare, contra malefactores omnes in * terra enormiter*p. 494.. 
odisse. Com igitnr in Denm credimns et scimns enm esse re- 
mnneratorem illis, qni ipsnm ex toto animo qnaemnt et in yiis 
illins ambulant, ita vita nostra coram Deo est composita, nt 
nullum Inter nos flagitiis obnoxium impunitum relinquamus, 
nedum talia flagitia et enormia peccata, qualia de nobis impu- 
denter inter yos confinguntur, perferamus et fieri permittamus. 
Praeterea si constaret nobis nos quenquam praeter Satanam illi- 
usque familiam de&audasse, quadruplum libenter refunderemus. 
Haec est fides et vita nostra. Dens est nostra fiducia, spes, 
praesidium et clypeus noster; ipsius voluntati obsequi nostrum 
desiderium est, sive vivendum sive moriendum sit nobis. Proinde 
non formidamns, quid Anticbristus, sacerdotes, monacM et dia- 
boli astutia cum tota coborte cumque ipsis inferorum portis ad- 
versus nos moliantur. Nostra vita in Christo abscondita tunc 
primum incipit, quando haec caro mortalitatem deposuit. Tunc 
bestes Dei stimulo Jesu Christi occurrentes fracti et repulsi con- 
fnndentur et pudefient. Quare resipiscite et errores vestros, dum 
potestis, agnoscite, ne ipsi in vestrum exitium foveam fodiatis! 
Optamus enim omnium hominum resipiscentiam, ut nobiscum 
salyi fiant. Quid yero nobis homines optent, Dens sit iudex! 
Haec pro benigna admonitione suscipite et, ne nostrum ducem 
antiquum et bene exercitatum offendatis, cavetote! Onmes Dei 
hostes non secus quam paleam et quisquilias aestimamus, quibus 
intrepide ducis nostri praesidio freti resistemus. Et certe durum 
erit ipsis contra stimulum calcitrare^ et iudicio Dei se impli- 



') Act. Apost 9, 5. 

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588 Anno 1534 acta. 

care. Si hanc agnitionem fidei nostrae yeram non esse existi- 
maveritis, ferre poterimns, ut certns commüitonom yestromin 
nnmems, a nobis tarnen decemendus, omnia praesens experiator. 
Dens enim novit, qnod nihil nisi regnnm Christi qnaeramns et 
optemns. Scripta snnt haec Monasterii in civltate Dei altissimi 

«.April, anno post natom Christum 1534 octavo die Aprilis^ 

Seniores totaque commnnitas et consociatio Christi 

Monasterii eongregata." 
Varia deinde Indibrii et contnmeliae genera ntrinqae effin- 
gnntur, qnibns per animi lasciviam interdnm sobrii, interdnm 
ebrii se mntno lacessant, dicteriis amarulentis proyocant Qni- 

*p. 495. dam *militum ingenti saepe confidentia freti ad urbem decnr- 
runt caligasqne detritas portis his vociferationibns affignnt: 
„Sartor, detritas atque laceratas has mihi refice caligas!" Atqne 
hi interdnm elabnntnr, interdnm transfixi cadnnt. Oppidani yi- 
cissim yiri simnlachrnm e panno lineo consntum et feno fartnm 
ac indnlgentiamm literis pontificiisqne bnllis circnmseptnm an- 
nosae eqnae imponnnt eamqne scnticis acriter in porta flagel- 
lantes ita cum sno sessore muto in castra Manritiana abignnt K 
Miles eo simnlachro illnsns, cum oppidannm aliqnem ab effreni 
et indomito equo, quem retinere non potnerit, per campnm ferri 
existimaret, certatim praedandi gratia accnrrit, eqnnm appre- 
hendit et a pemici cnrsn coercet. Cnm antem frans deprehen- 
deretnr, magna militnm mnltitndo rei noyae ayida et doli ignara 
ad spectacnlnm illnd conflnit. Oppidani yero ex diyersis nrbis 
mnnitionibns et e tnrri potissimnm Martiniana tantam tormen- 
tomm et missilinm copiam in eam conglobatam et consertam 
militnm mnltitndinem coniiciunt, nt maiori parte occisa panci 
sine ynlneribns elaberentnr. Neqne mnlto post yas hnmano ex- 
cremento plennm et arctissime obtnratnm bigaeqne impositnm 
sine anriga in castra mittnnt^; et alia infinita in contnmeliam 
militnm comminiscnntnr et foedissimis conyitiis se mntno pro- 
scindnnt. Hi milites appellant impios idololatras, pontificis et 



>) Vgl. oben S. 574 Anra. 2. — «) Vgl. dazu oben S. 568 Gaöi 
ähnlich berichtet Job. Fabricius Bolandns Bl. Q 1 f . Denselben 
Spott erwähnt auch H. Gresbeck S. 49 f. — ") Siehe Job. Fabricius 
Bolandus Bl. S 1^ u. S2. Vgl. auch H. Gresbeck S. 49. 



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Anno 1534 acta. 589 

rasae tnrbae ministros, servos scelerum etc.; iUi e diverse da- 
mitant: „Pater, spiritus mens appetit carnem tuam!" Interdum 
nudatis natibns posteriora ostentänt^ Id cum quidam pner 
eodem fere semper in loco crebro faceret, oppidani disposito ad 
eum locmn tormento puernm ita traiiciont, at membra dissipata 
et per agros passim disiecta non reperiri, nedum colUgi potuerint. 

Dum haec aguntar, vimineas crates, qnibus Älpham castris 
interlnentem suppositis trabibus passim committant, octo pednm 
in latitudinem, daodecim vero in longitndinem, ac corbes sen 
gerras adyersus tormenta obiectacnla inssn principis pmefecti 
militiae in Äprili texunt et magnum carmcnlaram, palamm, 
harpagonnm et nncatarnm scalamm nnmemm ad oppngnationem 
fatnram comparant. Buricolae quoqne fossores agminatim castra 
muniendi causa per vices accersnntur ^; alii ex Ms detrita ^plau-^*p. 496. 
stra Stramine et erica, alii vero firmiora fascibus et virgultis 
onerata addncere iubentnr, hi ut deiectis fascibus currus secum 
reducant, illi autem ut ipsos cum oneribus in castris relinquant \ 

Princeps praeterea, ut müitaris disciplina in castris vigeat, 
3. Maii satrapis et praefectis per totam dioecesim edicto prae- s. mul 
cipit, ut miütes sine ducum suorum commeatu signa deserentes 
et defectionem molientes tanquam transfugas intercipiant et 
captos poenae reservent atque ita viarum rationem circumquaque 
habeant, ne miles non auctoratus et in militumi numerum as- 
scriplus sine fide publica in castra commeare permittatur*. 

Inde Bastwilhelmus, infumibulorum rasor, cum inter portas 
Horsthanam et Mauritianam in loco valli sibi a militiae prae- 
fectis assignato vigilias noctumas ageret, subita visione et in- 
usitata voce excitatus atque animatus est, ut impiorum urbes 



') Ebenso Job. Fabricius Bolandus Bl. L3^. 

•) Der Befebl des Bischofs stiefs bei den Baaem auf heftigen Wider- 
stand. Infolgedessen ordnete der Bischof in einem Erlafs an die Amtleute 
vom 11. April aus Wolbeck an, dafs Jeder, der sich nicht zu Schanzarbeiten 
vor Münster einstellen wolle, verhaftet werden solle. Am 15. April schon 
folgte ein abermaliger dahingehender Erlafs (Konzepte im St.-A. M.). 

') Yergl. dazu das bischöfliche Schreiben an die Amtleute vom 20. 
April aus Wolbeck (Konzept im St-A. M.). 

^) Konzept eines dahinlautenden Befehles des Bischofs vom 2. Mai 
im St.-A. M. 



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590 Anno 1534 acta. 

flammis passim perderet. Proinde publica anctoritate et com- 
meatn impetrato eo animo exivit, ut Woltbecae, Telgeto, Alenae, 
Dnlmaniae aliisque finitimis oppidis flammas iniiceret. Et cum 
Woltbecae magna polveris tonnentarii recens advecti aliarnmqae 
rernm ad bellum et obsidionem comparataram esset copia, pri- 
mom snscepti incendii experimentum in eo oppidnlo facere ten- 
tavit. Admoyet itaqne tectis faces magnamque oppidi partem 
<i6. April.) sine pnlveris tamen aliarnmque rernm bellicamm exitio exnssit \ 
Paganornm enim nndiqne accnrrentiom mnltitudine, anteqnam 
pnlveris repositorinm ignis pertingeret, incendinm restinctnm 
est. Incendiarins yero clancnlnm sese inde Dremstenfordiam snb- 
dnxit, nbi ex levi suspicione apprehensns factum fatetur. Inde 
flagitii daturus poenas Woltbecam reducitur. Beligatus ergo ad 
postem igni, quo aliis nocnit, suffocatus et exustus periit di- 



') Als Datum des Brandes von Wolbeck ergiebt sich der 16. April 
aus einem Briefe des Bischofs an G. y. d. Recke und andere seiner R&te 
aus Horstmar vom 17. April (Orig. im St.-A. M.), in dem es heifst: „Wy 
hebn den brant, so gisteren tor Wolbecke yn unsen affwesent gescheit, myt 
beswerten gemoeto nicht gerne gebeert. " Der Bischof befiehlt, sofort den 
Hauptmann Koritzer mit hundert Knechten nach Wolbeck zu berufen, und 
ordnet umfassende Yorsichtsmafsregeln an. — Kurz ist der Brand erwähnt 
in der Bischofschronik (M. G.-Q. I, 335) : „Se mackeden einen vorreder uth 
und mortbemer, de Wolbecke uthbrandede." Aehnlich sagt D. Lilie S. 232: 
„Noch beslotten de boven in erem raide, se wolden itlike uthmaken, de 
«olden ummeher de stede, dorper unde huser affbernen, dar ein mede ge- 
west, de datsulvige vullenbrachte unde dat fleck tor Wolbecke anstickede . . .** 
Der Name des Mordbrenners findet sich aufser bei Kerss. nur noch im 
^Bichtboeck**. Die betreffenden Verse lauten dort (S. 7lv): 

^Bast Wilm schorstenfegger is auch nüt uth Munster gegangen, 

He heft up mordbrennen van den Mönsterschen geld empfangen; 

He heft dat fleck Wolbeck met lunten gebrandt, 

Danah is he gefangen aUthohandt 

He heft dat stadlein Wolbeck angestecken. 

Oot moste davan seine live trecken. 

He is vcrbrandt und heft sinen loen entfaen, 

Danah als he hadde by dem stadtlein Wolbeck gedaen. 

He mende da bussenkruth tho finden in den kercken, 

Dat wolde he anstecken und dar groit ungluck und schaden mit wercken. 

De kercke is averst nich angegaen, 

Und dat pulver heft tho der üed up der borg gesthaen.'' 



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Anno 1534 acta. 591 

gnamque factis snis poenam dedit \ Hie etiam in carcere Theo- 
dorico a Mervelt, satrapae Woltbecano, ad rem aliquantulum 
attento diflferendi forte supplicii causa persuasit in süvavicina, 
qnae ferarum hortns seu saltns dicitur, designato certo loco et 
in casnla, qua Monasterii in vallo excabias agere solitus sit, 
thesauros defossos esse, ütmmqae ergo locum, illnm ante cap- 
tam, hunc vero post captam nrbem sollicite magnoque studio 
scrutatus est; sed deceptus nihil praeter *terram reperit. »p. 497. 

Interea oppidani quotidianis fere conflictatiunculis sese 
exercent bostesque terrent^ et maxime 16. Mail inopinatam le. Mai. 
eruptionem in castra hostium faciunt ac non paucos, sine magna 
tarnen suorum strage, stemunt atque Clymnerum Voerdanum, 
Arzeum Lythonium et Hansonem Bechemium secum captos in 
urbem abducunt, qui postridie per literas in castra missas' a 
suis commilitonibus poscunt, ut colloquendi facultate ab oppi- 
danis impetrata cum loanne Bokelsone de commutandis captivis 
agant; sibi enim in isto ergastulo diutius detineri permolestum esse. 

Cum iam omnia ad bombardas maiores et ad oppugnatio- 
nem urbis necessaria comparata et instructa essent^, ne quid 



*) D. Lilie a. a. 0.: „Desulvige wordt gefangen unde vor Telget 
gesmoket an der snilen unde vorbrandt.^ 

') Vgl. dazu oben S. 554 f. Am 18. Mai schreibt Konrad Hesse an 
die E&te des Landgrafen Philipp in Kassel aus dem Feldlager vor Münster 
(M. G.-Q. n, 238) : „Sie fallen auch einen dagh und alle tage in die leger.^ 

*) Orig. des Briefes des Clymmer van Woerden, Artz van Lyth und 
Hans van Beckem vom 1 7 Mai an viele ihrer namentlich angeführten Kame- 
raden im Fähnlein Jost van Muyen's im ßt.-A. M. Die Landsknechte weisen 
darauf hin, wenn der Bischof die im Scharmützel gefangenen Münstercr 
„an syck wolde doin holden unde nicht na kryges rechte gequitet volgen 
. . . laiten, dat selve wert uns allen wederum erfaren und gelyck den bro- 
deren, wefs enne geschuth, wederum gewarden." Sie bitten um günstige 
Antwort und darum, „durch Daniel Gossens gnant Monneke Yrent van den 
Bussche sprake to holden, eder anders, wo iw geleveth, mytJohan Bökels 
van Leyden vor de porten Jodeveit to verstendigen." 

*) Nachdem der Bischof auf dem Tage zu Orsoy am 26. März wirk- 
same Hülfe von Seiten des Kurfürsten von Köln und des Herzogs von Cleve 
erhalten hatte (beide Fürsten wollten u. a. für einen Monat je zwei Fähn- 
lein Knechte vor Münster unterhalten. Ueber den Umschwung der Be- 
ziehungen des Bischofs zu den ihm benachbarten Fürsten und über die 
Ursachen desselben vgl. die oben S. 529 Anm. 1 angegebenen Ausführungen 



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5U2 Anno 1534 acta. 

temporis sine annorum exercitio transmittatnr neve turpi otio 
miles intra castra langnescat, die Veneris, qaae proxime festnm 
«2. Mai. Pentecostes praecessit fuitqne 22. Maii, muros, portas et pro- 
pngnacala nrbis freqnentibus ad fnturam oppngnationem ictibus, 
qnae die Martis snbseqnenti in crepnsonlo matntino fieri decreta 
est, qnatere atqne deiicere incipiunt viamque irrnptionis sibi 
aperire contendant^. Qnicqnid antem mnnitionis interdiu ster- 
nitur, mnlieres a certis dnctoribns edoctae noctnrno tempore 
terra fimoque congesto reparant ac restanrant. Viri vero ad 
futnram oppngnationis diem, quam per transfngas didicerant^ 



von L. Keller), entliefs er die ihm Tom Landgrafen von Hessen infolge 
der Zusammenkunft zu Böke (s. oben S. 505 Anm.) zugesandten zwei Fähn- 
lein Landsknechte, da ihm ^desses orts der lantzknechte zo vele ange- 
kommen*' (Abdruck des bischöflichen Schreibens an den Landgrafen vom 
15. April bei L. Keller: G. d. W. S. 3iö). Nach Ablauf der in Orsoy fest- 
gesetzten Frist erneuerten und vervollständigten Köln und Cleve ihre Hülfe 
für den Bischof auf dem ersten Tage zu Neufs am 7. Mai. Wenn auch 
die dortigen Abmachungen (der Abschied ist abgedruckt bei L. Keller 
a. a. 0. S. 316 f.; vgl. auch S. 255) die selbständigen militärischen Ope- 
rationen des Bischofs sehr beeinträchtigten, da der Bischof an die Zustim- 
mung dreier kölnischer und dreier clevischer Kriegsräte gebunden ward, 
so ermöglichten sie doch erst ein ernsteres Vorgehen gegen die Stadt und 
hatten von vornherein einen Sturm auf Münster im Auge. Zwar berichtet 
Konr. Hesse, der im Lager vor Münster die Anstalten des Bischofs zur Er- 
oberung der Stadt, zugleich aber auch die Gegenrüstungen der Münsterer 
beobachtet hatte, . noch am 18. Mai an die landgräfiichcn Räte in Kassel 
(M. G.-Q. II, 237 f.), er besorge, „das der beischaf deis mols die stat mit 
gewalt nit erobern werde . . ." Nach Joh. Fabricius Bolandus Bl. LS^, 
dem Herrn. Hamelmann S. 1226 folgt, liefs der Bischof um Pfingsten 
die Stadt zur Ucbergabe auffordern, erhielt aber eine schroffe Zurückwei- 
sung. Vergl. dazu die von C. A. Cornelius (M. G.-Q. II, 241 ff.) ver- 
öffentlichten undatierten, aber wohl in diese Zeit gehörigen Schreiben von 
Seiten des Bischofs und von Seiten der Inhaber der Stadt Münster. 

') Der Bischof hatte am 13. Mai dem Erzbischof von Köln geschrie- 
ben (Konzept im St-A. M.), die Beschicfsung solle am 19. oder 20. Mai 
beginnen. Vergl. auch den Bericht der Clevischen Kriegsräte an Herzog 
Johann vom 16. Mai (M. G.-Q. U, 233). Dafs die Beschiefsung thatsächlich 
erst am 22. Mai begann, bestätigt der Brief des Bischofs an die hessischen 
Räte zu Kassel vom 26. Mai (M. G.-Q. II, 244). 

*) „Dan leider," sagt auch D. Lilie S. 233. „grote vorrederie is 
darbuthen gewest, dat se binnen Munster gewamet worden unde wüsten, 
wanner de dach was angesatt, dat men stormen wolde.** 



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Anno 1534 acta. 593 

sese armant, neqne qnicquam, qaod ad repellendos hostes utile 
yisnm est, intermittitnr. Nee dissimili studio miles urbem op- 
pugnaturus in omnibus castris se instrnit et a ducibus iura- 
menti praestiti et priscae fortitudinis admonetur. Ipsi etiam 
proposita opimae spe praedae se mutuo aniioant. Geldri autem 
non solum verbis mutuis, verum etiam spumantibus et plenis 
calicibus epotis animos sibi conciliant, omnesque mortis terrorem 
largo mero cervisiaque excutiunt non intelligentes consilii ratio- 
nem bis eztingui neque fortitudinem, sed audaciam ac temeri- 
tatem augeri. Hl itaque cum diem Lunae totum pocula con- S5. Mai. 
trectassent et tarn strenue potitassent, ut neque discrimen die- 
rum neque vespertini neque matutini temporis haberent ratio- 
nem, ante solis occasum spe praedae praeripiendae et inanis 
gloriae cupiditate adducti, cuius appetentes plerique esse existi- 
mantur, ingenti strepitu et clamore sublato oppugnationem aliis 
castris ignorantibus praetentant et, quantum per ebrietatem *li-*p. 4d8. 
cuit, armis, scalis aliisque machinis urbem adoriuntur^ übi 
vero Qeldrorum oppugnatio per reliqua castra nunciaretur, ad- 
mirantur primum ipsos temporis decretae oppugnationis oblitos 
esse ; ne tamen soli impressionem sustineant, ex omnibus castris 
praesidil ferenda gratia fit irruptio, et multorum oppidanorum 
tela in se quoque proyocant atque ita hostUem impetum unitum 
dispertiuntur et dissipant. Sed ubi nox intervenisset, duces 
receptui canunt et ad castra suos milites superstites revocani 
Plurimi autem eonun in ista impressione irrita desiderati sunt^ 



') Dafs die Knechte ans dem Geldrischen Lager den vorzeitigen An- 
sturm wagten nnd das Zeichen znm allgemeinen Angriffe nicht abwarteten, 
berichtet Eerss. in U^bereinstimmnng mit Joh. Fabricins Bolandns 
Bl. MS^ff. Vgl. auch D. Lilie S. 233. In dem Briefe des Bischofs an 
die hessischen R&te in Kassel Tom 26. Mai heifst es (M. 6.-Q. U, 244): 
„Es hat sich aber zugetragen, das etzlieh getrunken knechte gestern nackt 
umb die elf ur unversehentlich und über den abscheit^ unbewust der uber- 
sten Teltheuptleute, die stat angefallen, und im selbigen anlauffe die knechte 
dorch die Inhaber der stat widder abgeslagen.^ 

') Das Schreiben des Bischofs an die hessischen B&te in Kassel giebt 
an, dafs die Zahl der gefallenen und verwundeten Knechte sich auf 200 
belief^ ebenso ein Brief der clevischen Kriegsrftte (M. 6.-Q. II, 243). H. 
Dorp BL E3^ der den Sturm zu Pfingsten nur ganz kurz berührt, sagt, 

14 



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504 Anno 1534 acta. 

cum ex oppidanis tantum Antonius Guldenarm et Henricus 
Merschius cum octo aliis gregariis Interierint \ Si omnia simul 
castra decreto tempore omnibus rebus paratis irraptionem ten- 
tassent, felicius res forte cessissent. 

Ex hac recenti yictoria cum oppidani feliciter suarum vi- 
rium periculum fecissent, audaciores redditi multa in hostimn 
pemiciem callide machinantur. Frimum enim iuxta portam Jude- 
feldanam ex urbe per aggerem cumulum agunt eumque lignis 
robustioribus intus, ne agger subsidat, fulciunt et fossam utram- 
que ponticulis iungunt^ Per haue viam hostibus incognitam 
oppidani aliquot animo quam viribus maiores urbe exeunt operas- 
que inter se partiuntur. AUi enim chalybeios clavos, alii ferreos 
maUeos, alii grandiores secures, alii strictos enses, alii bipennes 
ferunt et, ne hostis eorum adventum praesentiat, proni per ter- 
ram usque ad hostium stationem et vigilias diumas repunt. IM 
praeter spem in hostium stationem diumam subito irruunt, 
quosdam alea ludentes, quosdam potitantes alindve praeter offi- 
cium suum agentes inermes armati opprimunt et eos, qui sibi 
fuga salutem non quaesierant, priusquam arma corriperent, ado- 
riuntur, sternunt et mactant. Alii clavos chalybeios foraminibus 
parvis novemdecim bombardarum intra vineas dispositarum, per 
qnae^ ignis inmiittitur, aptant, alii ferreis malleis eos, quanta 
vi possunt, adigunt, alii rotas tormentorum receptaculaque se- 
curibus secant et, quantum tempus patitur, omnia frangunt, cor- 
rumpunt et perdunt. Pulverem etiam nitratum in magna copia 
ibi repertum passim per arenam spargunt*. Interea pervallum 

>) Ms,: qnem. 



der Bischof „gewan aber nichts denn eitel verderben seines volcks, sonder- 
lich der Meisner, deren seer viel nmbkamen/ 

^) Das berichtet nur Eerss. Im Gegensatz dazu sagt H. Gresbeck 
S. 53 : „. . . nnd die wiederdoepers lieden ock schaden in der stat und* 
lietten viel doden. Auf demselven storm lietten die wiederdoepers mehr 
fichaden, dan sie lieden up dem lesten storm.^ 

") Vgl. dazu H. Gresbeck' 8 Bericht S. 56 f. u. 177. 

') Den Ausfall zur Yemagelung der feindlichen Geschütze erwähnt 
auch H. Gresbeck S. 52fr. Ebensowenig wie Eerss. giebt er für den- 



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Anno 1534 acta. 595 

et propngnacülum nrbis bombardae cancellis ferreis e porticn 
maioris templi raptis et frastatün dissectis gravide in hostinm 
adventum et perniciem disponuntur. Cum vero ista *strages»p. 499. 
per nnmn ant alterum forte militem, qoi sibi fuga salutem 
qnaesierant, in castris nunciaretur, tota castrorum vis emmpit 
oppidanosqne persequitar, sed propius ac intra bombardarom 
iactnm bostium versatam calliditatem metuens progredi non 
andet. Cmn vero oppidani bestes fraudis ignaros ad locnm, ubi 
pulvis per arenam esset sparsus, irritando perduxissent, protinns 
ignem in pulverem iaciunt. Ibi milites in mediis flammis stantes 
attoniti miserrime ambusti sunt; reliqui vero milites tristissimo 
isto suorum spectacnlo territi subsistunt ignemque divinitns im- 
missum existimantes oppidanos persequi non atident, ne similis 
sibi aut maior calamitas contingat. Castra itaque repetunt suo- 
rum semitostorum reditum expectantes. Oppidani autem ridentes 
€t securi iam ab bostium persecutione per cuniculum, unde vene- 
rant, in urbem regrediuntur. Incomparabilis fuisset haec tor- 
mentorum iactura, nisi cuiusdam viri singulari artificio ac agili 



selben eine bestimmte Zeit an. Jedenfalls ist hier der Ausfall vom 16. Mai, 
also zeitlich vor der ersten mifslungenen Bestürmung der Stadt gemeint. 
In einem Briefe vom 19. Mai melden die kölnischen Eriegsräte ihrem Erz- 
bischofe (Orig. im St.-A. Marburg): „. . . am sampstagh (16. Mai) sindt die 
von der stat am Gellerschen leger heraus gefallen, haben die in der schantze 
in die flucht gestochen und zehen stuck buchssen, darunter e. churf. gn. 
noitslange ein waren, vemegelt und sex par reder zum geschutz zerheuwen 
imd den Guilischen bussenmeister erstochen. Ist aus versumnis geschehen; 
man wirt hinfnrter befs zusehen." Vgl. dazu das Schreiben der clevischen 
Kriegsräte an ihren Herzog vom 16. Mai (M. G.-Q. II, 234 f.), nach welchem 
«m selben Tage von den Münsterschen bei einem Ausfall „etlich feltge- 
schutz, nemlich 18 stuck vemegelt und darzu noch ein notschlangen u. g^ 
h. van Collen zustendig, femer etlich reder an den wagen zerhouwen und 
•das bulver by 2 donne angestochen** wurde. Sie haben am 16. Mai, schreibt 
auch Eonr. Hesse am 18. Mai an die landgräflichen Räte in Kassel (M. G.-Q. 
n, 238), „11 stucke buxen vemagelt, die redder zurhawen, etlich bolver 
genomen, etlich lot in graffen geworffen und domit wederum in ir gewor- 
sam gezogen.** Von 26 vernagelten Geschützen hatte der Herzog Ernst 
von Lüneburg gehört (s. dessen Brief vom 29. Mai an den Kurfürsten 
Johann Friedrich von Sachsen, M. G.-Q. 11, 247). 



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596 Anno 1534 acta. 

terebello reserata foissent^. In hac expeditione plorüni quidem 
milites, sed 14 oppidani desiderati sunt^. 

Qnadraginta circiter passns a porta Maaritiana tnnmlas 
est, cüi mola flatiUs imposita erat. Hunc retincti muniunt^ 
nnde militem incautom saepe ex insidiis adoriuntor et mactant. 
Miles vero frandes oppidanomm, qxü muris sais non content! 
foris etiam defensacnla erexerant, aegerrüne ferens ipsos inde 
detnrbare constitait. Id cum magna vi tentasset, post mnltos 
^^ jimi.r' tandem sndores et clades snomm defensacnlo potitus omnes re- 
tinctos ibi repertos ad nnmn tmcidavit^. Corjtzero, dnci mili- 
tnm, in hac oppressione fortiter pngnanti iactns lapidis hostili» 
altemm oculnm excnssit Monocnlas militiae renunciavit Bey- 
namque reversus reliqnos vitae dies militia vacans tranflegit. 
Hnic antem Hanso Teckelenbnrgicas snccessit. 

Qnotidianam hanc militnm cladem atqne has frandulentaa 
oppidanomm emptiones princeps intolerantissime fereas cnm 
militiae dncibus singnlis vero diebas non solnm de capiend^ 
nrbe, verum etiam de petulanti oppidanorum audacia coercenda 
et publice et privatim consultat. Aliis hoc, aliis vero illud con- 
sulentibus quidam miles nomine Offerkampius^, gerrarum seu 



^) „Aver doch, so sagen die oversten,^ schreiben die elegischen 
Eriegsräte a a. 0., „sie wellen die stuck von stand wieder ganghafdg^ 
machen ,, .^ Und Herzog Ernst yon Lüneburg meldete am 29. Mai a. a.0., 
er habe erfahren, „das man dennoch das maiste vom geschntz, als vor^ 
nagelt, die znntholler wider gemacht^ 

•) Im Briefe der clevischen Rate a.a.O.: „. . . und wie der attelerj- 
mester nnsers g. h. von Monster s. g. ertzalt, so sien zu beiden teilen zu- 
samen ungeferlich bifs in 30 toten gebliven, und fomemlichen uls der stat 
die iene, welche den schaden getan. ^ H. Gresbeck S. 52 sagt nur in 
Bezug auf die Wiodert&ufer: „Dair lieden sie viel doden over mit dem. 
aftoch, dat sie weder wolden in die stat trecken.*' 

') Vgl. dazu H. Gresbeck S. 55 und den Brief des Eonr. Hesse 
an die landgräflichen B&te zu Kassel vom 23. Juni (M. G.-Q. II, 255), aus 
dem sich als Datum des Kampfes der 19. und 20. Juni ergiebt. H. Gres- 
beck fugt seinem Berichte hinzu, dafs die Bischöflichen den Mühlenberg 
behielten, „so langh als dat leger for der stat was, wente dat sie die 
blochuiser mackeden.** 

^) Zum Folgenden vgl. Job. Fabricius Bolandus BLQ4vu. Q5. 
Offerkamp stand frfiher in hessischen Diensten. Konr. Hesse berichtet am. 



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Anno 1534 acta. 597 

vineamm in castris Mauritianis pfaefectus, novnm genns expn- 
gnandi comminiscitnr, qao aliquot arces, oppida et castra de- 
yicta esse militiae dncibns persaadet. Erigendnm esse in vacnis 
campis aggerem emnqne agricolarum *opera panlatim ad nrbem »p. 600. 
agendum, quo fossae impleantur; ita fore, ut miles sine magno 
negotio scandendi difficultate sublata recta et explicata acie in 
nrbem eat. Hoc ubi Offerkampii consüium utile compendium- 
que belli futurum militiae praefecti iudicassent, quamvis quidam 
contrarium sentirent, principis quoque auetoritas facile impe- 
tratur, qui agricolas dioecesis ad operas futuras in catervas seu 
certas partes distribuere iubet, ut catervatim acciti et manticis 
ex humeris dependentibus commeatu adversus triduanam famem 
distentis muniti palisque ad fodiendum terramque coacervandam 
instructi vicissim adsint \ Noctumo itaque tempore inter portas 



8. Juni an die landgräflichen R&te zu Eassel (Orig. im St-A. Marburg): 
jyEs ist ejner genandt Offerkam, der m. g. f. dyner formals gewefsen ist, 
der dem schuffenemester mjt dem ejnen äuge zu Cassel stach, dar über 
er den hott zu der zeit muTsen entloffen, derselbig hot m. g. h. dem bei- 
schaf angegeben^ er wol ym eyne bercke nach der sthadt graben, das er 
jm lut zugebe, die da graben. Das gescheidt nu also/ — D. Lilie S. 222 
führt an, dafs der Bischof gegen Ende des Jahres 1533 ,,eine grote cor- 
touwen dorch einen Tenler genant OfTerkamp up dem Hagenberch to Iborch 
leith gelten, genant de Flegengeist.* 

') Der erste Befehl des Bischofs an die Amtleute, dafOr Sorge zu 
tragen, dafs sich Gräber Tor Münster einstellten, erging am 3. Juni (Kon- 
zept im St.-A. M.). Bereits am 5. Juni melden die clevischen Kriegsräte 
ihrem Herzoge (M. G.-Q. II, 251): „das nu etlich anschlege mit graven ge- 
macht und furgenommen werden, dordurch man yermeint, den ufsersten 
graven Tor der stat Munster an etlichen orten zu füllen und den ufsersten 
Wal für das erst inzunemen." Am 7. Juni schreiben sie (a. a. 0. S. 252), 
es seien „ungeverlich bj den 600 buren ufs dissen landen hir gewesen und 
hayen heftig gegraven; derglichen sollen noch dissen avent andere mehe 
ankomen, alsso das man verhoft, das fiirgenomen werck, wie es sich noch 
ertzeigt, solle sinen vortgangk gewinnen/ Doch war der Zuzug an Gräbers 
nicht den Wünschen des Bischofs entsprechend grofs genug (so hatte sich 
z. B. am 6. Juni Coesfeld, am 13. Juni Ahlen geweigert, Gräber zu schicken 
[Originale im St.-A. M.]). Am 18. Juni erging daher ein abermaliger bi- 
schöflicher £rlafs an alle ÄmÜeute, sie sollten ohne Säumnis alle ihre 
„bevolen amptz undersaten man by man, behalven dat de twe kotter den 
derden steUen und uthmaken, by hogester straeff lyres und gudes* iiur 



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598 Anno 1534 acta. 

Horsthanam et Manritianam ad iactnm fere teli ab nrbe parras 
et hnmilis qnidam agger erigitnr, qni mnltitndine telluris et 
agricolamm assidno labore fit maior altiorqne. Disponnntnr 
autem per Offerkampinm, hnias rei praefectmn, agricolae in tri- 
plices, quadruplices, qnintnplices aut plnres, prent molis alti- 
tndo reqnirebat, ordines; atqne sie infimi ordinis fossores imam 
terram a radice aggeris raptam secnndo ordini atqne ita dein- 
ceps inferiores proximis semper snperioribns adiicinnt. Snpremns 
vero ordo terram ab inferioribns sibi datam in* cacnmen valli 
transmittnnt, semper tarnen tantnm aggeris extantis pro se re- 
tinebant, qnantnm ad tntelam corpomm snomm snfficiebat, ne 
oppidanomm iacnlis sternantnr. Qnidam tamen interdnm novi- 
tatis avidi capita altins snpra valli cacnmen exerentes et ocnlis 
ad civitatem deflexis, qnid hostis agat, contemplantes hostilibns 
telis transfossi cadnnt. Oppidani consilinm obsidentinm sen- 
tientes contra ingentes instar montinm terreas moles erignnt 
easqne praeacntis ac deorsnm inclinatis sndibns ad arcendnm ex 
imo ascensnm in cacnmine foris snpeme mnninnt et trabibns^ 

») fMt im Ms. 



Feldlager vor Münster senden (Konzept ebendas.). Nachdem der Bischof 
am 4. Juli einigen Amtlenten angezeigt hatte, dafs etliche Tausend Gräber 
aus dem Stifte Osnabrück vor Münster ziehen würden, befahl er zum 17. 
Juli über 3000 Bauern aus dem Stifte Münster abermals zu den Graben- 
arbeiten für drei Wochen. Schon am 12. Juli konnte Albrecht KrengelL 
den landgr&flichen R&ten in Kassel melden (Orig im St-A. Marburg), »myt 
dem graben . . . geitz myt allen krafften voirthan in gantzer vertroistynge» 
. . . damyt ... die graben an der stadt myt den wellen aUszambt zo ver- 
gleichen und alszo straecks dar ober in de stadt zo faUen und damyt zo 
eroeberen.^ Weiter schreibt Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg an 
den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen am 22. Juli (M. G.-Q. 11^ 
264), es seien „dag und nach 3000 bauren, die grabben, und main diener 
saget mir, das sie des dages ungeferlig ainen schuech rucken mit der erden; 
achtet vor Michelis die grebben nich gewuellet." — Ernstlichem Wider- 
stände begegneten die Befehle des Bischofs auf Stellung von Gräbern nur 
im Amte Yechta, wo es im Juli zu einer förmlichen Verschwörung der 
Bauern kam, die aber rechtzeitig durch die Energie des Bischofs unter- 
drückt wurde. Vgl. dazu die Ausführungen von C. A. Cornelius in den 
yMittheilungen d. bist Vereins zu Osnabrück** 3. Jahrg. (Osnabrück 18ö3> 
8. 54 ff. S. auch weiter unten zum Februar 1635. 



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Anno 1534 acta. 599 

lapideis statnis a sarcophagis e tempUs passim raptis ^ ita intns 
infeme fnlciunt, nt meatas et cnnicnli subtns relinquantur. Sic 
autem istae moles prominent, sie extant, sie extra onmes muni- 
tiones excnrnmt, nt oppidani missilibns omnem vim hostinm 
etiam a fossis prioribns &cile arcere qneant. Improbo tarnen 
labore, qno magna aestatis pars transigitnr, agger Offerkampii 
ad priores fossas volvitnr, supremnsque agricolarum ordo tellurem 
in fossas praecipitat. Qnam rem oppidani dissimnlanter aliqnan- 
din sustinneront, ut sua quiete bestes propins snb telomm 
*iactum allicerent. Cum vero eam ininriam diutius sibi non fe-*p. 501. 
rendam esse existimarent, primnm ex adverso Offerkampiano 
aggeri ballistas erignnt, qnibus magnam saepe silicnm copiam 
exentiont et superne in agrieolas spargnnt, inde ex transversis 
propngnacnlis et moUbDs reeens extmctis tanta mnltitudine tela 
iacinnt, nt in aggere consistendi potestas sit nnlli, neque nllom 
fere iacnlnm ex locis editioribns missum irritnm fait^ Aliis 
igitnr interemptis, aliis vulneratis, aliis vero ex novo opere de- 
torbatis consilinm Offerkampii non solnm fmctu caruit, verum 
etiam agrieolas immensis laboribus et sumptibus attrivit pluri- 
misque intemecionem attulit' et pratorum dominia confudit. 
üt autem certa ratio exeubias agendi in urbe habeatur^ seni- 
ores 13. lunii eonmiuni eonsilio senes, ludimagistros^ sarcina- is- Ji>^* 



») Vgl. anch oben S. 554. — «) Vgl. dazu den Bericht H. Gree- 
beck's S. 56f. Uebor einen erfolglosen Ausfall der Belagerten am 7. 
Jnni, mn die Arbeiten der Gräber zn verhindern, schreiben die clevischen 
Rfite an demselben Tage (M. G.-Q. II, 252). 

') Seine Schildemng der Ergebnislosigkeit des Offerkamp'schen Unter- 
nehmens schliefst D. Lilie S. 240 mit den Worten: ^Hefft en nicht vele 
bathe gedain ; wante darbinnen höhende boven gewest sin, de meisterliken 
in dem krigeshandel vorfaren, also dat men enne dat to moste geven, so 
se eine rechtverdige sake hedden vorgehadt, men solde se altosamende 
vor allen krigesluden gekronet unde to ridder gesclagen hebben . . .** 

*) Zu den allgemeinen Verordnungen der Aeltesten über die Wache 
vergl. oben S. 582 Art. 4 u. 5 und S. 583 Art. 9 u. 10. 

*) lieber die Schulen berichtet H. Gresbeck S. 47: „Sie hebben 
eck vief ofte seess scholen upgeschlagen in der stat Üair lereden die 
kinder und die iungen und medekens. Dieselve meisten leren die duitsche 
sahnen, schriven und lesen, AI dat gene, dat sie lerden, datselve was al 
Ton der dope und na irer weise . . .^ 



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600 Anno 1534 acta. 

tores, febros tarn lignarios quam ferrarios, sutore»», coriarios, 
piscatores, pistores, cenrisiae coctores, lanios et eos, qnibns pnbli- 
comm mnnemm administratio commissa est, vigilandi onere exi- 
mnnt ac liberant. Die vero 17. lunii qnatuor chirurgos yuI- 
neribns cnrandis experientissimos delignnt, sdlicet Nicolanm 
Lutzenburgum, Albertum Snecanum, Conradnm Noestium et Mat- 
thiam luliacum, qni communicato inter se consüio et mntna 
opera vnlneratomm caram agant. Ea tarnen sanciis libertas 
relinqnitur, ut, qnoscunque chirurgos velint, sibi poscant*. 

Princeps praeter opinionem suam bellum illud prorogari 
aerariumque suum diuturna obsidione exhauriri animadvertit. 
Proinde Coloniensis et luliaci principum praesidia primum sibi 
imploranda esse censet. Qui cum ipsi partim rerum suarum, 
16. Juni, partim principis nostri causa ad 1 6. diem lunii comitia habituri 
Novesium convenerant, legatio quoque Monasteriensis eo mittitur. 
Nam princeps ipse difficillime obsidioni abesse potuit*. Huius 
legationis haec sunt summa '*^: Cum duobus vicinis principibus, 
Coloniensi et luliaco, ibi praesentibus nomine sui principis pro 
favore, studio, consüio et benevolentia gratias quam officiosissime 
egisset, ipsis ex variis scriptis diversaque legatione sine dubio 
constare ait, qua necessitate inevitabili princeps suns Monasteri- 
ensis adactus se contra detentores urbis Monasteriensis et hor- 
rendam, sceleratam, impiam, seditiosam ac violentam eorum 

a) Ms.: suturos. 



') Beide Verordnungen sind nur von Kerss. überliefert und woM 
derselben Quelle entnommen, aus der er oben die Bestimmungen der 
Aeltesten mitteilte. 

*) Hier zum ersten Male berührt Kerss. wieder die Beziehungen des 
Bischofs zu Köln und Cleve. Vgl. die Einleitung und oben S. 529 Anm. 1 
und S. 591 Anm. 4. Nach dem mifslungenen Sturme auf Münster am 25. 
Mai hatte der Bischof bereits am 2. Juni beide Fürsten um eine neue Zu- 
sammenkunft zu Keufs gebeten, die ihm auch bewilligt wurde. Aus dem 
Abschiede des 2. Tages zu Neufs vom 20. Juni (abgedr. von L. Keller: 
G. d. W. S. 317 ff.) wissen wir, dafs Bischof Franz neben dem Erzbischofe 
und dem Herzoge persönlich zu Neufs zugegen war. Die Unterhandlungen 
begannen danach am 16. Juni. 

') Das Folgende ist Wiedergabe der bischöflichen Instruktion zum 
zweiten Tage zu Neufs (Kopie im St.-A. M.). 



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Anno 1534 acta. 601 

sectam et doctrinam armaverit ac civitatem necessaria obsi^dione »p. 502. 
armata manu cinxerit sperans ipsos, nbi propositom principis 
serium animadvertissent, a coeptis snis impiis ac riolentis re- 
soltaros, caecitatem et seditionem depositnros, pemiciem et inter- 
necionem a se, a coningibns et liberis suis, ab ans focisque et 
a tota denique urbe amoturos. Sed cum ipsi tanquam seducti 
et excaecati seditiosi ac violenti invasores et grassatores Dei et 
omnis honestatis christianaeque pietatis prorsus obliti in suis 
coeptis pertinaciter perseverarent neque in minimo resipiscerent, 
principem suum ducum militiae et consiliariorum vicinorum 
principum in castris praesentium voluntate, consilio et hortatu 
urbem tormentis ad faturam oppugnationem concussisse omnia- 
que ita ad eam rem necessaria comparasse, ut expugnationem 
eins praesidio Dei futuram non diffideret, nisi strategema et 
propositum de invadenda urbe consilium turbatum fuisset, ut a 
transfdgis postea cognitum faerit. Per militum ergo quorundam 
inobedientiam, temulentiam et contumaciam tempus impressionis 
praestitutum negligentium expugnationem impeditam esse, quo- 
rum protervia princeps praeter colpam et opinionem suam non 
exigua militum clade affectus, victoria spoliatus et in hunc usque 
diem delusus sit. Hac strage milites ita deterritos esse \ ut, nisi 
interior urbis fossa oppleatur, ad oppugnationem non possfnt» 
denuo induci. Cum itaque civitas Monasteriensis et natura loci 
et hominum industria ita fossis, muris, aggeribus et propugna- 
culis diversis sit munita, ita intus bombardis, tormentis, armis 
aliisque machinis ad defensionem pertinentibus instructa, ita 
muri, turres, portae et propugnacula tormentis deiecta erecta, 
restituta et reparata sint, ut milites ab eorum oppugnatione de- 
terreantur, principem suum cum dioecesanis aliisque aliunde 
transmissis consiUariis ac militiae praesidibus accuratius super 
hac re consultando depreh^ndisse se suis viribus ac opibus haue 

>) M8,: possunt. 



') In der Instraktion heifst es: „und sind dorch snlcken nnfall de 
knecht in enen wederwiUen und moeterie gefallen.' Ueber Meutereien der 
Landsknechte vgl. das Schreiben der clevischen Rftte an ihren Herzog vom 
28. Mai (M. G.-Q. II, 245 f.). 



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602 Anno 1534 acta. 

dnram et difficilem obsidionem sine yicinonun principnm ac 
amicomm ope et praesldio dintius perferre nullo modo posse. 
Si vero deserenda sit nrbs, seditiosi relinquendi, impii tolerandi, 
ünmensi smnptns sine frncta perdendi, primnm milites, hinc 
agricolas circnmquaque, inde oppida et nrbes totins dioecesis, 
hinc vicinas qoasqne regiones eadem impnnitatis spe et fidncia 
*p. 503. ad se allectaros, allectas iisdem impieta^tibns involntas secnm 
in minam et perniciem praecipitatnros multarumqüe calami- 
tatnm anctores fdtnros totamqne deniqne Gennaniam insigni 
aliqoa clade affectnros omnesqne principes pertorbaturos. Ne 
antem tantae calamitatis initinm, si res in deterins vergat (qnod 
Dens avertat) a principe sno profectnm esse existimetnr neve 
snae negligentiae qnicqnam asscribatnr, qnasi rem pericnlis ple- 
nam principibns vicinis non manifestaverit, sed magno eomm 
malo ipsos celaverit neqne ab iisdem praesidinm flagitaverit, 
ideo prineipem snnm utrosqne, et Coloniensem et Inliacnm, qnam 
familiarissime obsecrare, at pericnla fatnra in infandas clades 
ex hnins sectae impnnitate emptnras eo, qno yaleant, ingenio 
et indicio secom ezpendant et sibi dioecesiqne sno consilio in- 
signiqne aliqna ope et praesidio matnre snccnrrant, nt impietate 
et rebellione oppressis Monasterienses ad avitam pietatem et 
pristinam obedientiam revocentnr ac a vicinis nationibns cala- 
mitas et eversio avertatur. Si quid homm impetratnm faerit, 
prineipem sunm snmmo stndio smnmaqae volnntate gratias ac- 
tnmm et sno tempore aliqna ex parte relatnmm. 

Post deliberationem brevem Coloniensis et Inliacas respon- 
dent per oratorem*: Se Monasteriensem praesnlem et foederi» 
et vicinitatis nomine maxime in hac cansa instissima neqne con- 
siliis neqne ope neqne opibns praesidiisve snis nnqnam deser- 
tnros, sed, si ipsi molestnm non esse videatnr, obsidionis im- 
pensas in parte aliqna latnros, et se simnl pro stipendiis fntnri 
mensis in praesidinm snscepti belli qnadraginta florenomm Bhe- 



') Den Abschied des zweiten Tages zn Neufs vom 20. Jnni (nach 
dem Orig. im St.-A. M. abgedruckt von L. Keller: G. d. W. S. 317 ff.) 
hat Eerss. nicht benutzt, wohl aber den Entwurf zur Verständigung (Kopie 
im St.-A. M.), der zwischen Köln und Oleve yereinbart war und dann dem 
Bischöfe von Münster zur Rück&ufserung vorgelegt wurde. 



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Anno 1534 acta. 60a 

nensinm millia ad comparandum pnlyerem tormentarinm con- 
tribntnros \ ea tarnen lege, nt Monasteriensis princeps cum dioe- 
cesi sna tarn pro sorte quam pensionibns persolvendis se obli- 
gent. Pro ista benevolentia et decreto legati nomine sni prin- 
cipis totinsqne Monasteriensis dioecesis gratias agnnt quam maxi- 
mas ; sed, qnid fatnram sit quaeve nltioris praesidii spes expec- 
tanda sit, si Intra istnm mensem nrbe non potiatnr, inquinmt 
rogantqne principes, ut hac in re animos snos, ne novis con- 
yentionibns onerentnr, ntrinque, quid factari sint, declarent. Ad 
quae principes: Se consnlere, nt Westphalicae provinciae statns, 
quem circnlum vnlgo vocant, ad anxilinm ferendnm, sicnt in 
principnm imperii comitiis convenit, soUicitentnr '; a qnibns si 
praesidium negetnr, *se Monasteriensi non defntaros. Praeterea*p. 504. 
ad militarem disciplinam conservandam, et ne qnid, qnod ad 



') Kens, giebt die Abmachung nur nnyollst&ndig. Genauer wird 
zonftchst vereinbart, „dath jder furst ein maenth lanck veer dusent tzolde 
to nnderholdinge der knechte wil daerstrecken, dar to dnsent greyer be- 
tzolden, und dat gelikermathe van mjnen g. h. van Munster vortgefaren 
werde; weren in summa 12000 tzolde. To dem vor noittroftich erwegen . . . 
dat 10000 golt gülden van allen dren fursten, pulver daer mede upt for- 
derligeste to bekommen, uthgelacht werden, de gerorte hulp jderen forsten 
tor maent helopen wolde 20000 gülden/ Vgl. dazu den ersten Abschnitt 
des Abschiedes a. a. 0., der diese Bestimmung aufrecht erh&lt. Doch wird 
hinzugefügt, wenn innerhalb des nächsten Monats die Stadt nicht erobert 
werde, so solle der Bischof mit den Seinen den folgenden Monat das Eriegs- 
volk allein besolden, sowie für Pulver und den sonstigen Bedarf Sorge 
üragen. Sei Münster auch dann noch nicht gefallen, so hoffen Köln und 
Cleve, nach Beratung mit ihren Jjandständen dem Bischöfe „nach noittroft 
und raith des obirsten velthauptmans und kriegsrethe mit mehr und groisser 
hulf zu stuir und troist zu kumen.' 

*) Mit Hinweis auf den Reichstagsabschied von Speier vom Jahre 
1528 hatte der Bischof schon am 29. M&rz den Herzog Johann von Cleve 
gebeten, die Hülfe des westfälischen Kreises gegen Münster in Anspruch 
zu nehmen (Orig. im St.-A. Düsseldorf^ abgedruckt nach dem Konzept im 
St-A. M. bei L. Keller; G. d. W. S. 313 f.). Genauer ist in den von 
Kerss. benutzten Verhandlungen, wie auch im Abschiede, von einem aber- 
maligen Hülfsgesuch an den westfälischen Kreis die Bede. Eine erste- 
Anlforderung zur Hülfe war den Kreisständen bereits im April zugegangen 
(Akten darüber im St.-A. Düsseldorf^ niederrhein.-westfäl. Kreisarchiv, Kriegs- 
handlungen Saec. 16 Nr. 3). 



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604 Anno 1534 acta. 

l)ellüm pertineat, desideretul: i, consnlitur, nt commnni hornm 
trium principnm consilio et anctoritate vir rei bellicae peritissi- 
mns, qai toti militiae praesit, designetnr, cni a singnlis hisce 
principibns duo consilii cansa in rebus difficilibns et ardnis 
-adhibeantnr '. Ad haec, cum in castris et tanta militum col- 
lurie enormia saepe flagitia committantur, quibus Dens graviter 
offensus yictoriam aut differat aut magna cum castrensium clade 
ad bestes transferat, constituitur ab iisdem principibns, ut Mona- 
steriensis huius rei curam accurate suscipiat, ne pietas et mili- 
taris disciplina castra destituant^ Haec omnia Monasteriensem 
principem facturum legati recipiunt ac spondent*. 

Bemardus Buxtorpius^, homo andacissimus, solus saepe 
urbe egressus et triplici cbjrrobombarda munitus semper fere a 



') „Als dusse zake und handel sich etligermathen verwylet und men 
•dar yn better versehonge hedde doin mögen . . .," heifst es in der Verhandlung. 

*) So die Verhandlung. Der Abschied aber bestimmt, dafs Bischof 
Franz zwar oberster Feldhauptmann sein solle; doch „damit dan sein f. g. 
der muhe und arbeit etwas erlichtert werde, ^ so wurden ihm neben den 
bereits auf dem ersten Tage zu Neufs gesetzten drei kölnischen und drei 
clevischen Kriegsräten jetzt noch von Seiten Kölns und Cleves gemeinsam 
Graf Wilhelm von Nassau, von Seiten Kölns allein Graf Wilhelm von 
Neuenahr und von Seiten Cleves allein Graf Wirich von Dhaun als weitere 
Kriegsräte zugeordnet, mit deren Zuthun und Rat „aUe Sachen der itzigen 
belegerung und was zu eroberung der stadt Munster dienlich sein mach, 
und nichts on dicselbigen, beraitschlagt, gehandelt und ufs geheisch und 
bevel derselbigen ufgericht werden soll." 

*) In der Verhandlung lautet der Beschlufs: „dat durch de oversten 
ein insehens gescheen möge, zulcke misbruck und Unwesen in betheronge 
gericht und affgestalt werde . . .'*' Nähere Bestimmungen enthält der Ab- 
schied a. a. 0. S. 320. 

*) So weit die Verhandlungen. Die letzte sehr wichtige Bestim- 
mung des Abschiedes, die aber in den Verhandlungen nicht berührt ist, 
war die, dafs der Bischof ohne Vorwissen und Bewilligung der Fürsten 
von Köln und Clevo „sich mit keiner anderen potentaten, fürsten odir 
Staude in eyniche underhandlung des stifts Munster halb in ander hende 
zu stellen . . . begeven odir inlassen, vil minder ubirgeben suUen." üeber 
Annäherungen des Bischofs an Spanien-Burgund schon seit einiger Zeit vgL 
L. Keller: G. d. W. S. 248 ff. — Der Abschied zu Neufs vom 20. Juni 
wurde am 10. August von den sämtlichen Münsterschen Landständen rati- 
fiziert (Orig. im St.-A. M.). 

^) Das Folgende ist nur von Kerss. überliefert. 



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Anno 1Ö34 acta. 60ä 

meridie hostes bene potos in se proYocabat, qui, cum potn ad 
perseqaendum hostem andaciores redderentur et imprudentius 
agerent, a Boxtorpio sobrio stemebantor. Nee nllum intermisit 
fere diem, qnin aliquot milites transfigeret. Ubi vero multos 
in se irruentes cemeret, per clandestinos meatus viasque hosti- 
bu8 ignotas sese subduxit et periculum eyasit. Hinc bombardae 
aliquot majores in exmi locum, quo prostrata cadavera iacuerant, 
disponuntur, quibus milites cadaverum sepulturae operam dantea 
imprudentes traiiciuntur. 

Nux etiam fuit iuzta murum in pomerio inter portas 
Horsthanam et Mauritianam altissima undique densis frondibus 
dependentibusque foliis tecta, in cuius ramis firmioribus ex ta- 
bnlis roboreis fit receptaculum, unde plurimi milites iaculis 
transfossi exanimantur. Quam fraudem miles aliquandiu non 
animadyertit, cum fumus tormentarius ob foliorum ac frondium 
densitatem subito evolare non queat. Tandem tamen accuratius 
intuentibus dolus proditur. Maioribus itaque bombardis iacu- 
lator iste Joannes Nochleus claudus ita cum propugnaculo suo 
deturbatur, ut postea non apparuerit. 

Non solum autem viri in pemiciem obsidentium et suonua 
hostium, yerum etiam mulieres varias fraudes et circumyeniendi 
dolos comminiscuntur. Nam Hilla, Pbeiconis filia, Verdi, in pago 
non ignobili inter Lewardiam et Snecam, nata*, mulier *eximia*p. 506w 
pulchritudine et placidis moribus^ cum forte audisset in con- 
cione publica luditb occiso Holopheme Betuliam, Israelitarum 
oppidum, ab obsidione liberasse, magna ad simile faciuus perpe- 
trandum inflammatur cupiditate, atque huius rei cogitatio adeo 
in pectus mulieris descendit, adeo radices in ea agit, ut nihil 
aliud et noctu et interdiu agitaret, imo nihil aliud somniaret, 
quam mortem principis et liberationem urbis \ neque in se eam 



') Die Angabeu eatnimmt Kens, den Geständnissen Hille Feiken's 
vom 26. Juni (al»gedr. bei J. Niesert: U.-& I. S. 40 ff.). 

*) H. Gresbeclt S. 4ö sagt von ilor, sie »was noch ein ionck 
sonderlich koennes mensck." 

») Ans dem Bekenntnisse Hille's Tom 27. Joni (s. J. Niesert a.a.O. 
S. 44), in dem es heilst: „Item se hebbe dach ader nacht gyn rast no<^ 
xonwe kennen hebn und ay yn eren gemothe so yelveWich besiwert worden, 
Jndytz werk t'doen . . .* 



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«06 Anno 1534 acta. 

cogitationem minni, sed augeri in dies sentit, nnde coelitus se 
tigitari non dabitabat. Qnare ei rei conficiendae totam se dedit 
atqne nnam et alteram einsdem patriae feminam primnm, deinde 
Bokelsonem prophetam et Enipperdollingam in consilium ad- 
hibet, a qnibns ita precibus precioqae incitatnr, ita nominis ac 
famae aetemitate animatnr, nt de felici rei saccessn non dnbi- 
taret et tarn certam sibi poUiceretur victoriam tamqne flrmam 
«tragis episcopalis fatnrae fiduciam conciperet, nt se animo per- 
fecisse, qnod restabat agendnm, sibi persnaderet^ Qnid mnltis? 
Mnliebri vestitn pervennsto se ornat nativaeque formae splen- 



') Hille sagt aus a.a.O., dafe sie „uthgegaen als Judith, den bischop 
tho Munster tom teken Holofemus to maken," und dafs sie diese Absicht 
„ersten ener £rouwen uth Hollant fkennen gegeven, de er gesacht, dat ze 
sick selvest daer in proye, daema den Propheten und Enipperdollinck und 
noch enen, den ze nicht to nomen weet, de ze daer to geretzet.** Den letzten 
Satz legt Kerss. so aus, als sei HiUe in ihrem Vorhaben durch Johann 
Y. Leiden u. s. w. bestärkt worden. Doch ist der Satz auch so zu verstehen, 
dafs Hille Johann und die Anderen bestimmte, ihr Vorhaben zuzulassen. 
Das bestätigen auch mehrere Wiedertäuferverhöre. Im October 1534 be- 
kennt Dion. Vinne (M. G.-Q. 11,275), Hille „sy in Knipperdollinges 
huse gewest und den uthtoich gebeden, damit se de fursten umb- 
bringen mochte.' Joh. Eloprifs sagt am 29. Jan. 1535 ans (J. Niesert: 
U.-S. I. S. 132): „Die Judith zuege wider irer aller raat uss eige- 
nem gemuet uss, den bischof umzubrengen.'^ Johann v. Leiden gesteht 
am 20. Jan. (M. G.-Q. II, 402) : „Hille Feichen hait er nit uTsgesant, umb 
den bisschof zu erwürgen, dan sie hait das selbs vurgegeven und 
begert, wiewal der konningh und anderen dar widder gewest 
und es für eine phantasei gehalten.*' EnipperdoUing behauptet 
im Verhör vom 20. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 404), Hille habe bereits Jan 
Matthys mitgeteilt, „die Vader het er in iren sin gesant, das sie doen solt 
Als Judith.*^ Unbestinmit sind die Aussagen Gottfried Stralen's (J. Nie- 
sert a. a. 0. S. 59) und Beruh. Krechting's (M. G.-Q. II, 406). Der Dar- 
stellung H. Gresbeck's S.45, D. Lilie' s S. 243 und der Bischofschronik 
(M. G.-Q. I, 335), als sei der Plan zur Ermordung des Bischofs von den. 
Führern der Wiedertäufer ausgegangen, widersprechen die eigenen Geständ- 
nisse Hille's und die der angeführten Wiedertäufer. D. Lilie ordnet das 
Unternehmen Hille's aufserdem chronologisch falsch ein, indem er es in 
die Zeit nach der Erhebung Johannas v. Leiden zum König setzt, ebenso 
Joh. F a b r i c i u s B o 1 a n d u s Bl. X 3, der das Ereignis unmittelbar vor der 
Eroberung der Stadt geschehen sein läfst. Ihm folgt Herm. Hamel- 
mann S. 1277 fit 



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Anno 1534 acta. 607 

dorem arte excolit; inde in coriam graphiariam admittitnr, nbi 
non solmn pnblicns civitatis census, vemm etiam omninm priva- 
tornm atqne egressomm civiam pecnniae, virginnm matronamm- 
qne ornamenta congesta asseirabantnr \ ut tantum anri argenti- 
qne, quantum volet, capiat; et annolomm aureomm, qnomm 
magna ibi copia erat, datar illi electio. lila vero spiritu sno 
vetante nihil honun appetit, sed com a EnipperdolUngo moltis 
modis ad ea inyitaretnr, tandem daodecim florenos pro viatico 
et tres annulos, qnorom dao gemmas inclnsas habebant, sibi 
dari poscitl lUa etiam indusimn ex tennissimo lino insigni 
arte a se elaboratmn ac praesentissimo veneno imbutnm muneris 
loco adornat, qno episcopum eins rei ignarum eztingaat'. Ita 
exornata et exitiali mnnere instmcta 16. Innii in crepnsculo le. Jani. 
matntino urbe egreditar, continno a miUtibns capitur, capta 
Telgetnm ad Theodoricnm a Mervelt, satrapam Woltbecannm, 
abducitur, qni pecnnia, annnlis anreis aliisqne omamentis cn- 
stodiae fortassis cansa ad se tradnctis ^ ipsam rogat, qnae causa 
Sit, qnod hisce pericnlosissimis temporibos relicta patria sna 
Monasterinm sit ingressa, et cur nnnc religionis snsceptae per- 
taesa snos deserat? Bespondet^: Se maritnm sanm triginta iam 



*) Vgl. oben S. 561 f. — ') HiUe bekennt am 27. Juni, „Knipper- 
doUinck hebbe er gelt nnd temnge gegeven.' Anf die Frage, wie viel 
Kleinodien und Geld sie bei sich gehabt, antwortet sie: „Dat wette ze 
nicht, wo Tele des geldes gewest . . . Der rynge ys dre gewest, twe mjt 
steynen, ein sunder steTn.** Enipperdolling gesteht (M. G.-Q. II, 404), ihr 
12 Gulden und 2 goldene Ringe gegeben zu haben. — YergL auch Joh. 
Fabricius Bolandus a.a.O. 

') Vgl. D. Lilie a.a.O.: „Dit wiff hefiFt ein hemmet gehadt, kost- 
liken mit golde dorchgetogen unde gesticket, dar inwendige in dem kragen 
des hemmedes venin gelacht so behendeliken, dat men des nicht mercken 
kondo.'' Sonst ist in keiner Quelle von einem vergifteten Hemde die Rede. 
Eerss. und D. Lilie haben als gemeinsame Quelle, wie ich annehme, einen 
Bericht, der auf Aussagen Herm. Ramert's zurückgeht. Vgl. die Einleitung. 
Von der Absicht, den Bischof durch Gift ums Leben zu bringen, spricht 
übrigens noch H. Gresbeck S. 45 und die Bischofschronik (M.G.-Q. 1,335). 

*) Die Kleinodien und das Geld „hebbe de droste tor Wolbecke 
bynnen Telgeth van er genommen'' sagt Hille aus. 

') In den folgenden Angaben schreibt Kerss. zum Teile die Bekennt- 
nisse Hille's aus. Vgl. weiter die Darstellungen bei D. Lilie und Joh. 
Fabricius Bolandus a.a.O. 



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608 Anno 1534 acta. 

*p. 506. annos natam, *cui citra snorom arbi triam nupserit, evangelii 
causa Monasterium profectmn secutam esse. Nunc yero, cum 
se falsa pietatis et religionis specle decipi et assiduis in con- 
gerenda terra laboribus in civitate defatigari animadverterit 
neque, quem inde tandem fructum habitura sit, intellexerit, se 
marito iubente urbe excessisse, pro quo etiam tanquam innoxio 
et principis commodum ex animo quaerente tutum exeundi com* 
meatum se impetraturam non ambigat, maxime si salutaria ein- 
tatis potiundae consilia admiserit seque coram clementer audire 
dignatus fuerit. Se candido isto munere, etsi perexiguo et prin- 
cipe indlgno, candorem animi et manuum suarum experimentum 
declaraturam. Ad principis colloquium se saltem admitti postulat, 
si sine vulnere, sine sanguine, sine militum suorum clade urbe 
potiri contendant Maritum suum inter proceres civitatis ver- 
sari \ quotidianis consiliis interesse, arcana audire et intelligere, 
unde oertam urbis potiundae rationem apud se conceperit £t 
cum son tarn munus quam omamenta corporis, quibus formae 
nitorem auxerat, satrapae suspecta esse coepissent, cur ita compta 
exisset, inquirit. At illa respondet: se occasione solitudinis et 
mariti in ea parte urbis vigilias habentis consilio praesidioque 
adiutam omnia ista sublata sibi reditionis spe secum extulisse. 
Persuadet haec satrapae; et parum abfuit, quin eam ad episco- 
pum transmisissent, nisi Hermannus Samers, civis bonestus, qui 
anabaptisticae factioni minime addictus, sed ut uxorem, liberos 
et bona sua praesens a retinctorum rapina tueretur, in urbe 
manserat, cum ludith personatam interemendi principem con- 
silio exivisse intelligeret (ea enim fama per hominum ora in 
urbe vagatur), omnibus intra muros relictis et solius liberationi 
principis intentus in summum se yitae discrimen coniicit et 
(19.) Jmü. quaesita sibi conmioda occasione 18. die lunii* urbe elapsus ab 



^) „Er Maxm sy mjrt Heren Bernde und Enipperdollinck ym raide 
gewest,' bekennt Hille, „ze hebbe avers an den wall und anders, gelich 
anderen megeden und firouwespersonen, gearbeidet** 

*) Nach einem gleich weiter unten auch von Eerss. angeführten 
Schreiben des in Münster gefangenen Landsknechtes Caspar Marschaick 
an seine Genossen vor Münster (M. G.-Q. II, 254 f.) am 19. JunL Herrn. 
Bamert war unter der Zahl deijenigen, die am 26. Mai 152Ö vom Münsterschen 



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Anno 1534 acta. 609 

hostibüs capitur; et cum ad militiae dnces pertraheretnr can- 
samque effugii dicere iussus esset, ille: continuo se in principis 
gratiam, cni praesens et certnm exitinm paratum esse sciat, nrbe 
egressnm esse dielt. Emissam enim esse intra bidunm noiulierem 
a retinctis, quae exitiali munere saluti principis insidiaretur. 
!Ne itaque ferant, ut illa ad principem admittatnr; illam enim 
esse vaferrimam, tectis fraadibus instrnctissimam et eloqnentia 
vix habere parem. Quae antem de commeatn pro marito *suo*p. 507. 
a principe impetrando dixerit, cnm maritum in nrbe non habeat, 
omnia esse vana, efficta et ementita. Dnbinm proinde non esse, 
si ad principem admissa faerit, qnin ipsnm mnnere, qnod secnm 
gerit, veneno efficacissimo imbuto incantum extinguat. Hac re 
duces vehementer exterriti captivum, si vera referat, bene spe- 
rare inbent et snblata omni mora satrapae Woltbecano aliisqne 
consiliariis haec nunciant. Qni veneficam in ipsa cnria oppidi 
arctiori custodia servantes ipsam ex vinculis adhibitis tormentis 
vemm dicere cogont. Dia impatiens cruciatus continno fatetnr ^ : 
Se Snecae, in oppido HoUandico, super agnitionem fidei snae, 
qnam praecedere oporteat, retinctam et novo foederi initiatam 
esse, ideoqne se suis sine salntis dispendio deesse non potoisse; 
se exemplo Indith a spiritn Dei et EnipperdoUingo aliisqne piis 
yiris mnltis modis exagitatam, nt yenenifero isto mnnere epi- 
scopnm extinguat nrbemque ab obsidione tyrannica liberet; qnod 
officium si recusasset et snggestioni Spiritus reliquommque pro- 
phetarum reluctata fnisset, Deum offendisset^ Sibi ergo satius 
esse in manus impiorum hominum, quam iudicium Dei incidere. 



Stadtrat in das Fraterhaus entsendet wurden, nm den Brüdern ihre Ein- 
nahmeregister und Handwerkzenge abzufordern (vergl. oben S. 131). In 
seinem Hause hat sich Johann v. Leiden w&hrend seiner ersten Anwesenheit 
in Münster bis zum 25. Juli 1533 aufgehalten (s. oben S. 412). 

^) Kerss. benutzt im Folgenden das peinliche Bekenntnis Hille's 
Yom 27. Juni und behält die Aufreizimg durch Enipperdolling und Andere 
bei. Auf die Frage: „an wem ze gewiseth, to eren vomemen behulplich 
t'syn/ sagt sie: „Nemantz, dan alleine geluckes und ungeluckes to ge> 
warden; zy ock willich tho liden, wat er overkome." 

*) „Hedde ze dat nicht gedaen, ze hedde Got darmedde vertoemt»^ 
sagt Hüle aus. 

15 



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610 Anno 1534 acta. 

Qnicqnid sibi poenamm eo nomine irrogatnm fnerit, se pro gloria 
Del et salnte animae saae aeqno anüno latoram^. 

Haec ubl princeps accepisset, Bamemm conseiratorem vitae 
snae agnoscit ideoqne ipsnm loco beneficii non solum e yincnlis 
laxare inbet, vermn etiam nxorem liberosqne anabaptismi in- 
famia liberat tutosqne in expngnatione pronunciat. Yenefica vero 
Bevergernam transvecta mnnere flamma prins exnsto capite prae- 
ciso rotae imponitnr, qnamvis magnam sibi mortis secnritatem 
polliceri aasa fnerit camificemqne nihil in se inris habitnmm 
pnblice dixerit. Qna re intellecta camifex tanta vi tantoqne nisn 
fermm in eam strinxit, qnasi non moUem feminae cervicem, sed 
annosam qnercnm praecideret^ 

Caspar Marschalcos, miles gregarins, cnm in conflictati- 
nncnla qnadam se adversns oppidanos fortiter defenderet, mnlti- 
tndine tandem hostinm circnmdatns, oppressns et graviter vnl- 
neratns in nrbem abdnctns est^. Inde cnm ad libertatem pri- 

si. Jani. stinam aspiraret, 21. Innii ex snggestione qnornndam oppida- 
nornm ad Hansonem Poeckinm, dncem snnm, ad Symonem Pflo- 

•p. 508. chinm, signifemm, aliosqne *decnriones et gregarios milites 
scripsit*: se misere captnm in nrbe detineri neqne liberari posse, 
nisi Hermannns Bamerns pro commntatione in nrbem remittatnr. 
Hnic enim oppidani infensissimi erant ea maxime de cansa» qnod 
et a se transfngerat et principi consilinm subomatae Indith pro- 
diderat; itaqne enndem ad poenam reposcebant. Bespondent 

28. Juoi. 23. Innii ^: Se anctore principe omnia, qnae ad liberationem 



*) „Eth solle ze g3merley van dem waerde Götz und erer seien 
zelicheit dringen, pyne ader doeth; jedoch offt ze waerynne errede, wil 
ze sick gerne myt dem waerde Götz underwisen laten.' 

^) Aehnlich Joh. Fabricias Bolandus Bl. X4. Yergl. anch H. 
Gresbeck S. 45f. Kach D. Lilie S. 245 fand die Hinrichtung auf 
dem Galgenberge bei Bevergem Statt. 

') Am 20. Juni. Vgl. den gleich von Eerss. angeführten Brief Caspar 
Marschalck's. — *) Orig. im St.-A. M. Abgedr. M. G.-Q. II, 254 f. Das 
Schreiben trägt als Datum „den mandach, 21. Junii 1534/ doch fiel der 
21. Juni auf einen Sonntag. 

*) Orig. im St.-A. M. Der Brief hat als Unterschrift: „Albrecht von 
Polszick, hoepmann, ... Hans Poock, hoepmann, Symon Ploch, venrych, 
und ander bevelsluede und lantzknechte ytzundt vor Munster.** 



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Anno 1534 acta. 611 

commilitonis pertineant, actnros. Principeni autem consultnm 
respondisse, si per commntationem alterins gregarii aut sünilis 
militis ant pro tolerabili pecnnia redimi queat, se iUi non de- 
futnmm; Hermannom vero Bamemm, cum gratiam delicti im- 
petraverit, se non remissnram in urbem; se qnoqne similem 
gratiam üs factumm, qni intra breve tempus eam petentes nrbe 
excesserint *. Principem et se non diffidere, etiamsi Bamems 
pro liberatione commilitonis non dedatnr, quin hostes hnmani- 
tatis officia militari more capto sint exhibitori, donec per com- 
mntationem captivomm oppidanorum relaxetnr, qnod breri fu- 
tnmm sperent*. Liberatnr tandem nnins mensis stipendio. 

Seniores ergo, ne quis oppidanorum captivitatis pericnlmn 
incidat, 23. Innii constitnnnt *, ne qnis Israhelitamm sine pe- is. Juni, 
cnliari Dei admonitn et instinctn in hostes irmat; se qnidem 
nihil homm sine nmnine divino per prophetae oracnlum prodito 
factnros, proinde se qnoqne neminem ad id invitatnros. Si vero 
qnis sna sponte in hostes nrbe exierit, se neqne snasores neqne 
dissnasores fore. Hinc 23. Innii iidem seniores decemnnt, ne 
nlli possessio domns diaconis non anctoribns tradatnr, ne in- 
dignis habitatio tribnatnr, nt singulomm Israelitamm ntilitas 
et diaconomm potestas illaesa conservetnr^ 



^) Im Schreiben: „Avers zo Herman Rammert up s. f. g. gnedige 
schrifft imde vertroistunge unlanges bynnen Munster geschickt . . . nth 
Mnnfter gowccken und gnade begert, sodano geldve und begnadynge zolle 
em, ock allen den gennen, de sick doch yn geringen dagen gelickfals er- 
tzeigen, vestlich geholden werden.** 

') Im Briefe heifst es nur: „Unde willen uns ock daerumme gens- 
ligen yerseen, de van Munster werden sick daerentbaven an jnw mit der 
daeth yn faer juwes leventz nicht strecken/ 

*) Nur durch Eerss. überliefert. — *) Auch diese Verfügung der 
Aeltesten überliefert nur Eerss. In der „Ordnung** heifst ein Satz: „Die 
heuser, die darinnen seind, haben sie geport; wellicher in ainem bösen 
haufs war, der bütt die Diacon, die weisen in ein bessers.** Gegen das 
Ende zu sagt die „Ordnung**, man habe in Münster die Absicht gehabt, 
die Häuser zu verlosen. Mit dem ausgelosten Hause müsse Jeder zufrieden 
sein. Wenn Jemandem ein leeres Haus zufalle, „dann so bitt er die Diacon, 
die müssen in zu aller notturfft geben, was er behebt.** Ueber den Woh- 
nungstausch vergl. auch den Bericht H. Gresbeck's S. 97 f. 

15* 

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612 Anno 1534 acta. 

28. .Juni. Die Solis, quae fuit 28. lunii, Gerardns Smokerus^ Ty- 

mannus Groninganns, Georgias Stinthins, Otto Swollanns et 
Heino Balderenus, miütes oppidanornm, in aedibns Eberardi 
Beymensnjderi nltra tempns iostom consederant potitantes, qnare 
hospes ipsos obinrgat domoqne egressus cervisiam promi vetai 
Ideoqne nxorem adorinntur, quae et ipsa sese snbdncit. Con- 
yersi itaqne ad ÜEimiliam: „Gnni,^ inquit Smokerus, „yestalis et 
yelata illa meretriz discesserit^ (nxorem Beimensnideri intelli- 

•p. 509. gens), „tn *prome cervisiam, nisi capnt tibi pocnlo stanneo minni 
velis!^ Inde famnlnm intervenientem ad promendnm adigunt. 
Die vero: „Fratres," inquit, „christiani, non est aequum neque 
christianos homines decet ita potitare, ita creatura Dei abuti, 
quasi ad perdendam eam sitis nati. Scriptum est enim: ebriosi 
non habent partem in regno Dei^^ Ad quae Smokerus: „Omissa 
ista concione cervisiam e cellario deprome, nisi cantharo craneum 
tuum fundi malis!^ Famulus sibi metuens domo flens egreditur. 
Itaque Baldenerus ^ cervisiae xmam mensuram e cella adfert. In- 
terea hospes domum reversus: „Itane, fratres," inquit, „iura ho- 
spitii in libera civitate violatis?" Bespondent: „Tu verbero ac 



') Es ist Gerhard Münster mit dem Beinamen „de Smocker,*' der, 
wie Eerss. oben S. 524 berichtete, Yom Bischöfe zum Hauptmann des Fufs- 
volkes angeworben war (Notiz über seine Annahme yom 4. April im St-A. 
M.) und später zu den Münsterschen überlief. Das schon oben a. a. 0. 
Anm. 5 angeführte Schreiben der clevischen Kriegsr&te an ihren Herzog 
vom 16. Mai (M. G.-Q. 11, 234) läfst es noch unbestinmit, ob Smocker 
Ueberläufer gewesen oder yon den Münsterem gefangen genommen worden 
sei. Ein auf Betreiben des Bischofs Franz vorgenommenes Verhör mit 
einem gewissen Krehan, der von Smocker den Befehl zur Anwerbung von 
Knechten erhalten hatte (Orig. der Geständnisse Erehan's vom 5. Juni im 
St.-A. M.), macht die Desertion wahrscheinlich, denn Smocker sagt darin, 
als er von Krehan erfährt, dafs derselbe von dem Hauptmanne Joh. Hake 
in des Bischofs Namen 3 Gulden erhalten habe: „Ich wold, dat du gein 
gelt entfangen bettest, und dat wy beide bynnen Munster weren.*' 
— Zum Folgenden vergl. den Bericht H. Gresbeck's S. 36 ff., der aber 
kein Datum nennt und keine Namen aufser dem Smocker's („Gert Smoester, 
und was in der stat gefangen und was für der stat in dem belech gewesen 
ein hauptman'). Nach ihm hatten 10 oder 20 Landsknechte das Gelage 
gehalten. Von ihnen wurden 6 ihrer Ausschreitungen wegen mit dem Tode 
bestraft. — *) 1 Cor. 6, 10, — •) So im Ms. 



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Anno 1534 acta. 613 

trifdrcifer, satis diu has aedes rexisti! Cmn omnia nobis sint 
commnnia, regendi vices penes te non erunt!" Qnerelam huins 
yiolenti facinoris Beimensniderns ad seniores et patres nrbis 
defert, qnoram inssn continuo capiuntur et ultima lunii in pn- so. Juni. 
blico indicio morti adindicantnr. Fnit antem novom hoc et 
exemplo carens snpplicii genns. Nam in campo dominico a tilia 
ibi nata nnmella yersatilis dependet. Hnic singnli ex ordine 
coUa sna insemnt atqne ita religati tormentis ab astantibns 
traiicinntnr vitamqne miseris modis fininnt. Nee deerant iaca- 
latores in necem miserorum parati. Nam cum propheta crnento 
isti spectaculo astans acceptissimnm hnnc Patri coelesti diceret, 
cnins prima mann flagitia e medio Israelis toUantur^ certatim 
tiliae alligatos sphaemlis bombardicis perforant. Hoc novo snp- 
plicii genere ita oppidani in officio coercentnr, nt contra decreta 
seniomm et prophetae ne mntire quidem andeant. 

Scriptum privatum Gtermanicis rythmis incerto auctore confectum 
et Monasterio eiectum*, cnins haec epigraphe: 

„Militibns omnibnsque candidis Monasterinm obsidentibns 
S.! Dens omnipotens, omninm rerum initium, snggerat mihi 
mentemqne meam iUnstret, nt vos induratos et excaecatos ho- 
mines ita meis scriptis commoveam, ne in tam crudeli tyrannide 
perseveretis. *Si Denm verbnmqne illius perseqnimini, vestri*p. 510. 
conatns emnt irriti et inanes. Sed illud non tam vobis sangni- 
nariis canibns, sed illis, qni vos aliter docerent, imputandum 
est. Hnins rei episcopus vester dnx est, qni vos ad eam tyran- 
nidem exercendam invitat. Hnic armatam vestram operam ad- 
dixistis, quem anargymm esse scitis \ Stipendium enim vestmm 



*) Den Ausspruch „Wer nu Gott ein dienst thun wil, der thu den 
«rsten schofs" legt auch H. Dorp BL E4^ dem Propheten in den Mund, 
aber erst bei Bestrafung der an dem weiter unten yon Kerss. geschilderten 
Mollenheckeschen Aufstand beteiligten Burger. 

*) Das deutsche Gedicht ist bis heute noch nicht aufgefunden. 

') Der Drost £. v. d. Recke zu Hamm hatte schon am 14. April 
dem Herzog von Cleve Mitteilung gemacht, wie Georg Tilmans, ein Bürger 
in Hamm, einem Landsknechte auf dessen Erklärung, dem Bischöfe zu- 
ziehen zu wollen, zugerufen habe: „Wat wultu dem amechtigen, luzigen 
bischope deinen? De en heft gin gelde!"* (M. G.-Q. 11, 227 f.). Auf die 



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614 Anno 1534 acta. 

a msticis, sacerdotibus et civibns extorqnet Sl episcopns vester 

bonnm pastorem ageret, yerbnm Dei maiori studio amplecteretnr; 

si evangelicam et scripturam sacram accnratius evolyeret, ad 

alind bellnin se armaret. Yidistisne unqnam talem principem, 

qxd sine publica belli denunciatione bella gesserit? Verbum Dei 

se defensurum promisit; an illud faciat, facta declarant. Acta 

Apostolonun perlegat, unde deprehendet Deum baptismum, uti 

a nobis usurpatur, instituisse omniaque bona fore commuma 

edixisse \ quam doctrinam nos quoque amplexati sumus. Et ox- 

periemur, quid ille et vos adversus nos facere possitis. Ignis 

coelestis vos eiuret, priusquam verbum Dei se a Yobis concul- 

cari patietur. Nonne Paulum coeleste Mgur perstrinxit et ad 

terram deiecit, cum cbristianos et verbum Dei satis arroganter 

et süperbe persequeretur? Proinde admonitionem admittite et 

ezpendite, adversus quem certamen susceperitis ! Christus est» 

quem oppugnatis, dominus super omnes principes. lUius prae- 

sidio confidentes nos defendemus ; etiamsi numerum arenae maris 

exuperaveritis, nihilominus adversus vos sanguinarios et rabidos 

canes persistet Dominus et minas vestras ridebit. Haec verba 

penetralia cordis vestri tangant, et accnratius apud vos consi- 

derate, anne vos diaboli mancipia contra Deum in proelia de- 

scendatis. Heu, ad quam caecitatem vos sanguinarii canes deve- 

nistis, ut Deum verbumque illius profligare audeatis ! Cur ama- 

rulentis bis dictis per contemptum nos exagitatis et frequentibus 

vociferationibus lacessitis : „Pater, spiritns mens appetit camem 

tuam!^^? Si exacte vobis omnia nostra opera essent cognita» 

inomutatis verbis haec pronunciaretis. Sed fugitivi cives de nobia 

haec sparserunt vobisque vera esse persuaserunt. Bogate Deum 

et flagitia vestra agnoscite et erudimini scriptura sacra; quam 

si non intelligitis, huc ad nos concedite! Nos, si vos dociles 

*p. 511. praebueritis, scripturam ad *amussim explicabimus. Si vera 

interpretatio nostra non placuerit, illud nobis neque commodabit 

neque incommodabit. Liberum a nobis quocunque tempore com- 

meatum recedendi impetrabitis, neque enim vos invitos retine- 



Geldnot des Bischofs hat Eerss. schon oben S. 551 KnipperdoUing in seiner 
gTO&en Bede zu Beginn der Belagerang hinweisen lassen. 

*) Anspielung auf AcU Apost 2, 38 n. 2, 44 1 — «) Vgl oben S. 589. 



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Anno 1534 acta. Clö 

bimns. Scimns vobis persnasum esse patrem cnm filia, matrem 
cum filio, fratrem cum sorore apnd nos misceri^ Talia men- 
dacia fagitivi homines in nos impudenter confinxemnt, qnomm 
608 adhnc pndebit, cum tanqnam Sodomitae .et Gomorraei piceis 
flammis peribunt. De nostris ininriis sibi iUatis gravissime, sed 
praeter meritnm apnd yos qnemntnr. Admonnimns eos solnm, 
ut yerbnm Dei amplecterentnr; sed se admoneri non snnt passi, 
relictis onmibns instar rabidomm cannm magno sno malo nrbe 
excesserunt. Neqne tarnen ipsos, si ad nos reversi Patris nostram- 
qne doctrinam amplexi faerint, repellemns. Haec animo benigno 
penitins revolvite et hnc ad nos concedite, nbi spiritn et gratia 
Dei collnstrati veram verbi agnitionem conseqnamini! Yos nihil 
praeter pecnniae vocem somniatis nihilqne praeter pecnniam 
mnltis vociferationibns in castris iteratis. Apnd nos vero ex- 
cellentiora mnnera vos manent; verbnm Dei, qnod tnrpiter ne- 
gligitis, stipendinm erit yestrnm. A vita christiana mores alienos 
deponite, ebrietates, fomicationes, idolornm cnltnm et in Denm 
blasphemiam fngite! Saepe ad nos mittitis vires bonos, qni de 
moribns et vita vestra qnidqne in animo habeatis, certiores nos 
reddnnt. Cnr non eandem viam ingredimini? Nam diligentibns 
Denm portae nostrae patebnnt; pro hostibns vero nostris ex 
calce et pice fercnlnm miscuimus, quo in oppngnatione ipsos 
cibabimns et ad satietatem nsqne ora eomm implebimns. Ad- 
versus vestrum diabolum ipsiusque matrem, adversus Babyloni- 
cam meretricem, adversus volantem spiritum, adversus serpentem 



*) So sagt auch die nach dem Beginn der Belagerung nnd vor der 
Einführung der Vielweiberei abgefafste Münstersche Parteischrift „Beken- 
tones des globens und Icbens der gemein Christe zu Monster'' (M. G.-Q. 
II, 459): „Wir heren, das man uns auch . .. zumifst, das wir salten Pla- 
tonisch oder Nickelamchs weise der frawen gemein haben undcr einander 
mit YÜ undugenden stucken, als ob wir kein underscheid der per- 
sonen plutsYorwantschaft solden halden. Aber dis ist... 
aler ding erstuncken und erlogen ... Mit den graden der 
magschaften holden wir, als di schrift dorvon helt Levit. 18. 
Weliche persehonen, die Got yerpeit, diselben lossen wir 
ach nit zu, dorzu wo sosten einiche ergernos von kommen 
und erwachsen mecht." Vgl. auch die Verordnungen der Aeltesten 
oben 8. 580, Abschnitt 6. 



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616 Anno 1534 acta. 

SwoUanmn^, adversns mortarios, falconetas aliaqae eins generis 
tormenta qnam plnrima praesidio Altissimi ntemnr. Plnribns 
Yobiscnm agerQ^l, si tempns snperesset. Has autem literas Dei 
amatoribns mitto ; pertinaces yero contemno, donec verbnm Dei 
ferre discant. Qnotqnot bona operantnr, mala aversantnr, qnot- 
qnot spretis hnmanis constitntionibns fidnciam snam in solnm 
•p. 512. Deum collocant, conditori omninm in perpetnnm sint *com- 
mendati.^ 

His aliisqne et pnblicis et privatis scriptis oppidani mnl- 
tornm militnm in castris Misnensium favorem sibi comparant 
et in snam sententiam etiam pertrahnnt, nt nefas esse pntarent 
adversns christianos et Deo dilectos evangelicos arma movere*. 



') Namen einiger bei der Belagerung verwendeten Geschütze, üeber 
das Yom Landgrafen von Hessen gesandte Geschütz „der Tenfel und seine 
Mutter'' sowie über die ZwoUcsche Schlange vgl. oben S. 529, über den 
^Fliegengeist" I). Lilie S. 222. 

') Ganz allgemein sagt H. Gresbeck S. 53: „Und et was nummer 
dagh, dair qwemen lansknecht in die stat." — Schon am 5. Juni berichtete 
Konr. Hesse den landgr&flichen R&ten in Kassel (M. G.-Q. II, 249), man 
erzähle, dafs seit dem verunglückten Sturme über hundert Knechte in die 
Stadt gefallen seien. „Es stellen seich," fügt er hinzu, „auch veil knecht 
vom hoffen en weich, die seich besorgen, sei müssen weidderum dran . . . 
Und wan der beischaf sei nit so hart mit eiden und plichten verfasset het, 
werre zu besorgen, das der merrenteil die stunt der kncclit van im abge- 
zogen wcrrc." Ein Knecht des Meifsenschen Lagers, der am Beginn der 
Belagerung von den Münsterem gefangen genonmien, am 4. Juni aber 
wieder aus der Stadt entwichen war, zeigt freilich an, dafs nicht über 200 
Landsknechte nach Münster entlaufen seien; „und dwil innen," fährt er 
fort, „nit mehe dor binnen gegeven wurt, dan notdürftige undcrhaltung 
mit essen, drincken und kleidung, so selten sie wol gern widder heruTs 
fallen, wan sie dorften und kunten. Dan die burger die vertraweten inen 
nichts" (Brief der clevischen Kriegsräte vom 7. Juni; M. G.-Q. II, 252). 
Doch schon am 23. Juni schreibt Konr. Hesse abermals nach Kassel (a. a. 0. 
255): „Der hoff van den knechten weirt klein, dan es stellen seich feil 
heimlichen enweck ... Es werden auch eitzunder etzliche vam adel der 
Meifsener auch enweck zcien." Ebenso am 27. Juni (a. a. 0. 263) : „Die 
knechte versteln seich hei sere enweck. Der beisschaf lest uf sei streffen." 
Die UnZuverlässigkeit der Knechte speziell im Meifsenschen Lager erwähnt 
D. Lilie S. 229 f., doch setzt er S. 241 die Massenflucht derselben fälsch- 
lich in die Zeit kurz vor dem zweiten Sturm auf die Stadt am Ende August. 



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Anno 1534 acta. 617 

Quorum etiam dnx Albertus Beltzins saepe ant privata colloqnla 
CTun hoste miscere ant pnemm secretorum consiliomm indicem 
in nrbem mittere et cnm oppidanis coUndere solebat ^ Proinde 
magna Misnenslnm mnltitndo, cnm pridie eins diel Integra sti- 
pendii militaris solntio sibi facta fnisset et princeps nondnm 
ipsos remisso militari sacramento exanctorasset, desertis castris 
sine legitima cansa ultima Innii intempesta nocte clancnlum ab 30. Juni. 
hoste secednnt. Continno Bemardus de Westerholt, magister 
«quitum, cum sno equitatu principis iussu persequitur, cui etiam 
permittitur, ut 7 ant 8 praecipua eomm capita decollentur, aliis 
dno digiti e deitra manu praecidantur *. Hos cum equitatus 
non procul ab oppido Sendenhorst in villa lungemanni asse- 
queretur et villam, in quam se receperant, undique fossa vepri- 
busque munitam et repagulo ligneo clausam alüsque mnnitioni- 
bus tumultuario labore, ut tempus ferebat, excitatis firmatam 
ipsosque desertores et fugitivos bombardis alüsque armis ad im- 
pressionem equitatus repellendam instructos ac in acie stantes 
cemeret, mox Theodoricus de Eeke", vir fortis et animosus, 
Theodoricum de Beke^, canonicum templi maioris Monasteriensis, 
flanguine sibi innctum et aeque animosum ac aciei primae com- 



') Dafs Albrecht v. Beltzigk wiederholt mit den Inhabern Münsters 
verhandelte, beweisen die Briefe der Münsterer an ihn nnd den Haupt- 
mann Georg V. Wulframsdorf vom 20. und 22. Mai (abgedr. M. G.-Q. II, 
239 ff.). Dafür aber, dafs Beltzigk verräterische Absichten hegte, bieten 
•die sonstigen Qnellen keinen Anhalt. Vielmehr spricht dagegen direkt das 
Bekenntnis KnipperdoUing's vom 25. Juli 1535 (M. G.-Q. II, 377), nach 
dem Beltzigk einmal bei einer Zusammenkunft vor dem Stadtthor mit 
KnipperdoUing diesen hat bestimmen wollen, von seinem Vornehmen abzu- 
stehen und sich nicht also verleiten zu lassen. Vgl. auch Enipperdolling^s 
Aussagen bei J. Niesert: Ü.-S. I. S. 187. 

*) Dieses und die folgenden Einzelheiten berichtet nur Kerss. In 
•den Akten des St.-A. M. liegt das Original eines bischöflichen Befehles vom 
30. Juni an^Bemh. v. Westerholt vor. Es heifst darin: „. .. dat du dy 
tor stundt myt allen dynen ruteren, myt hovethamssche unde spiefsen er- 
hevest und to twcn uren namiddage gewislich tor Wolbecke erschinest . . . 
und ock etlige ruter daerto verordenest, de de gefangen knechte tor 
Wolbecke uth dem lande brengen und wysen." 

") Aus der Linie zu Senden. 

*) Aus der Linie zu Heessen. VergL C. u. 0. v. d. Recke: Gesch. 
der Herren v. d. Recke (Breslau 1878) S. 126 f. u. 147. 



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618 Anno 1534 ad;a. 

militonem assciscit. Hi simnl repagnlo cardinibns eiecto conci- 
tatis eqnis in hostem aliisqne seqnentibns ferantnr. Sed ille 
chirobombarda adverso ictu traiectos protinns ex eqno prolapsns 
expirat, hie vero in ipsa eruptione decem et octo vnlneribns ao- 
ceptis ex eqno corrnit et aliqnot horis hnmi qnasi mortuns ia- 
cnit. Qnae res alios ab irmptione termit, maxime cnm repa- 
gnlum restitntam et reparatnm viderent. Ita ergo eqnitatns 
virtnte transfugarum repnlsns aliqnot eqnites in castra bom- 
bardas maiores petitnm ablegat. Qni cnm tormenta addncerent 
et in desertomm interitnm disponerent, ipsi se elabi non posse 
*p. 513. videntes *arbitrio principis vel ad gratiam vel ad snpplicinm 
depositis armis se dednnt. Inde per eqnitatnm Woltbecam re- 
dncti et in templo conclnsi principi snpplicant Princeps vero 
hanc cansam ad dnces belli, centnriones omnesqne milites refert, 
qnomm nnanimi cognitione fngitivi desertores militiae iniidi, 
perinri, ignominiosi et improbi decernnntnr et principis vel 
poenae vel gratiae adindicantnr. Verum cnm illi finem snppli- 
candi facerent nnllnm, princeps commotns anctoribns transfngii 
et secessionis pnnitis ceteris gratiam facit snperinsqne decretnm 
snnm lenltate et dementia mitigat^ 

Post aliqnot dies* qnidam gregarins e castris ad anabap- 
tistas transfngerat, qni, cnm ad Knipperdollingnm explorandae 
et discendae fidei cansa tanqnam catechnmenns dednctns esset, 
apnd qnem dies aliqnot diverterat, vidit Bokelsonem prophetam, 
qni eodem adhnc hospitio ntebatnr, noctnmo tempore ad lectnm 
famnlae clancnlnm se snbdncentem. Vehementer itaqne admi- 
ratnr prophetam, vimm Dei nxorem legitimam habentem ', aliena 



*) Ftu' die Gnadenbczeujping des Bischofs spricht anch sein oben 
angeführter Befehl an B. y. Westerholt. Nach D. Lilie S. 241 wurden 
„de menedigen hoyen^ zn Wolbeck „yan dem scharprichter Statio enthoyet, 
ein deil dorchgestecken/ 

*j Der folgende Bericht Kerss.'s über die Einführung der Vielweiberei 
stimmt genau mit dem bei L. Horte nsius S. 27f. überein, der auch yon 
Herm. Hamelmann S. 1232 ausgeschrieben wurde. In keiner sonstigen 
QueUe aber ist die offene Verkündigung der Polygamie durch Johann y. 
Leiden in ähnlicher Weise begründet. Vergl. auch die Einleitung. 

') Johann hatte sich schon in Leiden yerheiratet Vergl. seine 
Bekenntnisse bei J. Niesert: U.-S. L S. 174f. und M. G.-Q. II, 369f. 
N&heres berichtet Eerss. weiter unten. 



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Anno 1534 acta. 619* 

tarnen yenere atqne foedissimo adnlterio contra mandatnm Dei 
se contaminare atqne poUnere, nnde fncatam pietatem et sancti- 
moniam prophetae coepit deridere. Et cnm transfnga in coeta 
popnli factum non celaret^ propheta anctoritatis snae interitnm 
apnd plebem metaens primnm magnificis promissis os Uli ob- 
turavit, deinde, si forte fortnm plebi innotesceret, nt iUud pnr- 
garet, cnm Bothmanno aliisqne concionatoribns de polygamia 
consnltat Qni, cnm et ipsi lasciviae et impndentiae addicti 
essent, facile^ decemnnt viris singnlis exemplo Abrahami, la- 
cobi, Davidis et ceteromm Patmm veteris testamenti, qnomm 
yitam referant ipsi, plnres nxores dncere licere, maxime bis ra- 
tionibns addncti : Viri se continere neqnennt, ergo plnres nxores 
dncere possnnt. Antecedens relinqnnnt manifestum et in natnra 
fdndatnm, conseqnentiam probant, qnia seminis iactnram facere 
nefas est. Faciunt antem viri seminis iactnram, ex qno nnlla 
proles nascitnr, nt fit, qnando vel impraegnatam ant annomm 

') Ebenso spricht L. Hortensins S. 28 von einer yorhergehcnden 
Beratung Johann's mit den Predikanten und erwähnt nicht, daTs diese der 
Einführung der Vielweiberei Widerstand leisteten. Dafs aber der Wider- 
stand der Predikanten thats&chlich sehr energisch war, hätte Eerss. aus 
den oft Yon ihm benutzten Wiedertäuferverhören und aus H. Dorp ent- 
nehmen müssen. Letzterer erzählt Bl. E4, dafs die Prediger, als Johann 
ihnen zwölf Artikel vorhielt, deren Summe war, „das ein man nicht ge- 
bunden solt sein an ein weih, sondern er möcht so viel weiber, als er wolt, 
zur Ehe nemen,** dem widerredeten und es „in keinen weg zulassen^ 
wollten. Erst als Johann die zwölf Aeltesten und die Prediger aufs Bat- 
haus beschieden, dort seine Artikel als gottliche Offenbarung ausgegeben 
und die Widerstrebenden mit dem Ausschlüsse von der göttlichen Gnade 
bedroht hatte, „werden die prediger mit den propheten des ehestands 
halben eins und predigen drej tage lang vom Ehestand auff dem Thum- 
hoff.^ Ygl. dazu EnipperdoUing's Aussagen bei J. Niese rt: Ü.-S. I. S. 191. 
Johann v. Leiden selbst gesteht, dafs „se ehme fenglich setten woldcn', 
und dafs die Opposition wohl acht Tage gedauert habe. „Damach hefffc 
Bemardus sulvest dar van gepredigt^ (J. Nies er t ar.a.O. S. 178; s. auch 
M. 6.-Q. n, 372). Ausdrücklich bekennt auch Joh. Eloprifs (J. Nies er t 
a. a. 0. 8. 122, vergl. auch S. 135): „Aber der viller weiber lust halben, 
dargegen weren alle predicanten in Munster mit der gantzen 
gemeinden. Aber der kunigk bewiese inen das mit der schrifften und 
drunge sie darzu, das sie solchs halten moisten.' H. Gresbeck 8. 59 f. 
und D. Lilie 8. 236 erwähnen einen Widerstand der Predikanten nicht 
besonders. 



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620 Anno 1534 acta. 

nnmero factam sterilem cognoscimt. Ergo, ne fiat seminis vi- 

rilis iactnra, qnandocnnqne habent coniugem praegnantem ant 

sterilem, aliam.dacere licet ^ 

His simiUbnsque exemplis et fascinis miseram et incantam 

plebecnlam decipinnt eamqne rem per totnm tridnum in pnblicis 
^p. 514. concionibus agitant* et anditoribus inculcant *impudicitiaqiie 

flagrantibns scriptura exemplisque ad id perqnisitis facile per- 
^. Jnu. saadent. Post primam antem concionem 23. lulii habitam tota 

multitudo in campo dominico in orbem coit ibiqne de polygamia 

aliis non admittendam eam consnlentibns, aliis vero contrarium 



') Yergl. hierzu die Darlegangen BoÜimann's im 15. Kapitel der 
„Restitution", besonders die Stelle (Ausgabe von A. Knaake S. 83): „. . . so 
ein man ricklicker van Godt gesegent were, dan eine frouwe tho befröch- 
tigen, unde he en moit van wegen des godtlicken gebades sodanen segen 
nicht mifsbruken, so ys em frj gelaten, ja van noden, meer fruchtbare 
frouwen in die ehe tho nemmen; dan unehelick, dat js anders, dan na 
Gades willen unde gesette, ein frouwe bekennen, js ehebreckerye und 
horerye." Weiter a. a. 0. S. 85: „. . . want heflft he ein swangere frowen, 
offt de unfruchtbar js, ... mach he der sunder sunde nicht bekennen, so 
mach he ock geines anderen maus frouwen anrörcn . . . Hyrumme so volget 
van nodt wegen, dat, welcke rickliker van Godt gesegent sint, dan se mit 
einer frouwen rein leven können, mögen tho erer nodtrofft ... meer dan 
eine frouwe thor ehe nemmen." Auch weist Rothmann wiederholt auf das 
Beispiel der Patriarchen im alten Testamente hin. — Mehrfach ist in den 
Verhören von Seiten der gefangenen Wiedertäufer eine Rechtfertigung der 
Vielweiberei versucht worden. Am ausführlichsten spricht sich Dionjs. 
Vinne aus, der (M. G.-Q. 11, 278) in erster Linie den Spruch Genes. 1, 28: 
„Crescite et multiplicamini l" anfuhrt und sich ebenfalls auf die Patriarchen 
beruft. Ebenso äufsert sich Joh. Eloprifs (bei J. Nies er t a.a.O. S. 134). 
Die auch in der „Restitution^ angezogene Stelle aus dem 1. Briefe Pauli 
an Timotheus, Vers 2: „ein bischop solle ein wiff hebben," bringt Bemh. 
Krechting (bei J. Niesert a. a. 0. S. 194) bei. „Daruth solle folgen," 
sagt er, „de gemeyne man möge wol velle wyver nemen." Vgl. auch Bemh. 
Krechting's Bekenntnis M. G.-Q. II, 381. — Eine andere Begründung der 
Vielweiberei aus der Bibel, als die in der „Restitution*' gegebene, hat auch 
Johann v. Leiden in seinen Gesprächen mit Ant. Corvin und Joh. Eymeus 
(s. Bl. f l^f.) nicht versucht. Schliefslich aber liefs sich der König zu 
dem Geständnisse herbei (Bl. g2), „er bekenne, dafs sie im selbigen 
«rtikel zu geschwinde gefaren sein." Vergl. auch Ant. Corvin's Brief an 
O. Spalatin Bl. B 4. 

'j Drei Tage läfst auch H. Dorp a.a.O. vom Ehestand predigen. 



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Anno 1534 acta. 621 

clamitantibns ^ ad horas aliquot disceptatnr; sine magna tarnen 
contentione digrediuntur. Post octo vero dies *, nempe 30. Inlii, so. Juu, 
Henricns Mollenhecke*, faber ferrarius, ducentos fere indigenas* 
noctnmo tempore cogit, qni ant priscam reipnblicae formam 
redncere ant hostibns aperire portas ant mortem oppetere, quam 
polygamiam admittere malnnt. Proinde Bokelsonem prophetam, 
Enipperdollingnm, Sothmannnm, Henricnm Schlachtschapinm, 
Eloprisinm et Dionisinm Vinninm, concionatores polygamiam 
docentes, capinnt^, captos carceribns inclndnnt secnmqne deli- 
berant et rationes qnaemnt, qnibns delicti gratiam a principe 
impetrent, civitatem dedant, principem intromittant, senatnm 
veterem ciyesqne vi eiectos revocent et in pristinas possessiones 



') Nur L. Hortons ias a.a.O. berichtet, wie Einer aus der Volks- 
masse kr&fdgen Einspruch erhob und deshalb auf Befehl Johann's ge- 
tödtet wurde. 

') Diese Zeitbestimmung giebt auch H. Dorp. Nach einem Briefe 
der clevischen Eriegsräte vor Münster vom 31. Juli (M. G.-Q. 11, 265) 
sowie nach einem Schreiben des gleichfalls vor Münster anwesenden Her- 
zogs Philipp Yon Braunschweig-Grubenhagen an den Kurfürsten Johann 
Friedrich von Sachsen vom 5. Aug. (ebendas. S. 266) brach der Aufruhr 
in der Stadt am Abend des 29. Juli aus. 

') Sein Name wird in Verbindung mit dem Aufstande in den schrift- 
stellerischen Quellen nur von H. Gresbeck S. 73ff. genannt. Johann 
V. Leiden verlegt den Mollenhecke'schen Aufstand in seinen Bekenntnissen 
(s. J. Niesert a. a. 0. S. 179 f. und M. G.-Q. 11, 372) in die Zeit nach 
Errichtung des Königtums (Sept). Dafs diese Angabe ungenau ist, geht 
schon aus den oben citierten Briefen (M. G.-Q. II, 265 f.) hervor. Auch 
sagt Hermann MoUenhecke, der Sohn Heinrich^s, am 8. Juni 1535 aus, als 
er vom Tode seines Vaters redet, „da war der konig noch ein pro- 
phet' (Orig. des Verhörs im St-A. Marburg). Der chronologisch falsch 
eingeordnete Bericht D. Lilie 's S. 239 über den Aufstand fuhrt als 
Haupträdelsf&hrer einen Meiger Bemdt, hoffsmedt, an, einen Namen, den 
ich sonst nirgends gefunden habe. 

^) Diese Zahl stimmt mit den Bekenntnissen Johann's v. Leiden 
a. a. 0. (die Lesefehler bei J. Niesert sind berichtigt M. G.-Q. II, 418). 
H. Dorp spricht nur von etlichen Bürgern, L. Hortensius S. 29 von 50. 

'^) Die Gefangennahme speziell Slachtscaef's erwähnt auch H. Gres- 
beck, ebenso Dietrich von Hamburg Bl. AS^. Johann v. Leiden 
spricht aufser von seiner und KnipperdoUing's Gefangennahme auch von 
der „etliger predicanten.^ H. Dorp läfst mit Johann und Knipperdolling 
„alle Prediger** gefangen sein. 



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«22 Anno 1534 acta. 

restitnant, intolerabile servitntis iagnm excutiant et perpetno 
metn se liberentK Exorta itaque matutina Ince Mollenheckios 
yerbi Dei amatores einsdemqne defensores tjmpani pnlsn vicatini 
ad forum convenire iubet, nt eo praetextn exercitnm sniim an- 
geat. Qno cum magna hominnm armatomm mnltitndo conve- 
nisset ignara, qnid sibi freqaens popnli vellet conclo, ibi tum 
primns omnium Henricus Eedeker* prophetae et snorum pro- 
cerum captivitatem civiumqne armatomm propositum sentiens 
clamando vociferandoqne, qnamvis ipse indigena et civis, hoc 
•effecit, nt advenae et polygamiae addicti, qnorum magna copia 
in nrbem conflnxerat, in nnam partem nrbis inxta pomerinm in 
indigenamm et civinm perniciem armati conyenirent. Qnidam 
etiam in tjmpani pnlsn verbi Dei andita mentione se civibus 
forum occupantibus coniungunt; ubi vero civitatem in partes 
dividi animadvertunt et suae farinae homines, hoc est polygames, 
in adversa acie esse accipiunt, a civibus deficientes captata oc- 
casione ad snos redeunt. Sic Magnus Koehuss et multi alii 
turbae Mollenheckianae forum occupanti primum adhaeserunt., 



^) Wenn anch der Aufstand in erster Linie gegen die Einfohnrng 
der Vielweiberei gerichtet war nnd nach dem Schreiben der clevischen 
Eriegsr&te vom 31. Juli (M. 6.-Q. II, 265), die nach den Aussagen eines 
aus der Stadt entwichenen Bürgers berichten, dadurch zum Ausbruche kam, 
dafs Enipperdolling eine Frau, die sich der neuen Einrichtung nicht fugen 
wollte, gefangen nehmen liefs, so gingen die Forderungen der Aufstän- 
dischen zugleich doch auch schon weiter. Eine Beilage zum Schreiben 
Philipps Yon Braunschweig Yom 5. Aug. an den Kurfürsten von Sachsen 
(M. G.-Q. II, 267) meldet, die Uneinigkeit sei zum Teil auch dadurch ent- 
standen, dafs „etliche von bürgern er erlegte gelt wollen widderumb hoben, 
welchs dan die anderen nit haben wollen verwilligen und einruemen.*' Auch 
nach Johann's y. Leiden Aussagen a.a.O. schalten Mollenhecke^s Anhänger 
„up den ehestand . . . und ock np dat gantze regiment und de predicanten.** 
Die Absicht der Aufständischen, dem Bischöfe die Thore zu öffnen, erzählen 
L. Hortensius und D. Lilie, und H. Gresbeck sagt S. 73: „. .. ein 
•deil burgers und fromede luede . . . wolden den ehestant wedder afhebben, 
und ein ieder solde sein guit widder hebben, und burgermeisters und raet 
Bolde weder sein, dat al dinck solde weder sein als it gewest hedde, und 
wolden die stat upgeyen.^ Vgl. auch H. Gresbeck's Erzählung S. 75 von 
dem Wortwechsel zwischen Mollenhecke nnd Enipperdolling. 

') Nach H. Gresbeck war Herrn. Tilbeck der Führer der Anhänger 
^er Vielweiberei. 



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Anno 1534 acta. 623 

yeram nbi polygamomm tnrbam fortiorem esse animadvertissent, 
se a saonun nnmero ad polygamos snbduxemnt. Qua defectione 
*cives territi vigiuti armatos quasi vigilias diumas finnandi*p. 515. 
causa ad munitiones urbis e foro mittunt^ ut aut polygamomm 
animos aut, quid facturi sint, pertentent et explorent, quorum 
yenerea cohors duodecim capit reliquis ad forum repulsis; unus 
tarnen polygamomm a fugientibus tomiento traiectus expirat. 
Cum tandem advenae polygami excubiis munitiones urbis fir- 
massent et suas partes satis potentes esse putarent, circa meri- 
diem in forenses impetum faciunt^ et spiculo endnus emisso 
Hermannum Erampeum subito stemunt^, cuius casu cives per- 
culsi et cum infirmiores se esse viderent, in curiam salutis 
differendae causa sese recipiunt foresque raptim clausas com- 
muniunt. Sed cum turba salax bombardas maiores per mulieres 
in fomm attractas confringendi fores gratia curiae admoUrentur, 
tormentomm ictus metuentes ex inferiori curiae loco in proxi- 
mum superius tabulatum ascendunt. Advenae vero polygami 
cum insano impetu et clamore effractis foribus in curiam ir- 
munt ibique suos proceres et concionatores in hypogio curiae 
detentos laxant. Cumque bestes suos tabulatum proximum ascen- 
disse viderent ita, ut ins gladii in illos continuo exercere non 
possent neque eodem impetu ipsos persequi auderent, alii infra 
tabulatum passim spbaerulis traiiciunt, alii tormenta grandiora 
ad demoliendam curiam foris aptant. Miseri vero cives sua spe 
deiecti e fenestra curiae protenso pileo se dedunt et abiectis 
armis supplicant rebellionisque gratiam poscunt. Hinc descen- 
dunt et impudicomm hostium arbitrio sese committunt'. Dici 
vix queat, quanto furore omnis mansuetudinis et humanitatis 
obliti in hos irmerint, quanta immanitate eos ceperint, quantis 
verberibus pulsaverint, quantis convitiis et maledictis proscide- 
rint, quanta denique saevitia in carceres detruserini Diceres 

') Nach H. Gresbeck hatte Tilbeck mit einem Teü der Aeltesten 
vorher noch den Versuch gemacht, einen gütlichen Vergleich herbeizuführen. 
Erst als der Versuch gescheitert war, rückten die Anhänger der Vielweiberei 
in der St&rke von 500 oder 600 Mann gegen ihre Widersacher vor. 

«) Vgl. H. Gresbeck S. 76, der aber den Namen des getödteten 
Borgers nicht nennt. 

») Nach H. Gresbeck a.a.O, betrug die Zahl der Gefangenen 120. 



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624 Anno 1534 acta, 

ipsos statim occidi maluisse, quam tarn indignis modis exagitari. 
Inter hos Nicolans Dethmar \ miles qaidam, deprehenditnr, qui 
nltra qnatnor millia florenorum e cnria graphiaria, nbi thesanrns 
civitatis erat, clanculmn subduxerat, qnos eflfugium sperans pro 
viatico intra vestes suas abdiderat. Hanc pecnnüs ita nndiqne 
♦p. 516. fartnm cruciatu ve*niin dicere cogunt; et cum fateretur fdgae 
snae consilinm ac sibi per portam Ludgerianam principem intro- 
mittendi in nrbem foisse in animo, maiore forore ülis insnltant 
omnesqne exqoisitis snppliciis afficiendos esse proclamant. Po- 
stridie ergo seniores de supplicio ipsis irrogando consultantes 
conveninnt et tandem, at novi foederis tranqnillitas inviolata 
conseryetur, ipsos ad tiliam' religatos in terrorem malomm et 
defensionem bonorum tormentis esse traiiciendos pronunciant. 
Mox itaque viginti quinque protrahuntur et eo supplicü genere 
aflflicti terra obruuntur^ Sed ne ex crebris bombardarum toni- 



*) Das Folgende überliefert nur Eerss. Ygl. dazu die Bemerkung 
H. Gresbeck^s S. 77, der von den Anhängern Mollenhecke^s sagt: »Do 
saegen sie ock na dem gelde mehr, dan dat sie saegen, dat sie ein port 
in kregen, und hedden die mouwen vol geldes gestecken und saetten die 
heile nacht in dem wein und druncken, dat sie druncken worden. Dairover 
so woirden sie geschlagen, dat die Fresen und Hollenders die oyerhant 
kregen/ Dietrich yon Hamburg hat Bl. A4 die Notiz, dafs die Lands- 
knechte Johann v. Leiden „den Schlüssel zum gelt^ abnahmen. »Und ein 
yglicher lantzknecht nam zu sich zweitausent gülden in yr ermel.*' 

^) Die linde auf dem Domplatz, die Kerss. als Hinrichtungsstätte 
besonders schon oben S. 613 erwähnte (vergl. auch H. Gresbeck S. 37), 
wird in den Quellen oft genannt. In der Flugschrift des Jahres 1536 „des 
Münsterischen Königreichs und Widertauffs an- und abgang,^ zuletzt ab- 
gedruckt in der Ztschr. 27 (1867) S. 267 ff. (s. P. Bahlmann: Bibl. 1536 
Nr. 10), heifst es Bl. A 3^: „Item es steht auff dem Thumbhoff zu Munster 
ein grofse und ein klein Linden; an die kleine linden ist ein halTseisen 
gemacht, darein, wie man sagt, die unsinnige rott der widertauffer alle 
die, so sie in Scharmützeln und sunst erobert und ires glaubens nicht sein 
wolten, geschlagen, mit büchsen zu inen geschossen und mit spiefsen er- 
stochen und also vom leben zum todt bracht, wie dann solches auch der 
augenschein und die schuefs in der linden anzeigen.' A. Corvinus fügt, 
als er an G. Spalatin yon den grausamen Hinrichtungen in Münster schrieb 
(Bl. A4), hinzu: „Cuius rei testis adhuc est arbor tilia haud ita procul a 
canonicomm ecclesia, ad quam deligati ac aeneis tormentis transfixi sunt.** 

') Zu den Erschossenen gehört auch Heinr. Mollenhecke. Sein 
Sohn sagte später aus (St-A. Marburg): „Da der konig Henrick Moln- 



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Anno 1534 acta. 625 

trnis hostes oppidanos inter se dissidere snspicentnr ^, neqne 
tantam pnlveris iactnram faciant, decretnm est reliqnos seia- 
ginta sex gladio ferire. Qnae poenae execatio Knipperdollingo 
committitar, qni singulis diebns aliquot pro arbitrio suo pro- 
dnctos et tandem ad nnnm omnes capite plectit, nisi qnod pro- 
pheta interdnm animi et exercitii cansa in qnosdam animad- 
verterit. Alii vero, qnonun magnns numerus, cum ab bis se- 
ducti dicantur, publica seniorum sententia seditionis absolut! 
sunt*. 

Ita civibus, in quibus adhuc scintilla probitatis et yere- 
cundiae relucebat, effeminatorum ri oppressis onmis verecundia, 
omnis castitas, omnis continentla et pudicitia sublata est. Omnes 
iam libidine indomita fervent, obscoena lascivia insolescunt et 
yaga salacitate ita inflammantur, ut nullus prodigiosae veneris 
modus Sit babitus. Huic rei cum loannes Oekinckfeldus ', no- 
tarius, qui multis actis iudicialibus exustis controvertentibus 
plurimum nocuit, Henricus ab Arnhem et Hermannus Bispinck 



hecken lies erschiefseu, das thet KnipperdoUing und seine gesellen omb 
des willen, das er dagegen war, das sie vil wyber weiten haben. Dargegen 
wafs sein vatter und vil lenth und versamelten sich nnd weiten es nicht 
Ijden. Da word er erschossen.** 

*) Dafs der Anfrahr in der Stadt im bischöflichen Lager wohl be- 
merkt wnrde, beweist der Brief der clevischen Eriegsrftte Yom 31. Jnli 
(M. G.-Q. n, 265), in dem es heifst, ,,ein groifs romoir nnd switracht in 
der stat** sei „euch hier bnifsen wol gehoirt worden. ** 

*) Eerss. Iftfst also im Ganzen Ol hingerichtet werden nnd weicht 
damit von den Angaben der sonst bekannten Quellen ab. Nach den Be- 
kenntnissen Johannas v. Leiden betrag die Zahl der Getödteten 48, nach 
der Aussage J. Kloprifs' (bei J. Niesert: U.-S. L S. 134) 45 oder 46, 
nach H. Dorp 49, nach dem Briefe Herzogs Philipp von Brannschweig 
(M. G.-Q. II, 266) sowie nach dem Fingblatte „Der gantze handel" nnd 
nach H. Gresbeck 47, nach Dietrich von Hamburg 80, nach L. 
Hortensins 51. Als alleiniger Tollstrecker der Todesstrafe wird Knipper- 
doUing vom Herzog Philipp, von J. Eloprifs nnd von L. Hortensins genannt. 
Die Art der gransamen Hinrichtungen, die zwei bis vier Tage gedauert 
haben sollen, beschreiben genauer H. Dorp, H. Gresbeck nnd L. Hortensins. 
Begnadigt wurden nach H. Gresbeck nur diejenigen, die durch Zeugen be- 
weisen konnten, „dat sie des nachtz dair nicht weren beigewest, dat sie 
des morgens weren dairbei gekhomen.** 

') Das Folgende berichtet nur Kerss. 

16 



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626 Anno 1534 acta. 

superiori strage non territi contradicerent probantes sacra scrip- 
tnra legitimnm et christiannm matrimoniom in unins viri et 
nnias mnlieris coninnctione consistere neqne nni viro plares 
nxores neqne nni mnlieri plnres maritos nno habere licere, pro- 
phetae inssn gladio per Knipperdollingnm tanqnam seditiosi 
ferinntnr. Videntes antem indigenae ita se ab advenis impu- 
dicis premi, ita affligi, ita deniqne pro arbitrio trncidari, cnm 
alind nihil possent, tacitos secnm volvnnt qnestns neqne qnic- 
qnam adversns iUornm vivendi institntnm manifeste hiscere 
•p. 517. andent*; *sibi enim qnisqne timet. Hinc polygamia nemine 
iam repngnante per nrbem publice invalescit. Propheta trinm 
feminamm fit ilico maritns^ inter qnas fnit Matthissonis pro- 
phetae in conflictn ab hostibns occisi et discerpti nxor Divara, 
qnae postea praecipna fit regina. Huins tarn sancti viri exem- 
plnm reliqni concionatores et plnrimi oppidanomm imitantnr*. 



*) So sagt auch H. Gresbock S. 77: „Do hebben sie dat volck in 
groten dwanck gehat, dat sie do mit dem ehestant iren ganck kriegen. 
Na der tiet en dorste niemantz daiitegen seggen ..., wante al, dat sie 
deden, dat meiste recht sein/ 

^) Wörtlich nach H. Dorp Bl. E 4. Johann v. Leiden bekennt selbst 
am 25. JuU 1535 (M. G.-Q. IT, 371): „. .. so hy dan Enipperdallinghs 
magt to einen eligen wif hadde, naem hj dair na Jacobi (25. JuH) Johan 
Mathis fronw oich toe einen wif. Doch den ehestant Toir hinnen yry to 
sin verkundight." Ygl. auch Johann's Geständnis bei J. Nies er t: U.-S. 

1. S. 178. Genaueres über Johannas Frauen s. weiter unten. 

') Die Zahl der Frauen einzelner Wiedert&uferführer erfahren wir 
aus den YerhörsprotokoUen; so wissen wir aus den Bekenntnissen der im 
October aus Münster ausgesandten Apostel (s. J. Nieser t: U.-S. I. S. 25 ff.), 
dafs Joh. Beckmann zwei Frauen hatte, Gottfr. Stralen drei, Ant Pmmeren 
drei, Dietr. v. Alphen zwei. Für die spätere Zeit erhalten wir reichere No- 
tizen durch ein im St-A. Marburg befindliches Protokoll, das uns aber 
freUich nur die Aussagen zweier Knaben bietet, nämlich des 12jährigen 
Herrn. MoUenhecke und des 14jährigen Johannes Huttman. Die Aussagen 
datieren vom 8. Juni 1535. Ich lasse die Angaben über die bekanntesten 
Wiedertäufer folgen. Danach hatten Frauen: Rothmann 9, Enipperdolling 

2, Heinr. Erechting 3, Herrn. Tilbeck 2, Gerh. Eibbenbroiek 2, E. Rjmen- 
finider 3, Heinr. Xantus 2, Heinr. Bedeker 3, Joh. Bedeker 2, Gerh. Bei- 
ninck 2, Herm. Beininck 2, Magnus Eohus 2. Es sind noch andere, un- 
bekanntere Namen angegeben. Zum Schlufs der liste ist yermerkt: „Yil 
mehr sein irer; dan ich war irer aller zu schreiben Terdrossen.*' — In 



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Anno 1534 acta. 627 

Mnltae etiam yirgines ex diversis coenobiis tarn nobiles quam 
ignobües bac occasione in sni perniciem frunntnr, virginitatis 
et pndicitiae iactnram flagitiosissimos quosqne verberones ad- 
mittentes facinnt, qnae alioqni conclnsae arctaqne snornm prae- 
fectomm custodia praepeditae boneste vixissent. Transflnvianae 
atqne Aegidianae vestales, qaotqnot nrbe non excesserant, ma- 
ritos sibi qnaernnt; baec militem, illa sntorem, baec exterra- 
nenm, iUa indigenam, baec sacerdotem, illa villicum, baec ora- 
torem, illa aratorem, baec nobilem, illa civem ant qaemcunqne 
Spiritus cuiusque suggerit^ Quanto luxuriae aestu retincti ex- 
arserint, quam efirenato libidinis furore in muliebrem sexum 
quavis bestia intemperantiores et salaciores irruerint, quam in- 
satiabiliter amplexibus turpissimis operam dederint, quam mon- 
ströse Yoluptatis ardore conflagraverint, silentio praeterire prae- 
stat, quam castas aures offendere. Quam immaturam Teuerem 
cum teneris virgunculis, quae vix undecimum, duodecimum aut 
decimum tertium annum excesserant', furiose exercuerint, mul- 
tarum puellarum aut perpetuus morbus aut subita mors sub- 
secuta docuit. Plurimae quoque ab uxore Enupperi cbirurgiam 



einem mir sonst unbekannt gebliebenen Drnck ans dem Jahre 1535 bei 
G. Spalatin: Annales reformationis . .. ans Licht gestellt von E. S. Gy- 
prian (Leipzig 1718) S. 302 sind angegeben für Johann v. Leiden 5, for 
Knipperdolling 3, für Herrn. Tilbeck 3 und für Rothmann 4 „Eheweyber." 
Dann folgt die Notiz: „Nach seindt alda xiiii Propheten ans des Königs 
hoffgesinde, die seine nechsten Bethe sein, haben auch an weibem keine 
gebrach/ 

^) So heifst es auch in der „Ordnung'': „All Nunnen auss baiden 
ClÖstern, als Uberwasser und zu Sant Ilien, die darinnen wonen, haben in 
gemain Männer genommen, die ein ein Landsknecht, die ander einen baurs- 
knecht, und wa ein jede ir Gaist hingab/ Doch ist zu beachten, dafs sich 
die Nachrichten in der „Ordnung^ s&mtlich auf die Zeit vor Einfuhrung 
der Vielweiberei beziehen, Kerss. also seine Quelle am unrechten Orte ver- 
wertet Später freilich bekennt Joh. Beckmann (bei J. Niesert: Ü.-S. I. 
S. 36): „he hefiFt twe ehefrouwen gehatt, de eyne van sunt Hyen, de ander 
van Orerwater/ Damit sind wohl sicher Nonnen gemeint. 

*) „AUe jungfrawen über zwolff iar müssen freien,^ berichtet die 
auf die Aussagen der im October 1534 ausgesandten Apostel zurückgehende 
„Newe Zeitung« (Ztschr. 27 [1867] S. 260). Eine andere „Newe Zeytung** 
(s. F. Bahlmann BibL 1535 Nr. 9) sagt BL A2v: „Under inen ... mufs 
yederman eelich sein, auch die mediin von zwelff jaren." 

16* 



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628 Anno 1534 acta. 

ezercente singulari arte curatae vix tandem pristinae non vir- 
ginitati, sed sanitati restitunntor, in cnius aedibas sedecim mi- 
seris modis corrnptae eodem tempore remedia ezpectantes simol 
decnbnernnt, nt a diversis captivis relatum Mt^ Promiscaos 
concubitns insatiabilibas et prodigiosis vicibüs freqnentant '; ad 



^) So gesteht Zillis Leitgen am 14. Februar 1535 (s. J. Niesert: 
Ü.-S. I. S. 136 f.), »das er auif ein maell derselben (jongen metlin) zwelfF 
by der Mesterschen, die Knippersche genant, zn artzedyen gesehen.** Werner 
Scheiifart sagt am 11. Dez. 1534 ans (M. G.-Q. ü, 295): „dat ein groit 
getail van jungen meged^n, die noch nit manber, menne tho nemmen ge- 
drungen^ und na deme sj gehorsame folge gedain, sint se eres liyes und 
gesnntheit gantz verdorven . . . und sint einer mesterschen, die Knupper- 
sche genant, togestalt und befoUen, se tho artzen und gesunt tho maken.** 
Johann y. Leiden selbst giebt am 25. Juli 1535 (M. G.-Q. 11, 375) an, 
,,dat gene jonge mechde dair selfs bedrongen ader verkrechticht worden 
sin, dan allein wanner sie sulx begerden ader verwilligden. 
Dan 80 hy imantz dair boeyen betreden hedde, solde oen daimmb hebben 
laten straeffen.** Dem gegenüber steht das Bekenntnis Enipperdolling's 
vom gleichen Datum (ebendas. S. 379), „dat der konninck Johan van 
Leien der erster anhever mit den jongen megden gewest sy, 
dair van oen dat gebreck ontstanden.** Von Wiedert&ufer^Aos- 
sagen kommt noch in Betracht die des Johann ElopriTs vom 29. Jan. 1535 
(J. Niesert a.a.O. S. 122): „Es sie auch zu Munster ein frage gewesen, 
ob auch die metger, so ire bestundung nit betten, eligen mochten. Und 
wurde darauf erkandt, dweOl befonden, das metger, ehe sie ire stunde 
kriegen, hetten schwanger werden wurden (!), so liefsen sie zu, das sie eligen 
mochten.** — Die Sch&ndung kleiner M&dchen „von zehen, zwelff und vier- 
zehen jaren,** sowie die Wirksamkeit der „Ertztin, die Knuppersche ge- 
nant,** erwähnt auch H. Dorp Bl. F4^ und schlielst: „Dieser meidlin hab 
ich noch wol achtzehen gesehen, als ich von des Bisschoffs wegen in die 
Stad geschickt war.'* Ygl. zur Sache auchH. Gresbeck S. 62, besonders 
S. 72 f. Er nennt den Namen der Enupporschen nicht, spricht aber von 
einer „astinne** und sagt: „So heft dieselve fro der megdekens gehat viftein, 
die sie weder heft gesunt gemacket** Indem A. Corvin in seinem Briefe 
an G. Spalatin den Greuel berührt, fügt er hinzu (BL A 4^) : „. . . qnod 
mihi neque ex vano neque vulgi sermonibus hanstum est, sed ex ea ve- 
tula, cui cura sie viciatarum demandata fuerat, auditnm.** 
S. auch Job. Fabricius Bolandus Bl. P8v, der ebenfslls keinen Na- 
men anfahrt. 

*) Yergl. die drastische Schilderung von den Znstftnden in Müneter 
gleich nach Einführung der Vielweiberei bei H. Gresbeck, besonders S. 63. 
Sonst liegen queUeDm&fsige Nachrichten nicht vor. Kurz und aUgemein 



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Anno 1534 aota. 689 

arbitrmm cniiislibet viri venevem poeoeotts sab poena idtmi 
supplidi midieres paaratas esse yolebant; negape Tiro noctom 
canea idtimo snpplido digaa foit adeo, nt inde spuroissizna et 
vereciindiB auribne indigniseima «ententia per iti<bein spargi eoe- 
perit, qua viri in congressa feminamin sint nn : „Spiritus mens 
appetit carnemtnam^^ Qna quid foedius, qnid ^sordidins, qnid*p. 518. 
homine christiano, a qno omnis immnnditiae mentio quam lon- 
gissime abesse debet, indignins, ita in venerem promiscaam mere, 
ita libidine dissolvi, ita impndicitia flagrare, nt es homine 
bestiam et, si qnid deterins est, fiiciasP Mnlieres riris ad nntnm 
non parentes mandante propheta ad coenobinm a valle rosamm 
appellatum captivae ducebantnr ibique, donec poeniteant, detine- 
bantur*. In eadem yero pertinacia adyersns maritos snos per^ 
seyerantes praecisis capitibns plectebantnr, qnod qnatuor moiie- 
ribns eodem tempore acciderat*. Joannes qnoqne Ultraiectinns, 



sagt nur noch L. Horten sin 8 S. 29: „. . . prophetae et concionatorom 
anthoritate inxta et eiemplo tota nrbe ad rapiendas pnlcherrimas qnasqne 
feminas discnnrnm est. Nee intra pancos dies in tanta hominnm turba 
fere nlla reperta est snpra annnm decimum quartnm, qnae stoprnni passa 
non fderif Jedenfalls mufs das Treiben sunftchst arg genug gewesen 
sein, denn es liegt kein Grund Tor, an der Richtigkeit der weiteren Aus- 
sagen H. Gresbeck's zu zweifeln, nach denen die Propheten, Predikanten 
und Aeltesten geboten, „dat sie nicht solden lopen na den frowenlueden.*' 
Und S. 66 berichtet er von einem weiteren Befehl: „aUe die frowenluede, 
die tho dem ehestant sint getwungen und hebben menne genommen, die 
gern widder von den mennen weren, dieseWen solden khomen up dat raet^ 
haufs ...; man sol sie widder von einander leggen, wante die predi- 
canten hebben sick versehn mit dem ehestaf Bestätigt werden 
diese Angaben durch den weiter unten auch von Eerss. mitgeteilten Artikel- 
brief Johannas v. Leiden vom 2. Januar 1&3Ö. 

') Ygl. dazu oben 8. 589 u. 614. 

^) Zum Bosenthalkloster als Gefängnis s. auch oben S. 542. Zur 
Sache vgl. besonders H. Gresbeck S. 65 f. Das schon oben citierte Be- 
kenntnis der Knaben H. MoUenhecke und Joh. Huttman giebt an: „Die 
jungfrawen, di nicht menner haben woUen, di legen si in gefengnus und 
lassen si so lang liggen, bis das sie es gern thun.^ Doch steht diese Aus- 
sage — sie ist am 8. Juni 15^ geihan — in schroifem Gegensatz zu der 
24. Bestimmung im Artikelbrief Johann's vom 2. Januar. 

') Eerss. bringt weiter unten mehrere Beispiele f&r die Bestrafung 
einzelner Frauen vor. Auch H. Gresbeck a. a. 0. spricht von der Hin- 



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630 Anno 1534 acta. 

qnondam Traiecti canonicas, nbi cum nxore sna iam gravida 
consnetndinem maritalem de more retinctornm habere nefas esse 
dnceret \ aliam diixit, qnod gravida aegerrime tnlit eamqne fsicti 
indignitatem verbis testatnr; qnare a marito accnsatam nltimo snp- 
plicio post foetum editnm afficiendam esse propheta pronunciat. 
Ut autem rei foeditatem fucata sanctimonia et humili ve- 
stitn obtegant, yestinm, calciamentoram alionunque tegomen- 
tonun corporis nova et simplicior priore forma in ntroqne sexu 
per prophetam excogitatnr. Si qnis plnra vestimenta^ quam ne- 
cessarias usus postulat, habnerit, in commune defert, sicut Hen- 
ricns Schlachtscapins in publica concione docnit *. Docent enim 



richtung besonders solcher Frauen, die sich ihrer Männer wegen mit ein- 
ander nicht vertragen konnten nnd durch die Gefangensetzung im Rosen- 
thaUdoster ihren Sinn nicht änderten. „Es wurde auch,^ sagt Joh. Kloprils 
(bei J. Niesert: U.-S. I. S. 123), „ein frauwe in Munster gericht umb 
ungehorsamts willen, . . . und nit willigen wolte, das der man bie ire ein 
ander firouwe nam . . .' „Sie haben vilen weiberen den köpf abgehowen," 
heilst es im Bekenntnis Herrn. Mollenhecke's und Joh. Huttman's; die 
beiden Knaben nennen dann mehrere Namen der Getodteten. S. auch, 
weiter unten. Einzig steht die Aussage des Joh. Kloprifs (a. a. 0. S. 122) 
da: „es weren die frauwen in solcher freuntschaft bie den mennem, das 
die frauwe deme manne andere frauwen by zu schlaifTen holten, wie Sara 
thete Abraham und Jacobs frauwe.** 

^) Gerade die Wiedertäufer forderten strenge Enthaltsamkeit in dieser 
Beziehung. Vgl. dazu die ausführlichen Darlegungen Bothmann's in der 
„Bestitution', besonders S. 85 ff. S. auch H. Gresbeck S. 61. Johann 
V. Leiden bekennt (M. G.-Q. II, 375): „Die geswengerde frouwen bleven 
altit by oen als die ander, quamen aver die menne die tit lanck niet dair 
by.** Ganz ähnlich sagt EnipperdoUing aus (J. Niesert: U.-S. I. S. 190 
und M. G.-Q. n, 379). 

') Schon eine Verfügung der zwölf Aeltesten (vergl. oben S. 584 
Art 16) verbot neue und ungebräuchliche Kleiderschnitte. In der „Ord- 
nung'' heifst es: „AUer bracht der klaidung manns und frawen, auch mit 
den schuhen, werden verendert.^ An einer andern SteUe: „Man hatt auch 
mehr gefordert, wer mehr klaider hab, dann ehr zu der nottnrfft bedarff^ 
der soU sie bringen in die gemein, das der jhenig, der sollichs bedarfi^ ge- 
brauch; das hat man zun brüdem auff dem predigstul inen verkündet.*^ 
Den Namen Slachtscaefs nennt nur Eerss. Bei H. Gresbeck S. 96 ist 
jedoch Joh. Dusentschuer der Urheber einer neuen Kleiderordnung. Er be- 
stimmt (s. auch bei Kerss. weiter unten), wie viel und welche Kleidungs- 
stücke ein Jeder haben dürfe. Doch fügt H. Gresbeck hinzu: „Yon hoeden. 



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Anno 1534 acta. 631 

nnllmn hominem post ascensionem Domini in vero matrimonio 
vürisse, cum non secundum spiritnm, sed vel formae vel pnlchri- 
tndinis vel pecnniae et diyitiamm vel consangninitatis et afS- 
nitatis excellentioris gratia matrimonia omnia sint contracta^. 
Ideo de integro nuptias celebrant, quasi priores irritae fuerint •. 
Ebrietas et alia post susceptum baptisma peccata enormia iu- 
dicio prophetae extremo supplicio per EnipperdoUingum ensi- 
gernm puniuntur^. Si vero propheta a Patre delicti gratiam 
pro aliquo impetraverit, poena quidem mortis remittitur, sed 
panis et aqnae frugali usu aliquandiu punitur. Si quis enorme 
aUquod flagitinm mentiendo, decipiendo aliove quoyis modo com- 
miserit et iUud coram uniyerso populo professus fuerit Patrem- 
que invocayerit, pius et bonus christianus habetur. Omnia 
Apostolomm ritu sunt communia, neque quicquam petenti ne- 



bonetten iind schoeen, dair en wort nicht af gesacht, wo viel dat der ein 
iglich solde hebben/ Am 5. Augnst meldet Herzog Philipp von Brann- 
schweig aus dem Lager vor Münster an den Kurfürsten von Sachsen nach 
Aussagen von Ausgefallenen (M. G.-Q. 11,267): „Tuch und andere nottorft 
zu becleidonge des leibes ist auch verordent, wa dasselbige ein iglicher 
nemen sal/ 

^) Ganz ähnlich den Worten bei Joh. Fabricius Bolandus Bl. P7^. 
Dionys. Yinne erklärt (M. G.-Q. 11, 278), eine Ehe sei gegen die Einsetzung 
Gottes, „wann er fleissches lust, gelt und gut, Schönheit der personen ge- 
sucht werden." In der „Restitution** (S. 82) sagt Rothmann, es gezieme 
dem Manne, „dat he ein getzirde unde gesmuckede frouwe söke und nemme> 
overst nicht getzirdt mit golde, sülver eder edel gesteinte, noch ock in 
lifTs schönte, mer de getzirdt sy mit Gades fruchten und mit einen stillen 
und sachtmödigen geiste. Dit ys dan dat Paulus nömet in den Heren 
hiliken.** Yergl. auch die Ausführungen schon in dem „Bekentones des 
globens« (M. G.-Q. II, 458). 

*) Erneuerung der Ehen nach der Taufe hatten schon die von Johann 
V. Leiden nach Münster gebrachten Artikel der Wiedertäufer gefordert (vgl. 
oben S. 450 Art. 13). Zur Sache vgl. auch den Bericht H. Gresbeck's 
S. 71. Joh. Eloprifs sagt aus (s. J. Niesert: ü.-S. I. S. 123): „Das ein 
man ein elige weih muge verlaissen und ein ander nemen, das sie zuge- 
laissen in der schrifft Pauli ad Corinth. I: si fidelis discesserit etc.** Vgl. 
1 Corinth. Eap. 7. Auf diese Bibelstelle bezieht sich auch die Darlegung 
in dem „Bekentones** a. a. 0. 

') Vergl. oben S. 554 Anm. 5 und weiter die S. 580 f. angeführten 
Verordnungen der zwölf Aeltesten. 



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632 Anno 1534 acta. 

gandtun esse censent, nisi ipse eo egeai Omnes Israhelitae^ 
•p. 519. novae Syonis omnia debita sibi mutuo *reinittuiit, Multi visi- 
ones yarias, nunc vires, nunc angelos, nnnc Patrem coelestem, 
nnnc equitem armatnm, nnnc regem inermem vel in a6re vel 
terra se yidere multis persuadent', nnde forte se mntno Israe- 
litas vel vires videntes Denm vocant*. Hoc sibi firma fide per- 
snadent Patrem snos ab omni incommodo ereptumm, etiamsi 
hostis in media nrbe grassetnr, non aliter ac filios Israelis a 
Pharaonis exercitn perseqnente liberavit^, cum siccis pedibus 
Mare Bubrum transirent. Tanta in Denm est fiducia, ut etiam 
quinqne homines saae farinae totnm episcopi agmen contorba- 
tnri sint^ 

Inde prophetae snasu aedes Theodorici Munstermanni in 
Eodenburgo* ac Petri Frisii in vico salario'' pro catechumenis 
depntantnr, in qnibus gentes, hoc est anabaptismo nondum ini- 
tiati, ad nrbem tarnen hanc sanctam amplexandae anabaptisticae 
doctrinae gratia confagientes elementa snae reUgionis perdisce- 
rent, prinsqnam in snum foedus suscipiantnr, nnde etiam „heyden 
hnser," hoc est domus gentium, appellantur®. 



') Die folgenden Angaben decken sich mit denen in der „Ordnung". 

«) Vorgl. oben S. 494 u. 500 f. 

^) „Und uns, die noch nicht zum andern mal gcteufft seind, nennen 
sy hayden," fügt die „Ordnung" hinzu. 

*) So auch in der „Ordnung". Nach Joh. Kloprifs a. a. 0. S. 120 
waren die Wiedertäufer „des gantzen glaubens, wann schon die gantzc 
wereldt darfur lege, das dannocht Got sie ufs Gottes krafft suUe beschir- 
met und verthedingt haben.** Vgl. auch 8. 128. 

®) „Und obschon jrer vünf bynnen der stadt,** heifst es im Bekennt- 
nisse des Zillis Leitgen (J. Niesert a. a. 0. S. 139), „die sulden sy den 
gotlosen Yorentholden.** Aehnlich heifst es bei Dietrich von Hamburg 
Bl. A 2^. Johann v. Leiden betont später mehrfach besonders sein festes 
Vertrauen auf Gott (s. seine Bekenntnisse bei J. Niesert a. a. 0. 8. 183 und 
M. G.-Q. n, 400 f.). — «) Auf der Rothenburg. — ') Auf der 8alzstrafse. 

®) Von einem solchen Heidenhause berichtet auch H. Gresbeck 
8. 89 f. Ein Landsknecht ist aus dem bischöflichen Lager in die Stadt ge- 
laufen. „Denselben hebben sie gebracht in dat heidenhuiss und wolden 
in dein leren den geloeven, und solde sick laten doepen . . .** Das Heiden- 
haus auf der Salzstrafse erwähnt Zillis Leitgen in seinem Geständnisse (bei 
J. Niesert a.a.O. 8. 144). Da wurden vier übergelaufene Landsknechte 
„geleret, wie sie die dauff entfangen und Christo dienen solten . . .** 



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Anno 1534 acta. 633 

Propheta, qnoties a Patre qnicqnam petitnrns est, extensis 
brachiis in fonnam crncis snpinmn se hnmi stemit; inde Pater 
in ipsnm snae volnntatis effundit spiritnm. Interdum tridnnm, 
interdnm qnatridamn se beneficio sennonis destitni fingit atqne 
interim gypso seu alba terra, qnam cretam vocant, qnid Pater 
feri velity in tabula describit\ 

Si coninnx legitinia a yiro divertitnr, consilio conciona- 
torum et episcopi vir alind coniugium qnaerit, qnod praeter 
alios mnltos Eberardns Beymensnider ac loannes Ludinckhnsanns 
fecemnt yirgines Deo dicatas sibi copnlantes^ Hermannnlns 
etiam qnidam sna repndiata fiüam Bemardi Mosis recipit. 

Cnm Satan animadverteret snom regnnm non tarn snb 
magistratn mnltonun, qnam nnins dominio ac tjrannide posse 
propagari, ideo post festum lacobi ^ alium qnendam prophetam «». Juu. 



^) Ebenso heifst es in der „Ordnung'', wo hinzagesetzt ist: „das** 
(das Kreuzweisliegen) „ich zu warheit gesehen hab.^ Das Kreuzweisliegen 
bei den Wiedertäufern überhaupt erwähnt Eerss. schon oben S. 485 u. 
500. Jakob Ton Osnabrück hatte in seinem Verhöre am 28. Februar den 
ihm in Bezug darauf vorgelegten Frageartikel als „nit wair, erdicht und 
gelogen'* bezeichnet Vergl. J. Niosert: Ü.-S. I. S. 162. — Ein Beispiel 
für Johann's Stummsein oben S. 575. Vgl. auch H. Gresbeck S. 101 f. 

*) Die „Ordnung** (vgl. aber dazu S. 627 Anm. 1): „Wer ein ehe- 
frawen hat, die im entgegen ist, der mag mit rat der predicanten ein 
andere nemcn, als Johann von Ludinckhausen, der hatt ein edle junck- 
frawen genommen, und Ebert Reymenschnejder, und der noch mehr, der 
namen ich nit kenne." — üeber Eh. Riemenschneider, der nach den oben 
S. 626 Anm. 3 angeführten Aussagen zweier Knaben 3 Frauen hatte, äufserte 
sich am 23. Dez. 1534 Hermann, der Diener des Malers Ludger to Ring, 
in seinem Verhöre (St.-A. M. M. L. A. 518/19 IV. fol. 380): „Item Evert 
Remensnyder ist des koninges vorsnjder, und des firowe ist gewest Johan 
thom Sode liusfrowe und ist gedrungen mit gewalt, den Remensnyder to 
nemen.** 

*) 25. Juli. Diese ungenaue und falsche Zeitangabe bietet nur Kerss., 
der sich in der folgenden Erzählung von der Errichtung des Königtums 
Johann's teilweise eng an den Bericht PI. Dorp's Bl. F 1 anlehnt, aber 
mit Veränderung des in diesem angeführten gleichfalls falschen Datums 
des 24. Juni, das Herm. Hamelmann S. 1236 beibehalten hat L. Hör- 
tensius S. 30 bezeichnet den 22. Juni als den Tag, an dem sich Johann 
vor den Aeltesten als den von Gott berufenen König zu erkennen giebt. 
ünbestinmit sagt D. Lili e S. 234 „umb trent Joannis Baptiste," kann aber 
auch nur den 24. Juni, das Fest der Geburt Johannes des Täufers, damit 



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634 Anno 1534 acta. 

in urbe excitat, cnins nomen Joannes Dnsentschner, anrifaber 
Warendorpensis '. Hie concione freqnenti in forum advocata: 



meinen, da er, was den sonstigen Quellen widerspricht, die Einfühnuig 
der Vielweiberei im Joli zeitiich der Anfrichtang des Königtomes folgen 
läfst. Yergl. auch die Bemerkungen von F. Runge in der Einleitung zu 
seiner Lilie-Ansgabe S. 53 f. — Alle angeführten Daten sind falsch. That- 
sächlich fand die Erhebung Johannas erst im Sept 1534 Statt, nachdem 
die Wiedertäufer durch das siegreiche Zurückschlagen des auch Ton Eerss. 
weiter unten erwähnten, am 31. August untemonmienen Sturmes auf die 
Stadt einen glänzenden Erfolg über ihre Gegner davongetragen hatten. 
Eine „Newe Zeytung" aus dem Jahre 1535 (P. Bahlmann: Bibl. 1535 
Nr. 9) läfst sich Johann „nach dem letsten sturm^ dem Volke als 
König vorsteUen. Weitere „Neue Zeitungen^ (P. Bahlmann a.a.O. 1535 
Nr. lOf.) melden: „In acht tagen nach dem abgeschlagen stürm 
hat . . . Johan Ton Lejden . . . der gemeyne für gehalten, er hab von Gott 
ein befelh, das er ein könig soll sein über Israel . . ." Dieser Bericht geht 
zurück auf die Aussagen der im October 1534 aus Münster entsandten 
Apostel. Das Flugblatt „Der gantze handel** (P. Bahlmann a.a.O. 1536 
Nr. 8) erwähnt Bl. A2 den Sturm im August und fährt fort: „Nun war 
es unseglich und unglaublich, was grofsen gemüts den Widertauffem sey 
daher entstanden. Sie mainten, alle not wer überwunden. Sie gedachten 
noch furter auss und erhoben einen genant Johann Ton Leyden . . . zum 
Eönig.^ Auch H. Gresbeck S. 82 läfst den Beginn des Königtums Johann 
unmittelbar dem wiedertäuferischen Siege folgen. 

') Vgl. über ihn besonders H. Gresbeck S. 95ff., der ihn aber bei 
der Erhebung Johannas zum König nicht mitwirken, vielmehr ihn erst nachi 
der Errichtung des Königtums zum Propheten ernannt werden läfst. Doch 
ist Joh. Dusentschuer's Eingreifen bei dieser Gelegenheit in den Verhörs- 
protokollen der Wiedertäufer vielfach übereinstimmend bezeugt, so in den 
Geständnissen des Herm. Regewart, des Joh. Beckmann, des Joh. Kloprifs 
(J. Niesert: Ü.-S. I. S. 27, 34, 112 u. 133), weiter in denen des Dionys. 
Vinne (M. G.-Q. 11, 276), des Beruh. Krechting (J. Niesert a.a.O. S 194 
und M. G.-Q. II, 406) und Johannas v. Leiden selbst (J. Niesert a. a. O. 
S. 179 und M. G.-Q. II, 372; vergl. auch Johannas Aeufserungen in den 
folgenden Noten). In den Flugblättern wird Joh. Dusentschuer in diesem 
Zusammenhange nur von der „Newen zeitung** (P. Bahlmann: Bibl. 1535 
Nr. 11) erwähnt Handelnd tritt er auch bei H. Dorp a.a.O. und L, 
Hortensius a.a. 0. hervor. — Aus den Quellen läfst sich nicht klarlegen, 
ob und inwieweit eine vorhergehende Vereinbarung Einzelner zur Errich- 
tung des Königtums stattgefunden habe. Joh. Kloprifs stellt eine solche 
in seinem Bekenntnisse a. a. 0. in Abrede, ebenso Johann M. G.-Q. II, 399 f. 
und in seinem Gespräche mit Ant Corvin und Joh. Kjrmeus Bl. b 2^. Sehen 
wir von dem ganz verworrenen Bericht des Joh. Fabricius Bolandus 



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Anno 1534 acta. 635 

„Fratres christianissimi," inqnit*, „Pater coelitus mihi revelavit 
Yobisqne publicandnm commisit loannem Bokelsonem Leydannm, 
yirum Dei et prophetam sanctnm, per nniversnm terramm orbem 
regem fore. Ille dominabitnr imperatoribus, regibns, principi- 
bns ac omnibns mundi potestatibns ; ipse snpra omnem magi- 
stratnm erit, nnllns *vero snpra illum. Hle occnpabit sceptrum^p. 520. 
et sedem Davidis, patris sni, donec Dens Pater regnnm ab eo 
repoposcerit.^ Inde a senioribns ibi adstantibns gladinm acceptom 
sibi reddi postnlat. Quem cum regi iam designato in manus tra- 
didisset: „Accipe,^ inqnit, „gladinm institiae^ omnemqne cnm 
ipso potestatem, qno omnes popnlos terrae tibi snbiicies eoqne 



Bl. N 7 f. ab, der ja Johann noch durch den bereits im April verstorbenen 
Jan Matthys zum König ernennen läfst und von einer RiTalität zwischen 
Johann und EnipperdoUing redet, so sagt unter den schriftstellerischen 
QueUen nur L. Hortensius S. 31: „Cum hoc^ (d. h. Joh. Dusentschuer) 
„Bocoldus rem ex composito transigit et prophetam eum nomi- 
nat.** Ganz vereinzelt steht eine Aeufserung da, die Johann v. Leiden 
nach seiner Gefangennehmung gethan haben soll. Gefragt, wie er zum 
Königtum gelangt sei, antwortet er (s. die Flugschrift „Des Münsterischen 
Königreichs an- und abgang** Bl. A2, in der Zeitschr. 27 [1867] S. 268; 
ygl. P. Bahlmann: Bibl. 1536 Nr. 10), indem er auf sein Yerh&ltnis zu 
Knipperdolling eingeht, u. a.: „Und aber Knipperdölling, sein Schweher, 
zu solcher wüterey" (gemeint ist die Wiedertaufe) „lust gehabt und ine, 
Johann, zu König und grofsem Regiment zufnrdem urbüttig, habs ime 
nicht übel gefallen, sei auch also darein kommen und das best, so in seinem 
vermögen gewest, thun helffen und sich füren lassen, wie ime 
durch seinen Schweher und andere fürgeschlagen worden, 
das er auch so fern bracht.^ Ist diese Aeufserung wirklich gefallen, 
80 hat Johann damit offenbar die Schuld an der Entwickelung der Ereig- 
nisse in Münster von sich selbst abw&lzen woUen, zumal ihm an derselben 
Stelle die durchaus falsche Behauptung in den Mund gelegt wird: „Nach- 
dem aber sein Schweher der unchristlichen secten der Widertauffer anhengig 
gewest, mit ime derhalben mancherlay rede und handlung gehabt, sei er 
auch darin geraten, hab ime die sach gefaUen und wol bevolhen sein lassen, 
darab derselb sein Schweher gefallens gehabt^ 

') Die Anrede Dusentschuer's ist aus H. Dorp übersetzt. 

*) Im Gespräch mit Ant. Corvin und Joh. Kymeus (Bl. b2^) er-^ 
klArt Johann sp&ter, dass der Prophet ihm „auch das schwerd der gerech- 
tigkeit befohlen hat" Die üeberreichung des Schwertes erw&hnt sonst nur- 
noch L. Hortensius; eine Salbung Johannas nur noch Joh. Fabriciu» 
Bolandus Bl. N8^ 



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630 Anno 1534 acta. 

ita nteris, nt Christo ad iudiciam redennti rationem reddaff!^, 
fiimülqne dpsTun fragrantlssimo liquore inüngeira his verbiff: „Ego 
te in regem novi templi pppnliqne Dei Patre iubente inungo 
teqne in facie totins popnli regem novae 6jonis pronancio!' 
Haec iamdin magno studio Leydanns venatus est^; ob hoc omnem 
magistratnm contempsit et reiecit, ob haec omnia fecit com- 
mnnia, cives priscae civitatis nrbe eiecit, eorum bona diripnit, 
casta matrimonii iura violavit, pndicitiam et verecnndiam pro- 
fligavit, sibi adversantes plns quam tyrannica immanitate tmci- 
davit, omnia eo direxit, nt sibi regnnm pararet et solns remm 
omninm pro arbitrio ac sua libidine potiretnr. Nunc confiden- 
tins insueto dignitatis titnlo tnmens prodit protinnsque se humi 
in faciem stemit atqne: „0 mi Pater," exolamat*, „cum ego, 
•qni neqne aetate neqne consilio neqne sapientia polleo, admini- 
strationi tantae potestatis non sufficiam, ad tnam clementiam 
praesidinm petitnm supplex confngio. Mitte eigo, o Pater, sa- 
pientiam illam tnam de coelis sanctis tnis et a sede magni- 
tndinis tnae, nt mecnm sit et mecnm laboret, nt intelligam et 
sciam, qnid acceptnm sit in conspectn tno! Sic enim dignns 
habebor officio mihi a te concredito et popnlnm tnnm in aeqni- 
tate et iustitia regam!** Conversns hinc ad popnlnm: „Fratres," 
inqnit, „charissimi, haec ego ante mnltos dies Patris inspiratione 
fntnra sciyi, sed ne mea sponte regnnm inter vos affectasse vi- 
derer, et nt maior vobis fides fieret divinitns haec omnia e venire, 



^) Die folgende Reflexion wieder ganz nach H. Dorp. 

*) Vergl. zum Folgenden Job. Fabricius Bolandus Bl. Ol. 
JLuch Job. KlopiiTs a a. 0. S. 112 sagt ans, als Johann von Dnsentschuer 
zum König ausgerufen wurde, „hab er sich des unwürdig gcacht; aber so 
der prophet das van Götz wegen gesagt hette, so muste er Gott gehorsam 
sein/ — L. Hortensius legt Johann den Aeltesten gegenüber die Worte 
in den Mund: „Etsi ad iUud fastigium invitus a Deo vocor, ut, si optio 
•detur, malim subulcum aut agasonem agere, quamvis restitans tamen et 
quasi manu conserta ad regnum Sionis ineundum trahor.** In ähnlicher 
Weise läfst H. Gresbeck S. 83 den König zum Volke reden: „Ick wolde 
vil lieber sein ein verkens herde und wolde viel liever die ploich holden 
•ofte graven, dan ick so ein konigh solde sein. Dat ich doin, dat moit ick 
dein, wante Got hoft my dairtho utherkoren.** Nach Beruh. Krechting 
(M. G.-Q. II, 410) bat Johann „den Yader, das er im . . . vemuft und 
^isheit, umb sin volck zu regiren, verleben wolt.** 



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Anno 1534 acta. 637 

per alinm revelanda fnernnt ^ Sic David ex hnmili pastore per 
prophetam Deo inbente rex in Israhel designatns et innnctns 
est. Ita Pater coelestis saepe operatar; cnins voluntati si qnis 
resistit, indignationem divinam in se provocat. Data est igitnr 
nunc mihi in omnes totius orbis nationes potestas et ins gladii 
in terrorem malonun et defensionem bonomm. Nemo itaqne in 
hac sancta civitate flagitiis sese contaminet Patrisque volnntati 
obluctetnr, alioqni sine nlla poenae remissione gladio *ferietnr." »p. 621, 
Popnlns magna cum admiratione qnasi attonitns haec nova atqne 
innsitata aspectat. Inde tacito mnrmere intra se fremit ignotmn 
et peregrinnm hominem regnnm nrbis invadere; maiestatem re- 
giam deiecto legitime magistratn sibi nsnrpare, magnificos bo- 
nores et titnlos mnndiqne pompam contra evangelicam hnmili* 
tatem qnaerere et totins orbis dominationem affoctare non minns 
stnltnm esse et temerarinm, qnam evangelicae professioni ad- 
versnm*. Bex vero haec sentiens minis verbisqne asperrimis 



') Ganz Ähnlich H. Dorp. Damit stimmt die Aussage Johami's 
(bei J. Niesert a.a.O. S. 178 f.) übereio, nach der ihm mehrfach „sein 
geist getaget . . ., er solle ein konig sein over solch volck. Darap er ge- 
andtwort und den Yatter gebedden, dat er solche Tan en wenden woUe. 
dan solde he dem yolcke snlyest solche antzegen, wer schimpflich, nnd 
würden dem keinen glanhen geben. ^ Yorgl. anch Johannas Bekenntnisse 
M. G.-Q. II, 372. Sachlich bleibt Johann auch später in seinem Gespräche 
mit Ant. Gorvin und Joh. Eymeus bei dieser Aussage und fugt hinzu: 
„Offenbarung hab ich in diesem fal nicht gehabt, sondern es sind mir etwa 
gedancken eingefallen, das zu Münster ein König solte erweit werden und 
eben ich solte sein derselbige . . .** Auf die Einrede der Predikanten, Jo- 
hann hätte seine Gedanken als fleischliche verachten müssen, erwidert er: 
„Meine gedancken zwar hab ich hie argwenig gehalten; aber da der Pro- 
phet kam nnd on mein zuthun mich zum König ausrief^ hab ich vermeint, 
es were Gottes wille, und hab gleubt seinem gesandten. Hat er mich be- 
trogen, mag er Terantworten." 

') Quelle ist hier das Bekenntnis Joh. Beckmann's (bei J. Niesert 
a. a. 0. S. 34), dem Kerss. auch die folgenden Worte des Königs entnimmt. 
Danach wurde Johann von Dusentschuer zum König ausgerufen, „wuwall 
de gantze gemejne, dewilen se syne uthwendige pracht gesehen, gemurret. 
De konninck avers hefß: solx mjt draworden gestjUt, oick gesacht: Phj 
jw allen! Wan gj my noch alle wederstonden, woxle ick nichtzmjn aver 
jw und de werlt myt Godt herschen. idt werde oick syn angehaTen kon- 
nynekiyck bestaen bliven.*' Yon einei Opposition der Gemeinde ist sonst 



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638 Anno 1534 acta. 

•et auditoribus horrorem incntientibns ipsos compescnit „Phie,^ 
inquiens, „obmnnnnratisne vos Patris coelestis dispositioni? 
Etiamsi omnes in nnnm conflati mihi restiteritis, nihilominns 
tarnen vobis invitis non solum hnic urbi, sed toti mundo Patre 
sie volente dominabor, menmqne regnnm hie eoeptnm sine inte- 
ritn perseverabit!^ Haec ubi dixisset, magna fit popnli tran- 
qnillitas, nee qnisqnam contra haec regis tonitrna mutire audet. 
Praeterea propheta et reliqui concionatores totum tridumn po- 
pnlnm docent Hieremiam cap. 23^ et Ezechielem cap. 37* de 
hoc popnlo Israelitico deqne hoc rege suo iusto vaticinatos esse, 
ubi quicquid prophetae scribnnt de reliqniis filiomm Israhel 
dispersis atqae de iisdem in nnnm locnm congregandis, de se 
dici interpretantur, et qnicqnid de David rege iusto a Deo exci- 
tando in postremis temporibus dicitur, de hoc suo rege scribi 
populo persuadent. Et 13. capite^ ad Bomanos recitato omnes 
ad obedientiam graviter hortantur^. Ideoque iam ipsum magis 
suspiciunt et venerantur. 

Mox propheta Dusentschuer, et ut regem dominum urbis 
faciat et subditorum animos efifrenes ablatis indumentis et cibis, 
quorum superfluo usu insolescebant, frangat, ne quid illis relin- 
quatur, quo inflati adyersus regem ferociant, in concione publica 
exaltat vocem suam sibique coelitus revelatum esse proclamat: 
Patrem superfluum ciborum et vestimentorum tam mulierum 
quam virorum usum damnare. Quilibet ergo virorum duas 
tantum tunicas, duo caligarum paria, duos thoraces, duo capitis 
tegmina et quatuor indusia, mulier yero duas tunicas, pallam 



nicht die Bede. „Dat gemein volck heft stil geschwegen in der stat,' sagt 
H. Gresbeck S. 82 f. „Der ein heft des geloft und der ander nicht mit 
der oppenbaringe.** Nach J. Kloprifs a.a.O. S. 112 hat ^sich auch die 
gemeind gehorsamlich afschreiben lassen.** 

«) Vers 2—6. — *) Vers 21 ff. — ») Vers 1—7. — *) Johann selbst 
sagt ans (J. Niesert a.a.O. S. 179; vgl. auch M. 6.-Q. II, 372) : »Darup 
hebben die predicanten die schrift undersocht und solchs waer gefunden 
und dem volcke solchs angetzeigt .. .*^ Die von Eerss. aus den Propheten 
angeführten Stellen und auTserdem Hesekiel 30 sind in diesem Zusammen- 
hange auch angezogen in dem Bekenntnisse des Dionjs. Vinne (M. G.-Q. 
n, 277). Aus dem neuen Testamente verweist er auf Matth. 13 (Vers 41). 
Joh. KLoprifs a. a. 0. S. 115 erwähnt noch das 31. Kapitel des Jeremias. 



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Anno 1534 acta. 639 

luiam, dno caligaram paria, qnatnor indnsia, brachialia qnatnor 
et totidem pepla capitis tantnm habebit'; plnra vestimenta 
habentes in commune deferent. Post tertium itaqne diem 83 
*gementibns et bene onnstis plaustris vestes snperfliias yicatim*p. 522. 
collectas ad aedes diaconomm convehnnt. Neqne quisquam pro- 
phetae edicto frandem facere andet. Inde maiorem bnbnlarmn 
suillanunqne camimn partem ex singulis tötins nrbis aedibns 
direptam in communium omnium nsnm, nti popnlo persuadet, 
ad suam anlam rex transfert, quam se redditnrnm in necessi- 
tate pollicetur. Sed pennria inmiinente pennm tarn regis quam 
popnli exhanstnm esse credere oportebat*. 

Ne antem qnis basilicam hnins basilisci progeniem et 
vitam ignoret, paucis eam expediam*. Puella quaedam Adel- 



^) Zu den yerschiedentlichen Verordnungen über die Vereinfachung 
der Kleider und Trachten vergl. oben S. 584 u. 630. Zeitlich lassen sich 
die einzelnen Bestimmungen nach den Quellen nicht auseinander halten. 
Den DusentschuerVhen Befehl erwähnt ausführlich H. Gresbeck S. 96. 
Doch weicht sein Bericht über die Zahl der erlaubten Eleidungsstücke Yon 
dem Eer8s.'s ab. „So solde ein Christen broder/ sagt er, „nicht mehr 
hebben dan einen rock, twe par hosen, twe wemmese und drj hemmede . . • 
So solde ein christlicke suster nicht mehr hebben dan eine fuicke, einen 
rock, einen pels, twe kragen, twe par mouwen, twe par hosen und vehr 
hemede. Wat ein ieder mehr kleider von maus und frowen hedden, die- 
selye meisten sie over geyen." H. Gresbeck beschreibt dann das umfahren 
der Diakone. „So hebben die diacken so viel kleider gekregen von maus 
und frowen kleider, als sie hen fueren konden, dat sie ein huiss vol kleider 
kregen. Dieselve kleider hebben sie gegeven den frembden lueden, die in 
die etat qwamen loupen . . .^ 

^) Auch die Zeit, wann dieses Gebot des Königs erging, läüst sich 
aus den Quellen nicht feststellen. Kerss. schöpft aus dem bisher unge- 
druckten, weiter unten von ihm ausgiebiger benutzten Bekenntnisse des 
Dieners des Malers Ludger to Ring (Orig. im St-A. M.), das aber erst 
vom 23. Dez. 1534 datiert ist. Darin heifst es: „Item der konynck hefft 
umbgefaren und uth idem huse speck genomen. We twe siden hadden, 
helft he de eine genomen, we eine, de helfFte dar von und in sjnen hoff 
gefort; und wan jemantz dat sjne upgegetten, solden se wat wedder halen; 
averst nu se kemen, is des konynges mit den eren upgegetten. Nu will 
he noch ein mal husssokinge don, und so noch jemantz ein stucke hadde, 
wil he ock noch to sick nemen.^ 

^ Von neueren Bearbeitungen des Lebens Johann's v. Leiden s. be- 
sonders den Artikel von B. Rose in der „Allgemeinen EncyklopÄdie" von 



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640 Anno 1534 acta. 

heidis^ nomine a parentibus agricnltnram in praedio qnodam 
Zelekeu Monasteriensis dioecesis exercentibns procreata est, qnod 
qnidem praedium in paroecia Dodorpiana * sub Horstmariano do- 
minio sitnm iure proprietatis et servitntis ad nobilem qnendam 
Godefridnm de Schedelichen pertinebat. Haec cnm fratres so- 
roresqne complures haberet et praerepta a domino iure servi- 
tutis maiore bonorum parte parum commodi ex isto praedio sibi 
speraret, fortunam apud exteras nationes experiri praesidiumque 
yitae suae inter ignotos serviendo sibi quaerere, quam inter suos 
Bordescere miseramque vitam ducere maluit. In Hollandiam ita- 
que profecta forma et corporis habitudine eleganti praetori in 
Greyenhagen cognomento Boekell placere coepit; a quo post 
arctiorem familiaritatem et consuetudinem compressa masculam 
prolem in pago Hagen illi peperit, quem loannem Bokelsonem 
quasi filium istius Boekel appellavit*. Quae ubi libertatem a 



J. S. Ersch und J. G. Graber, 2. Sektion 21. Teil (Leipzig 1812) S. 438 ff. 
und Yon C. A. Cornelius in der ^Allgem. deutschen Biograpliie'' Bd. 3 
(Leipzig 1876) S. 91 ff., sowie die dort angegebene Literatur, zu der noch 
hinzuzufügen ist L. Keller: G. d. W. 

') In Johannas Aussagen sind die DeminutiYformen Aleke und Alit 
angegeben. 

') Darup. So heifst es auch bei Job. Fabricius Bolandus BL !▼: 
„Üt Bathayus pater huic humilis, sie nata Daropo 
E tenui vico Westphala mater erat.' 
Jobann nennt in seinen Aussagen als Geburtsort seiner Mutter nur im 
Allgemeinen das Amt Horstmar. 

^ Im Urteil des Hofes von HoUand vom 6. Okt 1534, abgedruckt 
Yon 0. A. Cornelius in den ,, Abhandlungen der bist Kl. der Kgl. Baye- 
rischen Akad. d. Wissensch.** Bd. 11 Abtlg. 2 (München 1869) S. 79 f., ist 
Johannas yollst&ndiger Name Oude Jan Beuckelsz yan Lejden. In den 
Aussagen bei J. Niese rt a.a.O. S. 174 ist ^syn vader genant Bökel und 
ist ein schulte gewesen bjnnen Sevenhagen." Nach den Aussagen M. G.-Q. 
n, 369 war der Vater »onder schöltet to Soevenbayen by Leiden.* Als 
Geburtsort Johannas geben die Bekenntnisse bei J. Niesert, denen Kerss. 
folgt, das Dorf Hagen, die Bekenntnisse M. G.-Q. IE Leiden selbst an. 
üeber das Geburtsjahr bietet der weiter unten auch yon Kerss. übersetzte 
sogen. Artikelbrief Johannas Aufschlufs. Die Yorschriften siod yom Könige 
am 2. Jan. 1535, „synes olders sefs und twintich, sines rikes 
des ersten jaers,'' erlassen. Danach fiele Johannas Geburt ins Jahr 
1509. Zweimal nennt C. Heresbach (Ausgabe von K. W. Bouterwek S. 15 



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Anno 1534 acta. 641 

Godefrido Schedelichen, domino sno, pecunia redemisset, post 
annos pancos confectis nuptialibos instrumentis facta est legi- 
tima praetoris nxor^ atque aliqnoties ah illo foeta peperit. Hinc 
annis aliqnot ante obsidionem natale solnm et sanguine sihl 
iunctos revisit *, si forte quid dotis nomine ex praedio, ubi nata 
foit, consequi posset. Cum vero inde Leydam rediret, inter 
praedium Zeleken, locum nativitatis, et Dodorpium pagum male 
affecta ad arhorem forte in itinere consedit suhitoque expiravit. 
Cadaver ibi repertum Dodorpium tanquam ad suam paroeciam 
sepeliendum transyehitur. Filius vero natu maior loannes Boe- 
kelson Leydae inter sanguine sibi iunctos educatus legendi scri- 
bendique vemacula saltem promptitudinem atque artem sarcina- 
*toriam didicit*. Hinc robustior aetate factus partim merca-*p. 52a. 



u. 27) Johann einen Jüngling von kanm 26 Jahren. Das Flugblatt „War- 
hafftiger hericht der wunderbarlichen handlnng der Denffer zu Münster' 
(s. P. Bahlmann: Bibl. 1535 Nr. 20 und Nachtr&ge S. 57 f.) hat auf dem 
Titelblatte das Bildnis Johannas mit der Angabe „Etatis 26.' Die Denk- 
münze zur Erinnerung an den endlichen FaU Münsters giebt das Alter des 
Königs auf 25 Jahre an. Von den gefangenen Wiedertäufern sagt J. Elop- 
rifs (bei J. Kiesert a.a.O. S. 134) unbestimmt aus: „Item der kunig 
Johan van Leiden bj nit über xxx jair alt.' Der von J. Niesert 
a.a.O. S. 174 aus einem gleichzeitigen Manuscripte im St.-A. M. richtig 
wiedergegebene Wortlaut aus den Bekenntnissen Johannas, nach dem der- 
selbe, „als er xxx jar alt gewesen,' vier Jahre lang England bereiste, ist 
sonach wohl sicher auf einen Schreibfehler im Manuscript zurückzuführen. 

*) „Und sein vader,' bekennt Johann (bei J. Niesert a.a.O.), „hefft 
ehme tovoren gemaket, dama hefft he syne moder . . . betruvert und ist 
frj gekofft.' Eerss. erwähnt also nicht, dafs Johann im Ehebruch gezeugt 
wurde. „Sine moeder,' so lautet jedoch Johann's Aussage M. G.-Q. II, 369, 
„. . . woende by sinem vader vii iair und gewan by oen disen Johan, die 
wile sin wif noch leif den, und na dode sins wifs leiden hy dis Johans 
moeder to kirchen.' Bei Job. Fabricius Bolandus, der Quelle für 
Herm. Hamelmann S. 1196 ist, heifst es a. a. 0.: 

„üxor erat sterilis, cupidus vir prolis; eo cum 
Consuevit famula perfidus ille sua.' 
Dafs Johann's Vater ein Schneider gewesen sei, ist ein Irrtum Boland's, 
den Hamelmann nachschreibt 

') Die Reise und den Tod der Mutter Johann's berichtet nur Kerss. 

") Johann sagt aus (bei J. Niesert a. a. 0.): „. . . hefft alleine 
schryven und lesen gelert, dama eine schneder gewesen.' Nach Herm. 
Hamelmann wurde der Sohn vom Vater der Schule übergeben, „donec 

17 



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642 Anno 1534 acta. 

tnrae, partim sarcinatoriae exercendae cansa in Angliam pro- 
fectns, nbi quadriennium fere haesit, hinc in Flandriam et Lys- 
bonam peregrinatur, unde Lnbecam. Lejdam reversas invenis ad- 
modnm relictam cninsdam nantae defoncti nxorem dncit, qnae 
Uli duas peperit proles \ ac Leydae in domo tribns arengis seu 
halecibns insignita non ita procul a porta, qua iter est in Greven- 
hagen, commoratnr, canponiam cervisiam yinnmqne vendens 
exercet^ Hie se rythmis vemacnlis componendis ab inennte 
aetate mimm in modum fatigat, unde rythmologns seu rhetori- 
caster in soa lingna habitns est scholamqne in hac arte erigit 
eamqne promptitndinem discipnlos ad se sna levitate allectos 
docet^. Ludos etiam varii generis a se patria lingna compo- 
sitos in theatris et scenis popnlo pnblice, nt moris est in istis 
locis, Incri gratia exMbet, qnibns interdnm Indicra, interdmn 
obscoena et tnrpia, raro vero seria et cum virtnte coninncta ad- 



et grammaticos libros et scripta eleganter legere et intelligere scriberequo 
mediocriter didicisset et prae ingenii acumine quaedam ex Latino sermone 
Qsn quodam citius percepisset, quam scholastici plane addicti et traditi 
Latinis litoris.** Auch als Schneider, fugt Herrn. Hamclmann dann hinzu, 
„laboribus semper, quantum potuit, sufforatur aliquid temporis, quod novis 
libris perlustrandis impenderet^ 

^) Die Zahl seiner in Leiden geborenen Kinder giebt Johann nur in 
den Aussagen bei J. Niesert an. Doch setzt er hier wie auch in seinem 
Bekenntnisse M. G.-Q. II seine Verheiratung seitlich vor seine Reise nach 
Lissabon und Lübeck. 

') „. . . und hebben beer und wyn getappet," heifst es nur in den. 
Aussagen bei J. Niesert. Vgl. C. Ueresbach S. 22, der an Erasmus 
schreibt: „eundem . . . affirmabant . . . alii institorem apud Leydam . . ., 
alii noQyoßoaxoy, nonnulli militem gregarium, verum militasse nunquam 
ipse ab eo postea audivi.'' 

•) lieber die literarischen Vereine der Rederijker in den Niederlanden 
vergl. besonders W. J. A. Jonckbloet: Gesch. der niederländischen Lite- 
ratur; deutsche Ausgabe von W. Berg Bd. 1 (Leipzig 1870) S. 331 ff. und 
J. Schwering: Zur Gesch. des niederländischen u. spanischen Dramas in 
Deutschland (Münster 1895) S. 9 ff. Dafs Johann Mitglied eines solchen 
Vereins war, findet sich bezeugt in dem Bekenntnis Jakob's v. Kämpen, 
der am 17. Mai 1535 aussagt (s. „Abhandlungen d. histor. KL. d. Königl. 
Bayer. Akad.** a. a. 0. S. 98) : „dat hy in voortyden heft gekent Jan Boe- 
kelsz, nu coninck tot Munster, ten tyde als Jan voorsz waerde (waende) 
en rhethorycker was tot Leyden.** 



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Anno 1534 acta. 643 

miscet*. Qnibus rebns ita ingenium sunm exercuit, ita facun- 
diam sermonis illecebris anxit et confirmavit, ita solertiam et 
versutiam miscuit, nt, in quamcnnque partem velit, populnm 
flectere possit. Profecto, monstrum ex virtutibus vitiisqne mix- 
tum diceres^ In sacris etiam literis, maxime biblicis, versatns 



^) Nur von Kerss. überliefert. H. Gresbeck S. 168 berichtet ans, 
wie Johann sp&ter im Dome zu Münster die Erzählung von dem reichen 
Manne und dem armen Lazarus theatralisch zur Aufführung bringen liefs. 
Vgl. auch J. Schwering a.a.O. S. 18 f. 

') Yon den Zeitgenossen sind uns nur sehr wenige allgemeine Cha- 
rakterisierungen der Persönlichkeit Johann's v. Leiden überliefert. Das 
Flugblatt „Der gantze handel und geschieht'' Bl. A 2 nennt ihn „von an- 
gesicht, Icbfsen, vernunfft, gespräch, stoltzigkeyt, beben- 
digkeyt, künen thaten und anschlegen ausbündig, edel und 
wolgeschickt.^ Diese Charakteristik ist von Sebastian Franck in 
seine Chronik übernommen worden. — Ant. Corvin schreibt an G. Spalatin 
über Johann (Bl. A4): „Fuit enim in excogitandis iis, quae regalem hanc 
pompam decebant, mirus artifex; ad haec in patria lingua facundus, 
subdolus, fraudulentus et versipellis.^ Bei Erwähnung seines 
Gespräches mit B. Knipperdolling und B. Erechting fügt er Bl. B4 über 
diese hinzu: „, . , neque calliditate neque facundia regi pares 
fuere.** — C. Heresbach S. 15 schildert ihn als einen Jüngling 
„vafri ingenii, oris et spiritus gratiae plurimum confidens 
et ad res novas ingenio apposito, caeterum indoctus . . .'^ 
„Qui cum tragico hoc rege," schreibt Heresbach S. 22 weiter, „dum adhuc 
loannes Leydensis esset vestiarius et scurra vaferrimus, consuetudincm 
habuerunt, eundem ad comminiscendas imposturas mirum arti- 
ficem ac veluti natum affirmabant." — H. Bullinger: Der 
Widertäuffer Ursprung . . . (Zürich 1560) S. 52 fafst das Urteil über Johann 
in die Worte zusammen, er war „scharpffsinnig, wol beredt und 
zimlich beläsen, darzu ser geschwind und listig, auch fast 
fräfen, doch wunderbarlich glychfsnerisch und anhärig.** 
Auch L. Horten si US S. 26 f. sagt: „Indoles fuisse videtur plane illibe- 
ralis, inverecunda, audax, potentiae avida et in libidincm prona. Ad ea 
accessit ingenium subdolum ad simulandum et dissimulandum quidlibet 
promptum, beluina item ferocitas in eos, in quos Imperium esset, si pec- 
catum admissum fuisset. Quae omnia vitia authoritas crcditi spiritus pro- 
phetici et reverentia facile celabat." — Der äufsercn Gestalt Johann's 
widmet Joh. Fabricins Bolandus einige Verse (Bl. !▼), nach denen 
H. Hamelmann S. 1196 berichtet. Uebcr bildliche Darstellungen Johann's 
in Kupferstichen, Gemälden und auf Münzen, besonders über die Kupfer 
H. Aldegrever's, mit Angabe der einschlägigen Literatur handelte neuer- 
dings J.B. Nord ho ff in den „Bonner Jahrbüchern'' Heft 96u.97 (Bonn 

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644 Anno 1534 acta. 

est, quas, qno ille velit, pro sna libidine deto^q^let^ Omnis 
levitatis lasciviaeque magister est. Adolescentes adolescentülasqne 
promiscue receptat lenociniumqne clanculum facit. Hnc petnlci 
adolescentes coennt, hie noctes diesque potitant, hie crapnlantur, 
hie helluantur, hie scortantur, hie Insitant, hie fidibns aliisque 
mnsicis instrnmentis eanimt, hie facnltates snas profnndnni 
Interdnm tarnen sareinatoriam vel animi gratia yel honesti opi- 
ficii praeteztn nsnrpat. Hinc hnius yitae ant pertaesns ant 
splendidiora affeetans, cnm insignes verbi divlni concionatores 
Monasterii esse intelligeret, clam ab more sua divertit et di- 
scendi aviditate illeetus circa festnm-Pentecostes anni 1533 eo 
secessit atqne Hennanni Bameri, civis, hospitio ad festom lacobi 
nsns est^ Eine explorandae religionis cansa Osnabnrgam pro- 



1895) S. 320 ff. Er weist anf die zahheichen in den Niederlanden verfer- 
tigten Portraits der Häupter der Münsterschen Wiedertäufer hin. Ygl. auch 
über 2wei in Schwerin befindliche Bildnisse des Königs und der Königin 
(von Fr. Floris? oder von Herrn, to Ring?) F. Schlie: Beschreibendes Ver- 
zeichnis der Werke älterer Meister in der Grofsherzogl. Gemälde-Gallerie 
zu Schwerin (Schwerin 1882) S. 524 ff. Die Bildnisse sind wiedergegeben 
im „Deutschen Hausschatz'' Jahrg. 19 (Begensburg 1893) S. 468 f. 

^) „DerKunig," bekennt Job. KlopriTs (J. Niesert: Ü.-S. I. S. 134), 
„sj ... eins grcifsen Verstands in der hilligen schrifft, auch 
einer solchen wolsprechenheit, das er damit das volk be- 
wegt, ime anzuhangen." Aehnlich sagt er (a.a.O. S. 128) aus: „Und 
dweill er dan uss deme wort Götz wunderlige dinge kunt sagen, so bewegt 
er das volck damit, das sie imc geneigt und anhengig worden.'' 

') Hier und Im Folgenden wiederholt und vervollständigt Kerss. in 
engem Anschlüsse an Johannas Bekenntnisse bei J. Niesert S. 175 seinen 
schon oben S. 412 f. gegebenen Bericht. In seinen Aussagen M. G.-Q. II, 
369 f. berührt Johann seinen Aufenthalt in Osnabrück, Schöppingen und 
Coesfeld nicht, führt aber als Grund seiner Reise nach Münster an: „. . . so 
hy . . . an siner kopmanschaft verlaeren hadde, wolde hj na Munster reisen. 
Dair innen oen sine huisfrouw wederde, seggen : „wilt ghy noch meher ver- 
teren ? ghy en hebben doch genoech an uwcr kopmanschaft verlaeren !* Is 
aver buiten oeren willen dair hinnen gereist^ so hy huerden, dat wort Götz 
dair selfs am heisstcn und beisten gepredigt werde. Aver doe noch niet 
weder doept." — Die erste Anwesenheit Johann's in Münster erwähnt kurz 
auch Job. Kloprifs a.a.O. S. 128. C. Heresbach S. 22 berichtet, dafs er 
Johann zur Auskunft, „quo pacto spiritu ac visu admonitus Monasterium 
petiisset,^ habe erklären hören: „hie coelestem Hierosolymam ftitnram 
scque illic mira praestiturum." 



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Anno 1534 acta. 645 

fectos, nnde propter anabaptismnm, qnem palam serere coepit, 
profligatas est, inde Schoppingam; nbi cnm dies aliqnot in aedi- 
bns Henrici Erechtingi, *gogravii, eadem fece anabaptistica pol-*p. 524. 
Inti haereret, snggestione Spiritus nocte raptus est ad lectnm 
famnlae aegrotantis, nt eam suis pharmacis et sno baptizandi 
ritu cnraret*. Hinc Coesfeldiam, inde Monasterinm regressns. 
Tandem circa festam Omnimn Sanctonim^ in patriam snam 
rediit ibiqne cnm Matthissone de paedobaptismo egit et retinc- 
tns est mansitqne in patria ad festnm nativitatis Christi Inde 
cnm Gerardo thom Kloester itineris comite Breylam, Eotero- 
damnm, Amstelrodamnm, Enckhnsiam, Alckmariam et alia loca 
in transcnrsn simnl peragrabant rebaptizantes qnosvis obvios^ 
Hinc Lejdam reversi sunt, nbi non ultra tridunm haerentes 
Monasterinm ad 13. diem lanuarii anni 1534 redierunt^ et a 
Enipperdollingo hospitio excepti conyenticula cum Henrico Bollio 
aliisque eiusdem farinae concionatoribus creberrima et fere quo- 
tidiana egerunt. Consnltationis suae decreta ecclesiastae in yulgus 
spargunt^ eoque rem deducunt, ut totam civitatem fere demen- 
tent et ex stnltis insanos faciant Boekelsonem creantes regem. 



*) Vgl. die schon oben S. 509 Anm. mitgeteilte SteUe aus dem Be- 
kenntnisse Johann's. Die Worte sind in der Wiedergabe der Aussagen bei 
J. Niesert fortgelassen und von C. A. Cornelius M. G.-Q. II, 417 f. 
nachgetragen. Auch C. Heresbach S. 22 erw&hnt diese Begebenheit. 
Er hat sie aus dem Munde des gefangenen Königs erfahren. 

*) 1. Nov. — ') Kerss. folgt auch hier weiter den Bekenntnissen 
Johannas bei J. Nies ert, die im Ganzen mit denen in den M. G.-Q. über- 
einstimmen. Nur in der Angabe der Zahl der an den einzelnen Orten 
Wiedergetauften weichen die YerhörsprotokoUe von einander ab. Auch giebt 
das in den M. G.-Q. mehr Namen. Zwischen den Aufenthalt in Rotterdam 
und den in Amsterdam fällt eine nochmalige Anwesenheit Johann's in 
Leiden, während welcher Johann u. A. seine Frau wiedertaufte. — Das 
„Urteil des Hofes von Holland« a. a. 0. S. 79 sagt über Johann: «... dat 
deselve deffaiUant zeer besmet was van den Lutersse ende Melciorite secte, 
welcke secte hy gesajt ende geleert hadde binnen der stede 
van Lejden diversche persoonen hardoopende vel luyden 
binnen zjnen hujse . . .* 

*) Hier giebt Kerss. richtig Gert tom aoister als Reisegenossen Jo- 
hann's an, w&hrend er oben S. 478 f&lschlich Jan Matihys als solchen nannte. 

») Gemeint sind die oben S. 448 Anm. erwähnten Artikel der Wieder- 
täufer. 



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646 Anno 1534 acta. 

Eeliquerat hie Boekelson nxorem snam in patria vaferri- 
mam, qnae eadem fece contaminata, qua maritns, mnltos ibi 
blandiloquentia sua clancnlum seduxerat. Sed prinsquam Mona- 
sterinm obsidione solntnm esset, a magistratu Lejdano appre- 
hensa temerarii schismatis poenas gladio pendit^. Fratrem ha- 
bnit, quem secum in urbem abduxit*. Soror vero consuli Ley- 
dano nnpsit; cui cum fortuna novercaretur, locum commutavit; 
nee tarnen id multum profuit, nam inops, ut dicitur, anno, ut 
opinor, 1568 e vivis excessit. 

Ita regiam maiestatem per Warendorpensis prophetae som- 
nium consecutus palatinos vel palatii sui ministros seu aulicos 
se dignos, hoc est sceleratissimos quosque, sibi deligit, maxime 
vero eos, quorum coUusione ad hoc honoris fastigium emersit. 
Principio itaque, ut suo hospiti in primis gratificaretur et sub- 
ditorum rationem habeat, si regno aucto et düatato omnibus 
oneribus solus superesse non possit, KnipperdoUingo vicariam 
operam et fiduciariam regni administrationem se absente vel 
occupato committit^. Bernardus Bothmannus, omnis motus 



*) Yon den wiedertauferischen Unruhen in Leiden im Januar 1535 
berichtet auch L. Hortensius S. 53. Yergl. dazu C. A. Cornelius in 
den »Abhandlungen d. Kgl. Bayer. Akad. d. Wissensch." bist Kl. Bd. 11 
Abtlg. 2 (München 1869) S. 66 f. u. 88, wo es in einem Briefe des Reynier 
Brunt an den Grafen von Hoichstraten vom 27. Januar 1535 heifst : ,Vaii 
Dordrecht heb ic meester Vincent up eergister doen advertem van de ver- 
gaderinge tot Leyden van den anabaptisten ten huyse van den pre- 
tense coninck van Sion, die welcke, nae sy langen tyt resistencie 
gedaen hadden, in vangenisse gebrocht syn tot in getal van 19 of iiO per- 
sonen, soe vrouwen als mannen, daer desselfs conincx huysvroe 
een of es . ,.** 

•) Einen Bruder Johann's finde ich in den Quellen nur einmal er- 
wähnt. Job. Kloprifs sagt aus (J. Niese rt a.a.O. S. 128), „der kunig 
hab vom stürme prophetiert, defsgeleicben auch, das sein broder mit 
Enipperdollings dochter sulle verhillicht werden." 

■) Die Einrichtung des Hofstaates sowie die Ernennung der könig- 
lichen Beamten und Diener ist nach dem Bekenntnisse des Job. Eloprils 
a.a.O. S. 113 und nach H. Gresbcck S. 85 durch Rothmann aus einem 
Register dem Volke verkündigt worden. Die im Folgenden von Kerss. ge- 
gebenen Namen und Amtsbezeichnungen finden sich mit wenigen Ausnah- 
men wieder in der in hochdeutscher Sprache gedruckten, bei Weitem voU- 
st&ndigeren „Des Münsterischen Königes Johann von Leden Hoffordming,^ 



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Anno 1534 acta. 647 

auctor, coryphaeus et summus concionator, fit nunc orator re- 
giu8^ *Begi a consiliis quatuor: Gerardus tznm Kloester, Ber-*p, 
nardus Krechtingus, pastor Gilthusianns, Henricns Eedeker, 
pellio, Gerardus Eeyninck, mercator *; quibus postea Christianum 
Eerckringnm patricinm praeficlt tanquam dissentientium senten- 
tiarnm sequestrum *. Andreas Coesfeldianns censor morum*. 
Hermannus Tylbech, patricius, praefectus praetorio, quem alii 
praefectum palatii seu aulae magistmm appellant^. Henricns 
Krechtingus, gogravius Schoppinganus, archigrammateus ^ Joannes 



einem Fingblatte, das 1535 zugleich mit einem Berichte Hermann's v. Men- 
gerssen über die Eroberung Münsters veröffentlicht wurde (Neudruck nach 
einer Handschrift in niederdeutscher Sprache im Altertumsvereine zu Münster 
in der Zeitschr. 16 [1855] S. 358 ff.; vgl. auch P. Bahlmann: Bibl. 1535 
Nr. 17). In niederdeutscher Sprache ist uns diese „Hofordnung'' noch er- 
halten im „Cod. ms. bist. 657* (Mss. Zwichemiana) Bd. 8 der Üniv.-Bibl. 
zu Göttingen. In den Noten habe ich auch dieses gleichzeitige Manuscript 
berücksichtigt. — Die „Hof Ordnung" kennt das erst im Frühjahr 1535 ein- 
gerichtete Amt der Herzöge noch nicht. Andererseits aber führt sie in 
einem Anhange die Namen von sechzehn Frauen Johannas auf. Da aber 
die Aussagen der im October 1584 entsendeten wiedertäuferischen Apostel 
von höchstens sechs Frauen Johann's sprechen (Genaueres darüber s. weiter 
unten), so können die Angaben der Hofordnung nicht unbedingte Geltung 
haben für die Zeit der Errichtung des Königtums, sondern erst für die Zeit 
zwischen dem November 1534 und dem Mai 1535. 

') „Waner," bemerkt H. Gresbeck S. 93, „dat dair was tho sagen, 
dair dem konninck macht an lagh, so plagh Stutenbcmt dat wort tho dein. 
Der was des konnincks advocat ofte sein worthelder." 

') So auch die „Hof Ordnung". Dieselben königlichen Räte nennt 
Herm. Regewart in seinen Aussagen vom 3. Dez. 1534 (J. Niesert: Ü.-S. 

I. S. 28), nur hat er nicht den Namen Gert's tom Cloister, sondern sagt: 
„Her Gerdt, ertydes capellaen to Deventer." Job. Beckmann giebt (M. G.-Q. 

II, 411) an letzter Stelle unbestimmt „Herman of Gert Reininck" an. 
Dionys. Vinne (M. G.-Q. II, 276), der wieder Gert Reineken nennt, führt 
statt des Gert tom Cloister Rothmann als einen der Räte auf, H. Dorp 
Bl. F !▼ einen Geistlichen Joannes Daventriae, L. Horten sius S. 32 einen 
„Gerardum, compaginatorem librarium SuoUanum." 

*) Die „Hofordnung" führt Christian Kerkerinck als einen unter den 
fünf königlichen Bauherren auf. B. Krechting sagt am 25. Juli 1535 aus 
(J. Niesert a. a. 0. S. 194): „Kcrsten Kerckerinck sy visscher und grever- 
meister gewesen." 

*) Zuchtmeister. — *) Hofmeister. — *) Kanzler. 



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648 Anno 1534 acta. 

Pnchmannns regi a secretis K Bemardns Zwollanns arcMmagiros ^ 
Gerardns Kibbenbrock praegnstator*. Eberardns Beymensnider 
strnctor*. Gwalterus Schemmeringk regi a pocnlis*. Gerardns 
Bonnensis pylorns •. Joannes Snttorpe et Hupertns Knpperschleger 
cnbicnlarii ^. Christophorns Waldegk, episcopi filins, qni rernm 
bellicamm ignarns per imprndentiam e castris propins ad nrbem 
accedens ab oppidanis ernptionem facientibns captns et in nrbem 
ad regem dnctns est, ob liberaliorem formam, qnam prae se 
ferebat, factus est somatophylax» regins®. Caspar Wynschenck 
hemerodromns ^. loannes Cnlmannns ostiarins ^". Lnbbertns 
Haverhoven coqnns. Henricus Deckeninck promns ' K Lnbbertns 
Oestermannns organicen. Habebat enim rex organnm in aedibns 
snis parvnm qnidem, sed tanta fistnlamm omnis generis copia 
refertnm, nt vocnm varietate, sonornm snavitate et singnlari 
artificio cnm maximo etiam certare possit; hoc se snosqne anlicos 

>) Ms,: somotophilax. 



') Im alten Druck der „Hof Ordnung'': „Ca aper Puthman, secretarius.'* 
Doch hat das Göttinger Mannscript den Yomamen Johann, der Nendrack 
Jasper Puchmann. — *) Küchenmeister. 

^) Kredenzmeister. Dionys. Vinne sagt (M. G.-Q. II, 276): „Kipen- 
broick kockemester sins achtens.** H. Dorp fuhrt a.a.O. G. Kibbenbroiek 
ebenfalls als „Credentzer" auf. — *) Vorschneider. So auch H. Dorp. 

*) So auch der alte Druck. Im Göttinger Mscr. heifst er Woltor 
Schemelick, im Neudruck Wolter Schenkingh, bei H. Dorp Walter von 
Schoppingen. -— ®) Thorwärter. — "') Beide fehlen in der ^Hofordnung.** 

^) „Mins g. h. son ist des konninges kemmerlingk,** sagt Dionys. 
Vinne im October 1584 aus (M. G.-Q. II, 276). Ebenso heifst es in dem 
auf die Aussagen der Münsterschen Apostel zurückgehenden Berichte der 
„Newen zeitung»* (Zeitschr. 27 [1867] S. 257), wo von den zwei Knaben 
die Rede ist, die den König begleiten, wenn er in seiner Majestät in der 
Stadt umreitet (vgl. weiter unten): „der knaben einer ist meins g. h. von 
Münster son, der ist dar inne gefangen und wartet auf des königes leib 
in der kamer.** S. auch L. Horten«ius S. 33. Nach einem Briefe Ju- 
stinian^s von Holtzhausen an den Rat der Stadt Frankfurt a. M. vom 8. Juni 
1535 ist Christoph v. Waldeck am 2. Juni aus der Stadt entronnen (M. G.-Q. 
II, 351). S. auch J. Niesert: Ü.-S. II. S. 500. Danach ist die Angabe 
bei Job. Fabricius Bolandus Bl. V 7 zu verwerfen, der dem Bischof 
seinen Sohn durch H. Graes (Januar 1535) wieder zugeführt werden läfst. 
— Nur der Neudruck der „Hofordnung" nennt den jungen Waldeck. 

») Lakai. — >•) Pförtner. — ") Slueter = Ausgeber. 



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Anno 1534 acta. 649 

singnlis fere diebns in tnrba reginarnm et pellicnm choreas dn- 
cens oblectat^ Joannes Bnsschodncensis pyropaens ^. "Satellites *p. 526. 
regia 28: Gerardns Aldenzeell, Henricns Santensis, Hermannns 
Bilderbeck, Emestns Dammensis, Georgins Fromme, Egbertns 
Scharlaken, Henricns Osnabnrgensis, loannes Brinck, Petms 
Bevens \ Bemardns Olieschleger, Adrianns Traiectensis, Gerardns 
Schelve, Tnrban Bjll^, loannes Langstrate, Hermannns a Wnllen, 
Theodoricns Dnsseldorp^, loannes Schnren*, Infans Agrippinas, 
loannes Bispinck, Qnirinns Aqnensis, loannes Yoess, Engelbertns 
Edinck, Antonius Velthness, lacobns Aldenzeell, Hermannns Kiste- 
maker, Otto Belholt*, Bemardns Wichardes, loannes Grevoni- 
ensis. Nilandns Enipperdollingo snccessit factnsqne est ensiger 
iisdemqne ministris, qnibns Enipperdollingns antea, usus est^. 
loannes Eerkringns, nothns, in re militari exercitatissimns, fit 
architectns, qni cum Gerardo Mackenburgo, loanne Daventriaco 
ac Antonio Grotevadero, coUegis suis, magnam operariomm ca- 
tervam regit ^ Oenoprostatae® dno: loannes Ossenbecke, loannes 
Salwide. Creopolii praefecti® 2: Bemardns Boentmpp, Gerardns 
Pmesse. Fmmenti praesides 2^®: Hermannns Eeyninck, Ber- 
nardns Menneken, qni etiam aromatnm et placentamm cnsto- 
diam habet. Hanso Borstel anrifaber. Bemardns Bnschius mone- 
tarins. Winoldns N. tonsor. Hermannns Glade pistor. loannes 



^) Auch Bernh. Erechtiiig erwähnt den Organisten des Königs, indem 
er am 25. Juli 1535 aussagt (J. Niesert: Ü.-S. 1 S. 195): ^ümb die 4 
weche hebben se eine dans geholden uth des konigs bevelch, und ist einer 
dar bjnnen gewesen mit namen Lutgerus, hefPt dem konigo up dem ergein 
gespilf „So hadde,** berichtet H. Gresbeck S. 103, „der konnick sein 
Organist und hadde ein postif in seinen huifs; derselve spielden dair 
weilen dat sie etten." 

*) In der „Hof Ordnung": „Johan van dem ßussche fuerboeter." 

•) Fehlt in der „Hofordnung**, in der ein Peter Bruins als einer 
unter den sechs „Ausreutem oder Feltschützen** genannt wird. Im Neudruck 
heifst er Peter Brunsinck. — *) In der „Hofordnung" ürban Bilde. 

*) Fehlt in der „Hofordnung." 

*) Vgl. oben S. 574 u. 583. Niland ist in der „Hofordnung" nicht 
erwähnt. Kerss. nennt ihn weiter unten nochmals. 

^) Als fünften unter den Bauherren fuhrt, wie schon oben gesagt, 
die „Hofordnung" Christian Kerkerinck an. 

•) Weinherren. — •) Fleischherren. — ■*) Over dat kom. 



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650 Anno 1534 acta. 

Coesfeldianus ephippiopaeus ^ Henricus Leodins sarcinator. Her- 
mannns Hagedorn piscator. Tabellarii duo: Goswinns Glasemaker, 
Henricus Oldenzeel*. 
*p. 527. *Officiorum, qnae ad militiam pertinent, distribntio': 

Omnis regiae primarii praefecti * Gerlacus a Wallen, Lambertus 
Leodius, nobiles. Joannes Kursener, pellio, magister eqnitmn*: 
Conradns Kruesse totius pedestris exercitus praccipuus dui*; 
Infans Aldenzelanns, Joannes luliacus, Christophorus SchonhoflF 
signlferi 3^; Nequam Mulhemicus dnctor praecipui exercitns, 
Speius ductor gregariorum®; Arnoldus Aldenbnrgicns dux cnr- 
sorum; Henricus Xantes, loannes Middelburgus armonim prae- 
fecti 2^; Gerardus Marcoduranus, Caspar Bornemannus aciei in- 
structores 2*"; Hermannus Marcoduranus tympanista*^ 

His reliquisque officiis, quae brevitatls causa prudens 
omitto**, non allter regiam suam exomat, ac si regia stirpe 



') Sattelraacher. — *) In der „Hofordnung" ist der letzte der beiden 
Boten Hermann von Oldensell. — ') Vgl. dazu H. Gresbeck S. 84 f. u. 
122. — *) Feldherren. — *) Rittemeister. — *) Oberste Hauptman. 

^) Der Letztere fehlt in der „Hof Ordnung." 

®) Im alten Druck der „Hof Ordnung"; „Schaep von Melven fürer 
bey dem gewaltigen hauffen, Spe Für er bey dem vorloren hauffen." Im 
Göttinger Mscr. : „Schaep van Molven furerer by dem weidigen hoep, 
Spe by den vorlaren hoep furerer." Im Neudruck: „Schapp von 
Melven forehr . . . Spe f or ehr." Offenbar ist hier das Amt der Furiere 
gemeint, nicht, wie Kerss. irrtümlich übersetzt, das der Führer. 

*) Heinrich Sanctus und Johan Middebroch nennt auch der alte 
Druck der „Hofordnung" als Rüstmeister. Im Göttinger Mscr. heilst es: 
„Henrich Sanctus, Johan Muderwerth Rustmester," im Neudruck: „Hin- 
rick Xanctus, Johan Mudelborgh." 

^°) Im alten Druck: „Gerdt von Duiren Weweler bey dem gewei- 
tigen hauffen, Casper Bornman Weweler bey dem verloren hauffen." Der 
Neudruck führt Gerdt van Düren und Jaspar Bordemann, das Göttinger 
Mscr. nur Gerdt van Düren an. 

") Fehlt in der „Hofordnung." — '*) Die „Hofordnung" fuhrt neben 
Pfeifern und Trommelschlägern noch namentlich an : 1 Holzförster, 2 Bier- 
und Brodherren, 2 Wollherren, 2 Büchsenmeister, 1 Futtermeister, 1 Stall- 
meister, 4 Büchsenschützen, 1 Buttermeister, 1 Thorhüter, 1 Vogt, 2 Turm- 
hüter, 1 Schuster, 2 Kleinschmiede (Göttinger Mscr. u. Neudruck: „klcin- 
snider"), 1 Glasmacher, 5 Schmiede, 5 Maurermeister (Göttinger Mscr.: 
„muntemester"), 5 Zimmermeister, 5 Wallmeister, 2 über die fette Kost^ 



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Anno 1534 acta. 651 

procreatns, regiis moribtfs Imbntns ac inter principes ab inen- 
nabnlis edncatns esset K Interea dnm haec officiomm fit distri- 
bntio, nt et enm, qnem ministromm tnrba fingebat, yestitn et 
corporis omamentis exprimeret, dnas Coronas ex anro pnrissimo 
falgentibns gemmis per certa Intervalla distinctis sibi fieri inssit, 
qnamm altera tnrricnlis qnibnsdam more regio ednctis, altera 
yero praeter tnrricnlas istas crncem qnoqne ex anreis laminis 
snpra capitis verticem gestans maiori artificio more imperatorio 
ita elaborata est, nt materiam opns fere snperet', nnde non 



2 Aasteiler des Gewandes, 1 Gewandverschaffer (das Göttinger Mscr. nnd 
der Neudruck nennen zwei mit dem Amte „dat want to schaffen,'' und 
zwar neben Magnus Koehues noch Clawes Stripe), 2 Austeiler des Holzes 
und 2 Gastmeister. Ob die angeführten Handwerker nur für den Bedarf 
des Königs und seines Hofes arbeiteten, oder auch für sämtliche Einwohner 
der Stadt, läfst sich aus den Quellen nicht entnehmen. Wir wissen nur, 
dafs um Geld und Lohn nicht gearbeitet werden durfte. „In Munster sie 
alle dingk gemein," heifst es im Bekenntnis des Joh. Kloprifs (J. Nies er t: 
U.-S. I. S. 126), „und treiben nit destoweniger ire hanntwerke, aber alles 
um nicht z.** „. . . arbeiden um gelt,** sagt Rothmann in der „Bestitution** 
S. 71, „. . . is in krafft der leiffden und gemeinschap bj uns gantz ge- 
yallen . . ." 

') So schreibt auch A. Corvin anG. Spalatin Bl. A4: „Aulam 
praefecturis ac ofüciis ita instituerat, ut, si natus rex fuisset, prudentius 
non potuerit." 

*) Diese genauere Beschreibung der zwei Kronen des Königs giebt 
nur Kerss. Von zwei Kronen, jedoch für den König und die Königin, be- 
richtet unter den gleichzeitigen Quellen das Flugblatt vom Jahre 1535 
„Newe Zeytung die Wiederteuffer zu Münster belangende" (s. P. Bahl- 
mann: Bibl. 1535 Nr. 9) Bl. A2^: „Hatt lassen von Ducaten gold zwo 
Kronen machen, ihm und seiner Kunigin, alle mal drey kronn auff 
einander." Eine andere „Newe zeitung" (zuletzt abgedr. in der Ztschr. 
27 [1867] S. 255 ff.; s. P. Bahlmann a.a.O. 1535 Nr. 11), die zum Teü 
auf die Aussagen des Heinrich Graefs zurückgeht, führt unter den Insignien 
des Königs Bl. A2^ u. a. eine „dreyfeltige krön, seer köstlich gemacht 
Yon ducaten gold . . . und darauff köstlich geschmnck** an und fugt hinzu: 
„Der gleichen helt sich auch die königen.^ Die Krone der Kö- 
nigin speziell erwähnt noch H. Gresbeck S. 109 bei Gelegenheit des 
Abendmahles auf dem Berge Zion und weiter L. Hertens ius S. 44. Auch 
nach H. Dorp Bl. F !▼ „lest sich der König zwo gülden krönen vom aUer 
besten golde machen." Endlich spricht noch D. Lilie S. 234 von „twe 
golden krönen, de eine noch kosüikor, als de anderen." Sonst finde ich 



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652 Anno 1534 acta. 

solnm regnum aat partem aliquam mnndi, yernm etiam totins 
orbis Imperium et monarchiam se consecntunmi animo concepit. 
Torqnis gemmatns, cni aureus mediocris magnitudinis glo- 
bus mundi formam repraesentans adhaeret, duobus gladiis trans- 
versis, altero aureo, aJtero vero argenteo, transfiius a collo de- 
pendet. Inter capulos vero gladiorum in suprema globi super- 
ficie crux aurea posita fuit, cui haec verba inscripta fuenmt: 
"p. 528. „Ein koninck der gerechticheit *uber all," vel: unus rex iusti- 
tiae super omnia^; unde non obscure se mundi dominum esse 



stets nur eine Krone des Königs erwähnt Sie war nach Angabe H. Gres- 
beck's 8. 108 „twe hant briet hoich.^^ L. Hortensins S. 33 hat die 
Notiz: „Corona ex puro et obrizo triplex gemmis et signis mirandom in 
modum affabre facta." Auf die Frage, wie der König gehe, antwortete 
Herrn. Regewart im Verhör (s. J. Niesert: Ü.-S. I. S. 28) u. A., der 
König habe „eynen swarten hoeth myt eyner gülden krönen upgehatt." 
Von der Krone auf dem schwarzen Hute spricht auch Dietrich von 
Hamburg Bl. A3. — „De kröne und ander zirait," sagt Dionys. Vinne 
aus (M. G.-Q. n, 277), „ist dorch de goltsmede gemaket." Die königliche 
Krone wurde, wie Kerss. weiter unten berichtet, nach der Einnahme der 
Stadt zugleich mit dem Schwerte und den goldenen Sporen Johannas dem 
Bischöfe von Wilkin Steding überliefert. — üeber den Prunk des Königs 
und seines Hofes vgl. auch J. B. Nord ho ff in den „Bonner Jahrbüchern'^ 
Heft 96 u. 97 (Bonn 1895) S. 323 ff. 

') Diese Kette des Königs ist mehrfach in den Quellen genauer be- 
schrieben. Kerss.'s Worte stimmen mit der Schilderung überein, welche 
die „Newe zeitung'* (in der Zeitschr. 27 S. 257) giebt, in der es heifst, 
der König hatte „ein gülden ketten mit eddelm gesteyn, der weit figur, 
mit einem gülden schwert und mit eim silbern durchstochen, mitten auff 
dem apffel ein gülden kreutzlin, darauff geschriben: ein König der gerech- 
tigkeit über die weit." Nach dem Berichte des The od. Fabricius, der 
im Auftrage des hessischen Landgrafen u. A. im Nov. 1534 mit Johann 
v. Leiden in Münster persönlich unterhandelte, ging dem Könige „ein gülden 
ketten doppcl nmb den hals" (s. die „Mitteilungen aus dem germanisch. 
Nationalmuseum" Bd. 2 [Nürnberg 1889] S. 100). Ebenso sagt Dietrich 
von Hamburg Bl. A3 von der Kette: „die geet zw ei facht umb den 
hals." Auch H. Dorp a.a.O. nennt „ein gülden omament umb den hals, 
mit einem kostlichen blauen und edeln gestein, darauff die weit mit zweien 
schwerten durchstochen gemacht war." Vgl. auch L. Hortensius S. 33. 
Ausführlicher ist wieder der Bericht H. Gresbeck's S. 87: „So hadde 
.der konningk ein gülden ketten. In derselven ketten dair hadde hei innen 
Jiangen die werlt glick als sein wapen, mit einen gülden runden appel. 



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Anno 1534 acta. 653 

significavit *. Nee hoc sibi satis esse putavit, nisi etiam magni 
ponderis catenae diversis gemmis fulgentes in multiplices orbes 
conyolutae scapnlas ambirent'. Yaginam gladii militaris plane 
anream lateri et ex eodem metallo calcaria facta pedibns accom- 
modat et aptat. Sceptrum regium tribns circnlis aureis ambitur 
praeter annulos variis gemmis micantes, quibus regii digiti ex- 
omati riguerunt*. Signatorium etiam annnlum pondere viginti 



und derselve appel was ein blae sprincklick oder bunt appel, und der stein 
was grae . . . Und derselve stein was nmbher befatet, glick als man plecht 
die werlt tho malen, mit golden, und boven np dem appel ein gülden 
crentze, und mit twe gülden schwerde doer stecken. Dieselve kette plach 
der konigh in dem halfs tho dragen.^^ — Mit einer kunstvollen Kette ist 
Johann sowohl auf den H. Aldegrever'schen Stichen wie auch auf dem Ge- 
mälde in Schwerin angethan. Dafs die wiederholt in Münster ausgestellten 
Wiedert&uferketten im Besitze der Familien v. Heereman und v. Merveldt 
„der n&heren Beweise der Echtheit entbehren,^* hat schon J.B. Nordhoff 
a. a. 0. S. 326 bemerkt. „Selbst das Merveldter Exemplar," fährt er fort, 
„welches bestimmter für die Königskette ausgegeben wird, pafst mit den 
kleinen Gliedern und der schlichten Arbeit überhaupt weder zu den in 
Aldegrever^s Wiedertäufer-Stichen dargestellten Ketten, noch zu den son- 
stigen Prunkstücken des Hofes . . ,^ 

*) So sagt Dionys. Vinne (M. G.-Q. 11, 277) aus: „Mit der ange- 
hengener werlt an der ketten, bedut, dat he hersschen sal aver de 
gantzen werelt." Die Flugschrift „Warhafftiger bericht" (s. P. Bahl- 
mann: Bibl. 1535 Nr. 20) meldet Bl. B 4: „Man hat dem König . . . vor- 
tragen ein königlichen apffel mit einem gülden creutz, darvor här zwey 
Schwerter; das hat so vil bedeut als ein König aller weit." 

') Von „viel gülden ketten" spricht H. Gresbeck S. 87, vergl. 
auch S. 85 u. 93. 

') So nach H. Dorp a. a. 0.: „Ein gantz güldene scheyd zu eim 
knechtsendegen, zwen gülden Sporen, . . . einen zepter mit dreien gülden 
benden beschlagen ..." H. Gresbeck, der 8. 87 von einem „schwert 
mit einer gülden scheiden" imd einem „panser degen mit einer gülden 
scheiden" berichtet, sagt S. 88 von den Sporen: „Ick halde, dat die ock 
silver sint gewest und sint overguldet. It magh ouch wol clair golt sein 
gewest." Nach Joh. Beckmann's Bekenntnissen (J. Niesert: U.-S. I. S. 35) 
trug der König „eynen knechtzdegen myt eynen golden ortbande; dat be- 
steck ys oick myt golden huven." Von dem „degen mit gold beschlagen" 
spricht noch Th. Fabricius a.a.O., von „gülden sporn" Dietrich von 
Hamburg a.a.O. Th. Fabricius sendet am 26. October 1534 dem Land- 
grafen von Hessen eine „newe zeitungh" ein, in der es heilst (St.-A. Mar- 
burg), dafs der König „mehr dan vor acht dusent gülden klenodien umb 
sich und an sich hangen hat." 



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654 Anno 1534 acta. 

duorum florenorum ex auro Ehenano ac dnriore factum, ne assi- 
duo signandi usu atteratur, indici induit, in cuius pala orbis 
fuit dnobns gladiis transfixns, insigne regium, qnem haec scrip- 
tura dnplici circnitu ambiebat: „Die Koninck in den nyen tempell 
foret dit vor ein exempell." 

Vera forma et magnitudo palae regii annuli^ 




Hunc Eberardus ab Elen, vir doctrina, humanitate, ex- 
perientia et longo rermn usu excellentissimus, a principe mne- 
mosyni loco post recuperatam urbem sibi donatum moriens se- 
natui Monasteriensi cum regiis quibusdam armis in perpetuam 
rei memoriam conservandum legavit*; qui tanquam memorabile 
tristissimae cladis exemplum in conclavi senatorio conservatus 
et quotidiano conspectui obiectus magistratum sui officii admo- 
nere et a simili calamitate conservare potuisset. Hunc tarnen 
senatus vel antiquitatis negligens vel Westphalica quadam po- 
steritatis invidia vel potius, ut tantae cladis memoriam et luctum 
perpetuum animis civium semel eximeret et publicum commo- 



') Im Manuscript ist an dieser Stelle, wahrscheinlich aus einem alten 
Flugblatte, eine Abbildung des Siegelringes eingeklebt, die hier abgedruckt 
ist. Sie weicht von der bei G. Spalatin: Annales Reformat. S. 300 ab. 

*) Im Stadt-A. M. XIV, 36» ist eine beglaubigte Abschrift des Testa- 
mentes Eberh. v. Elen's, Kanzler des Bischof es, vom 24. Januar 1558 er- 
halten, in dem es heilst: „Noch gaff und besatte he einem erbaren raede 
der Stadt Munster den golden signetz rinck, so der wedderdoper 
konninck Johan van Leiden gehadt, item harnesch und 
speitze em oich tobehorich gewesth, item alle ander weher 
und oich boeker, so van dem wedderdopeschen handel alhir to Munster 
hirbefoms geschein meldunge doen, sodaene tor ewiger gedechtniss to ver- 
waren und to holden/ Ein Harnisch und Waffen des Königs sind sonst 
von Kerss. nicht erwähnt. Nach mir gewordener gütiger Mitteilung des 
Herrn Dr. A. Wormstall findet sich in den Kämmerei-Rechnungen im 
Stadt-A. M. zum Jahre 1616 noch ein Posten für Reinigung der Panzer 
und der Spiefse Johann's durch einen Schwertfeger vermerkt. 



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Anno 1534 acta. 655 

dum augeret, a se alienavit et Davidi Knopio, etiam inter Italos 
artis nomine aurifabro clarissimo, vendidit*. 

Yestitus etiam aliis omamentis respondens et plus quam 
regius, quem pro arbitrio saepe commutat ; nunc enim radiantem 
coccineam et purpuream, nunc holosericam, villosam, nunc Da- 
mascenam nigram alterinsve coloris pellibus ferarum subductam, 
nunc undulatam^ variis imbrium figuris adumbratam, nunc Si- 
doniam auro argentove intextam, nunc bombjcenam manicis con- 
scissis et aureis fibulis subnexis et religatis, raro vero laneam 
vestem in publicum proditurus induitl Latrones^ et satellites 
regii colore rubre caeruleoque instructos *amictus et in altera »p. 529. 
manica figuram mundi duobus gladiis transversis transfixam et 

») Ms.: undalatam. — b) Ms.: laterones. 



^) Ueber die Eünstlerfamilie Enop zn Münster vgl. bes. J. B. N o rd- 
h off in der «Ztschr. f. bildende Kunst" Bd. 10 (Leipzig 1875) S. 83 ff. und 
in den ^Bonner Jahrbüchern'* Heft 87 (Bonn 1889) S. 118 ff. Authentische 
Nachrichten über den weiteren Verbleib des Ringes sind nicht bekannt. 

*) Hier möge eine Zusammenstellung der hauptsächlichsten Angaben 
in den gleichzeitigen Quellen über die Kleidung des Königs folgen. HeruL 
Regewart sagt aus (bei J. Kiesert: U.-S. I. S. 28): „he drege eynen 
Bwarten fluelen paltrock und eyn langen, wytten, zammeten rock, eyn 
swarth zammeten boneth." Damit stimmt genau die Aussage Joh. Beck- 
mann^s (ebd. S. 35) überein. In einem „Witten siden rocke" erschien der 
König nach der Angabe des Dionys. Vinne (M. (r.-Q. II, 276) bei dem 
Abendmahle *auf dem Berge Zion, während nach der Angabe des H. Graefs 
(Zeitschr. 27 [1867] S. 263) Johann bei dieser Gelegenheit „mit einem 
schwartzen paltrock, darauff ein silberen stuck gedeckt," bekleidet war. 
Th. Fabricius berichtet a.a.O., wie er den König gesehen habe „in 
einem swarczen sammeten balcz oder leibrock, weissen damaskaten mantel, 
swarczem sameten spanischen biretlein." „Wen aber der könig in seiner 
maiestet in der stat umbreitet," berichtet die „Newe zeitung" (Ztschr. ebd. 
S. 256) nach den Erzählungen der ausgesandten Apostel, „so hat er ein 
silbren stück an, das auf der falden zuschnitten, darunter rot carmesin, 
und mit golde zusamen gebunden." Danach schildert auch L. Hortensius 
S. 33, der schon S. 32 anführt: „. . . aureis et argenteis tunicis conspicuus 
per publicum vehebatur." Nach H. Gresbeck S. 87 hat sich der König 
^laten macken einen sambten rock und kostelicke hosen und wambufs von 
kostlickem sietwerck und eine kostlicke gülden huye und ein sambten ho- 
net." Vgl. auch S. 85 u. 93. 



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656 Anno 1534 acta. 

intra gladiorum capalos crucem habentem gerunt^ Quisque 
etiam anlicorum pro titulo sui honoris non aliter, quam qui in 
scenis spectacnla exhibent, vestitum sibi affingit. Duodecim 
seniores ac prophetae, penes qnos in superiori reipublicae forma 
imperium fiiit, hmnili ac simplici ntebantnr vestitn*. Nunc 
vero, cum anmm, argentnm tarn publicum quam privatum, 
pallia Sacra reliquaque Sidonea, serica purpureaque omamenta 
Deo dicata e templis rapta et ad se delata sint sibique omnia 
tam publica quam privata subiecerint verosque cives suis co- 
natibus intercedentes trucidaverint, pro libidine sua rebus alieno 
labore quaesitis sese omant^ Non satis erat stulto et amenti 



^) YgL dazu die hiermit übereinstimmende ausführliche Schilderung 
bei H. Gresbeck S. 86f. Danach hatte auch „für ein jeder porte ein 
portener . . . up der einer mouwen einen schluttel gesticket, dat hei ge- 
denken sol up und tho tho schluitten die porten.^ Das Wappen auf dem 
rechten Aermel der königlichen Trabanten erwähnt auch der „WarhafPtige 
bericht'' Bl. B 4. Nach H. Gresbeck a. a. 0. hatte der König seine Diener 
gekleidet „roit und grae, cruitze wiefs gedeilt die hosen, der eine roet und 
die ander grae ..,*' Dietrich von Hamburg Bl. A3 spricht von 30 
königlichen Trabanten, die „haben an grün und ascherfarb und tragen auf 
yren häuptem weiTz hüt und güldene ringe an yren henden/ Ebenso sagt 
L. Hortensius S. 40 und läfst die Farbe der Kleidung durch Rothmann 
80 auslegen, „ut color cinericius mortificationem camis et peccati, grami- 
neus vero novum hominem ex Deo renatum signaret.** 

<J Ygl. oben S. 630. Auch H. Gresbeck a.a. 0. sagt: „Mit den 
irsten, do sie die dope anhoeveden, do en hedden sie geine doirschneden 
kleider. Do wolden sie so hillich sein, dat sie solcke kleider nicht dregen 
wolden. Dieselve kleider weren na der werlt und na dem fleisch.*' 

») S. oben S. 520 ff. u. 542 ff. An den Stellen, wo H. Gresbeck 
die reiche Tracht der königlichen Bäte, Hofleute und Befehlshaber be- 
schreibt, fügt er hinzu: „Dieselve rocke hedden sie in der stat gekregen, 
die den ricken lueden weren gcwest, die sie thor stat uth dreven'' (s. S. 89, 
Tgl. auch S. 86 u. 186). „De misgewanten und ander koirkappen,^ bekennt 
Dionys. Vinne (M. G.-Q. II, 274), „hebben se vordeilt under de hovetlude 
und knechten." Aehnlich sagt Joh. Kloprifs aus (bei J. Nies er t: U.-8. 
I. S. 132). Als der König zum grofsen Abendmahle ritt, kam er nach dem 
Zeugnis des H. Graefs (s. Zeitschr. 27 S. 263) „mit seinem volck, mit 31 
pferden mit vier trabanten, geklejdet mit sammet und gülden stucken aus 
der kirchen." Von vielen aus allen Kirchen entnommenen Gewändern u. s. w. 
wurden, wie Herm. Bamert berichtet (M. G.-Q. I, 332; vgl. auch die „Ord- 
nung"), „gemacket koller und wambese." Vgl. auch L. Hortensius S. 32. 



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Anno 1534 acta. G57 

popnlo scenicum regem et scortonun praesidem admittere, nisi 
etiam scenicas meretrices (reginas dicere volui) admittant. Ele- 
gantissimas enim forma pnellas eligit, qnamm nnlla praeter 
praecipnam reginam vicesimnm aetatis snae annnm ezcesserat, 
easque sibi omnes matrimonio copnlat, quarum nomina subse- 
qnnntnr^: 1. Divara Harlemica, Matthissonis prophetae in teme- 



') Die hier von Eerss. angegebene Zahl der Frauen Johannas und 
die Namen derselben decken sich mit den in der „Hofordnung^ angeführten. 
Ueber die Zeit der Gültigkeit der Nachrichten in der „Hofordnnng^ (No- 
vember 1534 bis Mai 1535) vgl. oben S. 647 Anm. Die Angaben der Quellen 
über die schliefsHche Gesamtzahl der Frauen Johannas weichen von ein- 
ander ab. Die höchste Anzahl, und zwar 17, nennt H. Dorp Bl. F2 n.F4^. 
IG ^echte wive** giebt die Bischofschronik (M. G.-Q. I, 335) an, und die- 
selbe Zahl findet sich bei H. Gresbeck 8. 132, während er S. 60, 135, 
157 u. 191 nur von 15 Frauen redet. ^Er nam zur Ee 15 weyber,* be- 
richtet das Flugblatt „Der gantze handel** Bl. A2v. C. Heresbach 
schreibt S. 21 an Erasmus von 15 Konkubinen, S. 27 von ungefähr 15. 
Nach D. Lilie S. 236 nahm Johann „bi vertein wiveren," eine Zahl, die 
auch Ant. Corvin in seinem Briefe an G. Spalatin Bl. A4 und ebenso 
L. Horten 8 ins S. 44 angiebt — Dafs Johann bereits in Leiden ver- 
heiratet war, und dafs er in Münster nach Einführung der Yielweiberei 
um Jacobi (25. Juli) 1534 drei Frauen nahm, erzählte Kerss. schon oben 
S. 626 n. 646. Der im October 1534 als Apostel aus Münster entsandte 
Joh. Kloprifs bekennt (J. Niesert: U.-8. I. S. 125), „der kunig hab 6 
frauwen." Vier derselben bezeichnet er näher (s. gleich unten) ; die fünfte 
und sechste „kenne er nit." Der gleichfalls im October als Apostel aus- 
geschickte Joh. Boentrup sagt bei seiner Yemehmung aus (s. das „Be- 
kentnis des Fleischawers" in der „Newen zeitung" [Zeitschr. 27 8. 265 f.], 
das auch von L. Hortensius 8. 39 übernommen wurde): „Der König hat 
4 haufsfrawen, ist itzund an die fünffte komen.^^ Während seines kurzen 
Aufenthaltes in Münster am Anfang November 1534 sah Th. Fabricius 
nach seinem Gesandtschaftsberichte a. a. 0. S. 101 vier Weiber des Königs. 
Ein alter Druck vom Jahre 1535, mitgeteilt von G. Spalatin in seinen 
„Annales Beformationis'^ führt (Ausgabe von E. 8. Cyprian [Leipzig 1718] 
S. 302) fünf Frauen Johannas an. Die gleichfalls aus dem Jahre 1535 
stammende „Newe Zeytung^' (s P. Bahlmann: Bibl. 1535 Nr. 9) meldet 
von sieben. Endlich besitzen wir noch aus der Zeit um Ostern (28. März) 
1535 die weiter unten auch von Kerss. verwerteten Aussagen des Hans 
Nagel, der sich freiwillig in die 8tadt begeben hatte, um die Lage der 
Dinge daselbst auszukundschaften. Nach seiner Rückkehr gab er an (Kopie 
im St.-A. M.), der König habe 15 Frauen. Eine andere Fassung der Nagel- 
schen Aussagen im 8t.-A. Marburg spricht aber nur von 14 Frauen Johann's. 

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658 Anno 1534 acta. 

raria illa eruptione occisi uxor, mnlier mediocri statura, obesula, 
cuius genae lacteo colore permisto mbent, ocuü scintillant Haec 
heroicam quandam gravitatem in incessn prae se fert et yenn- 
state ceteras excellit. Non immerito itaqne eam praecipnam re- 
ginam, cni reliquae sine invidia pareant, creat*. 2. Maria Heckers, 
3. Catharina Milinges, 4. Anna Laurentz, 5. Angela Eerckringes, 
6. Anna Averwheges, 7. Elyzabet Wantscherers, 8. Catharina 
Averweges, 9. Elyzabet Dreggers*, 10. Anna Knipperdollings, 
privigna Knipperdollingi, legitima vero filia Matthiae Hanges- 
becke cognomine Zelenmacker *, 11. Anna Kibbenbroichs, 12. Chri- 



*) üeber Johann's Heirat mit Divara (Differe) aus Harlem, der Witwe 
des am 5. April 1534 vor Münster gefallenen Jan Matthys, vgl. auch oben 
8. 626. Johann bekennt am 20. Januar 1536 (M. G.-Q. 11, 401), dafs er 
Yor dem Tode des Jan Matthys „ghein sunderlinghe zuneigungh zu der- 
selbigen gehabf Und in der Aussage Enipperdolling's von demselben Tage 
heilst es (M. 6.-Q. II, 404): „Als bald Johan Mathis doit was, ginck der 
koningk und troisten sin frauw. Der koningk bekent des oich und saght, 
er have das gheiner ander meinungh gedaen, dan sie was ufs HoUant und 
sin mitlantzfrauw.^' — „Ein schön edel weih aus Holand'^ wird Divara in 
der „Newen zeitung" a. a. 0. S. 256 genannt, ebenso in der „Newen Zey- 
tung^^ Bl. A2^. L. Hortensius S. 22 sagt von ihr: „Uxor erat elegant! 
forma, admodum adhuc iuvencula/^ Ihr stolzes Auftreten erw&hnt Joh. 
Fabricius Bolandus Bl. 8^. — Dafs sie von Jan Matthys schwanger 
war, berichtet Joh. Eloprifs a. a. 0. S. 125, die „Newe zeitung" a. a. 0. und 
H. Gresbeck S. 157. — Ihre bevorzugte Stellung als Königin wird in 
den Quellen mehrfach hervorgehoben. Sie ist, wie H. Gresbeck S. 83£. 
ausfuhrt, des Königs „irste huisfrow^^ gewesen und „tho einer konigkinne 
gemacket Die andern frowen heft der konigh nit tho konnighinnen ge- 
mackt Dieselven sint der konigkinnen underfrowen gewest und sint des 
konigs concubinen ofte spilfrouwen gewest." „Reginam," schreibt Ant. 
Oorvin über den König an G. Spalatin (Bl. A4), „pari secum honore 
habebat, cui etiam ceterae uxores, sive concubinas mavis, subiecerat ac 
parere iubebat." Vgl. auch L. Hortensius S. 44. 

') Im alten Druck der „Hofordnung": Elisabeth Tregers; im Göt- 
tinger Mscr. Elsa Dreiers, ebenso im Neudruck. 

^) Mit KnipperdoUing's „magt" war Johann schon vor der Einfüh- 
rung der Vielweiberei verheiratet. Vgl. seine Aussagen bei J. Niesert 
a.a.O. S. 178 und M. G.-Q. II, 371; s. auch „des Münsterischen König- 
reichs ... an- und abgang" Bl. A 2, Auch wird sie von Joh. KlopriXs a. a. O. 
als Frau des Königs genannt. H. Gresbeck S. 157 berichtet: „So hadde 
der koningk ein frow, die was fruchtbar. Dieselve frouw was Knipper- 



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Anno 1534 acta. 659 

stina Boede^ 13. Margareta Modersonne, 14. Elyzabet Buscho- 
dncensis^, 15. Margareta Grolle, 16. alla qnaedam, cuins nomen, 
cnm adhnc snpersit, prndens praetereo^; qnae cum nondnm 
aetate matura-viro esset, ita in primo congressu a rege corrupta 
est, ut necesse habnerit a Knupperi uxore chirurgiam exercente* 
cnrari. Haec pristina sanitate recepta adeo a regis consnetudine 
abhormit, ut ad ipsom non redierit. 

"^Taceo hie alias feminas, quamm consnetudine usus fuerit, «p. &ao* 
priusquam sceptra invaderet. Hamm omnium duae tantum, 
nempe Divara, praecipua regina, et Margareta Modersonne, femi- 
neas regi proles pepererunt, quamm alteram, cum die Solis na- 
sceretur, a litera eins diei A Averall vel super omnia, älteram 
vero, cum die Lunae ederetur, a litera B Bljdam vel gauden- 
tiam appellant ^. Septem enim prioribus alphabeti literis Septem 
hebdomadae dies signavit et distinzit, ita ut diei Solis literam A, 
Lunae vero B et sie deinceps tribueret. Quandocunque igitur 
partus in urbe editur, regi protinus nunciatur: populum Israe- 



dollinks magt gewest und hadde thovooren gehat einen lansknecht. Der 
wort doit geschotten. Darna nam sie der koningk für ein frow." Nach 
Herrn. Hamelmann S. 1197 war ein Henricus Selemecker der Yater 
der Frau des Knipperdolling. 

') Joh. Eloprifs nennt a. a. 0. als vierte antcr den Frauen Johannas 
„des goltsmids des Kudden maget/ 

*) In der „Hofordnung'': Elisabeth von dem Bussche. 

') Nach der „Hofordnung** wäre es Clara Knipperdolling gewesen. 
Sonst erwähnt nur Joh. Eloprifs a. a. 0. unter den Frauen Johann's auch 
„Enipperdollings dochtor." — *) S, oben S. 627 f. 

*) Kerss.'s Bericht weicht hier von dem H. Gresbeck's 8. 157 er- 
heblich ab. Nach letzterem hatte die schon früher mit einem Landsknechte 
verheiratet gewesene, dann von Johann als Frau angenommene Magd Enip- 
perdolling's ein Kind. „So wolden," fährt H. Gresbeck fort, „die gemeine 
luede sagen in der stat, dat datselve kint dem lansknecht solde tho hoeren, 
dat dem koningh dat kint nicht en hoerde.'^ Die Nachrichten über Divara's 
Schwangerschaft schon von Jan Matthys s. vorige Seite Anm. 1. Divara's 
Kind war auch nach H. Gresbeck ein Madchen, doch licfs es der König 
„Nige geboren" nennen. „Nergcn ein von alle den firouwen,* bemerkt er, 
„die von dem koningk kinder hadde.'' Auf die Geburt der Tochter Divara's 
bezieht sich auch die Aussage H. NagePs im April 1535 (Fassung im St.-A. 
Marburg), der König „habe vierzehen weiber und mit der ersten neu- 
lich ein dochter erobert.* 

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660 Anno 1534 acta. 

liticnm et regnum snum prole nova esse anctnm. Eine rex illi 
nomen imponit, ita tarnen, ut primus nominis character litera 
diei sit, in qna nata est^ Pancissimae tarnen, qnae in nrbis 
obsidione nuptias celebraverant, pariant, sed divino fortassis 
nutn sterilescnnt *, ne ex tarn portentosa venere et impnrissimo 
polygamiae complexn in perniciem reipnblicae posteritas exci- 
tetur. Monstra enim scelemm et vitiosa sine dnbio progenies 
(proverbio monente) ex vitiosis parentibns fuisset orta. Parinnt 
itaqne hae, qnae ante obsidionem nteram ferebant. 

Delegit etiam rex sibi non inter plebeios, sed in campo 
dominico non hnmilem, sed omnium fere splendidissimam anlam, 
nempe MelcMoris de Buren, cellarii*. In proxima vero domo 
ad solis exortnm, nbi praepositns snmmae aedis babitare con- 
snevit, gynecaenm foit, hoc est reginaram anla*, ad quam per 



') So auch H. Gresbeck S. 156 f., der uns das vom Könige auf- 
gestellte Wortregister überliefert hat War für die Namen der Kinder das 
Alphabet erschöpft, so hat der König ^^den kindem ander namen gegeven 
na den propheten und altvaders, David, Abraham, Isaak, Jacob, na den 
olden Propheten und patriarchen ..." 

') Bei H. Gresbeck S. 157 heifst es: „So worden viel kinder in 
der stat geboren. Mehr dieselven widerdoepers, die viel frowen 
hedden, die kriegen alder minst kinder." 

') Ygl. oben S. 543. Bis dahin wohnte Johann im Hause Ejiipper- 
dolling's auf dem Prinzipalmarkte. S. oben S. 618. Vgl. auch L. Hor- 
tensius S. 22, dem Herm. Hamelmann S. 1219 folgt. Von einem 
längeren Aufenthalt bei KnipperdoUing spricht Johann selbst in sein^i 
Aussagen bei J. Niesert: U.-S. I. S. 177. — Dafs die v. Bneren^sche 
Kurie die Wohnung des Königs gewesen sei, erwähnt auch die Bischofs- 
chronik (M. G.-Q. I, 333). D. Lilie sagt S. 235 vom Könige: „Sinen 
pallas unde wonninge he£ft he upslain lathen in heren Melchiors van Buren, 
des kelners, ho£f." Ebenso bekunden die beiden Kjiaben Herm. Mollenhecke 
und Joh. Huttman in ihrem Verhöre am 8. Juni 1535 (St.-A. Marburg): 
„Der konig hat des thumkellers genant herr Johan von Bueren hoff inne.* 
H. Gresbeck nennt die Wohnung nicht. „So heft der konigh," heifst es 
S. 84, „ein hof allein geholden mit seinen diener, und die konigkinne heft 
hof alleine geholden mit iren mitfrouwen und mit iren dieners.** — Die 
V. Bueren'sche Kurie lag auf der Dom-Immunität hinter dem jetzigen neuen 
Postgebäude Vgl. A. Tibus: Die Stadt Münster (Münster 1882) S. 72. 

*) „Die frauen wonen in der probstei,** sagen die beiden Knaben 
a. a. 0. aus, „und igliche hat ire eigen kammer.^ Auch in der „Newen 
Zeitung** heifst es (Ztschr. 17 S. 256): „Die Königin hat jren eygen hoff." 



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Anno 1534 acta. 661 

mumm effi^actnm fit aditus. Tanta est reginis diversi coloris 
yestinm copia, tantns omatns, tanta mnndities, tot catenae, tot 
monilia, tot annnli gemmati, tot absque genmiis, nt hoc West- 
phalicnm gynecaemn cnm Imperatorio certare yideatnr^ 

Praecipnae reginae anlici: 

Henricns Boedens praefectns praetorio vel magister aulae, 
Petras Symonson archimagirns *, Joannes a GeylP pyloras, Jo- 
annes Leydanus cubicularius, Fredericns luffell pincema*, Engel- 
bertus Schemmeringk^ stractor; quatuor satellites viridi et spa- 
diceo vestitn amicti: *Andrea8 Koester, Henricns WnlfE, Lam-»p. 531. 
bertus Gylthness, Joannes Bentlagen «; Henricns Willenhness pyro- 
paens ^, Eberardns thor Hege coqnns, Alexander Bnschodncensis 
hemerodromns ®, Gerardus Selkinck ostiarins®. 

Ne antem in tanta reginaram sen pellicnm tnrba de foedi 
amoris symbolo poscendo nlla oriatnr contentio, rex tabnlam 
fieri fecit, cni reginaram nomina per ordinem inscripsit singn- 
lisqne nominibns singnla foramina a capite terebello addidit, 
qnibns bacillnm immittendnm aptavit, non aliter, quam in coUe- 
güs ordo canonicoram in tabnla snspensa praefigitnr, nnde a 
bacillo imposito deprehendi solet, qnem in choro canendi ordo 
tangat. Sex itaqne mensae accnmbens et reginas sen pellices 



^) H. Gresbeck S. 89: „So heft der konningk die konningkiii sehr 
kostlich gerastet mit iren dieners, ia so kostlick, wie der konningk hadde 
gedain. Mehr alle seine frowen weren so kostlick nicht ge- 
rüstet, glich als die konningkin was/ 

*) Küchenmeister. — ') Als Thorwärter nennt der alte Druck der 
„Hofordnung" Johann v. GroU. Das Göttinger Mscr. hat Johan van Goel, 
der Neudruck in der Zeitschr. 16 S. 363 Johan y. Soel. 

*) In der »Hofordnung** heifst der Schenk Friedrich Insel. 

*) Im alten Druck ist Yorschneider Engelbert Schemerinck, im Göt- 
tinger Mscr. Engelbert Scheverinck, im Neudruck Engelbert Schenckinck. 

®) In der „Hofordnung" sind als Trabanten nur die beiden Ersten 
genannt. — Abweichend von Eerss. berichtet H. Gresbeck S. 89: „So 
hadde die konningkin ire dieners ock gekleidet glich als der konningk. 
Sie hadde roet gekleidet, gein twierlei." 

') So der alte Druck und das Göttinger Mscr. Im Neudruck: Hinrick 
Mülenhues. — ") In der „Hofordnung^^: Sander vom Bussche. 

•) Diesen Letzteren erwähnt die „Hofordnung" nicht. 



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662 Anno 1534 acta. 

circnmqnaque sibi in prandio adinnctas habens solo s^pectn, 
noctis quam vellet fatnrae sociam, delegit neqne eam verbis ant 
nntibns aliisye signis, sed baciUo nomini eins in tabula appo- 
sito signavit; ita signata sine aliaram contnmelia et invidia re- 
giam noctem opperitur. Si vero veneri inepta sit, baciUnm in 
alind nomen, cui favet, transfert ^ Depntata itaque regio thoro, 
ne quid nanseae maiestati regiae moveatar, balnenm ingreditnr, 
lavatnr, odoriferis liqnoribns perfnnditnr, bysso pnrpnrave in- 
dnitnr; articnli annulomm mnltitndine rigent, catenis et moni- 
libns gemmatis coUum ambitur; comae anro snbstringnntnr, 
virentibns fragrantibnsqne sertis tempora cinguntnr, bombycino 
perisomatio uteras obtegitur, per tenuissimam sindonem gemina 
ubera resplendent, et, ut semel dicam, omnia, quae venerem eiere 
queant, per effetas anus quasi magistras et hac in re exercitatas 
apparantur. 

Ita autem rex libidini et foedis voluptatibus indulget, ut 
Interim ea, quae ad reipublicae suae conserrationem pertineant, 
non Degligat. ludicia ergo, cum ad tranquillitatem urbis neces- 
saria esse videret, conservat et se iudicem solum constituit. 
Solium in foro e regione librae' iuxta fomicum finem et aedes 



*) Aehnlich heifst es in der „Hofordnung": „Dieser weiber namen 
seyndt yn eyn hangend Teffelgen geschrieben, nnd gegen eyner jeglichen 
Namen eyn löchlein gebort mit einem anhangenden stöckleyn. Und bey 
welcher der König die nacht hat ligen wollen, gegen der selbigen namen 
hat ehr das stöckgen gesteckt. Szo aber dieselbige zum beylager nicht 
geschickt gewest ist, mochte sie das stöckgen ihres gefaUens stecken gegen 
eyner andern «namen, der sie günstig war; die selbige muste denn dem 
Könige willig seyn und die nacht bey yhm schlaffen/^ Von den sonstigen 
Quellen berichtet hierüber nur noch Joh. Pabricius Bolandns Bl. P7^; 
„Depictis ridet thalamo de more tapetis 

Regifico, totum yela cubile tegunt. 
Charta tenet yalvis aulae sufüxa protervae 

Istarum signis nomina grata suis. 
Indicat haec, quaenam poscatur qualibet ex his 

Nocte, sed appositis conditione notis. 
Si negat haec aut illa gravi ratione, relinquit 
Concubitum regis, cui magis ipsa favet'^ 
') Die Stadtwaage lag neben dem Bathaus auf der Nordseite des- 
selben. S. oben S. 76. 



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Anno 1534 acta. 663 

Dorhoffii magnificnm et rege dignum tribns a terra gradibus 
erigitur, quod in adventu regia interdum anreis, interdum pur- 
pureis tapetibus ac sericis pnlvillis exomatur*. Hnc ter sin- 
golis hebdomadis cansas popnli audituras solenui anlicornm 
pompa et apparatn regio eqnes commeat^. Primnm litnis et 
tubis canentibus Gerlacus a Wnllen ac Lambertns Leodins, Jo- 
annes Kursener et Conradus Kruse plumeis apicibns *crepitanti- »p. 532. 
bus anlae foribns egredinntur '. Hos subsequnntar pnrpnrati et 
catenati consiliarii bini Gerardas tzmn Eloister et Bernardns 
Krechtingk, Henricus Kedeker et Qerardus Beyninck; inde Her- 
mannns Tylbech, praefectns praetorio, solus ante regem albnm 



') Nach H. Dorp Bl. F 2: „Auff dem Marckt hat sich der König 
einen herlichen stuel mit dreien graden oder stuffen lassen zu- 
richten, der wart alle zeit, wenn der König hinauff sitzen wolt, mit eim 
giüden stuck hehangen . . /^ Der königliche Richtstuhl ist ganz kurz er- 
wähnt in der „Newen zeitung" (Zeitschr. 17 S. 257) und von Joh. Pa- 
hricius Bolandus Bl. 03. H. Gresbeck berichtet S. 85, wie sich der 
König „heft einen groten stoel latcn setten up dat marckede, mit seiden 
stucken umbher behau gen.^^ „Und des konninges stoel heft so hohe ge- 
stain,'^ erzählt er 8. 90 weiter, „dat hei hadde boven alle menschen ge- 
setten, und beneden dem stoel für dem stoel, dair stonden viel bencke 
umbher." D. Lilie S. 235 sagt: „Sinen koninckliken richtestoill hefft he 
gemeinliken gehadt bi sunte Michael an den marckede, dar men mit 
graden moste upgain." Der Stuhl war „mit kostliken tapeten umme- 
gehangen." Von einer „sella sublimior polite et affabre parata" spricht 
L. Hortensius S. 33. 

*) Auch nach H. D orp a. a. 0. hielt der König dreimal in der Woche 
Gericht ab, aber entweder auf dem Markte oder auf dem Domplatze. Er 
fugt hinzu: „allein das der König auff dem marckt auff seinen stucl sas, 
auff dem Thumhoff aber mitten im hauffen stunde." Die 
dreimaligen Gerichtssitzungen in der Woche auf dem Markte finden sich 
auch erwähnt in der „Newen zeitung" a. a. 0., in einer anderen „Newen 
Zeytung" (P. Bahlmann: Bibl. 1535 Nr. 9) Bl. A2^ und bei L. Hor- 
tensius a. a.0. 

•) Das waren (vergl. oben S. 650) die beiden obersten Feldherren, 
der Bittmeister und der Hauptmann des Fufsvolkes. Auch bei H. Dorp 
a.a.O. reitet der König zu Gericht „mit dem gantzen hoffgcsinde; die fier 
Rhetd giengen für im her, Knipperdölling aber mit den andern hoffgesinde 
folgetem im nach." Mehrfach beschreibt H. Gresbeck den pomphaften 
Aufzug des Königs (vgl. besonders S. 85 u. 1^0 f.). 



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664 AuQO 1534 acta. 

scipionem gestans*; hinc rex coronatns regiisqne ornamentis con- 
decoratns feroci et phalerato insidens eqno^ prodit atqne £asta 
qnodam inyehitQr, quem dno pneri liberalioris formae eleganter 
vestiti praecedunt, quorum dexter bibliorum codicem, sinister 
vero strictnm gladium ntriusqne politiae tarn profanae quam ec- 
clesiasticae praefert ^. EnipperdollingiLs autem, regius legatus, et 
Bemardüs Bothmannns, orator, regem äubsequnntnr; hos Chri- 
stianns Kerckring, consiliariorum Sequester, et Henricus Kreg- 
tinch, archigrammateus, hos Nilandus, ensiger, cum suis ministris, 
hinc reliqua aulicorum et ministrorum turba. Sed 28 satellites 
regia latera utrinque claudentes populum nndique eatervatim 
propius accurrentem insuetaque admirantem et certatim aspec- 



M Einen „Witten" (silbernen) Stab des Hofmeisters erwähnt sonst 
nur noch H. Gresbeck S. 91 u. 137. Nach Dietrich von Hamburg 
Bl. A 3 hat der König „ein lackeyen vor jm her lauffen, der selb hat ein 
weifz st&blein in der haut . . ." 

') „Und dat der konningk tho seinem perde hadde," meldet uns 
H. Gresbeck S. 88, „dat gerast ofte dat beschloch, dat was auck al mit 
golt beschlagen, wante ick holde, dat datselve silvcr were tho dem be- 
schlage und wer overguldet . . . Und tho seinem sadel dat beschlagh was 
auck al verguldet/ „Der König,'* so heifst es in der „Newen zeitung" 
(Zeitschr. a. a. 0. S. 2o6), „hat 3 1 pferdt mit gülden tüchcrn bedeckt und 
etliche gülden settel." Von 31 Pferden des Königs redet auch die andere 
„Newe Zejtung" a.a.O., ebenso L. Hortensius S. 3'i 

^) Der eine derselben war Christoph von Waldeck, der natürliche 
Sohn des Bischofs Franz. Yergl. oben S. 648 und dio dort angeführten 
Belegstellen. Unter den sonstigen Quellen erwähnt auch noch Dietrich 
von Hamburg Bl. A3 die beiden Knaben, und zwar führt bei ilmi der 
auf der rechten Seite das Schwert, der auf der linken die Bibel. Vergl. 
auch den Brief A. Corvin's an G. Spalatin Bl. AS^f. Der Junge mit 
der Bibel trägt nach der Angabe der „Newen zeitung" (Zeitschr. a. a. 0. 
S. 256) und nach L. Hortensius S. 33 auch noch die Krone. Sehr aus- 
führlich beschreibt H. Gresbeck S. 91 f. die Bedeutung, die der König 
den von den Knaben getragenen Symbolen unterlegt, und den Sinn, den 
er damit verband, wenn er die Knaben ihre Plätze mit einander vertauschen 
liefs. Kurz sagt Job. Fabricius Bolandus Bl. 8^: 
„A laeva gladius, Signum tcrroris, acutus, 
Scd liber a dextra rcUigionis adesf 
Auch Theod. Fabricius sah bei seinem Aufenthalte in Münster im Nov. 
1534 (vgl. seinen Gesandtschaftsbericht a. a. 0. S. 100) „zwen buhen, einer 
ein gülden swert, der ander ein buch dem konig furtragendt" 



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Anno 1534 acta. 665 

tantem arcent. Cum ad forum yenitur, hemerodromo reginm 
retinente equum rex solium sibi exomatmn conscendit sceptrmn- 
que dextra quatiens ad se controyertentes adyocat^; se enim 
iusto omnes lites decreto diremptnrum. Ibi (bone Dens !) causae 
toipissimae et castis anribns indignissimae tnrpissimo indici 
decidendae offerantur \ de incestu, de fomicatione, de adnlterio, 
de impotentia coniugali, de coniugum diyortio, de matrimonii 
distractione, de reliqnis rebns foedissimis. Maxima antem con- 
troyersia fuit inter coniuges de negato sibi utrinque debito con- 
iugali querentes^, quae inobedientia extreme supplicio saepe 
plectebatur, ut postea dicetur. Peracto iudicio eadem pompa eo, 
unde yeneraty redit. Saepe etiam conciones audiendi causa rex 
totusque populus ad forum conyenit, ad quas regina qaoque mi- 
tiori equo yillosa purpura strato et ab hemerodromo ducto in- 
sidens accedit ac Henrico Boede, aulae praefecto, aliisque aulicis 
quibusdam praeeuntibus, reliquis yero scortis yel pellicibus longo 
ordine subsequentibus et quatuor satellitibus utrumque latus 
defensantibus in proximas librae aedes concedit, ubi ipsa exad- 
yersum regi sericis pulyiUis incumbens aliis aulicis et pellicibus 
circumsedentibus concionem audit^. Ecclesiastes autem iuxta 



') „KnipperdoUing,** sagt die „Newe zeitung** a. a. 0. S. 257, „stehet 
ein 8tu£fe under im, und darnach die rete. Wer daselbst zu thun hat, 
mus sich zweymal neygen und zum dritten mal aufF die erden nider fallen 
und demach sein meinung antragen/' Vgl. auch L. Horte nsius S. 33. 
Nach der ^Newen Zeytung** Bl. A 2^ ist für KnipperdoUing der Platz zu 
Füfsen des Königs angewiesen, und ebenso herichtet H. Gresheck S. 91: 
„Der stathelder ifs dem konninck für sein voete gain sitten. Der stathelder 
iss dem konningk negst gain sitten, dan die rede dcden und predicanten." 
„War hei hen riet vur dat volck," erzählt er S. 94, „dair deden sie ime 
reverentie. Sie ni^eden und hugeden im tho . . .'' A. Corvin schreibt 
an G. Spalatin BL A4: „Et poena parata erat praetergredienti non con- 
genudantibus/' 

*) Vergl. H. Dorp Bl. P2^: „und wie der Bichter, so waren ge- 
meiniglich auch die klagen/' 

^) H. Dorp a. a. 0.: „. . . das weih klagt über den man, der man 
über das weih, und brachten so schendliche ding herfur, das es keinem 
Christen nach zu sagen stehet . . /' 

*) Einen solchen pomphaften Aufzug beschreiht auch H. Gresheck 
S. 90 ff.: „So hcft der konningk mit seiner konningkin einmael so kostlick 



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666 Anno 1534 acta. 

• 

regem reginmqne tribnnal e suggesto editiore ibi eitracto yerba 
ad populum' facit^ snoque more concionatur. Interdum post 
concionem pomeridianam rege chorago anlici aliiqne, qnotqnot 
♦p. 533. volebant, *permiitas ad satietatem duxere choreas*. 

Praeterea nt rex se non solnm aequalem, sed et snperiorem 
cnnctis mnndi principibns faciat, nnmismata tarn anrea quam 
argentea inaequalis valoris et ms^itudinis cum magnifica in- 
scriptione cndit. In altero latere haec in media snperficie fuere 
scripta: „Verbum caro factum est et habitat in nobis*;" in cir- 
cmnferentia: „Qni non est natns ex aqua et spiritn, non potest 
intrare." In altero vero latere perficitnr sensns bis verbis: „in 
regnum Dei*." „Unus rex instns super omnes, unus Dens, una 



gereden na dem marckede, und sie wolden eine predicate doin ... So hadde 
die konningkin ein huifs np dat marckede, recht tegen des konniges stoel 
over, dair hadde die konningkin ein velt doer tho gerüstet mit decken 
umhher hehangen nnd twei seiden küssen, roit sammet oft flawel. So is 
de konningkin up einen morgen nth gereden na dat marckede nnd hadde 
einen kloepper, dair se up säet, der was over hehangen mit einer decken . . . 
Als sie nu iss an dat marckede gekhomen, so meiste sie doer dat volck 
hen reiden na dat huifs, dair sie in liggen wolde. Do meisten der luede 
ein deil up stain und laten sie doer reiden mit iren dieners und mit iren 
mitfrowen. Dieselve mitfrowen sint oer gefolgt hy paren up de rige. So iss 
die konninckin in ir fenster gain liggen und heft auck die precate gehoirt.^^ 

') Yergl. H. Gresheck S. 93: „So plagh altiet für dem konninck 
tho stain ein predicante up der hanck und hadde ein pulmet für sick stain, 
dair hadde hei ein hoick up liggen.^* 

*) Von Tanzhelustigungen, zu denen der König in seinen Hof „die 
rede und aUe siene houptluede und oversten dieners und predicanten tho 
gaste tho hidden plach mit ein deil frowen,^^ herichtet H. Gresheck S. 103. 
„Wan sie nu getten hedden, so giengen pipen, tmmmen und luten, und 
hegunten tho dantzen und tho hoyeren mit den schonen frowen. Datselve 
haveren plach wol ein nacht tho duren. Datselve was al Goddes wille.^^ 
Auf diese Feste hezieht sich auch die Aussage Bemh. Krechting's vom 
25. Juli 1535 (M. G.-Q: II, 381): „dat der koninck toegericht hadde, dat 
men in die vierde wecke einen dantz in des koninghs hof hielde und dair 
selfs waUust dreve und guet zier maeckte.^^ Vgl. auch Bemh. Krechting^s 
Bekenntnis hei J. Kies er t: U.-S. I. S. 195. Von sp&teren allgemeinen 
Tanzhelustigungen im Rathause, die der König anordnete, um das Volk 
während der Hungersnot zu zerstreuen, erzählt H. Gresheck S. 135 IL 

») Ev. loan. 1, 14. — *) Ev. loan. 3, 5. 



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Anno 1534 acta. 



667 



fides, nnum baptisma." In medio eiusdem lateris : „1534. Mona- 
sterii." Utriusqne numismatis tarn maioris quam nainoris veram 
efiSgiem, fonnam et magnitndinem cum inscriptionibus sequente» 
flgurae demonstrant ^. 




') In Bezug auf die Münzen der WiedertÄnfer vgl. die von P. Bahl- 
mann: Bibl. S. 52f. angegebene Literatur, in der zahlreiche Abbildungen 
enthalten sind, und J. B. Nordhoff in den „Bonner Jahrb/ Heft 96 u. 97 
(Bonn 1895) S. 324 ff. — Schon vor der Errichtung des Königtums haben 
die Inhaber der Stadt Münster Münzen prägen lassen. Die älteste Quelle 
dafür ist die „Ordnung, ** deren Bericht sich auf die Zeit vor Einführung 
der Vielweiberei (Ende Juli 1534) bezieht. Es heifst da: „Sy haben auch 
etlich dick pfenning müntzen lassen sonder wappen mit einer umbschrifft 
also lautende: Wer nit gebom ist auss dem wasser und gaist, mag nit 
eingeen in das Reich Gottes. Zum anderen: Ein Herr, ein Glaub, ein tauflf 
zu Munster. Noch aufT der andern Seiten: Das werte ist flaisch worden 
und wonet nnder uns.^ Ausdrücklich sagt auch H. Gresbeck 8. 48r 
„Ditselve gelt hedden sie al ein dcil schlain latcn, ehe dat Johan von 
Leiden konningk woert** Als Grund, weshalb die „prophcten und 
predicanten hebben dit gelt schlain laten und alle die oversten in der stat,*' 



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668 Anno 1534 acta. 

Si quis oppidanorum regem aliosque proceres nrbis secntas 
polygamus esse ant plnres nuptias celebrare afifectaret, regem 
tanqnam paranymphum adit sponsasqne secnm addncit. Ubi 
aatem rex inqnirendo volnntatem atqne consensum ntrinqne in- 
tellexisset, „Quos," inqnit, ^Dens copulavit, homo non sepa- 
rabit\ Itote eigo et iaxta praeceptnm ]>ei^ mnltiplicabimini 
et replete terram*!" 

Princeps malitiam et rebellionem in urbe iam qnotidie in- 
crementum snmere sentiens vehementer animo perturbatur. Et 
cum ex captivis et transfugis accepisset oppidanos contra im- 
perii decreta, contra aequitatem, contra ins divinum pariter et 
humanum iusiurandum et pacta violasse, suum magistratum oon- 
tempsisse et reiecisse, novum regnum et regem sarcinatorem 



glebt er an: „AI dat ander gelt, et wer silver oder golt, dat solde nicht 
mehr gelden in der werlt. Datselve gelt, dat sie schlain leten und dat sie 
noch wolden schlain laten, datseWe gelt solde geldon ovcr die gantze weide 
weit." — lieber die Verwerfung des Geldes seitens der Wiedertäufer vgl. 
auch oben S. 561 f. — Die beigegebenen Abdrücke sind von Wiedert&ufer- 
münzcn aus der Sammlung des Altertumsvereins in Münster genommen. 
Die Prftgung der gröfseren, aus der Zeit des Königtums Johann's stammenden 
entspricht der von Kerss. gegebenen Beschreibung. Die kleinere, auf der 
eines Königs nicht gedacht wird, ist wohl mit Sicherheit in die Zeit vor 
Errichtung dos Königreiches zu versetzen. Im Manuscript dnd Münzab- 
bildungen eingeklebt, die sich mit Kerss.'s Darstellung nicht decken, sich 
aber mehrfach in der von P. Bahlmann a. a. 0. angeführten Literatur 
wiederfinden. 

*) Ev. Matth. 15», G. — *) Genes. 1, 28. — «) In den sonstigen 
Quellen ist nicht erwähnt, dafs die neu einzugehenden Ehen dem Könige 
angezeigt wurden. Sehr einfach war nach dem Berichte H. Gresbeck's 
die Fonn der Trauung. Er schreibt (S. 79): „Wan sick ein pair luede 
laten tho hope geven wolden, die en geven sie nicht tho hope, glich als 
sie mit den irston deden, von den prodicanten. Wer tho dem andern in 
gingk, derselve brachte einen ofte twe mede ofte seine frunde, und hielden 
einen zogh tho hope und deden sick malckander die haut. Dairmede 
weren sie echte luede." Johann selbst bekennt am 25. Juli 1535 {M. G.-Q. 
II, iilb) : „Item geschagh oire trouwe in bysin 2 ader 3 oirer broder, also 
fleggende: ,Wilt gy my hebben? Ich beger uwer." Und wanner sie dan 
willichlich jae sacliten, was die trowe vollenbracht, sus niet.** Vgl. auch 
J. Nies ort: U.-S. I. S. 184. Knipperdolling sagt am 21. Jan. 1536 aus 
(M. G.-Q. IT, 401)): „In der ehe hielten sie ghein solenniteten noch cere- 
monicn, dan das der ein dem anderen sin hertz ubergaf." 



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Anno 1534 acta. ü6U 

constituisse S qni omnes leges antiqnas abrogaverit, novas et 
innsitatas substitnerit, ^mnia sacra profanaverit, >na somnia in 
locmn reposnerit et coli praeceperit, adeo iam libidine indomita 
aliisqne flagitiis honestis anribns indignis omnes flagrare, nt 
tota iam nrbs snbnrbana fomix et *foedissimnm prostibnlnm»p. 534, 
Sit nee virgo dnodecim annorum intra moenia deprehendatur *, 
adeo omnia esse cormpta et detnrpata, nt nihil sani et a tnrpi- 
tndine aliennm snpersit, — omnes ergo militiae praefectos ad 
diem 24. Angnsti de retandenda retinctornm pervicacia et im- u. Aug. 
pietate ad consnltandnm convocat; et cnm forte archiepiscopns 
Coloniensis, Palatinns, dnx de Gmbenhagen, comites de Schon- 
wenbnrgk, Isenbnrgh, Nassanw, Waldegk, Nenwenar, Vberstein, 
Benthem et Wedda aliiqne militaris ordinis viri complnres rei 
bellicae peritissimi vel animi gratia vel oppngnationis inyandae 
stndio in castris adessent^, a principe nostro ad hanc qnoqne 



') Beim Folgenden ist stets zn beachten, dafs Kerss., wie oben S. 633 
Anm. 3 erw&hnt, die Errichtung des Königtums zeitlich ganz falsch ein- 
ordnet, und dafs das Königtum erst im September nach dem siegreichen 
Abschlagen des gegen Münster unternommenen zweiten grofsen Sturmes 
proclamiert wurde. 

') Vergl. oben S. 627. Auch Dietrich von Hamburg berichtet 
BL A 4v: ,,Und femer ist der gebrauch in der statt Munster, das kein weibs- 
bild, das über 12 jar alt, es mufs ein man haben.'' Auf dem Kreistage 
zu Köln im October 153^ liefs der Bischof in der Instruktion vortragen 
(M. G.-Q. II, 286), dafs „die iunffer, de 14 iair olders erlangt, tom man 
gedrungen** wurden. 

^) In einer Beilage zum Schreiben des Herzogs Philipp von Braun- 
schweig-Grubenhagen vom 5. August an den Kurfürsten Johann Friedrich 
von Sachsen (M. G.-Q. II, 267) heifst es : „Als heut ist der churfurste von 
Collen in den leger vor Munster kommen, und seint zuvor da gewest von 
wegen Collen und Cleve grave Wilhelm von Nassaw, von Collen wegen 
allein grave Wilhelm von Newenar und Buprecht grave zu Manderscheit, 
von Cleve grave Wirich von Oberstein. So ist am negstvergangen doners- 
tagk** (30. Juli) „ankomen hertzoge Wolfganck, des paltzgraven Ludcwigs 
bruder, zwehen graven von Solms, graven Bemtz sonne, ein grave von 
Issenbergk und einer von Beineck. ** — Der Herzog Philipp von Braun- 
schweig-Grubenhagen war schon früher am 15. Mai im Feldlager vor Münster 
eingetroffen. Vergl. den Brief der clevischen Kriegsräte an ihren Herzog 
vom 16. Mai (M. G.-Q. II, 283). Nach einer Beilage des Briefes des Her- 
zogs Ernst von Braunschweig-Lüneburg vom 24. Juni an den Kurfürsten 



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«70 Anno 1534 acta. 

-consultationem benignis verbis invitantur. Et cum diu nitro 
citroqne aliis hoc, aliis vero illnd, nt fit, suadentibns in con- 
silio rem Yolvissent, tandem decemnnt legationem prins pnbli- 
cam in nrbem mittendam, si forte aeqnis conditionibns citra 
magnas impensas et sanguinis effasionem se dedant; sin iUnd 
facere nolint, nrbem snmmis viribus esse oppugnandam et forti- 
tudinem oppidanorum, quanto cum apparatu bellico queat fieri, 
tentandam ^ Hoc etiam in militari hac consultatione decernitur ^ 
ut principes, comites, supremi militiae domini barones et mili- 
taris ordinis viri se ab expugnatione abstineant, sed cum equi- 
tatu in locis sibi designandis sese turmatim sustineant^ Si 
autem oppugnatio ab oppidanis vel prorogetur vel vi repellatur* 
ac utile necessariumque comitibus de Nassauw, Neuwenar, über- 
stein ac Benthem^ visum faerit, ut ab equitata impressio augeatur 
roboreturque et • supremi militiae domini in locis, ubi necessitas 



von Sachsen (s. ebd. S. 259) war er „stathalter des bisschofe von Munster 
in abwesent des selbigen bisschofs.* — Die Grafen Wilhelm von Nassau, 
Wilhelm von Neucnahr und Wirich von Dhaun, Graf zu Oberstein, waren 
die auf dem zweiten Tage zu Neufs dem Bischöfe neu zugeordneten Kriegs- 
räte (s. oben S. 604 Anm. 2). — Auch Joh. Fabricius Bolandus, an 
den sich Eerss. bei der gleich folgenden Beschreibung des zweiten Sturmes 
auf Münster eng anschliefst, sagt Bl. S 5 : 

„Visendi studio princeps pius Agrippinus 

Atque Palatinus Nassoque castra petunt; 

Quo simul afflicto praesentes tempore cunctis 

Longa bonis solito taedia more levent.'^ 

^) Aktenmäfsige Nachrichten über einen Kriegsrat vor Münster liegen 
mit Ausnahme eines gleich zu berücksichtigenden undatierten Papieres im 
St.-A. M. nicht mehr vor. Doch schreibt Yiglius von Zwichem bereits am 
22. August an Erasmus von Rotterdam (s. C. P. Hoynck van Pa pen- 
drecht: Aiialecta Belgica Tom. 1* [Hagae Com. 1743] S. 108 f.): „Extre- 
mam porro aleam hisce diebus iacere Monasteriumque, cunctarum haereseon 
sentinam, omni vi oppugnare principes nostri constituerunt." 

') Das Folgende nach einem undatierten Papiere im St.-A. M. M.L.A. 
518/19 III. fol. 316. Die Fürsten, Grafen und die vom Adel hatten sich 
nämlich bereit erklärt, bei dem beabsichtigten Sturme mitzuwirken. 

*) In dem Papiere ist hinzugefugt: „Es ist auch gleichmefaig vor 
nodich angesehen, das die velthem auch nit mit stormen sollen, sundem 
mit furstcn, graffcn und rittermefsigen uff den storm halten." 

*) „an einem oder mher orthem." — '^) „und den velthem." 



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Anno 1534 acta. 671 

exegerit, ad militarem irrnptionem extimnlandam ab equis de- 
scenderint, snb bis qnoque militantes tnrmae relictis subito 
eqnis oppugnantinm animos sao robore et exemplo excitent et 
erigant. Praeterea equitatns post captam nrbem intromissus a 
direptione sibi temperabit, sed magistros eqnitnm snaque signa 
tunnatim sequetur*. 

Haec legatio libera yeniendi recedendique secnritate impe- 
trata datisque ntrinque ad triam borarnm spatimn indutiis 
25. Aügüsti in nrbem est admissa K Et quanquam ad oppi- as. Aug. 
danos omnes pertineret, eam tarnen nisi coram solo rege et pan- 
cissimis anlicis obire non licnit. Enit antem bnins legationis 
haec summa : Principem insigne clementiae exemplum oppidanis 
exhibiturum ipsisque vitam donaturum et omnis superioris in- 
iuriae et admissi flagitii memoriam depositurum, si impietatis 
et rebellionis pertaesi inermes urbe excedant eamque *sibi de- «p. 535. 
dant Si vero ülud facturi non sint, sed in rebellione superiori 
perstiterint, se ferro et sanguine viam facturum. 

Ad quae rex : Se hostis clementiam, quae mera sit tyrannis, 
sibi populoque suo non optare; sufficere sibi Patris coelestis 



^) „. . . und die von reisigen (wo Got das gluck gebe, die stat erobert 
und sie in die stat kommen) sollen bj dem fenlin bleiben, davon nit ab- 
weichen und sich plundems enthalten und uff der velthem bevellich warten/^ 

*) Das Folgende berichtet Kerss. allein. Ganz kurz sagt nur Joh. 
Fabricius Bolandus Bl. S8 über die Gesandtschaft: 
„En redit a rapta legatio principis urbe, 
Quae regem sese dedere noUe canit.'^ 
Wenn D. Lilie S. 241 erzählt, dafs vom bischöflichen Lager aus „mitler- 
tidt vele sprake geholden, darumme dat se nicht gerne dat unschuldige 
bloet verstört hadden unde de stadt mit den scheiten vordorven,^^ so wird 
das bestätigt durch die bischöfliche Instruktion zum Kölner Kreistage im 
October, in der der Bischof ausführen läfst (M. G.-Q. 11, 285) : „Wo wal ock 
sine f. g. in sulcher dapperer belegeronge den inhebberen vdger. stat aver- 
mails schriftlich heft anbeiden laten, alle de ghenne uth der stat an zine 
f. g. up gnaden kommen und uthwiken worden, eres levens fristonge und 
yelicheit to geven . . .'* Aehnllch äufsert sich der Bischof in einem Hülfs- 
gesuch an den Kurfürsten von der Pfalz (Kopie im St-A. M. M. L. A. 
518/19 IV. fol. 103). Erhalten hat sich ein Schreiben der Feldherren vor 
Münster an die Inhaber der Stadt vom 31. Juli (abgcdr. M. G.-Q. II, 264), 
in dem die Letzteren wiederholt der bischöflichen Gnade versichert werden, 
wenn sie die Sache der Wiedertäufer verlassen. 



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Gl 2 Anno 1534 acta. 

clementiam. Ad haec blasphemiani esse insignem existimare a 
se clementiam et vitae beneficiam pendere, qai ipse clementiae 
et ritae inops sit. Postremo se nullius impietatis aut rebellionis 
sibi conscios esse, cum verbo Dei pareant illudque pro vivendi 
norma habeant. Ipsum episcopum potius esse impium et re- 
bellem, qui destinata quadam rebellione et pertinacia ruptis foe- 
deribus pios ad praescriptum verbi Dei viventes sine publica 
belli denunciatione armis persequatur. Cum haec ita sint, se 
neque arma pro defensione evangelü sumpta deposituros neque 
urbem suam quasi malum Punicum dedituros, sed ad extremum 
halitum defensuros et sanguinem tandem suum, si necessitas 
exigat, pro gloria Dei fusuros. 

Princeps ubi cognovit legationem illam ad coUoquinm po- 
puli non admissam et a rege scenico pro nihilo pene habitam, 
ut ergo, quod oppidani a legatis intelligere non potuerunt, alia 
ratione intelligant, üteras passim e castris ex arcubuys telis alli- 
86. Aug. gatas et sigillo principis confirmatas 26. Augusti in urbem 
mittit, quibus urbem et impietatem anabaptisticam deserentibus 
admissi flagitii remissionem certissimam promittit, quarum haec 
fait sententia^: Se aliquoties, ut innocentiae parceretur, deten- 
toribus urbis violentis eam deserentibus et transgressiones agno- 
scentibus liberum exeundi commeatum, delicti gratiam et vitae 
beneficium suis literis benigne obtulisse neque fidem addictam 
Ulli unquam violasse; se nunc quoque eandem gratiam omnibns 
clementer exhibiturum, qui ante horam quintam pomeridianam 
diei lovis futurae * urbem gratiam optantes deseruerint ; eo vero 
tempore lapso, si quid durius adversus oppidanos benignas ad- 
monitiones temere excutientes decreverit, se his scriptis coram 
Deo et Omnibus mundi hominibus publice purgaturum. 

Quod cum regi nunciaretur, edicit protinus, ne quis literas 
ab hostibus impiis in sanctam civitatem sparsas humo toUat et 
contrectet, quibus ab impoUutA evangelii doctrina ad defectionem 
soUicitentur; transgressores ultimo supplicio afficiendos et e 
christianorum coetu tollendos esse denunciat. Hoc regis edictum 



*) Nur durch Kerss. überliefert; ebenso auch der gleich folgende 
Befehl in Münster, dafs Niemand in der Stadt die hineingesandten Briefe 
lesen dürfe. — *) 27. August. 



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Anno 1534 acta. 673 

tantum *oppiflanis terrorem incutit, ut de defectione nemo quic- »p. 536. 
qnam cogitare, nednm verba facere audeat. Bex etiam, nt regni 
sui robur cognoscat, omnium novi foederis nomina ntriusque 
sexus libello cuidam monente propheta inscribi iussit, quem a 
bono viro mihi donatum non sine causa conservo*. 

Princeps se prima parte decreti superioris consilii nihil 
efficere posse videns, cum in eadem rebellionis pertinacia oppi- 
dani perseverarent, ad alteram igitur partem necessario confugi- 
endum esse existimat. Comparatis itaque omnibus, quae ad op- 
pugnationem necessaria visa sunt, 28. Augusti urbem a quatuor 28. Aug. 
partibus tormentis quatere incipit^ quorum horrenda toniteua 
ultra decem et sex milliaria Westphalira» clarescunt et in pagis 
villisque vicinioribus vitreas fenestras aut e suis sedibus excu- 
tiunt aut plumbo assiduo tremore convulso frangunt. Pleraeque 

») Ms.: Westphalia. 



') Ein Yerzeichnis der Unterthanen des Königs Johaun ist bis jetzt 
noch nicht wieder aufgefunden. In einem anderen Zusammenhange ist ein 
solches Verzeichnis in dem Bekenntnisse des Joh. Eloprifs erwähnt. Bei 
Berührung der Erhebung Johannas zum König sagt er aus (s. J. Niesert: 
U.-S. I. S. 1 12) : „Item de prophet" (Johann Dusentschuer) „sagt zu Johan 
van Leiden . . ., das er sulle koningk sein, und Got geve ime die gantze 
werelt; und des sulle er die gantze gemeind ufschreihen. Und 
darauf habe sich auch die gemeind gehorsamlich ufschreihen 
lassen." — H. Gresbeck S. lG6f. macht 46 Münstersche Bürger nam- 
haft, „die mit dem koningh tho hielden und mit den Fresen und mit den 
Hollanders . . ." Er fügt hinzu: „Diese hedden des koninghs kleidungk und 
weren seine dieners und giengen mit dem koningh tho have." Weitere 
Hauptanhänger des Königs nennt H. Gresbeck nicht, da er deren Namen 
„nit behalten." — Reichhaltige Namens-Verzeichnisse der wiedergetauften 
Münsterschen Bürger sind im St.-A. M. erhalten. 

^) Das Datum nach Joh. Fabricius Bolandus Bl. S8: 
„Hinc tres usque dies muri quatiuntur, in urbem 
Moenibus ut fractis latius esset itcr." 
Dafa die Stadt vor diesem zweiten Sturme, ebenso wie vor dem ersten im 
Mai (vgl. oben S. 502), zunächst heftig beschossen wurde, berichtet auch 
H. Gresbeck S. 8U: „Und hedden die stat tho storm laten schietten und 
hedden seess porten nidder geschotten und noch ein deil ander tornne und 
hedden umb die stat her laten graven storm schantzcn." Kurz erwähnt 
ist die vorhergehende Beschiefsung auch in dem Flugblatte „Der gantze 
handel" Bl. A2 und von D. Lilie S. 241. 

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674 Anno 1534 acta. 

portae civitatis dissolutis compagibns sternnntur, qnaedam nu- 
tantes ruinamque minantes pendent, quae, ne in fossas praecipites 
mant, funibns ab oppidanis attrahuntar. Turres in moenibus 
stantes sphaeralis ferreis impnlsae excayantur et defensores inde 
deturbantur; et cnm e tum aedis Marianae Geldris magna clades 
missüibus inferretur, multiim laboris et impensae in ea deiicienda 
frastra consumitur. Habet enim firmissimam basim e patrio 
mannore et calce tenaciore consolidatam, quae quosvis tormen- 
torum ictus facile respuit ; arroditur tarnen ab occasu eins apex, 
sed sine fructu ^ Cacumina ac pinnae murorum ab occasn aesti- 
vali inter portam ludefeldanam et Crucis usqne ad vallum in 
urbe obiectum, sine magna tamen munitionis noxa, quassantur 
et abraduntur. Saepe etiara tegulae domorum in pomeriis errore 
tactae magno cum fragore corruunt. Ita saxa muris dissoluta 
et evulsa volant, ut in locis pomerio vicinis sine discrimine ver- 
sari non licuerit. Tanta fumorum instar mj^orum montinm 
moles conglobata attoUitur, ut partim e pulvere nitrato, partim 
aliarum rerum ruina sine intermissioue excitata aärem opplet 
tantaque caligine solis lucem obscurat, ut coelum horriflca toni- 
trua maximosque imbres minari existimes*. Quicquid autem 
murorum deiicitur, quicquid munitionum interdiu labefactatur, 
mulieres quorundam virorum ductu excitatae noctu reparant, ne 
viri eo labore defatigati vires suas debilitent, sed integras fu- 
turae oppugnationi reservenf*. Apparant tamen omne genus 

*) Vgl. zur Ueberwasserkirche auch oben S. 53 f. Bei seiner Schil- 
derung der Verwüstung der Kirchen erzählt H. Gresbeck S. 159, wie 
die Wiedertäufer zwar auch das Innere der Ueberwasserkirche zerstört, die 
Kirche selbst aber nicht abgebrochen hatten. Nur die Kappe vom Turme 
sei niedergeworfen worden, die Glocken seien im Turme verblieben. Sie 
hatten, setzt er dann hinzu, „up demselven tom twe halve slangen up stain 
und deden groite schult in dat leger für die stat. Sohebben sie die 
torn uth dem leger tho schotten und hebben ouck die kercke 
doer dat dack geschoten. Sufs is die kercke stain gebleven." 

*) Vorlage für Kerss. ist hier und im Folgenden die Schilderang 
bei Joh. Fabricius Bolandus Bl. S8 u. T 1 fif . 

■) Ganz ähnlich lautete schon Kerss.'s Schilderung bei Gelegenheit 
des ersten Sturmes auf Münster (s. oben S. 592). Joh. Fabricius Bo- 
landus a. a. 0. sagt: 

„Ast ea quod damni faciunt sibi luce, per atras 
Instaurat noctes regis ubique labor." 



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Anno 1534 acta. 675 

armorum, quae ad arcendum hostem conducunt, neque uUum 
telnm, nisi hostem feriat, reiiciant, sed in propugnaculis firmi- 
oribas quasi consopiti expectantes hostium impressionem *taciti*p. 537. 
et securi degont. Qaaedam feminae in aggeribns per certa inter- 
yalla cacabos et ahena capacissima disponant calcem.pro matn- 
tino fercnlo hosti coquentes; aliae stapea serta ligneis circnlis 
involnta farcalis qaibusdam ad hoc comparatis liqaefactae re- 
sinae et pici immergunt; aliae saxa in hostem desnper rotanda 
congerunt *. Pueri quoque decem aut plurium annornm ad iacu- 
landum edocti hirundineas caveas aliaqne inter aggeres erymata 
occnpantes adversus hostes disponuntur, qnibus tamen viri cor- 
datiores et in re militari exercitatiores admiscentur. Neque qnis- 
quam in urbe est, cui non sit suum officium. Kex ipse equo 
per pomeria urbis vectus omnia ad tutelam et defensionem ne- 
cessaria disponit, cuique locum, quem aut vivus aut mortuus 
teneat, defendendum tribuit simulque diera oppugnationis, quem 
a transfugis quibusdam clanculum acceperat, quasi spiritu pro- 
phetico afflatus praedicit^ Partitur ita oppidanos, ut quidam 



Vgl. Joh. Fabricius Bolandus Bl. T3. Auch H. Gresbeck 
S. 80 berichtet: „So hedden sie in der stat legen den storm tho gerüstet 
von heittem water mit kalck gcsoden und hedden teerkrenfse geraacket . . ." 
Vergl. noch D. Lilie S. 242. S. auch oben S. 615 das von Kerss. über- 
setzte deutsche Gedicht gegen die Belagerer der Stadt. 

*) Dafs den Inhabern der Stadt abermals der neu bevorstehende 
Sturm verraten war, erwähnt das Flugblatt „Der gantze handel" und ebenso 
D. Lilie S. 241. Joh. Fabricius Bolandus Bl. R5^ u. R6 macht 
ebenso wie Kerss. in seinem Jugendgedichte S. 48 (bei D. Ger des: Scrin. 
antiqu. Tom. 2* S. 585 f.) als Verräter bei dieser (lelegenheit den Hans 
von der Langens traten namhaft. Doch findet sich dafür in den sonstigen 
Quellen kein Beleg. — „Der kunig hab vom stürme prophetiert," sagt Joh. 
Kloprifs aus (s. J. Niesert: U.-S. L S. 128), und ausfülirlicher bekennt 
er (s. ebd. S. 119, vgl. auch S. 133): „Drey tage vur deme stürme gebe 
der prophet zu Munster bevelh, uf den wellen zu sein und zu wachen, und 
also zeuch er selbst nmb und verkündigt solchs deme volck . . .^^ „Und do 
man sturmete, reidt der kunig umb und reizte das volk an." Aehnlich 
heifst es nach dem Bekenntnisse des Joh. Boentrup in der „Newen zeitung^' 
(Zeitschr. 17 S. 266) ; „Was der prophet prophetiert hatte gegen dem storm, 
were jnen alles also begegnet^ als auff was zeit de stürme angehen selten; 
und hatte jnen droy tage gepoten vor dem storm, zu fasten und zu beten." 
Die Einzelheiten von dem Plane zum Sturme scheinen jedoch den Macht- 

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676 Anno 1534 acta. 

manitionibns defendendis sint occapati; alios per manipnlos 
passim in pomeriis collocat, qui ant defatigatis ant repulsis a 
defensione murorum snccedant ant hostes mnnitiones forte su- 
perantes excipiant. Aliam quandam mnltitudinem in foro ar- 
matam et ad qnamcunque belli aleam paratam constitnit. Se 
vero cum fortissimorum invenum globo passim in urbe vig^la- 
turum, ne quid proditionis metuatnr, promittit. Ita autem a 
rege ad futoram impressionem animantur, nt iam tempus adesse 
optarent, quo hostibus internecionem adferant, sibi vero victoriam 
pariant ^ Cum autem munitiones urbis iam triduum continuum 
tormentis quassatae militesque a suis ducibus fortitudinis mili- 
tarisque sacramenti eximiis orationibus intra castra admoniti 
31. Aug. fuissent, ultima die Augusti, quo nundinae Grevonianae eo anno 
peragerentur, in ipso crepusculo matutino hora quinta * macMna 
quaedam aenea a Lantgrario in praesidium obsidionis missa dia- 
boli nomen circumferens, omnibus militibus a terrifico suo bombo 
cognita^, ingentis ponderis globo feta hon'endo boatu partum 
suum edit et ex composito, uti inter militiae duces convenerat, 
milites ad oppugnandam urbem hoc signo impellit. Continuo 
equitatus lituorum tubarumque clangore concitus turmatim cir- 



habem nicht verraten worden zu sein, denn Joh. Kloprifs bekennt (a. a. O. 
S. 119) weiter: „Aber sie wisten nirgentz des anfals zu warten, 
dann an deme ort, da die stat geschossen war. Und so betten sie auch die 
pcrde hoeren krysschen, und demnach gistcn sie uf den stürme. So weren 
auch lüde uf deme thome, die konten aUo das velt durchsehen.'* Auch 
Dionys. Vinne sagt aus (M. G.-Q. II, 27G): „Se hebben nicht gewust, 
an weicherem orde men stormen wolde.'* 

') Auch H. Gresbeck sagt S. 80: „So hat den wiederdoepers ver- 
langt na dem storm und hebben in groten furchten geweat. So plagen sie 
tho ropen uth der stat: Wanner wil gy khomen? Wy hebben gebacken 
und gebrouwen dry oft vehr nacht lanck; der bry iss langk gar gewest, 
wolde gy anders khomen." 

*) Noch am 31. August schreibt der Bischof aus dem Feldlager vor 
Münster an Lubbert Torck (Konzept im St.-A. M.), „dat wy gemelte stadt 
Munster huet den maendach to viff urhen vormyddage ge- 
weidige und stormen der haut angefallen." Das richtige Datum 
für den Sturm bietet auch die Bischofschronik (M. G.-Q. I, 332), das Flug- 
blatt ,J)er gantze handel" Bl. A2, H. Gresbeck a.a.O. und D. Lilie 
S. 241. — 8) Yg\, oben S. 529. 



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Anno 1534 acta. 677 

cum urbem in eqnis haeret ; et cum tympana ad arma sonareut, 
ex omnibas castris primam signiferi dupliciariique milites simal 
omnes certatim a sex partibus urbem adoriuntur^. Currus cum 
yiminibus, fasciculis, straminibus et ericis in usum "^impressionis *p. 538. 
reservatos in priores fossas praecipitant; alii vimineis cratibus 
incumbentes eas tranant et crates roboreas sepimentumque ag- 
geris rumpunt gladiisque findunt; alii reliquiis deiectarum por- 
tarum scalas uncatas affigunt scanduntqne; alii valvas foresque 
subiecto pulvere tormentario cardinibus eiicere conantur nulli- 
que labori, quem utilem sibi fore existimarent, parcunt. Qui- 
dam etiam signiferi ipsis muris insidentes auxilium suorum im- 
plorant *. 

Oppidani vero fortiter pugnantium impetum non modo 
sustinent, verum etiam magnam eorum partem vel munitionibus 
impeditam vel vepribus aggeris irretitam missilibus interficiunt. 
Hi scalas tincatas^ illisque inhaerentes deiiciunt miseroque casu 
terrae eos enecant; illi muros apprehensantes praecisis manibus • 
mutilant; bi trabes in valli cacumine suspensas funibus resectis 
solvunt, quarum praecipiti rotatu in aggere consistentes per- 
imuntur et in fossas praecipitantur; illi clava dentata scanden- 
tium capita frustra galea tecta tanta vi feriunt, ut effuso cerebro 
magno cum boatu spiritum quoque emitterent; hi hasta ascen- 

») Ms.: fulcatas. 



Ebenso sind nach H. Gresbeck a.a.O. „des morgentz die lans- 
knecht angefallen fnrseessporten an die stat Monster und hebben 
gestormet." 

«) Vgl. dazu die ähnliche Schilderung bei Joh. Fabricius Bo- 
landus Bl. T2, der seinen Bericht mit den Worten schliefst: 
„Nee mora; contendunt fera moenia fortibus omnes 
Expugnare suis viribus, arte, manu.'' 
„In tyth des storms," gesteht Herin. Regewart (J. Niesert a.a.O. S. 32), 
„sy de meeste fruchte an der Jodevelth und Crutze porten, avers an S. 
Sen'acs porten wer dat spyll schyr am ersten versehen gewest " Aehnlich 
aufsert sich Joh. Beckmann und fugt hinzu (M. G.-Q. II, 412):^„Sint 
eck ein deel upn walle gewest, avers wederum uthgcwecken." Auch 
die Bischofschronik erwähnt (s. M. G.-Q. I, 332), dafs der Sturm abge- 
schlagen wurde, „wowol ein deel der knechten in den wellen, 
ein deel up der muren; sint wedder to rugge geschlagen, und dat 
dorch vorrederie uth dem leger . . ." 



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678 Anno 1534 acta. 

dentes detrudnnt, illi bipenne dissecant; hi accnrrentes saxis 
eminns arcent, illi in cayeis hinmdineis aliisque defensacnlis 
latitantes per fossas tranantes aat in aggere haerentes de trans- 
verso traiicinnt. Miserrimum antem lethi genns a mulieribns 
illatnm est, quarum aliae receptacnlis ligneis ferventem calcem 
in hostem mnnitiones snbenntem effundnnt, aliae piceas Coronas 
adhibita face incendnnt atqne ita flagrantes forculis qoibnsdam 
ferreis in ascendentiom coUa iniicinntS qni horrendis flammis 
ipsa arma penetrantibns miseris modis excmciati snrsnm deor- 
sumque cnrsitant maiorique motn flammas exnscitant et fmstra 
chyrotecis e crassioribus ferarum pellibns ad hoc comparatis ar- 
dentia serta eximere tentant. Ita enim flagranti resina et pice 
tenaci contrahuntar, nt manns inde retrahere neqneant. Tandem 
qnidam eomm proni concidnnt seseqne in terra algenti prae in- 
tolerabili cmciatn ita volvnnt, ut herbae circnmquaqne flammis 
emarcescerent; hinc magno cum clamore animam eyomunt. Alii 
.vero conceptas flammas restinctnri in fossas promnnt et pondere 
armorum depressi snbsidunt. 



') Vergl. oben. „Die wiederdoepers deden grote wer uth der Stadt 
Monster," sagt H. Gresbeck S. 80 f., „mit schietten und mit steinen tho 
werpen und mit heitten water tho gieten und mit den fueren krenfaen tho 
wcrpen, dat de lansknecht moisten wieder afwiecken." S. auch Joh. Fa> 
bricius Bolandus Bl. T3. — Die energische Verteidigung der Stadt 
ist von den Gegnern der Wiedertäufer mehrfach anerkannt worden. Der 
Bischof selbst schreibt an Papst Paul III. (s. J. Nieser t a.a.O. S. 84 f.), 
„propter ipsius (proelii) . . . incredibilem mutationem desperatorumqne 
hominum diligentissimam defensionem" sei die Hoffnung auf 
Eroberung der Stadt für ihn gescheitert. „Aber die Widertauffer," äufsert 
sich das Flugblatt „Der gantzc handel" Bl. A 2, „. . . haben mit aller 
geschicklichkeit drauff zugelegt, der feindt ci'warten mit f eur rey ffen, 
allerhand geschütz und weer so grausam und dapffer begegnet, 
das die, so ontlauffen mochten, fro waren und sich bedanckten." — Nach 
D. Lilie S. 242 unternahmen die Bischöflichen „den dach seven gewcldige 
unde gruwelige storme na einander," nach H. Gresbeck „twe storme für 
ein ieder port, und für ein deil porten deden sie dry storme." — Letzterer 
führt als Grund für das Scheitern des Sturmes die Saumseligkeit im bi- 
schöflichen Lager an. „Mehr hedden die lansknecht anderhalf stnnt ehe 
angefallen, so hedden sie die stat gewunnen gehat, wante sie wachten tIcI 
tho lange up den dagh, dat it tho licht was." Uneinigkeit unter den 
Landsknechten kam hinzu. 



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Anno 1534 acta. 079 

Inter portam Neopontanam et Crucis, quasi ea pars urbis 
defen*soribus nudata esset, hostem primara fossam vallumque »p. 539. 
superare sinnnt*. Id cum posteriores animadverterent, priores 
in urbem evasisse existimant, magno proinde nisu subsequuntur; 
alius alium ad invadendum et verbis et nutibus extimulat. Be- 
tincti vero in insidiis tectisque propugnaculis latitantes et omnia 
ad mactandum parata habentes, ubi satis hostium vallum trans- 
isse putarent, tanto telorum turbine eos invadunt et ad satie- 
tatem sternunt, ut pauci se fuga eriperent. Non enim aliter ibi 
chyrobombardae, quam arengarum ova in ignem coniecta sonant 
et sine intermissione crepant. Ita repulsi novis saepe viribus 
impellente equitatu impressionem redintegrant eamque ad vespe- 
ram eins diei magna suorum strage frustra continuant. Tandem 
vivi diutumitate oppugnationis defatigati, lassitudine propemodum 
exanimati vulneribusque confecti non solum muros et aggeres, 
verum etiam fossarum aquas et campos sanguine suorum com- 
militonum rubere et innumera cadavera passim prostrata videntes 
spem potiundae urbis abiiciunt. Duces etiam milites in angu- 
stum adductos esse sentientes desperatis quasi iam rebus suis 
receptui canunt integrosque pedites ad castra revocant. Multi 
semianimes inter cadavera fusi resumpto spiritu in quiete noc- 
turna vel ad castra repunt vel eo deferuntur^. Dici vix queat, 
quantus in castris fuerit luctus virorum carissimos suos com- 
militones desiderantium, quantus fletus vulneratorum intolera- 
bilem cruciatum sentientium, quantus ululatus feminarum ma- 
ritos amissos querentium ! Si retinctis non fuisset satis hostem 
a moenibus propulisse, sed in tanta perturbatione erupissent, 
castra aliquot sine dubio fudissent et internecione delevissent. 
Id cum miles metueret, vigilias noctumas accurate disponit^. 



') Nur von Kerss. überliefert. 

*) Nach Joh. Fabricius Bolandus Bl. T5; 

„Repit et huc noctu quae pars est saucia, multos 

Mors adimit largo fusa cruore viros. 
Seinineces socii superante dolore gementes 
In sua nocturno tempore tecta gerunt." 
') So auch Joh. Fabricius Bolandus a.a.O.: 

„Cumque metus foret huc hostis ruitura per astus 
Agmina, noctivagas sors facit excubias.^^ 



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680 Anno 1534 acta. 

Post amplissimam istam victoriam oppidani, cum pau- 
cissiml, nempe decem et sex, cecidissent ^, non solum hynmos 
Deo gratias agentes cannnt, verum etiam epulantur, festos laetos- 
que dies agunt et Insolentiores finnt^ Princeps vero non tan 
impensarum, quam insigninm viroram clade consternatus gemit 
et animo vehementer angitur, non tarnen spem potiundae urWs 
prorsus abiicit, sed dioecesis ordines, militiae duces, signiferos, 
♦p. 540. centu*riones et primipilos de rebus futuris consultandi gratia si 
3. Sept. tertium diem Septembris convocat. Qui ut urbem vi non posse 
capi animadvertunt, ad moras consilium vertunt; sie enim rem 
minori impendio et clade militum posse peragi existimant, ma- 
xime cum a transfugis accepissent oppidanos de commeatus pe- 
nuria incipere queri, hordeum siligini ad panem misceri, coemi- 
teria aliasque in urbe areas, imo ipsos urbis vicos silicibus di- 
motis frumento, oleribus, radicibus, rapis et similibus ad usum 
hominum necessariis consitos esse, quae omnia certissima sim 
argumenta ipsos de annona desperare, et parum rerum necessa- 
riarum ipsis superesse ^ ünanimi ergo consilio decernunt militum 



^) „Item in deme stürme blieben in Munster irgend 15 oder 16 per- 
sonen." So bekennt Job. Kloprifs a.a.O. S. 133. Abgesehen von dem ganz 
allgemein gehaltenen Berichte des Joh. Fabricius Bolandus sind Nach- 
richten über den Verlust der Münsterer nicht erhalten. Kloprifs hat wold 
die Zahl der in der Stadt Gefallenen zu niedrig angegeben. Sehr grofs 
war die Anzahl der Gefallenen auf der bischöflichen Seite. „Nicht ane 
merkligen schaden unser krjgeslude^' habe man den Sturm aufgeben müssen, 
schreibt der Bischof am 31. Aug. an Lubbert Torck (Konzept im St.-A. M.), 
Die Bischofschronik meldet (M. G.-Q. I, 3;^2), dafs der Sturm „mit vor- 
lesingh veles guden volckes ifs affgeschlagen." Vgl. auch D. Lilie S. 242. 
Die Flugsclirift „Der gantze handel" berichtet Bl. A2: „Da ist ein grofse 
menig volcks, edel und unedel, umbpracht und vil gewundt. Es sein 
auch 42 namhaffter Haubtmänner, welche in vil kriegen ge- 
ubet und eer eingelegt, blibcn. Dergleichen otlich Kriegss- 
volck der stat zugefallen und eingelauffon." 

*) Aehnlich Joh. Fabricius Bolandus Bl. T8. „Nach verlore- 
nem storm hebben se Got gelovot^" heifst es im Bekenntnisse des Dionys. 
Vinne (M. G.-Q. II, 27G). Vgl. auch die Ausfuhrungen bei H. Gresbeck 
S. 81 und D. Lilie S. 242. 

■) Verhörsprotokolle aus der Zeit vom Juli bis September scheinen 
nicht erhalten zu sein. Die Aussagen der im October aus Münster ent- 
sandten Apostel verbreiten sich mehrfach über den Stand der Verprovian- 



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Anno 1534 acta. 681 

nameram esse minaendum et circam urbem per certa intervalla 
Septem propugnacnla sea castella esse erigenda eademqne muni- 
tionibus et sufficienti praesidio aliisqne rebus ad bellum perti- 
nentibus firmanda ; interstitia quoque inter singula propugnacula 
yallo fossaque contiuuo ductu esse obstruenda, ut tarn aecessus 
ad urbem quam egressus omnibus praecludatur *. Huic rei con- 



tierung der Stadt. Danach aber kann für die von Kerss. hier bcrülirte 
Zeit von einem empfindlichen Mangel an Lebensmitteln in Münster noch 
nicht die Rede sein. „It is noch an wine, her und brode ein iair 
lanck genoich dar," sagt Dionys. Vinne (M. G.-Q. II, 277). Joh. Klop- 
rifs äuTsert sich (bei J. Nies er t a.a.O. S. 125): „Als er noch in Munster 
was, do hetten sie ... noch korns und gersten gnug." Auch Herrn. 
Regewart erklärt (bei J. Niesert a. a. 0. S. 28), „körne s solde noch 
genoich dar bynnen wesen, avers solt und botter wjUe syns be- 
dunckens mangelen, wuwoll he gehört, dat Johan Dusentschur gesacht, 
kostes solle noch bjnnen twe jaren gyn mangel wesen." Joh. Beckmann 
setzt noch hinzu, „specks und flesches sy noch bes Paschen genoich" (ebd. 
S. 35). Endlich meint Gottfr. Stralen (ebd. S. 59) ganz allgemein, sie „soUen 
noch vor ein yar proviande genoich hebn." Vgl. auch H. Graes' Aussagen 
in der Zeitschr. 27 S. 264, nach denen noch Malz, Roggen, Gerste und 
Speck in grofser Menge vorhanden ist. Nur von Salz und Käse ist wenig 
da, an Butter giebt es noch ungefähr 14 oder 15 Fafs. 

') Von einem solchen Beschlüsse erfahren wir aus der Instruktion 
des Bischofs für eine Gesandtschaft an den Erzbischof von Köln (Kopie 
im St.-A. M. M.L. A. 5lb/l9 IV. fol. 112). Die Instruktion ist zwar un- 
datiert, fällt aber zeitlich vor den 14. Sept., da in ihr dieser Tag als für 
einen demnächstigen Landtag zu Telgte in Aussicht genommen bezeichnet 
wird. Es heifst in ihr, „das s. f. g. der Sachen nit besser zu verhelfen 
wisse noch zur zeit, dan das die blockheusser mögen geslagen werden, wie 
der abscheit auch mit s. churf. g. genomcn ist; daruff dan vor Munster 
von s. churf. g. und meins g. h. von Munster rethen, auch den verordcnthcn 
von der lantschafft der pletz und stede besichtynge bescheen ist, wo sie 
am bequemsten zu leggen sein, das die einhaber der statt Munster ver- 
hindert werden, profianden, pulver oder anders einzufuren . . . Und ist von 
denselbigen vor guit angesehen nah der weytte der statt, das syben bloch- 
heuser zu machen und von nothen sey, und das die besatzt werden mit 
drithalb tausent knechte." — Kerss. irrt, wenn er die Zustimmung des 
Landtages bereits auf den 3. Sept. verlegt. Der Landtag war vielmehr 
wirklich erst auf den 14. Sept. nach Telgte zusammenberufen und bewil- 
ligte in seinem Abschiede am 16. Sept. (St.-A. M. Landtags- Akten; s. auch 
Zeitschr. 24 [1864] S. 312 fit.) die dringend nötige aufserordentliche Steuer 
zur Errichtung und Unterhaltung der Blockhäuser und bestimmte aufser- 



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682 Anno 1534 acta. 

ficiendae Wilkinus Stedingns praeficitur. Eadem cum in comitiis 
Essendianis proponerentur, ad quae praeter episcopum Monasteri- 
ensem, archiepiscopus Coloniensis, dux Sazoniae elector, dox 
Cliviae aliiqne proceres convenerant *, placnerunt, et plurimum 
commoditatis adferre visum est, si episcopns noster trecentos 
equites armatos semper in procinctu habeat, qni oppidanos erup- 
tionem forte molientes ant repellant aut intercipiant. 
4. Sept. Princeps itaque per literas 4. Septembris emissas * satrapis 



dem, dafs sich der Bischof für weitere Ilülfe an den Kaiser und an die 
Fürsten und Stände des Reiches wenden solle. Vergl. auch L. Keller: 
G. d. W. S. 2G2. — Die schriftstellerischen Quellen geben nur ganz kurze 
und unzureichende Nachrichten über die Errichtung der Blockhäuser (s. die 
Bischofsclironik M. G.-Q. I, ;335, Joh. Fabricius Bolandus Bl. V2, 
H. Gresbeck S. 1G8 f. und D. Lilie S. 242). 

^) Kerss. verwechselt hier wohl eine erste Zusanunenkunft zu Essen 
zu Beginn des September, über die ich freilich keine Akten gefunden habe, 
mit einer zweiten zu Anfang des November. Dafs der Bischof gleich nach 
dem verunglückten Sturme mit seinem „hofleger und gesinde, eck de an- 
deren uthlendeschen heren, upgebrocken und vertogen," geht aus dem 
Briefe hervor, durch den ihn Etliche aus dem Domkapitel und der Ritter- 
schaft am 5. Sept. in die Nähe des Feldlagers zurückzurufen versuchen 
(M. G.-Q. II, 267). Die eben zitierte Instruktion des Bischofs stellt eine 
Vereinbanmg desselben mit dem Erzbischofe von Köln über die Anlage der 
Blockhäuser als sicher hin, und Herzog Johann erwähnt in einem Schreiben 
vom 11. Sept. (Orig. im St.-A. M.) dem Bischöfe gegenüber, indem er Vor- 
schläge macht, wohin „de nastendigo pennyngen" geschickt werden möchten^ 
einen „jungst genomen affscheid zu Essend.^^ Keincnfalls kann 
aber schon damals auf einem ersten Tage zu Essen der Kurfürst Johann 
Friedrich von Sachsen an den Beratungen und Besclüüssen teilgenommen 
haben, denn noch am 20. Sept. lehnt er jede von ihm durch ein bischöf- 
liches Schreiben vom 10. Aug. erbetene fernere Hülfe mit dem Hinweise 
darauf ab, dafs der Bischof bei Bestrafung der Stadt keinen Unterschied 
machen woDe zwischen den Anhängern der Wiedertaufe und denen des 
Evangeliums. Abdruck des Briefes bei L. Keller: G. d. W. S. 321 f. Erst 
der Vermittlung des Herzogs Johann von Cleve gelang es, zwischen dem 
Bischöfe und dem sächsischen Kurfürsten eine Annäherung zustande zu 
bringen, deren Folge im November eine Zusammenkunft der Kurfürsten 
von Köln und Sachsen, des Herzogs von Cleve und des Bischofs Franz in 
Essen war. S. L. Keller a.a.O. S. 264 ff. und in der „Histor. Zeitschr.,*^ 
herausgeg. von H. v. Sybel, Bd. 47 (München u. Leipzig I8rt2) S. 432. 

") Aus dem Feldlager vor Münster. Konzept im St.-A. M. Einge- 
leitet ist der Befehl mit den Worten: „Szo wy myt krigesreden, dom- 



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Anno 1534 acta. 683 

et praefectis suis passim per dioecesim serio mandat, ut ser- 
vorum^ tnrbas nulla ratione habita, cniusque sint send, ad 7. 
diem Septembris fodiendi terramqne coacervandi gratia advoceAt 7. sept 
ac singnli in quintum diem commeatu se muniant; elapsis vero 
diebüs qoinqne alias servoram tnrbas mittant, ne opus coeptum 
intermittatur. Ipsi quoqne praefecti et satrapae sua praesentia 
suos agricolas ad continunm laborem extimnlent^. 

Eo labore antequam castella locentur et contra oppidanorum 
impetnm maniantnr, magna pars autnmni consumitnr \ Septem 
Ms castellis totidem duces cum praesidiis praeflciuntur. Proxi- 
mum fere urbi fuit Mauritianum, cui Wilkinns Stedingus, *omni3 »p. 541.. 
pedestris ezercitus dnx primarins, praeest; altemm in valle iuxta 
pratum Drolshagii* extmitur, quod Hanso Teckelenbnrgicus mo- 
deratur; tertium super Geistam iuxta molam flatilem xenodochii 
attollitur, quod Antonius Lichtherte regit; quartum super Teltam 
ad portam Marianam ponitur, quod Hermannus Sittardus ad- 
ministrat; quintum ad portam ludefeldanam in confinio Stephani 



kapittell und gemeiner ritterschap . . . overkomon undc beslotten, eilige 
blockhuser vor der stadt Munster up f schlaen und an de orde vcm genoch 
yan der stadt to leggcn, dat de grever van dem geschulte uude zufs aUent- 
halyen unbcscheddiget bliven sollen ..." 

') Im bischöflichen Befehle: grever. — *) Im bischöilichon Befehle: 
„. . . dat du ock sulvest mit djnen richtem und vogcdcn des orts, dar de 
grever tor tith upgebracht worden, mith den luden ©verkommest, ze in 
arbeide bewarest und by ennen bes tor entschap verblivcst." 

') Häufig finden sich in den Akten Klagen über die Nachlässigkeit, 
mit der der Bau der Blockhäuser betrieben wurde. Vergl. den Brief des 
landständischen Ausschusses an den Bischof vom 8. Sept. (M. G.-Q. II, 
268 f.). Schon am 18. Sept. melden die verordneten Feldherren und Rate 
aus Tclgte dem Bischöfe (Orig. im St.-A. M.) abermals, dafs sie bei einer 
Inspektion am vorhergehenden Tage „hebben by dem arbeide gyne ampt- 
lude eder geschickte, doiglige bevelhebbcr, weynich grever und arbeider, 
ock noch wagen, holthouwer eder tymmerlude befunden." Bei Gelegenheit 
der Zusammenkunft zu Essen entsandlen die Kurfürsten von Köln und von 
Sachsen sowie der Herzog von Cleve am 9. Nov. eine Kommission zur Be- 
sichtigung der Blockhäuser. Der Bericht dieser Kommission, datiert aus 
Warendorf vom 17. Nov., tritt besonders für Vermehrung und für Ver- 
besserung der Beschaffenheit des Geschützes und für strengere Regelung 
des Wachtdienstos ein (Akten im St.-A. M. M. L. A. 518/19 VIII. fol. IUI ff.). 

*) Bei Lütkenbeck. 



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684 Anno 1534 acta. 

Bodden et fratrum Pontissalientis erigitur, cni Egbertus Deve- 
renus imperat; sextum iuxta locnm Hoystacken appellatnm ad 
pbrtam Cmcis excitatur, quod Lanrentius Horsthanus gubemat; 
septimnm apnd molam Eninckinganam iuxta campnm ibi ac- 
clivem locatur, cuius sceptra Wilhelmns Amhemicus tenet^ 
Singulis autem stativis tormenta et quingentorum armatomin 
praesidium imponitur. Reliqui milites parcendomm sumptnum 
gratia paulatim exauctorantur. 

Dum haec ita aguntur, princeps difficilem hanc et peri- 
culosam obsidionem dioecesis impensis diutius sustineri non 
posse videns (nam non solum attritae, verum etiam crebris ei- 
actionibus exhaustae propemodum erant subditorum facultates, 
cum ultra 600000 florenorum in hoc bellum insumpsisset *) de 
consensu omnium dioecesanorum legationes ad quatuor electores 



') Aktcnmäfsig finde ich die sieben Blockh&user zum ersten Male 
aufgeführt in einem Erlasse des Bischofs vom 3. October, in dem er den 
Amtleuten befiehlt, dafür Sorge zu tragen, dafs den Blockhäusern „alle 
wecke beer, broith, fleisch, kese, botter und ander nottrofft togefoert, und 
dat sodane provande nicht to hoge gesath, dan umb geborlich und teme- 
lich gelt gegeven" werde. Kopie in der Bibliothek des Altertumsvereins 
zu Münster, Mscr. 101. Es heifst da: „Twe blockhuser ym Dale und np 
der Geist. An der Telth Herman Sutters blockhuefs. Am gelresschen leger 
Egbertz van Doveren blockhuefs. Achter Suerhues leger Wilhera van Am- 
hems blockhuefs. Maurjtz leger des oversten blockhuefs. Achter den cle- 
vesschen leger Lentzen van der Horst blockhuefs." 

*) Nach der von Kerss. oben S. 548 erwähnten Kleinodien-, Pflug- 
und Viehschatzung bereits im März hatten die Landtage auf der Heide 
hinter St. Mauritz am 18. Juni, zu Telgte am 14. Sept. und zu Ahlen am 
10. Nov. drückende allgemeine Landsteuem bewilligt. Yergl. dazu des 
Pfennigmeisters Joh. Hagebocke „Specificatio derer kosten ...,** heraus* 
gegeben von F. Kellerhoff in der Ztschr. 24 (18G4) S. 297 flf. — Nach dem 
Hülfsgesuche des Bischofs an den Kurfürsten von der Pfalz (undatiert, aber 
aus dem September stammend; Kopie im St.-A. M. M. L. A. Ol 8/ 19 IV. 
fol. 101 ff.) beliefen im siebenten Monate die Kosten der Belagerung sich 
„an de sess mael hundert dusent gülden." In der Instruktion zum Kreis- 
tage zu Köln am 25. Oct. liefs der Bischof vortragen (M. G.-Q. II, 286), 
dafs sich die Kosten „over de seven mail hundert dusent gülden bewifslich 
erstrecken." In einer Werbung um eilige Hülfe bei Burgund vom lö. Nov. 
(Kopie im St.-A. M.) giebt er die Kosten für acht Monate auf 800000 
<julden an. 



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Anno 1534 acta. 685 

Moguntinum, Coloniensem, Trevirensem et Palatinum ac prin- 
cipes trium provinciarum Oermaniae, seil. Bhenanae, Inferioris 
ac Westphalicae, aoxilia petitnm mittit. Divisa enim est Ger- 
mania in aliquot provincias, quas circnlos vulgus vocat. Haec 
aatem legatio apud omnes tarn benigne est exandita, ut in co- 
mitia Conflnentiae ipso die Lnciae% qaae fait 13. Decembris, 
celebranda citra tergiyersationem consentirent, in qnibus res illa 
exactius discuteretur \ Quae autera in eo conventu auxilia sint 
decreta, suo loco dicetur. 

Caspar ludefeldus ac Petrus Frisius cives, qni ante urbis 
obsidionem, cnm sibi timerent, et urbe et dioecesi excesserant, 
archiepiscopo Coloniensi, duci Saxoniae aliisque principibus pro 
libero commeatu in dioecesi Monasteriensi impetrando suppli- 
cant; se apud principem et quoslibet alios de quocunque cri- 
mine obiecto purgaturos. Hos archiepiscopus Amsbui-gum ad 
6. diem Septembris vocat; ibi ipsos praesentibus *Monasterien- *?• 542, 
sium consiliariis responsum recepturos^. *' ^*' 

») Ms.: Lunac. 



') Die Akten aber erweisen, dafs die Sache für den Bischof durchaus 
nicht 80 leicht verlief. Genaueres darüber s. weiter unten bei Gelegenheit 
des Tages zu Cohlenz. Vgl. auch L. Keller: G. d. W. S. 262 ff. und in 
der «Histor. Zeitechrift" Bd. 47 (1882) S. 432 ff. — Die Vermittlung um 
Hülfe bei den Kurfürsten von Mainz, Trier und der Pfalz sowie bei dem 
Bischöfe von Lüttich hatte zunächst zwar der Erzbischof von Köln über- 
nommen, doch ging der Bischof sehr bald auch selbständig vor. 

*) Das Entweichen des früheren Bürgermeisters Kasp. Judefeld aus 
Münster erwähnte Kerss. oben S. 517. Schon am 30. Juli hatte er sich 
brieflich an den Grafen Wilhelm von Nassau mit dem Wunsche gewandt, 
derselbe möge für ihn beim Bischöfe freies Geleit und die Möglichkeit, 
sich zu rechtfertigen, auswirken (Orig. im St-A. M., abgedr. bei J. Nie- 
se rt: U.-B. IK S. 243 ff.). Auf Antrag des Grafen von Nassau erbittet 
dann am 4. Sept. der Erzbischof von Köln das freie Geleit für Judefcld, 
das Bischof Franz bei Gelegenheit einer Gesandtschaft nach Köln auch in 
sichere Aussicht stellt. Doch hat der Bischof seine Zusage nicht gehalten. 
Denn schon am lü. Sept. wiederholen Kasp. Judefeld und Pet. Friese, die 
inzwischen am ü. Sept. in Arnsberg eine Zusammenkunft mit dem Erzbischofe 
von Köln gehabt hatten, ihr Gesuch um Geleit und Verhör, erneuern es 
am 10. Nov. abermals und hatten unterdessen in Soest auch die Vermitt- 
lung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen für sich gewonnen, der 



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686 Anno 1534 acta. 

Post hanc postremae oppugnationis cladem multi milit^s 
desertores finnt, cuni tarnen de stipendii sibi addicti mora qneri 

14. septnon possint^ Proinde episcopns per scripta 14. Septembris 
emissa a vicinis principibus familiariter petit, ut milites per 
snas ditiones sine ducis sui commeatn transire volentes remo- 
rentur legitimisque poenis afficiant^ 

16. Sept. Praeterea, ut snbditi in officio contineantur, 16. Septembris 

magistratus omnium oppidorum et satrapas per scripta* admonet, 



in einem Schreibon vom 13. Nov auch seinerseits für die in Ungnade ge- 
fallenen beiden Münstersclien Bürger beim Bischöfe eintritt (Akten im 
St.-A. M.). üeber Judefeld habe ich weitere Akten nicht gefunden. Kerss. 
hätte, wie schon C. A. Cornelius (M. G.-Q. II. Einl. S. 45 f.) betont, 
gewifs leicht nSliere Xacliricliten beibringen können, da er eine geborene 
Judefeld zur Frau hatte. Wir werden dem Kasp. Judefeld weiter unten 
zum Jahre 1553 wieder begegnen. — Pet. Friese beklagt sich noch am 
28. Aug. 1535 in einem Schreiben an den Bischof über dessen dauernde 
Ungnade und über die Femhaltung von seinen Gütern. Erst auf wieder- 
holte Vermittlungsgesuche des Wenemar Ewerswin vom 17. und 25. Sept. 
hin (Orig. im St.-A. M., s. auch M. G.-Q. II, 382 f.) verfugt der Bischof 
am 29. Sept. aus Horstmar: „So vorn nu gemelter Peter geneigt, uns als 
dem lantfursten, wie ander weder ingekomen borger gedaen, huldynge, eidt 
unde loffte to doen unde zick vemer gelick denselven to holden, alsdan 
mögen wy, zick wedder bynnen unse stadt Munster to ergeven, erlyden." 

^) Schon gleich am 31. Aug. hatte der Bischof aus dem Feldlager 
vor Münster dem Lubbert Torck gemeldet (Konzept im St.-A. M.), dafs 
infolge des abgeschlagenen Sturmes „under den unsen etlige unwyllicheit 
entstanden, dat deselven nycht zo balde weder an den storm zoUen syn to 
bewegen." Ueber das massenhafte Verlaufen der Knechte, über das der 
Bischof am 6. Sept. in seinem Hülfsgesuche an den Herzog von Cleve kla^irt 
(Konzept ebendas.), vorgl. besonders die Schreiben einiger Mitglieder des 
Domkapitels und der Ritterschaft vom 5., 8. und 9. September an Bischof 
Franz (M. G.-Q. II, 267 ff.)- 

®) Konzept des bischöflichen Schreibens aus Telgte an Cleve, Köln, 
Hessen, Bremen, Geldern und den Statthalter von Fricsland im St-A, M. 
Es heifst darin auch : „Wo wall wy de lantzknechte ... der gcstalt 
vermoget unde betalt, dat zick des gyn redoliker myt der 
warheyt to beklagen kann hebn, dennoch befynden wy, dat der- 
selven knechte vast aUe dage yn groten unde kleynen getale erer ede unde 
plichtunge unbedacht uth unserm denste unde betzoldynge verlopen." 

*) Aus Telgte. Nach dem Konzept im St.-A. M. abgedruckt bei L, 
Keller: G. d. W. S. 320 f. Der Inhalt des Briefes ist nicht genau wieder- 



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Anno 1534 acta. 687 

cum Monasterienses in coepta rebellione pertinaciter perseverent 
malisque suis exemplis multos ad similem contumaciam commo- 
vere queant, ut civium subditornmque suorum rationem habeant, 
ne se suosqne in simile discrimen et tandem exitium praecipitent. 
Kex recenti victoria inflatus fastnm intolerabilem ornatu, 
incessu et moribus ostentat ac originis vitaeqne suae pristinae 
immemor et oblitus qnotidie nova, quae ad regium deciis illu- 
strandum pertinent, conmiiniscitur, saevns et crudelis in sub- 
ditos. Joannes antem Dusentschuer propheta \ cum de regis fastn 
et crudelitate plebem infausta mussitantem intelligeret, minam 
novi imperii, cuius ipse auctor fuerat, mctuit, nisi ipse illud 
novo robore firmaret. Die itaque 23. Septembris in concione et 23. sept. 
publice populi conventu ad audiendum verbi Dei de more coacto 
vocera suam exaltat: „Pratres," inquit, „christianissimi, recenti 
vos adhuc memoria teuere arbitror, quod quibusdam ex vobis 
decem iam annis, quibusdam sex, aliis tribus, aliis paucioribus 
annis verbum Dei annunciatum sit." Eespondet tota multitudo 
se id scire. „Audite ergo, populi," inquit, „et intelligite ver- 
bum Dei, qnöd per me vobis nunciatur! Omnes, quotquot dehinc 
in agnitam veritatem pertinaciter peccant, neque in praesenti 
saeculo neque in futuro delicti gratiam invenient, sed continuo 
regis arbitrio tradentur, qui eos ensigero committet, ut tales de 
medio Israhelis tollantur et memoria illorum sempitema oblivione 
deleatur." Hac ratione meditantes rebellionem ita coercet, ut 
nemo virorum contra regem regiaque instituta mutire audeat. 
Sed tamen Elizabeth Holschers, cum mulier esset, plus sibi forte 
ratione sexus impunitatis sperans dominum ac maritum suum 
Godefridum Beckers ter quaterve negando coniugii debitum enor- 
miter offendit ac tandem manifestam blasphemiam, ut retinctis 
Visum est, *eflFundens: „0 Pater," inquit, „si potens es», effice, »p. 543. 

») Ms,: est. 



gegeben. Der Bischof befiehlt, dafs die Städte unter ihren Bürgern „gyner 
ungewontliger nyerong cddor rotterycn" gestatten, und falls dieselben vor- 
kämen, bestrafen sollen. Zu gleicher Zeit befiehlt der Bischof den Amt- 
leuten, „yn eren ampteren unde buyten den steden des handeis upsicht to 
hebn unde den steden . . . hulp unde bystant to doen.^^ 
') Das Folgende berichtet nur Eerss. 



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688 Anno 1534 acta. 

ne unquam thorum istum iugalem viva conscendara!*' Propter 
haec, si diis placet, nefanda flagitia a marito ad tribnnal pro- 

«6. sept tracta, accnsata ac omninm prima a rege damnata 25. Septem- 
bris gladio punita est, nee sexus eam in iudicio tyranni ex- 
cusavit^ 

26. Sept. Die 2G. Septembris Catharina Kokenbeckers alio nomine 

Wulves gladio quoqne iubente rege caesa est, qnod cnm duobns 
maritis, cum altero Bernardo Emingo pridie coram Inlio epi- 
scopo, cum altero vero Francisco Wast Zelando postridie nuptias 
celebraverit. Eegia enim lege solis viris, non mulieribus poly- 
gamia permittitur. Margareta etiam Osnaburgica hoc eodem 
mense ferro percussa est, quod Henricum Schlachtschapium, 
verbi Dei praeconem, non solum convitiis exceperit et ipsum in 
arena fundamentum doctrinae suae posuisse dixerit, yenim etiam 
in contemptum verbi Dei in faciem eins expuerit. 

Barbara uxor Butendickii in initio Octobris a domino ac 
marito suo publice accusata est, quod sibi obmurmuraret ac 
multis yerbis contumeliosis obstreperet dicens se cum aliis suis 
coniugibus ac consororibus non spiritualiter, sed camaliter agere 
et cum iisdem corpus saepe miscere. Protracta itaque ad iu- 
dicium morti adiudicatur. Joannes autem Dusentschuer pro- 



*) Zur Sache vcrgl. hier und für das Folgende auch oben S. 629 f. 
Xach den Aussagen der im Octoher ausgesandten Apostel herichtet die 
^Newe Zeitung" (Zeitschr. 27 S. 2()()) : „Wenn der weyher eines von einem 
andern man odder irer gescllin eine unfreundlich angesehen wird, der mucfs 
als bald beklagt werden und sterben, desgleichen auch die weibor, 
wo eine mit einem andern berüchtigt wird." „Wo ein wcyb mit 
dem andern zürnet oder zancket, haben sie den kopff verloren," heifst es 
in der ,,Newen Zcjtung" Bl. A 2^. — Die von Kerss. hier angeführten Bei- 
spiele der Bestrafung von Frauen sind aus andern Quellen nicht zu kon- 
trolieren. Nur gestehen die beiden Knaben Herm. MoUenhccke und Joh. 
Huttman am S.Juni 1535 (St.- A. Marburg): „Item een Beckersche sy 
gethot, dar sie dem man auch ungehorsam gewest. Itom es 
wurden noch drei gerichtet." Weiter sagen sie aus: „Item ein maget 
Annokc hat eynen man genomen, der hadde vor ein weih, und die anderen 
frauwen schundten sie darein, das sie bey den man nicht schlaffen wolto; 
darumb lies ir der konig den köpf abhawen. Item mit ir noch ein ge- 
richtet, dy hies die Schomsteinfegersche, die was irem man ungehorsam 



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Anno 1534 acta. 689 

pheta: „Haec," inquit, „per iustam sententiam damnata mone- 
tär, sed cum ferat uterum, in gratiam partus, donec pepererit, 
conservabitur;" quo in lucem edito futurum esse, quod Patri 
Visum fuerit. lila continuo humi strata dominum ac maritum 
suum suppUciter veniam et gratiam precatur. Maritus vero 
ignarus virum esse inter Deum et uiorem suam, nisi pertina- 
citer peccaverit, mediatorem, culpam magistratu inconsulto re- 
mittere non audet. Post partum autem 23. Febr. anni 1535 ^^i^^^* 
iterum ad iudicium deducta mitiorem sententiam audivit: se 
satis diuturno mortis metu mortificatam esse, et cum a domino 
ac marito suo, in quem non pertinaciter deliquerat, delicti gra- 
tiam petiverit, criminis absoluta est. M. Eberardus Kribbe, 
faber lignarius, cum propter crimen laesae maiestatis in regem 
commissum interficiendus esset, suae artis excellentia criminis 
remissionem meruit. 

Inde circa festum Gereonis * in Octobri senatus Bremensis oct. 
amanu*ensem curiae suae ad principem nostrum ablegat, cuius*p. 544. 
legationis hie erat scopus : Se, si et princeps ferat et Monasteri- 
enses prius impietati renunciaverint, controversiam intercepturum 
et aequis conditionibus per gratiam Dei sublaturum^ Ad quae 



*) 10. October. — *) Vergl. das Schreiben der verordneten bischöf- 
lichen B&te zu Wolbeck vom 10. October an den Osnabrückschen Kanzler 
Joh. Merkel und den Hofmeister Friedr. v. Twist (Orig. im St-A. M.). Die 
Räte melden darin: „De huisschriver to Delmenhorst bericht uns itzt, dat 
he underweges mith dem Bremeschen secretario in underreddong gekommen 
und verstanden, wo de van den Oisterschen steden mit credentzen und 
werffongen an unsen gnedigen fursten und hem van Munster uthgeferdigt, 
dat zine f. g. den ger. steden tusschen ziner f. g. und den van Munster 
underhandelonge gestaden wolde.** In Bremen bestand der Wunsch, zwischen 
dem Bischöfe und der Stadt Münster zu vermitteln, schon länger. Bereits 
am 24. Juni schreibt Herzog Ernst von Braunschweig -Lüneburg an den 
Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen (M. G.-Q. 11, 257), „das ein rat 
der stat Bremen iren geheimen secretarien hie bei uns gehapt und neben 
anderen anzeigen lassen, ... das sie nochmals bitten, wie es imer 
zu thun, das man wolt ein beschigkung an den bischof und 
stat ... aussmachen. Was sie vor sic|^ selbs und mit zutziehung anderer 
stette hirtzu thun künden, weiten sie sich auch erpotten haben. ^ — Auch 
in Bremen hatte man sich mit der Zeit gegen den Einflufs wiedertäufe- 
rischer Lehren zu schützen. Vgl. W. v. Bippen: Gesch. der Stadt Bremen 

20 



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690 Anno 1534 acta. 

princepsM Cnm Monasteriensium impietatem et rebellionem non 
solum caesareae maiestati, veram etiam electoribns, principibns 
aliisque imperii statibus per legatos suos nunciaverit praesidium- 
que adversns iUos imploraverit *, ea quidem spe et fiducia, ut 
divina ope nrbem Monasteriensem ad poenam bene commeritam 
et pristinam obedientiam revocet; se itaqae solnm exclusis et 
imperii et dioecesis statibus in nnllas pacis conditiones consen- 
summ. Se tarnen Bremensinm oblatum officinm et petita stati- 
bus rennnciatumm. Sed cnm ab imperii principibns decretnm 
sit exempla anabaptisticae perfidiae in ea urbe tanqnam eins 
scbismatis asjlo statnere, maxime cnm adeo praefracte snam 
impietatem tneantnr, nt in minimo ab ea recedere nolint, Bre- 
mensibns responsnm est pertinaciam Monasteriensium nullam 
neque gratiam neque pacis foedera mereri^ 

Bemardus Enipperdollingus ^ cum loannem Bokelsonem 
Leydanum Hollandum, bumili loco natum, rithmolognm seu 



Bd. 2 (Bremen 1895) S. 97 f. und die Yerordnung des Rates gegen die 
Wiedertäufer vom Jahre 1534, abgedr. im „Bremischen Jahrbuch*' Serie 2 
Bd. 1 (Bremen 1885) S. 163 E 

') Die folgende Antwort erteilt der Bischof seinen B&ten in einem 
Schreiben (Konzept ohne Datum im St.-A. M. M.L. A. 518/19 IV. fol. 195»), 
in dem er ihnen auch mitteilt, daüs der Bremer Syndikus in Osnabrnck 
gewesen sei, und dafs mit Bremen zusammen auch andere Hansestädte 
vermitteln wollten. 

') Im Schreiben fügt der Bischof hinzu: „und wy uns ock mit etligen 
chur und forsten dusser sacken halven in verstaut und buntnisse begeven . . .'^ 

") Die schliefsliche Antwort des Bischofs an Bremen hat sich bis 
jetzt weder in Bremen noch in Münster gefunden. 

*) Ueher das Yerh&ltins zwischen Johann v. Leiden und Enipper- 
dolling geben uns die Quellen in keiner Weise genügenden Aufschlufs. Dafs 
zeitweilig ein schroffer Gegensatz zwischen den alteingesessenen Münster- 
sehen Bürgern und den zahlreich zugewanderten Fremden bestand, dafür 
liefert der Mollenhecke^sche Aufruhr im Juli den deutlichsten Beweis. Eine 
Begünstigung der Fremden geht mehrfach aus den Berichten H. Gres- 
beck's hervor. Ygl. besonders S. 150, wo er erz&hlt, wie der König aUe 
di^'enigen, die dafür eintraten, dafs man noch einen König wählen, und 
dafs man einen weltlichen und einen geistlichen König haben müsse, ins 
Gef&ngnis setzen liefs, „dat sie penitentzie doin solden.'^ Er fügt hinzu: 
„Dieselve weren Hollenders und Fresen. Heddent gewest 
burgers oder lansknechte, so hedde sie der koningk laten 



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Anno 1534 acta. 691 

rhetoricastrom scenicnm, lenonem, canponem, sarcinatorem va- 
gnm, advenam et peregrinnm ad hoc honoris fastiginm emer- 
sisse videret regiumqne nomen et maiestatem incessn, moribus, 
vestitn, insignibus et ministrornm turba cnm laude et applansu 
omniom ipsnm tueri et ostentare posse, se vero, civem indi- 
genam et ex optimatnm genere procreatnm, contemni, imo se ad 
sordidissimiun camificis mnnns, qnamvis nnnc demnm eo libe- 
ratus Sit, detrasnm esse, generosnm ipsias animnm snblimiora 
affectantis vehementer contnrbat; qnare rationes sibi qoaerendas 
esse existimat, qoibus indigena peregrino praeferatar. Se ergo 
12. Octobris^ fnrere fingit. Nam hoc in urbe sibi persuaserant 12. oet. 
neminem inter se nisi divinitus forore corripi, talemque imperio 



richten/ Yon einer bisherigen Bivalität zwischen Johann und Enipper- 
dolling spricht nur Joh. Fabricins Bolandus Bl. L2^ u. NÖf., ohne 
dafs wir in anderen Quellen Bestätigung dafür finden. Dafs es aber wirk- 
lich einmal in EnipperdoUing^s Absicht lag, die Macht und Stellung des 
Königs einzuschränken oder gar zu stürzen, dafür liefern die folgenden, 
von Eerss. aus verschiedenen Quellen geschilderten Vorgänge den Beleg. 
Wichtig in diesem Zusammenhange ist auch Johannas eigenes Bekenntnis 
(bei J. Niesert: Ü.-S. I. 8. 183): „Enipp. hebbe ebne tho keinen regi- 
mente gekoren, dan er sy stil gewesen und hebbe sich van dem 
konige getogen; derhalven dan der konig sich umb seynes 
bogen geistes befurchtet Doch wil er solchs Got richten laten.** 
') Keine Quelle giebt für das Heiligen Knipperdolling's und für sein 
Verhöhnen des Königs ein bestimmtes Datum an. Dafs aber diese Vor- 
gänge sich, wie Kerss. behatif^t, am 12. Oct., dem Tage vor dem grofsen 
Abendmahle, abspielten, erscheint ebenso unwahrscheinlich, wie dafs sie, 
was Kerss. gleich weiter unten berichtet, die eigentliche Veranlassung zur 
Ansetzung der Abendmahlsfeier gewesen seien. Denn dieser nahe zeitliche 
und ursächliche Zusanmienhang zwischen den beiden Ereignissen wäre in 
den zahlreichen gleichzeitigen Nachrichten, die wir über das Abendmahl 
besitzen, gewifs nicht verschwiegen. Jedenfalls jedoch fand das Auftreten 
KnipperdoUing's zeitlich vor der grofsen Feier und vor der ihr unmittelbar 
folgenden Aussendung der Apostel Statt, und H. G res b eck 8. 142 fL be- 
richtet ungenau, wenn er es in eine viel spätere Zeit verlegt Denn schon 
in einzelnen Aussagen der gefangenen Wiedertäufer-Apostel ist von dem 
Beginnen KnipperdoUing's die Bede. Von der Teilnahme KnipperdoUing's 
am Abendmahle erzählt nur H. Gresbeck S. 110 f. Kerss. hat wohl aus 
Kachlässigkeit hier dasselbe Datum gesetzt, das er sehr bald weiter unten 
für die Zeit angiebt, zu der Joh. Dusentschuer den König zur Feier des 
grofsen Festes bestimmt 



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692 Anno 1534 acta. 

dignum; sie enim Matthissonem et Bokelsonem prophetas eva- 
sisse ac tandem regem. Per totam orbem amentis instar cursitat 
magnoqne nlnlatn et clamore onines ad poenitentiam invitat. 
„Agite,^ clamat, „poenitentiam, agite poenitentiam; resipiscite, 
resipiscite!***, quasi dicere velit oppidanos nondum yeram pie- 
tatem snb hoc rege tenere, sed aliam adhnc snperesse. Inde 
post inconditas vociferationes spnmeo ore ad forum reversus est 
•p. 545. et instar apri spumans humi prostratus tacuit. *Hinc* cum sub 
concione frequenti populus magna concionatorem audiendi avidi- 
täte inflammatus sese premeret et arctissime iungeretur, saltu 
se subito effert et instar quadrupedis supra stantium capita 
reptans singulos afflat et: „Pater," inquit, „te sanctificavit; ac- 
cipe Spiritum Sanctum!" Eundem fortasse spiritum afflavit, 
quo a terra sublatus et in sublimi supra populi capita retentus 
est. Saliva quoque oris sui quorundam caecorum oculos bis 
verbis illivit: „Eecipe visum!** Designat etiam certum in foro 
locum, ubi se hoc die moriturum et continuo resurrecturum 
affirmat^ Inde ad solium regis accedens coram rege concitatis 



^) Vgl. die Worte Ant. Corvin's in seinem Briefe an G. Spalatin 
Bl. A3^: „KnipperdoUingum hie ferunt saepe veluti enthusiasmo percitum 
per omnes civitatis vicos cnrrere solitum adeoque obyium quemque adflando 
iis verbis: Accipe Spiritum Sanctom! allocntam esse.^ In diesen Zusam- 
menhang gehört auch das Geständnis des ZiUis Leitgen (J. Nieser t a.a.O. 
S. 138): „. .. und EnipperdoUinck schrejet und reift durch die stadt: Rot 
auss, rot auss!"* 

^) Das Folgende fast wörtlich aus H. Dorp Bl. ¥2^ übersetzt 
Vgl. dazu den eingehenden Bericht bei H. Gresbeck S. 143 ff. „Dieselve, 
die hei nu gehilliget hadde,^ heilst es da, „den heft hei die haut gedain 
und heft sie gekusset für den munt und heft gesacht: Du bist hilligh, 
Got heft dy gehilliget!" Bemerkenswert ist, dafs nach H. Gresbeck Knip- 
perdolling wohl einem Teile des Volkes, später auch dem Könige den Geist 
einbliefs, dafs er aber „des koninghs reden, predicanten ofte 
dravanten nicht einen gehilliget.** 

') Vom Sehenmachen der Blinden und von der Todesprophezeiung 
Enipperdolling's berichtet H. Dorp nicht Eerss. schöpft aus den Bekennt- 
nissen der ausgesandten Apostel. Job. Boentrup sagt aus (s. die „Newe 
Zeitung" in der Zeitschr. 27 S. 265; die Nachricht ist auch von L. Hör- 
tensius S. 39 übernommen): „Knipperdolling saus in des Königs stucl 
und sprach, er wolt sterben und wider genesen, und zu gesagt, dass die 
blinden soUen sehend werden." AehnUch gestehen Dionys. Yinne und Pet 



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Anno 1534 acta. 693 

saltibus praeter communem hominnm usum ducit choreas'. 
„Sic," exclamat, „cum meretricibus quandoque saltare consnevi; 
nunc vero vnlt Pater, ut in conspectu regis mei hoc faciam." 
Per contemptum visus est haec dicere. Eex, ut erat homo calli- 
dissimus, fucum Knipperdollingi regale solium aflfectantis sen- 
tiens, cum insaniendi finem non faceret, vehementer offensus 
solium suum deserit; EnipperdoUingus vero illud occupans se 
pro rege gerit. Inde spiritu Dei se exagitari proclamat*; loan- 
nem Bokelsonem quidem regem esse secundum camem, se vero 
spiritualem futurum ; eoque dementiae tandem venit, ut utrum- 



Kucper (St.-A. M. M. L. A. 518/19 V. foL 175v), „dat KnipperdoUinck up 
de erde neddergefallen, goschumet, van sick geropen, he werde sterven und 
verryscn, blinden sehende maken, und gesacht, sulx des Yaders wille sj.^ 
Auch H. Gresbeck berichtet S. 107, wie die Predikanten verkündigten, 
die I^ahmen sollten gehend werden, und wie Knipperdolling beim Anblick 
eines Blinden ausrief: „Der sol noch weder sehende werden; solcke teicken 
sol noch Got bei uns doin!" 

') Dieses und das Folgende wieder fast wörtlich aus H. Dorp a.a.O. 
übersetzt, aus dem auch Job. Fabricius Bolandus Bl. X4^ u. X5 
schöpft, der aber von dem Heiligen Knipperdolling's Nichts weifs. Wenn 
aber H. Dorp das Heiligen KnipperdoUing's und sein Verhöhnen des Königs 
in verschiedene Zeiten verlegt, so widerspricht das, wie schon CA. Cor- 
nelius M. G.-Q. II. Einl. S. 21 bemerkt, der Erzählung des H. Gresbeck 
a. a. 0., der die Ereignisse an zwei auf einander folgenden Tagen geschehen 
und Knipperdolling an beiden Tagen seine Tänze vor dem Könige auf- 
führen läfst. 

*) Die Aussprüche KnipperdoUing's — H. Dorp hat Nichts darüber 
— entnimmt Kerss. aus Ant. Corvin: Acta etc. Bl. A3, der sie aus des 
Königs eigenem Munde erfahren hat. Vergl. auch Ant. Corvin's Brief an 
O. Spalatin Bl. B4^. Nach H. Gresbeck S. 149 sagte Knipperdolling 
Tor dem versammelten Volke zu dem Könige: „Ick solt von rechten ein 
koningh sein. Ick hebbe dj tho einem koningk gemackef Vgl. 
auch die dichterisch ausgeschmückte Rede KnipperdoUing's bei Joh. Fa- 
bricius Bolandus Bl. X5^u. X6. — Ueber sein Zerwürfnis mit Knip- 
perdolling äufsert sich der König selbst in seinem Verhöre bei J. Niesert: 
U.-S. I. S. 182 f.: „KnipperdoUinck hebbe gesacht, se handeln buten der 
schrifft, und wolde dem konige gelick syn, darnach syn liffverwarer 
werden; ist der konig van den markte upgestan und to hufs gangen . . .* 
Vgl. dazu Johann's Bekenntnis M. G.-Q. II, 374. Ein Beispiel dafür, worin 
die Predikanten nach seiner Meinung „neben der schrift*' lehrten, giebt 
Knipperdolling selbst in seinem Verhöre am 21. Jan. 1536 an (M. G.-Q. 
n, 409). 



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694 Anno 1534 acta. 

qne testamentnm tarn novnm qnam vetas et totam scriptnram 
sacram abolendam atqne e mundo tollendam, neque ad politi- 
camm legmn decretmn, sed ad natnrae et spiritns suggestionem 
vivendum esse diceret. Quam rem rex indigne ferens redit enn- 
demqne de sede sua detnrbat et in carcerem dnci iabet. Quo 
cum triduum vinctus detineretur* neque se, uti forte sperabat, 
liberari cemeret, superioris spiritus fervor paulatim flaccescit, 
sibique metuens suam culpam agnoscit et deprecatur. Se enim 
non innata quadam malitia, sed malo spiritu agitatum et de- 
ceptum esse queritur ^; se nunc praeterita noct« in carcere Patris 
inspiratione didicisse, quanti regia maiestas sit faciunda; se iam 



^) Auch nach H. Dorp Bl. F3 setzt der König seinen Widersacher 
„drey tage zur straffe gefangen.** Doch scheint die Gefangensetzung nicht, 
wie Eerss. nnd Joh. Fabricius Bolandus Bl. X 7 berichten, sofort 
stattgefunden zu haben. Wenigstens sagt Johann bei J. Nies er t a.a.O. 
S. 183 ausdrücklich aus, KnipperdolUng sei „datzumal nit gefangen*^ (bei 
J. Niesert fälschlich „mit gefangen^ gedruckt). „Dama ist bjnnen Munster,** 
heifst es weiter, „vil volcks erschotten und sunst kranck geworden, hebben 
ee gemeynt, ed sy ein straffe Gots, dar Knipperdollinck nit glich 
andern umb seiner overtreddung gestraffet sy worden. Ist 
darnach Knipperdollinck umb seiner overtreddung gefeng- 
lich angenomen biXs er seine overtreddung bckandt und böte dede.* 
Vgl. auch M. G.-Q. II, 374. Nach H. Gresbeck S. 150 hat der König 
zunächst dem Volke den Eindruck der Worte KnipperdoUing's „uth dem 
sinne gepredigt.** „Wie dat sie vertan gescheiden sint,* fährt H. Gresbeck 
fort, „KnipperdoUinck und der koningk, dair en khan ich nicht wider von 
schriven.** Er berichtet dann weiter, dafs Knipperdolling den König um 
Gnade bat, aber zwei oder drei Tage gefangen gesetzt wurde, „nicht umb 
der sacken willen allein, umb ander sacken ouck . . .** 

') „Er sy eimal gefenglich angenomen,** bekennt Knipperdolling bei 
J. Niesert a.a.O. S. 186, „der orsake, dat he etzliche verblyn- 
düng gehat, dat er nit wisse, wat er dede. Damach ist ehme van. 
dem konige ein cedel vorgehalden; hefit he gesehen, dat dednvel solch» 
in ehme solde gewerckt hebben, derhalven er dan penitentien gedan 
und loesgestalt.** Vgl. auch M. G.-Q. II, 376 f., wo Knipperdolling hinzu- 
fügt, „wie hy oich sulx in der gantzer gemeinten apentlich gesaght hedde.*^ 
In seinem Geständnisse am 21. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 409) sagt er, „er 
het eine boese driwungh und infal gehabt.** Auch Dionys. Vinne und Peter 
Kueper fuhren in ihrem Verhöre (St-A. M. a. a. 0.) an, wie KnipperdoUing 
bekennt, „dat em Lucifer verforet hedde, und sy in umwege gewesf 8. 
auch H. Gresbeck S. 150. 



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Anno J534 acta. üi)o 

non dnbitare ipsnm totius orbis fore monarcham. His rebus rex 
adductns KnipperdoUingnm carcere liberat sperans ipsnm regiis 
stndiis propensiorem posthac futnrmn K Sed captivitas illa manet 
alta mente reposta. Non enim solnm regiis coeptis clancnlnm 
obstrepebat, verum etiam officium sibi impositum respuebat^ 
ünde rex ipsum sibi ob captivitatem superiorem infensum esse 
sentiens eundem Ms scriptis admonet sibique reconciliare laborat. 

* Epigraphe literarum*. *p. 546. 

„Bemardo Knipperdollingo, legato regis novi templi, viro in 
regiis negotiis prudenter et sollicite conficiendis eximio. 

Sapientia Altissimi mentem tuam illustret, fidem confirmet, 
dilectionem adaugeat, officium tuum beneficio compenset, te ditet 
et ad bereditatem nunquam interituram deducat. Amen! Scis, 
care frater, quod te meis scriptis familiariter admonere velim, 
ut diligenter officium tuum administres, cum intelligas mihi 
impossibile esse sine ministrorum Dei ope regere, sicut nee ipse 
Dens sine ministris suis tanquam mediis causis et instrumentis 
quicquam vult operari. Quisque ergo in sua vocatione ambu-- 
labit. Ego vero, quantura pro viribus meis potui, ad regni con- 
servationem ministros disposui, te vero vicarium seu legatum 
meum in bac urbe constitui, etiamsi praesens sim. Aequum 
igitur est, ut officium tuum facias, sicut te decet. Scis me ora- 
torem et consiliarios habere, quorum opera praesenti carere non 
possum, qui mihi, quocunque etiam ivero, semper adsint et in- 
serviant, quibus unum aliquem praefeci, qui, si aliqua in re 
dissentiant, eos in concordiam sua auctoritate revocet^, ut omnia 
cum decore et, ut aequitas postulat, agantur, quamvis plebs oc- 
casionem inde sumens me regnum in alium transtulisse dicat. 
Verum qui falso et intemperanter ista efifutiunt, sperant sublato 



^) Bemerkenswert ist die freilich in einem anderen Zusanmienhange 
gethane AeuCserung H. Gresbeck's S. 110: „. . . der konigk konde Enip- 
perdoUinck nicht entheren, hei was ime ein goit blat in der karten, na 
dem mail als Enipperdollinck dat regiment hatt, und was des konnigs stat- 
helder. Hei was der irst und der lest/ 

') Belege dafür bieten die Quellen nicht. — ') Der Brief ist nur 
durch Kerss. bekannt. — *) Christian Kerckerinck. Vgl. oben S. 647. 



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696 Anno 1534 acta. 

regno omnia pro voto sibi eventura, quod nnnquam fatoram 
erit. Admoneo itaque te, ne prioris amoris obliviscaris neqne 
te a me alienes. Beneficia mihi a te et nxore tna exhibita non- 
dum exciderunt, qnamvis mala in te reprehenderim. Cogita, 
qnae tibi antehac serio dixerim, neqne eornm obliviscaris, quae 
certo evenient, etsi nunc tentationibns atque afflictionibns invol- 
vimur. Qnare simns fideles; merces nostra erit copiosa! Sis 
sapiens mente, loqnere veritatem, animnm resume neque despera, 
sed fastum depone, fnge incredulitatem, orationibus potins in- 
siste! Ita fiet, ut infirmos et pnsillanimes consoleris. Admira- 
bilium operum Dei ne obliviscaris; reminiscaris losuae et Ca- 
leph*, lege aliquando Hester de Mardocheo^! Nam exiguus po- 
pnlus snnm honorem retinebit, quanqnam illud vi fidei et sin- 
gulari Dei artificio ad snam gloriam evenire non sentiamus. 
ütinam apostolnm mihi esse liceret; quanto animi fervore veri- 
tatem profiterer! Nonne nunc multo magis fiduciam in Deum 
•p. 547. collocaremus, cum ipse nunc in *nobis regnum suum, de quo 
omnes Prophetae vaticinati sunt, perficiet, etiamsi multi despon- 
deant animum, prioris amoris obliviscantur, Deum et ab illo 
missos contemnant, unde constat tempus iam prope adesse? 
Lege Caput ultimum Esdrae lib. 4! Abiecitne nos a se Dens, 
cum nobis benefacit et castigat? Si nos non habemus veritatem, 
si citius bene agere coepimus et a vera via aberravimus, quo- 
modo ergo Dens quotidie in cognitione suae veritatis magis ma- 
gisque nos illustrat, sicut brevi ex scriptis Bemardi cognosce- 
mus?* Sed Dens donet tibi et nobis omnibus suae sapientiae 
agnitionem, quantumvis etiam mundus malitia et fastu suo in- 
solescat! In fide persist« salvus; camis curam agat Dens! 

Joannes Leydanus. 

Potentia Dei robur meum, vel sie Germanice: 

Grots kracht ist mein macht." 

Joannes Dusentschuer propheta regem graviter a Knipper- 
doUingo offensum esse sentiens, ut ergo ipsum a concepta in- 
dignatione, quam animo excutere non potuit, rebus laetioribus 



^J Kum. 14, 24 ff.; 26, 65; 32, 12. — «) Esther 2 ff. — «) Hinweis 
auf Rothmann^s ^Restitution," die im October 1534 im Druck erschien. 



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Anno 15:34 acta. 697 

abdncat, Ms verbis eodem dnodecimo die Octobris ipsnm adit*: 12. oct. 
„ninstrissime rex," inquit, „scriptura ad finem properat. Ergo 
Dens inbet, nt in monte Syonis" (sie vocant campnm domini- 
cnm)^ „coenam commnnem pro christianis fratribus sororibusque 
instituas. Dens enim sni verbi praecones apostolosqne, quos de- 
legit, in qnatuor mnndi piagas ablegaturus est." Eex bis verbis 
in alium quasi hominem transformatus omnis iniuriae sibi a 
Knipperdollingo illatae obliviscitnr nihilqne iam aliud, quam 
coenam illam magnam apparare iubet, quod propter nünistrorum 
multitudinem difficile non erat. Etsi prandium illud fuerit, 
tarnen a coena illa dominica, quam post prandium in multum 
diem protractum Christi exemplum secutus suo more peregit, 
coena appellata est. Dispositis mensis sedilibusque et omnibus, 
quae ad rem istam pertinere visa sunt, instructis* propheta 
Dusentschuer hora nona antemeridiana diei 13. Octobris per 13. oct. 
vicos urbis agitatus litui sonitu utriusque sexus horaines praeter 
eos, quibus excubiae diumae interea commissae fuerant, ad coe- 
nam vocat*. 



*) Vgl. oben S. G91 Anm. 1. In den sonstigen Quellen findet sich 
nur bei L. Hortensius S. 34 Dusentschuer als eigentlicher Urheber der 
Feier des Abendmahles angegeben. Auch in der Anrede des Königs an 
Dusentschuer folgt Kerss. dem Berichte des L. Hortensius. 

^) ^Dem doemhof," sagt H. Gresbeck S. 103, „hedden sie den 
namen gegeven, dat hei heitten sol der bergh Sion." 

^) „Der eine," berichtet H. Gresbeck S. 105 f., „gaf einen schincken, 
der ander ein siet specks, dat sie so viel kost bei einander kriegen. Thom 
lesten Terkundigten die predicantcn, wer benck, schrägen ofte taiffelen 
hedde, dieselve sollen sie brengen up den bergh Sion, up den doemhof. 
So hebben sie die taiffelen und bencke tho rechte gesät, dat die ein siet 
von dem doemhof vol taiffelen und bencke was. Wante der doemhof tho 
Monster ifs ein grote platz." 

*) Vgl. H. Dorp Bl. F3, bei dem der Prophet Joh. Dusentschuer 
ebenso ,.leufft . . . durch alle gassen und blesset ein bosaunen, das alles 
volck auff den Thumhoff komen solt mit rüstung und wehr, auffs aller 
best sie künten geschickt, denn sie solten die feinde von der Stad hinweg 
schlagen.*' Ebenso erwähnt Dietrich von Hamburg Bl. A3 das Blasen 
der Posaune durch den Propheten und fügt hinzu: „Wan er zum dritten 
mal umb blaest, so sollen sie auff sein." Damit stinmit der Bericht H. 
Gresbeck's S. 103 ff. überein, der als Zweck der Versammlung wie H. 
Dorp die Vereinigung zum Ausfalle aus der Stadt bezeichnet, die Posaune 



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698 Anno 1534 acta. 

♦p. 548. *Hora decima* rex coronatus, catenatus, torquatus, gern- 

matns et annnlatns tnnicam pectoralem ex villosa purpura ge- 
staDS, cni bombjciiiam argento intertextam snperindxixit, triginta 
dnobus eqüitibns et satellitibus non paucis auro byssoque e tem- 
plis erepto vestitis stipatüs ex anla sua prodit; a collo aureus 
mundus duobus gladiis transfixus dependet K Quem mox regiua 
e gynecaeo suo cum aulicis et pellicibus suis longo ordine sub- 
sequitur. Quibus praeseutibus Tylbechius, praefectus praetorio, 
totum populum considere iubet. Bex vero cum universa auli- 



dreimal erschallen lafst, und zwar mit 14tfigiger Pause zwischen dem ersten 
und dem zweiten Male. Ein Datum giebt er für den Tag der Versamm- 
lung nicht an. Ganz irrig ist die Zeitbestimmung bei H. Dorp „umb 
Bartholomei ungefähr** (24. Aug.). Kerss. setzt richtig nach den Bekennt- 
nissen der ausgesandten Apostel den 13. October. S. die „Newe zeitung," 
in der es (Zeitschr. 17 S. 262) nach der Aussage des H. Graes heifst: 
„Des dinstags nach Gereonis ist eine versamlung zu Münster auf dem 
thumhoff geschehen zu zehen uren vor mittage ..." 

*) So in den Aussagen des H. Graes in der „Newen zeitung" S. 262 £F. 
In der folgenden Erzählung von der Feier auf dem Domplatze geht Eerss. 
wiederholt auf diesen Bericht zurück, verbindet aber mit demselben die 
Angaben auch einzelner anderer aus Münster ausgesandten Wiedertäufer- 
Apostel und die Schilderung bei H. Dorp Bl. F3f. Sehr ausführlich ißt 
die Feier von H. Gresbeck S. 103 ff. beschrieben. Als Zweck der Feier 
tritt die Vorbereitung zum Auszuge aus Münster in den Vordergrund, aber 
noch während derselben erklärte der König, „dat en was die meinunge 
nicht, dat wy so sollen uth der stat trecken, und ifs Goddes wiUe nicht. 
Wante dat en is nicht mehr, dan eine versoickingh an iw.** 
Ein weiterer Beleg dafür findet sich in den Quellen nicht, «uch nicht dafür, 
dafs, wie H. Gresbeck sagt, der König geäufsert habe, „Got hedde innen 
afgesat, und wer gein konnigk lenger; hei hedde Got vertomet, dat hei sie 
nicht regierde, gHck als hei dein solde,"* und dafs er darauf von Johann 
Dusentschuer auf Grund einer göttlichen Offenbarung abermals zum König 
ausgerufen worden sei. — Joh. Fabricius Bolandus bringt Bl. X 1 f. 
ganz willkürlich die Feier mit der Vermählung des Königs mit Divara in 
Verbindung. Auffallend ist, dafs D. Lilie von dem Abendmahle nicht ein 
Wort berichtet L. Uortensius S. 34ff. gründet seine Erzählung durch- 
gehends auf die Berichte der ansgesandten Apostel. Herrn. Hamelmann 
S. 1249 ff. hat nur eine eigentümliche, nicht weiter zu kontrolierende Notis, 
die weiter unten anzuführen ist. 

^) lieber das pomphafte Auftreten sowie über die Kleidung des 
Königs und seines Hofstaates vergl. im Einzelnen S. 651 ff. 



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Anno 1534 acta. 699 

cornm et latronnm moltitadine considentibns ac edentibns mini- 
strat \ Pro primo fercnlo carnes recentes ac iurulentae cum ra- 
dicibus coctae, pro secnndo pemae et carnes fumatae, pro tertio 
et postremo assae apponuntur K Cum satisfactnm esset stomachOy 
orbicnlares placentae et infermentatae et ex flore tritici confectae^ 
in canistris adfemntnr, qnas rex mensis sablatis coenam do- 
minicam anspicatnms frangit singnlornmque bnccis hiantibus 
verbis Ms inserit: „Accipite, comedite et mortem Domini an- 
nnnciate!^ Begina vero pocnlnm vino plennm manibus annn- 
lormn multitndine rigentibns snstinens singnlos ad bibendnm his 
verbis invitat: „Bibite ex hoc omnes et mortem Domini annun- 
ciate^!^ His ita gestis pro gratiamm actione psalmnm ^Grloria 
in excelsis" in vemaculnm sermonem transfasnm cantillant. 



') H. Graes giebt a. a. 0. die Zahl der Diener auf ungefähr 60 an. 

*) Beim grofsen Mahle ward, wie die „Newe zeitung" a. a. 0. S. 257 
u. 263 berichtet, gereicht: „gekocht fleisch, schincken und gebratens." 
wahrend die „Newe Zeytung" Bl. A !▼ das Volk nur mit „dürrem ochsen 
fleysch" gespeist werden läfst, hat nach H. Dorp der König bestellt „ge- 
soten und gebraten, wein und hier." Von drei Gerichten spricht noch 
Dionjs. Vinne M. G.-Q. II, 276, ebenso L. Hortensius, bei dem es S. 34 
halfst: „Accumbentibus triplex mistus fuit appositus, carnes fumo duratae, 
inde recentes, postremo assa. Potus cerevisia erat." Indem Herm. Hamcl- 
mann S. 1249 den Bericht des H. Dorp mit dem des L. Hortensius ver- 
bindet, fügt er hinzu: „Hortensius nihil habet de vino, et opinor etiam 
tantae multitudini vinum non fuisse adhibitum.'' 

') Das Folgende nach H. Dorp. Dafs beim Abendmahle der König 
das Brot, die Königin den Wein reichte, ist in den Quellen sonst ausdrück- 
lich nur noch erwähnt von Joh. Beckmann (s. K. W. Bouterwek^s Aus- 
gabe des C. Heresbach S. 37) und Joh. Fabricius Bolandus Bl. X 1^. 
Die „Newe zeitung*' hat a. a. 0. S. 257 den Bericht, dafs der König und 
die Königin gemeinsam Brot und Wein boten, berührt aber S. 263 nach 
dem Geständnisse des H. Graes die Mitbeteiligung der Königin nicht. „So 
heft der konnick," heifst es bei H. G res b eck S. 110 f., „und die konnig- 
kinne, KnipperdoUinck und des konnigks rede gain stain midden np dem 
doemhof und hebben kleine runde koekesken gehat und hebben die entwe 
gebrocken, und al dat volck . . . sint tuschen dem koningk und der koning> 
kinnen und KnipperdoUinck her gegain, und heft do ein ider ein koekesken 
von den koken getten und dair malch einen dmnck weins tho gedruncken 
und hebben so dat aventmail geholden." Bei L. Hortensius bieten zwei 
königliche Diener den Wein. 



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700 Anno 1534 acta, 

Nnmerantnr in ea coena viri ad arma ntiles praeter eos, qni 
excnbias interea egerant, mille et sexcenti, senes et pneri prope- 
modum qnadringenti, feminae vero qninquies mille*. 

Hinc rex omnibus in orbem convocatis proponit, velintne 
omnes verbo Dei parere*. Exclamat tota mnltitudo: se non 
solum illi parituram, vemm etiam, si opus sit, mortem pro eo 
oppetituram. Deinde Joannes Dusentschuer, aurifaber et pro- 
pheta Warendorpensis, suggestum conscendens: „Pater," inqnit, 
„viginti Septem apostolos coelitus mihi revelavit, qui in qnatuor 



^) Eerss. giebt hier Aussagen der Apostel wieder, die sich aber nicht 
auf die Zahl der Teilnehmer am Abendmahle, sondern auf die gesamte 
Einwohnerzahl Münsters in damaliger Zeit beziehen. H. Regewart sagt 
(J. Niesert a.a.O. S. 32 f.), ^dat he van Johan van Leyden yn dem nacht- 
mael an dem dyssche gehört, idt solden noch 1600 wehrhafftiger dar bynnen 
syn . . ., dat baven de werhafFtigen ungeferlich an jungen und olden mans 
400, und tegen yderman, syncr achtinge, wall dree wyver syn." Joh. Beck- 
mann bekundet (ebendas. S. 37): „Do se syn uthgetogen, synt ungeferlich 
1600 werhaflftiger, und sust mit olden und krancken 2000, der wyver sy 
umtrent 5000 gewest.** Aehnlich giebt Gottfr. Stralen (ebendas. S. 59) 
^1600 waraftiger und wall 5000 frouwen" an. Die Zahl der Teilnehmer 
am Abendmahle beziffert die „Newe zeitung** S. 257 nach Aussagen der 
Apostel auf 4200, ebenso S. 262, wo nach H. Graes hinzugefugt ist, es 
seien ,.die helflft, so in Munster vorhanden" gewesen, und S. 260 hat sie 
die Notiz: „Es sind auch nicht über 8000 menschen mit weib und kind 
in Münster," endlich S. 265 nach dem Bekenntnis des Joh. Boentrup : „das 
noch in Münster sind bey 6000 oder 7000 man und frawen." Für dieselbe 
Zeit des October giebt Dionys. Vinne (M. G.-Q. II, 277) an: „Et sollen 
noch binnen Munster by de 2000 werhaftiger und over alle by 5000 edder 
6000 sin;" Joh. Kloprifs (J. Niesert a.a.O. S. 125): „1800 wehrhafftiger 
manne ungeferlich, und zusamen so man und frauwen bie 6000 personen.** 
Ant. von Prüm spricht von 1600 wehrhaften Männern, Bemh. Focke von 
1500 und von im Ganzen über 5000 Einwohnern (St.-A. M. M. L. A. 518/19 
IV. fol. 221 u. 314). H. Gresbeck äufsert sich S. 107 bei Gelegenheit des 
Abendmahles: „Die mans sint do starck gewest mit alden lueden und mit 
den iungen twe dusent. Si en sint nuwerl starcker gewest in der stat 
Monster, die wiederdoepers, werhaftiger mans, dan 1500. Der frowen sint 
in der stat gewest iunck und alt acht oft negen dusent, mehr oftc min, 
dair weit ick so enckede nicht af. So sint dair ouck wol gewest von klenen 
kinder, die gain konden und die nicht gain konden, tehen oder twelf hundert." 

') So nach den Bekenntnissen in der „Newen zeitung" S. 258 u. 263. 
Abweichend davon läfst Joh. Beckmann bei K. W. Bouterwek a.a.O. und 
H. Dorp Johann Dusentschuer diese Frage an das Volk richten. 



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Anno 1534 acta, 701 

angelos orbis ablegati doctrinam nostram de regno Dei publica- 
bnnt ac ita a Patre snb mnbra alamm snarum protegentnr, nt 
ne pilnm quidem capitis amissnri sint^. Si vero magistratus ', 
ad qaemcünqne locnm devenerint, evangelio locum non dederint,. 
ibidem aureo nnmmo relicto et pulvere e vestimentis in Signum 
non recepti, sed contempti evangelii excusso ad aUa loca demi* 
grabunt.^ Inde ' recitatis apostolorum nominibus : „Ite,^ inquit^ 



^) Aus dem Geständnisse Joh. Beckmann's bei K. W. Bouterwek 8. 37. 
Danach sagte Joh. Dusentschuer, „de personen, he uplesen woide, weren 
em van Godt angetekent, dat se solden gaen yn de veer stedde und pre- 
digen dat Evangelium van dem ryke Godts, und ejn haer solde enn 
nicht van dem hovede genommen werden; und so dat nicht so 
Gades emstlick beveli wer, dat enn dan Godt van stundt an int affgrunt 
der helle verstotte.** Sehr bemerkenswert und ganz aUein stehend ist die 
AeuDsemng, die Joh. Beckmann unmittelbar hieran knüpft: „Dat heb wy 
unwysen semptlich als gehorsame deyners gelofft, avers de konnynck 
wort gantz blyde und sprack: Ick hebbe hyr gyn getuchnisse 
van Godt van, dan ick weth averst, idt moeth also syn, dat 
geystlike swert moyth voer gaen und dat worltlike nafolgen.** 
Dem gegenüber steht die Behauptung des Dionys. Yinne (M. G.-Q. II, 277) : 
„De ienne, so uthgeschicket vorgerort, ist uth bevel des konninges 
geschein dorch den propheten.** Herm. Hamelmann S. 1250 hat 
die eigentümliche Notiz, dafs sich im Register der auszusendenden Apostel 
^ignorante rege, de cuius sententia alioquin omnes erant clam scripti,*' 
auch der Name Enipperdolling's befunden habe, und dafs bei Nennung 
desselben der König sagte: „Nos non possumus Knipperdollingio carere, 
qui etiam magis est castris appositus, quam doctrinae. Ideo tu, Dei pro- 
pheta, eins locum subibis.** Wenn Herm. Hamelmann hinzufügt, dafs der 
Konig alle diejenigen hinaussandte, „quos . . . putabat . . . suae dignitati vel 
doctrinae vel ingenio obesse aliquando posse,^ so findet sich in Bezug auf 
Joh. Dusentschuer eine dahin gehende Auslassung in einer „Neuen Zeitung,*' 
die Th. Fabricius am 26. October dem Landgrafen von Hessen zusandte, 
und in der es heilst (St.-A. Marburg), der König habe auch deshalb die 
Apostel abgeordnet, weil er besorgte, „der prophet, welcher ihn zum ku- 
nyngh gemacht hat, wurde ihn wedder absetzen und ihm das folck ab- 
felligh machen, dan er war ihm zu wedder worden.'' 

*) Die folgende AeuTserung Joh. Dusentschuer's fast wörtlich nach 
dem Geständnisse Joh. Beckmann's bei J. Nies er t: U.-S. I. S. 36. Ygl. 
auch die Aussage des Joh. Kloprifs bei J. Niesort a. a. 0. S. 112. S. noch 
H. Dorp BL F4^. 

') Das Folgende nach dem Bekenntnisse des H. Graes in der „Newen 
Zeitung** S. 263 f. 



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702 Anno 1534 acta. 

■•p. 549. «in civitates et annun*ciate verbum Dei!" Vocati ad munus sibi 
a propbeta impositnm promptissime adsunt. Eine rex totam 
mnltitudinem e snggesto sie compellat: „Fratres carissimi,^ in- 
qnit, „si res adversns hostes egredi posceret, estisne parati?^ 
Bespondent se paratissimos. Hinc qnisque se ad mnnns sunm 
recepit. His digressis rex et regina cum pellicibns ac nniversa 
aulicornm et satellitnm tnrba nee non quingentis fere, qni alüs 
edentibus exeubias egerant^, magnifiee.eoenant exqnisitisqne fer- 
enlis sese reeipiunt. Inter coenandum rex consurgit sibi nego- 
tium conficiendum a Patre datum esse asserens, et cum sursnm 
deorsumque ambularet, mensis assidentes contemplaretur, reperit 
ibi forte militem peregrina facie et habitu sibi ignotum*, ab 
hostibus captum et ad eandem coenam a capientibus adductum, 
ut omnium rerum copia et affluentia, qua miles maxime afficitur, 
ad eandem suam religionem invitaretur^ Ad quem rex: „Amice, 
^uae est fides tua?^ At iUe poculis forte obrutus de fide se 
nihil scire respondet; se didicisse et pocula et veneres sectari^ 
Ad quae rex: „Amice, quomodo ergo huc ad nuptias intrasti 



^) Ueber die Wacht sagt H. Graes in der „Newen zeitong*' S. 265 
aus: „Sie wachen alle nacht mit fünffhundert man, and gehet die dritten 
nacht umb, und sind frey zu wachen der könig mit seinem volck als das 
Ampt Yolk.^ „Wante die stat,^ berichtet H. Gresbeck S. 131, „was ge- 
-deilt in dry deüe, dat die wacht was in der stat over die derde nacht.** 
Am 6. Dez. 1534 bekennt Job. Eettel Tan Tiel (M. G.-Q. II, 291): ,8e 
waken de nacht binnen vor den porten, Toir iüiger porten by de 40. Dair 
^int veele inngen mede.^ W&hrend des Abendmahles l&fst EL Dorp „zehent- 
halb hundert man und frawen*' Wache halten. 

') Die Hinrichtung des Landsknechtes durch Johann giebt Eerss. 
nach der Erz&hlung bei H. Dorp Bl. F4) doch fugt er Stellen aus dem 
Bekenntnis des Job. Eloprifs und aus C. Heresbach hinzu. Bald weiter 
unten berichtet er den Vorgang noch einmal, dann aber fast wörtlich nach 
den Aussagen W. Scheiffart's M. G.-Q. II, 295. 

') H. Dorp a.a.O.: „Es war ein reisiger knecht gefangen da, den 
hatten sie mit zu solchem nachtmal gebracht und im wol zugetruncken.* 

*) Nach dem Geständnisse des Job. Eloprifs bei J. Niesert: U.-S. 
I. S. 135 : „Item der kunig biege einem uf deme abentmaill selbst den kop 
Ab, und darzu wurde er von Gode gedrungen, und des ufs ursach, so der- 
selb knecht sull gesagt haben, dass er von keinem glauben 
^isse, dan von drincken und frauwen, stracks ufsgesagt.* 



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Anno 1534 acta. 703 

Bon habens vestem nnptialem?^ At ille: se ad nuptias istas 
suas meretriceas non invitatum venisse, sed invitum protractum 
esse^ Quibus verbis rex vehementer exacerbatus ipsnm quoqne 
invitum ad se protrabi iabet protractumqne snis manibns in 
conspectu omninm decollavit atqne ita gaadia publica pertur- 
bavit, ut nemo borrenda caede ob oculos versante ex animo 
gauderet. Ipse vero quasi re bene et fortiter gesta ad solium 
suum continuandae coenae causa reversus adeo volaptate et gau- 
dio titillatur, adeo sibi placet, ut non solum de isto homicidio 
tanquam eximio facto inter suos gloriaretur, verum etiam per- 
acta coena tripudia et cboreas cum scenicis meretricibus in mul- 
tam noctem duceret*. Interea qui ad peregrinationem evangelii 
propagandi gratia delecti erant, omnia ad profectionem adomant 
valedicentes uxoribus suis, quarum centum et viginti quatuor 
in urbe relinquunt, sicut Henricus Graess Iburgi atque aUi cap- 
tivi fassi sunt *. Inde ad montem Syonis reversi a rege suggesto 
ascenso bis verbis admonentur: ,,Ite et praeparate nobis locum! 
Nos armati subsequemur et contemptores vestros ferro vindica- 
bimus gladioque nobis subiicicmus^." Ita a rege dimittuntur. 
Et cum nox obscuram caliginem induxisset, a regüs aulicis 



*) Vgl. C. Heresbach 8. 22: „Rex accnmbentes circnmiens tan- 
dem e medio apprehensinn quendam, cnins, nt ipse inquiebat, cor rectum 
non esset neqne veste indutam ntiptiali, ense capnt avro/ffc^ ferit, regis 
simnl et camificis mnnere perfungens." Nach EL Dorp sagte der König 
EU dem Landsknechte, ^er were der Judas gewest^ 

') Bei H. Dorp heiTst es vom Könige nur: „Damach kam er Widder 
an den tisch und gefiel jm selbs so wol über diesem mord, das er sein 
noch lachet** — Die Hinrichtung eines Landsknechtes durch den König 
am Schlüsse des Festes berichtet auch H. Gresbeck S. 1131 

') In den jetzt bekannten Gest&ndnissen des H. Graes und der 
übrigen Gefangenen findet sich dafür kein Beleg. Vielmehr sagt Joh. 
KlopriÜB aus (J. Niesert a.a.O. S. 121): „Das ufsschicken der predicanten 
were ein wunderlich ufsschicken, dweill es inen in einer uren an- 
gesagt wardt, und sie meisten auch in derselben urhen 
reisen und ulsgehen.* Er fügt hinzu: „Nach dem gehaltenen nacht- 
maill wurde jedem ein hrieff gegeven, zu zehen. Also zuege er auch 
anstundt ufs und spreche sein weih und kinder nit an.** 

^) Nach den Aussagen des H. Graes, der den König noch sagen 
l&fst: „So wollen wir die gantzen weit einnemen.** 



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704 Anno 1534 acta. 

praelucentibns domino inbente facibas ad portas dedacti sunt ^ 
Portam Servatianam Zuzatum missi ezeunt, Marianam Coesfel- 
♦p. 550. diam, Mauritianam Warendorpiam, Hor*sthanam Osnaburgam 
ablegati egrediantur *. 

Nomina^ eorum, qni Zuzatum ad austrum mundi sunt missi: 
Joannes Dusentschuer, propheta et aurifaber Warendorpensis, 



') Vgl. dazu das Geständnis des Bemh. Focke (M. G.-Q. II, 4V2): 
„. . . de konninck heb einen mit ener torssen vor om hergesant bes an de 
Frouwen porten, dar se Eibenbroick uthgelaten heft.'* Der Aufbruch der 
Apostel erfolgte noch an demselben Abend. So berichten H. Graes und 
H. Dorp Bl. F4. Mit dieser bestimmten Angabe und mit der in allen 
Quellen übereinstimmend hervorgehobenen wichtigen BoUe, die Joh. Dusent- 
schuer bei der grofsen Abendmahlsfeier am 13. Oct. spielte, ist der Bericht 
im Rats-ProtokoU der Stadt Soest nicht zu vereinigen, der (s. C. A. Cor- 
nelius: M. A. I. S. 271 f. und L. Keller: G. d. W. S. 322 u. 324) die 
acht Wiedertäufer-Apostel aus Münster bereits „op donnerstag na Francisci'' 
(8. Oct.) in Soest erscheinen läfst. Unter den Aposteln nach Soest befand 
sich ja auch Joh. Dusentschuer. Der 13. Oct. als Tag des Abendmahles 
ist von den gefangenen Aposteln (vgl. auch Herm. Regewart's Geständnis 
bei J. Niesert a.a.O. S. 31) ebenso fest bezeugt, wie das hervorragende 
Auftreten Joh. Dusentschuer's an diesem Tage. — Nach L. Hoxtensius 
S. 35 verliefsen die Apostel Münster erst am 15. October. Das ist irrig. 
Vergl. weiter unten. Unbestimmt setzt D. Lilie S. 244 die Aussendung 
„na dem dage Michaelis^ (29. Sept.). 

*) So auch H. Graes a.a.O. Dafs die nach Coesfeld bestinmiten 
Apostel Münster aus dem Liebfrauenthore verliefsen, bestätigt aufser dem 
eben angeführten Bekenntnis des Bemh. Focke auch das des Herm. Rege- 
wart und des Joh. Beckmann. Siehe J. Niesert: U.-S. I. S. 31 u. 37. 

^) Die folgenden Namen sämtlicher Wiedertäufer-Apostel giebt Eerss. 
im Ganzen genau nach einem Verzeichnisse derselben, das sich in mehr- 
fachen Abschriften zugleich mit den Aussagen eines Teils der Apostel er- 
halten hat (im St.-A. M. M.L. A. 518/19 V. fol. 165 f. u. 171 f.). Einzelne 
Zusätze bringt er besonders aus H. Dorp Bl. F3^ u. F4 bei sowie aus den 
Aussagen des Joh. Kloprils, Dionys. Yinne und des Joh. Beckmann. S. die 
folgenden Noten. Die Zahl der Abgesandten beträgt auch in dem Yerzeich- 
nisse 27, ebenso bei Dietrich von Hamburg Bl. A4. Wie Kerss. nach dem 
Verzeichnisse, so läfst auch die „Newe Zeytung" Bl. A 1^ und Dionys. Vinne, 
freilich ohne Namennennung, 8 Apostel nach Soest, 5 nach Warendorf, 6 
nach Osnabrück und 8 nach Coesfeld abgeordnet werden (s. M. G.-Q. II, 
277). In den sonstigen Quellen schwanken die Angaben sowohl über die 
Gesamtzahl der Apostel wie über die Zahl der nach den einzelnen Städten 
bestimmten. Selbst H. Graes (s. „Newe zeitung" a. a. 0. S. 263 f.) bietet 



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Anno 1534 acta. 7u5 

Hermannus Eerckringk, loannes Batendieck, loachimns Eesse, 
Henricns Maerenn, Henricus Schlachtschaep, Lanrentius Yisscher, 
Bernardus Wever*. 

Osnabnrgam ad septentrionem missi sex: loannes Boentmp, 
lanionls famnlns, Henricns Graess Borckensis, Indimagister, Dio- 
nisins Vinne Deistensis, pastor in Aldeneick non procnl a Ma- 
sieck in dioecesi Leodiensi', Panlns Sweringk altero brachio 
tormenti ictu privatus*, Petms Kneper Sneickensis, loannes 
Scheffer Freckenhorsthanns, calopodiarii minister*. 

Coesfeldiam ad occasnm missi octo: lacobns van den Grave, 
loannes Essens Goesfeldiensis, Bernardus Focke Monasteriensis, 
Inlins van Franeken Frisins, qni erat episcopns in nrbe*, Her- 



ungenaue Nachricht, wenn er sagt, es seien 2 nach Soest, 6 nach Coesfeld 
geschickt. Ungenau ist auch die Aussage in der „Newen zeitung" a. a. 0. 
S. 258, wo von 25 Aposteln die Rede ist, sowie die des Zillis Leitgen, der 
(J. Niesert a. a. 0. S. 137) die Zahl auf 28 hestimmt. Nach L. Hor- 
ten sius S. 3J w^aren es im Ganzen 25, nach C. Hereshach S. 23 aher 
23 Apostel. 

') Die Namen der Apostel nach Soest sind aus den Ratsprotokollen 
der Stadt auch ahgedruckt hei C. A. Cornelius: M. A. I. S. 272 und hei 
L. Keller: G. d. W. S. 324, doch wird dort statt des Joachim Kesse ein 
Joachym Vreyse genannt. H,' Dorp führt mit Namen an H. Slachtscaef^ 
Joh. Dusentschuer, Herrn. Kerckerinck, einen Lanrentius Friese und 
einen Heinricus von Gog. Ein „Heinricus von Gorge, predicant zu 
Warendorff," wird von H. Graes unter denen erwähnt, die nach Coes- 
feld gingen. Doch ist dieser Heinrich von Goch, der Warendorfer Predi- 
kant, wohl sicher identisch mit dem nach Soest entsandten Heinr. Maren; 
denn aus dem Bekenntnisse des Herm. Regewart (J. Niesert: Ü.-S. L 
S. 26) wissen wir, „dat Hynricus Maren eyn halflf jar hynnen Warendorp 
uth hegerten des raedts gewest, dar sulvest umtrent dertich gedopt ..." 
Ein Hinricus Goch ward nach der Aussage KnipperdoUing's (M. G.-Q. IL, 
403) am 5. Jan. 1534 zusammen mit Rothmann u. A. wiedergetauft. 

*) Der Zusatz nach seinem Bekenntnisse (M. G.-Q. II, 272). 

") Nach H. Dorp: „Paul Schweringk mit einem arm, denn die 
hüchs, der teuffei genant, hat im den andern arm hinweg geschossen." 

*) Im Verzeichnisse der Apostel heifst es nur: „Johan Freckenhorst, 
ein holscher knecht, predicant.** Den Namen Johan Schefer hat H. Dorp. 

*) Im Verzeichnis: „Julius van Franeken." Bei H. Dorp: „Julius 
Friese, der Bischoff odder oberster unter der Widderteuffer predigem zu 
Münster." Auch Kerss. nannte den Bischof sonst nur Julius Frisius. 

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706 Anno 1534 acta. 

mannns Begewart, pastor novae ecclesiae in Warendorp \ loannes 
Beckman Osnabnrgensis, sacellanns Martini in nrbe, inde D. 
Maaritii extra nrbem, eo antem collegio incendio devastato in 
nrbem secessit (hie habuit duas uxores, alteram ex coenobio 
Transflnviano, alteram Aegidiano)*; Bartholomaeus Neteler dictns 
de Wale Hollandus-^ Egbertus Wideman Nortkerkensis*. 

Warendorpiam ad ortnm solis missi qoinqne: loannes 
Klopriss, Henricus Ummegrove, Godofridns Stralen, Theodoricns 
Alfensis, Antonius Prumeren Eifeldianus, Tasschenmacker*. 



') Im Verzeichnis heifst er irrtümlich Herman Bevert (oder Renert) 
yan Warendorp, doch in dem dem Verzeichnisse beigefügten Bekenntnisse 
wird er richtig als Hermannns Regewort bezeichnet. lieber ihn s. oben 
S. 397 ff. u. 510. H. Dorp nennt ihn nur „Hermannns, Pfarher zu der 
newen kirchen zu Warendorfi!." Ganz entstellt ist der Name „Herman 
Reverdinck« hei D. Lilie S. 245. 

') Im Verzeichnisse der Apostel heilst es: „Johannes Beckman van 
Osenhrugge, vor iaren sacellan to S. Mauritius, daima predicant gewest 
to S. Märten hynnen Munster.^ Kerss. folgt dem Geständnisse Joh. Beck- 
mann's, das lautet (J. Niesert a.a.O. S. 33 ff.): „. . . he sy ... van der 
Nyenkercken hy den Voerden geboren, eyn tyt lanck cappellaen gewest to 
Sunte Merten hynnen Munster . . . Dewilen Sunte Mauritz huthen Monster 
verstuert, dar he de cappellaen gewest, sy he myt andern heren bynnen 
Munster getogen ... He hefft twe ehefrouwen gehatt, de eyne van Sunt 
Ilyen, de ander van Overwater." — Einem Bekenntnisse des Joh. Beck- 
mann im St.-A..M. M.L.A. 518/19 IV. fol. 815t ist die üeherschrift bei- 
gefügt: „Dyt nabeschreven hefft de geschicktste und myns be- 
dunckens de geler desto baven de vorgestalte artickeln hekant und 
myt syner haut upgeschreven, genomet Johannes Beckeman.^' 

') Im Verzeichnisse: „Bartholomeus de Wale uth Franckryck.^ 
H. Dorp nennt ihn „David der Wale." Ein Bartolomeus Nadler findet 
sich für Warendorf in den Aussagen des H. Graes und bei Herm. Hamel- 
mann S. 1251, und zwar bei ihm als einzige Abweichung von H. Dorp, 
mit dem gemeinsam er aber wieder statt des Joh. Essens Johann von Ut- 
recht, einen früheren Domherrn zu Utrecht, nennt. 

*) Dieser fehlt hei H. Dorp, der zwar acht nach Coesfeld gesandt 
werden l&fst, aber nur sieben nennt. 

^) H. Dorp meldet irrtümlich von sechs Aposteln nach Warendorf. 
Er nennt Joh. KlopriTs, Gottfr. Stralen, Heinr. Ummegrove und Antonius 
Taschenmacher, weifs die Kamen der Anderen nicht. H. Graes berichtet 
von fünf Aposteln, nennt nur Joh. Eloprifs. 



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Anno 1534 acta. 707 

*Honim omniüm doctissimns ac eloqnentissimns fait Elop- »p. 551. 
risius * in paroecia Boentnip patre sartore prope Weilern domum 
Teutoniconun habitante natas^, qni Boricenae ad aliquot annos 
concionatar. Cnm Zwinglü doctrinam docoisset, dnx Gliviae 
suis ditionibus Uli interdixerat'. Coloniae inde propter idem 
Schisma captus trium virorum auxilio carcere liberatus est efifu- 
gitque^. Proinde neque illi tutus in dioecesi Coloniensi locus 
fuit. Quare cum transactio inter episcopum et civitatem Mona- 
steriensem Telgeticae captivitatis nomine fieret, Monasterium 
ingressus est ibique in vigilia Trium Begum anno 1534 a Bar- 
tholomaeo Neteler Hollando retinctus est^. Hinc Wendelam 
Hexam, quae ilU extra legitimum matrimonium quatuor proles 
Buricenae pepererat, ad se per literas revocat et cum ea legi- 
timas nuptias celebrat ^ cui mox, ne a consuetudine Monasteri- 
ensium degenerare videatur, Margaretam quandam adiungit^. 

Haec ubi princeps a transfugis et publica fama cognovisset, 
ad omnes satrapas et praefectos dioecesis scribit^: Cum ex urbe 
missi sint concionatores, ut populum passim seducant et in si- 
milem errorem protrahant seditionemque excitent, unde varii 
motus et rerum novarum moUtiones emergere possint, itaque 



^) Im Yerzeichnisse der Apostel ist Joh. Kloprifs genannt y^prester, 
predicant, fnrnemste negst Berndt Bothmann/ Die folgenden 
Einzelheiten aas dem Leben des Joh. Kloprifs entnimmt Eerss. dessen Be- 
kenntnissen (bei J. Nies er t: U.-S. I. S. 102 ff.). Ueber ihn s. besonders 
G. A. Cornelius: M. A. IL 8. 344 f. nnd in der „Allgem. deutschen Bio- 
gTaphie"" Bd. 16 (Leipzig 1882) S. 209 ff., sowie C. K rafft: Die Gesch. der 
Märtyrer . . . A. Glarenbach und P. Fliesteden (Elberfeld 1886), bes. 8. 21 ff. 

') Siehe J. Nies er t a.a.O. S. 180. Gemeint sind Bottrop und 
Welheim. — •) S. ebendas. S. 103 f. — *) S. ebendas. S. 107. 

^) S. ebendas. 8. 131. Danach hat er „das ufswendig zeichen des 
Wassers entfangen zu Munster von Bartholomeo aus Hollandt uf abend 
Regum anno 1534.'' — «) S. ebendas. S. 131. 

'') Joh. Kloprifs bekennt darüber a.a.O. S. 134, er „hab zu der irsten 
huifsfrawe Wendell noch ein gnomen, gnant Griet, und er wolte lieber zu 
Borne sein gangen, dan die genommen; und die Griet sy desmails noch 
maget gewesen, aber er hab bie der nit über 2 nacht geschlaiffen.^ 

*) Aus Wolbeck am 17. October. Abgedruckt nach dem Konzept 
im St-A. M. bei L. Keller: G. d. W. 8. 322 f. 

21* 



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708 Anno 1534 acta. 

huins rei accnratam rationem habeant, ne impnne per dioecesim 
vagentur, suam doctrinam evomentes incantos circamyemant K 

Dtun haec aguntnr, acerba interea pestis Clivica potissi- 
mnm castra invadit multosqne quotidie milites sternit*. Castra 
proinde deserere in animo habent. Quod cum ad militiae dnces 
perlatnm esset, ab iisdem datae fidel et iorislnrandi severiter 
admonentnr; si vero locnm iam pestilentia infectam mutare ve- 
Unt, Kinderhusiom sine clade tarnen priomm castroram secedant 
neqne principe invito se desertores militiae declarent neqne sibi 
infamiae macnlam nnnqnam ablaendam innrant, sed stipendii 
solutionem ezpectent. Uli yero omnes admonitiones in ventos 
u. oct. excntinnt et die 14. Octobris castris inflammatis tnmnltuantes 
ita, nt fit, exennt ac erectis signis hostili de more Havekes- 
becnm pagnm invadnnt omniaqne ibi in praedam yertnnt et pro 
sna libidine in agricolas et qnosvis obvios grassantur^ Cum 
vero princeps ipsos eqnitatn suo perseqni inberet, fnga se eri- 
•p. 552. pinnt. *In horum autem locnm dncnm cura novns miles con- 
tinno snblt. 

Joannes Eloprisins deformi mltu et barba cnm qnatnor 
suis coUegis hoc eodem die, nempe 14. Octobris \ Warendorpiam 



^) Im Befehl heifst es: „. .. dath du des ander djnen amptsver- 
Wanten ein vlitich upsicht and Vorsorge hebbest, ock tor stondt unse ander* 
säten von adel yn dynen ampt« gesetten darvor warnest, in raitschap t^sitten 
and so sick in dynen ampte einiger uproir oder an ander orden erhove^ 
alsdan in der yle to dynem gesynnent tom ernst t'folgen and sulcken up- 
roir te wercn." 

*) In den Quellen ist die Seuche sonst nur noch von Joh. Fabri- 
cius Bolandus Bl. S4^ erw&hnt. 

") Das berichtet nur Kcrss. lieber das Verlaufen der Knechte vgl. 
die Anmerkungen auf S. 686. AktenmäXsig wissen wir von gewaltthätigcn 
Uebergriffen der Landsknechte schon im September. Am 19. September 
schreiben Job. v. Bueren und Hermann v. Mengersen an den Bischof (Orig. 
im St.-A. M.), CS sei ihnen „ytzundt yn affwessende i. f. g. mannichfoldige 
klagte ankörnen, dat ytzliche von den clevesschen knechten b}imen Korrell 
gewessen, twy mall, ock gestheren nacht, und aldar genhomen, wes de 
knechte gefunden, und ander gewalt mit glassefenstem, kästen und ander» 
tho vordistruerende und up to slaende vorgewandf 

*) Dieses Datum ergiebt sich aus dem Schreiben des Bischofs vom 
21, Oct. aus Warendorf an den Erzbischof von Köln. Konzept im St.-A. M. 



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Anno 1534 acta. 709 

ingressl primum poenitentiam in medio foro, inde per vicos suo 
more clamitare coepemnt continnoqne aedes Erponis Holland!, 
senatoris, iassn prophetae Sionis snbeuntes domesticis pacem an- 
nnnciant ibique ad aliquot dies haerentes nltra qnitiqnaginta 
retingunt, quorum catalogum idem Erpo in cubili post pfomp- 
tuarium snum reconditum habet ^ Huius etiam receptoris ope 
effectuin est, ut totus senatus decerneret concionatores servandos 
et, cum salntarem suam doctrinam profiteantnr, ad docendum 
publice admittendos, et se pro eomm tntela extrema latnrnm^ 
In eandem sententiam plebs, qaanquam mnlti boni reclamarent, 
senatus suggestione addncta conspirat. Tota ergo republica an- 
nuente dogma Monasteriensium eo animo palam serunt (sicut 



Der Brief ist wörtlich übergegangen in die „Ncwe zeitung^ (Zeitschr. 17 
S. 261 f.). Mit dem Verzeichnisse der Apostel und mit den gleich zu be- 
rührenden Quellen über die Hinrichtung der Ausgesandten und einzelner 
Bürger Warendorfs läfst es sich nicht vereinigen, wenn der Bischof in 
diesem Briefe sagt : „Heut acht tage vergangen, ist ein predicant der wid- 
dertauffer secten anhengig mit fünff der furnemesten aus Münster in 
Warendorff komcn." — Ueber die früheren kirchlichen Unruhen in Waren- 
dorf 8. oben S. 397 ff., 410, 457 u. 468. 

^) Kerss. berichtet nach den Geständnissen der nach Warendorf ent- 
sandten Apostel, die sämtlich erhalten sind, und nach denen einzelner 
wiedertäuferischer Bürger der Stadt. Die Aussagen des Joh. Kloprifs bieten 
Nichts zur Sache, doch bekennt Gottfr. Stralen am 22. Oct. (J. Niesert 
a.a.O. S. 58): „De prophete hebbe em verkündiget, he solde na Waren- 
don^ gaen in Erp HoUantz huefs und em den freden verkundigen." Er fügt 
hinzu : „Erp HoUant solle enne cedele hcbn, daerup ze" (die in Warendorf 
Wiedergetauften) „getcckent staen, und der solle ungeferlich 27 syn." 
Dietrich v. Alphen giebt die Zahl der Getauften aber auf ungefähr 50 an 
(Kopie im St.-A. M.). Eri) HoUant selbst (vgl. über ihn auch oben S. 399 f.) 
sagt aus (J. Niesert a.a.O. S. 61), „dat he de prcdicanten gehuset und 
geherberget ; item dat yn synem huse up der cameren achter enem schape 
ejn register sy, darynnen de gedoepten genoempt." Er nennt die Zahl 
der Getauften nicht. 

'^) Kurze Zeit scheint jedoch der Bat geschwankt zu haben. Denn 
Gottfr. Stralen sagt a.a.O.: „Ock synt ze an den raide gegaen und em 
gesacht, se weren daer van den Vader geschicket, umb em den freden to 
verkundigen, dan egentlirh tom ersten, tom andern kyn waraff- 
tich bescheit gekregen, dan tom derden sy de borgermester 
Kopperslager gekomen und gesacht, se woelden dat woert 
Götz nicht utslaen.** 



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710 Anno 1534 acta. 

is. oct, 22. Octobris quaestionibns subiecti fassi sunt)^, nt schismaia^ 
factiones ac seditiones plebeas concitent atque suo foederi qnam 
plurimos lucrifaciant ac tandem confoederatornm mnltitadine 
freti Monasterinm ab obsidione liberent. 

Et quanqnam saepe scriptis familiaribns Warendorpenses 
a principe admonerentnr *, se tarnen eadem, qna Monasterienses, 
perfidia et scelere poUuerunt. übi vero princeps cognosceret 
mala sibi in hac potissimnm rermn angustia condnplicari, vehe- 
menter qnidem animo constematur, Kteris tarnen ipsos ab insti- 
tuto retrahere conatnr, qxiibus primnm ipsos datae fidei et prae- 
stiti sacramenti admonet, qnamque turpe sit illnd violare; deinde 
petit, nt concionatores Monasterio missos tanqnam suos bestes 



') Der Bürger J. Bomans bekundet (J. Nies er t a.a.O. S. 63), 
^dat ein raidt to Warendorpe ein verraem gedaen, dat ze de predicanten 
wolden holden und dacrby levendich und doet bliven; dat de ge- 
mein hei t hebbe moten bewilligen.^ Aehnlich ftufsert sich ein 
anderer Bürger J. Prange (J. Niesert a.a.O.): „Dan de raidt hebbe 
ze by erer huldinge up laten eisschen und gedrungen, to Tulbar- 
den, dat men de predicanten solle holden, und dat de raidt und gantze 
gemeinheit dorch Cloprys vorger. twe mail up de knehe gefallen unde ge- 
beden, dat ze stanthafftich mochten bliven und syn woerdt annemen." 

*) Noch am 16. Sept. hatte der Bischof, wie Kerss. oben S. 686 be- 
richtet, den St&dten des Hochstifts befohlen, keine ungewöhnlichen Neue- 
rungen bei sich zu gestatten und, wo solche sich zeigten, sie zu bestrafen. 
Ueber die Haltung der Städte in damaliger Zeit haben wir einen wichtigen 
Beitrag in einem Schriftwechsel, der uns im St.-A. M. erhalten ist. Am 
1. October nämlich richtete Coesfeld als Haupt der westlichen Städte des 
Stiftes im Vereine mit Bocholt, Borken, Dülmen, Haltern und Yreden einen 
Brief an den Bischof, wie ein solcher am 2. Oct in gleichem Wortlaute 
auch Ton Warendorf als dem Vororte der östlichen Städte zusammen mit 
Beckum, Ahlen, Rheine und Werne dem Bischöfe übersandt wurde. Die 
Städte bitten darin wiederholt, der Bischof möge gestatten, dafs sie ^twe 
uth jeder stat an de inhebber to Munster ferdigen und uthschicken mögen, 
allen mogelicken flit antowenden und tho versoichen, offt man deselTigen 
noch nicht tor widderkerung tzehen und up de byllicheit bewegen und hin- 
brengen könne.* Am 2. Oct. schon antwortet der Bischof ans Wolbeck: 
„. .. wy mögen erlyden, gy uns juwen voerslach, wes gy mitJi den van 
Munster to verhandelen . . . bedacht, instructionswise vofattet toatellen, 
und willen wy datselve mith andern unsen herm und firunden . . . ock unser 
lantschap yn rait und bedencken nemen.* — Die nächsten Ereignisse 
machten eine Vennittlong seitens der kleinen Städte unmöglich. 



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Anno 1534 acta. 711 

pnblicam tranqniUitatem suis praestigiis labefactantes et avitam 
fidei pnritatem contaminantes sibi suoque arbitrio tradant^. 
Warendorpenses vero pertinaciores facti respondent*: Cives metu 
iam ünplicitos armomm exercitio ita occupatos esse, nt nihil 
certi rescribere qneant. Ad haec se cnm metropoli sna ita con- 
sociatos, ita confoederatos et fide communi iunctos, nt sine illins 
consilio se ab ea divelli et distrahi non patiantnr. Proinde ad 
se bona fide concionatores a metropoli sna missos *salva eadem«p. 553. 
fide principi interficiendos dedere non posse neqne debere, sed 
conimnneni potins cnm ea fortnnam in commnni reUgione se 
snbitnros. Si antem princeps in animo habeat concionatoribns 
ad se missis pericnlnm capitis intendere inreqne contra ipsos 
experiri, se snos in nrbe sna indicio pnblico sistere velle, et si 
doctornm virornm praesidio ipsos convicerit, pro arbitrio in 
ipsos animadvertat. 

Princeps Warendorpensinm respondendi temeritatem ad- 
miratnr, qni nnllas admonitiones qnantnmyis benignas et fami- 
liäres admitterent, sed concionatomm sibi dedendomm cansa 
totam snam rempnblicam in pericnlnm coniicerent. Armis itaqne 
opns esse censet, qnibns ad obedientiam revocentnr. Swerhusii 



*) Die ausfülirlichc Schilderung der Vorgänge in Warendorf deutet 
darauf hin , dafs Kcrss. auch hier, wie schon früher, u. A. dem Berichte 
einer genauen Chronik der Stadt folgt. Vgl. die Einleitung. In Einzelheiten 
berührt sich seine Erzählung sehr nahe mit der des D. Lilie S. 248 ff. — 
Ein Brief des Bischofs an Warendorf aus dieser Zeit ist nicht nachweisbar, 
doch schreibt er am 21. Oct. dem Erzbischofe von Köln (a.a.O. S. 262), 
dafs die Warendorfer sein Ansinnen, die Predikanten anzuhalten und aus- 
zuliefern, abschlugen. Ebenso läfst er es in seiner Instruktion für den 
Landtag zu Ahlen am 10. Nov. vortragen (St.-A. M. Landtagsakten). YgL 
auch D. Lüie S. 248 und die Münstersche Bischofschronik (M. G.-Q. 1, 338). 

*) In der Instruktion zum Landtage zu Ahlen a.a.O. heifst es: „Und 
wo waU unse gnedige her, ock z. f. g. rhede und bevelhebber tor Wolbecke 
de predicanten und ere hulper van den van Warendorp gefordert, h ebben 
ze de dannoch z. f. g. mit spitziger, verhoenliger antwordt 
voir entholden. ** Danach ist D. Lilie zu berichtigen, der a.a.O. er- 
zählt, dafs die bischöflichen „breve unachtsam unbeantwordet bleven unde 
worden hengelachf Uebrigens hat nur D. Lilie die Notiz, die Waren- 
dorfer „schickeden heimeliken na Soist, Ossenbrugge unde Coisfelde, lethen 
erforschen, wu de handelden mit eren predicanten.** 



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712 Anno 1534 acta. 

ergo copiis nondum exanctoratis aliisqne gregariis militibns e 
21. oct. Septem castellis carptim accitis et eqnitibus non paucis 21. Oc- 
tobris ^ in crepnscnlo matutino oppidnm cingitur, castra locantnr, 
tormenta advehnntur, vineae aguntur, machinae bellicae eriguntur, 
maxime ex adverso portae Amisianae inxta pnblicam foricam rix 
dnodecim ab urbe passibus, qnibns valvae portaram effi-actae 
deiicerentur, omniaqne ad instam obsidionem necessaria appa- 
rantur. Warendorpenses vero interea per nobilem loannem de 
Bueren, baronem, et Hermannnm Mengersen, innocentium misertos, 
nt se dedant, serio admonentur, alioqui futurum, cum princeps 
vehementer sit offensus, ut et omnes occidantur et tota civitas 
praeda sit militibus \ Quibus verbis adducti, maxime cum viri- 
bus suis diffiderent neque se contra tantum martis appäratum 
oppidum suum tuen posse animadverterent neque auxilium ali- 
unde metropoli iam obsessa sperarent, ea conditione deditionem 
ofiFerunt, ne se armis et privilegiis princeps spoliaret. Ad quae 
princeps: Se magis dementia, quam merito oppidum conserva- 
turum, sed deditionis nullam esse conditioncm ; se clementiorem 
fuisse, si deditionem fecissent, priusquam copias urbi admovisset, 
machinas et tormenta magnis suraptibus adduxisset, si non in 
hac rerum angustia rebellionem movissent. Uli vero necessitate 
compulsi se imperata facturos recipiunt urbemque dedunt, prin- 
'p. 554. cipem circa lioram *nonam antemeridianam eiusdem diei, quo 
oppidum obsessum est, cum omni suo equitatu et peditatu intro- 
mittunt*. A depraedatione tamen et direptione intercedentibus 



*) Dieses Datum giebt auch das Schreiben des Bischofs vom 21. Oct. 
an den Erzbischof von'Köln a.a.O. Ebenso D. Lilie a.a.O. Der Bischof 
war selbst zugegen. 

*) Johann v. Bueren und Hermann v. Mengersen sind auch bei D. 
Lilie a.a.O. diejenigen, die der Stadt zur Ergebung raten; „anders wher 
sine furstlike genade der emstliker bedacht, he wolde de stat den rutlieren 
unde landesskn echten to plünderen overgeben, darover se altosamende er- 
worgel mochten werden." Nach Job. Fabricius Bolandus Bl. V:V, 
dem Her m. Harn elmann S. 1254 folgt, spielte (Job.) v. Raesfeld die 
Rolle des Vermittlers. 

^) Von Verhandlungen zwischen dem Bischöfe und der Stadt über 
Bedingungen bei der Uebergabe berichtet nur Kerss. Die Bürger haben 
„sich in unser gnade und Ungnade ergeben und die stat, auch die predi- 



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Anno 1534 acta. 713 

dioecesis ordinibns sibi temperant ; in omnes vicos oppidi pede- 
stris exercitus effonditur, tormenta omnia in civinm pemiciem 
ferro snlphureoque pulvere foeta in forum protrahuntur ibique 
principis iassa foetns snos tantis tonitrnis tantisqne fragoribns 
in vaeaas anras evomunt, ut tota urbs tremeret omnesqne fe- 
nestrae vitreae circa forum e sedibus suis excussae dissilirent *. 
Concionatores interea in curia a quibusdam senatorii ordinis 
viris aliisque civibus» capti detinentur, qui abiecto in curia 
pallio et aureo nummo a rege anabaptistarum Monasterii per- 
cusso^ testantur suam doctrinam veram et salutareni esse, sed 
cum ab episcopo vim exercente contemnatur, se officio suo esse 
.functos; Patrem iniuriam istam vindicaturum. Ipse vero prin- 
ceps in foro cum equitatu haeret et moratur, donec conciona- 
tores isti, totius mali auctores, tradantur, quorum custodiam lo- 
anni Walen cognomento Schiltmaker, iudici civitatis, committit; 
et ne quid cives moliantur, vigilias tarn diumas quam nocturnas 
constituit. Postridie litui sonitu omnes cives et incolas proposita 
negligentibus Ultimi supplicii poena ad horam octavam diei 23. 
Octobris in curiam convocat eoque omnia sua arma, non quidem »3. oct. 
in humeris, sed ulnis deferant. Huc cum venissent armaque sua 

«) Ms.: civitatibus. 



canten in unser gewalt gestolt," schreibt der Bischof dem Erzbischofe von 
Köln a.a.O. S. auch D. Lilie a.a.O. 

^) Ganz ähnlich D. Lilie a.a.O.: ^Do nn dat grove geschotte an 
cortouwen unde slangen to \Varendori>e an dat marcket quam, gebodt sine 
f. g. den bussenschutten, dat sc dat geschutte stellen scholdcn in de hogede 
unde scheitern dat äff. Als dat geschutte affgeschotten wordt, dorch dat 
grote geludt sint alle de glasevensters up dem marckede in den huseren 
umbher tobrocken, dar voreirst groit schade geschein." 

*) Eine solche Münze schickte der Bischof, wie auch Eerss. gleich 
weiter unten erzählt, dem Erzbischofe von Köln zugleich mit seinem Schrei- 
ben am *21. Oct. ein. ^Und schicken hie bey e. 1. zur newikeit ein stuck 
golds, welchs der predicant" (Joh. Kloprifs) „bey sich gehabt und dem rat 
für geworffen zur urkund, dafs sie vom Herrn gesand.** Auch dem Land- 
grafen von Hessen übersendet der Bischof am 28. Oct. eine Wiedertaufer- 
münze' mit einem Briefe aus Geseke, in dem er die Einnahme Warendorfs 
meldete (Orig. im St.-A. Marburg). Ueber die Münzen s. oben S. 6G7f. 
Vgl. auch S. 701. 



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714 Anno 1534 acta. 

secnm allata deposnissent, ibi princeps omnes literas immimi- 
tatnm, libertatom et privilegiornm signatas clavesque oppidi 
sibi dari poscit et rebelles retinctosqne nominatim prodi iubet. 
Circa vesperam clangore tnbae mandat, ne qnis civinm domo 
sua excedat, sed se intra parietes snos contineat, donec alind 
edicto inbeat*. 

(25.) oct. 24. Octobris ex novem Paderbornensibns vasis üianibns ac 

tabulis scena seu theatmm in medio foro extmitnr, in qno arena 
spargitur*. Hnc qnatnor concionatores et tres cives protracti 
decoUantnr ^. Concionatores hoc ordine plectnntnr: Grodofridus 
Stralenins, Henricus Ummegrovins, Antonins Prnmerenns, Theo- 

•p. 555. doricns Alfensis; qnomm cadavera rescisis capitibus ad * qnatnor 
nrbis portas transvecta in terrorem incolamm ac omninm se- 
ditiosornm rotis imponnntnr^. Joannes antem Eloprisins cum 



^) Ebenso, aber ohne Datumsangabe, berichtet D. Lilie S. 249 u. 251. 

*) Der Bischof liefs, sagt D. Lilie S. 249, „up dem marckede itlike 
wagen unde tunnen brengen; dar worden bredde overgelacht unde mit 
sande besprenget** 

') Kerss. zeigt sich hier besser unterrichtet als D. Lilie S. 249 f. 
Neben den vier Aposteln aus Münster wurden in der That auch drei Waren- 
dorfer Burger (die Namen nennt Kerss. weiterhin) hingerichtet, nicht nur der 
Pfortner Job. Stopenborch allein. In einem Schreiben aus Warendorf vom 
25. Oct. meldet der Bischof dem Grafen Philipp dem Aelteren von Sohns 
(Konzept im St.-A. M.), „dat wy de predicanten, ock eÜige uprorische 
borger to unsen banden erlangt und derselven dussen dach^ (also nicht, wie 
Kerss. angiebt, am 24. Oct.) „seven myt dem swerde hebn verrechtferdigen 
laten." Auch in der „Newen zeitung" S. 261 heifst es, dafs aufser den 
vier Münsterschen Propheten drei Biirger gerichtet worden seien. Yergl. 
auch L. Hortons ins S. 43. Indem die Münstersche Bischofschronik er- 
wähnt (M. G.-Q. 1, 338), dafs „burgermeister und rath gefangen imd merck- 
liehen geschattet,'' fügt sie hinzu, es seien ^»et liehe up dem marckede 
mitt den predicanten gerichtet 

*) So auch die Bischofschronik a.a.O. D. Lilie a.a.O. nennt die 
einzelnen Thore. Er hebt besonders hervor, unter den Predikanten sei „ein 
jungelinck vam adell gewest, genant Alffen, dar de wolgebomer Juncker 
Wilhem, her tom Rennenberge etc., mit anderen vam adell, ock de scharp- 
richter sulvest vor gebeden, mochte wol genade sines lives erlanget hebben. 
Dan de wolde standthafftich bi sinen christliken broderen bliven, achtede 
up den dodt nichtes. So vorhardet weren de annen vorforden lüde in eren 
vomement Tom latesten wordt de van AMen ock enthovet ..." — Ueber 
die Standhaftigkeit der Apostel heifst es in der „Newen zeitung' 8. 261: ^Da 



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Anno 1534 acta. 715 

anreo nnmmo a rege retinctonim percnsso eodem die archie- 
piscopo Coloniensi dono mittitnr, qni primo Febmarii anni 1535 
Brenlae igni adindicatns temeritatis snae poenas solyit\ Gives 
vero Saxenburgo, nbi capti detinebantnr, cum se retinctos esse 
fassi essent, in oppidmn reducti et obtmncati in coemiterinm 
deferuntur, qnoram primus Erpo Hollandns, Senator, qui ab 
Kloprisio retinctus concionatores hospitio exceperat multosque 
in aedibas suis retingi passns erat^ Seenndns erat Bernardns 
Bontemans alias Schomacker, qni Christi flagellati statnam in 
coemiterio cmribns bracMisqne discnssis confregerat*; tertins 
Joannes Stopenbergius, portae orientalis cnstos, qni per nates 
episcopi restim potins e pilis tortam trahendam esse contnme- 
liose dixerat, qnam nt ita in dioecesi pro sno arbitrio et libi- 
dine grassetnr^ Hermannns vero Prie, Henricns Eeymensnider, 
Joannes Prange ac Henricns Mnter, cnm factioni anabaptisticae 
se implicitos faisse negassent, in carcere Saxenbnrgico capti 
relinqnnntnr^. 



ist keiner gefunden worden, der da revociren wollt, so im gleich gnad wird 
angeboten, sonder sie singen und dancken dem Yatter, das er sie wirdig 
gemacht hat, für seinen namen zu leidn/ 

*) S. auch D. Lilie S. 249. — Am 23. Oct. schreibt der Bischof 
aus Warendorf an den Erzbischof (Konzept im St.-A. M.): „ .. schicken 
wy derselven" (Predikanten) ;,eyncn Klopryfs genompt hyr by an i. L, zo 
wy erfaren, i. 1. denselven ock hyrbevorens yn eyner behafftynge mögen 
gehat hebn.'' Joh. Kloprifs safs vom 3. April 1528 in Köln in Haft und 
wurde am 31. Dezember desselben Jahres Ton Th. Fabricius daraus befreit. 
S. die oben S. 707 Anm. 1 angegebene Literatur und das Bekenntnis des 
Joh. Kloprifs, dem am Schlüsse die Bemerkung hinzugefügt ist: „Uff difs 
bekenntnifs ist Johan Klopreifs . . . uf den irsten tag Febmarii anno etc. 
35 zum Bruel . . . mit deme feur vom leben zum dode bracht und ge- 
straifft wurden.« — «) Vgl. oben S. 709. 

') Im St.-A. M. sind die am 23. October zu Sassenberg gemachten 
Aussagen einiger Warendorfer Bürger erhalten (abgedr. bei J. Nies er t:. 
U.-S. I. S. 61ff.). Darin heifstes: „Item Jürgen Bomans bekanth, dat 
he yn dmnckenheit unwettens to- mytnacht dat beide up den alden karck- 
hove myt eynen steen en twe geworpen.** 

*) Wörtlich aus dem Bekenntnisse Joh. Stopenborch^s a. a. 0. S. 62 
übersetzt — '^) Als nicht wiedergetauft giebt sich in den Sassenberger Be- 
kenntnissen femer noch Peter Schröder an. 



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716 Anno 1534 acta. 

£a animadversione facta civibus libertas commeandi in 
:35. oct. urbe, quo velint, permittitnr. Hinc die 25. Octobris, quae fuit 
dies dominica, ceremoniae pristinae aliqnandin intermissae revo- 
cantur et sno nitori restituuntur, qnibus princeps ipse cum 
aulieis snis, cum aqua consecrata spargeretar et res divina in 
templo ageretur, interfoit. Inde finito sacro cives ad templnm 
convocat atque ibi omnia antiqua iura, immnnitates et über- 
tates opificum curiis totique reipublicae Warendorpensi ob mu- 
tatam religionem et violatum iusinrandum viva voce adimit, 
literas privilegiornm et reddituam annales, sigillum, omnia se- 
cretiora oppidi monumenta arcolae consignatae inclusa, arma 
potiora et machinas bellicas^ Saxenburgiim avehi inbet. Est 
antem Saxenburgnm arx episcopalis dioecesis Monasteriensis. Et 
cum plerique senatores, Henricus Huge cognomento Koppersmidt ^ 
Joannes Bispinck, consules, Henricus Buth, Joannes Pagenstecker, 
•p. 556. Conradi filius, quaestores, Erpo *Hollandus, Henricus Crumaker 
cognomento Sonneken, Joannes Eggerdes, Joannes Branscho, Ber- 
nardus Bechemicus et Joannes Heslingus iuramenti sui faissent 
2. Nov. obliti, totum senatum removit, cuius 2. Novembris quosdain 
Jburgum, alios vero Saxenburgnm captos abduci mandat; qui 
tandera post diuturnam captivitatem, cum se periuros et rebeJ- 
lionis nomine ultimo supplicio dignos esse in publice iudicio 
fassi essent, grandi pecunia mulctati liberantur et gratiam im- 
petrant^. Jn senatus amoti locum sex conspicuae probitatis et 



*) Auch die Münstcrsche Bischofschronik a.a.O. meldet, dafs die 
Stadt aller ihrer ^Privilegien, gerechticheit unde were** entsetzt wnide. 

*) Wohl irrtümlich für Kopperslager. S. oben S. 7()9 Anm. 2. 

^) Die Namen des gröfsten Teiles der Warendorfer Ratsherren nennt 
uns nur Kerss. Zur Sache vgl. D. Lilie S. 250, bei dem es heifst: ^Dama 
hofft de furste gofencklick laten nemen den borgermeister Hinderick Hugen, 
genant Koppersieger, meister Hanss Roth" (ob vielleicht derselbe, den Kerss. 
Henricus Buth nennt?) ^unde Bemdt van Beckem, de befamet weren vor 
dem furstcn, dat se de orsake solden sin gewest, dat de breve des fursten 
nicht boantwordet worden unde de predicanten dem fursten np dat furst- 
like eischent nicht worden overgelevert." D. Lilie berichtet weiter, dafs 
man den Bürgermeister in Iburg, die beiden Ratsherren in Fürstenau ge- 
fangen setzte, und dafs die Gefangenen nur einer gewichtigen Fürsprache 
und der Erlegung einer beträchtlichen Geldsumme ihre schliefsliche Be- 
gnadigung verdankten. 



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Anno 1534 acta. 717 

fidei viros reponit, nempe loannem Boelevinck, loannem Eoer- 
dinck, loannem Sternebergh, Theodoricnm Goetzen, loannem 
Gisen ac loachimnm Grasen, qnibus loannes Wale cognomento 
Schiltmaker, index civitatis, anctoiitate Frederici a Twisth magni 
nominis tnnc temporis apnd principem fretns, etsi a principe 
ad id designatus non esset, se tarnen ingessit^ tantnmqne sibi 
tribnit, nt reliqni sine huius consensn nihil auderent. Inde, ut 
princeps fatnrae qnoqne rebellioni iannam occlnderet, cives in 
officio contineret et insigne violatae fidei exemplnm constitueret, 
propngnacnlnm firmissimnm in nrbis parte orientali erigit eiqne 
valida praesidia civitatis snmptibns snstentanda imponit atqne 
tormentis Warendorpensibns ablatis illnd mnnit, cni Swerhnsinm 
rei bellicae peritissimum praeficit ^ Beliqnos nülites apnd cives 
passim per oppidnm alendos collocat". Hoc antem propngnacnlam 



Auch die Namen der sechs vom Bischöfe neu ernannten Rats- 
herren sind nnr dnrch Kerss. bekannt. Die Bischofschronik a. a. 0. S. 339 
läfst „seyen ander neffen den richter vorordnet to regeren 
gesath^ werden. Nach D.Lilie S. 251 setzte der Bischof Bürgermeister 
und Rat ein, „welcker nicht besluten edder handelen mosten, idt wer dan 
mit der amptlude tom Sassenherge" (Friedrich von Twist) „edder richters 
willen." Die von Kerss. angeführten Namen finden sich sämtlich in dem 
vom Bischöfe aufgestellten Verzeichnisse der von ihm für Warendorf er- 
nannten 12 Ratsherren, das er am 19. April 1542 dem Amtmanne Friedrich 
V. Twist mit dem Befehle zusendet, die Ernannten zu vereidigen. Johann 
Koerdinck und Johann Giese sind darin zu Bürgermeistern bestimmt (Orig. 
im St.-A. M., Stadt Warendorf). 

*) Schon am 25. Oct. meldete der Bischof dem Grafen Philipp dem 
Aelteren v. Solms a. a. 0., er sei „yn meynonge, aUhyr bynnen unser Stadt 
Warendorp eyn vestnysse to leggen, darmede glickmetigen uproer vorge- 
komen." Noch an demselben Tage befiehlt er den Amtleuten zu Strom- 
berg und Wolbeck, alle Amtsverwandten „man by man" für Anfang Nov. 
„myt schuppen, spaden, hacken unde exen" vor Warendorf zu schicken, 
und ebenso den Amtleuten zu Sassenberg, Stromberg und Wolbeck, dafür 
zu sorgen, dafs Bauholz geliefert werde (Konzepte im St.-A. M.). — Die 
Lage des Blockhauses in Warendorf giebt D. Lilie a.a.O. n&her an mit' 
den Worten: „De furste hefft noch ein gewcldich blockhues mit graven, 
porten unde weUen bi dem Benthem an der Oistporten mit einer bruggen 
buthen over de Emese laten leggen, darmede sine f. g. de stadt gedwungen, 
konde in-, uthriden unde gain na siner f. g. eigen wolgefallen unde behach.^ 

') Dazu hat D. Lilie a. a. 0. die Notiz: „Dama hefft sine f. g. 
sin legger mit sinem hoffgesinde unde perden gelacht in den Swanen am 



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718 Anno 1534 acta. 

tantam agricolarum assidno laborantinm nmltitudinem reqnirit, 
nt opus Monasterii coeptnm interromperetur. Praeterea consti- 
tnitnr \ ne qois advenas et peregrinos hospitio excipiat, qnorom 
nomina singulis diebus praefecto propngnacoli non transmittat; 
claves quoque nrbis eo deferendas. Tandem M sex oppidi Waren- 
dorpensis praefecti aegre ferentes hnlas reipnblicae statrun et 
iudicem ad communia admitti consüia, imo se ab eins volnn- 
tate pendere, proinde proximos quosque episcopo, qnos snbticere 
libet, mnneribns adorinntar pristinam reipnblicae fonnam ant 
saltem mitiorem petent^. Qni facile principem natura benignnm 
et dementem precibns expngnant aliamqne reipnblicae fonnam 
"p. 557. anno 1542 die *Mercnrii post dominicam Indica impetrant*. 
1645. Hinc anno 1545 propngnacnli demolitionem conseqnnntnr'. Tan- 

*^idi^' ^®^ *^^^ ^^^^ ^^® ^^^ P^^* Antonii abbatis civitas Waren- 
dorpensis ab eodem principe in arce Ibnrgica omnibns pristinis 
privilegiis qnidem restitnitur, sed modns eligendi senatnm prae- 



29. Hftrs 
1548. 



marckede, unde dat voitvolck als de lantzknechte worden yorscheideliken 
na rotten in erer betzoldunge Tordelet in den herbergen ande borgerhuseren, 
dar se van den besten etten unde drincken wolden; ein deil betalden er- 
liken, dan de meiste hupe betalde mit der kriten tom groten unvorwint- 
liken schaden sommiger borgeren.*' 

^) Das Folgende berichtet nur Kerss. 

*) Original der Urkunde vom 29. März 1542 im 8t.-A. M., Stadt 
Warendorf. Zwar giebt der Bischof der Stadt ihre alten Freiheiten und 
Gerechtigkeiten im Ganzen zurück, bestimmt, dafs sie wieder landtagsf&hig 
werde, aber er behält sich doch einige wesentliche Rechte vor. So verfügt 
er hauptsächlich, dafs die Ernennung der zwei Bürgermeister und zehn 
Batsheiren auch femer durch ihn geschehe, und dafs auch künftig alle 
Gilden aufgehoben bleiben sollen. Dem bischöflichen Richter werden zwei 
Batsherren als Beisitzer zugeteilt. 

•) In einer Urkunde vom 15. Sept 1545 (Orig. im St-A. M. a. a.O.) 
begiebt sich der Bischof aller seiner früher sich vorbehaltenen Rechte in 
Warendorf, nur bleibt die Bestimmung, dafs er den Rat besetzt, und da(s 
die Gilden abgeschafft sein sollen. Ueber das Blockhaus heilst es dann, 
die Warendorfer sollen „ock unses blockhuses, so wy bynnen gerorter unser 
Stadt upgerichtet, mit gründe, boden und syner alinger in- und thobe- 
horinge, wo dat itzt vorhanden, henforder und tho ewigen dagen wedder- 
umb gebrucken, genethen, besitten und beholden ... in aller mathen und 
gestalt, se vor erer overfaringe und unser ersten und dussen begnadinge 
gedaen hebben.^ 



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Anno 1534 acta. 719 

scribitnr, et curiae opificum ab antiquis libertatibns arcentur. 
Sed haec omnia et plnra oppidum Warendorpense tempore Wil- 
helmi episcopi anno 1555 plenissime recnperavit, ita nt antiqna 1555. 
iura, consnetudines, immnnitates, libertates et privilegia in 
nnllo imminuta receperit iisdemqne in hodiemum diem feliciter 
utatnr \ 

Zuzatnm ^ missi, cnm per vicos poenitentiam clamitassent, 
continno omnis metns expertes inconsulti et impudentes cnriam, 
in qua senatus de rebus politicis implicitus consederat, praeter 
pylori et ministrorum opinionem ingrediuntur '. Senatum quoque 
ad poenitentiam multis verbis invitant. At senatus inusitata 



') Urkunden darüber haben sich im St.-A. M. und in Warendorf 
nicht erhalten. Die von Eerss. in genauer Angabe auf den 21. Jan. 1552 
gesetzte Urkunde wird wohl lediglich die Bestimmungen vom 15. Sept. 1545 
bestätigt haben, da ja die Verfügungen über die Einsetzung des Rates und 
über die Gilden nicht ver&ndert wurden. Die völlige Rückgabe aller Rechte 
an Warendorf erwähnt auch D. Lilie a.a.O. Er nennt kein Datum, sagt 
aber ausdrücklich, die Stadt habe vom Fürsten „mit Torbeden unde ge- 
schenckeden ere gerechticheit mit groter swarhcit erlanget, sowol de ove- 
richeit der stadt to keisen als de borgere ere ampte to bostedigen, wu se 
Yoreirst gehadt unde geilain." Vgl. auch die Münstersche Bischofschronik 
a. a. 0. S. 339. 

*) Ueber die reformatorischen Bewegungen in Soest vgl. besonders 
CA. Cornelius; M. A. I. S. %ff. u. 252fif., L. Keller: G. d.W. S. 108 fif. 
u. 268 ff. und F. Jostes in der Einleitung zu seiner Ausgabe des „Daniel 
von Soest^ (Paderborn 1888). Speziell über die Wiedertäufer in Soest han- 
delte noch einmal L. Keller in der „Zeitschr. d. Vereins f. d. Gesch. von 
Soest u. d. Börde"* 1881/82 (Soest) S. 45 ff. — Geständnisse der nach Soest 
entsandten Apostel scheinen sich nicht erhalten zu haben. 

') Dafs die Apostel in Soest gewaltsam in die Ratssitzung eindrangen, 
berichtet auch D. Lilie S. 245. Ganz anders aber war der Vorgang nach 
der Schilderung im Soester Rats-Protokoll (s. C. A. Cornelius: M. A. I. 
S. 271 und L. Keller: G. d. W. S. 322 f.). Es heifst dort: „Anno etc. 
XXXrV up Donnerdag na Francisci" (8. October; s. darüber oben S. 704 
Anm. 1) ^quemen acht wedderdoper uit Munster in der Potter- 
schen huis, und dej burgermester laten en seggen twe mal, 
dat sej rumen solden; des sy nicht wolden doin und wolden 
selvest die heren sprecken etc., dat sy worden mit vorberaide 
ampter und gemeinheit gefencklich angenommen ...** Zu einer 
persönlichen Auseinandersetzung zwischen dem Rate und den Aposteln ist 
es danach gar nicht gekommen. 



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720 Anno 1534 acta. 

reram facie attonitas, nnde cniasve rei gratia qnave confidentia 
et temeritate non vocati neqne admissi veniant, inquirit; sibi 
eam andaciam vim videri. Uli vero respondent : Se a rege norae 
Syonis propheta Del inbente evangelii propagandi gratia able- 
gatos esse neqne se in hac potissimnm re ad salntem pertinente 
commeatn et venia egere, cum regnnm Dei vim patiatur et vio- 
lenti illnd ingrediantnr. Senatns de civili bono consnltans im- 
patiens concionis recedere ipsos inbet, et si quid velint, more 
Znzatensis reipnblicae id agant. Uli se contemni sentientes in 
mediam cnriam ad pedes senatornm dnos anreos nnmmos pro- 
iicinnt, qnibns Znzatenses verbo et regno Dei indignos esse 
palam testantnr^ übi vero cognitnm esset ipsos anabaptistas 
et a rege Monasterio seditionis concitandae causa ablegatos esse, 
continuo iussu senatus comprehenduntur atque intra portas suae 
23. oct. nrbis 23. Octobris gladio caesi in aggere sepeliuntur *. Quorum 
UDUs' multum confidenter et satis temerarie magna mortis se- 
curitate fretus ad camificem dicere ausus est suum iugulum 
eo die ab illius gladio immunem fore. Sed cum camifex, ut 
id secum experiatur, respondisset, tanta vi gladium in hunc 
vibrat, ut triplicem cervicem facile penetravisset. 



*) So erzählt auch D. Lilie a.a.O.: „. . . woipen der stucke geldes 
itlike densulvigen*' (dem Rate) „vor de vothe mit dem bovelle des koninges, 
wu Torg. steit.** Der Befehl des Königs lautete nach D. lilie S. 244: 
^Welcker stede er wordt nicht wolden annemen, scheiden se in ein ge- 
tuechnisse der stucke goldes ein edder twe van sick werpen, darmede se 
dem Vader in de straffe gefallen solden sin." 

^) Nach dem Soester Rats-Protokolle zögerte der Rat mit der Be- 
strafung der Apostel noch so lange, bis die Aemter und die Gemeinde „up 
gudenstach na Sunte Gallen** (21. Oct.) „tosecht . . ., wes er und recht be- 
vollen, dat 8j de wedderdoper und de genne, de sy husede und herbergede, 
solle strafen, dat de rait na rechte straiffe; sy willen by den raidt liff und 
gut setten und darby stain, ock derglicken tegen de genne, de mit den 
wedderdopem tof eilen, dergliken to straiffen.'' Als Tag der Hinrichtung 
giebt auch das Rats-Protokoll den 23. October an. D. Lilie nennt kein 
Datum. Er sagt: „Unde als de gemeine man van den Straten vorschotten, 
worden se twisschen de porten unde welle gebracht^ de porten togewaret, 
undc dar van dem scharprichter ein na dem anderen enthovet unde daraa 
in de welle begraven.** 

') Das Folgende berichtet nur Kerss. 



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Anno 1534 acta. 721 

*Coesfeldiam missi^ diversis in locis mactantnr, ut discreta*p. 558. 
et mnlta perfidiae seditionisqne motae exempla statnerentnr. 
Quatnor eoroin circnm nrbem ipsam, qnintns Horsthmariae, sextus 
Borkenae, septimus Bocholdiae, octavus autem Vredenae prae- 
cisis capitibus rotis imponimtnr. Omnes autem se a propheta 
Dusentschuer misere seductos qneruntur*. 



') üeber das Auftreten der Apostel in Coesfeld sind nähere Nach- 
richten nicht bekannt Schon L. Keller: G. d. W. S. 167 hat darauf hin- 
gewiesen, dafs B. Sökeland: Gesch. der Stadt Coesfeld (Coesfeld 1839) 
S. 94 irrt, wenn er behauptet, die Stadt sei von jeder Hinneigung zum 
Anahaptismus frei geblieben. Zu früheren religiösen Bewegungen in Coesfeld 
vgl. oben S. 415 ff., 434 f., 469 u. 534. Auf die Frage, ob in Coesfeld Wieder- 
täufer seien, antwortet Dionys. Vinne (M. G.-Q. II, 277): „He hebbe wol 
gehört, dat binnen Coisfelt ein deil sin sollen; wette nicht, 
wy vil.'* Herrn. Regewart sagt aus (J. Niesert: U.-S. I. S. 31): „onune 
sy van Schlachtschaep beyegent, dat bynnen Coisfeld aver hundert 
gedopt, de se aldar fynden und troesten solden.** — Der Bischof schrieb 
am 21. Oct. dem Erzbischofe von Köln (a.a.O. S. 262), er habe die Aus- 
lieferung der acht Apostel vom Coesfelder Rat gefordert; sie sei „bis her 
noch gewegert. Darumb wir die auffs emstlichst nachmals beschriben.'^ 
Der Bischof ist entschlossen, sich mit Gewalt Gehorsam zu erzwingen. Die 
erste Aufforderung an den Rat hatte der Bischof bereits am 16. October 
ergehen lassen (Orig. in der Bibliothek des Altertumsvereins zu Münster, 
Mscr. 101). Am 21. Oct. wiederholte er seinen Befehl mit dem Bemerken 
(Orig. aus Warendorf ebendas.), „so gy dar ynn vemer weigerong vor- 
wenden . . . werden wy des in ander wege verdacht zin.^ Erst daraufhin 
gehorchte die Stadt, lieferte die acht Apostel dem Rentmeister zu Horstmar 
aus und erhielt am 1. Nov. vom Bischöfe und Domkapitel die urkundliche 
Zusage (abgedr. bei J. Niesert a. a. 0. S. 75 ff.), „dat zodane overlatinge 
geroerter gefangen unser stadt Coifsfelt itzund edder na dossem dage an 
eren Privilegien und gerechticheiden unaffbrechlich sali syen und bliven.'^ 

') Der Vollzug der Strafe an den nach Coesfeld entsandten Aposteln 
ward lange hinausgeschoben. Die uns im St-A. M. erhaltenen Geständ- 
nisse des Herm. Regewart, Joh. Beckmann, Bemh. Focke und Joh. Essens 
datieren erst vom 3. Dez. Von Jak. v. d. Grave und Julius y. Franeker 
sind nur ganz kurze Aussagen, von Barthol. Neteler und Egb. Wideman 
gar keine bekannt Auf einen Teil der in Coesfeld verhafteten und dem 
Bisehofe überlieferten Apostel scheint sich der Befehl des Bischofs vom 
23. Januar 1535 aus Horstmar an den Amtmann zu Ahaus zu beziehen 
(Konzept im St.-A. M.), in welchem dem Amtmanne geboten wird, von 
den gefangenen Wiedertäufern einen in Ahaus, einen in Yreden, einen in 
Borken und einen in Bocholt hinrichten zu lassen. Aus den Akten eigiebt 

22 



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722 Anno 1534 acta. 

Osnaburgam ablegati ^ primum domum Ottonis Spikers in- 
gressi sunt existimantes hunc esse snae farinae hominem, hoc 
est de Sorte anabaptistica. Cui cum narrassent ^, cuius rei gratia 
venissent, dnos simul aureos et regios nuinmos in testimonium 
se a Patre missos ad pedes illins proiiciunt. Ille vero humo 



sich nur noch, dafs die Stadt Coesfeld wiederholt für die Begnadigung 
ihres Mitbürgers Joh. Essens eingetreten ist, der in seinem Yerhöre (J. 
Nies er t a.a.O. S. 39) aussagte, er sei nur durch Verwundung und Krank- 
heit in Münster zurückgehalten worden, und „dat he jemerlich myt 
der wederdope v er fort . . ., und beger gnade." Schon in seinem 
Schreiben am 1. Nov. versprach der Bischof der Stadt: „Wj willen . . . 
juwer vorbeden in behoiff des yungen knechtes, Johan von Essen genompt, 
to syner tyth gedechtich syn." Am 16. Jan. 1535 wiederholte Coesfeld die 
Bitte für den Gefangenen (Orig. im St.-A. M.). Ob dem Gesuche Folge 
gegeben, und w^ann an den einzelnen Aposteln die Strafe vollzogen wurde, 
läfst sich nicht mehr feststellen. — Irrig ist die Darstellung D. Liiie's 
S. 245, der die Gefangenen sofort peinlich verhört, „na körten dagen . . . 
enthovet unde up ein radt ider vor sick vor de Stadt gelacht" werden läfst. 

^) Die folgende Schilderung Kerss.'s von den Vorgängen in Osna- 
brück hat grofse Aehnlichkeit mit der Erzählung D. Lilic's S. 246 f^ 
nicht selten fast wörtliche üebereinstimmung. Beide schöpfen aus Be- 
richten des H. Graes, die sie gelegentlich selbst als ilire Quelle namhaft 
machen (vgl. für Eerss. oben S. 703, für Lilie F. Runge in der Einleitung 
zu seiner Lilie -Ausgabe S. 52 ff. und in der Ausgabe selbst S. 251 f.). 
Leider sind die Aussagen des H. Graes jetzt nur noch bruchstückweise 
bekannt. Näheres darüber s. in der Einleitung. — Wenn D. Lilie unter 
den Aposteln „Cup ers Ho Ischers" nennt, so sind darunter die von Kerss, 
nach dem Apostel-Verzeichnisse erwähnten Petrus Kueper und Joannes 
Scheffer, calopodiarii minister, zu verstehen. Von Aussagen der Osna- 
brücker Apostel sind uns aufser vereinzelten des H. Graes nur noch die 
des Dionys. Vinne und des Joh. Boentrup erhalten. Letztere sind über- 
gegangen in die „Newe zeitung" S. 265 1. Ein gleichzeitiger Bericht über 
das Auftreten der Apostel in Osnabrück liegt sonst nur noch in der „Newen 
Zeytung" (P. Bahlmann: Bibl. 1534 Nr. 9) Bl. A !▼ u. A 2 vor in einem 
Briefe des Bischofs an den Herzog Philipp von Braunschweig-Grubenhagen. 
— Zur Sache s. auch L. Keller: G. d. W. S. 178 f. 

*) Das Folgende ganz übereinstimmend mit D. Lilie, der die Wie- 
dertäufer auTser nach Otto Spiker auch noch nach Joh. Ertmann fragen 
läfst. Beide Osnabrücker Bürger waren bekannt durch ihre hervorragende 
Teilnahme an dem Obergschen Aufstand vom Jahre 1525. Siehe D. IJlie 
S. 192f. VgL C. A. Cornelius: M. A. L S. 8 und C. Stüve: Gesch. 
des Hochstifts Osnabrück Bd. 2 (Jena 1872) S. 33 ff. 



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Anno 1534 acta. 723 

toUens nummos: „Gratias," inqnit, „agite Patri vestro pro mn- 
nere isto mihi misso, sed renunciate üli me vestrae factionis 
non esse! Metaendnm antem est, nisi vobis accaratias prospexe- 
ritis, ne non ista miinera vobis exitio sint futura." Verum bis 
nihil moventur. In omnes enim vicos nrbis effasi quasi amentes 
cursitant vociferantes poenitentiam et vitae superioris emen- 
dationem, quos magna iuvenum, opificum aliorumque hominum 
insuetos clamores admirantium multitudo ad forum usque per- 
sequitur concionesque audit*. Senatus vero per iuratos suos 
satellites apostolos illos apprehendi et in carcerem seu turrim 
a capro cognominatam abduci iubet*; quam mox magna lanari- 
orum turba circumstat psalmosque vernaculos sine intermissione 
cantillaf^, quae seris discussis ipsos carcere liberasset, nisi se- 
natus proposita Ultimi supplicii poena vim fieri vetuisset. Se- 
natus tarnen intra sua moenia populärem seditionem metuens 
principi rem totam per literas significat atque unum captivorum 
esse, qui se vel ad principem ipsum vel ad consiliarios suos in- 
timos coUoquendi causa admitti cupiat; ipsum enim de re non 
communi, quae parum momenti habeat, sed quae ad salutem et 
conservationem totius dioecesis Monasteriensis finitimarumque 
regionum pertineat, dicturum*. Proinde princeps Wilhelmum 



*) So heifst es auch in der „Newen Zeytung**: „. , . Die sechs, so 
nach Osenburg vergangen donerstag" (15. Oct.) „kommen seind . . ., haben 
auflf der gassen hin und herwider geruffen : Bessert euch, bessert euch ; der 
Vatter ist erzürnet und will straffen! und fürder understanden, iren irtthumb 
in der statt zu predigen." 

*) In den Bucksturm. Nach der „Newen Zeytung" haben Bürger- 
meister und Rat die Predikanten „haifsen weichen aus der stat, und so 
sie solliches nicht haben thun woDen, haben sie dieselbigen gefencklich 
angenommen.'' 

^) Auch bei D. Lilie sind es „vele wuUenknapen und andere handt- 
werckesvolck van borgeren unde knechten ... de dudesschen psalme undo 
lovesenge ein umb den anderen sungen." Nach Herm. Hamelmann 
S. 1132 gehen die Gefangenen „gaudentes et canentes ad carcerem. Plebs 
vero laetitia et cantu eorum non leviter movebatur, quia adeo concitabatur, 
ut vellet omnino eos dimittendos et restitnendos libertati.'' 

*) D. Lilie, der dem Landesfursten die Gefangennahme der Predi- 
kanten anzeigen und ihn um Rat fragen läfst, erwähnt Nichts von einer 
Mitteilung über den beabsichtigten Verrat des H. Graes. 

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724 Aimo 1534 acta. 

Staell ^ cnm eqnitibas quibusdam ac bombardigeris captivos pe- 
titum ablegat, qni in crepnsculo matntmo, prinsquam circnm- 
fnsa hominum frequentia e stratis ezcitata vicos oppleret, apo- 
stolos a senatu deditos et compedibns vinctos dnobns cumbns 
ünponnnt secnmqne Ibnrgnm abducnnt l Et ciun princeps snper 
*p. 559. mumin "^Ibnrgicae arcis obambnlaret^ adventom captivomm ta^ 
citus aspiceret, Henricns Grasins agnoscens principem Latine sie 
exclamat: „Non princeps potestatem habet dimittere Yinctnm'?'' 
Qnibns verbis favorem principis sibi conciliavit. Ex bis Gode- 
fridns Stralenins in carcere mortuns inxta Ibnrgici templi coemi- 
terinin sepnltns est^. Quatnor vero seditionis concitatae sen- 
tentia morti adindicati praecisis capitibns in Stalbiinco rotis 
imponnntnr^. Henrioum antem Grasinm aliis rebus conficiendis 
fata reservabant. Hie cnm principi omnia baptistanun secreta 
et qnam expeditionem oppressionemqne in animo habeant, qnos 
popnlos in praesidinm expectent, retnlisset, si gratiam admissi 
flagitii conseqnatnr et vita a principe donetnr, porro promittit 
se ea, qnae et reipnblicae et illios maxime intersint, effectumm 
et, qnomodo nrbe sine mnlto sangnine potiator, ostensurom^ 



^) Er war Amtmann zu Ibnrg. — ') Ansf&hrlicher eiz&hlt D. Lilie 
den Hergang : „Do idt quam an den morgen unde dat volck was yorschotten, 
leihen se de gefangen ein na dem anderen nth des Backes tome na der 
Hegerporten nth. Dat gemeine Tolck was nha Sunte Johannis 
porten vorlopen, yormeinten, de predicanten solden dar nth- 
gefort werden.*' Bei Herm. Hamelmann a.a.O. wird das Gerücht, 
die Gefangenen sollten Tor dem Johannisthore dem Bischöfe ausgeliefert 
werden, absichtlich von den Bürgermeistern und Anderen ausgesprengt. 

') Ehenso D. Lilie. Er setzt hinzu: „Als dit sine f. g. horde, ge- 
bodt he den sinteren, dat men den gefangen solde allene oyer de sidt 
setten.** — Heinrich Graes war aus Borken gebürtig. H. Gresbeck sagt 
S. d4 yon ihm, er »plach ein schoelmeister tho sein in der stat* 

*) So auch D. Lilie. Kerss. aber hat schon oben S. 714 gani 
richtig en&hlt, da(s Gottfr. Stralen als einer der nach Warendorf ent- 
sandten Apostel dort hingerichtet wurde. Welcher Osnabrncker Apostel 
vor der Bestrafung yerstarb, Iftfst sich nicht feststellen. 

*) D. Lilie setzt die Hinrichtung der Apostel zeitlich in den Advent. 

*) D. Lilie S. 251 f. berichtet, wie H. Graes in ein hesonderes Ge- 
mach geführt, ihm Papier und Tinte gereicht wurde, und wie er dann alle 
„naireseehe boyerie, so se binnen gehandelt . . .,* auTserdem auch ^de kant- 
Bchoff edder ansclege, so se butfaen in den Nedderlendesachen steden ge- 



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Anno 1534 acta. 725 

Princeps, com in Grasii yita ant morte pamm momenti situm 
esse pntaret, ea qnidem lege annuit, si in urbem revertatnr 
clancnlnm scitatnm omnia regis secreta et qnae oppida ipsi sint 
confoederata. Qnod se ex fide cnratunun recipit^. Compedibns 
itaque vinctns noctomo tempore oppidanis non sentientibns biga 
ad nrbem vehitnr. Inde a yigüibns matntina Ince exorta agnitns 
incredibili gandio et psalmonun yernacnlonim modnlamine ex- 
cipitnr et ita vinctns ad regem defertnr *. Ibi satis miserabiliter 



hadt,'' anfzeichnete. Von diesen Bekenntnissen des H. Graes scheinen die 
im St.-A. M. erhaltenen und dem gröfsten und wesentlichsten Teile nach 
in die „Newe zeitung" S. 262 flf. übergegangenen nur Bruchstücke zu sein. 
— Ueber die von H. Gracs gegebenen Zusagen läfst der Bischof durch 
seine Räte auf dem Tage zu Wonns im April 1535 vortragen, Graes habe 
zu verstehen gegeben, „wo men ine bei dem leben und in Munster widder 
wolt laissen zehen, wolt er die anschlege machen und finden, welche er 
dan auch zum tcill angezeigt, das m. g. h. die stat solte erobern on enig 
blub-ergiefsen. Wo aber ime dasselbig mislingen . . . wurde, wolt er sich 
seiner anschlege weiter erkundigen und, waer auff sie sich weiter vertroisten, 
auff das genauwst erfaren und alsdann widder ausfallen und solichs m. g. 
h. . . . anzeigen und sich des auffs höchst verschreiben und verbürgen^ 
(St.-A. M. M.L.A. 518/19 VIII. fol. 43). 

^) In der Instruktion für Worms a. a. 0.: „Als nun mein g. h. ime 
dasselbig ein weill nit haben durffen vertrauwen, haben doch s. f. g. nach 
viele mit ime gehapte nnderhandlung zu letst im rath gefunden, so doch 
nit vil an einen gelegen, ob er gleich nit hielte, und denselbigen das leben 
zugesagt, gelubd von ime genomen, seinen zusagen nachzukomen.^ Einer 
Fassung der Bekenntnisse des H. Graes im St.-A. M. a. a. 0. lY. fol. 218 f. 
ist die Notiz hinzugefügt: „So de vorgemelte möge myt etlichen volcke 
von m. g. h. u. f. versorget werden, will he alsdan m. g. h. de Stadt Munster 
in 5 dagen ungeferlich leveren; des will he szick verplichten mit 11 hundert 
goltgulden, so em erfftals tho Borken thokomen.^ 

^) Auch nach der Instruktion für Worms a. a. 0. ist H. Graes ^mit 
den fesseren, gleich ob er ufsgebrochen, heimlich bey nacht'' vor die Stadt 
geführt; „und als er sich vor der stat angeben, haben sie in mit grofsen, 
froligen lobsang und dancksagung, gleich ob ime der Yatter also seiner 
gefencknuTs hette wunderlich und mirakelsweyfs erledigt, empfangen und 
eingefnrt.*' Von den Fesseln spricht auch Joh. Fabricius Bolandus 
Bl. y 6% der aber (und ihm folgt Herm. Hamelmann S. 1256 f.) in dich- 
terischer Phantasie mit der Rückkehr des H. Graes nach Münster die Be- 
freiung des jungen Christoph v. Waldeck in Verbindung bringt. Vgl. oben 
S. 664 Anm. 3. Nach D. Lilie S. 252 wurde „Hinricus Graes bi nacht- 



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726 Anno 1534 acta. 

et cum lachrimis Actis quidem commemorat, quantis discrimini- 
bns et pericülis evangelii nomine implicitus fderit, qnibns tor- 
mentis reliqui apostoU secmn emissi ab impiis ethnicis et regni 
Dei hostibns afQicti perierint*; se vero solmn Patris nutu reser- 
vatnm, nt homm omninm regins nuncios esset. Bex compedes 
discussis clanstris laxari iubet et, quomodo hnc translatus sit^ 
perqnirit. Ad qnae ille : Se snperiori nocte insueto Imninis fol- 
gore in obscuro carcere Ibnrgicae arcis septnm angelnm Dei ad 
se yenientem vidisse, qni apprehensa mann sna se ab indicto 
sibi in hnnc diem capitali indicio clementer eripuerit, qni a 
tyrannica impiormn crndeKtate se liberavit, ne in se, nt in alios 
confratres snos, pro Kbidine sna saeviant, qni in profnndissimo 
♦p. 560. sopore hnc ad nrbem se admirando modo vexerit, *et, ne qnis- 
qnam de hac stnpenda Patris liberatione ambigat, compedes istas 
esse hostinm et secnm hnc per angelnm esse translatas, nt rex 
Israhelis et totns popnlns Dei in sancta hac nrbe videat, qnam 
ineffabili ratione Pater snis adesse eosqne tneri et ab exitialibns 



tiden gelaten dorch de blockhuser mit einem stocke als ein armer bedeler.** 
H. Gresbeck giebt nicht genauer an, wie der Verräter in die Stadt zurück- 
kehrte. Er sagt nur S. 115: „So heft innen dat volck wilkhomen geheitten 
und hebben ime die haut gedain und hebben innen für den munt gekusset 
mit einen freden." 

^) „Sagt inen an, wie mit den andern gehandelt wurde," heilst es in 
dem Bekenntnisse des Zillis Leitgen (J. Niesert: Ü.-S. I. S. 137). H. 
Gresbeck S. 114 f. berichtet ausführlich, wie der Konig zunächst gute 
Nachrichten über den Erfolg der Apostel erhielt, dann aber von ihrer Ge- 
fangennahme und von dem Falle Warendorfs erfuhr. „Do was ein bedrovet 
hoep binnen Monster. ** Doch verstand der König das Volk zu trösten mit 
den Worten: „datselve moiste so geschehn, dat wer Goddes wille, dat sie 
sterven meisten, wante na den predicanten sollen noch ander predicanten 
khomen, die noch Goddes wort sollen viel clarlicher austrucken und pre- 
digen." So gesteht denn auch am 6. Dez. Joh. Kettel van Tiel in seinem 
Verhöre (M. G.-Q. II, 292): „Se wetten dair binnen wal, dat de predicanten^ 
de se uthgesant hadden, umb de helse sint Dair seggen se to, dat zy 
des YaldeVs wille, de Yader mote danck hebben." Die «Newe 
zeitung" hat S. 266 nach Joh. Boentmp^s Aussage die Notiz, dafs den 
Aposteln geboten war, „so sie in gefencknis kemen . . ., das sie das in 
Münster nicht schreiben selten, auff das die brüder nicht in Schwermut 
mochten kommen,-« sonder selten allein gen Sofst schreiben an den pro- 
pheten^ (Dusentschuer). S. auch ebendas. S. 262. 



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Anno 1534 acta. 727 

periculis eripere et possit et velit*. His multisqne aliis verbis 
regi fidem facit se divinitus per angelum Dei a tyrannide san- 
guinariorum solutum esse, quamvis auKcis quibnsdam perspica- 
cioribus, quibus haec res snspecta esse coeperat, aliter visum 
sit*. Vicit tarnen credentium multitndo. Befert etiam, qnanti 
passim in orbe motns novae Sionis gratia per christianos fratres 
excitentur; qni si ducem habeant, fore, ut hostibus intemecione 
deletis liberam hanc sanctam civitatem ab omni impressione, 
persecntione et periculo reddituri essent. Inde ita animo regio 
se insinuavit, nt ad omnia consiKa, quantnmvis arcana, admit- 
teretur. Hie in. omnibns concionibus a rege aliisqne ecclesiastis 
in hoc novo non aliter, quam Abrahamns in veteri regno Israbe- 
litico tanquam fortis fidei exemplnm proponitur. Tandem vatici- 
nandi munere propheticoque spiritn ipsum pollere non dnbitatur; 
designatur ergo propheta^. 

Verum Grasius vehementer sibi metuit, ne fabula ista et 
dolus compositus aut per transfugas aut per captivos in per- 
niciem sui prodatur. Longam enim in urbe manendi moram 
sibi exitium certissimum allaturam non dubitat. Proinde occa- 
sionem commodam, qua bona pace a rege dimittatur, quaerit*. 
Quare cum rex in solio suo controversias populi sui auditurus 
consideret et maiestate undique cinctus fastum suum ostentaret, 
Grasius furore prophetico concitatus coram rege vociferatur : sibi 



') Aehnlich berichten Joh. Fabricius Bolandus Bl. VB^ u. V 7 
und L. Horte nsius S. 40, Tvährend D. Lilie davon Nichts erwähnt. 
Nach H. Gresbeck S. 116 erzählte H. Graes, „wie dat hei uth der ge- 
fencknisse ifs gekhomen, wie dat hei uth einem finster ifs gefallen und wie 
dat hei ifs bei nachte gegain, ehe dat hei ifs an die hillige stat gekhomen/ 

^) Auch D. Lilie a.a.O. fuhrt an: „De koninck gaff em geloven, 
dan ein deil mistwivelden daran, bevulbordeden nochtan datsulvige mit em, 
dat deVader em uth der gefencknisse geholpen hadde, umb kuntschop to 
geven van den anderen broderen, de mit em uthgesandt weren.'' 

^) Nach H. Gresbeck S. 94f. war H. Graes schon früher unter 
die Zahl der Propheten gerechnet worden. 

*) Ganz ähnlich heilst es bei D. Lilie S. 253: „Dan ein ider kan 
wol dencken, wu em to herten gewest is: wanner gefangen dar enbinnen 
hedden gekomen, de kuntschoff van em gefort hedden, moste he eine grote 
yhar hebben gestain. Dammme ilede he in sinen ansclegen, dat he orsake 
mochte krigen, darmede he wedder uth der stadt mochte gesandt werden.^ 



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728 Anno 1534 acta. 

a Patre divinitns revelatnm esse, nt christianos fratres Wesaliae, 
Daventriae, Amstelrodami et per totam Grermaniam inferiorem 
dissipatos in nnnm exercitmn ad liberandam nrbem colligat; se 
aliqnot millia armatorum in omninm principnm Oermaniae inter- 
necionem et nrbis Israheliticae liberationem coactnmm ; se illnm 
fore, qni noyam Hyerosolymam abactis hostibns ab obsidione 
liberaturus sit; se certa fidncia rei feKciter conficiendae fretum 
in gratiam confratram snorom hanc peregrinationem libenter 
"p. 5<5i. snsceptumm et hoc pericnlnm *sponte sua Patre volente snb- 
itnmm ; omnes fratres ad praesidium ferendnm esse paratissimos, 
si saltem certo indicio regis animmn cognoscant^ Bege itaqne 
anctore et extimnlante Wesaliam atqne in alias civitates eodem 
schismate infectas se profectnmm recipit, ut confoederatomm 
nnmerum suo dogmate, cum propheta a rege haberetnr, angeat, 
illnstret et confirmet, hinc eosdem in praesidium novae Syonis 
ad arma concitet. Fidei autem plenioris faciendae gratia scriptum 
illi annulo signatorio maiori regis munitum traditur in haec 
verba *: 

„Nos Joannes rex iustus novi templi et minister Dei al- 
tissimi omnibus et singulis christianis fratribus foedere nobis 
consociatis Ms nostris scriptis notum facimus, quod hunc gram- 
matopborum Henricum Graes, prophetam Patris coelestis inspi- 



') Vgl. zur Sache das Bekenntnis Bernh. Krechting's vom 25. Juli 
1535 (M. G.-Q. II, 380), nach dem H. Graes gesagt, „dat hy van dem 
Vader der gefenckenis verlost wer, und dair neist verkündigt hy oen ein 
onteillich volck, und das so voel, als der stemen in dem hemel und des 
zantz in dem meher wer, erweicken, dieselve to sampt den steden als Wesel, 
Amsterdam, Deventer und ander oen bystaen und to hulp komen solden.* 
Johann v. Leiden gesteht am gleichen Tage (M. G.-Q II, 373), wie H. 
Graes geäufsert habe, „hy die brueder in dem Watterlande und sus aller- 
wegen upbrengen und sie dair raede ontsetten wolde." Nach Enipperdol- 
ling's Aussage (M. G.-Q. II, 378) hatte H. Graes erzählt, „wie hy in einer 
Visionen und getuegnifs gesien heb, dat vuel volcks hy ein ander komen 
und sie erloefsen solde, und dat hy dair hinnen reisen und up ein seker 
ure by sie sin moeste." Vgl. auch L. Hortensius S. 40. 

*) Nur durch Kerss, überliefert. In der Instruktion für Worms heifst 
es: „Also hat ime der koninck zergelt geben und mit zweien anderen sampt 
eynen pitscher und ander warzeichen aufs der stadt bei nechtlicher weill 
vergleitet. •* 



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Anno 1534 acta. 729 

ratione illustratam, anctoritate nostra ablegaverimns, nt fratres 
passim per Germaniam dissipatos in regni nostri angmentom 
verba yitae doceat et in iinum coUigat reliquaque mandata Dei 
nostraqne sibi commissa exeqnatnr. Bogamns itaque, nt hnic 
non aliter, qnam nobis ipsis in omnibus, qnae ad causam no- 
stram pertinent, fidem habeatis certissimam. Scriptum Mona- 
sterii in civitate Dei et signo nostro corroboratnm anno aetatis 
nostrae 26, regni vero nostri primo, secnndo die primi mensis 
post incamationem lesu Christi, filii Dei, anno 1535." 

Grasins bis scriptis trecentisque florenis munitns egre- 
ditnr \ Et cnm aliquot armati oppidani iussu regis et ex com- 
posito in una parte urbis castra irritarent milesque iis repel- 
lendis esset intentus, in alia parte duorum ministrorum ductu 
militibus non sentientibus castella praeterit. Ita elapsus fidei, 
quam principi dederat, memor a ministris suis sese subducit 
et Iburgam in feriis praecidaneis Trium Eegum anno 1535 ad^j.'J*'»- 
principem fidem suam liberaturus redit* atque ibi omnia regis 



*) D. Lilie S. 253 spricht unbestimmt von einer „snmmen van gülden 
to siner noittrofft." „Himicus Grafs," bekennt Johann v. Leiden fJ. Nie- 
se rt: U.-S. I. S. 180), ^hefft 200 g(ulden) mit sick genomen, etzlich an- 
schlegc to maken/ Vgl. auch M. G.-Q. II, 373. Dieselbe Summe nennen 
auch Knipperdolling und Bemh. Krechting und fügen hinzu, man hätte 
ihm auch 1000 Gulden gegeben, wenn er sie verlangt hätte (J. Niesert 
a.a.O. S. 189 und M. G.-Q. II, 378 u. 380). Auch H. G res heck S. 116 
redet von 200 Gulden. Er weifs auch von einem weifsen Fähnlein zu be- 
richten, um das H. Graes die Anhänger der Wiedertaufe scharen und dann 
nach Münster zurückkehren sollte. „Mit diesem Witten fentlein, dat dat 
solde Henricus hebben mede gehat, do hei lestmail uth der stat toich . . ., 
datselve sachten die gemeine wioderdoepers in der stat Monster. Wehr 
dat so geschehn ifs, dair en khan ick nicht enckede von schriven.'' 

'} 5. Januar. Dasselbe Datum bei D. Lilie a. a. 0. Doch schreibt 
der Bischof bereits am 4. Januar aus Iburg nach Köln und Cleve (Konzept 
im St.-A. M.): „. . . doch ys ho ungeverlich yn veer dagen(?) weder uth 
der Stadt an uns gekomen.** lieber die Flucht des H. Graes aus Münster 
vergl. auch H. Gresbeck S. 117. Als seinen Begleiter nennt L. Hor- 
tensius S. 46 f. einen Joh. Nottel und berichtet, wie dieser, nachdem er 
von seinem Gefährten im Stiche gelassen war, sich zunächst nach Deventer 
wandte und von dort nach Münster zurückkehrte. Ein Brief, den H. Graes 
bald darauf in die Stadt sandte, ist abgedruckt M. G.-Q. II, 296. S. dar- 
über auch H. Gresbeck S. llSf. S. auch den fingierten Brief des H. Graes 
und die Anrede des Königs an das Volk bei L. Hortensios S. 47 fif. 



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730 Anno 1534 acta. 

nrbisque arcana prodit* et quae sint anabaptistaram secretiora 
symbola, qui cives Wesalienses regi Monasteriensi foedere sint con- 
sociati qnidve illi in animo habeant, quid Daventriae, quid Äm- 
stelrodami ac in aliis inferioris Gennaniae civitatibus hnius fa- 
rinae homines in perniciem bonorum meditentur, in quibus aedi- 
"p. 562. bus et cellis arma clanculum congesta *adserventur, quas ciades 
ehristianomm agitent, quos motus quaeve latrocinia secum ver- 
sent, ut occisis passim magistratibus urbes et respublicas sibi 
subiiciant, ut asylum omnium scelerum et sceleratorum, omnium 
flagitiorum et flagitiosorum obsidione Kberent, ut schismaticum 
venereumque suum regnum pietate, pudicitia et omni obedientia 
profligata quam latissime propagent atque dilatent^ 

Princeps haec omnia duci luliaco aliisque principibus et 
8. Jau. oppidorum magistratibus in initio nempe 8. die lanuarii anni 
1535 per literas significat-, ut sibi accurate prospiciant et pul- 
lulascenti adhuc malo resistant, simulque efflagitat, ut, si forte 
Henricum quendam Grasium anabaptismi nomine apprehenderint, 
supplicium illius dififerant, donec sibi eins rei indicium faciant*; 
nam in huius captivitate plurimum esse momenti et sibi et rei- 

a) Im Ms. fehlt das Verbum finüum. 



Ein Bruchstück der Bekenntnisse des H. Graes aus dieser Zeit 
hat sich erhalten im St.-A. M. M. L. A. 518/19 V. fol. 109 und ist abge- 
druckt von J. Nies er t: ü.-S. I. S. 146 ff. (Verbesserungen dazu M. G.-Q. 
II, 416). Vgl. auch die Bekenntnisse der Weseler Wiedertäufer vom Jahre 
1535 bei K. W. Bouterwek: Zur Literatur u. s. w. (in der ^Zeitschr. des 
Bergischen Geschichtsvereins" Bd. 1 [Bonn 1863] S. 360 ff., Separatabdruck 
S. 81 flf.). Weitere Aussagen des H. Graes bietet die Instruktion des Bi- 
schofs für Worms. S. darüber weiter unten zum Jahre 1535 bei Gelegen- 
heit der Wiedertäufer-Unruhen in den Niederlanden. 

') Vielmehr, wie eben angeführt, nach Köln und Cleve bereits am 
4. Januar. Aussagen des H. Graes über Geldsendungen der Münsterer nach 
Wesel und Köln zeigt der Bischof am 11. Jan. dem Kurfürsten von Köln 
und dem Herzoge von Cleve, am 12. Jan. dem Landgrafen von Hessen an 
(Konzepte im St.-A. M.; s. auch M. G.-Q. II, 304 f.). 

') Ein Schreiben des Bischofs vom 3. Januar bittet die Fürsten, 
Grafen, Herren und Städte, „zo ze ejnen, Henricus Graefs genompt, un- 
fertigen (?) verfolgen unde anklagen werden, denselven uns to gefallen yn 
verwarynge antonemen unde uns to unsen wy deren gcsynnent to rechte to 
holden^ (Konzept im St-A. M.). 



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Anno 1534 acta. 731 

pnblicae. Timebat enim princeps, ne illo interempto anabap- 
tistici flagitii consortes non proditi ünpnniti remanerent et con- 
cnrsu tandem facto se cum omnibus copiis ab obsidione pelle- 
rent. Inde duos itineris comites anabaptismnm quoque simu- 
lantes Grasio adiungit, qnorum alter Joannes Swerthen, qni nrbe 
relicta in ea nxore excesserat, quae et pedes et eques armata 
virago plus quam viri officiam in repellendis hostibus saepe 
exercuerat*; alter vero scriba fnit Mauritii ab Amelunxen no- 
bilis^. Sed cum hi essent huius schismatis ignari, Grasium 
sectantur, illius mores imitantur et effingere discunt, illum pro- 
phetam appellantes venerantur et suspiciunt, illum observant, 
ab illo tanquam magistro suo toti pendent. Hie ergo Wesaliam 
cum discipulis suis iussu principis ire contendit et ostensis ibi 
regiis literis et symbolis quibusdam secretioribus se in quorun- 
dam magni nominis civium familiaritatem et consuetudinem, 
quos eiusdem farinae esse cognoverat, insinuat; qui cum se in 
regis Monasteriensis liberationem collatis in certas aedes variis 
armorum generibus suggestione Grasii armassent, ab eodem pro- 
diti sunt. Quae res ingentes Wesaliae motus concitavit. Dux 
enim luliacus reprimendae seditionis causa cum aliquot equitum 
turmis quinto die Aprilis anni 1535 oppidum ingressus 13. eins- "-j^f^ 
dem mensis Ottonem Vinken, Wühelmum Schlebusch et alios 
quatuor non contem*nendae auctoritatis cives, seditionis capita, »p. 563, 
decoUari et extra muros sepeliri iussit. Reliqui vero retincti, 
quorum magnus erat numerus, ipsa dominica lubilate, quae fuit 



^) Vom 3. Jan. datiert ein Befehl des Bischofs an Wilkin Steding, 
in dem es heifst: „So zick Johan Swerten elige huisfrow uth Munster be- 
geven werde, ys unse bevell, dat dn de alsdan gelejtlich holdest, ock dar 
anne zyst unde by anderen hoepludcn bestallest, derselven frowen gyn leit 
edder overfaU gesche, snnder velich unde ungeleit to passeren gestadet 
werde." Durch diesen Befehl belohnte der Bischof die Dienste des einen 
Begleiters des H. Graes. 

') Denselben nennt auch D. Lilie S. 254, aber als einzigen Ge- 
fährten des H. Graes nach Wesel. In einem undatierten Schreiben des 
Bischofs an seine Räte (Konzept im St.-A. M. M. L. A. 518/19 Y. fol. 109«) 
werden als solche angegeben Hermann v. Mengersen's Schreiber und 
Job. Swerten. S. auch den gleich anzuführenden Bericht des H. Graes 
über die Wiedertäufer in Wesel und das Schreiben des Bischofs nach 
Kassel vom 12. Januar (M. G.-Q« II, 304 f.). 



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732 Anno 1534 acta. 

^^535*^* 18. Aprilis, gratiam ea lege a principe conseqaebantnr, ut lin- 
teis albis circmndati in publica Instratione coemiterinm circnm- 
irent et integro sacro stantes interessent *. Hac publica igno- 
minia omnia superiora crimina expiantur, atque ita in gremium 
ecclesiae catholicae recipiuntur. Grasius bis actis ad suos re- 
versus reliquos vitae dies in pace transegit. 

Ut autem narratio ad id, unde digressa est, revertatur, in 
Octobri quidam miles ab oppidanis eruptionem facientibus in 
conflictatiuncula captus et in urbem abductus carceri plebeo sub 
curia mancipatur; ad quem rex scitatum mittit, an verbum Dei 
continuo amplecti velit? At miles, quodnam sit illud verbum 
Dei, quod in urbe amplectantur, inquirit; sibi non aliud videri, 
quam stupra et adulteria foedissima sectari. Hoc miUtis re- 
sponsum cum regi nunciaretur, rex stupore mentis se corripi et 
spiritu conturbari simulat iraque fremit et excandescit militem- 
que protinus ad se e carcere in forum protrahi iubet, protractum 
ipse suis manibus mandante Patre ob contemptum verbi Dei et 
urbanae religionis gladio ferit*. 



*) Ueber H. Graes' Auftreten in Wesel haben wir dessen eigenen 
Bericht, den der clevische Rat Hermann v. Wachtendunck am 19. Jan. 1535 
dem Stadtrat zu Wesel übersandte. Er ist abgedr. bei K. W. Bouterwek: 
Zur Literatur u. s. w. a. a. 0. S. 385 flf., resp. S. 106 if. Schon Bouterwek 
hat auf die Wichtigkeit der Bekenntnisse der Weseler Wiedertäufer hin- 
gewiesen und Auszüge aus den Gerichts-Protokollen der Monate Januar bis 
März 1535 veröffentlicht. Weiteres reichhaltiges Material befindet sich im 
St.-A. Düsseldorf. Zur Sache vgl. auch L. Keller: G. d. W. S. 157 flf. — 
Die von Kerss. angeführten Daten für die Hinrichtung des Otto Vinck, 
Wilh. Schlebusch u. A. sowie die Begnadigung der anderen Angeklagten 
wird durch die Weseler Ratsprotokolle bestätigt. In Bezug auf die Ver- 
bindung zwischen Münster und Wesel seien noch folgende Stellen aus den 
Aussagen des H. Graes (bei J. Niesert a.a.O. S. 146 u. 149) angefahrt: 
^Daer is geschreven bynnen veerthein dagen in Wesel uth der stadt Munster 
an einen erfman Havemester offt Lantdroste genannt, wonhafftich bjnnen 
Wcsell, dat se sick solden versorgen mit proviand vor ein jaer ofiFte twe to 
behoiff der van Wesell, und dat he solde bestuiren bynnen Wesell bussen- 
kruith und loith, dat et alle bereit wäre, want noit dede, want se der 
meinong sint, dat sulve antorichten, als et bynnen Munster 
is angerichtet „Enippinch b3mnen Wessel is gedoipt und is der van 
Munster ehr doin und laten ; an den schicken de van Munster dage- 
lychs boden und breve.** Vgl. auch M. G.-Q. II, 293. 

*) Fast wörtlich dem Bekenntnisse des Werner Scheiffart vom U. 



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Anno 1534 acta. 733 

Circa haec tempora cum pner qnidam ^ decem propemodum 
annornm radices atqne olera sedandae famis causa snbtraxisset, 
in forto deprehenditnr et ad postem religatns a singulis scho- 
larmn magistris, qni tnnc erant in nrbe, in praesentia snorum 
discipnloram ad sanguinis effusionem flagellatur. Sed cum in 
idem flagitium relaberetur, in monte Sjonis vel campo dominico 
ad quercum suspenditur ; ubi vero fracto funiculo decideret, ita 
attonitus et perculsus stetit, dum restim finniorem carnifex 
afferret, quo iterum suspensus interiit. 

Mulier etiam quaedam \ cum caraes equorum in creopolio 
distribuerentur, bis subdole exegit carnes. Quae res cum pro- 
deretur, rex eam infamiae causa in macello strictum teuere gla- 
dium per horas aliquot iussit, atque hoc publice dedecore mortis 
poenam expiavit. 

In Novembri Conradus Insulanus ac Joannes Ketteil Ty- 
lanus ""cum aliis quatuor commilitonibus suis stipendii faciendi *p. 564. 
causa in castra ventitant et, cum sibi episcopi militia negaretur, 
recta in urbem ad regem abeunt*. Qui: „Vosne sex," inquit, 
„urbem nostram nunc capitis, quam praeterita aestate decem 
millia vestrum capere non potuerunt? Quae est adventus vestri 
causa? Qua spe, qua fiducia freti huc non vocati moenia nostra 
subitis, cum stipendia a me praeter victum et vestitum nuUi 
militum assignentur?" Ad haec milites se fidei defendendae 
causa ad regem confagisse respondent neque amplius quicquam, 
quam aliis suis militibus sit datum, postulare. Ad quae rex: 
an hoc ex animo loquantur et super ista agnitione baptizari cu- 
piant? Sespondent se non solum baptizari, verum etiam extrema 



Dezember (M. G.-Q. II, 2ifb) entnommen. Schon G. A. Cornelius hat 
M. G.-Q. II. Einl. S. 54 darauf hingewiesen, dafs diese Erzählung von der 
Hinrichtung eines Landsknechtes nur eine andere Relation sei von dem 
Berichte einer gleichen That des Königs w&hrend des grofsen Abendmahles 
am 13. Oct., die Kerss. oben S. 702 f. nach verschiedenen andern Quellen 
anfuhrt. 

^) Das Folgende nur durch Kerss. bekannt 

*) Dieses und das Folgende fast wörtlich nach den Bekenntnissen 
des Gort Tan dem Werde und des Joh. Kettel yan Tiel vom 6. Dez. 1584 
(M. G.-Q. Uj 289 ff.). — Gort ▼. d. Werde sagt, »dat se mit willen sint in 
Munster gdopen, dan he sy dmncken gewest** 



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734 Anno 1534 acta. 

pericula et quamlibet fortunam cum ipsis experiri velle. Inde 
post longam admonitionem baptizantur *. Hinc regi quaerenti 
castroram mnnitiones, numemm militum et tonnentomm omnia- 
que secreta enunciant^ Et cum rex de glandium porcorumque 
pinguium copia inquireret, respondent: intra viginti annos tan- 
tam neque glandium ubertatem neque porcorum bene sagina- 
torum rusticis copiam, quam hoc anno fuisse. Ad quae rex: 
„Comedant illi farcimina, nos vero lardo fruemur^!" 
27. Nov. Quae res cum principi innotuisset, 27. Novembris satrapis 

praefectisque passim per dioecesim edicto praecipit*, ne quic- 
quam militum sine suo aut Wilkini Stedingi commeatu in dioe- 
cesim admittant neque egredi patiantur. Timet enim princ^ps, 
ne, si libertas ultro citroque commeandi militibus vagis per- 
mittatur, plures sint futuri, qui nihil pensi pietatis habentes 
idem, quod hi sex, facturi sint. 

Post dies aliquot cum Insulanus atque Tylanus aliique 
oppidani in hostem impetum facerent et imprudentius quam 
6, Dez. cautius pugnarent, capti sunt atque ipso die Nicolai quaestioni- 
bus atque tonnentis subiecti fatentur*^: Oppidanos in singulos 
dies eruptionem violentam in proximos quosque pagos commeatus 
adferendi causa meditari; in eins rei usum duo signa miütaria 



*) Im Bekenntnis des Cort v. d. Werde: „Do heft he en uth einem 
boke voele laiten verlesen, se wetten nicht, wat dat was, und h ebben se 
dairnp gedopet." 

*) Im Bekenntnisse: „Item de konninck heft em mechtig gefraget 
na gestalt der blockhueser, und wu starck se sint, und war men et up dat 
beste doen konde; dair hebben ze em algelech van gesecht." 

«) Aus dem Bekenntnisse des Job. Kettel van Tiel (M. G.-Q. II, 292). 

*) Aus Warendorf. Konzept im St.-A. M, 

^) Am 6. Dezember. Eerss. giebt im Folgenden nur einige Geständ- 
nisse des Job. Kettel van Tiel wieder, üeber den Grund, weshalb sie 
Münster verliefsen, sagt Cort v. d. Werde aus, er w&re „mede uthgelopen 
mit den anderen der meinonge, se wolden 4 of 5 dairin halen, de wüsten 
de andern, mit summiger provande." Die von Kerss. nicht mitgeteilten 
Aussagen beziehen sich meist noch auf Anschläge der Münsterer, Proviant 
in die Stadt zu bekommen. Uebrigens gesteht Cort v. d. Werde, „men heft 
en gude kost gegeven tor noittrofft und hebben en dair by gesecht, 
so hebben speckes genoch went tho Paeschen.*' 



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Anno 1534 acta. 735 

ab ipsis esse facta ^. Item quatuor cum mnltis pecnniis et li- 
bellis quibusdam in nrbe excnsis in Phrisiam atque Hollandiam 
commeatus emendi et seditionis concitandae gratia ablegatos, 
qnorum reditnm magno *desiderio expectent^ Item qningentos »p. 565. 
homines singnlis noctibns agere vigilias, qnornm qnadraginta in 
singnlis portis, qnae et noctes et dies pateant propylaeis saltem 
clausis, excnbent \ Item quosdam audacissimos oppidanos mntato 
habitu saepe urbe elabi et castra hostium clanculum praeterire 
famosasque pernas et gallinas viventes vel Oldenberga vel aliunde 
allatas in castris Egberti Devereni explorandi gratia* hostibns 
fucnm non sentientibus divendere et salvos in urbem redire. 
Item mnlieres, quamvis sexies virornm numernm exnperent, ita 
inter viros esse distractas, nt nullae iam ampHus innnptae praeter 



*) „Dat eine** (venlin) „heft Kint van Oldensel; dat heft he in der 
hant gehat," setzt Joh. Kettel hinzu, der von einem beabsichtigten Aus- 
falle „tusschen Lentzen und Egbertz blockhusern hen, umbtrent 2 mile" 
zum Zwecke des Proviantholens spricht. 

*) Joh. Kettel erwähnt noch ; „De hebben sick tho Rheene edder tho 
Eueren nige gekledet. Der eine is ein groit lanck man und het Albert 
edder Beneventura de Beneventura, is na Freifslant; und de anderen drei 
na HoUant, der wet he eren namen nicht." Auch W. Scheiflfart läfst (M. 
G.-Q. II, 294) „vier mit grotem gelde na HoUant, Brabant und Freifslant 
um proviande uthgesant" sein. Er macht unter ihnen nur einen als Peter 
Simons namhaft, der nach dem Geständnisse des Dieners des Malers Ludger 
to Ring vom 23. Dez. (s. weiter unten) bald wieder nach Münster zurück- 
kehrte. Vergl. auch die Bekenntnisse des Zillis Leitgen (bei J. Niesert; 
U.-S. I. S. 137 f.). Die Bücher, die den Ausgesandten mitgegeben wurden 
(Joh. Kettel sagt „veele boeke und breve, de se en wech brengen solden; 
wat de innen beiden, dat is em unbewust"), waren Exemplare der Roth- 
mann'schen „Restitution." lieber die Vertreibung dieses Buches s. weiter 
unten. Zur Sache vgl. noch H. Gresbeck S. 120 f. 

^) Vgl. dazu oben S. 702 Anm. 1. Der Diener des Malers Ludger 
to Ring, dessen Bekenntnisse vom 23. Dezember Kerss. gleich weiter unten 
benutzt, sagt über die Wacht aus: „Alle nacht und dag waken vor jder 
porten vertich, und gan dan ock noch etzliche van des konynges rede umb, 
dat erer ungeferlich bj viffhundert waken; und die wacht gehet 
stets in de derden nacht umb." 

^) Im Geständnisse : „umme to beseen edder dat an to stecken, und 
verhören alle gelech ,.," Von listigen Auskundschaftungen bekennt auch 
Zillis Leitgen bei J. Niesert a.a.O. S. 145. 



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736 Anno 1534 acta. 

apostolorum a rege ablegatomm et passim interfectomm nxores 
in nrbe relictas supersint*. 

Hi, cum essent retincti, inre plectantnr. 

Weraerus quoque Scheiffort ^ homo antiqui generis et stem- 

matis, cum aliqnandin inter retinctos ispe retinctns yixisset neque 

sibi dintias ratio vivendi in nrbe placnisset neque ea, qnae ad 

5. Dez. Tiyendnm pertinebant, satis abnnde snppeterent, qninto Decem- 

bris elapsns capitur ac nndecimo einsdem mensis adhibita qnae- 

11. Dez. stione fatetnr^: Primnm oppidanos in feriis nataütüs fntnris 



') Im Geständnisse heifst es nur: „Item dair sint ock nine ehe- 
frouwen mer tho krigen, dan der gerichteden predicanten froawen, de sint 
noch nicht verlovet." — Die Nachrichten aus dem Octoher 1534 über die 
Einwohnerzahl Münsters s. oben S. 700 Anm. 1. Ich füge hier die Angaben 
darüber aus der Zeit vom Dezember 1534 hinzu. W. Scheiffart sagt am 
11. Dez. aus (M. G.-Q. II, 293), „das dabinnen in als von man und frauwen 
personen darzu kindem ungeferlich zwischen acht und nenn dusent sein, 
dere ungeferlich 1400 werhaftig.^ H. Graes bekundet im Jan. (J. Nies er t: 
U.-S. I. S. 148): „Dar sint noch umbtrent waU 1300 maus und wall 6000 
wyver, uthgenommcn noch kinder.*' Zillis Leitgen, der am 31. Dezember 
Münster verliefs, gesteht am 14. Febr. 1535 (J. Niesert a.a.O. S. 143): 
„Item de woren noch ungeferlich zehen oder elff hondert wehrhafftiger man. 
Item dar woren noch 700 schoeler. Die metlin hait die koninckine ire 
scholmeister inen zu verordent; sunst sint noch über zwey dousent weiber 
dar bynnen.*' — Keine der erhaltenen Quellen rechtfertigt die Behauptung 
Kerss.'s, dafs die Anzahl der in Münster anwesenden Frauen sechsmal 
gröfser gewesen sei, als die der Männer. 

*) Er hatte sich am 14. Mai 1534 nach Münster begeben. Vgl. oben 
S. 510 Anm. 4. Ueber ihn bekennt Dionys. Yinne (M. G.-Q. 11, 275): 
„Scheiffert sy binnen Munster und hebbe sust kein berel, dan he sy nn 
lesten mit dem konninge gereden npt aventmail und hebbe eine schlechte 
maget genommen thom wive.^ Job. Kloprifs sag^ von ihm (J. Niesert 
a.a.O. S. 132): „Item er hab den Scheiüert in Munster gekant, und er 
hette irstlich gewolt, das er darufs were gewesen, aber binden nach hielte 
er sich stille; und er hab zu Munster ein frauwe genommen.*' 

*) Die Daten entninmit Eerss. richtig dem Gest&ndnisse W. Scheif- 
fart's. Dasselbe ist bruchstückweise in einer Kopie im St.-A. M. erhalten, 
ans der es abgedruckt ist bei J. Niesert a.a.O. S. 150 ff. Yollstftndig 
findet es sich aus einer Kopie im AichiTe zu Weimar in den M. G.-Q. II, 
292 ff. yeröffentliebt. Kerss., der das GestAndnis schon oben benutzte, bringt 
hier nur zwei Aussagen aus demselben bei, die sich auch bei J. Nieeeort 
finden. Was er sonst als von W. Scheiffart geftnfsert hinstellt^ findet sich 



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Anno 15o4 acta. 737 

ernptionem in proximos quosqne pagos decrevisse et ad eam 
rem HoUandorum praesidinm in singnlos dies expectare. Daces 
etiam conscribendi exercitus gratia alieni principis nomine ab- 
legatos esse \ Item omne frnmentnm in oppido regis mandato in 
nnnm locnm convectnm esse, cni Bemardns Menneken praesit. 
Item siliginem ad panem conficiendam hordeo conmiisceri \ Item 
magnam puellarum multitndinem veneri adhnc inmiatnram foe- 
dissime ita a nris salacioribus corraptam, nt maltae earnm inde 
occnbnerint, quaedam vero a Knappen uxore chirnrgiam exer- 
cente sanitati pristinae restitutae sint^. Item plebem snspicari 
regem sese cnm anlicis quibnsdam snbdnctnrnm et eifdgitunim, 
cum libros pecnniamqne emiserit. Qnod cum regi enonciatum 



in der von ihm gebotenen Forni nicht in den Bekenntnissen Scheiffart's, 
sondern in denen des Dieners des Ludger to Ring, aus denen Eerss. gleich 
unten weitere Auszüge bietet 

') Aus dem Geständnisse des Dieners des Ludger to Ring, wo es heifst: 
„Erstlich, dat de von Munster der meynung sjn, dat se in dussen hil- 
ligen dagen^ (das Bekenntnis datiert vom 23. Dez.) „willen uthfallen 
und eine kercke berennen und dat volck, so se darin vynden, doethslaen. 
Derhalven moth men gude wacht holden, in Sonderheit na Rocksell uth. 
Ock meynen se, de Hollander werden se erstes dages entsetten, 
und hebben sunst ock na knechten uthgesandt, de man under 
anderer hern namen annemen und szolt geven saL** Der Wort- 
laut im Bekenntnisse des W. Scheiffart, der zwar dieselbe Sache im Auge 
hat, ist ganz anders (M. G.-Q. II, 294). Schon am 6. Dez. hatte Gort v. d. 
Werde eingestanden, die Münsterer beabsichtigten, „umme nie iairen 
hen uth to trecken" (M. G.-Q. II, 290). VgL zur Sache auch die oben 
von Eerss. citierte Aussage des Joh. Kettel und die des H. Graes bei J. 
Niesert a.a.O. S. 146. 

') Aus dem Bekenntnisse des Dieners: „Item men hefft aUe l^om 
uth den husem gesamblet und up einen hop gebracht und Bemdt Menneken 
dar vuer vor einen oversten gesatt, und moth nymantz backen oder bmwen, 
he hale dan dat mell van den verordenten; und datsulvige is gemenget 
mit gersten melle." Aehnlich sagt W. Scheiffart (M. G.-Q. n, 293) aus. 
Er nennt aber B. Menneken nicht, sondern spricht von vier Diakonen, denen 
das Zusammenbringen und Verteilen des Korns übertragen war. Zugleich 
berichtet er, „das vier diaconi verordent, die ein ider hnifs besichtigen, 
wie sie mit profiand versorget, und wa se vU gefunden haben, darvon ge- 
nomen und den andern verteilt^ Zillis Leitgen gesteht (J. Niesert a.a.O. 
S. 143), „sie boucken roggen und gerst zusamen.^ 

') Aus den Bekenntnissen W. Scheiflart^s. Zur Sache vgl. oben S. 627 1 

23 



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738 Anno 1534 acta. 

Sit, sese coram tota multitudine pnrgasse; se id in gratiam om- 
nimn confratrum suorum fecisse \ ne liberationis medium a Patre 
sibi revelatnm excutiat, non uti desertor fiat snosque in necessi- 
tate destitnat; se enim tam adversa quam prospera commnni 
"p. 566. * Sorte cum popnlo Dei latnrum. 

Ludgerns tho Ringe, pictor sui temporis praestantissimus, 
qni filiam nomine Hermannnm tho Binge se excellentiorem pin- 
gendi artificem, symmetriae architecturaeqne peritissimum et 
virum magni ingenii anno 1573 adhnc snperstitem habuit, ne 
seditioso se scMsmate pollneret, nrbe excessit, sed ministrom 
snnm isto malo infectnm neqne admonitiones salatares admit- 
tentem intra moenia suae temeritati reliqnit. Qni postea schis- 
23. Dez. matis pertaesus elapsus captns est ac 23. Decembris tormentis 
adactus fatetur*: 

Primum oppidanos eqninis carnibns vesci ac bonm vac- 
carumqne carnes pro rege, lac vero pro infantibus et praegnan- 
tibus conservari^. Item ante dies paucos tres aromatibus onu- 
stos, quibus equorum carnes condiant, in urbem castris non sen- 
tientibus reversos*. Item omnia apud oppidanos ad eruptionem 



*) So weit aus den Bekenntnissen W. ScheifTart's. Der Diener des 
liUdger to Ring sagt aus: „Ock ist dat gerume bjnnen Munster, wanner 
dat gemeyne Yolck uthfalle, so wil der konig und Enipperdollinck sampt 
iren anhang als koplude up der anderen sjden ock uthfallen und alle golt 
und sylyer mit sick nemen.^ 

*) Die Gestandnisse des Dieners des Ludger to Ring haben sich im 
St-A. M. erhalten und sind noch nicht veröffentlicht. Sie datieren vom 
23. Dez. 1534. Die obere Ecke des ersten Blattes des Aktenstückes ist 
abgerissen, so dafs wir nur den Vornamen Hermann, nicht den Familien- 
namen des Dieners erfahren. — lieber die Malerfamilie to Ring vgl. J. B. 
Nordhoff in Th. Prüfer's „Archiv für kirchliche Baukunst" Bd. 9 u. 10 
(BerUn 1885 u. 1886). 

^) „Item se mothen perde fleisch etten und hebben nicht mer dan 
3 stige perde und hebben noch etzliche koie. De melck brücket men tho 
kleinen kindem und swangem frouwen, und das fleisch werdt alleine von 
dem konynck gespiset." H. Graes giebt die Zahl der Pferde auf 44, der 
Kühe auf 300, Zillis Leitgen auf 96 resp. 220 an (s. J. Niesert a. a. O. 
S. 143 u. 147, die Verbesserungen dazu M. G.-Q. II, 415 f.). 

*) Nachdem der Diener berichtet hat, dafs Peter Symonson aus Fries- 
land wieder nach Münster zurückgekehrt sei, fährt er fort: „Und gegen 
den avent sjn ehme gefolget twe maus und eine fraw, de hebben gehatt 



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Anno 1534 acta. 739 

esse instructa, sed regia saltem mandata ipsos opperiri^ Item 
ßothmannnm in publico conventn et concione dixisse omnes 
reges, electores, principes, comites, magistratns ac nobiles totins 
orbis ipsornmque nxores, filios et filias regi reginaeqne novae 
Syonis subditos et pedisseqnas fore K Item Grasinm solam apo- 
stolorum reliqnis interemptis reversum regi faisse carissimum et 
magnae anctoritatis prophetam'. Item regem aliqnot vasa con- 
tusis carbonibns referta pro pulvere tormentario plebi de eins 
pennria qnerenti ostentare*. Item oppidanos suggerente rege 
sibi persoadere episcopnm anabaptismom scriptis snis appro- 
basse ipsnmqne consortem imperii posse ferre et regi profanam 
administrationem libenter permissnrum, si sibi ecclesiastica non 
adimatnr^ Et alia inepta risaqne digna fatetar, quae perlongum 



einen kramkorff vol pepper, spise, krut, sucker und allerlej kruth gehatt, 
damit men de perde kecken solde, und was wol 4 edcr 5 hundert gülden 
wert gewesen." 

') „Item se hebbcn einen geweidigen und einen verloren hupen ver- 
ordent und alle gewere togerustet und gewarten des konjnges gebot, dat 
se uthtrecken sollen.** 

*) Diese Aeufserung Rothmann's findet sich nicht in dem Bekennt- 
nisse des Dieners, wohl aber in dem des W. Scheiffart, doch behält dort 
Rothmann die Dienste der Könige u. s. w. nicht nur dem Könige Johann 
und der Königin vor, sondern neben diesen auch sich selbst und „siner 
hufsfrauwen« (s. J. Niesert a. a.O. S. 153 und M. G.-Q. II, 295 f.). 

') Ueber H. Graes berichtet der Diener noch weiter, er hätte „pro- 
phetert, wie dat in des capittcls camem solde ein groth schat begraven 
syn. Derhalven se dan eine grote kulen gemaket und den schätz gesocht, 
averst nichts gefunden. Und Knipperdollinck hefft den greveren de luchten 
gehalden. Ock hefft he gesagt, wu dat Got ehme in sjner gefengnifs hebbe 
openbart, he solde an sjnen hals tasten, so solde dat isem dar van springen, 
und solde sick alsdan mit einer spetzen uth dem thom lathen; denn he 
also gedan. Ock sj des Yaders wille, he solle noch kortz wedderumb vor 
den bisschop komen. Wanner ock der konig utthtehen werdt, soUen ehme 
alle buren underdenig sjn.** 

*) So der Diener. Zillis Leitgen bekennt a. a. 0. S. 143: „Sie haven 
locde genoich, aver nit vill pulvers, dan sie machen noch pulver, aver mit 
gebrauten wyne, dewyle sy nit vill zwefels haven.** H. Graes a.a.O. S. 149 
sagt aus: „Dair sint noch bynnen Munster umbtrint 7 tunnen krudes, de 
ick gesehen hebbe.** 

^) So die Aussage des Dieners. Seine sonstigen Angaben bieten 
nichts wesentlich Neues, es sei denn, dafs er berichtet, wie ein Einkönmi- 

23* 



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740 Anno 1534 acta. 

esset chartis committere. Solns antem horum Scheiflfort et ami- 
comm et generosi sanguinis ope liberatnr^ 

Circa festnm Nativitatis magnns Daventriae motns ab ana- 
baptistis excitatur, qni varia annornm genera paulatim ita, nt 
nemo animadyerteret, in aliquot aedes civium congesserant, qui- 
bus ad caedem bonorum et occupandam urbem uterentur, inde 
Monasterium ab obsidione liberarent. Sed cum res proderetor, 
Joannes a Wintzum, consulis filius, cum aliis tribus civibus 
capti et in Brinco (sie enim forum yocant) praecisis capitibus 
• p. 567. extra muros se*pulti suo exemplo motum represserunt '. 

Bex interea iuyentutem urbis yariis agilitatis et militiae 
studiis exercet nunc iaculando, nunc pugnando, nunc currendo, 
nunc saltando. Interdum eam in dissidentes et quasi hostiles 
eiercitus partitur, qui composita utrinque acie per iocum con- 
currunt. Interdum longum agmen in gyrum contorquet; hinc 
idem illud explicat et in phalangem dispositis utrinque comibus 
deducit, inde rursus in cuneum contrahit diversasque aciei for- 
mas effingit^ Interdum currus falcatos regiis insignibus exor- 



ling in Münster verbreitet, der Bischof habe für den 20. Dezember einen 
Sturm auf die Stadt geplant. 

') Er starb am 12. Juni 15!>3. Siehe J. Habets: De Wedcrdoopers 
te Maastricht (Roermond 1877) S. 230. 

*) Zur Sache vgl. C. A. Cornelius in den „Abhandlungen d. hist. 
Kl. d. Egl. Bayerischen Akad. d. Wissensch.'' Bd. 11 Abtlg. 2 (München 
1869) S. 66. — H. Graes hatte die Münsterer auf Hülfe auch von Deventer 
her verwiesen (s. oben S. 728). Da, wo H. Gresbeck berichtet,, dafs der 
König dem H. Graes ein weifses Fähnlein mitgab, fugt er hinzu (S. 116): 
„Datselve solde Henricus laten flogen binnen Deventer up 
dat marckede of up dem brienck, dair solden sick die wieder- 
doepers under geven.^ „Jacob van Wynssem, burgermeister bynnen 
Deventer,'' heifst es in den Aussagen des H. Graes (J. Niesert a.a.O. 
S. 149), „is gedoipt und hefft eine suster bynnen Munster." 

") Vgl. dazu den Bericht H. Gresbeck's S. 122: „So Ket der ko- 
ningh alle wecken alle die maus einmail up den doemhof khomen mit irem 
gewer und geweidigen hoep und mit irem verloren hoep und giengen dair 
in die schlach orden und deden so eine schlacht tegen einander, recht wie 
sie an die feiande weren, dat sie wolden leren, wie dat sie sick solden 
hebben, ofte sie schier ofte morgen solden ein schlacht doin mit den feian- 
den. So heft sick al dat volck gerüstet, al dat werhaftigh was, und hedden 
sick utfa genistet glick wie ein hoep lansknecht . . ." Vgl. auch S. 126 u. 138f. 



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Anno 1534 acta. 741 

natos, nt erant edocti, provehnnt, qnos ipse rex cum expedita 
invenum mnltitndine per iocum saepe singulari certaminis genere 
oppugnat atqne ita snos exercet, nt adversns hostes, si qnando 
eniptionem Ms curribns, sicut decreverat, facturus sit, instruc- 
tiorem contra omnem pugnae aleam exercitum habeat K Sed cum 
equos paulatim cogente necessitate in cibum verterent, propt^r 
eorum penuriam horum curruum usus esse desiit*. Quare in 
partes distracti in sununi templi angulos coUocantur, ubi post 
captam urbem inveniuntur. 

Comitia Confluentina obsidionis causa habita. 

Cum iam tempus comitiomm habendorum instaret ac le- 
gati quatuor electorum Moguntini, Coloniensis, Trevirensis ac 
Palatini, nee non ordines et consiliarii trium provinciarum, sei- 
licet Bhenanae, Inferioris et Westphalicae, ad petitionem episcopi 
Monasteriensis ad diem Luciae*, quae fuit 13. Decembris, Con- is. Dez. 
fluentiam convenissent*, episcopus autem, cum difficillime obsi- 

•') Ms.: Limae. 



*) Von der Wagenburg sagt Bemh. Krechting am 25. Juli 1535 aus 
(J. Niesert a.a.O. S. 193): »Item up des konigs propheteren, das se 
fiolden up Paschen erloset werden, hebben se ehre wagenborch gemacht in 
meynuiig ehren brodern under ogen to thehen." In der Fassung des Be- 
kenntnisses M. G.-Q. II, 380 heifst es, „uit angeven des vursz. Graefsen 
hebben se dat wagenborgh verordent to macken . . ." Eine genauere Be- 
schreibung der Wagenburg liefert uns H. Gresbeck S. 123: »So hebben 
sie die wagenborgh tho genistet und hebben dair geschuit in laten macken 
von lialven schlangen und von falckenetten und halve falckenetten und 
schrappcntmers und hebben ouck laten gietcn eine heile veltslange und 
hedden ouck up karen geschuit gemacket, recht wie orgelpipen, die bei 
einander stonden, von heilen hacken ... So hebben sie die wagenborch 
nicht groter gemacket, dan von vieftehn ofte sefstehn wagen, wante sie en 
hedden des holtcs nicht, dat sie eine groetter macken konden . . .^ 

■^) „De wagenborch, so se angericht," sagt Sybbeken Frese am 19. 
April 1535 aus (St.-A. M.), »hebben se affgestalt umb gebrecke der perde.** 

') Vgl. oben S. 684 f. Eerss. hat keine Kenntnis von den Verhand- 
lungen, die dem Tage zu Goblenz vorhergingen. Bereitwillig war der Herzog 
von Cleve auf das Hülfsgesuch des Bischofs Franz vom G. September ein- 
gegangen und hatte am 11. Sept. erklärt, er halte es für gut, dafs nicht 
nur der niederrheinisch-westfälische, sondern auch der oberrheinische und 



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742 Anuo 1534 acta. 

dioni ipse abesse uon possit, loannem a Dockheim cognomento 
Preiss, lodocum Eulandum archigrammateum, doctorem, Her- 
mannmn a Mengersen, satrapam Snalenbnrgicnm, Temmonem 
ab Hoerde, anlae episcopalis hipparchmn, ac Eberardnm ab Elen 
a secretis eo sno nomine ablegat. A capitnlo vero primario, 
eqnestri ordine et dioecesi Monasteriensi Eotgerus Smisinck, 
scholaster aedis maioris, homo apprime doctns, Gerardns Morrien, 
dioecesis hipparchns, ac Wilbrandns Plonies, consul Monasteri- 
ensis nrbis, mittuntnr. Qui cum eo venissent et ad coetmn 
principnm legatornmque admissi fuissent, ibi nomine stii prin- 
cipis per oratorem gratiis actis referunt ^ : Qnod horrendum ana- 



sachsische Kreis zur Unterstützung herangezogen würden. Doch kam es zu- 
nächst nur zu einer Yersammluiig einiger Stände des niederrheinisch-west- 
fälischen Kreises zu Köln, die in ihrem Abschiede am 26. Octoher die defini- 
tiveEntscheidung auf einen erweiterten Kreistag im Dezember zu Coblenz 
verschoben. Inzwischen hatte sich der Bischof erst durch Vermittlung des 
Erzbischofs von Köln, dann selbständig um Hülfe an die Kurfürsten von 
Mainz und Trier und von der Pfalz, weiter an Burgund und Lüttich, am 

16. October auch an die kaiserlichen Gesandten in Fulda gewandt. Durch 
den Einflufs Cleves hatte zwischen dem Bischöfe und dem Kurfürsten von 
Sachsen eine Annäherung zu Anfang November in Essen Statt gefunden. 
Auf einer Versammlung zu Oberwesel war es dem Landgrafen vou Hessen 
nicht gelungen, die Kurfürsten von Mainz, Trier und der Pfalz zu einer 
ausreichenden Hülfe für Münster zu bewegen und damit die gröfsere Ta- 
gung der Kreisstände in Coblenz zu verhindern. Die Kurfürsten beschlossen, 
die Entscheidung in Coblenz abzuwarten (Abschied vom 16. Nov.); erst 
danach hat sich der Landgraf entschieden, auch seinerseits den Tag zu 
Coblenz zu beschicken. Die Beteiligung des niedersächsischen Kreises war 
durch die ablehnende Stellungnahme des Herzogs Georg von Sachsen ver- 
hindert worden. Nur Kursachsea, das keinem der Kreise angehörte, nahm 
freiwillig an den Beratungen Teil. Zur Sache vgl. L. Keller: G. d. W. 
S. 262 ff. und in der „Histor. Zeitschr.« Bd. 47 (1882) S. 482 f. 

*) Im Folgenden giebt Kerss. eine Uebersetzung des „Abschiedt der 
vier Churfursten am Rhein, auch der Reynischen, Niderl endischen und West- 
feilschen kreyfs Stenndt, Botschaftten und Rhet, so . . . auff dem tag Lucie 
Anno etc. xxxiiii zu Coblentz erschienen sein** vom 26. Dez. (s. P. Bahl- 
mann: Bibl. 1534 Nr. 8). Auf dem Tage waren 34 Reichsstände ver- 
treten. Die Namen der Gesandten sind auch dem Drucke des Abschiedes 
beigefügt. Nach einem Schreiben der Münsterschen Räte zu Coblenz vom 

17. Dez. an den Hofmeister Friedrich von Twist (Orig. in der Bibl. des Alter- 
tumsvereins zu Münster Mscr. 101) kamen dieselben erst am 15. Dez. zum 



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Anno 1534 acta. 743 

baptistanim schisma snperiori Quadragesima in civitatem Mona- 
steriensem aliaqne circnmfusa op*pida et territoria irrepserit, et*p. 568. 
nisi divina ope repressum fuisset, sine dubio illud in cladem 
multonim et avitae religionis interaecionem latins serptnrum 
fuisse. Monasterienses vero tarn in contemptnm privatae admoni- 
tionis a caesarea maiestate factae quam in Indibriam publici 
illicis edicti adversas imperii signata conventa, adversus publi- 
cam pacem, adversns iusiurandnm, adversns pacta et sollicita- 
tiones snas coUegia ac templa profanasse, antiqnas et laudabiles 
ceremonias ac cultnm divinum profligasse, inusitatos mores sub- 
stituisse, libros, literas tam signatas quam non signatas, instru- 
menta et scripta publica magno totius reipublicae malo partim 
discerpsisse, partim flammis exussisse, omnem magistratum tam 
ecclesiasticum quam profanum contempsisse totumque politicum 
ordinem evertisse ac in nihilum redegisse, multorum civium 
bona ipsis pulsis diripuisse eademque communia inter se fecisse \ 
ignotum quendam sarcinatorem regem, qui se Syonis et novae 
Hierosolimae regem appellarit, creasse, sicut concionatores a se 
urbe emissi, qnorum quidam flammis, quidam aquis, quidam 
gladio transgressionis poenas dederint *, confessi sint, qui et hoc 
adiecerunt: se a rege popularis seditionis passim concitandae 
gratia ablegatos, ut innumerabilem et armatam eiusdem farinae 
hominum multitudinem non solum in dioecesis Monasteriensis, 
sed etiam totius Germaniae exitium et eversionem cogant, quae, 
si per vires liceat, totum christianum orbem persuasura eumque 
Omnibus principibus et magistratibus a fide sua abhorrentibus 
gladio incendioque extinctis sibi subiectura sit. Haue impie- 
tatem, haue rapinam, hoc flebile et per vim extortum bonorum 
civium exilium, hanc denique plus quam cyclopicam immani- 
tatem et barbaricam tyrannidem principem suum aegerrime tu- 
lisse et, ne rem pessimi exempli in sua dioecesi aequo animo 
tolerasse existimetur neque Germania ac tandem totus christianus 



Vortrage, da sie „des maendages ander yngefallenen onderhandelong by den, 
stenden angehört bleven." 

') Die Vertreibung der Bürger und Verteilung ihrer Besitztümer ist 
im Abschiede nicht erwähnt. — ^) Im Abschiede: „. .. die zum theil ge- 
fangen und mit dem schwert gericht worden/ 



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744 Anno 1534 acta. 

orbis negligentiae snae causa in vitae, animarum et bonorum 
irreparabilem cladem praecipitetur, ipsum exercituS tarn eque- 
stres quam pedestres comparasse et quorundam vicinorum prin- 
cipum praesidia, ut in Spirensibus et Augustanis comitiis con- 
venerat, ad reprimendam istam impietatem et audaciam implo- 
rasse, qui magnitudinem etiam periculorum expendentes ingentem 
pecuniarum summam ipsi in sumptum belli mutuayerint, milites, 
♦ p. 569. tormenta pulveremque bombardicum in auxilium trans*niiserint 
certissima quidem spe rebellionem Monasteriensium retundendi 
et per gratiam divinam eos ad pristinam obedientiam revocandi ^; 
sed nihil hucusque cum fructu actum esse. Proinde ipsum con- 
tracto bello in compendium septem castra fossis aggeribusque 
munita, quibus singulis quingentorum militum praesidium * ad- 
iectis quibusdam equitum turmis impositum sit, ut oppidanis 
commeatus intercluderetur, circum urbem erexisse et partim 
dioecesis sumptibus, partim mutua pecunia in nonum iam men- 
sem sustentasse et ultra septies centena florenorum miUia huic 
rei impendisse, nee ipsum iam diutius has impensas sine aliorum 
auxilio perferre posse neque 'maiori mutuo superiori nondum so- 
luto principes degravare andere*. Quare status, legatos et con- 
siliarios superiorum principum et provinciarum trium, quotquot 
bis comitiis intersint, suum principem rogare atque obsecrare, ut 
horrendam haue causam simul et periculosam diligenter secum 
expendant neque novum regnum Turcicum in medio christiani 
orbis coalescere sinant*, sed subito eximioque praesidio sibi suc- 
currant atque subveniant^. Si enim illud futurum non sit, se 
diutumo bello exhaustum et fractum rebus istis diutius super- 
esse non posse. Si quid inde mali aut inconmiodi Romano im- 
perio contingat, principem suum purgatum esse velle. 

') Gemeint sind die Hülfsverträge des Bischofs mit dem Erzbischofe 
von Köln und dem Herzoge von Cleve zu Köln am 7. Mai und 20. Juni. 
Vgl. oben S. 592 Anm. u. 600 ff. 

^) Im Abschiede; „sieben fenlin kriegsknecht«.** 

') Im Abschiede: „. . . so wer den chur- und fürsten, die s. f. g. bifs 
anher hilff geleyst, hoch beschwerlich, etwas weither daruf zu wenden.« 

*) Neque — sinant ist Zusatz Kerss.'s. — ») Im Abschiede: ,,. . . und 
8. f. g. itzo mit einer ylenden und zu künfftigen wettertagen mit einer stat- 
liehen und beharlichen hilff zu trost und stewer kommen.« 



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Anno 15o4 acta. 745 

Cum Monasterienses finem dicendi fecissent, illis digressis 
res in consultationem est delata. £t cum non solnm confirmato 
Monasteriensi ac dioecesi, verum etiam imperatoriae ac regiae 
maiestatibus, imperio ac Germanicae nationi ac tandem toti Chri- 
stiane orbi clades, exitium atque eversio ex hac sceleris impuni- 
tate, si non reprimatur, sit metuenda, Monasteriensem ergo tan- 
qnam imperii membrom et reliqnos dioecesis ordines nullo modo 
deserendos et non minus contra haue seetam, quam Turcam, 
bellum ab imperio suscipiendum esse censent^ Quanquam 
autem Joannes Fredericus dux Saxoniae, elector, ad has tres 
provincias huc accitas non pertineat, a reliquis tamen electori- 
bus et episcopo Monasteriensi ^ rogatus, cum causam comitiorum 
intellexisset, suos quoque legatos cum auctoritate eo mittit et 
se in hac pia causa, quae omnium merito cliristianorum prae- 
sidium posceret, contributionem sua sponte facturum pollicetur, 
ut Schisma hoc plenum periculis maturius supprimatur; quare 
*et huius legati ad consilia a statibus admittuntur. Post con-»p. 570. 
sultationem diutumam concordibus tandem sufEragiis ad susten- 
tationem erectorum castellorum et ad continuandam obsidionem 
subsequentia praesidia et articulos decemunt: 

Primum Septem castra ad obsidendam urbem, et ad prae- 
sidium eorum tria millia exercitatissimorum militum sufficere^ 
Si vero Imperator praecipuus iam designatus reliquique quatuor 
iUi a consiliis militaris delectus praefecti post accuratam rerum 
inspectionem utile et necessarium esse iudicaverint pluribus 
castris urbem cingendam, confirmati Monasteriensis curiae et 
dioecesis impensis illud incumbet, ita tamen, ut tria tantum 
millia peditum in castella, quotquot etiam fnerint, distribuantur. 
Stipendiorum quoque exacta ratio habebitur, ut, si quibus plura, 
quam rerum, officiorum et personarum dignitas postulaverit, 



*) Im Abschiede: „. .. keins wegs zu verlassen, sonder das inen die 
hilff pillich mitgeteilt werde; haben demnach zu underhaltnng der ploch- 
heuser sich itzo einer jlender hilff und anders halber nachfolgender ar- 
tickell entschlossen/ 

*) „. . . auf meiner gnedigsten hem der chur- und fursten Cöln, 
Gnlch und des confirmirten von Monster.^ 

') Auch sollen die Blockhäuser „mit geschütz und desselben zuge- 
hörde wol versehen und bestelt werden/ 



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746 Anno ir)34 acta. 

stipendia assignata faerint, cum illis familiariter de diminutione 
stipendiornm agendnm, ne modns excedatnr, ut, qnod istis de- 
tractum fuerit, aliis usibns necessariis applicetnr. Ad haec si 
fossae et aggeres snperimpositis cratibns roboreis in sommitate 
dentatis a castris ad castra continuo dactu nondum protracti 
fnerint neqae castra tormentis, globis, pnlvere nitrato aliisqae 
rebus ad bellum pertinentibus nondum sint communita, ut id 
propediem a confirmato reliquisque Monasteriensis dioecesis sta- 
tibus, sicut in Essendianis comitiis ' convenerit, diligenter curetur 
atque efficiatur. 

Praeterea, cum necesse sit omnes vias circum urbem ita 
obsessas teuere, ne oppidani insperatis eruptionibus adversus 
milites insolescant neve quis ex urbe elabatur efifugiatque neve 
eam ingrediatur, ad quam rem efflciendam cum non equites ex- 
terranei, sed dioecesani partim propter viarum locorumque noti- 
tiam, partim pro in patriam periclitantem amore adducti promp- 
tiores accommodatioresque videantur, et in comitiis Essendianis 
confirmatus et nobilitas Monasteriensis se trecentos equites suis 
sumptibus et impensis in eam rem sustentaturos receperint, — 
cum legatis itaque Monasteriensium actum esse, ut pollicitis 
satisfiat et totidem equites ad oppidanorum eruptionem aut 
fugam in castris ad expeditionem instructi semper maneant dili- 
*p. 571. gentiusque, quam hactenus, in officio suo vigilent* *negligen- 
tiamque maiori studio sarciant imperatorisque monitis pareant; 
et nisi id fiat, metuendum esse, ne principes et Status provin- 
ciarum decretum auxilium iusta de causa denegent. 



') Vgl. oben S. 683 Anm. 3. — «) Die UeberwachuDg der Stadt durch 
die Bischöflichen hatte in der That bisher viel zu wünschen übrig gelassen. 
Das beweisen die erfolgreichen Streifzüge der Münsterer zum Zwecke der 
Zuführung neuen Proviants, von denen die oben angeführten Bekenntnisse 
reden, und die Aussendungen um Hülfe nach Holland u. s. w. Joh. Kettel 
van Tiel sagt ausdrücklich (M. G.-Q. U, 292): „se können dach und 
nacht uth der stat und wedder in kommen." W. Scheifiart ge- 
steht (M. G.-Q. II, 294), man habe den Glaubensgenossen in Holland^ 
Brabant u. s.w. ansagen lassen, „dat se sick dair binnen foegen, want se 
kunnen tusschen die blockhuser aen faer herdurch komen»*' 
Am 13. Dez. erl&fst der Bischof strengen Befehl an die Amtleute, sie sollten 
für bessere Einrichtung des Wachtdienstes sorgen (Konzept im St-A. M.)« 



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Anno 1534 acta. 747 

Tertio in primis curandnm esse, nt periti longoqne bel- 
lomm usn exercitati et seduli duces militibns praeficiantor. Et 
cum Wilkinns Stedingus hactenns omnium castrorum snpremus 
rector faerit, mnltis de causis imperatori militiae iam designato 
et qnatuor Uli a consiliis committitur, ut quam diligentissüne 
de Ullas industria inqniratur et Uli, quo dignns officio, desti- 
netur. Totius autem militiae tam equestris quam pedestris Wi- 
richns comes a Valckenstein ac dominus in überstein moderator 
seu Imperator designatur \ ut coeptam obsidionem sex mensibus, 
quibus auxilium decretum est, praesens in castris semper con- 
tinuet, nocturnae diumaeque vigiliae et stationes tam equitum 
quam peditum quam accuratissime agantur, ne quicquam, quod 
ad pubUcum et privatum imperatoris officium pertinet, omit- 
tatur. Huic quatuor consiliarii rei bellicae peritissimi a Trevi- 
rensi, Coloniensi, luliaco et Hasso designandi adiunguntur, quo- 
rum semper bini^ altemis mensibus consUii capiendi causa de 
rebus praeter opinionem forte incidentibus in castris apud mo- 
deratorem militiae manebunt, quorum etiam consilio pactorum 
militarium articuli pro ratione circumstantiarum conmiutabuntur, 
delectus militum habebitur, castra necessariis munitionibus, fossis, 
aggeribus, cratibus roboreis, tormentis et similibus firmabuntur*. 
Ad haec grammateus exercitatus designabitur*, qui continuus 
in castris degat nee ab imperatore recedat. 

Quarte ad sustentationem exercitus castrensis, supremi mo- 
deratoris et quatuor consiliariorum, quaestoris aerarii, grammatei 
militaris, exploratorum, nunciorum aliorumque impendiorum quin- 



*) Oberster Feldhauptmann vor Münster war bisher nach den Be- 
stimmungen des zweiten Tages zu Neufs am 20. Juni der Bischof Franz^ 
(s. oben S. 604 Anm. 2). 

*) „, .. als nembllch der Tryrisch und Gülgisch und darnach der 
Cölnisch und Hessisch . . .'^ Die Eäte sollen zuerst am 6. Januar 1535 in 
Warendorf sein. 

*) Im Abschiede heifst es weiter: „. . . sich daby gelegenheit, wesens 
und haltens des kriegsvolcks eygentlich erkundigen und was mangels und 
ungeschicklicheit erfunden wurde, dasselbig sampt dem obersten zum besten 
keren und anschicken . . ., was aber ires erhebens nit were, dasselbig jeder 
zeit an die obgemelten chur- und forsten zu bringen, der gepur dar nnder 
zu verfügen.** — *) Und zwar von Seiten des Obersten. 



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748 Anno 1534 acta. 

decim miUia ilorenonun Bhenensiom in singulos menses a prae- 
dictis principibus et provinciarnm ordinibus contribuenda decer- 
nuntur \ unde moderator totius rei militaris, quem imperatorem 
appellavimus, qningentos, consiliarii singiüi et delectus praefecti 
ducentos, qnaestores aerarii quinquaginta, grammateas qninqne 
et viginti florenos singulis mensibns capient; reliqnis vero penta- 
••p. 572. cosiarchis, signiferis, centurionibus, tribunis inferiorumqne *offi- 
ciorum praefectis et gregariis militibns Embdensis monetae floreni 
assignantnr. Hoc autem praesidium ad sex tantum menses de- 
ceraitnr. Sed si intra illud tempus nrbs non capiatur, aliis co- 
mitiis opns esse. Triam priornm mensium decretnm praesidium 
ad festum Purificationis Mariae*, inde duorum ad festum Pa- 
schae^, Ultimi autem mensis ad festum Pent-ecostes * exolvetur. 
Trium electorum, scilicet Moguntini, Trevirensis, Palatini, illo- 
rumque provinciales simul et Rhenanae provinciae status suam 
decreti praesidii partem apud senatum Confluentium, sed Colo- 
niensis, Saxo simul et Inferioris ac Westphalicae provinciae 
ordines contributionem suam apud senatum Coloniensem depo- 
nent, unde militiae consiliarii, quoties opus est, in usum stipen- 
diorum redditis apochis postulabunt. Si vero interea urbs vel 
expugnetur vel dedatur, ratione facta et deductis impensis super- 
flua pecunia pro rata portione singulis statibus restituetur. Qua- 
tuor militiae consiliarii loannem üdenheim in quaestorem aerarii 
adsciscunt, qui legatis principum ac provinciarnm oumium re- 
ceptorum expositorumque rationem exactam reddet; dabitque 
operam, ne miles negati sibi stipendii causa in castris tumul- 
tuetur. Totius militiae moderator, consiliarii, duces, pentacosi- 
archae et omnes, quotquot officiis condecorantur, principibus et 
statibus supradictis sacramento militari erunt obstricti, miles 
quoque nunc in castris et obsidione degens hactenus confirmato 
Monasteriensi iureiurando obligatus eo remisso universae militiae 
gubernatori nomine superiorum statuum iuratus erit*. 

M ^. . . und 8ol solcher Rjnisch gülden zu fünflPteehen balzen, sechss 
und tzwentzig weyfspfennig und tzwen pfennig, oder ein und tzwentzig 
groschen oder dergleichen werdt verstanden und gerechent werden.** 

*) 2. Febr. If»85. — ») 28. März. — *) 16. Mai. 

*) Diese Bestimmung führte später zu Differenzen zwischen dem 
Bischof und dem Oberbefehlshaber. S. weiter unten. ~ Im St.-A. M. haben 



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Anno 1534 acta. 749 

Qninto decretnm est milites nnnc in castris retinendos esse, 
sed alios ipsis adinngendos, non tarnen ultra triam millinm nn- 
merum, nisi aliqui eomm vel inobedientiae vel contumaciae vel 
sceleris et impietatis vel mditatis armorum nomine in delectn 
militiae excludantnr, in qnorum locnm meliores et exercitatiores 
snbstitnantnr. 

Sexto matura deliberatione in bis comitiis constitutum est, 
ut civitates, pagi, arces et quaelibet aliae munitiones, quae a 
confirmato ac dioecesi Monasteriensi defecerunt aut in posterum 
defecerint *et per principum provinciarumque decretum auxilium »p. 573. 
iure belli recuperatae fuerint, iurisdictioni episcopali nullo modo 
subtrahentur neque a dioecesi Monasteriensi et imperio quovis 
colore quaesito abalienatae peregrinis dominus subiicientur K Si 
Monasterium intra decreti praesidii sex menses aut expugnatum 



sich (M. L.A. 518/19 VIII. fol. 167 «f.) die Artikel erhalten, die von den 
Kreisständen in Coblenz im Laufe der Verhandlung den Münsterschen Räten 
vorgehalten wurden, ebenso die Antworten, die die Räte darauf erteilten. 
Auf den Artikel, dafs der Bischof „die knecht mit den gethanen pflichten 
an den uhersten hauptmann weisen solt, demselbigen an stat der kreys- 
stende etc. gewertig zu sein,*' erwiderten die Räte schon während der Ver- 
handlungen, „das mein g. h. ongetzweivelt sampt dero lantschafft sich nit 
wenig des wurden erfreuwen, das die stende darselbst einen uhersten haupt- 
man verordent, und wurde auch ir f. g. zu noitturfFt und berichtung der 
Sachen die iren zugeben. Aber die rethe wyllen ... nit bergen, das die 
knecht, und zuvor die, so ein einf eltig und ploefs bezoldung hetten, ... 
gern sich aus dem dienst begeben selten. Wo nu dieselbig knecht selten 
mit pflichten und eyden demselbigen uhersten zugestalt werden und auff 
neuwe artickell und besteUung sweren selten, das daraus sie Ursachen 
muchten nemmen, sich aus dem dienst zu begeben und die blockhausser 
zu yerlaissen . . . Mein g. h. wurde wal verschaffen, das die knecht dem 
uhersten sollen gehorsam leisten . . .** 

^) In Bezug auf die Verpflichtung des Bischofs, „das stifft Munster 
bei dem reich unzertrent pleiben zu lassen, auch das in ander band nit 
stellen adir an sich zu loefsen nit vcrgunnen,*' erklärten die Münsterschen 
Räte während der Verhandlungen, „das mein g. h. noch derselbige lant- 
schaffti dasselbig in ir gemuet nit genommen, vil weniger wurden sie es 
thun, wan inen von e. g. w. und gunsten wurde gehulffen . . . S